Wessex – Der geliebte (und gefürchtete) Foxterrier des Schriftstellers Thomas Hardy

Max Gate in Dorchester (Dorset): Hier residierte Wessex von 1913 bis 1926.    © Copyright Gary Rogers and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Max Gate in Dorchester (Dorset): Hier residierte Wessex von 1913 bis 1926.
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Der berühmte englische Schriftsteller Thomas Hardy (1840-1928) lebte über 40 Jahre lang in seinem Haus Max Gate in der Alington Avenue in Dorchester in Dorset (nicht zu verwechseln mit dem anderen Dorchester an der Themse, über das ich in meinem Blog schon mehrfach berichtete). Hier entstanden viele seiner Romane, die oft in der Grafschaft Wessex spielten.
Im Garten von Max Gate gibt es einen kleinen Tierfriedhof, auf dem Hardy seine Hunde und Katzen begraben hatte, darunter auch seinen Foxterrier, der den Namen Wessex trug. 1913 bekam Hardy den Hund von seiner Frau Florence geschenkt und anfangs mochte er ihn gar nicht. Doch das änderte sich bald und Wessex wurde zu einem „pampered dog“, der von seinem Herrchen nach Strich und Faden verwöhnt wurde. Der Foxterrier hatte es also im Hause Max Gate gut getroffen, doch trotzdem kehrte der kleine Kerl häufig seine wenig liebenswerten Seiten heraus, vor allem wenn Gäste anwesend waren. Da wurden durchaus schon mal Hosenbeine zerfetzt und in Beine gebissen, was der Schriftstellerkollege John Galsworthy am eigenen Leibe erfahren durfte.
Lady Cynthia Asquith, auch sie eine Schriftstellerin, die einmal zum Abendessen eingeladen war, war überhaupt nicht darüber amüsiert, als Wessex, statt sich unter dem Tisch aufzuhalten, quer über den gedeckten Tisch lief und der Dame jeden Bissen in den Mund zählte. Hardy selbst hatte damit offenbar kein Problem.

Wessex liebte Radios bzw. die Musik, die sie verbreiteten, und so soll Hardy oft früh morgens aufgestanden sein, um zum Vergnügen des Foxterriers das Radio einzuschalten. Eine besondere Beziehung hatte der Hund zu einem Mann, der häufig in Max Gate zu Gast war, zu T.E. Lawrence, besser bekannt als Lawrence of Arabia. Dessen Hosenbeine blieben ungeschoren und da wurde auch nicht gebissen (vielleicht brachte Lawrence ja immer ein Würstchen mit, wenn er zu Besuch kam).

Wessex starb 1926, und ich bin sicher, dass da der eine oder andere Hardy-Gast im Stillen erleichtert aufgeatmet hatte.

Max Gate gehört seit 1940 dem National Trust und ist für Besucher geöffnet. Wer möchte, kann Wessex im „pet cemetery“ einen Besuch abstatten.
Hardy hatte seinem geliebten Foxterrier nach dessen Ableben ein Gedicht gewidmet, das hier nachzulesen ist.

 

Published in: on 11. Juni 2015 at 02:00  Comments (7)  
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Thomas Hardy und St Juliot in Cornwall

St Juliot Parish Church.    © Copyright Tony Atkin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Juliot Parish Church.
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Thomas Hardy (1840 – 1928) gehört auch heute noch zu den bekanntesten Romanautoren Englands. Vielleicht liegt das auch mit daran, dass viele seiner Romane verfilmt worden sind wie „Tess of the d’Urbervilles“ unter dem Titel „Tess„, bei dem Roman Polanski Regie führte, oder „Jude“ (dt. „Herzen in Aufruhr“) von Michael Winterbottom.

Weniger bekannt ist, dass Hardy ursprünglich Architekt und Kirchenrestaurator war, der eine Zeit lang in London arbeitete, sich dort aber nicht richtig wohl fühlte und in sein geliebtes Dorset zurückkehrte.

Im Jahr 1870 erhielt er den Auftrag, die Dorfkirche in dem kleinen Ort St Juliot bei Boscastle in Cornwall zu restaurieren. Also machte er sich dorthin auf den Weg und gelangte in eine äußerst abgeschiedene Gegend, wo er sich im Pfarrhaus einquartierte, das ein gutes Stück von der Kirche entfernt liegt. Dort traf er auf die Schwägerin des Pfarrers Caddell Holder, die junge hübsche Emma Lavinia Gifford, in die er sich auf Anhieb verliebte und die er auch heiratete, allerdings erst vier Jahre später. Die Romanze verarbeitete Hardy in seinem Roman “ A Pair of Blue Eyes“ (dt. „Blaue Augen“), der 1873 erschien. Als Emma 1912 starb, kehrte Hardy noch einmal nach St Juliot zurück und schrieb einige seiner besten Gedichte, über den Ort, in dem seine große Liebe begann.

