Die größte Eibenhecke der Welt im Cirencester Park in Gloucestershire

Cirencester Park und House mit der Hecke davor.
Photo © Roger May (cc-by-sa/2.0)

Vor zwei Jahren schrieb ich in meinem Blog schon einmal über die gewaltige „Elefantenhecke“ im Rockingham Castle in Leicestershire, mit deren Beschneidung die dortigen Gärtner alle Hände voll zu tun haben. Eine noch gewaltigere Eibenhecke, die größte der Welt, findet man im Cirencester Park in Gloucestershire, der der Familie Bathurst gehört. Heute residiert hier der 9. Earl of Bathurst mit seiner Frau.

Jedes Jahr im August wird die Monsterhecke im Cirencester Park geschnitten, die sich wie ein riesiger Schutzschild vor das Herrenhaus stellt. Die dreihundert Jahre alte Hecke ist 13 Meter hoch, 5 Meter breit und 140 Meter lang. Damit sie nicht in alle Richtungen wuchert, muss sie also geschnitten werden und dafür brauchen zwei Männer zwei Wochen (hier ist ein Film darüber). Um auch an alle Stellen heranzukommen, arbeiten sie mit einer hydraulischen Arbeitsbühne und bei dem Vorgang fällt etwa eine Tonne Heckenschnitt an. Diese pflanzlichen Reste kommen aber nicht etwa auf eine Deponie, sondern werden weiterverwertet und zwar in der Pharmazie. Die Nadeln der Eibe enthalten einen Wirkstoff, der in der Chemotherapie zur Krebsbekämpfung eingesetzt wird. Etwa £6000 muss der Earl of Bathurst jedes Jahr bezahlen, damit seine „Schutzschildhecke“ wieder vernünftig aussieht.

Eine noch größere Hecke, allerdings eine Buchenhecke, steht in Schottland, sechs Kilometer südlich von Blairgowrie entfernt, die laut Guinness Book of Records die größte der Welt ist. Die 1745 gepflanzte Meikleour Beech Hedge ist 30 Meter hoch und 530 Meter lang; sie wird nur alle zehn Jahre geschnitten und neu vermessen, wobei vier Männer rund sechs Wochen lang beschäftigt sind.

Das Buch zum Thema:
Hugh Barker: Hedge Britannia: A curious history of a British obsession. Bloomsbury 2012. 327 Seiten. ISBN 978-1-4088-0186-4. (s. dazu meinen Blogeintrag).

Die Meikleour Beech Hedge bei Blairgowrie in Schottland.
Photo © Adam Ward (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

Mein Buchtipp – Hugh Barker: Hedge Britannia

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Fährt man in ländlichen Gebieten Englands auf B-Straßen oder noch kleineren Wegen, gerät man häufig auf kurvenreiche Strecken, die von hohen Hecken gesäumt und, wenn man ein linksgelenktes Auto fährt, schwer zu überblicken sind. Hecken sind allgegenwärtig, ob zur Umzäunung von Weideflächen oder zur Umgrenzung von Grundstücken. Engländer lieben sie heiß und innig und daher hat Hugh Barker sein Buch auch „Hedge Britannia: A curious history of a British obsession“ genannt. Darin erfahren wir auf über 300 Seiten allerlei Wissenswertes über Hecken, z.B. dass es jährlich unzählige Nachbarschaftskonflikte über zu hoch gewachsene Exemplare gibt, die manchmal vor Gericht landen. Barker erzählt die Geschichte von einem Mann in Lincolnshire, der sich so sehr über die Hecke seines Nachbarn ärgerte, dass er regelmäßig nachts aufstand und gegen sie pinkelte, bis sie schließlich einging. Der Nachbar filmte ihn dabei und erstattete Anzeige, woraufhin der „Midnight Piddler“ einen Tag im Gefängnis zubringen musste. Ebenfalls in Lincolnshire wurde ein Mann von seinem Nachbarn erschossen, da es zu einem Disput über eine fünf Meter hohe Hecke gekommen war.

Wer schon einmal im Chatsworth House in Derbyshire oder in Levens Hall in Cumbria war, hat sich sicher an den kunstvoll geschnittenen, „topiary“ genannten Hecken erfreut. Auch in vielen anderen Schlössern und Landhäusern lassen die Gärtner ihren Fantasien freien Lauf und zaubern mit ihren Heckenscheren manchmal erstaunliche Gebilde.

Hugh Barker lässt sich in seinem sehr interessanten Buch weiterhin über Heckenlabyrinthe aus wie wir sie beispielsweise in Hampton Court, Hever Castle und Chatsworth finden.
Wir erfahren bei der Lektüre des Buches einiges über das „hedge-laying„, also den Anbau von Hecken, und dass man die höchste Hecke des Landes im National Pinetum in Bedgebury in Kent findet, die über 40 Meter misst.

Wer sich für das Thema interessiert, dem kann ich dieses Buch sehr empfehlen, dessen Schwarz-Weiß-Fotos leider von schlechter Qualität sind.

Hugh Barker: Hedge Britannia: A curious history of a British obsession. Bloomsbury 2012. 327 Seiten. ISBN 978-1-4088-0186-4

Eine unübersichtliche von Hecken gesäumte Straße in Shropshire.   © Copyright David Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine unübersichtliche, von Hecken gesäumte Straße in Shropshire.
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Die Topiary Gardens von Levens Hall in Cumbria.   © Copyright Richard Sutcliffe and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Topiary Gardens von Levens Hall in Cumbria.
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Das Heckenlabyrinth von Chatsworth in Derbyshire.   © Copyright Linden Milner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Heckenlabyrinth von Chatsworth in Derbyshire.
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Hedg-laying in Norfolk.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hedge-laying in Norfolk.
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Published in: on 6. September 2015 at 02:00  Comments (4)  
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