Mein Buchtipp – Nathan Morley: The Radio Luxembourg Story

 

Foto meines Exemplares.

Die englische Sparte des Radiosenders Radio Luxembourg sendete von 1933 bis zum 30. Dezember 1992. Man kann hier durchaus von einem Kultsender sprechen, denn die Musik, die aus dem Großherzogtum ausgestrahlt wurde, beeinflusste vor allem in den 1950er, 60er und 70er Jahren ganze Heerscharen von Teenagern in Großbritannien, und darüber hinaus auch im restlichen Europa. Wie hießen sie nicht alle, die DJs, die Abend für Abend die neuesten Hits spielten: Barry Alldis, Paul Burnet, Tommy Vance, David „Kid“ Jensen, Keith Fordyce und Tony Prince, der sich The Royal Ruler nannte. Hier sind einige von ihnen zu hören.

The Station of the Stars (hier der Jingle) sendete viele Jahre auf der Mittelwellenfrequenz 208, war zeitweise nur schlecht zu empfangen und stellte für den britischen Platzhirsch, die übermächtige BBC, eine riesige Konkurrenz da, denn die BBC hatte bis 1973 das Monopol auf der britischen Insel, durfte aber keine Werbung senden, und die Musik des Senders war auch nicht so nach dem Geschmack der Bevölkerung.

Nathan Morley zeichnet in seinem Buch „The Radio Luxembourg Story“ die Geschichte des Senders von den Anfängen bis zum Ende nach, und da erfahren wir zum Beispiel, dass der Großteil der Sendungen in London vorproduziert und dann erst nach Luxemburg geschickt wurde. Hauptquartier des Senders im Großherzogtum war die Villa Louvigny im Stadtpark von Luxemburg, in dem heute das Gesundheitsministerium des Landes untergebracht ist.

In gewisse Schwierigkeiten kam The Station of the Stars als die BBC endlich erkannte, dass sie der Musik aus Luxemburg etwas entgegensetzen musste und 1967 Radio 1 gründete, ein Musikprogramm, dass sich an dieselbe Zielgruppe richtete.

Über einen der legendären Werbspots von Radio Luxembourg, Horace Batchelors Infra Draw-Method, habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Das Buch von Nathan Morley ist sehr interessant geschrieben, mit Schwarz-Weiß-Fotos versehen und sehr zu empfehlen.

Nathan Morley: The Radio Luxembourg Story. Amazon 2018. 224 Seiten. ISBN 978-1790392933.

Die Villa Louvigny im Luxemburger Stadtpark heute.
Author: GilPe.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Published in: on 8. März 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Horace Batchelor, „the Amazing Infra Draw-Method“, Radio Luxembourg und Keynsham (Somerset)

Das "sagenumwobene"  Keynsham, in dem Horace Batchelor sein Büro hatte.    © Copyright Jaggery

Das „sagenumwobene“ Keynsham, in dem Horace Batchelor sein Büro hatte.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Jaggery

Als Teenager hörte ich wahnsinnig gern die englische Sparte des Senders Radio Luxembourg. Der Empfang über mein Transistorradio war manchmal zwar grottenschlecht, aber egal: Ich klebte jeden Abend vor dem Radio und hörte mir die Sendungen von Tony „The Royal Ruler“ Prince, Brian Alldis oder Paul Burnett an. Werbung gab es bei dem Sender auch, vor allem eine, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Immer wieder wurden die Musiksendungen unterbrochen, wenn ein gewisser Horace Batchelor Reklame für seine „Amazing Infra-Draw Method“ machte: „Hello, friends,“ sagte er wieder und wieder, „This is Horace Batchelor, the inventor of the fabulous Infra-Draw System. You too can start to win really worthwhile dividends using my method.“ Bei der Sache handelte es sich um eine dubiose Sportwette, eine Art Toto, bei der man, mit Hilfe des von Horace Batchelor ausgearbeiteten Systems, angeblich sehr viel Geld gewinnen konnte. Die Werbedurchsage endete jeweils mit der Angabe der Adresse, wo man sich dieses System kaufen konnte:
Horace Batchelor, Department 3, Keynsham, spell K-E-Y-N-S-H-A-M., Bristol„. Kaum jemand von den Hörern wusste damals, wo Keynsham lag, aber jeder konnte den Ort buchstabieren.

Batchelor scheint mit dem Verkauf seiner „Infra-Draw Method“ nicht schlecht verdient zu haben, denn er bewohnte ein Haus mit 27 Schlafzimmern an der Bath Road in Saltford, das er „Infra-Draw Grange“ nannte. Bis zu 5000 Bestellungen erreichten an guten Tagen sein Büro. Durch Horace Batchelor nahm Radio Luxembourg eine Zeit lang seine größten Werbeeinnahmen ein. Mich nervten damals diese Werbeeinblendungen kolossal; neben der „Infra-Draw Method“ habe ich noch die Jingles für „Babycham“ im Ohr, ein alkoholhaltiges, leicht sprudelndes Getränk, das aus Birnen hergestellt wurde.

Horace Batchelor starb am 8. Januar 1977 in einem Krankenhaus in Bath und kaum noch jemand kann sich an ihn erinnern (ausgenommen die eingefleischten Hörer von „208 Radio Luxembourg“ von damals).

Keynsham übrigens ist eine kleine Stadt an der A4 zwischen Bristol und Bath, die meines Wissens noch nie in irgendeiner Form hat von sich reden machen. Es gab einmal eine Langspielplatte der The Bonzo Dog Band, die den Titel „Keynsham“ trug, eine Referenz an Horace Batchelor.

Wer sich einmal den Werbespot anhören möchte, bitte schön, hier ist er.