John Metcalfe – Der blinde Straßenbauer aus Knaresborough (North Yorkshire)

Blind Jack auf dem Marktplatz von Kanresborough (North Yorkshire). Author: Mtaylor848. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Blind Jack auf dem Marktplatz von Knaresborough (North Yorkshire).
Author: Mtaylor848.
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Im allgemeinen gilt der Schotte John Loudon McAdam als der Pionier des Straßenbaus, doch einige Jahre vor ihm gab es noch einen früheren „Pionier“, der in Knaresborough in North Yorkshire geboren wurde und dort auch lebte. Zur Erinnerung: Knaresborough am River Nidd ist die Stadt, in der die Mother Shipton’s Cave und der Petrifying Well zu finden sind und in der das berühmte Bettenrennen stattfindet (ich habe darüber berichtet).

John Metcalfe (1717–1810) hieß der Mann, der besser als Blind Jack Metcalf bekannt war, denn er erblindete schon im Alter von sechs Jahren. Trotz dieser erheblichen Behinderung führte der Mann ein beeindruckendes abenteuerliches Leben. Er war begeisterter Schwimmer, Jäger, Kartenspieler, er beherrschte das Geigenspiel, handelte mit Pferden, transportierte Fisch von der Küste ins Binnenland, lenkte selbst Kutschen und diente in der Armee – und das alles als blinder Mann!

Sein wichtigstes Lebenswerk war allerdings der Bau von Straßen im Norden Englands. Er begann mit einem Teilstück der neu geplanten Trasse Harrogate – Boroughbridge, das von Minskip nach Ferrensby (dort, wo der sehr empfehlenswerte Gastro-Pub The General Tarleton zu finden ist) führte. Metcalfe vermaß die Strecke selbst und legte die günstigste Routenführung fest. Er sorgte beim Bau der Straße für eine gute Drainage und ließ die Oberfläche leicht konvex bauen, so dass der Regen, von dem es in Yorkshire mehr als genug gab, abfließen konnte. Im Laufe seiner Karriere als Straßenbauer legte Blind Jack von 1765 bis 1792 fast 300 Kilometer Wegstrecke an. Eine wirklich tolle Leistung! 1792 setzte er sich zur Ruhe und zog nach Spofforth, das ein paar Kilometer südlich von Knaresborough liegt. Dort starb er 1810 und wurde auf dem Kirchhof der All Saints Church beigesetzt. Bei meinem Besuch in Spofforth habe ich sein Grab leider nicht besucht, mir aber dafür die Ruinen des Spofforth Castles (haunted!!) angesehen.

Die Stadt Knaresborough hat ihrem Sohn ein Denkmal in Form einer lebensgroßen Bronzeskulptur gewidmet, die auf einer Bank auf dem Marktplatz untergebracht ist, neben der man sitzen und sich fotografieren lassen kann (was denn auch gern getan wird). £30,000 war den Bürgern von Knaresborough die Skulptur wert, die von der ortsansässigen Bildhauerin Barbara Asquith angefertigt wurde. So erfreut sich der bronzene Blind Jack seines Lebens, gegenüber von einem Pub, der ebenso heißt.

Blind Jack's Pub in Knaresborough.    © Copyright Graham Hogg and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blind Jack’s Pub in Knaresborough.
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Diese Straße, die heutige A6055 bei Ferrensby baute Blind Jack Metcalfe.    © Copyright Matthew Hatton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Diese Straße, die heutige A6055 bei Ferrensby, baute Blind Jack Metcalfe.
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John Metcalfes Grabstein auf dem Friedhof von All Saints in Spofforth (North Yorkshire).    © Copyright David Rogers and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

John Metcalfes Grabstein auf dem Friedhof von All Saints in Spofforth (North Yorkshire).
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Das Knaresborough Bed Race – Ein verrücktes Bettenrennen quer durch die Stadt in North Yorkshire

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Große Ereignisse werfen ihren Schatten voraus: Wer am diesjährigen Knaresborough Bed Race teilnehmen möchte, das am 9. Juni stattfinden wird, der sollte sich schnellstmöglich dafür anmelden, denn mehr als 90 Teams werden nicht zugelassen.
Zum 47. Mal wird in diesem Jahr dieses spektakuläre Ereignis in der hübschen Stadt am Nidd in North Yorkshire stattfinden. Dann werden wieder die Harrogate Harriers gegen die Ripon Runners und die Lido Loonies gegen die Tockwith Titans antreten.

