Lyme Regis in Dorset Teil 2: The Pilot Boat und ein Hund, dessen Name einmal weltberühmt werden sollte

In der Bridge Street von Lyme Regis findet man einen Pub, der über die Grenzen der Stadt hinaus kaum bekannt sein dürfte, der vor fast hundert Jahren aber einen vierbeinigen Bewohner hatte, dessen Namen heute so gut wie jedes Kind auf der Welt kennt. Der Name des Pubs: The Pilot Boat, der Name des Hundes: Lassie. Hier ist die Geschichte dazu:

Am 1. Januar des Jahres 1915 wurde das britische Kriegsschiff HMS Formidable vor der Küste Südenglands von einem deutschen U-Boot torpediert und sank in den ersten Stunden des neuen Jahres. Viele der über 700 Seeleute an Bord kamen ums Leben, einige wurden von Begleitschiffen gerettet und einige retteten sich auf Beiboote, die es in der rauen See schwer hatten, nicht zu kentern. Eines dieser Boote schaffte es bis zur Küste von Lyme Regis, und 48 Männer atmeten erleichtert auf, als sie total erschöpft in der Hafenstadt ankamen, neun ihrer Kameraden hatten es nicht geschafft. Die Toten wurden an Land gebracht und erst einmal im Keller des Pilot Boat Pubs gelagert. Im Pub gab es einen Hund, einen Collie namens Lassie, der sich durch seine Intelligenz schon mehrfach ausgezeichnet hatte. Lassie begab sich in den Keller und steuerte auf einen der für tot gehaltenen Männer zu, es war der Vollmatrose John Cowan. Lassie begann, ihm das Gesicht abzulecken, wieder und immer wieder, bis der Mann plötzlich ein Lebenszeichen von sich gab. Lassie rief durch ihr Bellen mehrere Männer in den Keller, die bemerkten, dass John Cowan atmete. Schnell holten sie medizinische Hilfe herbei, die ihn ins nächst gelegene Krankenhaus brachte. Der Seemann war gerettet und während seiner Genesungsphase wich ihm Lassie nicht von der Seite. Dass sich zwischen den beiden eine ganz besondere Freundschaft entwickelte, liegt auf der Hand. Lassie bekam von der Stadt Lyme Regis eine Medaille verliehen, und der Name des Hundes wurde durch Pressemeldungen weltweit bekannt.

Der 1897 in Yorkshire geborene und in den USA lebende Eric Knight veröffentlichte am 17. Dezember 1938 in der Saturday Evening Post eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Lassie Come Home„, die er zwei Jahre später zu einem Roman erweiterte. Man ist sich ziemlich sicher, dass Knight von der heroischen Tat des Hundes in Lyme Regis gehört hatte und sich dadurch inspirieren ließ. Kurzgeschichte und Roman fanden nicht nur bei der amerikanischen Leserschaft Anklang, der Roman wurde in viele Sprachen übersetzt und ein internationaler Bestseller. 1943 drehte Hollywood einen Film, der ebenfalls „Lassie Come Home“ („dt. „Heimweh“) hieß und Vorreiter für zahllose Fernsehserien und weitere Spielfilme war. Lassies Rolle übernahm ein Langhaarcollie namens Pal, ein waschechter Hollywood-Hund, der in der Filmstadt geboren worden war und dort auch im Alter von 18 Jahren starb. Hier ist der Trailer zum Originalfilm, hier ein Ausschnitt aus der TV-Serie und hier der Trailer des aktuellen deutschen Films „Lassie – Eine abenteuerliche Reise“ aus dem Jahr 2020.

Die HMS Formidable.
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Lyme Regis in Dorset Teil 1: Das historische, leerstehende Three Cups Hotel

Heute und morgen begeben wir uns wieder einmal in den Küstenort Lyme Regis in Dorset; über einen Besuch dort habe ich vor längerer Zeit in meinem Blog berichtet. Cinéasten erinnern sich vielleicht an den Spielfilm „Die Geliebte des französischen Leutnants“ mit Meryl Streep und Jeremy Irons, der hier gedreht wurde, nach dem gleichnamigen Roman von John Fowler, der in Lyme Regis lebte. Überhaupt war die hübsche kleine Stadt Treffpunkt von einer ganzen Schar von Schriftstellern, die sich gern die frische Seeluft um die Nase bliesen ließen.

