„Attachment“ – Ein Gemälde von Sir Edwin Landseer und seine Hintergrundgeschichte

This work is in the public domain.

In meinem Blogeintrag vom 14. September 2016 berichtete ich über Tip, den treuen Schäferhund, der im Winter 1953/54 im Peak District mehrere Wochen nicht von der Seite seines toten Herrchens wich, der dort in einer unwirtlichen Gegend gestorben war.
Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Frühjahr 1805 im Lake District: John Gough aus Manchester wollte oben in den Bergen mit seinem Hund von Patterdale nach Wythburn laufen, als er plötzlich von starkem Schneefall überrascht wurde. Er konnte den Weg nicht mehr erkennen und stürzte einen Hang hinunter. Er prallte auf Felsen auf und starb. John Goughs Hund, ein Foxterrier, lief sofort zu seinem toten Herrchen und legte sich neben ihn. Dort blieb er, bis ein Schäfer die beiden drei Monate später fand. Wie der Hund in den Bergen des Lake Districts überleben konnte, blieb ein Rätsel. Wahrscheinlich ernährte er sich die ganze Zeit von Gras. Der Foxterrier war übrigens eine „Sie“, denn sie gebar bei der dreimonatigen Totenwache zwei Welpen, die allerdings nicht überlebten.

1899 wurde auf dem Gipfel des Helvellyn ein Gedenkstein errichtet, der an diese rührende Geschichte erinnert. Sir Walter Scott hat in seinem Gedicht „Helvellyn“ davon erzählt, ebenso William Wordsworth in „Fidelity„.

Der Maler und Bildhauer Sir Edwin Landseer (1802-1873), berühmt geworden durch seine Trafalgar Square-Löwen, hat die Geschichte in einem Gemälde (101.3 x 83.5 cm) festgehalten, das er „Attachment“ nannte und das 1829 entstand. Es hängt heute im Saint Louis Art Museum in den USA.

Siehe auch meinen Blogeintrag über ein anderes Gemälde mit einem Hund von Sir Edwin.

Hier am Helvellyn ereignete sich die Geschichte von John Gough und seinem treuen Hund.
Photo © Simon Ledingham (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. August 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Bob, der Neufundländer, der in einem Gemälde von Sir Edwin Landseer verewigt wurde

This is a faithful photographic reproduction of a two-dimensional, public domain work of art.

Bob war ein Neufundländer und ein ganz erstaunlicher Hund. In den 1830er Jahren geriet das Schiff, in dem Bob an Bord war, vor der englischen Küste in Seenot und kenterte. Der Hund überlebte das Unglück und rettete auch noch zwei Passagiere. Von da ab kann man sagen, dass für Bob das Retten von Menschen zu seinem Lebensinhalt geworden ist, denn in einer Zeitspanne von dreizehn Jahren rettete der Neufundländer sage und schreibe 23 Menschen vor dem Ertrinken. Er hielt sich in dieser Zeit immer im Londoner Raum auf und war geradezu ein Strandwächer auf vier Pfoten. Als Dank für diese Leistung wurde Bob in die Royal Humane Society aufgenommen, das ist eine 1774 gegündete Lebensrettungsgesellschaft. Er erhielt eine Medaille und, was ihn sicher noch mehr gefreut hat, eine tägliche Mahlzeit bis ans Ende seines Lebens.

Der englische Tiermaler und Bildhauer Sir Edwin Landseer (1802-1873), dem wir die Löwen auf dem Londoner Trafalgar Square zu verdanken haben, hörte von dieser anrührenden Geschichte und wollte unbedingt ein Gemälde von Bob anfertigen, doch der Hund war wie vom Erdboden verschwunden; niemand wusste, wo er sich aufhielt und ob er überhaupt noch lebte. So leiht sich Sir Edwin einen anderen Neufundländer namens Paul und bringt ihn in sein Atelier. Dort setzt er ihn auf einen Tisch und beginnt zu malen. Aus dem Tisch wird eine Ufermauer, im Hintergrund ist ein wolkenverhangener Himmel über dem Meer zu sehen, Seemöwen ziehen ihre Kreise. Großartig gelungen ist das Porträt des Hundes, der aussieht, als könnte er jeden Moment aufstehen und aus dem Bilderrahmen steigen. „A Distinguished Member of the Humane Society“ nannte Sir Edwin Landseer sein Bild, das 1838 ausgestellt wurde, und das die Beliebtheit von Neufundländern in England gewaltig steigerte. Das Gemälde ist 111.8 × 143.5 cm groß und hängt heute in dem Londoner Kunstmuseum Tate Britain.

Published in: on 7. Oktober 2017 at 02:00  Comments (2)  
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