Die Pyramide am Londoner Trafalgar Square – Eine verrückte Idee von Sir Frederick William Trench (1775-1859)

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Es hätte nicht viel gefehlt und dort, wo heute am Londoner Trafalgar Square die Nelson-Säule in den Himmel ragt und die Löwen geduldig ertragen, wie Touristen aus aller Welt auf ihren Rücken sitzen und sich selbst per Selfie oder gegenseitig fotografieren, hätte eine monströse, riesige Pyramide gestanden. Die Idee dazu hatte Sir Frederick William Trench (1775-1859), ein Mann, der eine Karriere im Militär suchte und es bis zum General schaffte und als Member of Parliament im Lauf der Zeit vier verschiedene Wahlbezirke im Unterhaus vertrat. Trench machte den Vorschlag, anlässlich des Sieges über Napoleon in der Schlacht von Waterloo, im Zentrum von London eine gewaltige Pyramide zu errichten, nicht zuletzt, um die Überlegenheit der Briten über die Franzosen zu demonstrieren.

Das geplante Bauwerk sollte fast 100 Meter hoch sein und eine Kantenlänge von 120 Metern haben. Die geschätzten Kosten lagen bei £1 Million, eine damals gewaltige Summe, die heute in etwa £7.4 Milliarden entsprechen würde. Die Bauzeit hätte nach damaligen Berechnungen fünf Jahre gedauert.
Die beiden Architekten Philip und Matthew Cotes Wyatt fertigten ein Modell an, das in der Residenz des Duke of York zur Begutachtung ausgestellt wurde. Matthew Cotes Wyatt sollte sich später einen Namen machen, indem er das Reiterstandbild des Duke of Wellington schuf, das zuerst an mehreren Orten in London und schließlich in der Provinz, in Aldershot (Hampshire), aufgestellt wurde. Ein weiteres Reiterstandbild, das von König Georg III. in der Londoner Cockspur Street, ist ebenfalls von Matthew Cotes Wyatt.

Die beiden Architekten hätten sich die Mühe mit dem Modell der Pyramide aber sparen können, denn die Idee Sir Fredericks fiel nicht auf fruchtbaren Boden, eigentlich gab es außer ihm selbst so gut wie niemanden, der das Monsterbauwerk haben wollte und sich dafür einsetzte. Der Plan und das Modell verschwanden schnell wieder in irgendwelchen Schubladen und wurden nie wieder ans Tageslicht geholt.

Der Trafalgar Square, so wie wir ihn heute kennen, ist sicher sehr viel ansehnlicher, als es eine Pyramide im ägyptischen Stil gewesen wäre (trotz der unzähligen Touristen und nervigen Tauben). Dieser Film zeigt den Platz, fest in der Hand von Touristen aus aller Welt.

Die kleinste Polizeistation Großbritanniens steht am Trafalgar Square in London

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Am südöstlichen Rand des Londoner Trafalgar Squares steht ein kleines Häuschen, in dem die städtische Reinigung alles aufbewahrt, was man denn so zum Fegen und Wischen benötigt. Das war aber nicht der Grund warum man dieses kleine Gebäude im Jahr 1926 errichtet hatte, denn es diente ursprünglich als Polizeistation, in die so gerade ein Londoner Bobby hineinpasste. Dieser Vertreter der Metropolitan Police hatte die Aufgabe, den Platz im Auge zu behalten, der gern, wie der Place de la République in Paris, für Demonstrationen verwendet wurde. Sollte eine dieser Protestversammlungen einmal aus dem Ruder laufen, konnte der Vertreter des Gesetzes in seinem kleinen Büdchen schnell zum Telefon greifen, das direkt mit der Einsatzzentrale in Scotland Yard verbunden war, und Verstärkung herbeirufen. Im gleichen Moment, wenn der Telefonhörer abgehoben wurde, begann ein Licht oben auf der Polizeistation zu blinken, was anderen Polizeibeamten, die sich in der Nähe aufhielten, signalisierte, dass Hilfe benötigt wurde. Ob wohl die schießschartenartigen Aussparungen der Station auch dafür gedacht waren, aus ihr heraus auf die Demonstranten zu feuern?

Heute gehen die Myriaden von Touristen meist achtlos an diesem kleinen Häuschen vorbei; sie sind viel mehr damit beschäftigt, Selfies von sich aufzunehmen, am liebsten auf dem Rücken eines der Trafalgar Square-Löwen sitzend.

Die „Police box“ genannten Polizei-Mini-Stationen waren früher einmal im ganzen Land anzutreffen; eine chronologische Übersicht bietet Peter Darrington in „A History of the British Police Telephone Kiosk“ (hier nachzulesen). CCTV-Kameras haben heute weitgehend die Aufgaben der Stationen übernommen.

Wer sich diese kleine Kuriosität einmal ansehen möchte, die „Police Box“ steht auf dem Trafalgar Square gleich neben der U-Bahnstation Charing Cross und der Statue von Sir Henry Havelock.

