Von der Kunst des Portweinweiterreichens und ein schlafender Bischof

Author: Wiki-portwine.
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Nach einem üppigen Mittag- oder Abendessen kommt es in einer Gesellschaft häufig vor, dass zum Käse ein Glas Portwein gereicht wird. Dieser aus Portugal stammende Süßwein ist in England populärer als hierzulande; er ist meist rot, aber es gibt ihn auch in weiß. Es existiert in England ein ungeschriebenes Gesetz, das beim Einschenken bei Tisch unbedingt beachtet werden muss und gegen das auf gar keinen Fall verstoßen werden darf. Wenn der Gastgeber die Flasche Portwein auf den Tisch gestellt hat, reicht er sie zu seiner Linken weiter und jeder, der am Tisch sitzt, reicht sie im Uhrzeigersinn weiter. Sollte jemand, der den Brauch nicht kennt, die Flasche zurückgeben oder sie jemandem, der ihm gegenübersitzt, zuschieben, so würde das bei den Anwesenden entsetzte Blicke, hochgezogene Augenbrauen und ein verlegenes Hüsteln hervorrufen, denn Portweinflaschen müssen immer im Uhrzeigersinn weitergereicht werden, denn alles andere bringt Unglück. Über den Grund dafür gibt es unterschiedliche Auffassungen; eine davon ist, dass die Engländer ja für ihr Fair Play berühmt sind,  und wenn die Flasche queerbeet hin und hergeschoben wird, könnte es ja sein, dass jemand nichts abbekommt und das darf nicht sein. Bei dem geregelten Weiterreichen, ist gesichert, dass niemand zu kurz kommt. Übrigens gilt das nur für die Flasche, nicht für gefüllte Gläser, die dürfen auch zurückgereicht werden.

Was ist nun, wenn die Flasche in der Runde stehen bleibt und jemand vergessen hat, sie weiterzureichen? Da die Engländer ein sehr rücksichtsvolles Volk sind, käme niemand auf die Idee, über den Tisch zu rufen „Eh, schieb die Flasche mal her“. Da gibt es eine elegantere Lösung. Jemand vom Tisch würde den, vor dem die Flasche steht, fragen: „Do you know the Bishop of Norwich?“ Kennt der derart Angesprochene die Regel, so würde er die Flasche sofort wieder mit mehreren „Sorries“ auf die weitere Reise schicken. Kennt er sie nicht, würde er erstaunt mit einem „No“ reagieren. Daraufhin könnte es dann heißen „The Bishop was a jolly good fellow but he always forgot to pass the Port„. Gut, jetzt wäre sicher der Groschen gefallen, und die bisher leer ausgegangenen Gäste kämen jetzt auch in den Genuss des Süßweins.

Der hier zitierte Bishop of Norwich soll Henry Bathurst (1744-1837) gewesen sein, der das hohe Alter von 92 Jahren erreicht hatte, und der bei Tisch häufig eingeschlafen sein soll, vor der Flasche Portwein.

Hier ist ein kleiner Sketch zum Thema.

Henry Bathurst, der Bischof von Norwich.
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Published in: on 8. Mai 2020 at 02:00  Comments (5)  
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Beating of the Bounds in Rochester (Kent)

Rochester Pier am River Medway.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Über den alten Brauch „Beating of the Bounds“ schrieb ich in meinem Blog schon einmal im April 2018. „Da zieht ein Priester mit einer Gruppe von Gemeindemitgliedern und Kindern durch die Kirchengemeinde, alle mit Stöcken „bewaffnet“, die alle Grenzsteine bzw. Grenzmarkierungen aufsuchen, die dann mit den Stöcken „geschlagen“ werden.“

Auch in der Stadt Rochester in Kent wird dieser Brauch durchgeführt, allerdings auf etwas andere Art. Der Bürgermeister der Stadt ist gleichzeitig „Admiral of the Waters of the River Medway“ und in dieser Funktion nimmt er alljährlich am Beating of the Bounds teil, die die Rochester Oyster and Floating Fishery und der Rochester Cruising Club organisieren.

Dieser Zeremonie läuft folgendermaßen ab: An einem Wochenende Ende Juni, Anfang Juli, startet das Boot am Samstag mit dem Admiral an Bord, vom Rochester Pier aus und macht sich auf dem River Medway auf den Weg, gefolgt von vielen anderen Schiffen, zum Hawkwood Stone, der die Grenze zum Maidstone-Bezirk darstellt und wo der Mayor of Maidstone mit dazu stößt. Anschließend geht es wieder zurück nach Rochester. Am Sonntag geht es in die andere Richtung zur Mündung des Medway, wo vor der Küste von Sheerness zwei Wracks liegen. Die HMS Bulwark sank hier am 26. November 1914 durch eine gewaltige Munitionskammerexplosion, bei der 738 Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Hier legt der Admiral einen Kranz zum Gedenken an die Toten ins Wasser. Von dort geht es weiter zum Wrack der SS Richard Montgomery, einem US-amerikanischen Frachter, der am 20. August 1944 vor Sheerness gesunken ist. Das Schiff, deren Masten noch zu sehen sind, hatte hunderte von Tonnen Munition an Bord, die noch heute eine tickende Zeitbombe darstellen, denn die Bomben konnten nicht geborgen werden. Auch an dieser Stelle legt der Admiral of the Waters of the River Medway einen Kranz nieder. Danach machen sich die Schiffe wieder auf den Weg zur Rochester Pier zurück und die Beating of the Bounds ist beendet.

Hier ist ein kurzer Film über die Zeremonie.

Das Wrack der SS Richard Montgomery vor Sheerness.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Mai 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Chelsea Pensioners – Damen und Herren in Scharlachrot und Blau

Royal Hospital, Chelsea.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Mitten in London, in Chelsea, liegt das Royal Hospital Chelsea, in dem man keine „Normalkranken“ findet, sondern die sogenannten Chelsea Pensioners, ehemalige Armeeangehörige, die aus Altersgründen nicht mehr dem Militärdienst angehören. Hier werden die alten Herren, und seit dem Jahr 2009 auch Damen, mit allem versorgt, was sie brauchen, zum Beispiel mit Vollpension, Unterkunft und Kleidung und auch die medizininsche Versorgung ist kostenfrei. Dafür verzichten sie auf ihre Pension.

Die Chelsea Pensioners dürfen zwar Zivilkleidung tragen, es wird aber doch Wert darauf gelegt, dass sie möglichst häufig ihre blaue oder ihre scharlachrote Uniform tragen; bei besonderen feierlichen Anlässen ist die rote Uniform Pflicht.

Da die Zimmer der Chelsea Pensioners recht klein waren (knapp 9 m²) und sich mehrere ein Badezimmer und eine Toilette teilen mussten,  wurde das Haus in großem Stil umgebaut. 2015 konnten die Pensioners in neue, deutlich größere und zeitgemäßere Apartments einziehen, mit Wohnzimmer, Schlafzimmer und eigenem Badezimmer. Dieser Film zeigt die neuen Unterkünfte.

Ende 2010 nahmen die Chelsea Pensioners eine CD auf, die unter dem Titel „Men in Scarlet“ auf den Markt kam und sich so gut verkaufte, dass sie sogar in die britischen Charts kam. 7 Herren mit geeigneten Stimmen, unterstützt von Vera Lynn und Katherine Jenkins, sangen Titel wie „King and Country„, „Jerusalem“ und „Goodnight Sweetheart“.

Wenn jemand von den Damen und Herren im Royal Hospital Chelsea stirbt, wird sie/er auf dem Brookwood Cemetery bei Woking in Surrey beigesetzt; dort gibt es ein eigenes Areal für sie, sowie ein Denkmal.

