Mein Buchtipp – Iain Spragg: London Underground’s Strangest Tales

Foto meines Exemplares.

Der Londoner Journalist Iain Spragg ist vor allem durch seine Sportbücher bekannt geworden wie Biografien über die Fußballspieler Cristiano Ronaldo, Kylian Mbappé und Gareth Bale. Für die „Strangest Tales„-Serie des Verlages Portico Books hat er ebenfalls einige Bände verfasst wie „Cycling’s Strangest Tales“ oder „Running’s Strangest Tales“ und das Buch, das ich heute vorstellen möchte: „London Underground’s Strangest Tales: Extraordinary But True Stories„.

Iain Spragg kennt sich also nicht nur bei Sportthemen gut aus, sondern auch in der Londoner U-Bahn. In seinem Buch hat er einige Dutzend Geschichten versammelt, die kurios, skurril oder einfach nur interessant sind. Wer hätte schon gewusst, dass mehr als die Hälfte der 249 Meilen U-Bahnstrecke gar nicht unterirdisch verläuft oder dass die Rolltreppe in der Station Angel mit 60 Metern die drittlängste in ganz Europa ist? Während des Zweiten Weltkriegs diente ein Tunnelabschnitt zur Produktion von Ausrüstungsgegenständen für die Armee; 2000 Menschen arbeiteten dort. Iain Spragg schreibt von der Arbeit der „fluffer“, die nachts das Schienenbett von dem Unrat säubern müssen, der sich dort tagsüber angesammelt hat (weist aber gleichzeitig darauf hin, dass sich diese Arbeit sehr von der der „fluffer“ in der Pornoindustrie unterscheidet).

Der Autor nennt die Horrorfilme, die in der „tube“ gedreht worden sind (siehe dazu meinen Blogeintrag), schreibt von den Tauben, die mit der U-Bahn durch London reisen (vielleicht weil sie zu faul geworden sind zu fliegen). Wir hören von dem einbeinigen Bumper Harris, der bei der Ersteinführung der Rolltreppen eingestellt worden sein soll, den ganzen Tag abwärts und aufwärts zu fahren, um den Leuten zu zeigen wie ungefährlich das ist (warum man dafür einen Einbeinigen ausgewählt hat, ist rätselhaft; die U-Bahnpassagiere hätten sich ja fragen können, wodurch der Mann sein Bein verloren hat…). In der letzten Geschichte des Buches kommt Iain Spragg noch einmal auf das Thema Rolltreppe zurück und berichtet von dem japanischen Geschäftsmann, der, wahrscheinlich nach einem Drink  zuviel, eine Rolltreppe unbedingt in der verkehrten Richtung bewältigen wollte wie dieser Film zeigt:

Iain Spragg: London Underground’s Strangest Tales. Portico 2013. 173 Seiten. ISBN 978-1-907554-97-1.

Published in: on 6. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Von der Schwierigkeit, manche englische Ortsnamen richtig auszusprechen (unter besonderer Berücksichtigung der Londoner U-Bahnstationen)

Die Besucher Englands werden hin und wieder mit Orts- und Personennamen konfrontiert, die anders ausgesprochen werden als man meint bzw. die unaussprechbar zu sein scheinen. In die letzte Kategorie gehört beispielsweise der Adelstitel Duke of Buccleuch (richtige Aussprache [bəˈkluː]. Einige Beispiele für komplizierte Ortsnamen:

Woolfardisworthy in Devon – korrekt: [wʊlzəri]

Godmanchester in Cambridgeshire – korrekt/traditionell: [ɡʌmstər]

Bicester in Oxfordshire – korrekt: [bɪstər]

Worcester in Worcestershire – korrekt: [wʊstər]

In der Londoner U-Bahn gibt es auch einige Stationsnamen, die von vielen (auch Engländern selbst) falsch ausgesprochen werden. Eine hilfreiche Anweisung über die richtige Aussprache fand ich in diesem Video:

Published in: on 9. Januar 2021 at 02:00  Comments (1)  
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„Mind the Gap“ – Ein Warnhinweis in der Londoner U-Bahn, der Einzug in die Umgangssprache gefunden hat

Auf vielen Bahnsteigen in der Londoner U-Bahn besteht eine Gefahrenquelle darin, dass zwischen dem stehenden Zug und dem Bahnsteig eine Lücke klafft. Darauf wird auf mehrfache Weise hingewiesen: An der Bahnsteigkante steht in großen Buchstaben „Mind the Gap“ geschrieben, in den Zügen selbst weist eine Laufschrift auf die Gefahr hin und per Lautsprecherdurchsage werden die Reisenden immer wieder mit „Mind the Gap“ gewarnt. Mittlerweile hat sich der kurze Satz in der Alltagssprache etabliert und wird auch für andere Situationen angewendet.

