Wie eine Margaret Thatcher-Statue einmal in der Londoner Guildhall enthauptet wurde

Baroness Margaret Thatcher in der Londoner Guildhall Art Gallery.
Author: The wub
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£150 000 kostete die Statue der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, die in der Londoner Guildhall Art Gallery aufgestellt ist. Das Speaker’s Advisory Committee hatte das Kunstwerk 1998 in Auftrag gegeben, das der renommierte Londoner Bildhauer Neil Simmons entwarf und fertig stellte (er kreierte auch das Princess Diana Memorial in Althrop House). 2,40 Meter hoch ist Baroness Thatcher geworden, und jeder, der ihr ins Gesicht sehen möchte, muss zu ihr aufsehen, was der Lady durchaus recht gewesen sein mag. Im Jahr 2002 enthüllte die Politikerin ihre Statue selbst in der Guildhall Art Gallery, und sie war sicher sehr stolz darauf. Ihre Heimatstadt Grantham in Lincolnshire hatte sich immer wieder dagegen gesträubt, ihrer berühmten Tochter ein Denkmal zu setzen, was sich voraussichtlich im nächsten Jahr ändern wird, denn der Bildhauer Douglas Jennings hat eine riesige Bronzestatue von ihr geschaffen. “She was never very fond of Grantham, and so Grantham was never very fond of her,” schrieb Thatchers Biograf John Campbell. Nun hat man sich in Grantham also doch umentschlossen,  befürchtet aber gleichzeitig, dass das Denkmal Ziel von Vandalen werden könnte, da die Baroness in weiten Teilen der Bevölkerung sehr unbeliebt war (siehe dazu meinen Blogeintrag) …was Neil Simmons‘ Statue in London einige Monate nach ihrer Einweihung zu spüren bekam.

Eines Tages wanderte ein Mann in die Guildhall Art Gallery, der in einem Hosenbein einen Cricketschläger versteckt hatte. Mit dem Schläger hieb er auf die Statue ein und schlug ihr den Kopf ab. Er machte sich danach nicht aus dem Staub, sondern wartete bis die Polizei kam. „Ich glaube, jetzt sieht sie besser aus“, meinte der Mann und war mit seinem Werk zufrieden. Als er sich später vor Gericht für seine Tat verantworten musste, sagte er zu seiner Verteidigung, dass es sich bei der Aktion um eine künstlerische Ausdrucksform gehandelt habe und dass es sein Recht sei, „to interact with this broken world.” Nun, der Richter ließ  sich von diesen Worten nicht überzeugen und verurteilte den Vandalen zu drei Monaten Gefängnis.
Margaret Thatcher steht natürlich inzwischen wieder mit Kopf in der Art Gallery, allerdings hat man sie  aus der Schusslinie genommen und sie etwas versteckt in einer Ecke aufgestellt.

Published in: on 2. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Ding Dong The Witch is Dead“ und andere Anti-Thatcher-Songs

Auch nach ihrem Tod spaltete die ehemalige Premierministerin Margaret Thatcher die britische Gesellschaft. Die Verehrer der Eisernen Lady überlegten schon wie man sie am besten ehren kann, zum Beispiel mit einem Denkmal auf dem Londoner Trafalgar Square (auf dem vierten, meist leerstehenden Sockel). Die zahlreichen erbitterten Gegner fanden sich nach ihrem Ableben spontan zu Freudenfesten zusammen. Und dann erinnerte sich irgendjemand an einen uralten Judy Garland-Song aus dem Film „The Wizard of Oz“ (dt. „Der Zauberer von Oz“), der 1939 gedreht worden war. „Ding! Dong! The Witch is Dead“ hieß dieses Lied und es schien sich optimal als Partysong für Margaret Thatcher-Hasser zu eignen.  Klaus Nomi nahm den Song auf; hier ist er zu hören.

In der Welt der Pop-und Rockmusik hat es viele Gegner Margaret Thatchers gegeben, die sowohl während ihrer Zeit als Premierministerin als auch nach ihrem Tod im Jahr 2013 sehr drastische Songs gegen sie veröffentlicht haben. Da ist Elvis CostellosTramp the Dirt Down“ aus dem Jahr 1989, in dem diese Textzeilen zu finden sind:

„When England was the whore of the world
Margaret was her madam
And the future looked as bright and as clear as
The black tarmacadam
Well I hope that she sleeps well at night, isnt
Haunted by every tiny detail
Cos when she held that lovely face in her hands
All she thought of was betrayal…

I never thought for a moment that human life
could be so cheap
‚Cos when they finally put you in the ground
They’ll stand there laughing and tramp the
dirt down“.

Doch damit nicht genug. Es gibt noch eine Menge weiterer Songs, in denen britische Bands ihre Wut auf die Iron Lady manifestiert haben. Hier einige Beispiele:

Morrissey forderte in „Margaret on the Guillotine“ den Tod der Politikerin und fragte mehrmals „Wann wirst Du endlich sterben?“

Der Singer-Songwriter Pete Wylie schrieb zwei Jahre vor dem Tod der ehemaligen Premierministerin „The Day That Margaret Thatcher Dies„; darin heißt es im Text
„build a bonfire
paint the sky
come on down
i’ll tell you why.
she’s gone!
and nobody cries…“

Noch eine Stufe drastischer war der Song „Maggie you Cunt“ der Punkband The Exploited, das zum Ende der Amtszeit Margaret Thatchers entstand.

In Pink Floyds „The Fletcher Memorial Home“ geht es um Exekutions-Fantasien und schon kurz nach dem Amtsantritt sangen die Notsensibles das ironische „I’m in Love With Margaret Thatcher“ („Oh Margaret Thatcher is so sexy She’s the girl for you and me
I go red when she’s on the telly Cos I think she fancies me“).

Einige liebten damals die Eiserne Lady, aber sehr viele hassten sie. Über eine andere Love-Hate-Figur, Donald Trump, gibt es übrigens noch erheblich mehr Songs, sowohl vor seiner Zeit als Präsident als auch danach.

 

Published in: on 28. Januar 2020 at 02:00  Comments (1)  
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