Zwei Chelsea Pensioners in voller Montur.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Das Denkmal für die Chelsea Pensioners auf dem Brookwood Cemetery.
Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. März 2020 at 02:00  Comments (1)  
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Sind britische Parlamentsmitglieder abergläubisch? oder Die Skulpturen in der Members‘ Lobby im House of Commons

Sir Winston Churchill in der Members‘ Lobby.
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In der Members‘ Lobby im britischen Parlament treffen sich die MPs, um miteinander zu diskutieren oder um Informationen auszutauschen. Beobachtet werden sie dabei von einer ganzen Phalanx von Skulpturen ehemaliger Premierminister, darunter sind die Bronzefiguren von David Lloyd George, Winston Churchill, Clement Attlee and Margaret Thatcher. Eigentlich müssten diese Skulpturen ja eine Ewigkeit überstehen, da sie keinen Naturgewalten ausgesetzt sind und sich im Trockenen befinden…wenn es nicht die Parlamentsmitglieder gäbe. Die sind nämlich in der Tradition verfangen, bevor sie die Commons Chamber betreten, eine der vier Figuren, die sie am liebsten mögen, zu berühren, in den meisten Fällen an den Füßen. Bronzefiguren müssten das eigentlich ab können, doch wenn das so oft geschieht, bekommen die drei Herren und die Dame Probleme. Das Berühren soll den MPs Glück bringen, zum Beispiel wenn sie eine Rede halten müssen, doch bringt dieser Aberglaube die für das Parlamentsgebäude zuständigen Kuratoren auf die Palme, die für die Hege und Pflege der Skuplturen zuständig sind. Besonders Sir Winston Churchill, von dem Bildhauer Oscar Nemon geschaffen, erfreut sich bei den parlamentarischen Füßestreichlern großer Beliebtheit, so dass schon größere Schäden aufgetreten sind und ein Fuß von ihm restauriert werden musste. Per Rundschreiben sind die MPs schon mehrfach aufgefordert worden, mit dieser Tradition zu brechen. Es wurden schon Überlegungen angestellt, die vier Statuen mit Seilen zu umspannen, ließ es dann aber doch bei „Do Not Touch„-Hinweisschildern. Neuen Parlamentsmitgliedern verschweigt man diese Tradition…

John Major ist der letzte Premierminister, der in der Members‘ Lobby in Form einer Bronzebüste vertreten ist; mit dessen Nachfolger Tony Blair tut man sich schwer. Seine Büste war bereits 2012 geplant, doch hat er zur Zeit keine gute Karten im Land, denn sein Engagement im Irakkrieg hängt ihm immer noch nach.

Published in: on 29. Februar 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Bullingdon Club – Eine exklusive Studentenvereinigung in Oxford

The Jolly Woodman bei Burnham; diente im Film „The Riot Club“ als der Pub, der von den Studenten verwüstet wurde.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0).

Gestern sah ich mir den englischen Spielfilm „The Riot Club“ (dt. „The Riot Club“) aus dem Jahr 2014 an. Darin geht es um eine elitäre Studentenvereinigung in Oxford, für deren Mitglieder Geld keine Rolle spielt und die sich regelmäßig treffen, um sich sinnlos zu betrinken und Drogen zu nehmen. Die Hälfte des Films besteht aus Szenen in einem Pub namens The Bulls Head (gedreht wurde im The Jolly Woodman in Burnham in Buckinghamshire), in dem sich die jungen Herren treffen und den sie am Ende ihres Gelages komplett auseinandernehmen und den Wirt krankenhaus reif schlagen. Klingt irgendwie abgedreht und wirklichkeitsfremd, ist es aber nicht, denn der Riot Club im Film basiert auf dem tatsächlich existierenden Bullingdon Club, den es schon seit 1780 in Oxford gibt. Die Mitglieder stammen aus reichen Elternhäusern und es nicht leicht, in den Club aufgenommen zu werden. Zum Aufnahmeritual gehört zum Beispiel, dass die Unterkunft des neuen Mitglieds von den anderen komplett zerstört wird. Wie im Film trifft man sich regelmäßig in Pubs oder Restaurants, wo dann der Alkohol in Strömen fließt und häufig endet der Abend in einem Exzess an Gewalt, bei dem die Einrichtung des Etablissements großen Schaden nimmt. Es gehört auch traditionell zum Bullingdon Club, dass der Schaden vor Ort sofort bar reguliert wird, denn Geld spielt keine Rolle.

Zu den prominentesten Clubmitgliedern der letzten Jahrzehnte gehören drei Politiker, die nur ungern darauf angesprochen werden: Boris Johnson, David Cameron und George Osborne. „Der Bullingdon und andere Dinnerklubs sind Keimzellen der Macht im Königreich“ schrieb Der SPIEGEL einmal in einem Artikel vom 10.10.2015. Zu den anderen Dinnerklubs zählt beispielsweise auch die Piers Gaveston Society, die es noch toller treiben soll.

Vor einigen Jahren trafen sich die Studenten vom Bullingdon Club im The Manor Country House Hotel in der Nähe von Bicester in Oxfordshire und reservierten für sich den Tudor Room. Da muss es ähnlich wie im Film „The Riot Club“ zugegangen sein, Dutzende Flaschen Wein und Champagner wurden geleert, Gläser und Geschirr zerschlagen und nach dem Gelage soll es schrecklich in dem schönen Raum ausgesehen haben. Ich habe vor einem Jahr im The Manor gewohnt; über meine (leider negativen) Erfahrungen dort habe ich in meinem Blog geschrieben.
Ein anderes Mal war The White Hart in Fyfield (Oxfordshire) das Ziel eines Orgienabends, bei dem ebenfalls einiges zu Bruch ging und die Polizei gerufen werden musste, die einige der Studenten in Gewahrsam nahm.

Im Film „The Riot Club“ fährt einer der Studenten mit einem Aston Martin Cabrio durch Oxford, 1977 starben vier Menschen als ein betrunkenes Mitglied des Bullingdon-Clubs mit seinem Maserati einen Verkehrsunfall verursachte (zu den Opfern gehörte der Profi-Fußballer vom FC Chelsea Peter Houseman und seine Frau). Auf wundersame Weise kam er mit einer milden Strafe davon. Es ist in Oxford offensichtlich sehr hilfreich, einflussreiche Verwandte im Hintergrund zu haben.

The Manor Country House Hotel bei Bicester in Oxfordshire; auch hier kam es zu einem ausschweifenden Abend für die Mitglieder des Bullingdon Clubs.
Eigenes Foto.

 

Die Ellesborough Silver Band – Eine Blaskapelle aus Buckinghamshire

Ellesborough in Buckinghamshire: Hier ist die Brass Band beheimatet.
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)

Blaskapellen verbinde ich eigentlich in der Regel mit Nordengland, dort, wo früher die Bergarbeiter Kohle abbauten und zu ihrer  Entspannung Blasmusik spielten oder einfach nur zuhörten. Einige dieser noch existierenden Kapellen habe ich in meinem Blog schon vorgestellt wie die Burbage Brass Band aus Derbyshire, die Muker Silver Band aus North Yorkshire oder die Grimethorpe Colliery Band aus South Yorkshire.