Seit 1968 gibt es das Lautsprecherwarnsystem, das von dem Tontechniker Peter Lodge eingeführt wurde. Er engagierte einen Schauspieler, der die Sätze „Mind the gap“ und „Stand clear of the doors please“ auf Band sprach, doch da dieser darauf bestand, jedes Mal wenn seine Sätze in der U-Bahn abgespielt wurden, dafür Tantiemen zu bekommen, wurde nichts daraus, so dass Lodge letztendlich die Sätze selber sprach, und diese wurden dann auch für lange Zeit verwendet (hier zu hören). Auf manchen U-Bahnlinien wurden andere Sprecher bzw. Sprecherinnen verwendet wie Tim Bentinck, Julie Berry und Emma Clarke (hier zu hören), die bei ihrem Arbeitgeber aber in Ungnade fiel, weil sie sich angeblich despektierlich über die Londoner U-Bahn geäußert haben soll. Auch Oswald Laurence war einer der Sprecher des berühmten Satzes, dessen Band aber kaum mehr abgespielt wurde. Nachdem er 2007 gestorben war, ging seine Witwe  häufig zur U-Bahnstation Embankment, um dort noch die Stimme ihres Mannes zu hören. Transport for London überspielte die Ansage auf eine CD und schenkte sie der Witwe (hier zu hören).

„Mind the Gap“ findet man auf vielen Souvenirs aus der britischen Hauptstadt, auf T-Shirts, Socken, Slips, Kaffeebechern, Schlüsselanhängern usw. usw.

 

Ein Mitbringsel aus London für den Daheimgebliebenen
Author: Annie Mole
Creative Commons 2.0

…und für die Daheimgebliebene.
Author: Annie Mole
Creative Commons 2.0

 

Published in: on 21. Dezember 2020 at 02:00  Comments (7)  
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Hannah Dadds (1941-2011), die erste weibliche Fahrzeugführerin der Londoner U-Bahn

Am 10. Januar 1863 fuhr der erste Zug der neugebauten Londoner U-Bahn; damals war das Streckennetz überschaubar und man benötigte nicht allzu viele Fahrzeugführer. „Traindriver“ war ein reiner Männerberuf und es sollte bis zum Jahr 1978 dauern, bis es eine Frau schaffte, in diese Männerwelt einzudringen. Hannah Dadds (1941-2011) war ihr Name, und sie wurde damals von ihren männlichen Kollegen misstrauisch beobachtet, ob sie wohl in der Lage war, einen Zug durch die unterirdische Welt Londons zu lenken. Sie konnte!

Hannah Dadds war eine waschechte Londonerin, 1941 im Borough of Newham im Osten der Stadt geboren. Im Alter von 28 Jahren, nachdem sie in einer Streichholz- und einer Zigarettenfabrik gearbeitet hatte, schaute sie sich nach etwas anderem um und fand eine Anstellung bei der Londoner U-Bahn. Ihr erster Arbeitsplatz war ein „Heimspiel“, sie arbeitete in der U-Bahnstation Upton Park im Newham-Bezirk. Von 1969 bis 1978 versah Hannah Dadds mehrere Jobs für die „tube“ und kam dann auf die Idee, Fahrzeugführerin zu werden. 1975 war der Sex Discrimination Act in Kraft getreten, der Frauen half, bisher nur von Männern ausgeübte Tätigkeiten zu übernehmen. Hannah machte einen siebenwöchigen Lehrgang mit und war anschließend berechtigt und in der Lage, einen U-Bahnzug zu lenken. Eingesetzt wurde sie zuerst auf der District Line, die von Upminster im Osten nach Earl’s Court im Westen der Stadt führte. Später bearbeitete sie die Bakerloo und Jubilee Lines. Hannah holte auch ihre Schwester Edna mit an Bord, die zeitweise als Kontrolleurin im Einsatz war.

