Bignell Wood bei Wittensford in Hampshire – Das ehemalige Haus von Sir Arthur Conan Doyle

Der geistige Vater des Sherlock Holmes, Sir Arthur Conan Doyle, ist in dem winzigen Dorf Minstead auf der Kirchhof der All Saints‘ Church begraben. Er wohnte teils im Windlesham Manor bei Crowborough in East Sussex, wo er anfangs seine letzte Ruhestätte fand, wurde aber später nach Minstead gebracht, wo er ganz in der Nähe ebenfalls ein Haus besaß, Bignell Wood genannt.

Bignell Wood liegt westlich des Dorfes Wittensford, nahe der B3079, am Rand des New Forests. Sir Arthur kaufte das große Haus mit sieben Schlafzimmern 1925 als Geburtstagsgeschenk für seine zweite Frau Jean, und schnell sprach sich in der Nachbarschaft herum, dass es dort spukt, Postboten sollen sich geweigert haben, die Post dort hinzubringen. Der Schriftsteller hatte einen ausgeprägten Hang zum Spiritismus (obwohl er den logisch und rational denkenden Detektiv Sherlock Holmes schuf), dem er auch in Bignell Wood nachging. Séancen wurden in dem Haus abgehalten (was Doyles Tochter später in Abrede stellte), und als Bignell Wood 1929 in Flammen aufging, schrieb Doyle das übernatürlichen Kräften zu.  Die tatsächliche Brandursache soll aber Funkenflug aus der Küche gewesen sein, wodurch das Reetdach Feuer fing. Sir Arthur beauftragte eine Baufirma, sein Haus wieder bewohnbar zu machen, erlebte das aber nicht mehr, da er am 7. Juli 1930 in Crowborough starb. Siehe hierzu auch meinen Blogeintrag über Doyles bemerkenswerten Memorial Service in der Londoner Royal Albert Hall.

Das Haus im New Forest wurde 1961 von einem schottischen Ärztepaar übernommen, das Bignell Wood erst einmal exorzieren ließ, denn irgendetwas Unheimliches schien dort zu existieren. Danach kehrte Ruhe in das einsam gelegene Haus ein.

Sir Arthur Conan Doyle und eine Gedenkfeier nach seinem Tod in der Londoner Royal Albert Hall

Die Royal Albert Hall.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930) ist in Deutschland fast ausschließlich durch seine Romane und Kurzgeschichten um Sherlock Holmes populär geworden; eine andere Seite des Schriftstellers ist bei uns weniger bekannt, er war ein Mann, der sich sehr für Spiritismus interessierte und zu dem Thema auch das Buch „The History of Spiritualism“ (1926) schrieb. Doyle war Mitglied zum Beispiel im Ghost Club und in der Society for Psychical Research. Er war der Meinung, dass es ein Leben nach dem Tod gibt.

Am 7. Juli 1930 starb Sir Arthur in seinem letzten Wohnort Crowborough in der Grafschaft East Sussex. Sechs Tage später fand in der Londoner Royal Albert Hall eine Großveranstaltung statt, zu der die Spiritualist Association geladen hatte. Es war ein Memorial Service der besonderen Art, zu dem Tausende gekommen waren. Auf der Bühne der Hall nahmen Familienmitglieder der Doyles Platz, darunter auch Lady Doyle, Jean Elizabeth Leckie. Auf ihrer rechten Seite blieb ein Stuhl frei, auf dem ein Schild mit dem Namen des Verstorbenen lag. Mit auf der Bühne befand sich Mrs. Estelle Roberts, ein Medium, das mit dem Jenseits und mit Sir Arthur Kontakt aufnehmen sollte (sie schrieb 1959 ein Buch über ihr Leben mit dem Titel „Forty Years a Medium„).
Unter den erwartungsvollen Zuschauern machte sich Unruhe breit, als es Mrs Roberts allem Anschein nach gelang, den Kontakt herzustellen. Sie blickte auf den leeren Stuhl und rief laut „Er ist hier!“ und murmelte „Er trägt Abendkleidung“. Dann ging sie zu Lady Doyle und flüsterte ihr etwas ins Ohr, eine Mitteilung des Verstorbenen, die sie ihr ausrichten sollte. Die Anwesenden in der Royal Albert Hall erhoben sich und spendeten laut Beifall, während die Orgel, gespielt von Alford Armstrong, laut ertönte. Sie waren (überwiegend) der Meinung, dass der große Sir Arthur Conan Doyle ein Zeichen aus dem Jenseits gesendet hatte. Einige Skeptiker äußersten sich hingegen, dass sie gern Sherlock Holmes bei der Veranstaltung gehabt und seine Meinung über die Glaubwürdigkeit des Mediums gehabt hätten.

