Mein Buchtipp – Gail Simmons: The Country of Larks

Foto meines Exemplares.

In seinem Buch „Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot„ berichtet der Autor Tom Jeffreys von seiner Wanderung von London nach Birmingham, entlang der geplanten Trasse des Hochgeschwindigkeitszuges HS2. Gail Simmons, die an den Universitäten von Cambridge und Bath Spa „travel writing“ lehrt, hat eine ähnliche Wanderung unternommen, die sie von High Wycombe in Buckinghamshire nach Tring in Hertfordshire führt. Sie hat darüber in ihrem Buch „The Country of Larks: In the Footsteps of Robert Louis Stevenson and the Footprint of HS2“ geschrieben. Die Autorin möchte herausfinden wie sich die wunderschöne Landschaft der Chiltern Hills verändert hat seit Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“, „Der seltsame Fall des Dr Jekyll und Mr Hyde“) im Herbst 1874 dieselbe Strecke gelaufen ist und darüber in seinem Reisebericht „In the Beechwoods“ geschrieben hat. Außerdem möchte Gail Simmons in Erfahrung bringen welche Auswirkungen HS2 auf die Chilterns und die Menschen die dort leben, haben wird. Es ist sicher keine Überraschung, dass der größte Teil der Bewohner dort, sich deutlich gegen HS2 aussprechen, da die Bahnstrecke nur Negatives für sie bringt und überhaupt keine Vorteile. Viele sprechen von dem Projekt von einem Weißen Elefanten, der mehr Ärger macht als dass er Nutzen bringt.
Die Chilterns haben sich seit Stevensons Reise verändert, aber es gibt auch Landstriche, die fast gleich geblieben sind und die jetzt durch die Bahnlinie, auf der Züge eines Tages mit mehr als 300 Kilometern pro Stunde entlang donnern, stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Gail Simmons spricht vom „The Chiltern Chainsaw Massacre„.

Gail Simmons‘ Buch über ihre dreitägige Wanderung ist sehr anschaulich und atmosphärisch dicht geschrieben. Sie hat ihre Kindheit in den Chilterns verbracht (in Ashley Green an der Grenze von Buckinghamshire zu Hertfordshire) und ist natürlich nach wie vor sehr an der Zukunft dieser Region interessiert. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Gail Simmons: The Country of Larks – In the Footsteps of Robert Louis Stevenson and the Footprint of HS2. Bradt Travel Guides 2019. 181 Seiten. ISBN 978-1-78477-080-8.

Protest gegen HS2, weil dieser Pub in Hyde Heath (Buckinghamshire) wegen geplanter Bauarbeiten (die dann doch nicht an dieser Stelle stattfanden) geschlossen werden musste.
Author: R-P-M
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Bürgerproteste in Great Missenden (Buckinghamshire) gegen HS2.
Author: djim
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Mantles Wood in den Chilterns. Noch herrscht hier Ruhe, aber nicht mehr lange, denn hier soll der Eingang zu dem geplanten Tunnelbau liegen.
Author: djim
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Published in: on 28. Oktober 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Tom Jeffreys: Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot

Foto meines Exemplares.

HS1, oder auch Channel Tunnel Rail Link genannt, ist eine Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsstrecke, die London mit dem Channel Tunnel bei Folkestone verbindet. Schon lange wird von HS2 geredet, eine Strecke, die von London nach Norden und zwar nach Birmingham führen soll (über die Auswirkungen auf die Grafschaft Buckinghamshire berichtete ich in meinem Blog).

Der Autor des Buches „Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot„, Tom Jeffreys, wollte gern wissen, was die Menschen, die entlang der geplanten Bahntrasse einmal wohnen werden, von High Speed 2 halten und machte sich zu Fuß auf den Weg von der Londoner Euston Station nach Birmingham, dem (vorläufigen) Endpunkt der Bahnlinie, auf der Züge mit bis zu 350 km/h fahren sollen. Die Reisezeit würde sich etwa halbieren (49 Minuten). Ob die voraussichtlichen Baukosten in Höhe von rund £56 Milliarden dafür stehen, wird unterschiedlich diskutiert. Wie Tom Jeffreys das mitbekommt, sieht es so aus, dass das Thema HS2 in London selbst keine besonders große Rolle spielt, in Birmingham wird der Bau der Strecke überwiegend begrüßt, erwartet man sich davon einen wirtschaftlichen Aufschwung, auf dem Lande aber ist der Widerstand groß, denn dort sieht man keinen Nutzen, sondern nur Nachteile: Baulärm über viele Jahre hinweg, Lärm der schnell fahrenden Züge, Umweltzerstörung, Wertverfall der Häuser entlang der Trasse usw usw.

