Charlotte Brontë (1816 – 1855) – Yorkshire feiert ihren 200. Geburtstag

Charlottes Gebutshaus..   © Copyright David Spencer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Charlottes Geburtshaus in Thornton.
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Am 21. April 1816 wurde Charlotte Brontë in der Market Street Nummer 74 in Thornton in West Yorkshire geboren, dort, wo auch ihre Geschwister Patrick Branwell, Emily Jane und Anne in den Jahren darauf zur Welt kommen sollten. Das Haus steht noch heute in Thornton und beherbergt zurzeit die italienische Cafébar „Emily’s by De Luca Boutique„. Wer also ein wenig „Brontë-Luft“ schnuppern möchte, kann das hier bei einer Tasse Kaffee tun.

In diesem Jahr wird die 200. Wiederkehr des Geburtstags von Charlotte Brontë gefeiert und wo erwartet man das in erster Linie? Natürlich in Haworth (West Yorkshire), im ehemaligen Pfarrhaus, wo die drei jungen Damen ihre berühmten Romane schrieben, die in die Weltliteratur eingegangen sind. Charlottes bekanntestes Werk ist sicher „Jane Eyre„, das nach seinem Erscheinen im Jahr 1847 bis heute immer wieder neu aufgelegt worden ist. Rund ein Dutzend Mal wurde der Stoff verfilmt, zuletzt 2011 mit Mia Wasikowska als Jane Eyre und Michael Fassbender als Edward Rochester (hier ist der Trailer).

Das Brontë Parsonage Museum in Haworth zeigt ab dem 1. Februar bis zum Ende des Jahres eine Sonderausstellung, die sich ganz dem Leben und Schaffen Charlottes widmet, und die den Titel „Charlotte Great and Small“ tragen wird. Zusammengestellt hat diese Ausstellung die Schriftstellerin Tracy Chevalier, die auch in Deutschland mit ihrem Roman „Girl With a Pearl Ear Ring“ (dt. „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“) bekannt geworden ist. Die in London lebende US-Amerikanerin hat mit viel Engagement Objekte aus dem Leben der so früh verstorbenen Frau zusammengetragen wie Kleidungsstücke, Briefe und ihre Miniatur-Bücher, in die sie mit winziger Schrift ihre Eintragungen vorgenommen hat und sich dadurch die Augen verdorben hat. Im ganzen Pfarrhaus werden Kunstinstallationen zu sehen sein, die Künstler aus dem In- und Ausland angefertigt haben.
„Brontë 200“ wird sicher noch mehr Menschen aus aller Welt als sonst nach Haworth bringen. Bei meinen beiden Besuchen im Brontë Parsonage Museum war es jeweils rappelvoll.

Die Erinnerungsplakette in der Market Street in Thornton.   © Copyright David Spencer and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Erinnerungsplakette in der Market Street in Thornton.
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Das Brontë Parsonage Museum in Haworth.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Brontë Parsonage Museum in Haworth.
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Published in: on 8. Januar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Haworth in West Yorkshire – Das tragische Schicksal der Ballonfahrerin Lily Cove

Hier fand Lily Cove ihre letzte Ruhestätte.    © Copyright David Dixon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier fand Lily Cove ihre letzte Ruhestätte.
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Nein, in diesem Beitrag, in dem die Kleinstadt Haworth in West Yorkshire eine Rolle spielt, geht es einmal nicht um die Brontë-Schwestern. Die unzähligen Menschen, die jedes Jahr das ehemalige Pfarrhaus, die Kirche St Michael and All Angels und den dazugehörenden Friedhof aufsuchen, tun dies, um den so jung verstorbenen Schriftstellerinnen ihren Tribut zu zollen. Es wird aber wohl nicht allzu viele geben, die auf einem anderen Friedhof, dem einsam im Moor gelegenen Haworth Cemetery, dem Grab der Lily Cove einen Besuch abstatten, eine junge Dame, die am 11. Juni 1906 im Alter von nur 21 Jahren hier bei Haworth auf tragische Weise zu Tode kam.
In Loving Memory of Elizabeth Mary, (Miss Lily Cove, Parachutist). Daughter of Thomas Charles Cove of London who died June 11th 1906, Aged 21 Years„, so steht es auf ihrem schwarzen Grabstein.

