Taxi Globe – Das Informationsblatt für Londoner Taxifahrer

Alle 14 Tage erscheint das Londoner Informationsblatt „Taxi Globe„, das die Cabbies der Hauptstadt über alles Wissenswerte in ihrem Gewerbe informiert und das kostenlos verteilt wird. Die Zielgruppe von über 23 000 lizensierten Fahrern wird in der Postille natürlich auch mit jeder Menge Werbung konfrontiert, denn irgendjemand muss die Produktionskosten ja tragen. Die werbenden Firmen kommen überwiegend aus der Zubehör- und Reparaturbranche, aber auch etwas artfremde Werbung findet sich z.B. in der jüngsten Ausgabe vom 10. April: Da buhlt der Secrets Nachtclub, dessen Spezialität „Table und Pole Dancing“ ist, um die Gunst der Taxifahrer und verspricht ihnen, dass sie, wenn sie Kunden zum Club bringen, als „Belohnung“ den Eintrittspreis ausgezahlt bekommen, den diese Gäste entrichten müssen, um die attraktiven jungen Damen an der Stange oder auf dem Tisch sehen zu können.

Kleine Meldungen füllen den „Taxi Globe“; so erfahren die Cabbies, dass am Geburtshaus von Harry Beck, der die Londoner U-Bahnkarte entworfen hat, in der Wesley Road in Leyton, jetzt eine blaue Plakette angebracht worden ist, um an diesen Mann zu erinnern. Da gibt es hin und wieder kurze Theaterkritiken und Hinweise auf neue Filme; als Taxifahrer in der Weltstadt London muss man eben rundum informiert sein.

Im Mittelpunkt des Blattes steht aber das wichtigste im Leben eines Cabbies: Das Taxi selbst. Darin verbringt er wahrscheinlich mehr Zeit als mit seiner Frau,und es soll Fahrer geben, die ihr Gefährt auch mehr lieben…

Neben dem „Taxi Globe“ existiert schon seit 1921 eine weitere Zeitschrift namens „The Cab Driver„, die auf die Informationsbedürfnisse der Taxifahrer eingeht und sich „The licenced taxi industry’s largest independent newspaper“ nennt.

Published in: on 22. April 2013 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Knowledge – Eine schwierige Prüfung, die alle Londoner Taxifahrer bestehen müssen

Taxen auf der Londoner Regent Street.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

Bevor ein Taxifahrer auf die Straßen Londons losgelassen wird, muss er eine Prüfung bestehen, die es wirklich in sich hat. „The Knowledge“ wird die Prüfung genannt und um sie zu bestehen, muss der angehende „cab driver“ zwei bis drei Jahre lang büffeln. Er muss ca 25 000 Straßen in einem Radius von 10 km um Charing Cross  kennen und die schnellste Verbindung zwischen dem „Anheuerungspunkt“ und dem Fahrtziel wissen. Verlangt wird bei der Prüfung, dass der Fahrer die Hotels, Theater, Krankenhäuser, Bahnhöfe und alle Sehenswürdigkeiten der Stadt problemlos ansteuern kann, ohne auf den Stadtplan zu sehen oder ein Navigationsgerät zu benutzen.

Der „Guide to Learning the Knowledge of London„, oder kurz „Blue Book„, verzeichnet 320 Routen, „Runs“ genannt, die jeder Taxifahrer in- und auswendig kennen muss. Hier das Beispiel des Runs 97, der von Deptford Station zum Honor Oak Park führt.

Londoner Taxifahrer haben ein im Gehirn eingebautes „Navigationsgerät“, das hat eine wissenschaftliche Studie gezeigt, bei der nachgewiesen wurde, dass sie einen größeren Hippocampus haben, das ist der Teil des Gehirns, der für die Orientierung zuständig ist.

1865 wurde diese Prüfung eingeführt und sie hat sich im Großen und Ganzen nur wenig verändert. „The Knowledge“ ist die schwierigste Taxifahrerprüfung der Welt. In der Vorbereitungsphase sieht man die „Knowledge Boys“ bzw. „Knowledge Girls“ genannten angehenden Taxifahrer auf Motorrollern durch London fahren mit einem Klemmbrett am Lenker, auf dem Informationen über die jeweiligen, anzufahrenden Straßen stehen.

1979 wurde das Thema in einem Spielfilm behandelt, der auch „The Knowledge“ hieß, mit Nigel Hawthorne in der Hauptrolle. Hier ein wunderschöner Ausschnitt.

Published in: on 20. Juli 2011 at 04:00  Comments (1)  
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