Doch auch im Süden gibt es Brass Bands wie die Ellesborough Silver Band, die in Ellesborough in Buckinghamshire beheimatet ist und das schon seit 1896. Die Auftritte der Kapelle finden überwiegend in der näheren Umgebung statt, so war die Silver Band unter anderem bei Dorffesten in Stoke Mandeville und Monks Risborough zu hören, bei der The Lee Flower Show und beim Cherry Pie Festival in Plough. Die Höhepunkte in der Geschichte der Band waren sicherlich ein Auftritt in Chequers, dem Landsitz der britischen Premierminister, der nur ein paar hundert Meter entfernt ist. Als Neville Chamberlain das Amt inne hatte, wurde die Band zur Weihnachtszeit eingeladen, dort Weihnachtslieder zu spielen. Einmal durften die Bandmitglieder vor Prince Charles  und Princess Margaret spielen, als diese das Guttmann Centre in Aylesbury besuchten. Weitere Höhepunkte im Leben der Band waren Auftritte  in der Royal Albert Hall bei den National Brass Band Championships.

Damit die Brass Band in Übung bleibt, treffen sich die Mitglieder jeden Freitagabend in der Ellesborough Parish Hall. Die Kapelle umfasst dreißig Personen, gemischt aus Männern und Frauen und wie es auf den Webseiten der Band heißt, im Alter von acht bis achtzig Jahren.

Hier ist ein Auftritt der Band in Aylesbury zu sehen und zu hören.

Die Time Ceremony in Oxfords Merton College

Fellow’s Quad und Sonnenuhr im Merton College.
Photo © Virginia Knight (cc-by-sa/2.0)

Einmal im Jahr spielt sich in Oxfords Merton College mitten in der Nacht ein merkwürdiges Zeremoniell ab: Am letzten Sonntag des Monats Oktober treffen sich die Studentinnen und Studenten des College morgens um 2 Uhr auf dem Fellow’s Quad, einem großen Rasenplatz, den Anfang des 17. Jahrhunderts der damalige Warden Sir Henry Savile anlegen ließ, an der Sonnenuhr, um von dort aus eine Stunde lang rückwärts um den Platz zu laufen…bis es wieder 2 Uhr ist, denn ist dieser Nacht findet die Zeitumstellung statt und die Uhren werden eine Stunde zurückgestellt. Bei der Zeremonie tragen die Studenten des Merton College ihre akademische Kleidung und, damit es nicht langweilig wird, trinkt man, während der Rückwärtsgang eingeschaltet ist, jede Menge Portwein.

Seit 1971 existiert diese Tradition des College und der Grund für das Rückwärtslaufen? „Saving the universe by stabilising the time-space continuum„, heißt es da in Oxford, eine schräge Erklärung für einen ebenso schrägen Brauch.

Einige der vielen Männer und Frauen, die das Merton College in den letzten Jahrzehnten besucht haben, sind beispielsweise die beiden Schriftsteller Mark Haddon und Anthony Holden, die Musiker Iain Burnside und Gareth Glyn, die Historiker Clare Griffiths und Sir Ian Kershaw und die Politiker Liz Truss und Ed Vaizey, um nur einige wenige zu nennen. Ob die auch alle an der Time Ceremony teilgenommen haben, kann ich leider nicht sagen.

Hier ist ein Film über das Oxford College.

Merton College
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 8. Dezember 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Der Victorian Christmas Market 2019 in Hamburg

Das Hotel Baseler Hof in Hamburg.
Urheber: Pauli-Pirat.
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Wer im Norden Deutschlands wohnt und gern einmal in der Vorweihnachtszeit britische Weihnachtsatmosphäre schnuppern möchte, der kann das am 30. November und am 1. Dezember in diesem Jahr in der Hamburger Innenstadt tun. Der Victorian Christmas Market findet zum wiederholten Mal im Hotel Baseler Hof in der Esplanade 15 statt. Die Straße führt vom Stephansplatz zur Lombardsbrücke, liegt also sehr zentral.

Jeweils von 12 Uhr bis 18 Uhr werden in den Räumen des Hotels Geschenke und britische Lebensmittel zum Kauf angeboten, also nicht nur Weihnachtliches, deren Erlös dem Hamburger Kinderhospiz Familienhafen zugute kommt. Zu den Ausstellern gehören beispielsweise die Firma British Shopping in Geesthacht (über meinen Besuch dort berichtete ich in meinem Blog), British Stuff aus Bodenwerder, Whisky Experience aus Hamburg und Cavendish & Harvey aus Kaltenkirchen, die Süßigkeiten aller Art anbieten.

Für die der Stimmung des Victorian Christmas Markets angemessene Musik sorgen an beiden Tagen die Hamburg Players und die Victorian Minstrels. Die Schirmherrschaft über die Veranstaltung hat der britische Honorarkonsul Nick Teller.

Wie es bei dem viktorianischen Weihnachtsmarkt 2018 zuging, zeigt dieser Film.

The Stone of Scone – Der schottische Krönungsstein, der 1950 aus der Westminster Abbey gestohlen wurde

Der Stone of Scone (die Replika ).
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Weihnachten 1950: In den frühen Morgenstunden des ersten Weihnachtstages schlichen drei dunkle Gestalten um die Westminster Abbey in London herum und verschafften sich mit Hilfe einer Brechstange Zutritt über einen Nebeneingang. Ihr Ziel: Der Stone of Scone, der sich in der Abbey unter dem Coronation Chair befand. Bei den Eindringlingen handelte es sich um die schottischen Studenten Ian Hamilton, Gavin Vernon und Alan Stuart (im Fluchtauto wartete noch Kay Matheson). Sie wollten den uralten Stein nicht entwenden, sondern in die schottische Heimat zurückholen, wo er ihrer Meinung nach hingehörte.
The Stone of Destiny, wie er auch genannt wurde, diente vor vielen Jahrhunderten als Krönungsstein für schottische Monarchen, bis Edward I. ihn nach seinem Sieg im Englisch-Schottischen Krieg 1296 nach London bringen ließ, zum großen Verdruss der Schotten, die sich eines Symbols ihres Landes beraubt sahen.
Die schottischen Studenten wollten 1950 dem Aufenthalt des Steins in der Westminster Abbey ein Ende bereiten. Bei dem nächtlichen Diebstahl in der Weihnachtsnacht gingen die Drei nicht sehr professionell vor, denn der etwa drei Zentner schwere Stein zerbrach dabei in zwei Teile, was allerdings den Vorteil hatte, dass er so etwas leichter abzutransportieren war. Kaum hatte Ian Hamilton die eine Hälfte in das von Kay Matheson herangebrachte Auto verstaut, als sich ihnen ein patroullierender Polizist näherte. Die beiden Studenten gaben sich als Liebespärchen aus, das in London keine Unterkunft mehr gefunden hatte, und der Polizist gab sich damit zufrieden. Mit der einen Steinhälfte wurde Kay in Richtung Schottland geschickt, beim Transport der anderen Hälfte mit dem zweiten Auto kam es zu etlichen Zwischenfällen (verlorener Autoschlüssel, vor der Abbey liegen gelassene Jacke, in der ein Namenschild angebracht war usw.), aber schließlich landete The Stone of Scone doch noch in Schottland, wo er erst einmal in den Ruinen der Arbroath Abbey versteckt wurde. Doch die findige Polizei spürte ihn dort auf und brachte ihn in die Westminster Abbey zurück. Bei der Krönung Elisabeths II. 1953 war The Stone of Destiny also wieder an der Stelle, wo man ihn, das heißt die Engländer, hinhaben wollte. Übrigens wurden die vier Studenten nicht vor Gericht gestellt.

