Englische Exzentriker – Michael Kennedy, der Mann, der gegen die Zerstörung der Klippen von Norfolk kämpft

Die Klippen von Hunstanton in Norfolk.   © Copyright Richard Humphrey and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Sisyphos war der Sage nach ein korinthischer König, der sich mit den Göttern anlegte und zur Strafe einen Felsblock einen steilen Hang hinaufrollen musste. Kurz vor Erreichen des Ziels konnte er den Stein nicht mehr festhalten, er rollte den Berg wieder hinunter, und Sisyphos musste wieder von vorne anfangen. Eine Arbeit, die nie ein Ende fand.

An diesen antiken König muss ich denken, wenn ich sehe, was Michael Kennedy an der Küste von Norfolk treibt. Der Mann aus Hunstanton rollt zwar keine Steine einen Hang hinauf, aber er sammelt Steine am Strand und legt diese am Fuße der Klippen ab, um sie vor der Brandung des Meeres zu schützen. Die Küstenerosion in East Anglia schreitet immer weiter vorwärts, es kommt zu Klippenabbrüchen und bei Sturmfluten fordert das Meer seinen Tribut von den Landmassen. Genau dagegen zieht Michael Kennedy seit über zwanzig Jahren zu Felde, er bietet dem Meer die Stirn, indem er einen Steinwall vor den gefährdeten Klippen aufbaut, um sie zu schützen. An sechs Tagen in der Woche (samstags nimmt er sich frei) arbeitet der Rentner für jeweils zwei Stunden an einem Küstenabschnitt von Hunstanton, um sein Bollwerk zu errichten. Im Laufe der Jahre hat der 79jährige schätzungsweise 2oo Tonnen Steine aufgeschichtet. Aber…das Meer kennt kein Mitleid mit dem arbeitsamen Mann, immer wieder spült es seine Schutzmauer weg und nagt gierig an den Klippen von Hunstanton. So zum Beispiel im Dezember 2013, als Brecher Michael Kennedys Werk in kurzer Zeit zerstörten. Doch der Mann gibt nicht auf. „Dann fange ich eben wieder von vorne an“, sagt er sich. Das Baumaterial wird ihm mit Sicherheit nie ausgehen.

Der Meeresgott Poseidon wird vom Olymp aus wohl höhnisch lachen, wenn er den ungleichen Kampf beobachtet.

Dieser Film zeigt Michael Kennedy bei der Arbeit.

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Published in: on 4. März 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Hunstanton Pier“ – Ein Song über die Stadt an der Küste Norfolks von der Band Deaf Havana

Hier, wo jetzt die Amusement Arcade steht, befand sich früher die Hunstanton Pier.   © Copyright Stacey Harris

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In meinem Blog schrieb ich schon einmal über meine Aufenthalte im LeStrange Arms Hotel in Old Hunstanton, direkt an der Küste Norfolks gelegen. Das Seebad Hunstanton liegt etwas südlich des Hotels, hat eine sehr schöne Lage, wird aber leider etwas durch die in England so beliebten Amusement Arcades und die Fast Food-Läden verunstaltet.

Im Jahr 2005 formierte sich eine Band, deren Mitglieder aus Hunstanton und King’s Lynn stammten, und die sich Deaf Havana nannte. Sie wird in die Kategorie Alternativrock eingestuft. Im November 2011 schafften sie es, mit ihrem Album „Fools and Worthless Liars“ in der Sparte „Rock & Metal Albums“ bis auf Platz Eins der Charts zu kommen. Einer der Titel darauf ist „Hunstanton Pier„, geschrieben von den beiden Bandmitgliedern James Veck Gilodi und Tom Ogden. Gilodi ging in Hunstanton zur Schule und hegt noch immer sehr schöne Erinnerungen an die Stadt („the only place I ever really felt at home“) und an seine Kindheit, die er hier verbrachte.
Die im Songtitel genannte Pier von Hunstanton gibt es allerdings nicht mehr. Piers sind oft recht empfindliche Gebilde und auch die von Hunstanton erwischte es mehrfach. 1939 brannte sie zum ersten Mal ab, dann noch einmal in den 1950er Jahren und 2002 fiel der klägliche übergebliebene Rest noch einmal einem Feuer zum Opfer. 1978 hatte ein schwerer Sturm die Pier komplett zum Einsturz gebracht.
Jetzt hat man keine Lust mehr auf eine neue Pier in Hunstanton, dafür steht dort nun auf festem Boden eine weitere Vergnügungshalle mit Bowling Alley, die hoffentlich Stürmen und Feuersbrünsten standhalten wird.

Hier ist „Hunstanton Pier“ der Band Deaf Havana zu hören und zu sehen.

Published in: on 21. September 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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