Was war geschehen?
Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nur wenige Frauen, die Ballonfahren und Fallschirmspringen zu ihren Hobbies zählten. Eine davon war Lily Cole, die anlässlich eines Festes in Haworth am frühen Abend des 11. Juni in ihren Heißluftballon kletterte und hoch über die erwartungsvolle Menschenmenge aufstieg. Der Abendwind lenkte den Ballon in Richtung des benachbarten Dorfes Stanbury. In der entsprechenden Höhe angekommen, stieg Lily Cove aus und sprang mit ihrem Fallschirm in die Tiefe. Zu irgendeinem Zeitpunkt löste sich Lily von dem Fallschirm und schlug mit voller Wucht auf den Boden auf. Schnell waren einige Männer zur Stelle, um dem jungen Mädchen zu helfen, aber es war vergeblich. Um 19.45 starb Lily Cove an den Folgen ihrer schweren Verletzungen.

Wie es dazu kommen konnte, weiß man bis heute nicht genau, aber es gibt einige Vermutungen. Da sie sich beim Absprung dem Ponden Reservoir näherte, könnte sie befürchtet haben, im Wasser zu landen, und da sie nicht schwimmen konnte, ist es möglich, dass sie einem Tod durch Ertrinken lieber einem Absturz auf Land vorzog. Dann gab es Gerüchte, dass Lily sich absichtlich in den Tod gestürzt haben könnte, weil ihre Liebe zu einem Mann unerwidert blieb; auch tauchte die Vermutung auf, dass an ihren Fallschirmgurten manipuliert worden sei.

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurde Lily Cove auf dem neuen Friedhof von Haworth beigesetzt (auf dem Kirchhof von St Michael and All Angels war kein Platz mehr).

Noch heute, so erzählt man, soll ihr Geist im Zimmer Nummer 7 des Old White Lion Hotels in Haworth umgehen, dort, wo sie die letzte Nacht ihres Lebens verbracht hatte.

Das Buch zum Artikel:
Peggy Hewitt: Brontë Country. The History Press 2004. 230 Seiten. ISBN 978-0750938235.
Darin befindet sich das Kapitel „Lily Cove – Tragic balloonist and liberated Lady“.

Hier verbrachte Lily Cove ihre letzte Nacht.    © Copyright Alexander P Kapp and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier verbrachte Lily Cove ihre letzte Nacht.
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Fürchtete Lily Cove hier im Ponden Reservoi bei Stanbury zu ertrinken?    © Copyright Colin Park and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Fürchtete Lily Cove hier im Ponden Reservoir bei Stanbury zu ertrinken?
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Published in: on 15. Januar 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Haworth (West Yorkshire) Teil 2 – The Black Bull

   © Copyright David Dixon

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Mitten in Haworth am oberen Ende der steilen Hauptstraße liegt The Black Bull; auch dieser Pub hat natürlich eine Verbindung zu den Brontës, denn hier pflegte Branwell sich langsam aber sicher zu Tode zu trinken. Am 24. September 1848 starb er, wahrscheinlich auf Grund einer Tuberkuloseerkrankung, aber sein hoher Alkohol- und Drogenkosum haben sicher dazu beigetragen, dass er schon mit 31 Jahren starb. Er war Dauergast im Black Bull, denn vom Pfarrhaus aus, hatte er nur wenige Schritte bis dahin zurückzulegen.

Viel anders sah der Pub zu den Zeiten der Brontës sicher auch nicht aus; „old world charm“ ist wohl eine treffende Bezeichnung für das immer etwas trist wirkende graue Gebäude, vor dem man im Sommer (und die hartgesottenen Engländer tun das wohl auch im Winter) sein Pint trinken und dabei die vorbeiströmenden Touristenscharen beobachten kann.

