Rose-ringed parakeets – Die Invasion der Halsbandsittiche

Kann man im Südosten Englands schon von einer Invasion oder einer Plage sprechen, wenn es um die bunten Halsbandsittiche geht, die in den letzten Jahren immer häufiger anzutreffen sind und deren eigentliche Heimat Afrika, Asien und Australien ist? Psittacula krameri ist ihr lateinischer Name und rose-ringed parakeets nennt man sie im englischsprachigen Raum.  Diese hübsch anzusehenden kleinen Exoten haben sich enorm vermehrt und man schätzt ihre Population in England auf bis zu 50 000. Besonders viele dieser Sittiche findet man im Süden und Südwesten Londons, so dass man von Kingston parakeets spricht, die sich im Raum Kingston upon Thames zusammengerottet haben. Zwei besonders beliebte Brutplätze sind der Esher Rugby Ground in Surrey an der Peripherie Londons und der Hither Green Cemetery am Verdant Lane im Süden der Stadt. Wo kommen diese Vögel denn nun eigentlich her, die man eher in Käfigen von Kinderzimmern vermutet?

Da gibt es mehrere recht kuriose Theorien:

Theorie 1: Der legendäre Rocksänger und -gitarrist Jimi Hendrix ist dafür verantwortlich. Der hatte nämlich in den 1960er Jahren in der Carnaby Street ein Pärchen Halsbandsittiche freigesetzt. Der US-Amerikaner wohnte damals in der Brook Street, dort wo auch der Komponist Georg Friedrich Händel früher einmal seine Wohnung hatte.

Theorie 2: Ein Flugzeug verlor beim Landeanflug auf London einen Teil seines Fahrgestells, das auf eine Voliere fiel, in der Halsbandsittiche untergebracht waren und die plötzlich die Chance bekamen, das Weite zu suchen.

Theorie 3: Bei den Dreharbeiten zu dem Film „The African Queen“ im Jahr 1951 in den Londoner Isleworths Studios flüchteten einige der dort als „Statisten“ eingesetzten Vögel.

Theorie 4: Bei dem Orkan, der in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober 1987 Großbritannien heimsuchte, wurden Volieren zerstört, so dass die dort untergebrachten Sittiche in Freiheit gesetzt wurden.

In  der Beliebtheitsskala rangieren die rose-ringed parakeets nicht ganz so weit oben, denn die einheimische Vogelwelt scheint unter ihnen zu leiden, und die Besitzer von Obstgärten, Weinbauern und Farmer müssen sich ihrer erwehren, weil die gefiederten Exoten einen grenzenlosen Appetit auf deren Früchte haben.

Hier ist ein Film über die Sittiche.

Halsbandsittiche in London.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Hither Green Cemetery, ein beliebter Brutplatz für die Sittiche.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

 

 

Published in: on 13. August 2017 at 02:00  Comments (1)  
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