Der Schriftsteller wurde nicht in London beigesetzt, sondern erst in Crowborough; später wurden seine sterblichen Überreste in das kleine Dorf Minstead in Hampshire, auf den All Saints Churchyard, überführt (s. dazu meinen Blogeintrag).

Die Orgel in der Royal Albert Hall.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Sir Arthur Conan Doyles Statue in Crowborough (East Sussex).
Photo © E Gammie (cc-by-sa/2.0)

Doyles letzte Ruhestätte in Minstead (Hampshire).
Photo © Peter Whitcomb (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 18. Juni 2019 at 02:00  Comments (5)  
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Happisburgh (Norfolk), Sir Arthur Conan Doyle und The Hill House

The Hill House in Happisburgh.Copyright: http://www.literarynorfolk.co.uk/

The Hill House in Happisburgh.
Copyright: www.literarynorfolk.co.uk

Happisburgh an der Nordostküste der Grafschaft Norfolk ist ein Dorf, das, wie kaum ein anderes, sehr stark von der Küstenerosion betroffen ist. Viele Häuser sind im Laufe der Jahrzehnte zusammengebrochen und viele werden noch folgen. Trotz Schutzmaßnahmen wie dem Bau von Wellenbrechern fressen sich die Wellen immer wieder in die weichen Klippen, die dann irgendwann nachgeben und abbrechen. So dürfte Happisburgh eines Tages von der Landkarte verschwunden sein.

Im Jahre 1903 stattete der Schriftsteller Sir Arthur Conan Doyle auf einer Rundreise mit seinem Auto durch Norfolk auch Happisburgh einen Besuch ab, wobei er im Hill House Hotel abstieg. Dort traf er den zwölfjährigen Sohn des Gastwirts, Gilbert John Cubitt, der dem Erfinder des Super-Detektivs Sherlock Holmes etwas zeigte, was dessen Aufmerksamkeit erregte. Der Junge hatte sich eine Art Geheimschrift ausgedacht: Er ordnete jeden Buchstaben des Alphabets einem jeweils unterschiedlich gestalteten Strichmännchen zu. Gilbert schrieb seinen Namen in dieser Geheimschrift und Sir Arthur war begeistert.

Das müsste sich doch in einen neuen Fall für seinen Helden aus der Londoner Baker Street einbauen lassen, dachte er. Gesagt, getan: „The Adventure of the Dancing Men“ (dt. „Die tanzenden Männchen“) war dann der Titel der neuen Sherlock Holmes-Story. Als kleine Anerkennung für die Idee des Gastwirtssohnes Gilbert John Cubitt nannte er die Figur des (später ermordeten) Landjunkers in seiner Geschichte Hilton Cubitt. Ich habe „Die tanzenden Männchen“ gerade noch einmal gelesen, und ich muss sagen, die Sherlock Holmes-Erzählungen haben auch nach über hundert Jahren nichts von ihrem Reiz verloren. Hier ist eine von mehreren Verfilmungen der Geschichte (gedreht wurde in Leighton Hall in Lancashire, also nicht in Norfolk).

The Hill House gibt es auch heute noch und man ist nach wie vor stolz auf den Besuch Sir Arthurs, was sich in zwei Plaketten manifestiert, die links und rechts des Eingangs vom Gasthof angebracht sind.

Das Wahrzeichen von Happisburgh ist der Leuchtturm, der in dem 1989 erschienen, großartigen Kriminalroman „Devices and desires“ (dt. „Vorsatz und Begierde“) von P.D. James mehrfach erwähnt wird. Das Musikvideo „The writer“ mit Ellie Goulding wurde am und im Leuchtturm gedreht (hier zu sehen).

Dieser Film zeigt den traurigen Abriss eines verlassenen Hauses in Happisburgh.

Das Buch zum Artikel:
Mary Trett: The Book of Happisburgh. Halsgrove 2011. 160 Seiten. ISBN 978-0857040978.