Mein Buchtipp – James Cresswell: Miss Marple and All Her Characters

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Nachdem ich in meinem gestrigen Blogeintrag über Miss Marple und Nether Wallop geschrieben habe, nehme ich heute das Thema „Miss Marple“ noch einmal auf. Im letzten Herbst besuchten meine Frau und ich Agatha Christies Landsitz Greenway bei Torquay in Devon (ich berichtete darüber). In dem sehr gut sortierten Laden dort fanden wir eine große Auswahl an Sekundärliteratur über die Altmeisterin des englischen Kriminalromans, darunter auch die Werke von James Cresswell, die nur in einer sehr kleinen Auflage von jeweils 300 Exemplaren als Privatdruck erschienen sind und von denen wir jeweils ein handsigniertes und nummeriertes (wir haben die Nummer 290) Exemplar mitnahmen.

James Cresswell hat sich intensiv mit den Figuren in den Romanen Agatha Christie beschäftigt. In „Miss Marple and All Her Characters“ (2006 veröffentlicht) hat der Autor eine Liste aufgestellt, in der er sämtliche Personen aufzählt, die jemals in einem Miss Marple-Roman aufgetaucht bzw. genannt worden sind; dazu informiert Cresswell, wer die Person ist und wann sie in welchem Roman in welchem Kapitel erstmals erscheint. Da steckt also eine Wahnsinnsarbeit dahinter und wie der Autor in der Präambel seines Buches schreibt, hat er daran mehrere Jahre gearbeitet. Der Inhalt jedes Romans wird zusätzlich kurz wiedergegeben (natürlich ohne den Mörder bekannt zu geben!) und am Ende des Buches hat James Cresswell noch ein ausführliches Porträt von Miss Marple hinzugefügt.

Wer zum Beispiel wissen möchte, in welchen Romanen Inspector Slack eine Rolle spielt, der kann auf einen Blick sehen, dass das in „The Murder at the Vicarage“, „The Body in the Library“, „Tape-Measure Murder“ und „The Case of the Perfect Maid“ der Fall ist (die beiden letztgenannten sind Kurzgeschichten aus der Sammlung „Miss Marple’s Final Cases“).

Das gleiche hat James Cresswell mit Agatha Christies Detektiv Hercule Poirot gemacht. 2011 erschien sein „Hercule Poirot and All His Characters“ (wir besitzen die Nummer 13 von 300), mit 334 Seiten allerdings deutlich umfangreicher als der Miss Marple-Band, der nur 168 Seiten stark ist. Auch den weniger bekannten Christie-Figuren Tommy und Tuppence hat Cresswell einen genauso aufgebauten Band gewidmet: „Tommy & Tuppence and All Their Characters“ 150 Seiten, 2009 erschienen).

Wer mehr als ein flüchtiges Interesse an den Agatha Christie-Romanen hat, wird diese Bücher lieben.

James Cresswell:  Miss Marple and All Her Characters. Privately published 2006. 168 Seiten. Ohne ISBN.

Agatha Christies Landsitz Greenway in Devon. Eigenes Foto.

Agatha Christies Landsitz Greenway in Devon, wo wir die Bücher von James Cresswell kauften.
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Blick von Greenway auf den River Dart. Eigenes Foto.

Blick von Greenway auf den River Dart.
Eigenes Foto.

Published in: on 23. Februar 2015 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Miss Marple-Verfilmungen und ihre Titelmelodien

Hier in Denham wurden viele Szenen für die Miss Marple-Filme mit Margaret Rutherford gedreht. Eigenes Foto.

Hier in Denham in Buckinghamshire wurden viele Szenen für die Miss Marple-Filme mit Margaret Rutherford gedreht.
Eigenes Foto.

