Der Police Memorial Trust, der sich für im Dienst ums Leben gekommene Polizisten einsetzt

Das Yvonne Fletcher Memorial am Londoner St James’s Square.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Im Januar 2013 stellte ich in meinem Blog die Autobiografie des englischen Filmregisseurs Michael Winner (1935-2013) vor, dessen provokante Restaurantkritiken in der Sunday Times ich immer besonders gern las. Michael Winner ist aber nicht nur durch seine zahlreichen Filme in Erinnerung geblieben, sondern und vor allem dadurch, dass er den Police Memorial Trust ins Leben rief, „einer Organisation, die sich dafür einsetzt, für im Dienst ums Leben gekommenen Polizeibeamten ein Denkmal zu setzen. Er war sehr engagiert und setzte sich immer wieder für die Polizei ein. Für dieses Engagement sollte er den Order of the British Empire verliehen bekommen, doch Michael Winner lehnte ab und sagte der Sunday Times „An OBE is what you get if you clean the toilets well at King’s Cross Station“. Typisch M.W.“ So schrieb ich damals in meinem Blog, und heute möchte ich auf diese Organisation näher eingehen.

Die Aufgabe des 1984 gegründeten Trusts ist es, für die Polizistinnen und Polizisten eine Erinnerungsstätte zu schaffen, möglichst ganz in der Nähe der Stelle, wo sie ums Leben gekommen sind. Die Idee dafür kam Michael Winner, als die 25-jährige Polizeibeamtin Yvonne Fletcher am 17. April 1984 vor der libyschen Botschaft am Londoner St James’s Square von einer Kugel tödlich getroffen wurde, die aus der Botschaft abgefeuert worden war. Winner machte sich dafür stark, der jungen Frau dort am St James’s Square ein Denkmal zu setzen, was auch geschah. Am 1. Februar 1985 weihte Margaret Thatcher den Gedenkstein ein, der die Inschrift trägt „Here fell WPC Yvonne Fletcher 17th April 1984“.

Es sollten noch weitere Memorials für Polizistinnen und Polizisten folgen, „killed in the line of duty“. Der 40-jährige PC Keith Blakelock wurde am 6. Oktober 1985 im Londoner Stadtteil Tottenham während der Unruhen in einem Problem-Wohngebiet namens Broadwater Farm ermordet. Der Police Memorial Trust errichtete für ihn einen Gedenkstein an einem Kreisverkehr in Muswell Hill, dort, wo er regelmäßig auf Streife gegangen war.

Am 9. Januar 2003 starb der 42-jährige PC Ged Walker, der zwei Tage zuvor bei einem Einsatz schwer verletzt worden war. Sein Einsatzort: Die Kleinstadt Bulwell in Nottinghamshire und dort, an der Ecke St. Albans Road und Cantrell Road wurde im September 2005 sein Gedenkstein aufgestellt, in Anwesenheit von Michael Winner.

Vor dem Gebäude der Old Admiralty am St James’s Park hat der Police Memorial Trust ein Denkmal errichtet, das für alle im Dienst getöteten Polizisten des Landes steht, das National Police Memorial. Die UK Police Roll of Honour dort verzeichnet die Namen von mehr als 4000 Männern und Frauen, die dieses Schicksal erlitten.

Nach Michael Winners Tod wurde auf seinen Wunsch hin am National Police Memorial für ihn eine Gedankfeier veranstaltet, besucht von mehr als 300 Gästen.

Noch eine kleine Kuriosität am Rande: In Carlisle in Cumbria ehrte man PC George Russell mit einem steinernen Konterfei an der Kathedrale der Stadt, der im Februar 1965 in Oxenholme (Cumbria) einen Verbrecher dingfest machen wollte und dabei erschossen wurde.

Keith Blakelocks Denkmal in Muswell Hill.
Author: Philafrenzy.
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Das National Police Memorial am Rand des St James’s Park in London.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

PC George Russells Konterfei an der Kathedrale von Carlisle (Cumbria).
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Michael Winner (1935 – 2013)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Am letzten Montag, dem 21. Januar 2013 starb in London der ehemalige Filmregisseur und spätere Restaurantkritiker Michael Winner. Ich habe seine Filme, die ihn bekannt machten wie „Ein Mann sieht rot“, „Der Mann ohne Gnade“ oder „Der Rächer von New York“ nie gesehen, habe aber jahrelang mit Vergnügen seine Kolumne „Winner’s Dinners“ in der Sunday Times gelesen. Darin nahm sich Michael Winner Restaurants in London, Großbritannien und dem Rest der Welt vor, die häufig schlecht von ihm beurteilt wurden. Seine Kritiken, die oft von einer ziemlichen Arroganz geprägt waren, wurden in den Leserbriefen der Sunday Times kontrovers diskutiert. Ich hätte nicht gern in einem Restaurant gesessen, in dem auch Michael Winner anwesend war.

Ich erinnere mich noch an seine Kolumne, in der er vor vielen Jahren das Cliveden Hotel auseinandergenommen hatte, und er daraufhin dort Hausverbot erhielt. Mehrere Jahre danach, als ein neues Mangement das Hotel leitete, war er wieder da und lobte das Haus in den höchsten Tönen.
Wie auch immer: Die Kolumne war amüsant zu lesen; im Dezember letzten Jahres entschied er sich, sie aus Krankheitsgründen einzustellen.

Michael Winner schrieb ein Buch über seine Erlebnisse in Restaurants und Hotels: „Unbelievable! My life in restaurants and other places“ (JR Books 2010). Darin schreibt er u.a. über seine Essen mit großen Stars der Filmszene wie Warren Beatty, Marlon Brando, John Cleese oder Michael Caine.

Der Londoner rief 1984 den Police Memorial Trust ins Leben, eine Organisation, die sich dafür einsetzt, für im Dienst ums Leben gekommenen Polizeibeamten ein Denkmal zu setzen. Er war sehr engagiert und setzte sich immer wieder für die Polizei ein. Für dieses Engagement sollte er den Order of the British Empire verliehen bekommen, doch Michael Winner lehnte ab und sagte der Sunday Times „An OBE is what you get if you clean the toilets well at King’s Cross Station“. Typisch M.W.

Der ehemalige Regisseur wohnte bis zuletzt in seinem riesigen Anwesen Woodland House im Londoner Stadtteil Holland Park in der Melbury Road Nummer 31, ein Haus mit 47 Zimmern. In seinem Schlafzimmer, das Edward VII einmal als einen der schönsten Räume der ganzen Stadt genannt hat, ist Michael Winner wohl auch gestorben.

Published in: on 22. Januar 2013 at 15:00  Comments (1)  
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