Der Dramatiker Alan Ayckbourn und sein Schauspiel „Standing Room Only“

Verkehrsstau auf der Londoner Shaftesbury Avenue.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Die Küstenstadt Scarborough im Osten der Grafschaft Yorkshire ist eigentlich nicht der ideale Ort, um Theaterstücke uraufzuführen, da eignet sich das Londoner West End besser dafür. Doch der 1939 geborene Dramatiker Alan Ayckbourn ließ alle seine Schauspiele hier oben im Nordosten Englands zuerst aufführen, anfangs im Library Theatre (so genannt, weil das Theater im Haus der Öffentlichen Bibliothek untergebracht war), später im Stephen Joseph Theatre, benannt nach dem Leiter des Library Theatres, der auch der Mentor Ayckbourns war.

Am 13. Juli 1961 kam es zur Premiere von Alan Ayckbourns „Standing Room Only„. Stephen Joseph hatte ihn angeregt, einmal ein Theaterstück zum Thema Überbevölkerung zu schreiben, und Ayckbourn nahm die Anregung auf. Er siedelte das Stück im Jahr 1997 an, also 38 Jahre später, eine lange Zeit, die nun auch schon wieder 22 Jahre zurückliegt. „Standing Room Only“ spielt in London in der Shaftesbury Avenue, in der das totale Verkehrschaos herrscht. Auch im ganzen Land gibt es auf den Autobahnen permanent Staus, auf der Strecke von Birmingham nach London geht gar nichts mehr (vielleicht ein kleiner Vorgeschmack, was bei einem harten Brexit auf der M20 von London nach Dover passieren könnte?). Um sein Fahrzeug auf der Shaftesbury Avenue zu verlassen, benötigt man eine Genehmigung, ein Problem mit dem eine junge Frau kämpft, denn sie ist schwanger (was sie von rechts wegen nicht sein darf) und muss ihr Baby in einem Doppeldeckerbus, der ebenfalls im Dauerstau festsitzt, heimlich zur Welt bringen.

Ayckbourns Schauspiel schaffte es nicht, wie eigentlich geplant, auf die großen Bühnen im Londoner Westend, stattdessen wurde es noch einmal in der Provinz, im Victoria Theatre in Stoke-on-Trent (gibt es heute nicht mehr) im April 1963 aufgeführt, dann nie wieder. Im Ayckbourn Archive an der University Of York werden die einzelnen, mehrfach umgeschriebenen Versionen des Theaterstücks aufbewahrt. Wird es jemals wieder zu einer Aufführung kommen?

Das Stephen Joseph Theatre in Scarborough, wo viele von Ayckbourns Schauspielen uraufgeführt wurden.
Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 1. Februar 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Seeschlachten im Peasholm Park in Scarborough an der Küste Yorkshires

The Battle of Peasholm Park.   © Copyright hayley green and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Battle of Peasholm Park.
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Jetzt sind sie alle für die Wintermonate eingemottet, die HMS Ajax, die HMS Achilles, die HMS Exeter und all die anderen Schiffe, die vom Juli bis Anfang September mit ihren Seeschlachten für die Unterhaltung der Besucher des Peasholm Parks in Scarborough sorgten.

Mitten in Scarborough liegt der Peasholm Park mit seinem kleinen See, auf dem seit 1927 an ausgewählten Tagen im Sommer 30-minütige Seeschlachten, die Naval Warfare, ausgetragen werden. Einige der bis zu sieben Meter langen Miniaturschiffe werden auch heute noch von Menschenhand direkt von Bord aus gesteuert (sie sind aber nicht zu sehen); es sind Angestellte des Scarborough Borough Council, denen diese martialische Aufgabe übertragen worden ist. Im Laufe der Jahrzehnte wechselte man die Schiffe mehrfach aus und zu den obengenannten Booten kamen dann noch die HMS Jervis Bay, SS British Pride und die HMS Ark Royal dazu. Um das Ganze noch aufregender und „naturgetreuer“ zu machen, band man in das Kampfgeschehen auch noch ferngesteuerte Flugzeuge ein, die ihre Bomben auf die Schiffe abwerfen. Also: „lots of fun and a jolly good battle“ wie es auf der Webseite der „discoveryorkshirecoast.com“ heißt.

