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Auf meinen Reisen durch England auf den Spuren von Inspector Barnaby kam ich auch nach Ewelme, einem hübschen Dorf in der Grafschaft Oxfordshire (ich berichtete darüber in meinem Blog) und besuchte dort unter anderem die Dorfkirche St Mary’s. Hier ist auf dem Kirchhof das Grab des Schriftstellers Jerome K. Jerome („Drei Mann in einem Boot“) zu finden, und das Grabmal einer Frau, die einige Jahrhunderte vor ihm gelebt und Ewelme bis heute geprägt hat: Alice (oder auch Alyce) Chaucer. Wem der Nachname bekannt vorkommt, sie war die Enkelin des Dichters Geoffrey Chaucer (1343-1400), der mit seinen „Canterbury Tales“ (dt. „Canterbury- Erzählungen“) in die Weltliteratur eingegangen ist.
Alice Chaucer, die von 1404-1475 lebte, war eine Adelige, die dreimal verheiratet war, und sich jedesmal in ihrem Adelsstand verbesserte. Ihr erster Mann war Sir John Phelip, dann kam Thomas Montagu, der 4. Earl of Salisbury, und schließlich William de la Pole, der 1. Duke of Suffolk. Mit letzterem wohnte sie in Ewelme, und beide machten sich um das Dorf verdient.
Die Pfarrkirche St Mary’s wurde von ihnen wieder aufgebaut, sie schufen die Armenhäuser, in denen Bedürftige aus dem Ort wohnen konnten, und gründeten die Dorfschule, eines der ältesten Grundschulgebäude Englands, in der noch heute unterrichtet wird.
So ist es natürlich auch angebracht, dass Alice Chaucer ihre letzte Ruhestätte in St Mary’s erhalten hat. Es handelt sich um ein sogenanntes Transigrab, bei dem die Verstorbene auf dem Rücken liegend dargestellt wird, während unter ihr ihr verwesender Leichnam noch einmal zu sehen ist. Alices Alabasterfigur trägt am linken Arm den Hosenbandorden, eine damals außerordentlich hohe Würdigung für eine Frau, den sie im Windsor Castle verliehen bekommen hat. Das Grabmal wird von sechzehn eingravierten Wappen verschönert. Königin Victoria soll sich an dem Grabmal Alice Chaucers orientiert haben wie eine Dame den Orden zu tragen hat, den sie dann bei ihrer Krönung auch trug.
Anlässlich ihres 550. Todestages fand im Mai 2025 in Ewelme das Alyce Chaucer Festival statt mit Vorträgen (unter anderem: „Alyce’s tomb: a masterpiece with many different messages“) und einem Konzert mit mittelalterlicher Musik. Das Andenken an die Dame wird auch noch nach so langer Zeit in Ewelme hoch gehalten.
Dieser Film zeigt einen Rundgang durch die Kirche St Mary’s in dem auch das Grabmal Alice Chaucers zu sehen ist.

Photo: cons. maximus.
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St Mary’s in Ewelme.
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Die von Alice und ihrem Mann geschaffenen Armenhäuser.
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Die Grundschule von Ewelme.
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