Das Eisenbahnunglück in Soham (Cambridgeshire) am 2. Juni 1944 und die Helden, die noch Schlimmeres verhinderten

Erinnerungstafel in der Kirche St Andrew's in Soham (Cambridgeshire).    © Copyright Tiger and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Erinnerungstafel in der Kirche St Andrew’s in Soham (Cambridgeshire).
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Es war mitten in der Nacht am 2. Juni 1944, als ein Frachtzug durch den kleinen Ort Soham in Cambridgeshire, südöstlich von Ely, fuhr. Die 51 Eisenbahnwaggons waren bis zum Rand mit Bomben beladen, die nach Ipswich in Suffolk gebracht werden sollten. Der Lokführer Benjamin Gimbert bemerkte plötzlich, dass aus dem ersten Waggon Flammen schlugen und stoppte den Zug. Der mit im Zug fahrende Feuerwehrmann James Nightall koppelte den Waggon vom Rest des Zuges ab, und Gimbert versuchte, den brennenden Wagen aus dem Bahnhof so weit wie möglich herauszuziehen, was ihm aber nur auf einer Strecke von etwas über hundert Metern gelang, ehe die Bomben explodierten. Nightall wurde dabei sofort getötet, der Bahnwärter Frank Bridges, der auf dem Bahnsteig stand, erlag seinen schweren Verletzungen am nächsten Tag. Der Zugbegleiter Herbert Clarke, der ebenfalls mit an Bord war, erlitt Verletzungen und einen Schock und wie durch ein Wunder überlebte auch der Lokführer, obwohl auch er sehr schwere Verletzungen hatte. Ohne den mutigen Einsatz dieser Männer hätte es mit Sicherheit in Soham zahllose Tote gegeben. Insgesamt zogen sich weitere 27 Menschen mehr oder minder schwere Blessuren zu und im Ort wurden über 700 Häuser beschädigt; die Bahnhofsgebäude wurden komplett zerstört. Wäre der gesamte Zug explodiert, wäre von Soham nichts mehr übriggeblieben.

Benjamin Gimbert und (posthum) James Nightall erhielten für ihren Einsatz das Georgs-Kreuz, die höchste zivile Auszeichnung für Tapferkeit in Großbritannien. Die Bürger von Soham waren den Männern sehr dankbar und so gibt es heute Straßen im Ort, die nach ihnen benannt sind, die Gimbert und die Nightall Road und der Frank Bridges Close. In Herbert Clarkes Heimatstadt Ipswich nannte man eine öffentliche Gartenanlage nach ihm.

Am 2. Juni 2007 wurde in Soham auf dem Red Lion Square, neben dem Kriegerdenkmal, ein Gedenkstein in Erinnerung an die Helden jener Nacht im Jahr 1944 enthüllt, in Anwesenheit des Dukes of Gloucester.

Dieser Film fasst die Geschehnisse des Soham Rail Disasters noch einmal zusammen.

Im August 2002 geriet Soham noch einmal in die nationalen Schlagzeilen, als die beiden 10jährigen Schulmädchen Holly Wells und Jessica Chapman verschwanden und zwei Wochen später bei der Royal Air Force Station Lakenheath in Suffolk ermordet aufgefunden wurden. Der Mörder war der Hausmeister vom Soham Village College. Ich kann mich noch an den Fall erinnern, der in England damals große Betroffenheit auslöste.

Erinnerungsstein am Red Lion Square in Soham.  This work is released  into the public domain.

Erinnerungsstein auf dem Red Lion Square in Soham.
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Der Red Lion Square in Soham.    © Copyright Rob Noble and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Red Lion Square in Soham (ganz rechts das Memorial).
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Published in: on 14. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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