Norwich und Nottingham – Zwei UNESCO Cities of Literature

The Forum, in dem die Norwich Millennium Library untergebracht ist.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Forum, in dem die Norfolk and Norwich Millennium Library untergebracht ist.
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Seit dem Jahr 2004 ernennt die UNESCO jährlich sogenannte Cities of Literature; dreimal ist Städten im Vereinigten Königreich diese Ehre zuteil geworden: Edinburgh (2004) in Schottland und Norwich (2012) und Nottingham (2015) in England. Um zur UNESCO Stadt der Literatur ernannt zu werden, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden, darunter:

  • Es müssen Bibliotheken, Buchhandlungen und private/öffentliche Kulturinstitutionen vor Ort sein, die sich intensiv mit inländischer/ausländischer Literatur beschäftigen
  • Literatur, Theater und Dichtkunst müssen in der Stadt eine herausgehobene Rolle spielen.
  • Literaturfestivals und vergleichbare kulturelle Aktivitäten sollten angeboten werden.
  • Das Verlagswesen muss in der Stadt eine überdurchschnittliche Rolle spielen.

Norwich in der Grafschaft Norfolk erfüllte diese und weitere Kriterien spielend. Beispiele dafür sind u.a.:
Die Norfolk and Norwich Millennium Library gehört zu den beliebtesten öffentlichen Bibliotheken des Landes.
Die Buchhandlungen Waterstones und The Book Hive führen das ganze Jahr über literarische Veranstaltungen durch.
Auch der 1943 gegründete Norwich Writers Circle ist literarisch sehr aktiv und präsentiert monatlich Veranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen.
Das Writers‘ Centre Norwich fördert das kreative Schreiben lokaler Autoren und führt u.a. Schreibwerkstätten und Lesungen durch und organisiert das internationale Worlds Literature Festival.
Dieser Film zeigt einige Stellungnahmen Einheimischer zu der Auszeichnung der UNESCO.

Wie sieht es nun in Nottingham aus, der zweiten englischen UNESCO City of Literature?
Nottingham war die Heimat einiger literarischer Größen wie D. H. Lawrence, Lord Byron und Alan Sillitoe; aber auch eine Vielzahl weniger bekannter Autoren waren/sind hier zuhause.
Die Stadt unterhält viele Gruppierungen, die sich mit kreativem Schreiben befassen.
Nottingham hat sich aktiv für die Verbesserung der Bildung in der Bevölkerung eingesetzt.
Das 1948 gegründete Nottingham Playhouse hat sich einen sehr guten Ruf erworben.

Auch dieser Film zeigt Stellungnahmen einiger Nottinghamer aus der literarischen Szene der Stadt.

In diesem Sommer gab jede der UNESCO Cities of Literature eine Leseempfehlung ab; die von den beiden englischen Städten sind:
Sarah Perry: The Essex Serpent (Norwich). Sarah wurde 1979 in Essex geboren, lebt aber in Norwich. Sie war UNESCO World City of Literature Writer in Residence in Prag.
Kim Slater: Smart (Nottingham). Das Buch wurde unter dem Titel „Smart oder Die Welt mit anderen Augen“ ins Deutsche übersetzt. Kim wurde in Nottingham geboren und lebt dort auch.

P.S. Die bisher einzige deutsche Stadt, die zur UNESCO City of Literature ernannt wurde, ist Heidelberg (2014).

Das Nottingham Playhouse Theatre.    © Copyright Stephen Richards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Nottingham Playhouse Theatre.
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Published in: on 31. Juli 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Frank Robinson – The Xylophone Man of Nottingham (1932-2004)

Lister Gate in Nottingham.   © Copyright Andy Jamieson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Lister Gate in Nottingham.
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In vielen Städten gibt es Originale und Exzentriker, die sich im Zentrum aufhalten und durch ihre Musik oder andere Dinge auf sich aufmerksam machen. In meinem Wohnort war es einmal ein Drehorgelspieler, der jede Menge Stofftiere auf seiner Orgel sitzen hatte und der die Geldeinnahmen für wohltätige Zwecke spendete.

In Nottingham war Frank Robinson so ein Original, der als The Xylophone Man bekannt und allseits beliebt war. Er spielte 15 Jahre lang auf seinem Xylophon, meist in der Fußgängerzone Lister Gate vor C&A und H&M. Seine musikalischen Fähigkeiten hatten sehr enge Grenzen und ein richtiger Genuss war Franks Musik wahrlich nicht, aber er und sein Xylophon gehörten eben zu Lister Gate.

1932 wurde Frank Robinson in Cotgrave geboren, einer der Vorstädte von Nottingham, und hier wohnte er auch bis zu seinem Tod. Von 1989 an fuhr er täglich in die Innenstadt, besetzte seinen Lieblingsplatz in der Lister Gate, nahm sein Xylophon auf den Schoß und klimperte drauflos. Ich bin nicht sicher, ob die Menschen, die in den umliegenden Geschäften und Büros arbeiteten, auch große Fans von Frank Robinsons Musik waren, die sich doch durch eine gewisse Eintönigkeit auszeichnete.

Am 4. Juli 2004 erlitt The Xylophone Man im Alter von 73 Jahren im Krankenhaus einen Herzinfarkt und starb. An seiner Beerdigung nahmen über 100 Menschen teil, auch Vertreter des Rates der Stadt Nottingham, ein Zeichen für die Wertschätzung, die der stets freundliche Mann genoss. Am 10. November 2005 wurde ihm zu Ehren sogar eine Plakette enthüllt und zwar an seinem Lieblingsplatz an der Lister Gate. Darauf steht geschrieben: “He played his Xylophone here for fifteen years, bringing a smile to the faces of the people of Nottingham”.

Dieser Film zeigt einen Auftritt der Frank Robinson Tribute Band vor dem H&M Store in Nottinghams Lister Gate. „Xylophone Man“ ist auch der Titel eines Songs der Punkband Apocalypse Babies, hier zu hören.

FRank Robinsons Geburts- und Heimatort.   © Copyright Alan Murray-Rust and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Frank Robinsons Geburts- und Heimatort.
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Published in: on 19. Mai 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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