Das Leben des Jeremy Bentham…nach seinem Tode

Jeremy Bentham (1748-1832) war der „Begründer des klassischen Utilitarismus“ und „gilt als Vordenker des Feminismus, als Vorkämpfer der Demokratie, des Liberalismus und des Rechtsstaats“, um wieder einmal die Wikipedia zu zitieren. Er war aber auch exzentrisch veranlagt und darum geht es heute in meinem Blogartikel. Der Philosoph vermachte dem Londoner University College (UCL) eine hübsche Summe Geld, unter der Voraussetzung, dass nach seinem Ableben sein Körper mumifiziert werden sollte und zwar so wie es die neuseeländischen Ureinwohner, die Maori, taten. Das University College nahm die Geldspende gern an und ging auch Benthams Wunsch nach, indem sie sein Skelett aufbewahrte, es mit seinen Kleidern umhüllte und in einem Mahagonischrank mit Glastür im South Cloister des Universitätsgebäudes aufbewahrte.
Leider gab es ein Missgeschick bei der Prozedur der Mumifizierung des Kopfes, die gründlich daneben ging, und so wurde ein Wachsmodell angefertigt, das seitdem Jeremy Benthams Körper ziert. So sitzt er nun auf einem Stuhl in seinem Schrank mit einem Hut auf dem Kopf und seinem geliebten Spazierstock in der Hand, den er Dapple nannte. Hin und wieder hat Bentham aber auch „Ausgang“ und darf seinen Schrank verlassen. So war er zum Beispiel bei der einen oder anderen Kuratoriumssitzung der UCL anwesend und saß an einem Tisch mit eigenem Tischkärtchen auf dem „Professor Jeremy Bentham“ stand.

In diesem Jahr wurde ein Wunsch des Professors erfüllt, der zu seinen Lebzeiten nie wahr werden konnte: Er ging auf Reisen nach Amerika. Im New Yorker Met Breuer Museum wurde er vom März bis jetzt in den Juli zur Schau gestellt, im Rahmen der Ausstellung „Like Life: Sculpture, Color and the Body, 1300-now”. Ich glaube, dass Mr. Bentham aber froh sein wird, wenn er wieder in London zurück ist und es sich erneut in seinem Mahagonischrank bequem machen kann.

Noch ein paar Worte zu Benthams verunstaltetem Originalkopf, der nur selten ausgestellt wird. Studenten des Londoner King’s College, Rivalen des UCL, kidnappten ihn 1975 und verlangten ein Lösegeld von £100, das an eine Wohltätigkeitsorganisation gezahlt werden sollte. Das UCL bot £10 und erhielt den Kopf zurück. Seitdem ist er an einem sicheren Ort untergebracht und vor weiteren Kidnapversuchen geschützt.

Hier ist ein Film über den Mann im Schrank.

Published in: on 23. Juli 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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