Der Jubilee Pool in Penzance (Cornwall) – Ein nasses Vergnügen seit 1935

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Im Süden Londons gibt es den Tooting Bec Lido und den Brockwell Lido, Cheltenham freut sich über seinen Sandford Parks Lido und Plymouth über den Tinside Pool. Alle diese großen Freibäder, die in England Lido genannt werden, haben eines gemeinsam: Sie standen alle schon einmal vor dem Aus, wurden aber durch die Initiative einiger tatkräftiger Menschen gerettet und erfreuen sich noch heute bzw. heute wieder im Sommer großer Beliebtheit.

Auch der Jubilee Pool in Penzance in Cornwall durchlebte einige Phasen dieser Existenzunsicherheit. Im Mai 1935 an der Battery Road direkt am Meer eröffnet, zeichnet sich dieser im Art Déco-Stil erbaute Lido durch seine ungewöhnliche dreieckige Formgebung aus. Er ist der größte Salzwasser-Pool in ganz Großbritannien mit einer Ausdehnung von 100×73 Meter an den jeweiligen Achsen. Über fünfzig Jahre war der Jubilee Pool in Betrieb, dann zeigten sich bauliche Probleme und die Zukunft sah gar nicht mehr so gut aus. Glücklicherweise nahm sich ein ehemaliger Architekt des Schwimmbades an, gründete die Jubilee Pool Association, ereichte es, dass der Lido unter Denkmalschutz gestellt wurde und trieb so viel Geld auf, dass er wiederhergestellt werden konnte. 1994 nahm das Freibad seinen Betrieb wieder auf.

Im Februar 2014 geriet der Jubilee Pool erneut in Schwierigkeiten. Schwere Stürme fegten in diesem Monat über den Südwesten Englands hinweg und zerstörten große Teile der Anlage, die daraufhin geschlossen werden musste. Wieder begann man in Penzance für die Reparaturarbeiten Geld heranzuschaffen und der Coastal Communities Fund, der Penzance Town Council, The Friends of Jubilee Pool und andere Organisationen brachten die erforderlichen Mittel auf. Nach zwei Jahren Bauzeit konnte der Jubilee Pool am 28. Mai in diesem Jahr erneut eröffnet werden wie dieser Film zeigt.

Am 11. September wurde die Saison 2016 beendet. Hoffen wir, dass die Herbst- und Winterstürme in diesem Jahr gnädig mit dem Jubilee Pool umgehen.

Der Jubilee Pool nach der Wiedereröffnung 2016.   © Copyright Roy Hughes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Penzance in Cornwall Teil 2: The Admiral Benbow in der Chapel Street

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Geht man auf der Chapel Street in Penzance in Cornwall vom Egyptian House, über das ich gestern in meinem Blog berichtete, ein Stück weiter in Richtung Hafen, findet man auf der linken Seite in der Hausnummer 46 einen bemerkenswerten historischen Pub, The Admiral Benbow.
Wer den berühmten Roman „Treasure Island“ (dt. „Die Schatzinsel“) von Robert Louis Stevenson gelesen hat, erinnert sich vielleicht noch an die ersten Zeilen, in denen man gleich mit dem Gasthaus in Penzance konfrontiert wird. Dort heißt es in der deutschen Übersetzung im ersten Kapitel „Der alte Seehund im Admiral Benbow“:
So ergreife ich die Feder in diesem Jahre des Heils 17.. und versetze mich zurück in die Zeit, als mein Vater den Gasthof zum »Admiral Benbow« hielt, und als der braungebrannte alte Seemann mit der Säbelnarbe im Gesicht zuerst unter unserem Dache Wohnung nahm„.

Es ist einer der ältesten Gasthöfe in der Stadt im äußersten Südwesten von Cornwall und fällt schon einmal durch die Figur auf, die bäuchlings auf dem Dach liegt und mit einer Pistole auf irgendeinen imaginären Feind zielt. Unschwer zu erkennen, dass es sich hier um einen Schmuggler handelt. Die Inneneinrichtung des Admiral Benbow ist maritim beeinflusst und besteht aus Fundstücken, die man im Verlaufe von mehr als 400 Jahren aus Schiffen geborgen hat, die an der kornischen Küste Schiffbruch erlitten haben. Da findet man zum Beispiel Steuerräder, Galeonsfiguren, bemalte Fässer, eine Schiffskanone, Petroleumlampen usw. usw.; es geht sehr bunt zu in dem Pub.