1996 kündigte der britische Premierminister John Major an, den Stone of Scone endgültig wieder nach Schottland zurückzubringen, was dann auch mit einer feierlichen Zeremonie in Edinburgh geschah (hier ist ein Film darüber). Dort hat er jetzt in der Burg seine letzte Ruhestätte gefunden… das heißt, nicht ganz, denn die Schotten würden ihn für die Krönung zukünftiger neuer Monarchen London kurzfristig zur Verfügung stellen.

Eine Replika des Steines steht auf dem Gelände des Scone Palastes im schottischen Perthshire (im April 2010 versuchten Diebe, auch die Replika zu stehlen, scheiterten aber bei dem Versuch).

Im Jahr 2008 kam der Film „Stone of Destiny“ (dt. „Die Jagd nach dem Stein des Schicksals“) in die Kinos, der die Ereignisse zu Weihnachten 1950 nacherzählt; hier ist der Trailer zum Film.

Einer der schottischen Studenten, Ian Hamilton, hat ein Buch über die Ereignisse damals geschrieben: „ Stone of Destiny„.

 

Published in: on 1. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Snapdragon – Ein nicht ganz ungefährliches Spiel, bei dem man sich schnell Brandverletzungen zuziehen kann

Besonders zur Zeit Queen Victorias spielte man zur Weihnachtszeit in England gern ein Spiel namens Snapdragon. Auch heute noch, zum Beispiel zu Halloween, kommt der eine oder andere auf die Idee, das könnte man ja wieder einmal spielen. Es ist ganz einfach: In eine Schale werden zwei Dutzend Rosinen gefüllt, wenn die gerade nicht zur Hand sind, kann man auch Mandeln, Pflaumen etc nehmen. Dann wird die Schale mit einer Flasche Brandy aufgefüllt, so dass die Ingredienzien an der Oberfläche schwimmen. Anschließend hält man ein Streichholz daran und veranstaltet so ein kleines Feuer. Die Zimmerbeleuchtung wird gedimmt, eine behagliche Atmosphäre entsteht und Snapdragon kann beginnen. Das Ziel ist, soviel Rosinen aus der brennenden Schale zu holen und zu essen wie möglich (ohne sich dabei den Gaumen zu verbrennen). Dass es bei dem weihnachtlichen Spiel zu Kollateralschäden kommt, liegt auf der (verbrannten) Hand.

Zu Weihnachten 1893 kam es im Royal Surrey County Hospital in Guildford zu einem Unglück, als beim Snapdragonspielen jemand Methylalkohol auf die langsam verlöschenden Flammen goss und es zu einer Explosion kam, wobei mehrere der Teilnehmer, auch Kinder, sich schwere Verbrennungen zuzogen und eines der Kinder sogar starb (gelesen in Nicola Slys „A Horrid History of Christmas„, das ich demnächst vorstellen werde). In diesem Film ist zu sehen wie Snapdragon gespielt wird.

Freunde der Agatha Christie-Kriminalromane erinnern sich vielleicht an das Buch „Hallowe’en Party„, 1969 erschienen, das in deutscher Übersetzung „Die Schneewittchen-Party“ bzw in der Neuübersetzung von 2018 ebenfalls „Die Hallowen Party“ heißt. In dem Buch wird zum Ende des zweiten Kapitels mit großer Begeisterung Snapdragon gespielt: „Everybody shrieked, rushing forward, snatching the blazing raisins, with cries of „Ow, I’m burned! Isn’t it lovely?„“ In der Verfilmung des Romans aus der Poirot-Serie (Episode 65) mit David Suchet ist die entsprechende Szene zu sehen, hier ab Minute 6.

Das ehemalige Royal Surrey County Hospital (jetzt Farnham Road Hospital) in Guildford, wo sich zu Weihnachten 1893 das Snapdragon-Unglück ereignete.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 5. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„Knees Up Mrs Brown“ – Ein Lied, das in Kneipen und Fußballstadien populär ist

Zum Ende des Ersten Weltkriegs, als der Waffenstillstandsvertrag unterzeichnet worden war, sang man in den Straßen von London ein Lied, das die Erleichterung und Freude der Bewohner zum Ausdruck brachte und zum Mitsingen animierte: „Knees Up Mrs Brown„. Wer das ursprünglich geschrieben hatte, bleibt im Unklaren. 1938 tauchte der Song in einer neuen Version auf, der Bert Lee, Harris Weston und I. Taylor zugeschrieben wurde, die sich durch ihre Music Hall-Songs einen Namen gemacht hatten. Die beiden Schwestern Elsie und Doris Waters, die als Gert and Daisy im Zweiten Weltkrieg durch ihre Comedysendungen im Radio populär waren, nahmen „Knees Up Mrs Brown“ auf und ernteten damit Erfolg. Später traten Noel Harrison und Petula Clark damit im Fernsehen auf, auch die beiden Hollywood-Stars Bing Crosby und Rosemary Clooney versuchten sich einmal daran. Fozzie Bear in der Muppet Show interpretierte es 1980 auf seine Art.

Weil sich das Lied aber so schön grölen lässt, singt man es auch heute noch gern in Pubs und auch in Fußballstadien, zum Beispiel bei West Ham United, war es eine Zeit lang sehr beliebt. Die Webseiten des Fan Clubs heißen denn auch http://www.kumb.com, kurz für „Knees Up Mrs Brown“.

Der Text des Liedes (es gibt mehrere Fassungen) befriedigt keine höheren intellektuellen Ansprüche: „Knees up Mother Brown Under the table you must go Ee-aye, Ee-aye, Ee-aye-oh If I catch you bending I’ll saw your legs right off“. Gern fügt man bei Pub-Sing-a-Longs noch dazu „Oh, oh, what a rotten song“.
Aber eines muss man dem Lied lassen: Es geht einem nicht so schnell aus dem Gehörgang.

Published in: on 21. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„He is back!“ – Die glorreiche Rückkehr des englischen Milchmanns

Die beiden Konkurrenten.
Photo © Albert Bridge (cc-by-sa/2.0)

No Milk Today“ hieß es 1967 in einem Song der Band Herman’s Hermits, „The bottle stands forlorn a symbol of the dawn“. Ja, damals gehörte der Milchmann einfach zum täglichen Leben dazu. Mit seinem (häufig schon elektrisch betriebenen) „milk float“ fuhr er scheppernd über die frühmorgendlichen Straßen und tauschte leere Milchflaschen gegen volle aus, verlässlich wie ein Uhrwerk. In Spitzenzeiten wurden etwa 90% der in Haushalten konsumierten Milch von „Mr Milkman“ gebracht. Doch dann ging nach und nach seine Ära zu Ende, zuletzt wurden nur noch 3% an die Haustür geliefert. Milch in Kunststoffverpackungen war in den den Supermärkten billiger, die umweltfreundliche, wiederverwendbare Glasflasche blieb auf der Strecke.

Doch plötzlich ist alles wieder anders. Nicht zuletzt durch die aufrüttelnden Worte des Naturfilmers Sir David Attenborough in der TV-Doku-Serie „Blue Planet„, in der er vor dem Plastikwahnsinn warnte, stieg das Interesse an Milch in Glasflaschen sprungartig wieder an. Was gibt es denn Bequemeres als sich alles wieder an die Haustür liefern zu lassen? Neue Firmen entstanden, die den Faden wieder aufnahmen, beispielsweise Milk & More, die mittlerweile weite Teile Englands beliefert. Diese Firma geht sogar noch zwei Schritte weiter: Die Auslieferung erfolgt ausschließlich durch neue Elektrotransporter, also „milk floats 2.0“, außerdem sind im Portfolio der Firma, neben Milch, noch über 200 weitere Produkte enthalten (zum Beispiel auch Bio-Putzmittel in 100% recylebaren Behältern), die bis vor die Haustür geliefert werden. Wenn man, zum Beispiel mit einer App, bis 21 Uhr seine Bestellung aufgegeben hat, wird diese bis spätestens 7 Uhr am nächsten Morgen ausgeliefert, und das auch noch kostenlos. Ideal für Berufstätige und für ältere, nicht mehr so mobile Menschen, und das  auf eine sehr umweltfreundliche Art und Weise!
In diesem Film ist ein Milchmann der Firma Milk & More bei der Arbeit zu sehen.