Margaret Rutherford (1892-1972) prägte in den 1960er Jahren mit ihrer Miss Marple-Darstellung unsere Vorstellung von der Agatha Christie-Hobbydetektivin. Mit dem Dorf-Bibliothekar Mr. Stringer im Schlepptau stampfte die füllige Dame durch die Gegend und löste eine Handvoll Kriminalfälle. Einen Mr. Stringer gibt es in den Büchern Agatha Christies nicht; Mrs. Rutherford wollte aber gern ihren Ehemann Stringer Davis in den Filmen unterbringen und so wurde die Figur des Dorf-Bibliothekars hinzuerfunden. Die Schöpferin Miss Marples soll von der Rutherfordschen Darstellung auch nicht so ganz begeistert gewesen sein.
Die Titelmelodie zu der Mini-Serie schrieb damals Ron Goodwin (1925-2003), der „Miss Marple’s Theme“ 1961 auch mit seinem Orchester einspielte, erstmals für den Film „Murder She Said“ (dt. „16.50 Uhr ab Paddington“). Ron Goodwin war ein äußerst produktiver Komponist, der die Musik für Dutzende von Filmen schrieb, u.a. „Those Magnificent Men in their Flying Machines“ (dt. „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“), „Where Eagles Dare“ (dt. „Agenten sterben einsam“) und  Alfred Hitchcocks „Frenzy“ (dt. „Frenzy“). Ron Goodwin starb am 8. Januar 2003 in seinem Haus in Brimpton Common in Berkshire. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem St Paul’s Churchyard in Ashford Hill (Hampshire). Die Miss Marple-Melodie wird wohl für alle Zeiten in Erinnerung bleiben; hier ist sie noch einmal zu hören.

Joan Hickson (1906-1998) war die nächste, die Miss Marple verkörperte (und so stellte ich mir die Hobby-Spürnase auch etwa vor), eine fragile ältere Dame mit einem gewissen Charme. Von 1984 bis 1992 spielte sie diese Rolle; die Drehbücher hielten sich recht eng an die Romanvorlagen und diese Miss Marple wirkte wesentlich überzeugender als ihre Vorgängerin. Ich finde den Vorspann zu den Filmen sehr gelungen, mit den gezeichneten, verdächtig aussehenden Figuren aus der Dorfszene von St Mary Mead und der eingängigen Titelmusik, die von dem Komponistengespann Ken Howard und Alan Blaikley geschrieben wurde. Die beiden haben unzählige Songs geschrieben u.a. „Heart of Rome“ für Elvis Presley, „Bend It“ für Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich oder „Have I the Right“ von den Honeycombs. Ken Howard wurde 1939 geboren, Alan Blaikley 1940, beide stammen aus dem Londoner Stadtteil Hampstead. Hier ist die großartige (!) Titelmelodie der Miss Marple-Serie zu hören.

Geraldine McEwan (1932 geboren) war die nächste, die von 2004 bis 2009 die Rolle der Miss Marple in einer TV-Serie spielte, abgelöst von Julia McKenzie (geboren 1941), die ab der vierten Staffel übernahm und bis Ende 2013 dabei war. Die Serie war umstritten, da man sich in einigen Fällen weiter von den Romanvorlagen entfernte als das die Fangemeinde wollte. Die Titelmelodie wurde dieses Mal von Dominik Scherrer geschrieben, einem in der Schweiz geborenen, in England lebenden Komponisten, der auch weitere Filmmusiken geschrieben hat wie für die TV-Serien „Ripper Street“ und „The Missing“. Hier ist die „Miss Marple“-Titelmelodie von Dominik Scherrer zu hören, die ich auch sehr gelungen finde.

Nether Wallop in Hampshire diente als St Mary Mead in den Miss Marple-Verfilmungen mit Janes Hickson.   © Copyright Chris Talbot and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Nether Wallop in Hampshire diente als St Mary Mead in den Miss Marple-Verfilmungen mit Joan Hickson.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Chris Talbot and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auch Hambleden diente einmal als St Mary Mead für die TV-Serie mit Gerladine McEwen. Eigenes Foto.

Auch Hambleden in Buckinghamshire diente einmal als St Mary Mead für die TV-Serie mit Geraldine McEwan.
Eigenes Foto.

Published in: on 18. November 2014 at 02:00  Kommentar verfassen  
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