Scott’s Grotto in Ware (Hertfordshire)

Die Kleinstadt Ware liegt an der A10 in der Grafschaft Hertfordshire nördlich von London. Zu den Attraktionen der Stadt zählt neben dem Great Bed of Ware (ich berichtete in meinem Blog darüber) auch noch Scott’s Grotto, angeblich die größte ihrer Art in Großbritannien. Über eine andere Grotte habe ich schon einmal geschrieben, die Shell Grotto in Margate (Kent).

Benannt ist die Grotte nach dem kaum noch bekannten Dichter John Scott, der im 18. Jahrhundert lebte. 1768 erbte er das Amwell House in Ware, das er umgestaltete, einen Garten anlegte und dabei auf die Idee kam, eine Grotte zu bauen, was in der damaligen Zeit en vogue war. Nach Scotts Tod im Jahr 1783 übernahm seine Tochter das Anwesen, das nach deren Tod den Besitzer wechselte. 1974 übernahm der East Hertfordshire District Council die Grotte, nachdem Pläne bestanden, sie einfach abzureißen. 1983 wurde Scotts Grotto für die Öffentlichkeit freigegeben. Die Ware Society kümmerte sich sehr um den Erhalt der Grotte, sammelte Spenden, so dass sie für £124 000 komplett restauriert werden konnte und 1991 wieder die Pforten für Besucher öffnete.

Die in einen Hügel hineingebaute Grotte besteht aus sechs Kammern, die durch Tunnel miteinander verbunden sind. Die Wände sind mit Muscheln, Feuersteinen und Buntglas verkleidet. Es gibt dort keine elektrische Beleuchtung, daher sollte man auf jeden Fall eine Taschenlampe mitbringen. Menschen mit Gehproblemen sollten die Grotte besser nicht besuchen, da der Untergrund darin sehr uneben ist.

Die Öffnungszeiten sind sehr beschränkt; nur samstags von 14 Uhr bis 16.30 kann man John Scotts Meisterwerk besuchen und das auch nur von April bis September.
Dieser Film vermittelt einen Eindruck von Scott’s Grotto. Man findet sie in Ware mitten in einem Wohngebiet an der Scotts Road, die von der A119 abzweigt. Den halb zugewachsenen Eingang kann man leicht übersehen.

The Great Bed of Ware – Ein Riesenbett, das einst in mehreren Pubs in Ware (Hertfordshire) Reisende anlockte

Wenn es vor 450 Jahren schon CCTV-Kameras gegeben hätte und eine davon im Great Bed of Ware installiert worden wäre, was würde man da alles zu sehen bekommen? Jugendfrei wären diese Filmaufzeichnungen wohl eher nicht.

Während der Herrschaft Königin Elizabeths I baute man dieses Bett, das drei Meter breit, 2,5 Meter hoch ist und 641 Kilogramm wiegt. Die kleine Stadt Ware in Hertfordshire nördlich von London machte damals in Pilgerkreisen Werbung für das Bett, das eine mehr oder weniger behagliche Übernachtungsmöglichkeit für 12 Menschen bot. Im Gasthof „The White Hart“ in der High Street wurde es erstmals aufgestellt und es entwickelte sich allmählich zu einem Anziehungspunkt für Reisende, denn wo hatte man schon einmal die Möglichkeit in so einem enormen Bett zu schlafen? Vom „White Hart“ (heute ist hier eine Filiale der HSBC Bank zu finden) wanderte The Great Bed of Ware weiter in ein anderes Gasthaus, „The George“ (hier sind jetzt Filialen der Lloyds Bank und der Barclays Bank untergebracht), ebenfalls in der High Street. Das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel setzte sich fort, als das schwere Bett die High Street weiter hinunter zur „The Crown“ transportiert wurde (dort, wo heute die Ware Library steht). Als 1765 dieser Gasthof abgerissen wurde, schaffte man das Bett zur nächsten Station, „The Bull„, wo es bis 1848 verblieb; aber auch „The Bull“ riss man ab und brachte The Great Bed zum „Saracen’s Head“ in die Star Street. 1869 verkaufte es der Gastwirt an einen gewissen Henry Teale, der es als Touristenattraktion in sein Rye House in Hoddesdon (Hertfordshire) holte, dort wo 1683 die missglückte Verschwörung gegen Charles II ausgeheckt wurde. Als sich dort niemand mehr für das Bett interessierte, kam es unter den Hammer und wurde 1931 vom Londoner Victoria & Albert Museum für £4,000 erworben. Hier hat die überdimensionale Ruhestätte jetzt endgültig ihre letzte Ruhestätte gefunden… d.h. einmal ging sie noch auf Reisen, in ihre alte Heimat zurück nach Ware, wo sie ab April 2012 für ein Jahr leihweise im Ware Museum zur Schau gestellt wurde (ein Probeliegen war allerdings nicht gestattet); ein teurer Spaß, der fast £230 000 kostete, aber vom Heritage Lottery Fund bezahlt wurde.

Im 18. Jahrhundert sollen einmal 52 Menschen gleichzeitig in dem Bett geschlafen haben (nein, damals gab es noch kein Guinness Buch der Rekorde, es handelte sich um eine Wette).
Das Museum of Ware hat einen Stadtrundgang ausgearbeitet, „The Great Bed Trail„, der an allen Gebäuden vorbeiführt, die mit dem Bett zusammenhängen, und an denen jeweils Plaketten angebracht sind.

Wer sich aber „the real thing“ ansehen möchte: The Great Bed of Ware ist im Victoria & Albert Museum in Raum 57 (Level 2) zu besichtigen.

Hier ist das Bett im Film zu sehen und hier ist ein Beitrag der BBC über das einjährige Gastspiel in Ware.

Published in: on 13. März 2014 at 02:00  Comments (3)  
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