Wie Slough in Berkshire seinen berühmten Sohn Sir William Herschel ehrt

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Geboren wurde Wilhelm Herschel 1738 in Hannover, 1757 ging er nach England, wo er in Leeds und Halifax als Musiklehrer bzw. als Organist arbeitete. Seine nächste Station war Bath; dort erwachte sein Interesse an der Astronomie. Er baute eigene Spiegelteleskope mit denen er weit den Weltraum blicken konnte. Gekrönt wurden seine  astronomischen Forschungen mit der Entdeckung des Planeten Uranus im Jahr 1781. Von Bath zog Herschel nach Slough, westlich von London, wo er bis zu seinem Tod am 25. August 1822 bleiben sollte.

Herschel war zu seiner Zeit nicht nur einer der bedeutendsten Astronomen, er machte sich auch einen Namen als Musiker und Komponist (hier ist ein Beispiel).
Seine Heimatstadt Slough, die noch immer mit ihrem schlechten Ruf zu kämpfen hat (s. dazu meinen Blogeintrag), freut sich auch heute noch darüber, dass einmal ein so berühmter Mann in ihren Mauern gelebt hat und ehrt Sir William Herschel auf unterschiedliche Weise:

Der im Mai 2011 eröffnete Busbahnhof ist ein außergewöhnliches Gebäude, über das das mit dem Entwurf beauftragte Architektenbüro bblr sagt: “ The form of the building derives from the idea of different wavelengths of light inspired by Astronomer Royal, William Herschel’s discovery of infra-red waves in 1800 while a resident of Slough.”

Das dicht an der Autobahn M4 gelegene Parkgelände wurde nach dem Astronomen Herschel Park genannt und hat übrigens den Green Flag Award bekommen (ich berichtete vorgestern in meinem Blog darüber).

Das Observatory House an der Herschel Street erinnert mit seinem Namen an den Wissenschaftler, der exakt an dieser Stelle gewohnt hatte und wo sein Telekop aufgestellt war. Herschels Haus, in dem sein Sohn John geboren wurde und in dem er starb, wurde abgerissen und auf dem Gelände dieses Bürogebäude errichtet. Gleich dahinter steht der Herschel Multi-Story Car Park.

Gleich neben dem Observatory House befindet sich ein Denkmal, das Herschels 40-Fuß-Teleskop repräsentiert, damals das größte der Welt. Der tschechische, nach England emigrierte Bildhauer Franta Belsky (1921-2000) hat das Denkmal entworfen.

Nach dem Astronomen wurde auch die Herschel Grammar School an der Northampton Avenue benannt; ebenfalls das Herschel Medical Centre an der Osborne Street.

Wie es sich gehört, gibt es in Slough selbstverständlich auch einen Pub, der The Herschel Arms heißt und ideal an der Herschel Street platziert ist.

Seine letzte Ruhestätte fand Sir William Herschel in der Kirche St Laurence in dem Vorort Upton-cum-Chalvey, wo er in der Familiengruft beigesetzt ist. Eine Plakette ist dort angebracht und Kirchenfenster erinnern an den großen Mann und seine Forschungsarbeiten.

Der Busbahnhof von Slough.   © Copyright Stephen McKay and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Busbahnhof von Slough.
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Herschel Park in Slough.   © Copyright Shazz and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Herschel Park in Slough.
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Das Observartoy House in der Herschel Street.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Observatory House in der Herschel Street.
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Die St Laurence Church in Upton-cum-   © Copyright Ian Baker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die St Laurence Church in Upton-cum-Chalvey
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„Station Jim“ – Der Hund im Glaskasten auf Bahnsteig 5 des Bahnhofs von Slough (Berkshire)

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Der Bahnhof der Stadt Slough, östlich von Maidenhead in der Grafschaft Berkshire, hat eine Besonderheit aufzuweisen, die es meines Wissens in ganz England nicht ein zweites Mal gibt: Dort ist auf Bahnsteig 5 in einem Glaskasten ein ausgestopfter Hund ausgestellt, der Ende des 19. Jahrhunderts einmal eine wichtige Rolle gespielt hat. Hier ist die Geschichte:

Station Jim, wie er liebevoll von allen, die ihn kannten, genannt wurde, kam als drei Monate alter Welpe auf das Bahnhofsgelände, wo er schnell zum Liebling der Angestellten und der Reisenden avancierte. Er bekam auch schnell eine verantwortungsvolle Aufgabe zugewiesen; Station Jim wurde Canine Collector des Widows and Orphan Funds der Great Western Railway, also so etwas wie der „Sammelhund für den Hilfsfonds für Witwen und Waisen der Eisenbahngesellschaft Great Western Railway“. In dieser Funktion war Station Jim tagein, tagaus auf den Bahnsteigen unterwegs, wobei er als Arbeitskleidung ein Geschirr trug, an dem Sammelboxen angebracht waren. Jedesmal, wenn jemand eine Münze in eine Box warf, bellte er, sozusagen als Dankeschön. Er schaffte es, obwohl der arme Kerl recht krank war, die stolze Summe von £40 zu sammeln, was einem heutigen Gegenwert von  £2500 entspricht. Da konnten die Witwen und Waisen von Slough wirklich nicht meckern!  

