Crop Circlemakers – Kornkreise als Kunstform

Hier am Cheesefoot Head in Hampshire begannen Doug Bower und Dave Chorley mit ihren Kornkreisen. Die Spuren auf dem Foto stammen in diesem Fall von Traktoren.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Die Grafschaft Wiltshire gilt als das Mekka der Kornkreis-Fans, aber auch in den benachbarten Counties tauchen diese bizarren Gebilde in den Getreide- und Rapsfeldern immer wieder auf. Da aus Wiltshire ebenfalls viele UFO-Sichtungen gemeldet werden, fragen sich manche, ob es da wohl einen Zusammenhang gibt. Sind Besucher aus fremden Welten des Nachts unterwegs und fertigen die Kornkreise an und wenn ja, warum?

Im vorigen Oktober besuchte ich The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire), der als als Hauptquartier der sogenannten Croppies gilt. Ich fand dort niemanden von der Fangemeinde vor, meine Frau und ich waren mittags die einzigen Gäste.

Ob es nachts nun in Wiltshire und anderen Grafschaften mit übernatürlichen Dingen zugeht, mit Aliens, die sich aus lauter Langeweile irgendwelche Muster ausdenken und diese auf die Getreidefelder projizieren, für eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Kornkreisen sind ganz einfach…Menschen verantwortlich. Doug Bower und Dave Chorley hatten Ende der 1970er Jahre nach einigen Pints in einem Pub die Idee, Kornkreise anzulegen, und sie begannen damit in der Nähe von Winchester (Hampshire) am Cheesefoot Head. Mehr als zwölf Jahre gingen die beiden ihrer nächtlichen Tätigkeit nach, deren Ergebnis in der ganzen Welt diskutiert wurde und zu wilden Erklärungsversuchen führte.

Der englische Künstler und Filmemacher John Lundberg und einige seiner Freunde setzten das Werk von Bower und Chorley in den 1990er Jahre fort, und er gründete Circlemakers, eine Art Künstlerkollektiv, deren Kornkreise immer kunstvoller wurden. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit bis es herauskam, dass nicht Aliens, sondern Menschen für viele Kornkreise verantwortlich waren, was eingefleischten Hardcore-Cropcircle-Fans nicht gefiel, die lieber eine andere Erklärung für das nächtliche Geschehen auf den Feldern Südenglands gehabt hätten.

Die Circlemakers bekamen sogar internationale Aufträge, bestimmte Formen in Getreidefelder zu zaubern, beispielsweise für Extinction Rebellion beim vorjährigen Glastonbury Festival oder für das amerikanische Streetwear Label Supreme in Kalifornien. Eine weitere Auftragsarbeit für die Circlemakers fand ebenfalls in Kalifornien statt, wo sie bei Bakersfield für die US-Band Korn kunstvolle Kreise und das Logo der Band in ein Getreidefeld fabrizierten. Hier ist das Musikvideo „Let the guilt go“ von Korn zu sehen.

Wie man sich als Besucher von Kornkreisen verhalten sollte, ist im sogenannten „Pink Book“ festgehalten, über das ich in meinem Blog einmal schrieb.

In diesem Film sind besonders schöne Exemplare von Kornkreisen zu sehen.

Kornkreise in Wiltshire.
Photo © Stefan Czapski (cc-by-sa/2.0)

The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire)
Eigenes Foto.

The Pink Book – Der Knigge für Kornkreisbesucher

Ein Kornkreis bei Chisbury in Wiltshire mit einem Verhaltenshinweis des Farmers.    © Copyright Rob Purvis and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Kornkreis bei Chisbury in Wiltshire mit einem Verhaltenshinweis des Farmers.
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Wie entstehen Kornkreise? Über diese Frage wird nach wie vor in England und auch anderswo heiß diskutiert. Sind es Aliens, wie viele behaupten, die diese kunstvollen Gebilde des Nachts erstellen? Sind es Menschen, die sich einen Jux machen und sich die Nächte um die Ohren schlagen, um „crop circles“ zu fabrizieren? Auf jeden Fall sind sie Jahr für Jahr wieder in den Getreidefeldern vorwiegend im Südwesten des Landes zu sehen und ganze Heerscharen von Kornkreis-Touristen fahren z.B. nach Wiltshire, um sich die Getreidegemälde anzusehen.

Mit den Touristen kommt auch Geld in die Region und schätzungsweise sechs Millionen Pfund pro Jahr werden hier ausgegeben. Fluch oder Segen? Wie sehen es die Farmer, auf deren Gebiet sich der ganze Spuk abspielt? Die sehen das mit gemischten Gefühlen, denn nicht so sehr die in den Kornkreisen niedergebogenen Halme stören sie (die Halme wachsen auch in der horizontalen Position weiter und reifen), sondern die Besucher, die alles niedertrampeln.

the-pink-bookSo hat der Spezialist für „crop circles“, Michael Glickman, zusammen mit Karen Alexander, einen Knigge erstellt, der Verhaltensmaßnahmen auf dem Privatgelände der Farmer gibt. „Crop Circle Etiquette: Guidelines For Visiting Formations„, oder auch The Pink Book wegen seines rosafarbenen Umschlags genannt, heißt die 24-seitige Broschüre, die kostenlos abgegeben wird (man hofft auf eine kleine Spende, um die Herstellungskosten abzudecken).

Was sollte man also beachten, wenn man sich Kornkreise ansehen möchte?

– Den Farmer unbedingt vorher um Erlaubnis fragen; man bewegt sich immerhein auf privatem Gelände
– Stets in den Traktorenspuren gehen und nicht queerbeet durchs Gelände stapfen
– Sein Auto so abstellen, dass es keine Zufahrtswege für landwirtschaftliche Fahrzeuge blockiert
– Auf gar keinen Fall in den Getreidefeldern rauchen
– Keine Hunde mitbringen, die in den Feldern Schaden anrichten können
– Keinen Abfall zurücklassen und die Kornfelder nicht als Toilette benutzen

Eigentlich sind das alles Selbstverständlichkeiten, aber Michael Glickman und Karen Alexander haben diesen Knigge erstellt, weil sie aus eigener Erfahrung auf Kornkreisbesucher gestoßen sind, die sich nicht so benommen haben wie es die Farmer wünschen.

Michael Glickman ist hier im Film zu sehen.

Siehe auch meinen Blogeintrag über eines der Hauptquartiere der Croppies: The Barge Inn in Honeystreet (Wiltshire).

Kornkreis-Tourismus bei Vernham Dean in Hampshire.    © Copyright Rob Purvis and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Kornkreis-Tourismus bei Vernham Dean in Hampshire.
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Published in: on 15. Mai 2015 at 02:00  Comments (1)  
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