Jane Austen war hier im Jahr 1804 in einer Pension in der Broad Street Nummer 18 zu Gast. Große Teile ihres Romans „Persuasion“ (dt. „Überredung“) spielen in Lyme Regis und Umgebung. Drei Verfilmungen diese Romans fanden am Originalschauplatz statt wie zum Beispiel dieser. Aus der Pension wurde später ein Hotel, das Three Cups Hotel, das von den literarischen Besuchern der Stadt gern als Übernachtungsort gewählt wurde. Das waren beispielsweise Alfred Lord Tennyson, der es liebte, auf Jane Austens Spuren zu wandeln, der Amerikaner Henry Wadsworth Longfellow, der gebürtige Franzose Hilaire Belloc und Gilbert Keith Chesterton, die beide häufig zusammenarbeiteten, und John Ronald Reuel Tolkien, der Schöpfer des Fantasyepos „Der Herr der Ringe“, der hier schrieb und zeichnete, unter anderem das Bild „Lyme Regis Harbour from the drawing Room of The Three Cups Hotel„. Das Hotel war auch Drehort des oben genannten Films „Die Geliebte des französischen Leutnants“.

Es ist ein Jammer, dass das Three Cups Hotel seit nunmehr dreißig Jahren leer steht. Das an sich architektonisch interessante Gebäude verfällt zusehends; der Fotograf Andrew Blackmore hat Aufnahmen aus dem Inneren des baufälligen Gebäudes gemacht. Eigentümerin ist die Palmers Brewery in Bridport (Dorset), die Pläne angekündigt hat, das Haus umzugestalten. Wenn die Pläne akzeptiert werden, wird es kein neues Hotel geben, sondern Apartments und ein Restaurant; die historischen Elemente des ehemaligen Hotels sollen erhalten bleiben. Geplanter Beginn der Bauarbeiten: 2021.

Das ehemalige Hotel ist auf der rechten Seite zu sehen.
Author: Darkroom Daze
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Lyme Regis (Dorset) – Küstenort an der Jurassic Coast

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Im Westen Dorsets direkt am Meer liegt der hübsche Ort Lyme Regis, bevorzugt von Rentnern und Pensionären, die dort einen hohen Anteil an der Bevölkerung stellen.
Lyme Regis ist Teil der Jurassic Coast, die 2001 von der UNESCO zum Weltnaturerbe ernannt wurde. An diesem Küstenabschnitt sind immer wieder Fossilien gefunden worden, die durch die abbröckelnden Felsformationen freigelegt wurden. Bereits im 19.Jahrhundert war die Paläontologin und Fossiliensammlerin Mary Anning hier tätig, die u.a. ein Ichthyosaurier- und zwei Plesiosaurierskelette fand.

Die „Perle von Dorset„, wie Lyme Regis auch bezeichnet wird, hat noch eine weitere über die Grenzen von Dorset hinaus bekannte Sehenswürdigkeit: Die Hafenmauer „The Cobb„, die die Stadt vor hohen Wellen schützen soll und die früher Handelsschiffen einen sicheren Hafen bot.
Wer den Film „Die Geliebte des französischen Leutnants„, mit Meryl Streep und Jeremy Irons in den Hauptrollen, gesehen hat, der auf dem gleichnamigen Roman von John Fowles basiert (der in Lyme Regis gewohnt hat), wird sich wohl an diese Hafenmauer erinnern können.
Hier ist der Trailer zum Film.

Liebhaber von Fossilien kommen in Lyme Regis voll auf ihre Kosten. Es gibt hier mehrere Fossil Shops und es werden „Fossil Hunting Trips“ angeboten, bei denen man unter fachkundiger Führung selbst nach Saurierskeletten, Ammoniten und anderen Versteinerungen suchen kann.

Es gibt also viel zu sehen in dem hübschen Küstenort Lyme Regis wie auch dieser Film zeigt.

 

The Cobb. Eigenes Foto.

The Cobb.
Eigenes Foto.

Und noch einmal The Cobb. Eigenes Foto

Und noch einmal The Cobb.
Eigenes Foto

Published in: on 19. Juli 2010 at 13:17  Comments (1)  
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