Im Laufe seines leider recht kurzen Lebens lernte Station Jim einige weitere Kunststücke wie auf den Hinterpfoten gehen und Leitern hinaufklettern. Manchmal machte er auch mehr oder weniger unfreiwillige Ausflüge mit dem Zug. Da wurde er mal in London und einmal sogar in dem weit entfernten Royal Leamington Spa in Warwickshire gesehen; aber immer setzte man ihn wieder in den Gegenzug, so dass er sicher in Slough ankam; erkennen konnte man ihn ja leicht an seinen umgeschnalllten Sammelbüchsen. Als er einmal in Windsor landete, ging er einfach zu Fuß zu seinem Arbeitsort zurück.

Am 19. November 1896 ereilte ihn während seiner Sammeltätigkeit auf den Bahnsteigen von Slough der Tod; er kippte einfach um und war nicht mehr. Die Bestürzung in der Bevölkerung war groß und man überlegte wie man ihm ein Denkmal setzen konnte. Man drehte den Spieß um und sammelte dieses Mal für ihn. Mit dem Erlös wurde Station Jim ausgestopft und auf Bahnsteig 5 in einen Glaskasten gestellt, so dass er auch in seinem Tod in seinem geliebten Wirkungsfeld sein konnte.

Im Jahr 2001 drehte die BBC einen Fernsehfilm, der den Titel „Station Jim“ trägt und der lose auf den wahren Begebenheiten Ende des 19. Jahrhunderts beruht. Produziert wurde der Film aber nicht im Bahnhof von Slough, sondern auf dem Gelände der Bluebell Railway, einer Museumsbahn, die zwischen dem Sheffield Park und East Grinstead in East und West Sussex verkehrt. Es spielen viele bekannte Darsteller mit wie Prunella Scales als Königin Victoria, Charlie Creed-Miles (der erst kürzlich in dem Fünf-Teiler „Injustice-Unrecht“ als DI Mark Wenborn auf ARTE zu sehen war) und Celia Imrie (bekannt aus „Inspector Barnaby“, „Kingdom“ und „Cranford“).

Die Bahnsteige 4 und 5 im Bahnhof von Slough, das frühere Arbeitsfeld von Station Jim.   © Copyright Peter Whatley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Bahnsteige 4 und 5 im Bahnhof von Slough, dem früheren Arbeitsfeld von Station Jim.
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Slough (Berkshire) und ein böses Gedicht von Sir John Betjeman

Die High Street in Slough.    © Copyright Stephen McKay and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Einer meiner Onkel wohnte lange Zeit in Slough in Berkshire, und ich bin einige Male durch die Stadt gefahren, die noch immer ein Imageproblem hat. Unter den Crap Towns nimmt sie den dritten Rang ein (ich berichtete darüber), aber immerhin haben einige große Firmen hier ihre Hauptquartiere aufgeschlagen wie z.B. Amazon UK, der Nahrungsmittelkonzern Mars Incorporated, die kanadische Firma BlackBerry oder Black & Decker. Das liegt sicher an der hervorragenden Anbindung an die Autobahnen M4 und M25 und der Nähe des Flughafens Heathrow. Außerdem liegt London direkt vor der Tür.

Slough hat eine sehr hohe Kriminalitätsrate, ein Drogenproblem, einen sehr großen Zufluss an Einwanderern. Eine Abwasseraufbereitungsanlage nahe der M4 verbreitet häufig einen Gestank, den „Slough Stench“, den die Autofahrer auf dem Motorway wahrnehmen. Der Name der Stadt Slough ist also stark negativ belastet.

Der Dichter Sir John Betjeman (1906-1984) hat 1937 ein vernichtendes Gedicht über die Stadt geschrieben, das lange Zeit den schlechten Ruf noch mehr verstärkt hat. Die ersten beiden Strophen sagen schon alles:

Come, friendly bombs, and fall on Slough!
It isn’t fit for humans now,
There isn’t grass to graze a cow.
Swarm over, Death!

Come, bombs and blow to smithereens
Those air-conditioned, bright canteens,
Tinned fruit, tinned meat, tinned milk, tinned beans,
Tinned minds, tinned breath.

Dass Sir John Betjeman nicht gerade zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, liegt auf der Hand. Übrigens wurde Slough im Zweiten Weltkrieg wirklich bombardiert, besonders stark im Oktober 1940.

Betjeman hat später bedauert, in seinem Gedicht so harte Worte verwendet zu haben, und seine Tochter Candida Lycett Green hat sich im Jahr 2006 beim Bürgermeister von Slough für ihren Vater entschuldigt. Sie überreichte dem Mayor einen Band mit Gedichten Betjemans, in den sie geschrieben hatte:
„We love Slough. For the Mayor of Slough, love from Candida Lycett Green, whose Dad wanted to stop his poem going into a book because he regretted having ever written it“.

Hier ist das komplette Gedicht „Slough“.
 
Die Tiger Lillies haben einmal einen Song mit dem Titel „Slough“ (hier zu hören) aufgenommen, in dem es heißt:
Well it’s grim up north
But it’s grimmer than that in Slough“ und später „Drop a bomb on Slough„.
Sir John Betjeman lässt grüßen…

In diesem Film ist eine Tour durch Slough zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Peter Burgess: Slough – A Century of Change. Nonsuch Publishing 2005. 128 Seiten. ISBN 978-1845881221.

Published in: on 21. November 2013 at 02:00  Comments (1)  
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