Wenn auf dem See im Peasholm Park keine Schlachten ausgetragen werden und der Pulverdampf verzogen ist, kann man dort auf friedlichere Tätigkeiten umsteigen und sich ein Boot mieten, z.B. eines der Tretboote mit Drachenkopf.
Der Park wurde am 19. Juni 1912 eingeweiht und erfreut sich seitdem sowohl bei den Bewohnern der Stadt als auch bei Touristen großer Beliebtheit.

Wie es beim Battle of Peasholm Park zugeht, zeigt dieser Film.

Die freidliche Seite des Peasholm Lake.   © Copyright Nigel Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die friedliche Seite des Sees im Peasholm Park.
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Anne Brontë und ihr Grab auf dem Friedhof von St Mary’s in Scarborough (East Yorkshire)

Der alte Grabstein und die neue Plakette auf dem Friedhof von St Mary's in Scarborough.    © Copyright Christopher Hilton

Der alte Grabstein und die neue Plakette auf dem Friedhof von St Mary’s in Scarborough.
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Anne Brontë ist wohl die unbekanntere der drei Schwestern aus Haworth (West Yorkshire). Die 1820 geborene Anne schrieb nur zwei Romane: „Agnes Grey“ (1847) und „The Tenant of Wildfell Hall“ (1848). Schon früh erkrankte sie an Tuberkulose, was sicher auch auf die Lebensumstände in dem alten Pfarrhaus in Haworth zurückzuführen ist.
1849 begab sie sich mit ihrer Schwester Charlotte und Ellen Nussey, einer Freundin der Familie, nach Scarborough an die Ostküste Yorkshires, weil man hoffte, dass das Klima dort eine positive Wirkung auf den Gesundheitszustand Annes bringen würde. Sie  bezogen ihr Quartier in dem Haus No.2 the Cliff, das es heute nicht mehr gibt. An dieser Stelle steht heute das riesige The Grand Hotel (ich berichtete in meinem Blog darüber). Eine blaue Plakette erinnert an den Ort, an dem die Schriftstellerin am 28. Mai 1949 im Alter von nur 29 Jahren starb.

Der Trauergottesdienst fand in der Kirche Christ Church statt; anschließend brachte man die sterblichen Überreste Annes zum Kirchhof von St Mary’s, wo sie ihre letzte Ruhestätte finden sollte. Die Kirche liegt auf dem Castle Hill, von wo man einen sehr schönen Blick auf die Stadt Scarborough und das Meer hat. Als Annes Schwester Charlotte das Grab besuchte, musste sie zu ihrem Ärger feststellen, dass die Inschrift auf dem Grabstein fünf Fehler aufwies, die bis auf einen dann auch korrigiert wurden. Falsch ist die Angabe „She died, Aged 28“, denn Anne starb mit 29 Jahren.

Im Laufe der Jahre nagte der Zahn der Zeit an dem Grabstein und die Inschrift ist teilweise kaum noch zu lesen. Die BrontëSociety ließ daraufhin 2011 eine neue Plakette anfertigen, die vor dem alten Grabstein platziert wurde. Darauf steht noch einmal die Originalinschrift und ein Hinweis auf den Fehler mit Annes Sterbealter. Im Mai diesen Jahres wurde der Gedenkstein offiziell eingeweiht, wobei Mitglieder der Brontë-Society einige Gedichte von Anne vortrugen und die Vorsitzende der Gesellschaft, Sally McDonald, eine Rede über die Entstehung der neuen Plakette hielt.
Die letzte Ruhestätte Anne Brontës ist in guten Händen, denn die Gesellschaft kümmert sich liebevoll um das Grab. Charlotte und Emily, die beiden älteren Schwestern, und auch die anderen Familienmitglieder wurden in der Kirche St Michael and All Angels in Haworth beigesetzt.

Hier ist ein Film über St Mary’s und Annes Grab.

Das Buch zum Artikel:
Edward Chitham: Life of Anne Brontë. Wiley-Blackwell 1993. 236 Seiten. ISBN 978-0631189442.