Edith Smith, Großbritanniens erster Woman Police Constable aus Grantham in Lincolnshire

Das Grantham Museum, in dem Ausstellungsstücke von Edith Smith zu finden sind. Links neben dem Gebäude liegt der Edith Smith Way.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Grantham Museum, in dem Ausstellungsstücke von Edith Smith zu finden sind. Links neben dem Gebäude liegt der Edith Smith Way.
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Ich bin nur einmal in Grantham in Lincolnshire gewesen, einem Ort, der immer wieder als langweiligste Stadt Englands bezeichnet wird, was ich nicht so richtig nachvollziehen kann. Grantham ist vor allem durch zwei Persönlichkeiten bekannt geworden, durch Sir Isaac Newton (1642-1727), der hier in der King’s School zur Schule ging und durch eine Bronzestatue geehrt wird, und durch The Baroness Margaret Thatcher (1925-2013), die in Grantham geboren wurde und hier ebenfalls zur Schule ging, aber durch kein Denkmal geehrt wird, nur durch eine Plakette an ihrem Geburtshaus in der Broad Street.

Margaret Thatcher war Großbritanniens erste weibliche Premierministerin. Eine weit weniger bekannte Frau ist Edith Smith (1879-1924), die auch in Grantham wirkte, und die die erste „richtige“ Polizistin des Königreiches war. Eigentlich hatte Mrs Smith eine Ausbildung als Hebamme und stammte auch nicht aus Lincolnshire. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war sie in London und arbeitete dort beim Women’s Police Service mit, der die männlichen Polizisten in bestimmten Arbeitsbereichen unterstützte, aber keine weitreichenden Befugnisse hatte.

Im Dezember 1915 ging Edith Smith nach Grantham, wo sie als erste Frau im Polizeidienst vom dortigen Chief Constable mit dem Recht ausgestattet wurde, Verhaftungen vorzunehmen. WPC Smith hatte gleich alle Hände voll zu tun, denn um die Stadt Grantham herum gab es mehrere Garnisonen mit Tausenden von Soldaten…und wo Soldaten sind, gibt es auch Prostituierte. Hier ergab sich für Edith Smith ein weites Betätigungsfeld, dem sie sich sieben Tage in der Woche, beinahe rund um die Uhr, widmete. Dabei ging sie sehr feinfühlig vor, bewahrte zahlreiche Frauen davor, vor Gericht gestellt zu werden und versuchte, wo immer sie konnte, die Prostitution einzudämmen, was nicht leicht war, denn sie war ganz allein auf sich gestellt. Von ihrem verbrieften Recht, Verhaftungen vorzunehmen, machte sie nur selten Gebrauch. Ob sich die Polizistin durch ihre Arbeit bei den Soldaten viele Freunde machte, ist wohl sehr fraglich.

1918 verließ Edith Smith die Polizeitruppe wieder, ging von Grantham nach Runcorn in Cheshire, wo sie sich einige Jahre später mit einer Überdosis Morphium das Leben nahm. Das Grantham Museum hat einige Ausstellungsstücke von ihr, wodurch sie sich in erlesener Gesellschaft befindet, denn auch an Isaac Newton und Margaret Thatcher wird in den Räumen erinnert.

Eine schmale Gasse zwischen dem Museum und dem Guildhall Arts Centre ist Edith Smith Way getauft worden und hier wurde am 19. Oktober 2014 von der Grantham Civic Society eine blaue Plakette angebracht mit der Inschrift „PC Edith Smith – 1880-1924 – Pioneer Policewoman Served In Grantham 1915-1918“. Die Zeremonie wurde übrigens von DCC Heather Roach vorgenommen, einer Polizistin in hohem Rang, die ihre Karriere in der Stadt in Lincolnshire begann.

Heute sind rund 28% aller Polizisten in England und Wales weiblich, gar nicht so wenige in leitender Position.

