Der Wainhouse Tower in Halifax (West Yorkshire) – Das höchste Folly der Welt

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Folly“ (so die Wikipedia) bezeichnet in der Gartenkunst ein Bauwerk, das sich durch die ihm zugrunde liegende exzentrische Idee und seine extravagante Ausführung von anderen Gartenstaffagen unterscheidet. Der Begriff wird auch in der Architektur für einen ungewöhnlichen Zierbau verwendet.

Ich habe in diesem Blog im Laufe der Zeit schon einige besonders markante Follies in England vorgestellt, heute ist nun der Wainhouse Tower in Halifax in der Grafschaft West Yorkshire an der Reihe.

Mit 84 Metern Höhe ist der Turm das höchste Folly in der Welt und das will schon einiges heißen. Eigentlich sollte der Turm ein Schornstein werden, den John Edward Wainhouse von 1871 – 1875 errichten ließ. Da er aber die dazugehörige Fabrik verkaufte, bevor der Schornstein/Turm fertiggestellt war und der neue Besitzer ihn nicht haben wollte, behielt Wainhouse den Turm und wollte ihn als Observatorium umbauen. Der Architekt Richard Swarbrick Dugale baute jedoch derart viele Pfeiler, Säulen und Balustraden an, dass für ein Teleskop absolut kein Platz mehr gewesen wäre.

Nach dem Tode seines Besitzers wurde der Turm versteigert, wechselte mehrfach den Eigentümer und gehört jetzt dem Calderdale Council.

Im Juli 2008 wurde der Wainhouse Tower vollständig renoviert, da es Sicherheitsmängel gab und im Mai 2009 wieder der Öffentlichkeit übergeben, die an bestimmten Tagen im Jahr Zutritt hat, in diesem Jahr heute am 19. Juni  und am 29. August. Für  £2.50 kann man die 400 Stufen erklimmen und von oben einen grandiosen Blick auf Yorkshire genießen. Dieser außergewöhnlich schöne Film zeigt den Turm mit Hilfe einer Quadrocopter-Kamera.

Die Huffington Post zählt den Wainhouse Tower zu den 10 interessantesten Follies der Welt; in England gehören noch dazu: The Forbidden Corner bei Leyburn in North Yorkshire,  die Williamson Tunnels in Liverpool und Bettison’s Folly an der Ostküste von Yorkshire in Hornsea. Alle drei habe ich in meinem Blog bereits vorgestellt.

Man erreicht den Turm im Süden der Stadt Halifax zu Fuß von der Straße Wakefield Gate aus, die von der Skircoat Moor Road abzweigt.

Die imposante Kuppel des Turms.   © Copyright Alexander P Kapp and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die imposante Kuppel des Turms.
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Der Turm wirft seinen Schatten über Halifax.   © Copyright Ivan Hall and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Turm wirft seinen Schatten über Halifax.
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The Halifax Gibbet – Eine Guillotine, die noch immer in der Stadt in West Yorkshire aufgestellt ist

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An der Ecke Gibbet Street und Bedford Street in Halifax (West Yorkshire) befindet sich ein winziger, baumbestandener Park, der eine Besonderheit aufweist, die es in England kein zweites Mal gibt: Hier steht noch immer eine Guillotine, die allerdings nicht mehr benutzt wird. Lange ist es her, da wurde von The Halifax Gibbet reichlich Gebrauch gemacht. Schätzungsweise 52 Menschen (die Zahlen variieren da etwas) verloren auf diesem Platz ihren Kopf, ihre Namen stehen auf einer Tafel, die man hier angebracht hat.

Wer waren die armen Seelen, die man in Halifax enthauptete und warum tat man das überhaupt? Es waren keine Mörder oder Schwerverbrecher, die man mit Hilfe der Guillotine hinrichtete, es waren kleine Diebe, die Stoffe gestohlen hatten. 1650 waren Anthony Mitchell und John Wilkinson die Letzten, die man hier um einen Kopf kürzer machte. Damals gab es ein Gesetz, Gibbet Law genannt, wodurch jeder hingerichtet werden konnte, der Waren im Wert von 13 ½ Pence und mehr gestohlen hatte. Die Stoffherstellung war seinerzeit in der Stadt im Westen Yorkshires extrem wichtig und Grundlage für einen gewissen Wohlstand, der sich hier breit gemacht hatte. Und da wollte man mit drastischen Methoden dem Diebstahl des wertvollen Gutes einen Riegel vorschieben.

