Die Hawkhurst Gang und ihre Versammlungsorte in Kent und Sussex

The Oak and Ivy in Hawkhurst (Kent).    © Copyright N Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Oak and Ivy in Hawkhurst (Kent).
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright N Chadwick and
licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Sie trieb ihr Unwesen in der Zeit zwischen 1735 und 1749 in Kent und East Sussex: Die Hawkhurst Gang, eine üble Truppe von Schmugglern und Halsabschneidern, die ihren „Heimathafen“ in der Ortschaft Hawkhurst in Kent hatte und aus etwa 500 Mitgliedern bestand. Stellte sich ihnen jemand entgegen, so wurde er entweder umgebracht oder nach Frankreich „exportiert“ und dort dem damaligen Kriegsgegner zum Fraß vorgeworfen.

Die Hawkhurst Gang hatte einige Versammlungsorte, meist in Gasthöfen, in denen die Schmuggler ihre finsteren Pläne ausheckten. Einer davon war der Oak and Ivy Inn, ihre Basisstation in Hawkhurst (Kent), der noch heute an der A268, der Rye Road, liegt. Ein uriger, gemütlicher Pub aus dem 15. Jahrhundert, hier im Film zu sehen.

Im nahegelegenen Goudhurst terrorisierte die Gang die Dorfbevölkerung; im Dorfteich versteckte sie ihre geschmuggelten Rumfässer (der Teich existiert immer noch, direkt an der Hauptdurchfahrtsstraße der West Road) und ihr Lieblingsaufenthaltsort war The Star & Eagle Inn neben der Kirche, heute ein sehr schönes Hotel. Die Bewohner von Goudhurst hatten die Nase voll von den Halunken, und sie organisierten eine Art Bürgerwehr, die Goudhurst Militia, um der Gang Einhalt zu gebieten. Ein gewisser George Sturt übernahm das Kommando, und er ließ aus Teilen des Kirchendaches Bleikugeln gießen und Verteidigungsgräben anlegen. Tatsächlich gelang es ihnen, die Schmuggler in die Flucht zu schlagen und läuteten damit das Ende der Hawkhurst Gang ein. Die Anführer Thomas Kingsmill und Arthur Gray wurden vor Gericht gestellt und zum Tode durch den Strick verurteilt.
Einen Besuch in Goudhurst in Kent kann ich sehr empfehlen, auch wenn es manchmal schwierig ist, hier einen Parkplatz zu finden. Eine Übernachtung im Star & Eagle Inn steht bei meinem nächsten Englandbesuch ganz oben auf meiner Prioritätenliste.

Über einen anderen Versammlungsort der Hawkhurst Gang, dem Mermaid Inn in Rye (East Sussex), habe ich in meinem Blog schon einmal berichtet. Ich übernachtete dreimal in diesem romantischen Hotel, auch in einigen der „Spukzimmer“. Die Schmuggler pflegten in dem alten Gasthaus zu trinken und wenn sie einmal plötzlich fliehen mussten, nutzten sie einen Tunnel, der zu einem anderen Gasthof führte, Ye Olde Bell Inn, den es heute auch noch gibt. Zimmer 19 im Mermaid Inn heißt The Hawkhurst Suite und möglicherweise nutzten die Schmuggler auch den Geheimgang in unserem Zimmer, Dr. Syn’s Room, der verborgen hinter einem Bücherschrank lag und zur Bar führte. Was dieses alte Fachwerkhaus alles erlebt haben mag? Die Hawkhurst Gang und ich können einen Aufenthalt hier sehr empfehlen!

The Star and Eagle in Goudhurst (Kent). Eigenes Foto.

The Star and Eagle in Goudhurst (Kent).
Eigenes Foto.

The Mermaid in Rye (East Sussex). Eigenes Foto.

The Mermaid in Rye (East Sussex).
Eigenes Foto.

The Old Bell in Rye (East Sussex). Eigenes Foto.

Ye  Olde Bell Inn in Rye (East Sussex).
Eigenes Foto.

 

Rye in East Sussex – Sehenswerte Stadt mit mittelalterlichem Charakter

Cottages gegenüber von St Mary’s. – Eigenes Foto.

Vor kurzem übernachtete ich wieder einmal im Mermaid Inn in dem wunderschönen Rye in East Sussex, für mich eine der hübschesten Kleinstädte in Südengland. Wenn man durch die kopfsteingepflasterten Straßen geht, fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Nachdem wir die enge Torbogendurchfahrt zum Hotelparkplatz gemeistert und eingecheckt hatten, machten wir uns auf zu einem Bummel durch die mittelalterliche Stadt. Die Mermaid Inn habe ich in einem früheren Blogeintrag schon vorgestellt.
Keine 50m vom Hotel entfernt, findet man das Lamb House, in dem der US-amerikanische Schriftsteller Henry James von 1898 bis 1916 lebte. Eine Plakette an der Hauswand erinnert an ihn. Noch zwei weitere Schriftsteller ließen sich im Lamb House nieder: Rumer Godden und Edward Frederic Benson, die heute allerdings kaum noch gelesen werden.