An Branwell erinnert noch sein Lieblingsstuhl, auf dem er stundenlang im Black Bull zu sitzen pflegte; der steht nicht in den Gasträumen, sondern auf einem Treppenabsatz, versehen mit einem Schild: „The Branwell Chair – this is the original chair that was occupied by Branwell Bronte on his many visits to this inn.“

Wer hier nicht nur einen Drink zu sich nehmen, sondern auch etwas essen möchte, kein Problem: Wie wäre es mit „The Full Brontë„, einer Platte für zwei Personen mit Steaks, Hühnchen und Scampi?

Natürlich ist The Black Bull auch „haunted“, wir sind schließlich in England und an dem Thema „Geister“ führt oft kein Weg vorbei. Ich habe mir gerade noch einmal die entsprechende Episode der TV-Serie „Most Haunted“ auf DVD angesehen, in der Yvette Fielding, Derek Acorah und Richard Felix dem Black Bull und dem benachbarten Friedhof einen nächtlichen Besuch abstatten. Derek Acorah meint die Anwesenheit von Branwell noch immer spüren zu können. Sowohl in den Gasträumen als auch in einigen Zimmern sollen sich unerklärliche Dinge zugetragen haben:  Gläser und Aschenbecher gehen ohne menschliches Zutun plötzlich zu Bruch, ein Mann mit einem Zylinderhut sitzt häufig an einem der Tische, starker Zigarrengeruch ist manchmal im Gasthof wahrzunehmen (Branwell liebte Zigarren!).
Hier ist Teil 1 der „Most Haunted“-Episode und hier sind einige stimmungsvolle winterliche Impressionen von Haworth und dem Black Bull.

The Black Bull
119 Main Street
Haworth
Bradford, West Yorkshire  BD22 8DP
Tel. 01535 642249

Haworth (West Yorkshire) Teil 1 – Die Vermarktung der Brontë-Familie

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Würde man Patrick Brontë mit seinen Töchtern und seinem Sohn in ihren Heimatort Haworth ins 21. Jahrhundert versetzen, so käme die Pastorenfamilie aus dem Staunen nicht heraus. Nicht nur, dass Touristenscharen aus aller Welt in die Kleinstadt in West Yorkshire strömen (ob die wohl alle schon einmal Bücher der Brontë-Schwestern gelesen haben?), auch die heimische Geschäftswelt versucht aus dem berühmten Namen Brontë Kapital zu schlagen. Bei einem kleinen Rundgang durch die graue Stadt am Moor fällt da so einiges auf:

– Das örtliche Taxiunternehmen heißt? Natürlich, Brontë-Taxis.
– Haworths Pflegeheim mit dem Schwerpunkt auf Demenz und Alzheimer nennt sich Brontë-Park Care Home.
– Wenn man in Haworth für einige Zeit ein Cottage mieten möchte, so kann man das bei der Firma Brontë Haworth Cottages tun; Haworth Holiday Cottages bietet ebenfalls Häuser zum Mieten an; die heißen dann z.B. Brontë Parsonage Cottage oder Wuthering Heights Cottage.
– Selbstverständlich gibt es im Ort auch ein Brontë Hotel, am Rande der Kleinstadt gelegen.
– Der Brontë Weaving Shed der Edinburgh Woollen Mill in der North Street bietet „a great shopping experience for the whole family“.
– In der Main Street finden wir Ye Olde Brontë Tea Rooms und das Villette Coffee House (benannt nach Charlotte Brontës gleichnamigen Roman).
– Freunde der indischen Küchen kommen im Brontë Balti House auf ihre Kosten.
Bei meinen Streifzügen durch die Straßen habe ich sicher noch die eine oder andere Kuriosität übersehen.

Was kann man sich aus Haworth als Souvenir mitnehmen? Wie wäre es mit einem Brontë Cake oder  Brontë Biscuits? In den zahlreichen Souvenirläden im Ort findet bestimmt jeder Brontë-Fan das passende.

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   © Copyright Betty Longbottom

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Published in: on 15. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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