Oliver Cromwell verbot den weiteren Einsatz der Enthauptungsmaschine und man baute sie (sehr zur Erleichterung weiterer potentieller Diebe) ab. Die steinere Plattform auf der das Gerät stand, blieb erhalten und im August 1974 stellte man eine Replika des Halifax Gibbets darauf. Ob wohl dadurch die Diebstahlsquote in der Stadt drastisch gesunken ist?

In dem Lied „From Hull, Hell and Halifax“ (hier zu hören) geht es u.a. auch um The Halifax Gibbet.

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Published in: on 15. Mai 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Percy Shaw aus Halifax in West Yorkshire – Der Erfinder der Katzenaugen

Ein in die Straßenoberfläche eingelassenes Katzenauge. This work is released  into the public domain.

Ein in die Straßenoberfläche eingelassenes Katzenauge.
This work is released into the public domain.

Wäre Percy Shaw an einem nebligen Abend im Jahr 1933 nicht von seinem Lieblings-Pub, dem Old Dolphin in Queensbury, auf der Highgate Road nach Halifax (West Yorkshire) zurückgefahren und hätte nicht an genau zu diesem Zeitpunkt eine Katze neben der Straße gesessen, als Shaw vorbeifuhr, so würden möglicherweise die Straßen dieser Welt weniger sicher sein. Die Scheinwerfer von Shaws Auto erfassten nämlich die Katze bzw. deren Augen, die deutlich zu erkennen waren und das brachte den Mann aus Yorkshire auf eine Idee: Wenn man Straßen mit reflektierenden „Katzenaugen“ versehen würde, dann könnte man sich bei schlechten Sichtverhältnissen viel besser orientieren und sich sicherer fühlen.

Shaw machte sich gleich an die Arbeit und experimentierte mir Reflektoren, die man in die Fahrbahnen einlassen konnte. Als er mit dem Ergebnis schließlich zufrieden war, meldete er seine Erfindung 1934 zum Patent an. Er ging gleich noch einen Schritt weiter und gründete ein Jahr später in Boothtown, einem Vorort von Halifax, eine Firma namens Reflecting Roadstuds, die diese Reflektoren herstellte und die das auch heute noch tut. Das Wort „Catseye“ wurde als Handelsmarke eingetragen und darf nur von der Firma in West Yorkshire verwendet werden. Der Absatz verlief erst schleppend, man baute einige Katzenaugen in Straßen zwischen Bradford und Leeds ein. Der große Durchbruch kam im Zweiten Weltkrieg, als man die Bedeutung der Reflektoren nachts bei der Verdunkelung erkannte. Nach dem Krieg wurden sie millionenfach in die Straßenoberfläche eingebaut, und Percy Shaw wurde zu einem sehr reichen Mann, der aber trotzdem sein ganzes Leben in seinem Elternhaus in Halifax verbrachte, wo er äußerst spartanisch wohnte. Als einzigen Luxus leistete er sich einen Rolls Royce Phantom.
In Anerkennung für seine Leistungen erhielt Shaw 1965 den Order of the British Empire.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Reflektoren verändert und verbessert; so befinden sich heute auch sonnenenergiebetriebene LED-Katzenaugen im Einsatz.

Was wohl aus der Katze geworden sein mag, die an jenem nebligen Tag an der Straße in West Yorkshire gesessen hat? Ein kleines Stückchen von dem OBE hätte sie eigentlich auch verdient gehabt.

The Old Dolphin steht noch immer an der Highgate Road in Queensbury.

Am 1. September 1976 starb Percy Shaw dort, wo er sein ganzes Leben zugebracht hatte, im Boothtown Mansion in Halifax im Alter von 86 Jahren.

Das Buch zum Artikel:
Florence Edwards: Catseyes – Biography of Percy Shaw. Blackwell Publ. 1972. 64 Seiten. ISBN 978-0631127109.

The Old Dolphin in Queensberry (West Yorkshire).    © Copyright Humphrey Bolton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Dolphin in Queensbury (West Yorkshire).
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Hier oben in Boothtown an der Mill Lane gründete Percy Shaw seine Firma     © Copyright Betty Longbottom and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier oben in Boothtown an der Mill Lane gründete Percy Shaw seine Firma Reflecting Roadstuds.
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Published in: on 6. Januar 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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