Über das Sammeln von Milchflaschen habe ich in meinem Blog schon in den Jahren 2011 und 2016 geschrieben. Siehe auch meine Blogeinträge über den mörderischen Milchmann George Arthur Bailey und Benny Hills Lied von „Ernie, the Fastest Milkman in the West„.

Sehr zu empfehlen ist auch Dan Kierans Buch „Three Men in a Float„, eine Reise mit einem elektrischen Milchkarren quer durch England.

Der Milchmann kommt. Hier in East Oakley (Hampshire).
Photo © Given Up (cc-by-sa/2.0)

Eine Erinnerungstafel für einen Milchmann in Cricklade (Wiltshire), der bei der Ausübung seiner Tätigkeit starb.
Photo © Rick Hall (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 16. August 2019 at 02:00  Comments (2)  
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„Sussex by the Sea“ – Die Liebeserklärung des William Ward-Higgs an die beiden Grafschaften im Süden Englands

Hier in South Bersted (West Sussex) entstand das Lied „Sussex by the Sea“.
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Viele englische Grafschaften haben eine Hymne, die dann zu allen möglichen Anlässen gespielt wird. Die Hymne von Lincolnshire habe ich in meinem Blog schon einmal vorgestellt.

Auch East und West Sussex verfügen über eine „county anthem“, die „Sussex by the Sea“ heißt und im Jahr 1907 komponiert wurde. Entstanden ist sie in dem kleinen Dorf South Bersted, das an der Küste von West Sussex liegt, und der „geistige Vater“ war ein gewisser William Ward-Higgs, der mit seiner Familie von 1902 – 1908  dort lebte, aber auch eine Rechtsanwaltskanzlei in London betrieb.

Wie kam es nun dazu, dass Ward-Higgs, der nicht aus Sussex stammte (er wurde in Lancashire geboren), eine Hymne auf die Grafschaft(en) schrieb?
Da gibt es zwei Versionen:
1. Es war seine Liebe zu Sussex, die ihn veranlasste, einen Marsch zu schreiben, der dann auch bald als Regimentsmarsch des Royal Sussex Regiments übernommen wurde.
2. Ward-Higgs komponierte das Lied anlässlich der Hochzeit seiner Schwägerin Gladys mit dem Hauptmann Roland Waithman vom 2. Bataillon des Royal Sussex Regiments.

Der Rechtsanwalt und Freizeitkomponist Ward-Higgs starb 1936 in Roehampton durch Selbstmord; er wird zumindest in Sussex unvergessen bleiben.

„Sussex by the Sea“ beginnt so:

Now is the time for marching
Now let your hearts be gay
Hark to the merry bugles
Sounding along our way
So let your voices ring, my boys,
And take the time from me
And I’ll sing you a song, as we march along,
Of Sussex by the Sea

und der Refrain lautet:

Oh, Sussex, Sussex by the sea
Good old Sussex by the Sea
You may tell them all that we stand or fall
For Sussex by the sea.

…und so hört es sich an.

Das Buch zum Artikel:
Michael George: Sussex by the sea. Monterey Press 2011. 156 Seiten. ISBN 978-0956018816

Published in: on 15. August 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Reading Rooms und Village Halls im Bild

Reading Room and Village Hall in Great Gransden in Cambridgeshire.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Bei Spaziergängen in englischen Dörfern trifft man hin und wieder auf sogenannte Reading Rooms, das sind Gebäude, die früher einmal von wohlhabenden Männern und Frauen aus der Region der Dorfbevölkerung zur Verfügung gestellt wurden, um einen kulturellen Beitrag zu leisten. Heute sind diese Reading Rooms manchmal mit Village Halls verschmolzen oder dienen anderen Zwecken. In den den deutschen Dorfgemeinschaftshäusern entsprechenden Village Halls trifft man sich bei Feierlichkeiten oder anderen Veranstaltungen, Theateraufführungen können darin stattfinden und Musikabende. Sie sind wie der Pub, die Kirche oder der Village Store ein wichtiger Teil eines funktionierenden Dorflebens.

Ich habe hier einmal einige Beispiele für ehemalige Reading Rooms herausgesucht, die zu Village Halls umfunktioniert wurden.

Früher Reading Room, jetzt Village Hall: Grantchester in Cambridgeshire.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Betley in Staffordshire.
Photo © Jonathan Hutchins (cc-by-sa/2.0)

Tirril Village Hall in Cumbria.
Photo © Christine Johnstone (cc-by-sa/2.0)

Ewelme in Oxfordshire.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Goodrich Village Hall in Herefordshire.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. Juni 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Ripon Hornblower – Eine der ältesten Zeremonien der Welt

Seit über 1100 Jahren wird in Ripon in North Yorkshire allabendlich eine Zeremonie ausgeführt, die noch nie unterbrochen worden ist. Der sogenannte Ripon Hornblower bläst exakt um 21 Uhr am Obelisken auf dem Marktplatz viermal in sein Horn „to set the night watch„. Grob geschätzt hat das etwa 410 000 mal stattgefunden.

Der Hintergrund der Zeremonie: Im Mittelalter war der Wakeman von 21 Uhr bis zum Morgengrauen, in Zusammenarbeit mit einigen Hilfskräften, für die Sicherheit und die Bekämpfung der Kriminalität in der Stadt zuständig. Der Stoß ins Horn signalisierte also den Beginn der Nachtwache. Später musste der Hornblower noch eine zusätzliche Aufgabe übernehmen: Nachdem er auf dem Marktplatz seine Pflicht erfüllt hatte, musste er auch vor dem Haus des Bürgermeisters oder dort, wo sich der Bürgermeister gerade aufhielt, noch dreimal in sein Horn blasen. In  diesem Film ist der Hornblower bei der Arbeit zu sehen.

Bis zum Jahr 2015 war George Pickles der alleinige Hornblower, danach hat der Rat der Stadt Ripon entschieden, mehrere Bläser einzustellen, die sich die Aufgabe teilen. £8.72 ist das „Gehalt“ pro Abend, bei Auftritten zu anderen Festivitäten gibt es £21.12.

Ripon ist heute stolz auf diese uralte Tradition und man findet das berühmte Horn natürlich auch im Wappen der Stadt.
Es gibt auch ein Lied, in dem die Geschichte des Hornblowers besungen wird, hier von Barry Sellers zu hören.

Der Arbeitsplatz des Hornblowers: Der Obelisk auf dem Market Place von Ripon.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Auch einen Pub gibt es in Ripon, der nach dem Bläser benannt ist.
Photo © Stephen Craven (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 14. Mai 2019 at 02:00  Comments (4)  
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Die Dry Stone Walling Association – Eine Gesellschaft, die sich für den Erhalt von Trockenmauern stark macht

Eine Dry Stone Wall in Lancashire.
Photo © Rude Health (cc-by-sa/2.0)

Wenn man durch die Yorkshire Dales fährt, sieht man, dass die Weiden dort zum großen Teil durch Trockenmauern und nicht durch Zäune umfasst werden. Diese Dry Stone Walls werden in Großbritannien schon seit mehr als 3000 Jahren verwendet und erfreuen sich eben auch heute noch großer Beliebtheit, denn sie sind robust und umweltfreundlich. Es müssen für die Umzäunung keine Bäume gefällt werden, die in den Regionen, in denen die Trockenmauern gebaut werden, sowieso nicht im Überfluss vorhanden sind.

