Die englische High Street: Deprimierendes und Positives

Ein Beispiel für eine High Street wie wir sie nicht mögen: Wisbech (Cambridgeshire).
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Über die Problematik der englischen High Street habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben. Es sieht nicht gut aus für sie, weil immer mehr Geschäfte schließen, die entweder leer bleiben oder von Charity Shops oder  Billigstläden eingenommen werden. Kürzlich hat das Unternehmen PricewaterhouseCoopers, eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, alarmierende Zahlen für das Jahr 2018 vorgelegt, wonach so viele Geschäftsschließungen stattgefunden haben wie lange nicht mehr: 5833. Rechnet man die Neueröffnungen dagegen (3372), so haben wir ein Minus von fast 2500 Läden. Besonders hart hat es Bankfilialen und Modeläden getroffen, auch Geschäfte, die zu Ketten gehören, verschwinden immer mehr aus dem Straßenbild.

Die Ursachen für das langsame Sterben der High Street sind bekannt: Der zunehmende Onlinehandel, die Zurückhaltung der Menschen beim Geld ausgeben, fehlende Parkplätze in den Städten. Es ist eine Abwärtsspirale: Je unattraktiver die High Streets werden, umso weniger ziehen sie Kunden an und sie bleiben weg. Ein Einkaufsbummel in Straßen, die von Oxfam, Poundstretcher und Kebap-Imbissen dominiert werden, macht einfach keinen Spaß mehr. Auch Restaurants und Pubs leiden unter Kundenmangel; viele essen und trinken lieber zuhause, um Geld zu sparen. Wie das alles nach einem Brexit weiter gehen wird? Kommt dann ein Aufschwung wie Nigel Farage nicht müde wird, es immer wieder zu prophezeien? Oder wird dann alles noch viel schlimmer?

Doch es gibt Bemühungen gegen die desolaten Einkaufsstraßen vorzugehen wie zum Beispiel die alljährliche Verleihung der Great British High Street Awards. Sehen wir uns die Gewinner des letzen Jahres an:

Der Champion Award Winner für England (es gibt die Auszeichnungen auch für Schottland, Wales und Nordirland) war das Town Centre von Altrincham, einer Stadt mit etwa 53 000 Einwohnern im Dunstkreis von Manchester. Der Preis ist verbunden mit einem Scheck über £5,000. Altrincham konnte sich gegen die Konkurrenten St Albans, Royal Tunbridge Wells und Guildford (um nur einige zu nennen) durchsetzen. “Altrincham is a fantastic example of a high street that has made huge strides in transforming itself and significantly improving the environment for locals and visitors alike”, so die Aussage eines der Jurymitglieder.

Der Rising Star Awards Winner 2018 war die Burnley Road in Todmorden (West Yorkshire). Die etwa 16 000 Einwohner beherbergende Stadt setzt sich immer wieder für Umweltschutz ein. “Burnley Road was specifically chosen to represent the town for its diversity, with the market winning a national award, plans on-going for a Community Hub from the old Community College, and improvements to public transport. New shops are opening along this road and some existing shops are giving themselves a make-over, it was the perfect combination to for the rising star category“, so hieß es bei der Bewerbung der Stadt um den begehrten Preis.

Die Auszeichnung High Street Hero 2018 schließlich wurde Jennifer Crowther zugesprochen, die sich um die Küstenstadt Scarborough in North Yorkshire verdient gemacht hat und zwar durch die beiden Kampagnen Totally Locally und  Love Local, die dazu dienten die Geschäftswelt der Stadt näher zusammenzubringen und durch gemeinsames Marketing Kunden in die High Street zu bringen.

Siehe zum Thema auch meinen früheren Blogeintrag über die High Street Awards.

Altrincham Town Centre.
Photo © Richard Sutcliffe (cc-by-sa/2.0)

Die Burnley Road in Todmorden (West Yorkshire).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Scarborough Town Centre.
Photo © Christopher Hall (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 3. Juni 2019 at 02:00  Comments (1)  
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The Great British High Street Awards – Welche Stadt hat die beste Einkaufsstraße?

Blackburns Town Hall.
This work has been released into the public domain.

Bevor demnächst die Great British High Street Awards für das Jahr 2017 vergeben werden, möchte ich noch einmal eine kurze Übersicht über die Sieger des Jahres 2016 geben. Vergeben werden die Auszeichnungen an Städte, deren High Streets noch „gesund“ sind und nicht nur von Kettengeschäften und Charity Shops beherrscht sind. Über 500 000 Stimmen wurden abgegeben und 27 Jurymitglieder machten sich auf den Weg, um sich selbst ein Bild von den für die Preise vorgeschlagenen High Streets zu machen.

Der Gesamtsieger 2016 und Sieger in der Kategorie „Town Centre“ war die High Street von Blackburn in Lancashire. Die Stadt hat über 100 000 Einwohner, wovon der muslimische Bevölkerungsanteil 25% beträgt, ein Rekordwert in Großbritannien. Dieser Film stellt die Bemühungen Blackburns vor, das beste Stadtzentrum des Landes zu werden.

In der Kategorie „City Location“ ging der Preis an das Cathedral Quarter von Derby in Derbyshire, in dem sich mehr als 450 Geschäfte der unterschiedlichsten Art angesiedelt haben. Dieser Film gibt einen Überblick über das, was das Viertel rund um die Kathedrale zu bieten hat.

Pateley Bridge in North Yorkshire erhielt die Auszeichnung in der Kategorie „Village„. „With its great community spirit, social media campaign and a commitment to supporting local retailers, Pateley Bridge delighted our judges“, heißt es in der Urteilsbegründung der Jury. Hier ist ein Blick auf die High Street während der Nidderdale Show.

Hebden Bridge in West Yorkshire war erfolgreich in der Kategorie „Small Market Town“ und erhielt 40 000 Stimmen, soviel wie noch keine andere Stadt jemals bekommen hat. Damit erhielt die kleine Stadt zusärtlich noch den People’s Choice Award.

Derbys Cathedral Quarter.
Photo © David Hallam-Jones (cc-by-sa/2.0)

Pateley Bridge High Street.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Die Market Street in Hebden Bridge.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)