Wie eine echte venezianische Gondel nach Stratford-on-Avon kam

With friendly permission of Avon Boating.

With friendly permission of Avon Boating.

Die Bootsverleihfirma Avon Boating, seit 1898 in Stratford-on-Avon ansässig, bietet u.a. Gondelfahrten auf dem River Avon an, mit einem Gondoliere an Bord, der die Passagiere auf dem romantischen Fluss am Royal Shakespeare Theatre und an der Holy Trinity Church vorbei stakt. Diese original venezianische Gondel wurde 1904 von Giuseppe Casal in Venedig gebaut. Wie gelangte dieses Boot von den Kanälen der Lagunenstadt auf einen Fluss in Warwickshire?

Die Firma London Exhibitions Ltd beauftragte 1904 den venezianischen Gondelbauer mit dem Bau des Bootes, das man für eine italienische Messe in London haben wollte. Also transportierte man die Gondel von Venedig nach London, wo sie nach Beendigung des Messe versteigert wurde. Käuferin war eine damals außerordentlich populäre Schiftstellerin namens Marie Corelli (1855-1924), deren Romane sehr hohe Auflagen erzielten, die aber heute so gut wie vergessen ist. Einige ihrer Werke wurden ins Deutsche übersetzt („Barabbas, Barabbas!“ ist noch lieferbar), viele ihrer Bücher sind in England noch im Buchhandel zu bekommen, als Kindle-Edition bei Amazon sogar kostenlos.
Diese Dame, die sich 1899 in Stratford-on-Avon niedergelassen hatte und in Mason Croft wohnte, in dem heute das Shakespeare Institute der Universität von Birmingham untergebracht ist, ließ sich auf dem River Avon gern mit ihrer venezianischen Gondel, die sie „The Dream“ nannte, herumschippern, wozu sie einen echten Gondoliere namens Giovanni engagierte. Selbstverständlich wurde Marie Corelli mit ihrer neuen Errungenschaft zum Stadtgespräch.
Der arme Giovanni hatte aber bald Heimweh nach seiner Lagunenstadt; er langweilte sich auch ein wenig, und eines Tages geriet er in einen Streit mit seinen Trinkkumpanen vom örtlichen Ruderclub. Sein Temperament ging mit ihm durch, er zog ein Messer und bedrohte damit seinen Widersacher. Als Giovannis Arbeitgeberin davon hörte, entließ sie ihn auf der Stelle. Sein Nachfolger wurde einer von Marie Corellis Gärtnern, Ernest Chandler, der sich die Kunst des Gondelfahrens aneignete und die Schriftstellerin mitsamt ihrer Freundin Bertha Vyver häufig durch die Shakespeare-Stadt fuhr.

Als der englische Gondoliere in den Krieg ziehen musste (und dabei getötet wurde), verlor Corelli die Lust am Gondelfahren; sie verstaute das Boot in einer Garage neben ihrem Wohnhaus, wo es bis zum Jahr 1943 verblieb. Auf einer Auktion wurde die Gondel wieder einmal versteigert und ging von Stratford-on-Avon wieder nach London zurück, wo der Käufer wohnte. 1958 wechselte die Gondel erneut den Besitzer, der sie jetzt auf den See des Anwesens Ragley Hall bei Alcester in Warwickshire transportierte, wo sie vor sich hin dümpelte. 1962 kaufte sie eine Filmproduktionsfirma aus Kingston-upon-Thames, die sie für einige Filme einsetzte. In deren Besitz blieb das Boot; sie ließ es 2007 komplett restaurieren und verkaufte es anschließend, wieder auf einer Auktion, und zwar an die Firma Avon Boating aus Stratford-on-Avon, die zwar bereits eine venezianische Gondel besaß, aber unbedingt auch Marie Corellis ehemalige haben wollte. Die noch nicht ganz abgeschlossenen Restaurationsarbeiten wurden in Stratford zu Ende geführt und nun steht die Gondel wieder auf dem Avon für Rundfahrten, Hochzeiten und andere Unternehmungen zur Verfügung. Mittlerweile hat „The Dream“ das stolze Alter von 110 Jahren erreicht.

Wer einmal auf Marie Corellis Gondel fahren möchte: Die Firma Avon Boating liegt in der Swan’s Nest Lane, direkt neben dem Thai Boathouse Restaurant, das ich übrigens sehr empfehlen kann, sowohl wegen der Lage als auch wegen des sehr guten Essens.

Hier ist ein Interview mit einem der Gondelbesitzer.

Marie Corelli. This image is in the public domain because its copyright has expired.

Marie Corelli.
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Mason Croft in Straford-on-Avon-    © Copyright Stephen Richards and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mason Croft in Stratford-on-Avon.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Stephen Richards and
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The Falstaff Experience in Stratford-upon-Avon (Warwickshire) – Very Haunted!

 

Hier in der Sheep Street findet man die Falstaff Experience. – © Copyright Kenneth Allen and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Bei einem meiner zahlreichen Besuche in Stratford-upon-Avon in Warwickshire besuchte ich auch einmal „The Falstaff Experience“ in der Sheep Street im Zentrum der Stadt. Derek Acorah, ein durch das Fernsehen bekanntes Medium, hält dieses Gebäude für „one of the most frightening places I have ever encountered„.

Die Sendung „Most Haunted“ des Fernsehsenders Living TV hat dort schon einmal gedreht und die Crew verbrachte in dem Haus eine Nacht voller Schrecken. Nachdem ich die Sendung gesehen hatte, musste ich die „Falstaff Experience“ unbedingt einmal selbst besuchen und ich tat das mit meiner (etwas widerstrebenden) Frau an einem eiskalten Februartag.

Wir waren die einzigen Besucher an einem Samstagvormittag und das Haus hatte schon etwas Beunruhigendes an sich. 4o verschiedene „spirits“ soll es hier geben und fast täglich berichten Besucher von merkwürdigen Begegnungen. Wir begegneten im wahrsten Sinne des Wortes niemanden, aber ich möchte nicht unbedingt eine Nacht hier verbringen, was man aber tun kann, denn das Museum bietet fast täglich Touren nach Einbruch der Dunkelheit an.

„The Falstaff Experience“ hat eine Reihe von Preisen gewonnen und erfreut sich in Ghost-Hunter-Kreisen sehr großer Beliebtheit. Die Autorin paranormaler Untersuchungen Fiona Broome bezeichnete das Haus sogar einmal als „one of the most unique and haunted places in the world“.

Besuchen Sie doch die „Falstaff Experience“ einmal bei Ihrem nächsten Besuch in Stratford-upon-Avon. Vielleicht begegnen Sie ja einmal einem der 40 Spirits. Gegenüber dem Haus in der Sheep Street gibt es übrigens einige nette Restaurants.

Hier ist ein Film über die „Falstaff Experience“.

Published in: on 26. Januar 2010 at 20:29  Comments (3)  
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