Village Signs – Horsford in Norfolk

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In meiner Reihe über englische Dorfschilder möchte ich heute eines vorstellen, das es mir besonders angetan hat und das an der B1149 in Horsford in Norfolk, nördlich von Norwich, steht. Geschaffen hat es niemand anderes als der in der Branche der Dorfschildmacher herausragende Harry Carter aus Swaffham (Norfolk), über den ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe.

Was bietet sich als Motiv für ein Dorf mit dem Namen Horsford an? Richtig, ein Pferd, das in einer Furt in einem Flusslauf steht. Genau das hat Harry Carter auch in seinem Bild dargestellt. Das weiße Pferd steht in dem flachen Wasser des River Hor an dem das Dorf liegt, und so gibt es auch die Meinung, dass Horsford nicht nach dem „Horse“ sondern nach dem „Hor“ benannt worden ist. Wie auch immer, das Village Sign ist gut gelungen und es wurde 1978 vom Horsford Afternoon Women’s Institute anlässlich seines 50jährigen Bestehens der Gemeinde übergeben. Lady Barrett-Lennard, deren Familie seit Jahrhunderten die Lords of the Manor hier stellte, hatte die Ehre das Schild zu enthüllen. Zu sehen ist es auf der linken Seite der B1149, wenn man die Straße in Richtung Norden befährt.

Fährt man aber in die Gegenrichtung, so sieht man ein ganz anderes Bild auf dem Schild. Es zeigt drei weißgewandete junge Frauen, die sich offensichtlich himmelwärts begeben, vor einem Hintergrund, der aus einer Pyramide, Bergen und einem See besteht. Es handelt sich hierbei um die Nachbildung eines Kirchenfensters in der Dorfkirche All Saints. 1890 wurde dieses Fenster (in München vom Institut für kirchliche Glasmalerei hergestellt) eingebaut, in Erinnerung an die Schwestern Edith, Dorothea und Nona Day, die alle Anfang der 1890er Jahre innerhalb von 18 Monaten an Tuberkulose starben. Eine fiel der Krankheit in Ägypten zum Opfer (daher die Pyramide), die beiden andern in der Schweiz, wo sie Heilung erhofften (daher die Berge und der See). Die Familie Day lebte seinerzeit auf Horsford Hall und war in der Gemeinde sehr beliebt, da sie dem Dorf sehr viel Gutes taten.

Ich liebe diese Village Signs, weil jedes eine Geschichte zu erzählen hat, die sich allerdings dem Betrachter nicht immer auf den ersten Blick erschließt.

Hier ist ein Film mit Bildern aus Horsford.

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Published in: on 12. April 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Harry Carter – Norfolks Vater der Village Signs

Harry Carters erste Arbeit: The Pedlar of Swaffham. © Cameron Self. http://www.literarynorfolk.co.uk/

Harry Carters erste Arbeit: The Pedlar of Swaffham.
© Cameron Self of Literary Norfolk.

Die Stadt Swaffham in Norfolk kennt der eine oder andere vielleicht als Schauplatz der ITV-Serie „Kingdom“ (2007-2009), in der Stephen Fry den Rechtsanwalt Peter Kingdom spielt. Der berühmte Archäologe und Ägyptologe Howard Carter, der 1922 das Grab Tutanchamuns entdeckte, verbrachte seine Kindheit in Swaffham, und er war ein Verwandter eines anderen Carters, nämlich Harry Carter, der in die Geschichte Norfolks als der Vater der Village Signs eingegangen ist.

Harry Carter wurde 1907 in London geboren und besuchte dort das Slade College of Art; später ging er nach Swaffham und arbeitete als Kunstlehrer an der Hamonds Grammar School. Seine besondere Vorliebe galt der Holzschnitzerei und so hatte er eines Tages die Idee, für  Swaffham ein Town Sign zu gestalten, das die im Ort berühmte Figur des Pedlars of Swaffham zeigte. Dieser fliegende Händler namens John Chapman hatte im 15. Jahrhundert mehrere Nächte hintereinander einen Traum, dass er nach London gehen würde und dort auf der London Bridge einen Fremden treffen würde. Chapman ging nach London und traf dort tatsächlich einen Fremden auf der Brücke, der ihm auch von einem Traum berichtete, dass im Garten eines Hauses in Swaffham in Norfolk ein Schatz vergraben läge. Chapman eilte in seine Heimatstadt zurück, buddelte in besagtem Garten…und fand den Schatz. Einen Teil des Schatzgeldes gab er der Kirche St. Peter and St. Paul’s, damit Renovierungsarbeiten durchgeführt werden konnten.

Bis zum Jahr 2012 stand Harry Carters Schild auf dem Marktplatz in Swaffham, dann wurde es höchste Zeit für eine gründliche Restaurierung, denn der Zahn der Zeit hatte an dem Holzschild sehr stark genagt. Der Restaurator war Colin Yorke, der, wie Carter, viele Jahre lang an der Hamonds School gearbeitet hat.

Harry Carter fand Gefallen an den Dorfschildern und gestaltete bis zu seinem Tod im Jahr 1983 über 150 weitere allein in Norfolk. In den angrenzenden Grafschaften sollen es über 70 gewesen sein. Carter arbeitete sehr sorgfältig, so dass die Fertigstellung eines Schildes manchmal mehrere Monate dauern konnte. Er bevorzugte für seine Arbeiten Holz, speziell Eiche, hin und wieder verwendete er auch Mahagoni und Walnussholz. Aber das Wetter Norfolks setzte den Dorfschildern im Laufe der Jahre sehr zu und deshalb sind heute viele Carter-Schilder verschwunden, ersetzt oder restauriert worden. Statt Holz benutzten die späteren Dorfschild-Gestalter auch gern Metall und Kunststoff; beides kann den Naturgewalten besser Widerstand leisten.

Ich finde es immer wieder schön, in englischen Dörfern und Kleinstädten diesen oftmals sehr fantasievoll gestalteten Schildern zu begegnen. Man sollte nicht achtlos daran vorbeifahren, sondern sich ein paar Minuten Zeit für sie nehmen, geben sie doch bildlich Aufschluss über die Geschichte ihres jeweiligen Ortes.

Das Dorfschild von Mundesley in Norfolk, made by Harrx Carter.    © Copyright Christine Matthews and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Mundesley in Norfolk, made by Harry Carter.
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Das Dorfschild von Trowse in Norfolk; ursprünglich von Harry Carter entworfen, aber inzwischen mehrfach umgestaltet.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Trowse in Norfolk; ursprünglich von Harry Carter entworfen, aber inzwischen mehrfach umgestaltet.
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Published in: on 10. November 2014 at 02:00  Comments (4)  
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