14 Jahre lang fuhr Hannah Dadds unfallfrei kreuz und quer durch London, dann nahm sie ihren vorzeitigen Abschied. Sie hatte sich bei ihren männlichen Kollegen einen guten Ruf erworben und war sozusagen die Eisbrecherin für viele künftige weibliche „traindriver“ gewesen.

2011 starb Hannah Dadds; acht Jahre später wurde sie mit einer Plakette in der U-Bahnstation Upton Park geehrt, dort, wo ihre Karriere begann. Auf der Plakette ist Hannah zu sehen wie sie gerade einen Zug besteigt; der Text daneben beschreibt kurz das Leben der Frau.

Upton Park tube station.
Photo © Oxyman (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Dezember 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Drei Spielfilme, die in der Londoner U-Bahn gedreht wurden

Charing Cross Station.   © Copyright Oxyman and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Charing Cross Station.
Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]   © Copyright Oxyman and
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Zahlreiche Spielfilme wurden schon in der Londoner U-Bahn gedreht, wobei sich die Gänge, Stationen und Gleisanlagen besonders für gruselige Filme eignen. Speziell die aufgegebenen Stationen wie die Aldwych Tube Station sind bei den Produktionsgesellschaften beliebt, weil man hier in aller Ruhe drehen kann, ohne von den U-Bahnpassagieren gestört zu werden. Ich habe einmal drei Filme ausgesucht, in deren Mittelpunkt die Londoner „Tube“ steht.

Wie mag es wohl in den endlosen Gängen der U-Bahn aussehen, wenn nachts keine Züge mehr fahren? Diese Erfahrung muss Kate, deutsche Agentin bei einer Modeagentur, in dem Film „Creep“ (2004) machen, als sie spätabends auf dem Bahnsteig der Station Charing Cross einschläft und erst wieder aufwacht, als alle Ausgänge verschlossen sind. Was sie jetzt alles erlebt, möchte man seinem ärgsten Feind nicht wünschen. Kate wird gespielt von Franka Potente, Regie führte Christopher Smith. In diesem Film jagt ein Schockeffekt den nächsten und er ist nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Eine DVD in deutscher Synchronisation mit dem Titel „Creep“ ist erhältlich; einen Vorgeschmack gibt der Trailer.

Nicht weniger aufregend und schockierend ist der Film „Death Line“ (1972), der in den USA als „Raw Meat“ und in Deutschland unter dem vielversprechenden Titel „Tunnel der lebenden Leichen“ in den Kinos lief. Der Regisseur Gary Sherman hat den Film 1972 gedreht, basierend auf einer von ihm geschriebenen  Geschichte, in der es um Kannibalismus geht. Auf einer U-Bahnbaustelle unterhalb des Britischen Museums wird eine Gruppe von Arbeitern verschüttet, die sich nur durch Kannibalismus am Leben halten können. Als nur noch einer zurückbleibt, macht der sich auf Suche nach Nahrung zwischen den U-Bahnstationen Russell Square und Holborn
Donald Pleasance und Wo-ein-Horrorfilm-gedreht-wird-darf-ich-nicht-fehlen Christopher Lee sind in dem Streifen zu sehen, den es auch einmal als DVD in deutscher Synchronisation gab und der im regulären Handel meines Wissens nicht mehr erhältlich ist. Hier ist der Trailer.

Das schlimmste, was einem Fahrer der Londoner U-Bahn passieren kann, ist, wenn sich ein Selbstmörder vor seinen Zug wirft, was gar nicht so selten passiert (die Northern Line verzeichnet die meisten Selbstmorde). Um dieses Thema geht es in dem Film „Three and Out“ aus dem Jahr 2008, der in Deutschland unter dem Titel „3 und Raus“ lief und als DVD erhältlich ist. Hierbei handelt es sich nicht um einen Horrorfilm, sondern um eine Komödie mit schwarzem Humor. Paul Callow ist U-Bahnfahrer, dem binnen weniger Tage zwei Männer vor seinen Zug fallen und getötet werden. Pauls Kollegen berichten ihm von einer wenig bekannten Regel der U-Bahnverwaltung, dass Fahrer, denen in einem Monat drei Menschen vor den Zug fallen, entlassen werden und als Entschädigung zehn Jahresgehälter ausgezahlt bekommen. Dieses Angebot ist für Paul sehr verlockend und so macht er sich auf die Suche nach einem dritten Opfer… In den Hauptrollen sind Mackenzie Crook und Gemma Arterton zu sehen. Regie führte Jonathan Gershfield. Hier ist der Trailer.