Jeffreys spricht mit Menschen, die betroffen sein könnten, und trifft kaum jemanden, der den Bau begrüßt. Im Gegenteil, es gibt sogar Leute, die Selbstmordgedanken haben, wenn die Bahnlinie direkt an ihrem Haus vorbeiführen bzw. wenn ihr Haus sogar enteignet werden sollte. Der Autor weitet das Thema HS2 aus und macht sich Gedanken über Kapitalismus, Bürokratie, Architektur und Agrarwirtschaft.

Ein sehr lesenswertes Buch, das zum Nachdenken anregt!

Tom Jeffreys: Signal Failure – London to Birmingham, HS2 on foot. Influx Press 2017. 405 Seiten. ISBN 978-1-910312-14-8.

 

 

Published in: on 22. Dezember 2019 at 02:00  Comments (4)  
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Die Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 von London nach Birmingham und ihre Auswirkung auf die Grafschaft Buckinghamshire

Ein Plakat in Waddesdon (Buckinghamshire).
Photo © John Winder (cc-by-sa/2.0)

HS2 oder High Speed 2 ist der Name eines der größten europäischen Bauprojekte; es ist eine Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitstrasse, die in der ersten Bauphase von London nach Birmingham führen und im Jahr 2026 den Betrieb aufnehmen soll. Durch HS2 wären die Reisenden etwa eine halbe Stunde eher am Ziel als bisher. Der Aufwand für diese Zeiteinsparung: Baukosten in Höhe von rund £50 Milliarden, die Enteignung und der Abriss von vielen (auch historischen) Häusern, die Lärmbelastung für die Menschen, die in unmittelbarer Nähe der Stecke wohnen, schädliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Kein Wunder, dass es im ganzen Land, aber besonders in den betroffenen Regionen, Widerstand gegen das Projekt gibt.

Buckinghamshire ist besonders betroffen, da HS2 die gesamte Länge der Grafschaft durchqueren soll…und der Zug wird hier nicht einmal halten. Der geballte Zorn der Bürger und der Regionalpolitiker macht sich in Worten laut wie „It will have no value and bring nothing to the people of Buckinghamshire“ oder „It’s a stupid waste of money“. Wenigstens die Chiltern Hills werden auf einer Länge von 15,8 Kilometer untertunnelt, aber auch das hat direkte Auswirkungen für die Region Amersham/Great Missenden, denn der Schwerlastverkehr in der Bauphase des Tunnels wird den Verkehr dort stark belasten.

Es gibt in Großbritannien ein Gesetz, das dem Staat erlaubt, in gewissen Fällen eine Zwangsenteignung für Grundstücke und Häuser durchzuführen. Wenn also Häuser der Bahntrasse im Wege stehen, ist es möglich, dass die Eigentümer ihren Besitz räumen müssen (natürlich enthalten sie eine Entschädigung). Aber auch wer darum herum kommt und bleiben kann, dessen Immobilie wird drastisch an Wert verlieren, denn wer würde schon ein Haus kaufen, dass nur in geringem Abstand zu einer Bahnlinie steht, auf der Züge mit über 300 km/h vorbeidonnern?

Betroffen sind in Buckinghamshire beispielsweise die historische Savay Farm bei Denham mit dem unter Denkmalschutz stehenden Savay House. HS2 wird dort in einem Abstand von 300 Metern vorbeifahren. Auch das großartige Waddesdon Manor steht gefährlich nahe an der Strecke, und man fragt sich, ob die von HS2 hervorgerufenen Vibrationen Auswirkungen auf das Haus haben können. Die Orte Twyford, Chetwode und Stoke Mandeville werden erheblich unter HS2 leiden. In Stoke Mandeville soll der Friedhof der ehemaligen Kirche St Mary the Virgin am Ortsrand für die Trasse Platz machen, und die Bulldozer werden die Gräber beseitigen.

Stop HS2 ist eine Plattform im Internet, die sich vehement gegen den Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse ausspricht. Stuttgart 21 lässt grüßen…
Hier ist ein Film, der sich damit beschäftigt, ob HS2 seinen Preis wert ist.

Proteste auch bei The Lee in Bucks.
Photo © Peter S (cc-by-sa/2.0)

Hier bei Denham Green soll ein Viadukt den Grand Union Canal überqueren.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. September 2018 at 02:00  Comments (5)  
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