Die Wentworth Follies Teil 4: The Rockingham Mausoleum

Wenn man auf einem Landsitz ein Mausoleum findet, geht man eigentlich davon aus, dass darin ein ehemaliger Bewohner beigesetzt ist; in Wentworth Woodhouse ist das aber nicht der Fall. William Wentworth-Fitzwilliam, 4th Earl Fitzwilliam, ließ das Gebäude nach dem Tod seines Onkels, des 2. Marquess of Rockingham erbauen, aus Dankbarkeit für das reiche Erbe, das er nach dessen Tod im Jahr 1782 erhielt, wodurch der Earl zu einem der reichsten Männer Englands wurde.

Auch für den Bau des Mausoleums wurde der Architekt John Carr engagiert; die Bauarbeiten dauerten von 1785 bis 1789. Carrs Plan war, ein dreistöckiges Gebäude in neoklassizistischem Stil zu schaffen, eingerahmt von vier Obelisken, die früher direkt am Herrenhaus standen. Die sterblichen Überreste des 2. Marquess of Rockingham fanden allerdings nicht ihre letzte Ruhestätte in diesem imposanten Mausoleum, er wurde im York Minster beigesetzt. Dafür findet man im Inneren ein Standbild von ihm, das der berühmte Bildhauer Joseph Nollekens (1737-1828) angefertigt hatte. In den Nischen im Erdgeschoss stehen Büsten von Rockinghams engsten Freunden: Edmund Burke, Charles James Fox, Admiral Keppel, Lord John Cavendish, John Lee, the Duke of Portland, Frederick Montagu und Sir George Saville. Dabei handelt es sich allerdings nicht mehr um die Originale, die aus Sicherheitsgründen durch Abgüsse ersetzt worden sind.
Der große Sarkophag im ersten Stock ist leer.

Seit 1991 ist das Rockingham Mausoleum für die Öffentlichkeit freigegeben worden, die es von Ende Mai bis Ende August jeweils sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr besichtigen darf.

Dieser Film zeigt das Mausoleum, von einer Drohne aus gefilmt.

Das Deckengewölbe des Mausoleums.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 26. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Wentworth Follies – Teil 3: Keppel’s Column

Augustus Keppel, 1. Viscount Keppel (1725-1786) war ein guter Freund des 2. Marquis of Rockingham, dem Besitzer des Wentworth Woodhouse Estates, und ihm zu Ehren ließ der Marquis eine Säule auf seinem Grundstück erbauen, die Keppel’s Column. Der Admiral stand nach der Schlacht bei Ouessant (1778) vor dem Kriegsgericht, wurde aber freigesprochen, und das nahm der Marquis of Rockingham zum Anlass, am Südende seines Parks die Säule zu errichten, die eigentlich noch höher und mit einer Skulptur des Admirals versehen werden sollte. Doch daraus wurde nichts; es wird vermutet, dass dem Marquis das Geld ausgegangen war, so dass wir es heute immer noch mit einer nicht ganz fertiggestellten Säule zu tun haben.
Entworfen wurde sie von dem Architekten John Carr (1723-1807), einem außergewöhnlich kreativen und produktiven Mann, der vor allem im Norden Englands zahlreiche Arbeiten geleistet hat wie u.a. am Harewood House, am Castle Howard, am Raby Castle und natürlich auch am Wentworth Woodhouse selbst.

Bis in die 1960er Jahre war es möglich, die 35 Meter hohe Säule zu besteigen, aber leider ist sie mittlerweile so instabil geworden, dass ein Besuch nicht mehr erlaubt ist. Glücklicherweise gibt es aber Drohnen, die mit ihren Kameras wunderschöne Ausblicke auf Keppel’s Column einfangen können wie dieser Film zeigt.

Blick auf Keppel’s Column vom Wentworth Woodhouse aus.
Photo © Terry Robinson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Wentworth Follies – Teil 2: Hoober Stand

1747/48 wurde der Hoober Stand, ein weiteres Folly auf dem Gelände des Wentworth Woodhouse Estates, gebaut. Entworfen hat dieses pyramidenartige Gebäude Henry Flitcroft, ein Architekt, der auch am Haupthaus einige Erweiterungen vorgenommen hat, das sich rühmen darf, die längste Frontfassade aller englischen Landsitze zu haben. Der Hoober Stand wurde zur Erinnerung an die Niederschlagung des Jakobitenaufstands erbaut. Thomas Watson Wentworth kämpfte an der Seite Georgs II. gegen die Aufständler und wurde dafür vom König in den Stand eines Marquis erhoben. Aus Dankbarkeit errichtete der frischgebackene Marquis of Rockingham den dreißig Meter hohen Turm über dessen Eingangstür die Worte stehen:

„This pyramidall building was erected by his Majestys most dutiful subject Thomas Marquess of Rockingham in grateful respect to the preserver of our religious laws and libertys King George the Second who, by the blessing of God having subdued a most unnatural rebellion in Britain anno 1746 maintains the balance of power and settles a just and honourable peace in Europe 1748“.

Das dreieckige Gebäude verfügt über eine Aussichtsplattform, die man über 155 Stufen erreicht und von der aus man einen Blick auf das Wentworth Woodhouse-Hauptgebäude und die umliegende Landschaft hat. Man kann den Turm/die Pyramide von Ende Mai bis Ende September jeweils sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr besteigen.

Ehe ich es vergesse: Der Name Hoober Stand kommt von dem nahegelegenen Dörfchen Hoober.
Diese kamerabestückte Drohne zeigt uns sehr schöne Bilder aus unterschiedlichen Perspektiven vom Hoober Stand.

Blick vom Hoober Stand auf Wentworth Woodhouse.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Wentworth Follies – Teil 1: The Needle’s Eye

Nur wenige Kilometer von Rotherham (South Yorkshire) entfernt im Wentworth Park stehen die vier sogenannten Wentworth Follies, von denen ich heute als erstes The Needle’s Eye vorstellen möchte.
Der 2. Marquis of Rockingham, zweimaliger Premierminister Englands Ende des 18. Jahrhunderts, war der „Schöpfer“ dieser rund 15 m hohen Pyramide. Wann sie genau gebaut wurde, ist nicht eindeutig, es muss aber in etwa zwischen 1740 und 1745 gewesen sein.

Warum nun wurde diese steinerne Pyramide, die von einer Urne gekrönt wird, gebaut? Es existiert da eine nette Geschichte, deren Wahrheitsgehalt aber auf sehr tönernen Füßen steht:
Der 2. Marquis of Rockingham soll einmal, während er nicht mehr ganz nüchtern war, eine Wette abgeschlossen haben, bei der er behauptete, er könne eine Kutsche durch ein Nadelöhr fahren. Am nächsten Morgen, bei genauerer und nüchterner Betrachtung dieser Wette, musste er doch feststellen, dass das wohl nicht zu bewerkstelligen ist, es sei denn… er baute einen Torbogen, der breit genug war, um mit einer Kutsche hindurchfahren zu können und nannte das ganze einfach „Needle’s Eye“ und schwupps war die Wette gewonnen.
Da in der Pyramide einige Einschusslöcher zu finden sind, wird auch gemutmaßt, dass hier einmal Exekutionen stattgefunden haben könnten.

The Needle’s Eye gibt nach wie vor einige Rätsel auf und bleibt vielleicht für immer ein Geheimnis des 2. Marquis of Rockingham. Hier ist ein Drohnenflug über dem Folly zu sehen.

Published in: on 23. Februar 2018 at 02:00  Comments (2)  
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