Das Restaurant Captain’s Cabin besteht aus den Holzschnitzarbeiten eines ehemaligen portugiesischen Kriegsschiffes und bietet auf seiner Karte Standardgerichte an, ein paar italienische, ein Balti-Gericht und einen Benbow-Burger; na ja. Die 23 Positionen der „weltberühmten Weinkarte“ mögen auch nicht so ganz überzeugen, darunter als einziger deutscher Wein ein Piesporter Michelsberg mit sagenhaften 9% Alkoholgehalt (!!). Aber man geht ja nicht in den Admiral Benbow, um sich hier kulinarischen Genüssen und edlen Tropfen hinzugeben; die Atmosphäre des Pubs in der Chapel Street steht ganz im Vordergrund.

Benannt wurde das Gasthaus nach dem britischen Royal Navy-Admiral John Benbow, der 1653 in Shrewsbury geboren wurde und 1702 auf Jamaica starb.

The Admiral Benbow
46 Chapel Street
Penzance
Cornwall
TR18 4AF

Der Namensgeber des Pubs, Admiral John Benbow. This is a faithful photographic reproduction of a two-dimensional, public domain work of art.

Der Namensgeber des Pubs, Admiral John Benbow.
This is a faithful photographic reproduction of a two-dimensional, public domain work of art.

Penzance in Cornwall Teil 1: The Egyptian House

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Es gibt viele Engländer, die noch nie in ihrem Leben in Penzance waren, liegt doch diese Stadt im äußersten Südwestzipfel Englands, nur etwa 15 Kilometer von Land’s End entfernt. In diese Stadt muss man schon gezielt fahren, zufällig vorbei kommt man da nicht. Ich selbst habe es erst einmal geschafft, einen halben Tag in Penzance zu verbringen.

In Deutschland kennt man den Namen allenfalls von der komischen Oper/Operette/Musical  „Die Piraten von Penzance“ von Gilbert und Sullivan.

Ein Gebäude fällt in Penzance besonders ins Auge: The Egyptian House. Warum um alles in der Welt hat man in dieser abgelegenen Stadt in Cornwall ausgerechnet ein Haus hingesetzt, dessen Fassade mit ägytischen Säulen, Ornamenten und Figuren bestückt ist?

Erbaut wurde das Haus in der Chapel Street (Nummer 6) im Jahre 1835 von dem Architekten John Foulston aus Plymouth für den Mineralogen John Lanvin, der im Erdgeschoss seine umfangreiche Gesteinssammlung unterbrachte. Die Fassade soll eine exakte Kopie eines Londoner Museums gewesen sein, das wiederum von dem Tempel Hat-hor aus dem ägyptischen Dendra inspiriert wurde. Nach den Feldzügen Napoleons war Ägypten in Frankreich und England „in“, daher auch der  Bau dieses Gebäudes.

1968 übernahm der Landmark Trust (ich berichtete vor einigen Jahren in meinem Blog darüber) das Haus und restaurierte es, denn es war doch im Laufe der Jahre etwas hinfällig geworden.

In diesem außergewöhnlichen Haus kann man auch wohnen. Der besagte Landmark Trust, eine Organisation, die in ganz Großbritannien historische Gebäude vermietet, bietet  3 Apartments im ersten, zweiten und dritten Stock an, die für jeweils drei bzw. vier Personen vorgesehen sind. Vier Nächte kosten hier zwischen £176 und £194.

Im Erdgeschoss ist ein Laden untergebracht, Pure nuff Stuff, der Hautpflegeprodukte auf natürlicher Basis herstellt.

Dieser Film zeigt die Restaurationsarbeiten am Egyptian House.

Noch ein Wort zur Chapel Street in Penzance, an der das Haus steht. Das ist eine schmale Einbahnstraße mit hübschen Gebäuden, die sich vom Stadtzentrum in Richtung Hafen zieht. Hier stehen u.a. die St Mary’s Church, die Methodist Church, das Union Hotel, das Haus, in dem einmal die Mutter der Brontë-Schwestern, Maria Branwell, wohnte (ein Plakette erinnert daran) und ein besonderes Gasthaus, über das ich in meinem morgigen Blog schreiben werde.

Die Chapel Street mit der St Mary's Church.   © Copyright Maurice D Budden and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Chapel Street mit der St Mary’s Church.
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