Erotica der viktorianischen Zeit Teil 1 – Henry Spencer Ashbee (1834-1900) und seine Sammlung erotisch/pornografischer Literatur

Henry Spencer Ashbee.
This work is in the public domain.

Ich kann mich noch an meine Studentenzeit in Hamburg erinnern, als ich einmal ein Buch in der Staats- und Universitätsbibliothek ausleihen wollte, das im Katalog mit dem Vermerk „Sekretiert“ versehen war. Auf meine Frage, was das denn bedeuten sollte, bekam ich die Antwort, dass man besagtes Buch erotischen Inhalts nur mit Erlaubnis einer befugten Person in der Bibliothek ausgehändigt bekommt. Also ging ich zu dieser Person, die mir dann gnädigerweise die Erlaubnis erteilte (ich glaube, es handelte sich um den Roman „Candy“ von Terry Southern).

Auch in der Bibliothek des British Museums gab es einmal eine Abteilung sekretierter, erotischer Literatur namens Private Case, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtet und wie Fort Knox bewacht worden war, damit kein Unbefugter sie zu sehen bekam. Rund 4000 Bände umfasste die Sammlung erotischer/pornografischer Literatur damals.

Ein großer Teil dieser Bücher stammt aus der Schenkung von Henry Spencer Ashbee (1834-1900), der in der viktorianischen Zeit ein fanatischer Sammler pornografischer Literatur war (er sammelte nebenbei auch noch Erstausgaben des „Don Quixote“ von Cervantes). Mr Ashbee reiste viel und von diesen Reisen brachte er immer wieder neue Bücher pornografischen Inhaltes mit, so dass er zu seiner Zeit schließlich weltweit die größte Bibliothek an Erotica besaß.

Damit er einen Überblick über seine vielen tausend Bücher behielt, machte er sich daran, sie alle zu katalogisieren und mit Anmerkungen zu versehen. Diese Bibliografie pornografischer Literatur umfasste mehrere Bände.

Als Henry Spencer Ashby im Jahr 1900 starb, hinterließ er seine Cervantes-Erstausgaben dem British Museum, allerdings mit der Auflage, dass die Bibliothek auch seine Erotica-Sammlung mit übernehmen müsse, was diese auch tat, aber in ihrer Private Case-Abteilung verschwinden ließ. 1973 ging diese spezielle Büchersammlung vom British Museum in den Besitz der British Library über. Heute gibt es keine Restriktionen mehr und die Bücher können im Lesesaal der Bibliothek genutzt werden.

In der Sammlung findet sich auch das Buch „Harris’s List of Covent-Garden Ladies“ über das ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe.

Über Henry Spencer Ashbee ist ein Buch geschrieben worden: „The Erotomaniac: The Secret Life of Henry Spencer Ashbee“ von Ian Gibson; erschienen 2002 im Verlag Faber&Faber. ISBN 978-0571209040.

Foto meines Exemplares.

 

 

Published in: on 7. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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