U-Bahnstation Russell Square. Author: Sunil060902. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

U-Bahnstation Russell Square.
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Holborn Underground Station.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Holborn Underground Station.
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Der verbarrikadierte Eingang zur früheren Aldwych Tube Station, die früher Strand Station hieß, und die gern für Filmaufnahmen verwendet wird.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 21. Oktober 2015 at 02:00  Comments (1)  
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The Tube Challenge

Chesham Tube Station; hier starteten Clive Burgess und Ronan McDonald bei ihrem Weltrekord am 19. Februar 2015.   © Copyright Peter and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Chesham Tube Station; hier starteten Clive Burgess und Ronan McDonald bei ihrem Weltrekord am 19. Februar 2015.
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Zu den Guinness World Records zählt ein Wettbewerb, bei dem man so schnell wie möglich sämtliche Stationen der Londoner U-Bahn besuchen muss: The Tube Challenge genannt. Ein neuer Rekord wurde in diesem Jahr mit 16 Stunden, 14 Minuten und 10 Sekunden aufgestellt, wodurch die bisher schnellste Zeit um etwa 6 Minuten unterboten wurde. Clive Burgess und Ronan McDonald sind die beiden Rekordinhaber, die in dieser Zeit alle 270 Stationen der U-Bahn aufgesucht haben.
Es ist nicht ganz leicht, die ideale Route auszusuchen; das Wochenende kommt dafür nicht in Frage, weil dann einige Stationen geschlossen sind und auch in der Woche sind nicht alle Bahnhöfe ständig geöffnet. Man muss auch nicht alle Stationen via U-Bahn erreichen, es ist erlaubt, zu Fuß oder per Bus die Distanzen zu überbrücken. Taxen, Autos und Fahrräder sind wiederum tabu.

Die beiden Rekordinhaber starteten ihre Tour weit außerhalb von London in Chesham auf der Metropolitan Line und beendeten ihre über 16 Stunden dauernde Mammutfahrt in Heathrow Terminal 5 auf der Piccadilly Line. Die Vorbereitungszeit für den Rekordversuch dauerte sechs Monate, wobei die Fahrpläne intensiv studiert und Testläufe unternommen wurden. Auch die Logistik der Unternehmung bezüglich Essen, Trinken und Toilettenbesuche muss genauestens im voraus geplant werden.

Erstmalig wurde die Tube Challenge am 13. Juni 1959 vorgenommen; damals lag die Zahl der aufzusuchenden Stationen bei 264.

Es gibt auch noch eine ganze Reihe von sogenannten „Alternative Tube Challenges„, die nicht ganz so anstrengend sind wie die „Grand Tour“, z.B.:

Bei der Royal Challenge müssen alle 18 Bahnhöfe aufgesucht werden, die das Wort „Royal“ im Namen führen bzw. die nach Königen, Königinnen und Prinzen benannt sind (dazu gehören neben der U-Bahn auch die Overground-Stationen und die der Docklands Light Railway. Rekord: 4 Stunden, 49 Minuten, 41 Sekunden.

Wer an der Points of the Compass Challenge teilnehmen möchte, muss zu allen U-Bahnhöfen fahren, in deren Namen die Wörter North, South, West und East erscheinen. Rekord: 6 Stunden, 52 Minuten, 48 Sekunden.

Bei der Alphabet Challenge gilt es, jeweils einen Bahnhof mit jedem Buchstaben des Alphabets aufzusuchen. Es geht also beim Buchstaben „A“ los und endet mit „W“, da es keine Stationen mit den Buchstaben X, Y und Z gibt. Rekord: 4 Stunden, 51 Minuten, 59 Sekunden.

Hier ist ein Film über eine Tube Challenge aus dem Jahr 2011.

Heathrow Terminal 5; Endpunkt des Weltrekordversuchs.   © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Heathrow Terminal 5; Endpunkt des Weltrekordversuchs.
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Published in: on 14. Oktober 2015 at 02:00  Kommentar verfassen  
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