Bei dieser Wohltätigkeitsveranstaltung geht es darum, dass ein Team, das aus sechs Anschiebern und einem im Bett sitzenden Passagier besteht, das herausgeputzte Bett so schnell wie möglich auf einem Kurs quer durch Knaresborough schiebt und dabei, als Höhepunkt, den Fluss Nidd durchqueren muss.
Neben dem schnellsten Team wird auch das am schönsten dekorierte Bett mit einem Preis ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr waren das die Lido Loonies, die ihr Bett als Admiral Nelsons Kriegsschiff hergerichtet hatten. Das Most Entertaining Team war im Jahr 2011 die Mannschaft Proctor and Gamble 1.

Das Knaresborough Bed Race steht in jedem Jahr unter einem bestimmten Motto; in diesem Jahr, es bietet sich natürlich an, heißt das Motto Olympic Nations. Jedes Team kann sich ein Land aussuchen, das an den Olympischen Spielen teilnimmt, und muss  das Bett und die Verkleidung der Mannschaft dementsprechend gestalten.

Im vergangenen Jahr nahm mit der Startnummer 8 auch ein deutsches Team teil: Die Bebra Oldies aus der hessischen Partnerstadt von Knaresborough.
25 000 Besucher kamen, um sich das bizarre Ereignis anzusehen, und ca £100,000 wurden für wohltätige Zwecke eingenommen.

Also, bitte vormerken: Am 9. Juni um 11 Uhr geht es los mit der Preisverleihung des Best Dressed Bed, dann folgt die Prozession der teilnehmenden Rennbetten durch Knaresborough; es folgt die Vergabe des Preises für das Most Entertaining Team und um 15 Uhr startet das Rennen. Mit der Preisverleihung  für das schnellste Team endet die Veranstaltung (die dann sicher noch in den Pubs von Knaresborough fortgesetzt wird).

Hier ist ein Film über das Rennen des vergangenen Jahres und wer einmal die gesamte Strecke aus der Sicht des Passagiers mitfahren möchte, kann das hier tun.
Zu Knaresborough siehe auch diesen Blogeintrag.

Das Buch zum Artikel:
Arnold Kellet: A to Z of Knaresborough History. Amberley Publishing 2011. 128 Seiten. ISBN 978-1848681880.

Eigenes Foto.

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Published in: on 2. März 2012 at 02:00  Comments (1)  
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The Petrifying Well in Knaresborough (North Yorkshire) – Englands älteste Touristenattraktion

Eigenes Foto.

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Sir Charles Slingsby kaufte 1630 König Charles I einen Teil des Royal Forests ab, der neben der Stadt Knaresborough direkt am Fluss Nidd in North Yorkshire lag, und der eine damals schon bekannte Quelle, die Dropping Well, enthielt.
Viele Leute wollten diese Quelle sehen und so erhob Sir Charles damals schon eine Eintrittsgebühr und erschuf damit Englands älteste Touristenattraktion.

Was war nun das Besondere an der Quelle, die man später The Petrifying Well nannte? Das Wasser hat einen extrem hohen Anteil an mineralischen Stoffen und alles, was sich diesem Wasser „in den Weg stellt“ wird versteinert. Kalzium, Magnesium und Natrium sind die Hauptbestandteile dieser einzigartigen Quelle. Das Wasser ergießt sich über einen Felsen und die Mineralien lagerten sich über Jahrhunderte daran ab, so dass es zweimal zu einem Felsabbruch kam.

Wenn man die Petrifying Well besucht, findet man am unteren Rand des Felsens einige Objekte die direkt im Wasser hängen und im Lauf der Zeit versteinert werden. Beliebt sind Teddybären, die in etwa drei bis fünf Monaten aus Plüsch- zu Steinbären werden. Andere Objekte brauchen auch schon einmal achtzehn Monaten bis sie versteinert sind.
In einem kleinen angeschlossenen Museum kann man einige  „fertige“ Versteinerungen sehen, so z.B. eine Handtasche von Agatha Christie, einen Hut von John Wayne oder einen Schuh von Queen Mary, die die Quelle 1923 besuchte.
Neben dem Petrifying Well gibt es noch die Höhle zu sehen, in der die berühmte Seherin des Mittelalters Mother Shipton geboren sein soll, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Der Eintrittspreis für den ganzen Park beträgt £6.00 für einen Erwachsenen.

Knaresborough, das nicht weit von Harrogate entfernt ist, lohnt auf jeden Fall einen Besuch.

Hier ein kleiner Film von David Dimbleby über Knaresborough, in dem er auch den Petrifying Well vorstellt.

Published in: on 3. Februar 2011 at 04:00  Comments (2)  
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