Die Under the Pier Show in Southwold (Suffolk)

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Kürzlich berichtete ich in meinem Blog über den Niedergang vieler englischer Seebäder, ein Problem, das das Städtchen Southwold an der Küste Suffolks nicht hat. Der Beiname „Chelsea-by-the-Sea“ verrät, welche Klientel gern hierher kommt. So ist es durchaus möglich, hier auf Rowan „Mr. Bean“ Atkinson und seinen McLaren F1 zu stoßen; der Schauspieler soll hier eine Beach Hut besitzen, genauso wie einige andere Berufskollegen auch. Es geht in Southwold alles gepflegt und gesittet zu, man ergeht sich auf der schönen Strandpromenade und stattet der Pier einen Besuch ab. Auf dieser Seebrücke gilt als Hauptattraktion die „Under the Pier Show„, „A mad arcade of home-made machines & simulator rides“, in der Gründer Tim Hunkin seit 2001 seine selbstgebauten Amüsiermaschinen ausstellt.
Am Anfang waren es gerade einmal fünf dieser münzbetriebenen Geräte, die er zur Schau stellte wie The Doctor; da muss man sich ein Stethoskop gegen den Körper halten und der Doktor, der in einer kleinen Butze sitzt, hört aufmerksam auf die Geräusche, kommt dann zu einer Diagnose und stellt ein Rezept aus, das die Maschine ausspuckt. Natürlich kann man dieses Rezept nicht lesen, da es in „Doktorschrift“ geschrieben ist.
Man sieht schon an dieser „amusement machine“, dass man es hier mit ganz speziellen Vergnügungen zu tun hat. Einige weitere Beispiele:

– Der Fly Drive; hier kann man die Welt durch die Augen einer Fliege betrachten und muss aufpassen, dass man nicht von einer Fliegenklatsche ins Jenseits befördert wird.
Instant Weightloss; mit dieser Maschine kann man in kürzester Zeit deutlich an Gewicht verlieren und das in einem Spiegel auch noch beobachten
Rent-A-Dog; auf einem Laufband kann man einen Hund spazierenführen und das auch noch auf einem Bildschirm verfolgen.

Tim Hunkin ist ein Besessener, der sein Leben den Amusement Arcade Machines gewidmet hat und hier auf der Pier von Southwold hat er den richtigen Platz für seine Exponate gefunden. Anders als der Name „Under the Pier Show“ vermuten lässt, befindet sich die Ausstellung auf und nicht unter der Pier.

Hier ist ein Film über die Show.

Das Buch zum Artikel:
Lynn F. Pearson: Amusement Machines. Shire Publications 2010 (Reprint). 32 Seiten. ISBN 978-0747801795.

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Published in: on 10. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Strandhütten von Southwold in Suffolk

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Die Beach Huts, die Strandhütten, spielen im Urlaub der Engländer eine große Rolle. Dicht an dicht stehen sie in den Urlaubsgebieten am Meer, sind oft knallbunt und wenn man eine kaufen möchte: Die Holzhütten sind sehr teuer, wenn man überhaupt eine bekommt. An der Küste von Dorset, las ich einmal, besteht eine Wartezeit von ca 15 Jahren, um eine Hütte zu bekommen und auf der Warteliste stehen an die 1000 Interessenten.

Auch in dem hübschen Southwold an der Küste von Suffolk gibt es diese Ansammlung von bunten beach huts. Der Ort hat sich, ähnlich wie das nicht weit entfernte Aldeburgh, zu einem bevorzugten Seebad für reiche Londoner entwickelt, mit den negativen Folgen wie steigenden Immobilienpreisen und lange Zeit leerstehenden Häusern.