Die 1968 gegründete Dry Stone Walling Association (DSWA) propagiert den Einsatz der Natursteine in der Landwirtschaft, veranstaltet Seminare und gibt Trainingskurse für Interessierte.
The main aims of the Association are to promote a greater understanding and knowledge about the traditional craft of dry stone walling and to encourage the repair and maintenance of dry stone walls throughout the country„.

Es gibt Zweigstellen der DSWA in Schottland, Wales und vielen Teilen Englands, die sich auf regionaler Ebene für den Einsatz der Dry Stone Walls stark machen.

HRH The Prince of Wales ist übrigens ein Befürworter des Trockenmauerbaus und ist Schirmherr der DSWA.

Es gibt in Großbritannien eine Fülle von Büchern und DVDs, die sich alle mit diesem Thema beschäftigen. Der Bau von Trockenmauern, bei denen kein Mörtel zur Anwendung kommt, erfreut sich auch in Privatgärten zunehmender Beliebtheit.

Hier ist ein Film über Dry Stone Walling in Derbyshire.

Das Buch zum Artikel:
Andy Radford: A Guide to Dry Stone Walling. The Crowood Press 2001. 128 Seiten. ISBN 978-1861264442.

…und eine Mauer in North Yorkshire.
Photo © Christopher Hall (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Mai 2019 at 02:00  Comments (3)  
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Reetdachhäuser in Devon

Osmond Cottage in Coffinswell bei Newton Abbott.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

„Thatching is the craft of building a roof with dry vegetation such as straw, water reed, sedges, rushes, heather, or palm branches, layering the vegetation so as to shed water away from the inner roof“, so lautet die Definition der Reetdachdeckerei in der englischen Wikipedia. Häuser, deren Dächer auf diese Art gedeckt sind, gehören zum wesentlichen Bestandteil eines englischen Bilderbuchdorfes; am häufigsten findet man sie in der Grafschaft Devon und dort haben sich seit 1947 die Spezialisten für diese Art der Dachdeckerei, gemeinsam mit ihren Kollegen in Cornwall, in der Devon & Cornwall Master Thatchers Association zusammengefunden. Diese Organisation sorgt dafür, dass die Ausführung der Arbeiten durch ihre Mitgliedsfirmen auf höchstem Standard sind.

Jo Cox und John Thorpe haben ein Buch über das Thema verfasst, das „Devon Thatch“ heißt und 2001 im Verlag Devon Books erschienen ist.

Hier sind einige typische Beispiele für reetgedeckte Häuser in der Grafschaft Devon.

In Yeoford bei Crediton.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

King William Cottage in Yalberton bei Paignton.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Wrayland Manor bei Lustleigh.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

In Cockington bei Paignton.
Photo © PAUL FARMER (cc-by-sa/2.0)

Church Cottage in Buckland-in-the-Moor im Dartmoor.
Photo © Derek Harper (cc-by-sa/2.0)

Reetdachdecker bei der Arbeit, in Newton  Poppleford.
Photo © Richard Webb (cc-by-sa/2.0)

Ein Reetdachhaus brennt ab… in Sowton bei Exeter.
Photo © Lewis Clarke (cc-by-sa/2.0)

The Kinks und einige ihrer Songs mit typisch englischen Themen

Die britische Band The Kinks, 1964 von den Brüdern Ray und Dave Davies in London gegründet, zählte in den 1960er Jahren zu den erfolgreichsten Rockgruppen ihres Landes, die mit Songs wie „You Really Got Me“, „Tired of Waiting For You“ und „Sunny Afternoon“ bis auf Platz 1 der UK Charts gelangten.
Mit diesen Hits möchte ich mich in meinem heutigen Blogeintrag nicht beschäftigen, sondern mit einigen weniger bekannten Titeln, die sich mit typisch englischen Themen befassen.

Das Village Green in The Lee (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Was wäre ein Dorf in England ohne sein Village Green? Mal liegt es in der Mitte, mal am Rande, mal wird es für Dorffeste genutzt, manchmal für Cricketmatches oder, wie im Song der Kinks, als Ort, um seine Geliebte zu treffen und sie unter der alten Eiche zu küssen.. „I miss the village green, The church, the clock, the steeple“, heißt es wehmütig in dem Lied.

Das Village Green in Westlington (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Sollte es dem Village Green einmal an den Kragen gehen und dort vielleicht Häuser darauf gebaut werden, dann wird eine „Village Green Preservation Society“ ins Leben gerufen, die sich dagegen zur Wehr setzt. „Preserving the old ways from being abused“ singen die Kinks in diesem Song, in dem auch eine Draught Beer Preservation Society und ein Custard Pie Appreciation Consortium erwähnt wird. Sie alle stemmen sich gegen die Abschaffung von Dingen, die man auf gar keinen Fall missen möchte.

Eigenes Foto.

Der Afternoon Tea ist eine Institution in England, der für viele zum Tagesablauf einfach dazu gehört; sei es nur eine Tasse Tee oder die üppigere Version mit Scones usw. In Ray Davies‘ Song geht es um ein tägliches Treffen zum Nachmittagstee mit einem Mädchen namens Donna, die plötzlich nicht mehr zur gewohnten Zeit erscheint:
„They said that Donna walked away You’d think at least she might have stayed To drink her afternoon tea“. Obwohl dem verlassenen Liebhaber der Tee ohne Donna nicht mehr so recht schmeckt, nimmt er auch weiterhin regelmäßig seinen Afternoon Tea ein.

This work is released into the public domain.

Die Kinks nehmen in ihrem Song „Have a Cuppa Tea“ noch einmal das Thema „Tee“ auf und singen ein Loblied auf das Getränk. Tee ist gut für alle möglichen Wehwehchen, kennt keine Rassen- und Klassengrenzen, er schmeckt bei Regen und bei Sonnenschein: „For Christ sake have a cuppa tea.“

Cricket gilt als die britische Sportart schlechthin. Für die meisten, die nicht auf der Insel wohnen, sind die Regeln ein Buch mit sieben Siegeln. In dem Song bringen die Kinks diese Cricketregeln mit den 10 Geboten Gottes in Einklang und warnen vor dem Demon Bowler, der sich im Auftrag des Teufels in das Spiel (das Leben heißt) einmischt.

Published in: on 8. April 2019 at 02:00  Comments (2)  
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Public Footpaths – Öffentliche Wege, die manchmal ins Nirgendwo zu führen scheinen

Ein Public Footpath auf der Isle of Wight. Wo mag der wohl hinführen?
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

In England nimmt man es mit dem öffentlichen Wegerecht sehr genau. Immer wieder sieht man die Hinweisschilder „Public Footpath„, die das Recht garantieren, dass man darauf auch gehen darf; Reiten und Fahrradfahren ist darauf aber nicht gestattet. Kinderwagen, Hunde an der Leine und Rollstühle sind erlaubt.
Es gab immer mal wieder Auseinandersetzungen mit Grundstückseigentümern, an oder durch deren Besitz ein solcher Public Footpath führt und die damit nicht einverstanden waren. Am bekanntesten war sicher der Mass Trespass of Kinder Scout vom 24. April 1932 im Peak District, über den ich in meinem Blog einmal schrieb.