Der vierte Sockel am Trafalgar Square – Begehrt bei zeitgenössischen Künstlern

Yinka Shonibares Buddelschiff auf dem vierten Sockel des Trafalgar Squares. - © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Der Trafalgar Square in London ist sicher einer der bekanntesten Plätze Großbritanniens; die Nelson-Säule und die Löwen, die Horatio Nelson zu Füßen liegen, gehören zum Programm jedes London-Touristen. Der Platz wird von vier Sockeln eingerahmt, von denen drei besetzt sind, mit den beiden Generälen Charles James Napier und Henry Havelock und dem Reiterstandbild Georgs IV.
Der vierte Sockel ist leer, d.h. er war viele Jahre verwaist. William IV sollte dort ursprünglich mit einem Standbild geehrt werden, aber man hatte schlichtweg kein Geld dafür und so blieb der Sockel leer. Bis man auf die Idee kam, ihn für künstlerische Zwecke zu verwenden und diese Idee war von Erfolg gekrönt. 1999 wurde das „Fourth Plinth Project“ ins Leben gerufen und jeweils für ein Jahr konnten drei Künstler dort ihre Skulpturen aufstellen.

2005 ging es dann weiter mit der Skulptur Marc Quinns „Alison Lapper Pregnant“, die die hochschwangere nackte Künstlerin Alison Lapper zeigte, die ohne Arme und mit verkürzten Beinen auf die Welt kam.

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt Anthony Gormleys Projekt „One and Other“ im Jahr 2009. 100 Tage lang konnten sich Menschen nonstop für jeweils eine Stunde auf den Sockel stellen und dort tun, was immer sie wollten.

Der nigerianisch-britische Künstler Yinka Shonibare war als nächster dran, und er hatte die Idee ein großes Buddelschiff auf den Sockel zu stellen. Der Titel: Nelson’s Ship in a Bottle.

In diesem Jahr wurde entschieden, wer 2012 und 2013 die Ehre haben wird, den vierten Sockel als Ausstellungsfläche zu benutzen. Das dänisch-norwegische Künstlerpaar Michael Elmgreen und Ingar Dragset wird 2012 ihre Bronzeskulptur „Powerless Structures, Fig.101“ hier auf dem Trafalgar Square zeigen: Ein Junge auf einem Schaukelpferd.

Die Düsseldorferin Katharina Fritsch schließlich darf 2013 ihren ultramarin-blauen Riesenhahn auf dem vierten Sockel zur Schau stellen.

Londons Bürgermeister Boris Johnson: All of the shortlisted artists show what an extraordinary crucible the Fourth Plinth is for contemporary art. It continues to spark the imagination and there has been a tremendous response from the public. As we head towards 2012 – a pivotal year for culture as well as sport – these witty and enigmatic creations underline London’s position as one of the most exciting cities for art and are sure to keep people talking.“

Wie sich manche Teilnehmer an dem Projekt „One and Other“ von Anthony Gormley präsentierten, zeigt dieser Film.
Und hier ein Film über meinen Favoriten: Yinka Shonibares „Nelson’s Ship in a Battle“.

Das Buch zum Artikel:
Marc Quinn: Fourth Plinth. Steidl 2006. 48 Seiten. ISBN 978-3865212405.

Anthony Gormleys Projekt "One and Other". - This work is released into the public domain.

Marc Quinns "Alison Lapper Pregnant". - © Copyright Brian Robert Marshall and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Published in: on 27. Dezember 2011 at 02:00  Comments (1)  
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Sir Edwin Landseer und die Löwen vom Trafalgar Square

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Kinder lieben sie, die vier Bronzelöwen vom Trafalgar Square mitten in London. Gerne klettern sie auf ihnen herum und lassen sich dabei von ihren Eltern fotografieren.
Die vier mächtigen Löwen liegen zu Füßen der Nelsonsäule und wurden dort 1867 platziert. Ihr „Erzeuger“ war der Maler und Bildhauer Sir Edwin Landseer (1802-1873), der mit dem Auftrag, die Löwen zu erschaffen, seine Probleme hatte. Er kriegte die Ähnlichkeit einfach nicht hin, und so ließ er sich aus dem Londoner Zoo ein totes Tier in sein Studio schicken. Dann klappte es besser, aber es dauerte und dauerte. Die Presse machte sich schon über die Verzögerung der Auftragsarbeit lustig und Wetten wurden abgeschlossen, ob es die Löwen wohl jemals bis zum Trafalgar Square schaffen würden.

Nachdem sie nun ihren endgültigen Ruheplatz (Ruhe am Trafalgar Square?) gefunden hatten, wurden sie auch schon wieder kritisiert. Ein Fachmann, der Löwenmaler John Trivett Nettleship moserte:
„“The Trafalgar Square lions must be quietly damned, because, pretending to be done from nature, they absolutely miss the true sculptural quality which distinguishes the leonine pose, and because a lion couched like that has not a concave back like a greyhound, but a convex back, greatly ennobled in line from the line of a cat’s back in the same position.“

Die Firma Morris Singer Art Foundry, die die Löwen damals in Bronze goss, musste übrigens im Mai diesen Jahres Insolvenz anmelden.

Die Legende sagt, dass, wenn der Big Ben 13mal schlägt, die Löwen zum Leben erwachen würden, was im Dezember 2008 tatsächlich passierte: Einer von ihnen begann zu sprechen. Mit Hilfe von digitaler Animation, Projektionen und Toneinspielungen warb Mr. Lion für die vorweihnachtlichen Angebote der Stadt London. Anschließend verfiel er wieder in seinen bronzenen Schlaf und wartete auf den nächsten 13. Glockenschlag von Big Ben, hier zu sehen.

 

Published in: on 9. August 2010 at 13:03  Comments (2)  
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