Die Kirche von St Juliot war damals in einem besorgniserregenden Zustand, der Turm fiel fast in sich zusammen, die Kirchenbänke waren verrottet und Vögel und Fledermäuse hatten sich in dem alten Gemäuer gemütlich eingerichtet. Hardy hatte also jede Menge zu tun. An ihn erinnert heute das Thomas Hardy Memorial Window in der Kirche, das die Thomas Hardy Society anfertigen ließ; auch an Emma Lavinia Hardy erinnert eine Plakette, die ihr Mann selbst entwarf.

Zur St Juliot Church kommt man nur auf schmalen einspurigen Wegen, auf denen ein Ausweichen bei Gegenverkehr schwierig werden kann, aber das Verkehrsaufkommen ist hier sehr überschaubar. The Old Rectory, wo die Romanze zwischen Thomas und Emma begann, ist heute ein Bed & Breakfast (hier ein Video), in dem man z.B. in „Emma’s Room“ oder „Mr. Hardy’s Room“ (hier wohnte damals der Schriftsteller und beschäftigte sich mit den Kirchenplänen) die Nacht verbringen kann.  Die Besitzer des B&B legen sehr viel Wert auf Umweltschutz und bringen zum Frühstück und Abendessen so weit es geht nur lokale Produkte auf den Tisch. Die Übernachtungspreise liegen je nach Saison  zwischen £75 und £110.

Wer das Buch „A Pair of Blue Eyes“ gelesen hat (es steht hier online im Volltext zur Verfügung) wird vieles in St Juliot und Umgebung wiedererkennen.

Hier in der St Juliot Church wirkte 1879 Thomas Hardy.    © Copyright Tony Atkin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der St Juliot Church wirkte 1870 THomas Hardy.
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Thomas Hardys Herz und sein Grab auf dem Kirchhof von St Michael’s in Stinsford (Dorset)

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Als der berühmte englische Schriftsteller Thomas Hardy am 11. Januar 1928 in Dorchester (Dorset) starb, gab es unterschiedliche Auffassungen darüber, wo er begraben werden sollte. Die öffentliche Meinung tendierte dazu, ein so großer Schriftsteller müsste doch eigentlich in der Westminster Abbey in der Poet’s Corner seine letzte Ruhe finden. Seine engste Familie sah das aber anders; sie wollte, wie Hardy zu Lebzeiten auch, dass er auf dem Kirchhof des kleinen Dorfes Stinsford, das ebenfalls in Dorset liegt, beigesetzt wird.

Was nun? Man entschied sich dafür, dass Hardys Asche nach London in die Westminster Abbey gebracht werden, sein Herz aber auf dem Kirchhof von St Michael’s in Stinsford bleiben sollte. So waren beide Seiten zufrieden gestellt.

Beides geschah dann auch so: ABER – bald machten merkwürdige Gerüchte die Runde. Es hieß, Hardys Herz läge da gar nicht auf dem Kirchhof; es wäre vorher von einer Katze gefressen worden, als es nach der Entnahme eine Zeit lang unbeobachtet auf einem Tisch gelegen hatte. Es gibt mehrere Versionen über diese unverzeihliche Tat der Katze. Der Autor Frank Smyth ist der Meinung, dass der Täter Hardys Katze Cobby war, die sich dieses Teil ihres Herren einverleibt hatte. Als der Begräbnisunternehmer das Fehlen des Herzens bemerkte, soll er kurzerhand die Katze getötet und sie an Stelle des Herzens in das dafür vorgesehene Gefäß getan haben, dass dann in das Grab eingelassen wurde. Cobby wurde jedenfalls nie wieder gesehen, was für diese Version spricht.

Hier ist ein ganz alter Film der British Pathé, der die Beerdigungszeremonie auf dem Friedhof von Stinsford zeigt. Was mag wohl wirklich in der Box sein, die der Priester vor sich her trägt?

Das Buch zum Artikel:
Andrew Norman: Thomas Hardy – Behind the Mask. The History Press Ltd 2011. 224 Seiten. ISBN 978-0752456300.

St Michael's in Stinsford.    © Copyright Peter Trimming and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Michael’s in Stinsford (Dorset).
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