Der Imberbus oder Was treiben Londoner Routemaster in der Einsamkeit der Salisbury Plain in Wiltshire?

Die Busse sind an ihrem Ziel im Imber angekommen.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Die Salisbury Plain in Wiltshire ist wirklich eine gottverlassene Gegend. Nur wenige Straßen führen hindurch und ständig wird man vor den die Fahrbahn kreuzenden Panzern gewarnt, denn hier herrscht das MoD, das Ministry of Defence. Mitten in dieser von Panzerketten durchfurchten Region liegt das kleine Dorf Imber, über das ich in meinem Blog schon einmal berichtet habe. Schon seit Menschengedenken wohnt hier niemand mehr und nur an wenigen Tagen im Jahr gibt das Militär die Zufahrt dorthin frei. Einer dieser Tage in diesem Jahr war Samstag, der 26. August, an dem sich eine ganze Armada von Londoner Routemasterbussen von Warminster nach Imber aufmachten und Passagiere beförderten, die dem Dorf und seiner Kirche einen Besuch abstatten wollten.

Im Jahr 2009 entstand die Idee, mit alten Bussen die Linie 23A an einem Tag im Jahr wiederauferstehenzulassen und nachdem das MoD sein Okay dazu gegeben hatte, ging es los. In diesem Jahr waren 24 Busse beteiligt, 23 alte und ein neuer. Das eingenommene Geld,  £10 pro Erwachsenem, kam der Kirche von Imber, St Giles, und der  Royal British Legion zugute. Die Fahrer und die Schaffner auf den Bussen arbeiteten den ganzen Tag über ohne Vergütung. Die alten Routemaster waren in Privatbesitz und freuten sich sicher, wieder einmal ausgeführt zu werden. Alle zehn Minuten startete eines der Fahrzeuge in Warminster; als Imber noch bewohnt war, gab es nur zweimal pro Woche eine Busverbindung von und nach Imber.

In diesem Film sind die Busse auf der diesjährigen Imberbus-Tour zu sehen.

Imber auf der Salisbury Plain.
Photo © Helen C Casey (cc-by-sa/2.0)

Imber in Wiltshire – Die Geisterstadt auf den Salisbury Plains

Ein ehemaliges Farmgebäude in Imber.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein ehemaliges Farmgebäude in Imber.
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Vor einigen Monaten fuhr ich wieder einmal quer durch die Salisbury Plains in Wiltshire, jene vom britischen Verteidigungsministerium beherrschte Region im Süden Englands. Es gibt nur wenige Straßen, die öffentlich zugänglich sind, überall trifft man auf Schilder, die vor Panzern warnen, man sieht Absperrzäune und startende und landende Flugzeuge.

Mitten in diesem riesigen militärischen Übungsgebiet liegt die Geisterstadt Imber, deren frühere Bewohner Ende 1943 ganz plötzlich ihre Häuser verlassen mussten. Am 1. November des Jahres erhielten sie die Aufforderung und bekamen 47 Tage Zeit, ihre Koffer zu packen und Imber zu räumen, mit dem vagen Versprechen, nach Kriegsende wieder zurückkehren zu können. Der Grund für diese Aktion: Das Militär brauchte das Gelände, um hier für die geplante Invasion der Normandie am D-Day zu üben. Schon vorher hatte das Ministry of Defence das Land um den kleinen verschlafenen Ort aufgekauft, der schon im 11. Jahrhundert im Domesday Book erfasst wurde.
Ohne groß zu murren, zogen die Dorfbewohner aus ihren Häusern aus, man war ja schließlich Patriot und wollte dem Militär nicht im Wege stehen. Doch mit der Rückkehr wurde es nichts; Imber blieb in der Hand des Verteidigungsministeriums bis zum heutigen Tag.

Von den ehemaligen Wohnhäusern, dem Pub und dem Manor House stehen nur noch die Fassaden, die Armee übte in dem Dorf Häuserkämpfe, was natürlich nicht ohne Folgen blieb. Nur die unter Denkmalschutz stehende St Giles Parish Church wacht noch einsam über die kleine Geisterstadt, die immer wieder von Detonationen erschüttert wird. An einigen wenigen Tagen im Jahr, meist über Weihnachten und Ostern darf man Imber besuchen und dann kommen ganze Heerscharen von Menschen, die sich dieses merkwürdige Dorf ansehen wollen. St Giles wurde im Jahr 2008 sogar für £50 000 renoviert und erhielt einen Satz neue Glocken; die alten wurden in den 1950er Jahren entfernt, weil es Überlegungen gab, die Kirche abzureißen. Hin und wieder werden sogar Andachten in der Kirche abgehalten. In diesem Jahr ist der Zutritt zu Imber vom Verteidigungsministerium über Ostern freigegeben worden, von Karfreitag bis Ostermontag. Am Ostersonntag findet für Kinder hier eine große Easter Egg Hunt statt und die Kirche ist zur Besichtigung freigegeben.

Um Geld für den weiteren Unterhalt von St Giles zu sammeln, hat die Folkband The Yirdbards in der Kirche eine CD aufgenommen, die den Titel „The Ghosts of Old Imber“ trägt. Übrigens gehört St Giles als einiges Gebäude in Imber nicht dem Militär, sondern untersteht der Diözese von Salisbury. Im Dezember 2002 kam es hier sogar zu einer Trauung, der ersten seit 60 Jahren. Zuletzt gab sich in der Kirche im November 1943 ein Paar das Ja-Wort. Ein wenig ziviles Leben findet in Imber also doch noch statt, aber den größten Teil des Jahres bestimmen Soldaten und Panzer das Geschehen in und um das verlassene kleine Dorf auf den Salisbury Plains.

Dieser Film zeigt einen Rundgang durch Imber.

St Giles.    © Copyright Maurice Pullin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Giles.
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Der ehemalige Pub The Bell.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der ehemalige Pub The Bell.
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Ein abgewrackter Panzer bei Imber.    © Copyright Hugh Chevallier and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein abgewrackter Panzer bei Imber.
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Published in: on 14. März 2015 at 02:00  Comments (4)  
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