Gleich um die Ecke herum vom Lamb House liegt die Kirche St Mary’s, deren Turmuhr besonders hervorzuheben ist. Der Kirchhof mit seinen alten Grabsteinen wird von malerischen Fachwerkhäusern umschlossen.

Ein paar Gehminuten weiter steht der hübscheste Pub von Rye „Ye Olde Bell Inn„, der schon 1m 15. Jahrhundert erbaut wurde und, genauso wie The Mermaid, im 18. Jahrhundert fest in den Händen von Schmugglern war. Beide sollen durch einen unterirdischen Gang verbunden sein.
Es gibt zahlreiche, idyllisch gelegene Tea Rooms in der Stadt wie „The Cobbles“ oder „Fletcher’s House“ direkt neben der Kirche.

Rye lag früher einmal direkt am Meer; heute ist die Küste ca 3 km entfernt. Der Ort gehört noch immer zu den Cinq Ports, einem Zusammenschuss von Hafenstädten an der englischen Südküste.

Über Rye ließe sich natürlich noch sehr viel mehr sagen; mein Beitrag soll auch nur dazu dienen, Appetit auf diese schöne alte Stadt zu machen. Ich meine, dieser Film fängt die Atmosphäre der Stadt in East Sussex gut ein.

Das Buch zum Artikel:
Alan Dickinson: Rye Through Time. Amberley Publishing 2011. 96 Seiten. ISBN 978-1848684737.

Ye Olde Bell. – Eigenes Foto.

Fletcher’s Tea Rooms neben St Mary’s. – Eigenes Foto.

Plakette am Lamb House. Eigenes Foto.

Plakette am Lamb House.
Eigenes Foto.

 

Published in: on 20. März 2012 at 02:00  Comments (7)  
Tags:

The Mermaid Inn in Rye (East Sussex)

Eigenes Foto

The Mermaid Inn in der Mermaid Street in dem ehemaligen Küstenstädtchen Rye (es war früher einmal eine Hafenstadt) gehört zu den meist fotografierten Gebäuden in England. Das alte Fachwerkhaus stammt aus dem frühen 15. Jahrhundert und hat noch immer seine außergewöhnlich urige und gemütliche Atmosphäre. Die Kellergewölbe sollen sogar noch älter und 1156 gebaut worden sein.

Ich habe dort zweimal übernachtet; die Zimmer waren mit Himmelbetten ausgestattet, die Dielen knarrten und es soll  in unserem damaligen Zimmern auch jeweils einen Hausgeist gegeben haben, den wir aber nicht zu Gesicht bekamen. Wir wurden morgens an der Rezeption danach gefragt (Living TVs „Most Haunted„, die Fernsehserie, die sich mit englischen Spukhäusern befasst, war hier auch schon einmal auf Geisterjagd).

Das Restaurant des Mermaid Inn ist sehr angenehm, sowohl was die Qualität des Essens als auch die Atmospäre anbelangt. In der Lounge Bar befindet sich einer der größten offenen Kamine Englands. Was für ein tolles Gefühl vor diesem riesigen Kamin zu sitzen mit einem Glas Malt-Whisky in der Hand und draußen tobt ein Sturm um das Haus. Oben wartet ein warmes gemütliches Zimmer, das der Aufdeck-Service für die Nacht vorbereitet hat.

Die Zimmerpreise liegen zwischen ca 180 und 230 EURO (inklusive Frühstück).

Nach Angaben des Hotels waren hier schon berühmte Gäste zu Besuch, u.a. die Queen und die Queen Mother, Charlie Chaplin, Johnny Depp und Pierce Brosnan.

Nur ein paar Schritte entfernt ist Lamb House, in dem die beiden Schriftsteller Henry James und E.F. Benson wohnten. Ich kann einen Besuch in Rye und eine Übernachtung im Mermaid Inn sehr empfehlen.

Nachtrag: Am 15. Januar 2012 übernachtete ich noch einmal in der „Mermaid“, dieses Mal in Dr Syn’s Bedroom, einem großen Zimmer mit einer Geheimtür hinter einem falschen Bücherschrank, die direkt auf eine steile Treppe zur Bar führt.

Die Geheimtür in Dr Syn’s Bedroom. – Eigenes Foto

Dr Syn’s Bedroom. – Eigenes Foto

Die Zufahrt zur Mermaid ist sehr eng und Parkplätze gibt es nur wenige. Ich war froh noch einen Platz ergattert zu haben. Eigenes Foto.

Die Zufahrt zur Mermaid ist sehr eng und Parkplätze gibt es nur wenige. Ich war froh, noch einen Platz ergattert zu haben.
Eigenes Foto.