Incredible Edible – Eine Organisation, deren Ursprung in Todmorden in West Yorkshire liegt

Der Markt von Todmorden.
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Mit der Kleinstadt Todmorden in West Yorkshire habe ich mich vor einiger Zeit in meinem Blog beschäftigt. Hier entstand im Jahr 2008 eine Bewegung, die sich Incredible Edible nennt, die sich zu 100% aus freiwilligen und unbezahlten Bewohnern der Stadt zusammensetzt, die sich alle das Ziel gesetzt haben, Todmorden zur ersten Stadt in Großbritannien zu machen, die soweit wie möglich unabhängig ist von der Versorgung mit Lebensmitteln, vor allem mit Obst und Gemüse…und das auch noch kostenlos.

Wie das funktioniert? Man hat dort alle unbebauten und hässlichen Flecken in der Stadt umfunktioniert; da, wo sich neben Parkplätzen, Supermärkten und verwahrlosten Grundstücken Müll und Dreck angesammelt hatte und wo Hunde ihre Geschäfte verrichteten, hat man Essbares angepflanzt wie Obst, Gemüse, Kräuter, Salate und vieles andere mehr. Das sieht zum einen schon sehr viel schöner aus und zum anderen kann sich dort jedermann bedienen, ohne etwas bezahlen zu müssen. Eine wirklich tolle Idee! Auf dem Parkplatz des Todmorden Health Centres kann man sich den neu angelegten Apothecary Garden ansehen, auf dem Heilkräuter angepflanzt worden sind.

Incredible Edible unterstützt auch die Bewegung Shop Local, deren Motto „Put your money where your house is“ lautet. Man versucht in Todmorden weitgehend lokale und regionale Produkte zu verwenden, sei es in den Geschäften oder auf den Marktständen.

Ein weiteres Ziel von Incredible Edible ist es, durch diese Pflanzaktionen und auch durch Veranstaltungen das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Stadt zu fördern. Dieser CNN-Film zeigt die Aktivitäten in Todmorden.

Die hier in West Yorkshire entstandene Bewegung hat Schule gemacht: Über 100 Gruppen sind in Großbritannien gegründet worden, die zum Incredible Edible Netzwerk gehören, weltweit sind es sogar schon über 1000. In England machen, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, folgende Ort mit: Hook Norton in Oxfordshire, Ludlow in Shropshire, Swindon in Wiltshire, Totnes in Devon, aber auch einzelne Stadtteile in  London wie Barnet und Lambeth.

In Deutschland nennt sich das Projekt Essbare Stadt; Kassel und Andernach waren die ersten Städte, die auf den in Todmorden gestarteten Wagen aufgesprungen sind.

Die Burnley Road in Todmorden; links, angebautes Gemüse.
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)

Todmorden in West Yorkshire – Geburtsort von zahlreichen Berühmtheiten

Todmorden in West Yorkshire.   © Copyright Steven Haslington and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Todmorden in West Yorkshire.
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Woran mag es wohl liegen, dass eine Kleinstadt wie Todmorden in West Yorkshire mit rund 14 000 Einwohnern so viele Berühmtheiten hervorgebracht hat, darunter zwei Nobelpreisträger? Liegt es an den gesunden Wassern des River Calder, der den Ort in zwei Hälften teilt, von denen die eine in Lancashire, die andere in Yorkshire liegt (aus administrativen Gründen aber von Yorkshire verwaltet wird)?

Sehen wir uns doch einmal einige dieser Persönlichkeiten an:

Sir John Douglas Cockcroft wurde hier am 27. Mai 1897 geboren (er starb 1967). Er besuchte, wie auch der zweite Nobelpreisträger, die örtliche Grundschule, studierte in Manchester und erhielt 1951 die höchste Auszeichnung, die ein Wissenschaftler erreichen kann, den Nobelpreis für Physik, für Forschungen auf dem Gebiet der „Atomkernumwandlung durch künstlich beschleunigte atomare Partikel“.

Sir Geoffrey Wilkinson wurde am 14. Juli 1921 in Todmorden geboren, durchlief ebenfalls die Grundschule und hatte den gleichen Physiklehrer, Luke Sutcliffe, wie Cockcroft, obwohl beide altersmäßig 24 Jahre auseinanderlagen. War dieser Lehrer ausschlaggebend für den naturwissenschaftlichen Erfolg der beiden Schüler? Wilkinson studierte am Imperial College in London und erhielt 1973 den Nobelpreis für Chemie für seine Arbeiten auf dem Feld der metallorganischen, sogenannten Sandwichverbindungen.

John Mitchell Nuttall kam am 21. Juli 1890 in Todmorden zur Welt, bekam zwar keinen Nobelpreis, arbeitete aber auch wie Cockcroft auf dem Gebiet der Atomphysik und wurde zusammen mit dem Deutschen Hans Geiger durch die sogenannte Geiger-Nuttall-Regel in Wissenschaftskreisen bekannt.

Keith Emerson, am 2. November 1944 in Todmorden geboren, erlangte auf einem ganz anderen Gebiet weltweite Berühmtheit. Er ist Musiker und spielte in den Bands The Nice und Emerson, Lake and Palmer mit. Eines seiner bekanntesten Alben war „Pictures at an Exhibition“ mit ELP aus dem Jahre 1971 (hier ist eine Liveaufnahme zu sehen).

John Anthony Helliwell ist ein weiterer Musiker aus Todmorden, der hier am 15. Februar 1945 geboren wurde. Er machte sich als Mitglied der Rockband Supertramp einen Namen. Seine ersten öffentlichen Auftritte hatte Helliwell beim Todmorden Symphony Orchestra, wo er Klarinette spielte. Hier ist ein Solo von ihm zu hören.

Geoff Love ist der dritte im Bunde der Musiker aus Todmorden. Er wurde am 4. September in der Stadt am River Calder geboren und war Komponist und Bandleader (er starb 1991). Er arrangierte unzählige Songs für Größen der Musikbranche wie Alma Cogan, Shirley Bassey und Connie Francis. Seinen größten Erfolg hatte er mit dem Titel „Rodrigo’s Guitar Concerto de Aranjuez“, den er unter dem Namen Manuel and the Music of the Mountains einspielte, der es 1976 in die Top Ten der britischen Charts schaffte (hier zu hören).

Es ist schon erstaunlich, dass ein so kleiner Ort wie Todmorden so viele VIPs hervorgebracht hat. Wer wird wohl als nächster auf der Bildfläche erscheinen? Wir warten gespannt.

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Published in: on 5. Dezember 2015 at 02:00  Comments (1)  
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