Einige dieser frei zugänglichen Wege, so sah ich es immer wieder, waren zwar in der Theorie frei zugänglich, nicht aber in der Praxis, denn die Hinweisschilder wiesen auf vollkommen zugewachsene, von Dornenbüschen blockierte Wege hin. Da frage ich mich, wer dann da bitteschön entlanglaufen soll. Menschen mit Gehproblemen haben es auf den Public Footpaths auch nicht ganz leicht, denn oft muss man noch die „stiles“ überwinden, Zauntritte, mit deren Hilfe zwar Menschen, nicht aber Vieh oder Wild über ein Hindernis klettern können. Konfrontiert wird man auf den öffentlichen Fußwegen manchmal auch mit den sogenannten Kissing Gates, die ebenfalls nur Zweibeiner, aber keine Vierbeiner hindurchlassen.

Hier sind einige Bilder von diesen manchmal recht abenteuerlichen Public Footpaths und den Hindernissen, auf die man trifft:

Lädt dieser Weg wirklich zum Wandern ein?
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Public Footpath in Essex.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Ein Stile in Dorney Wood (Buckinghamshire).
Photo © David Hawgood (cc-by-sa/2.0)

Ein Kissing Gate.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 3. April 2019 at 02:00  Comments (9)  
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Scarborough Skipping am Fastnachtsdienstag in der Stadt in Yorkshire

Die Foreshore Road in Scarborough bleibt am Faschingsdienstag für das Skipping geschlossen wie dieses Foto zeigt.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Am letzten Tag vor Beginn der Fastenzeit, dem in England Shrove Tuesday genannten Tag, werden in einigen Teilen des Landes Traditionen gepflegt wie u.a. Pfannkuchenrennen (s. dazu meinen Blogeintrag über das Olney Pancake Race) oder das Massenseilspringen. Letzeres wird seit mehr als hundert Jahren in Scarborough, der Küstenstadt im Osten Yorkshires, ausgeübt, wo sich Kinder und Erwachsene in der Forshore Road zusammenfinden, um sich dem Scarborough Skipping hinzugeben.

Der Bürgermeister läutet eine Glocke, die „pancake bell“, und der Town Crier ruft mit kräftiger Stimme zuerst zu den Pfannkuchenrennen auf, dann zu dem folgenden Seilspringen. Mehrere Personen hüpfen gleichzeitig über lange Seile, aber jeder kann auch eigene mitbringen und allein darüber springen. Woher der Brauch kommt, ist unklar, er kann möglicherweise mit den Fischern des Ortes zusammenhängen, die Seile und Netze verwendeten. Hier ist ein Film über das Scarborough Skipping.

Etwas Ähnliches findet am Karfreitag jeden Jahres in East Sussex statt, das „Long-Rope Skipping„, bis zum vorletzten Jahr in Alciston am Rose Cottage Inn, ab 2018 am Ram Inn im benachbarten Firle. Garniert wird das Skipping mit Tänzen und den Morris Dancers wir dieser Film zeigt.

Long-Rope Skipping vor dem Rose Cottage in Alciston (East Sussex) – Ein Foto aus den 1960er Jahren.
Photo © Peter Jeffery (cc-by-sa/2.0)

The Ram Inn in Firle (East Sussex), wo das Long-Rope Skipping jetzt ausgetragen wird.
Photo © Michael Garlick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. März 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Old Mother Hubbards Cottage in Yealmpton (Devon)

Mir tut es immer in der Seele weh, wenn ich in England wunderschöne alte Häuser sehe, in denen zum Beispiel ein amerikanischer Burgerladen oder ein asiatischer Takeaway untergebracht sind. In strohgedeckte Cottages oder andere geschichtsträchtige Häuser würde ich viel lieber einen englischen Tearoom oder so etwas Ähnliches sehen.

In Yealmpton in Devon, an der A379 gelegen, die von Plymouth nach Kingsbridge führt, steht an der Market Street (das ist die A379) ein richtig schönes uriges Haus, reetgedeckt, mit einem kleinen Hund auf dem Dach, das Old Mother Hubbards Cottage, und darin ist ein chinesischer Takeaway zu finden. Das gegenüberliegende Rose & Crown würde da viel besser hineinpassen.

In dem rund 400 Jahre alten Haus soll einmal eine Frau gewohnt haben, die als Vorbild für den Kinderreim „Old Mother Hubbard“ gedient hat. In diesem im Jahr 1805 publizierten Reim steht ein Hund im Mittelpunkt (daher der Hund auf dem Dach), für den Mother Hubbard alles Mögliche ins Haus bringt und der daraufhin jeweils unterschiedlich reagiert, Ein Beispiel:

„She went to the alehouse
To get him some beer;
When she came back
The dog sat in a chair“.

Der „nursery rhyme“ endet:

„This wonderful dog
Was Dame Hubbard’s delight,
He could read, he could dance,
He could sing, he could write;
She gave him rich dainties
Whenever he fed,
And erected this monument
When he was dead.“

Der Reim soll aus der Feder von Sarah Catherine Martin (1768-1826) stammen, die ihn schrieb, während sie sich im Haus ihrer Schwester (Kitley House, heute ein Country House Hotel) in Yealmpton aufhielt, die später den Parlamentsabgeordneten mit dem schönen Namen John Pollexfen Bastard heiratete. Es gibt auch noch eine andere Version wie Mrs Martin auf die Idee mit dem Kinderreim kam, und zwar soll sie von der Haushälterin ihrer Schwester inspiriert worden sein, die in dem Cottage an der Market Street wohnte.

Was auch immer stimmen mag oder auch nicht, der Reim ist nett zu lesen und das Old Mother Hubbards Cottage in Yealmpton ist sehr schön anzusehen…wenn nur nicht dieser chinesische Imbiss darin wäre.

Hier ist der Kinderreim in voller Länge im Film zu sehen.

Kitley House in Yealmpton, wo „Old Mother Hubbard“ geschrieben wurde.
Photo © Darrin Antrobus (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 5. Februar 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Der Beverley Town Trail – Auf den Spuren des mittelalterlichen Handwerks im Osten Yorkshires

Das Handwerk der „jerkin makers“, das waren die Hersteller von Wämsen, den Vorläufern der heutigen Westen.
Photo © Keith Edkins (cc-by-sa/2.0)

Beverley ist eine Stadt im Osten Yorkshires, zu Füßen des großartigen Münsters. Im Mittelalter war Beverley eine wohlhabende Stadt, in der das Handwerk eine große Rolle spielte. Mit dem Beverley Town Trail, der sich durch die ganze Stadt zieht, kann der Besucher sich ein Bild machen von den zahlreichen Berufsgruppen und Gilden, die hier zu finden waren. Hunderte von Schulkindern waren an dem Projekt beteiligt, deren Vorschläge und Ideen auf dem Trail umgesetzt wurden, in Form von größeren und kleineren Skulpturen, die an die einzelnen Handwerke erinnern. 39 Kunstwerke sind auf diese Weise entstanden, von denen ich hier einige vorstellen möchte.

