Die Saunton Sands und Pink Floyds Albumcover von „A Momentary Lapse of Reason“

Saunton Sands ist einer der schönsten Strände Englands. Er erstreckt sich über mehrere Kilometer westlich der Stadt Braunton an der Nordküste der Grafschaft Devon. Surfer lieben den Strand, Sonnenbadende ebenfalls, aber auch Produktionsfirmen von Filmen und Musikvideos kommen immer wieder hierher, um den Strand in ihre Filme einzubauen. So sind die Saunton Sands beispielsweise in Robbie Williams‘ Video „Angels“ zu sehen und auch in dem sehr ähnlichen Musikvideo „Hand on Heart“ von Olly Murs. In dem Spielfilm „Edge of Tomorrow“ aus dem Jahr 1914 wurden hier einige Szenen gedreht.

Als die britische Band Pink Floyd ihr Album „A Momentary Lapse of Reason veröffentlichte (das zum großen Teil auf dem an der Themse liegenden Hausboot „Astoria“ aufgenommen worden waren, siehe dazu meinen Blogeintrag) zierte das Albumcover ein merkwürdiges Foto: Auf einem Strand sind Hunderte von metallenen Krankenhausbetten zu sehen, auf einem der Betten sitzt ein Mann, ein Zimmermädchen hält Bettlaken in der Hand, ein paar Hunde haben sich etwas weiter entfernt am Strand niedergelassen und über der ganzen Szenerie schwebt ein Ultraleichtflugzeug. Das Foto hatte der für die Albumcovergestaltung zuständige Grafikdesigner Storm Thorgerson aufgenommen, basierend auf einer Zeichnung von Pink Floyds David Gilmour. Die eigenartige Szene spielt auf einige Textzeilen der auf dem Album enthaltenen Songs an.

Inszeniert werden sollte das Foto eigentlich an einem kalifornischen Strand, da das Wetter dort deutlich zuverlässiger ist als hier in Devon, aber man bekam in Kalifornien keine 700 Betten zusammen. Also wählte Thorgerson  Saunton Sands für sein Fotoshooting aus, denn Devon konnte die gewünschte Bettenzahl liefern. Mit Lastwagen wurden die Betten hierher gekarrt, mit Hilfe von vielen Freiwilligen an den Strand getragen und nach einem vorgegebenen Muster aufgestellt…und dann fing es an zu regnen. Der Fotograf benötigte für sein Foto aber einen blauen Himmel und so schleppten die armen Mitarbeiter alle Betten wieder zurück zu den Lastwagen. Zwei Wochen später wurde die Aktion wiederholt, dieses Mal mit Erfolg. Das Wetter war schön, alles wurde wieder genauso wie beim ersten Mal aufgestellt, und das Foto war im Kasten. Nun zierte es das Albumcover und ließ viele rätseln, was es wohl bedeuten sollte. Hier ist ein kurzer Film über das Fotoshooting.

Algie, das riesige, aufblasbare rosa Schwein, das einmal den Flugbetrieb des Londoner Heathrow Airports lahmlegte

Die Battersea Power Station, Schauplatz von Algies Flucht.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Der Besitzer der East Stour Farm bei Chilham in Kent staunte an jenem Dezembertag des Jahres 1976 nicht schlecht, als ein riesiges, aufblasbares, rosa Schwein aus dem Himmel herabkam und sich einen Landeplatz mitten zwischen seinen Kühen suchte, die voller Angst in alle Himmelsrichtungen flüchteten. Kurz zuvor hatte der Bauer eine Radiodurchsage gehört, in der die Bevölkerung gebeten wurde, nach eben jenem Schwein Ausschau zu halten und bei einer bestimmten Telefonnummer anzurufen, die natürlich erst einmal mit Scherzanrufen bombardiert wurde. Der Farmer war „not amused“ und rief bei besagter Telefonnummer an. Die Polizei und der Schweinebesitzer machten sich auf den Weg zur East Stour Farm und holten das auf wundersame Weise unbeschädigte Tier wieder ab.,

Was war da im Vorfeld geschehen? Die britische Super-Rockband Pink Floyd bzw. eine von ihr beauftragte Firma namens Hipgnosis wollten mitten in London ein Fotoshooting für das aktuelle Pink Floyd-Album „Animals“ machen, und da die Band eine Vorliebe für aufblasbare Schweine hatte, sollte das Album mit einem solchen verziert werden, das an einem der Schornsteine der Battersea Power Station befestigt wurde. Am ersten Tag des Shootings ließ sich das Tier beim besten Willen nicht aufblasen, schlapp lag es auf dem Boden neben der Power Station. Also musste am nächsten Tag, dem 3. Dezember, ein neuer Versuch gestartet werden und dieses Mal klappte es hervorragend. Aber: Eine heftige Windböe riss Algie, wie das 14 Meter lange Schweinchen liebevoll genannt wurde, aus seiner Verankerung und es machte sich selbständig. Pech nur, dass der extra angeheuerte Scharfschütze, der für solche Fälle das Tier abschießen sollte, nicht erschienen war. Algie stieg auf und geriet prompt in eine Flughöhe, die den landenden Verkehrsflugzeugen, die nach London-Heathrow wollten, zugewiesen worden war. Die Piloten machten die Luftaufsicht des Flughafens darauf aufmerksam, die sofort den Flugbetrieb einstellen ließ. Heathrow kam zum Stillstand. Polizeihubschrauber und selbst die Royal Air Force machten sich auf die Suche nach dem abgängigen Schwein und fanden es trotz seiner Größe und auffälligen Farbe nicht. Erst als der Anruf des Bauern aus Kent kam, konnte die Suche eingestellt werden. Mittlerweile durften die Jumbo Jets und ihre kleineren Geschwister von Heathrow aus wieder ihre Flüge in alle Teile der Welt aufnehmen.

Erstaunlicherweise erlaubte man Pink Floyd, das Fotoshooting an der Battersea Power Station zu wiederholen, denn die Aufnahmen waren noch nicht im Kasten; allerdings mit der Auflage, jetzt wirklich einen Scharfschützen bereitzuhalten, der Algie im Falle eines erneuten Ausbruchversuches den Garaus machen sollte. Bei diesem neuen Versuch benahm sich das rosa Schweinchen aber vorbildlich.

Ein späterer Nachfahre Algies trat am 26. September 2011 noch einmal zu Promotionzwecken an der Battersea Power Station in Erscheinung, um damit auf die Wiederveröffentlichung einiger Pink Floyd-Alben aufmerksam zu machen.

Algies Nachfolger am 26. September 2011 an der Battersea Power Station.
Author: Bex Walton
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Hier, auf dem Gelände der East Stour Farm, landete das rosa Schweinchen.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. August 2017 at 02:00  Comments (3)  
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