Published in: on 14. Dezember 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Pubschilder – The Beehive in Grantham (Lincolnshire)

The Beehive in Grantham (Lincolnshire).    © Copyright Jo Turner and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Beehive in Grantham (Lincolnshire).
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In Margaret Thatchers Geburtsort Grantham in Lincolnshire gibt es in der Straße Castlegate einen Pub aus dem 16. Jahrhundert, dessen „Schild“ außergewöhnlich ist. Statt eines gemalten Schildes weist dort in einem Baum direkt vor der Eingangstür ein Bienenkorb auf den Pubnamen The Beehive hin und darin wohnt sogar ein richtiges Bienenvolk. Ich meine, das ist einmalig in ganz Großbritannien. Die Linde ist der einzige Baum in diesem Teil der Castlegate und der Bienenkorb soll mindestens schon seit 1830 in ihrem Geäst angebracht sein. Unter diesem kuriosen Pubschild ist eine Plakette mit diesem Vers zu finden:

Stop Traveller! This wondrous sign explore
And say, when thou has viewed it o’er,
Grantham, now two rarities are thine:
A lofty steeple and a living sign

Der Hinweis auf den „lofty steeple“ bezieht sich auf die Kirche St Wulfram’s, die am anderen Ende der Straße zu finden ist, und deren Kirchturmspitze 86 Meter in die Höhe ragt, womit sie auf der Rangliste der höchsten Kirchtürme des Landes auf Platz 6 steht.

Die fleißigen Bienen produzieren etwa 30 Pfund Honig pro Jahr, der im Gasthaus auch verwendet wird.
Direkt gegenüber vom Beehive steht ein Konkurrenz-Pub, der nach der Straße benannt ist: The Castlegate, übrigens mit einem „richtigen“ gemalten Pubschild, das den Kirchturm von St Wulfram’s zeigt.

Hier ist ein kleines Porträt der Bienen.

The Beehive
10/11 The Castlegate
Grantham NG31 6SE

Hier werden jedes Jahr rund 30 Pfund Honig produziert.    © Copyright Jo Turner and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier werden jedes Jahr rund 30 Pfund Honig produziert.
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Published in: on 14. April 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Grantham (Lincolnshire) – langweiligste Stadt Englands?

© Copyright Peter Langsdale and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Immer wenn man von der Stadt Grantham in Lincolnshire hört, wird diese in Verbindung gebracht mit der langweiligsten Stadt Englands. Das ergab einmal vor vielen Jahren eine Umfrage des Senders BBC 1.

 Meine persönliche Einschätzung ist eine andere. Wir aßen zu Mittag im Angel and Royal Hotel, einem eindrucksvollen Gebäude im Zentrum der Stadt: Ein Muss für meine Frau als Ricardianerin, da in diesem Haus Richard III 1483 Hof hielt und zwar dort, wo heute das King’s Room Restaurant ist. Dort erfuhr er, dass sein treuester Verbündeter, der Duke of Buckingham, sich gegen ihn gestellt hatte. Hier schrieb er einen Brief an den Großkanzler, in dem er ihm den Verrat mitteilte, worauf das Todesurteil für den Duke unterschrieben wurde. Der Orignalbrief ist im Britischen Museum aufbewahrt; eine Kopie des Briefes hängt im Restaurant, die wir uns natürlich ansahen.

Grantham ist auch der Geburtsort der Eisernen Lady, Margaret Thatcher, die hier am 13. Oktober 1925 geboren wurde und wo sie die ersten 18 Jahre ihres Lebens verbrachte. Wenig erinnert heute an die frühere Premier Ministerin in Grantham; man hat ihr hier kein Monument errichtet und es gibt keine geführten Touren auf den Spuren von ihr.

Der berühmte Isaac Newton besuchte im Alter von 12 bis 17 in Grantham die King’s School, die es noch heute gibt, und in der Bibliothek der Schule hatte er seinen Namen auf einem Fensterbrett eingeritzt, was noch heute zu sehen ist.

In Grantham gibt es den einzigen Pub in England, der ein lebendes Pubschild hat. „The Beehive“ (Der Bienenstock) hat einen Bienenstock direkt vor dem Haus und kann auf ein gemaltes Schild verzichten.

Langweilig fand ich die Stadt wirklich nicht und es gäbe noch sehr viel mehr über sie zu berichten.

Margaret Thatchers Geburtshaus. - © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Hier ist eine  kleine Stadtrundfahrt.

Published in: on 26. Februar 2010 at 22:14  Schreibe einen Kommentar  
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