Deadman’s Island in Kent – Eine unbewohnte Insel vor der Küste der Isle of Sheppey

In der Mitte links ist Deadman’s Island zu sehen.
Photo © Chris (cc-by-sa/2.0)

Die Isle of Sheppey in Kent ist durch die A249 mit der A2 bzw. der M2 verbunden. Ich kenne diese Insel noch aus der Zeit, als sie über die Fähre Vlissingen-Sheerness zu erreichen war. Diese Fährverbindung der Olau-Line ist lange eingestellt worden. Auf der Isle of Sheppey sind drei Gefängnisse untergebracht, über die ich in meinem Blog geschrieben habe.

Schon Anfang des 19. Jahrhunderts brachte man Gefangene auf diese etwas abgelegene Insel, um sie auf ausgemusterten Schiffen einzusperren, die vor der Küste ankerten. Wohin nun mit den Männern, die auf diesen Gefängnisschiffen starben? Häufig waren ansteckende Krankheiten die Ursache für den Tod der Gefangenen. Man wollte sie möglichst schnell und in der Nähe beerdigen, so wurde dafür eine unbewohnte Insel vor dem Ort Queenborough ausgewählt, dort wo sich der River Medway und The Swale ins Meer ergießen. Hier, auf der Deadman’s Island, senkte man die hölzernen Särge in den schlammigen Boden und vergass sie zweihundert Jahre lang…bis plötzlich an einigen Stellen der Insel menschliche Knochen auftauchten. Was war geschehen? Küstenerosion und der steigende Meerwasserspiegel haben den Schlamm weggespült, in dem die Särge lagen und ihren Inhalt ans Tageslicht gebracht. Ein grausiger Anblick, der sich dort dem Betrachter bei Ebbe bietet: Menschliche Schädel, Knochen und Sargreste. Vieles davon wird im Laufe der Zeit ins Meer gespült werden und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Deadman’s Island gehört der Organisation Natural England und ist eine Site of Special Scientific Interest, das heißt, die Insel ist besonders schutzwürdig, weil sie ein Brutplatz für Vögel ist und darf (eigentlich) nicht betreten werden; trotzdem, hier ist ein Film über die Funde auf Deadman’s Island.

Im Vordergrund: Deadman’s Island.
Photo © Mike Quinn (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Isle of Sheppey in Kent – Standort dreier Gefängnisse

Die Gefängnisse auf der Isle of Sheppey von der Luft aus gesehen.   © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Gefängnisse auf der Isle of Sheppey von der Luft aus gesehen.
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Die Isle of Sheppey im Norden der Grafschaft Kent erreicht man auf dem Landweg über zwei Brücken, die nebeneinander über The Swale führen, einen Meeresarm, der die Insel vom Festland trennt. Ich erinnere mich noch gern an die Fährverbindung, die vom niederländischen Vlissingen nach Sheerness auf der Isle of Sheppey führte und die von den beiden Jumbo-Fähren Olau Hollandia und Olau Britannia bedient wurde. Eine sehr angenehme Verbindung, die zweimal täglich pro Strecke befahren wurde. 1994 wurde der Betrieb eingestellt. Sheerness ist heute als Einfallstor für den Import von PKWs bekannt. Auf riesigen Parkplätzen stehen die Fahrzeuge, die darauf warten, abgeholt und im ganzen Land verteilt zu werden und das sind pro Jahr über 300 000. Allein der VW-Konzern importiert jedes Jahr ca 50 000 Autos über Sheerness.

Biegt man von der A249, die vom Festland kommt, kurz vor Queenborough nach rechts auf die A2500 ab, kommt man nach Eastchurch. Von dort führt die Church Road nach Süden in eine nicht sehr attraktive Gegend; hier stehen nämlich gleich drei Gefängnisse nebeneinander:
Her Majesty’s Prisons Swaleside, Elmley und Standford Hill, auch Sheppey Cluster genannt. In den letzten Jahren sorgten alle drei Gefängnisse für Schlagzeilen:

Kurz vor Weihnachten 2016 kam es in HMP Swaleside zu einem Gefangenenaufstand. 60 Insassen besetzten einen Teil des Gefängnisses, doch Spezialeinheiten bekamen die Situation schnell in den Griff. Der Grund für die Rebellion waren Spannungen zwischen dem Aufsichtspersonal und den Gefangenen, sicher mit ausgelöst durch den Personalabbau, der in nahezu allen Gefängnissen des Landes stattgefunden hat. In Swaleside sind durchschnittlich 1100 Insassen untergebracht, die zu mehr als vier Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden sind.

Im benachbarten HMP Elmley kam es im Jahr 2014 zu neun Todesfällen unter den Gefangenen, zurückzuführen laut Her Majesty’s Inspectorate of Prisons auf Überfüllung und (wiederum) Mangel an Aufsichtspersonal. Nach Meinung der Inspektoren sitzen einfach zu viele Männer in Gefängnissen, die dort eigentlich gar nicht hingehören. Sie haben keine besonders schweren Straftaten begangen und könnten durch eine sogenannte Community Sentence angemessener bestraft werden (Hausarrest, Fußfessel, Bewährung usw.). HMP Elmsley ist für 985 Gefangene ausgelegt.

Im Mai letzten Jahres kam HMP Standford Hill in die Schlagzeilen, als ein zu lebenslänglicher Haft verurteilter Mann aus dem Gefängnis ausbrach und erst Ende Juli wieder festgenommen werden konnte. Kritik wurde laut, dass ein so gefährlicher und gewaltbereiter Mann nicht in einem Hochsicherheitsgefängnis untergebracht war, sondern in einer Anstalt der Kategorie D, was dem Offenen Vollzug in Deutschland entspricht. Aus Standford Hill sind seit 2013 schon sieben Insassen entflohen.

Eine Besonderheit der drei Gefängnisse ist, dass sie alle von Frauen geleitet werden.

Die Zufahrt zur Isle of Sheppey über The Swale.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Zufahrt zur Isle of Sheppey über The Swale.
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Importierte Autos in den Docks von Sheerness.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Importierte Autos in den Docks von Sheerness.
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Published in: on 4. Januar 2017 at 02:00  Comments (2)  
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