Hunting the Mallard – Die exzentrische Entenjagd im All Souls College in Oxford

Das All Souls College in Oxford. - © Copyright Peter Trimming and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Die spinnen, die Briten“, würde Asterix sagen, wenn er von diesem seltsamen Brauch gehört hätte, der im All Souls College in Oxford gepflegt wird. Ein Brauch, der einmal in 100 (in Worten: Hundert) Jahren ausgeübt wird und der Hunting the Mallard heißt. Gejagt bzw. gesucht wird hier eine Stockente (mallard). Warum?

Es begann im Jahr 1437, als das College erbaut wurde. In einem Graben fanden Bauarbeiter eine überdimensionale Ente, die sofort wegflog, so dass sie nicht gefangen und verspeist werden konnte. Die Fellows des Colleges fanden das schade und organisierten eine jährliche Entenhatz, die kreuz und quer durch All Souls führte. Dass dabei eine Menge Alkohol im Spiel war, lässt sich ahnen.

Da die Exzesse bei der Suche nach der Ente aber immer mehr zunahmen, wurde aus dem jährlichen Schauspiel ein Ereignis, das nur einmal alle 100 Jahre stattfinden sollte: Immer am 14. Januar und immer in einem Jahr, das mit „01“ endet.
Für diesen 14. Januar wird ein Lord Mallard gewählt, dem sechs Offiziere zur Seite gestellt werden. Um Mitternacht zieht diese Gesellschaft, die durch weitere Fellows ergänzt wird, mit Laternen und Fackeln durch alle Räume des Colleges, vom Keller bis zum Dachboden, unter Absingen des „Mallard Songs„, dessen Refrain so geht:

O, by the blood of King Edward
O, by the blood of King Edward,
It was a swapping, swapping Mallard!

Aber auch bei dieser Einmal-in-Hundert-Jahren-Entenjagd kam es wieder zu Exzessen; so wurde die Suche nach der Ente auf das Stadtgebiet von Oxford ausgedehnt und es konnte schon einmal passieren, dass nichtsahnende, schlafende Bürger plötzlich dadurch aufwachten, dass ihre Haustür gewaltsam geöffnet wurde und die All Souls-Fellows samt Laternen und Fackeln die Wohnung nach der unauffindbaren Ente durchsuchten.

Bei dem vorletzten „Enten-Event“ im Jahr 1901 war übrigens der spätere Erzbischof von Canterbury, Cosmo Lang, der Lord Mallard. Am 14. Januar 2001 hatte Dr Martin West die Ehre, die Entenjagd anzuführen; ihm folgten 118 gegenwärtige und ehemalige Fellows des Colleges, darunter zwei frühere konservative Kabinettsmitglieder. Große Mengen Alkohol und viel Völlerei waren dabei wieder fest eingeplant, bevor es zur nächtlichen Jagd ging.

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand von uns das nächste Hunting the Mallard am 14. Januar 2101 miterlebt, ist wohl eher gering. Hoffentlich gerät bis dahin dieser skurrile Brauch nicht in Vergessenheit.

Nach so einer Ente wird in Oxford gesucht. - This work is released into the public domain.

Published in: on 28. Januar 2012 at 02:00  Comments (1)  
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