10 Rillington Place in Notting Hill (London) – Ein Mörderhaus in Film und Literatur

Foto meines Exemplares.

Vor zwei Jahren stellte ich mir in meinem Blog einmal die Frage, was denn eigentlich mit Häusern passiert, in denen Morde verübt worden sind. Können dieses Häuser weitervermietet bzw. weiterverkauft werden oder werden sie abgerissen? Manchmal wissen die Nachmieter nichts davon, was sich in ihren vier Wänden abgespielt hat, manchmal haben sie aber auch keine Berührungsängste.

Die vielleicht bekannteste und berüchtigste Adresse eines Londoner Mörderhauses lautet 10 Rillington Place im Stadtteil Notting Hill, in dem der Serienmörder John Christie (1899-1953) mehrere Frauen tötete. 1953  wurde er dafür im Gefängnis von Pentonville aufgehängt; sein Henker war Albert Pierrepoint ( s. dazu meinen Blogeintrag). Diese kurze filmische  Dokumentation fasst den Fall Christie kurz zusammen.

Was geschah nach dem Tode Christies mit dem Haus 10 Rillington Place? Es wurde von einem Mann aus der Karibik gekauft, der die Wohnungen an einige Landsleute vermietete. Das Haus stand noch siebzehn Jahre, bevor es zusammen mit den anderen Gebäuden am Rillington Place im Jahre 1970 abgerissen wurde (hier ist ein Film dazu). An dieser Stelle finden wir heute die Bartle Road und nicht wie vielfach geschrieben die Ruston Mews. Die Ruston Mews Association wehrt sich vehement gegen diese falschen Behauptungen. Die Bartle Road liegt direkt gegenüber und zieht sich parallel zum Westway, der A40.

1970 drehte der Regisseur Richard Fleischer einen Film mit dem Titel „10 Rillington Place„, der in Deutschland als „John Christie, der Frauenwürger von London“ gezeigt wurde. Die Hauptrolle spielte Richard Attenborough (1923-2014), Pat Heywood seine Frau Ethel. Viele Szenen wurden dabei tatsächlich in dem Originalhaus gedreht, in dem die Morde begangen wurden, kurz bevor es abgerissen wurde. Hier sind einige Ausschnitte.

Die BBC strahlte Ende 2016 einen Dreiteiler aus, der den Titel „Rillington Place“ (dt. „Rillington Place – Der Böse“) trug, mit Tim Roth als John Christie. Hier ist der deutsche Trailer.

Das ZDF nahm sich des Stoffes schon 1969 an in dem Fernsehspiel „Gnade für Timothy Evans„. Friedrich G. Beckhaus spielt darin die Rolle des John Christie.

Über den Serienmörder von Notting Hill wurden mehrere Bücher geschrieben, u.a. das wohl bekannteste „10 Rillington Place“ von Ludovic Kennedy (Victor Gollancz 1961).

2013 veröffentlichte Jonathan Oates die Biografie „John Christie of Rillington Place“ (Pen & Sword Books“), und zuletzt 2016 Jack Rosewood „John Christie: The True Story of the Rillington Place Strangler“ (CreateSpace Independent Publishing Platform).

Wer sich für das Thema Mörderhäuser in London interessiert, dem kann ich das Buch „Murder Houses of London“ von Jan Bondeson empfehlen, 2014 bei Amberley Publishing erschienen.

 

Published in: on 1. November 2017 at 02:00  Comments (1)  
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