Dante Gabriel Rossetti, ein Gedichtband, und das Grab seiner Frau Elizabeth Siddal

 

Die Grabstätte der Rossettis. Der in der Mitte des Bildes halb liegende Grabstein ist der von Elizabeth Siddal.
Photo: Robert Freidus
Source: The Victorian Web

Hätte es im 19. Jahrhundert schon Kopiergeräte gegeben, wäre folgende Geschichte nicht passiert.
Dante Gabriel Rossetti (1828-1882) war ein Maler und Dichter, der zu der Gruppe der Präraffaeliten gehörte. Trotz seines Namens war er ein echter, in London geborener Brite, über dessen Vorliebe für Wombats ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe.

Seit 1852 war eine andere Dichterin und Malerin der Präraffaeliten, Elizabeth Eleanor Siddal, die Geliebte von Rossetti, die er am 23. Mai 1860 in Hastings heiratete. Die Ehe dauerte leider nicht lange, denn Mrs. Rossetti verstarb bereits am 11. Februar 1862 im Alter von nur 32 Jahren. Dante Gabriel war vom Schmerz überwältigt, und als er seine Frau auf dem Londoner Highgate Cemetery zu Grabe trug, legte er ein Manuskript mit seinen unveröffentlichten Gedichten in den Sarg und verbarg es unter der roten Haarpracht der Verblichenen.

Nach sieben Jahren fand der Dichter, dass es doch keine so gute Idee war, seinen Gedichtband in den Sarg zu legen, denn er brauchte dringend Geld, und die Veröffentlichung seiner früher geschriebenen Gedichte hätte seine Geldnot lindern können. Da kam er auf die etwas sonderbare Idee, das Manuskript wieder ans Tageslicht zu holen und das Grab öffnen zu lassen. Das konnte man natürlich nicht so ohne weiteres tun, aber da Dante Gabriel Rossetti mit dem damaligen Innenminister befreundet war, bekam er die Erlaubnis dafür. Am 5. Oktober 1869 war es soweit, das Grab und der Sarg wurden geöffnet und das Manuskript aus den roten Haaren von Elizabeth Siddal entflochten, die sich darum herumgewickelt hatten. Der Zustand des Buches war erschreckend, die Seiten klebten aneinander, mache Textstellen waren kaum noch lesbar, und das verwendete Desinfektionsmittel hatte ein Übriges getan. Eigentlich wollte der Dichter diese Nacht und Nebel-Aktion geheim halten, doch die Buchexhumierung sprach sich schnell herum und Rossetti handelte sich dafür viel Kritik ein. Der Gedichtband wurde veröffentlicht und es hieß, dass er sich gut verkaufte.

Die Familiengrabstätte der Rossettis befindet sich auf dem Westflügel des Highgate Cemeteries und dort steht auch der Grabstein von Elizabeth Eleanor Siddal.

Hier ist die Geschichte ziemlich dramatisch im Film nachgestellt.