Die Strandhütten in Southwold wurden in den 1960er Jahren gebaut und kosteten damals unter £100. Niemand hätte damit gerechnet, dass der Wunsch, so eine kleine, recht primitive Hütte zu besitzen, einmal so übermächtig werden würde, dass Leute bereit wären, fünfstellige Beträge dafür auszugeben.
Dabei verfügen die kleinen nur wenige Quadratmeter großen Häuschen natürlich über keine Toiletten, sie haben auch keinen Stromanschluss und keine Wasserversorgung. Die meisten haben einen Gaskocher, damit man sich seine Tasse Tee und eine kleine Mahlzeit zubereiten kann. Man kann sich eine beach hut auch mieten, was nicht teuer ist, so um die £150 – 250 pro Woche; dafür bekommt man dann auch Liegestühle, einen Tisch, einen Sonnenschirm plus Geschirr und Besteck. Am Strand verteilt sind „standpipes“, Wasserentnahmestellen, und es gibt auch mehrere Strandcafés, so dass eine Versorgung mit dem Nötigsten gewährleistet ist.
Natürlich sitzt man sich sehr eng auf der „Pelle“, kommt dafür aber mit seinen Nachbarn schnell ins Gespräch.

Wer so eine Hütte selbst besitzen möchte, sollte etwa mit Preisen zwischen £50 000 und £70 000  rechnen, in den bevorzugten Lagen steigen die Preise sogar in den sechsstelligen Bereich.  Um die Interessen der Eigentümer kümmert sich die Southwold Beach Hut Owners Association.

Hier ist ein Film über die beach huts von Southwold, in dem man auch einmal einen Blick in eine Hütte werfen kann.

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Published in: on 18. Juni 2013 at 02:00  Comments (3)  
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Southwold (Suffolk) – Eine Stadt kämpft gegen eine Ladenkette

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Unter der Adresse 70, High Street in Southwold in der Grafschaft Suffolk war einmal der Textilwarenladen Fanny & Franks zu finden. Das Geschäft schloss vor einiger Zeit und stand leer, bis es die Begehrlichkeit der Kaffeehauskette Costa Coffee weckte, nach Starbucks das weltweit zweitgrößte Unternehmen dieser Art.
Die Firma beantragte, dort eine Filiale zu eröffnen, was aber auf erbitterten Widerstand eines Großteils der Bewohner Southwolds stieß. Nachdem schon im letzten Jahr Tesco einen Supermarkt in der Stadt errichtete und W.H. Smith die letzte individuell geführte Buchhandlung ablöste, will man jetzt auf keinen Fall einen neuen Kettenladen in Southwold haben, denn dann wären Tür und Tor für weitere High Street Chain Stores geöffnet.

Die Kampagne „Say No To Costa Coffee“ dient dazu, die bisher fast makellose Hauptstraße des Küstenstädtchens zu erhalten (87% der Geschäfte sind in Privatbesitz). Es gibt bereits zahlreiche Teestuben, Cafés und Restaurants in der Stadt und man befürchtet, dass Costa Coffee das Ende für einige Ladeninhaber bedeuten würde.
Unterstützt werden die Bürger vom Southwold Town Council, der Southwold and Reydon Society und der Southwold Chamber of Trade. Man ist der Meinung, dass viele Touristen in die Stadt kommen, weil es hier nicht so aussieht wie in zahllosen anderen englischen Orten, in denen man mit den immer gleichen Kettenläden konfrontiert wird.

Die Firma Costa Coffee argumentiert, dass ein leer stehender Laden das Image der High Street nicht gerade fördert und dass durch die Eröffnung einer Filiale etwa 6 bis 12 neue Arbeitsplätze entstehen. (Wieviele würden aber dadurch letztendlich vernichtet werden?)

Der zuständige Waveney District Council hat sich für Costa Coffee ausgesprochen und jetzt bleibt abzuwarten, wer die Oberhand gewinnen wird.

Ich habe die hübsche Kleinstadt an der Küste Suffolks einmal besucht und mir hat sie sehr gut gefallen. Möge sie so bleiben wie ich sie vorgefunden habe, und ich drücke den Bürgern der Stadt an der Suffolk Heritage Coast ganz fest die Daumen, dass sie ihren Kampf gegen die Ladenketten gewinnen mögen.

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Published in: on 15. Juni 2012 at 02:00  Comments (3)  
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