Der „cooper“, der Küfer bzw. Fassmacher.
Photo © Bernard Sharp (cc-by-sa/2.0)

Der „wildfowler“, der Wildvogeljäger (Greylag ist die Graugans).
Photo © Bernard Sharp (cc-by-sa/2.0)

Der „saddler“, der Sattelmacher.
Photo © Bernard Sharp (cc-by-sa/2.0)

Der „hatter“, der Hutmacher.
Photo © Bernard Sharp (cc-by-sa/2.0)

Der „butcher“, der Schlachter.
Photo © Bernard Sharp (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 22. Januar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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„There’ll Always Be An England“ – Ein patriotisches Lied von Ross Parker und Hugh Charles

Ein „country lane“ wie im Lied besungen, hier in Warwickshire.
Photo © David P Howard (cc-by-sa/2.0)

Die offizielle Nationalhymne“ des Vereinigten Königreichs, ist, wie wohl jeder weiß, „God Save the Queen„. Darüber hinaus gibt es aber noch einige Lieder, die als Nationalhymne 2. Grades gehandelt und mit gleicher Inbrunst gesungen werden, man denke an „Rule Britannia“ (s.mein Blogeintrag) oder „Land of Hope and Glory“ (s. mein Blogeintrag ).

In seinem Buch „England – 1000 things you need to know“ führt Nicholas Hobbes gleich neun National Anthems auf.

Eine davon, „There’ll always be an England„, ist ein patriotisches Lied, das 1939 von Ross Parker (Melodie) und Hugh Charles (Text) geschrieben wurde.
Zum ersten Mal war das Lied in dem Film „Discoveries“ zu hören, der 1939 in die britischen Kinos kam und von Glyn Davis gesungen wurde. Als sich aber Vera Lynn nach Ausbruch des 2. Weltkrieges des Liedes annahm, wurde es zu einem großen Erfolg. Später sangen es noch viele andere, u.a. Tiny Tim und die Sex Pistols, aber das waren dann wieder ganz andere Formen der Interpretation.
Hier ist die Version von Vera Lynn. Der Text des Liedes:

There’ll always be an England
While there’s a country lane,
Wherever there’s a cottage small
Beside a field of grain.
There’ll always be an England
While there’s a busy street,
Wherever there’s a turning wheel,
A million marching feet.

Red, white and blue; what does it mean to you?
Surely you’re proud, shout it aloud,
„Britons, awake!“
The empire too, we can depend on you.
Freedom remains. These are the chains
Nothing can break.

There’ll always be an England,
And England shall be free
If England means as much to you
As England means to me.

…und ein „cottage small“ wie hier in Norfolk.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)

…und ein „field of grain“ vor dem Leeds Castle in Kent.
Photo © nick macneill (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. Januar 2019 at 02:00  Comments (2)  

Der Idle Working Men’s Club in Bradford (West Yorkshire) – Der begehrteste Club dieser Art in England

 

Author: John Yeadon
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 3.0 Unported license.

 

Working Men’s Clubs entstanden in den Industriegebieten Englands im 19. Jahrhundert mit dem Ziel, der Arbeiterklasse Erholung, Entspannung und Bildung zu vermitteln.
In der kleinen Stadt Idle, einem Vorort von Bradford (West Yorkshire), gibt es auch einen, der sich Idle Working Men’s Club nennt. Das ist doppeldeutig, denn „idle“ bedeutet auch so viel wie faul oder träge.
Klar, dass man von dieser Doppeldeutigkeit auch Gebrauch machte und das Logo des Clubs entsprechend gestaltete (es zeigt einen auf eine Schaufel gelehnten Arbeiter).

Das Besondere an diesem 1928 gegründeten Arbeiterclub ist aber, dass er auf Grund der hohen Nachfrage aus dem In- und Ausland Ehrenmitgliedschaften vergeben hat und zwar an Personen, die man normalerweise nicht in so einem Club anzutreffen vermutet, z.B. ehemals „James Bond“ Roger Moore, Mohammed Al Fayed, Paul Gascoigne oder Uri Geller, ja sogar Michael Jackson war zu seinen Lebzeiten Ehrenmitglied (er bekam die Mitgliedschaft von Uri Geller zu seiner Hochzeit geschenkt).

In Zeiten, in denen die Zahl der Working Men’s Clubs rapide gesunken ist, kann sich der West Yorkshire-Club nicht beklagen: Er blüht und gedeiht. Hier sind Stimmungsbilder aus dem IWMC.

Idle Working Men’s Club
23 High Street
Idle
Bradford
West Yorkshire BD10 8NB

Published in: on 5. Januar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Toddington (Bedfordshire) – Eine pfannkuchenbackende Hexe und lauschende Kinder

Copyright: Calendar Customs. With friendly permission.

Üblicherweise wurden schon immer am Fastnachtsdienstag (Shrove Tuesday) in England, ein Tag bevor die Fastenzeit (Lent) beginnt, Pfannkuchen gebacken, einfach um noch vorhandene Reste zu verwerten wie Eier, Butter usw., bevor die Zeit des Darbens beginnt.

In manchen Orten wurde zur Mittagszeit eine Glocke geläutet, die Pancake Bell, um die Hausfrauen daran zu erinnern, mit dem Backen der Pfannkuchen loszulegen. Das geschah auch in dem Dorf Toddington in der Grafschaft Bedfordshire, wo die betreffende Glocke in der St George’s Church hängt. Ein nur in diesem Dorf ausgeübter Brauch war, und ist es mittlerweile wieder, dass beim Schlagen der Glocke, Schulkinder zum Conger Hill laufen, sich dort oben hinfallen lassen und ihre Ohren auf den Boden pressen. Warum? Bei genauem Hinhören vernehmen die Kinder ein brutzelndes Geräusch aus dem Hügelinneren, das ist nämlich eine ortsansässige Hexe, die dort wohnt und die sich auch, wie alle anderen in Toddington, ihre Pfannkuchen zubereitet.

Nachdem dieser nette Brauch für einige Zeit nicht mehr ausgeübt worden war, belebten ihn die Mitglieder der Toddington Old Boys Association wieder. Heute ist es so, dass am Shrove Tuesday beim Erklingen der Pfannkuchenglocke die Viertklässler der Toddington St George Church of England School an der Manor Road sich auf den Weg zum Conger Hill machen, um dort, auf dem Boden liegend, der Hexe beim Pfannkuchenzubereiten zu lauschen.

Dieser Film aus dem Jahr 1964 zeigt die Kinder aus Toddington bei der Ausübung des liebenswerten Rituals.

Im vorigen Jahr schrieb ich in meinem Blog schon einmal über das Dorf in Bedfordshire, über den „haunted pub“, The Bell.

Siehe auch meinen Artikel über das Olney Pancake Race.

Die St George’s Church.
Photo © Malc McDonald (cc-by-sa/2.0)

Die Toddington St George Church of England School.
Photo © David Purchase (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 10. November 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Village Store – Eine vom Aussterben bedrohte Institution

Der Bradford Abbas Village Store in Dorset.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Tesco, Morrisons, Aldi, Lidl und wie die ganzen riesigen Supermarktketten auch heißen mögen, sie alle haben dazu beigetragen, dass eine englische Dorfinstitution, der Village Store, vom Aussterben bedroht ist. Wie auch viele Dorfpubs kämpfen sie seit Jahren ums Überleben; gegen das Angebot der Supermärkte haben sie keine Chance. Ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, mögen sie noch aufsuchen, doch diese Klientel reicht nicht aus, um einen Gewinn zu machen, der fürs Überleben reicht. In manchen Dörfern hat man sich gegen diesen Niedergang angestemmt und die Dorfläden mit freiwilligen Helfern ausgestattet, die ihre Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung stellen, was manchmal zu funktionieren scheint.

Als wir einmal in Welford-on-Avon (Warwickshire) wohnten, suchten wir hin und wieder den Dorfladen in der High Street auf, The Maypole Store, der über ein gar nicht so schlechtes Angebot verfügte (ein paar Kilometer weiter lockte allerdings in Stratford-upon-Avon ein 24 Stunden geöffneter Tesco-Superstore auch viele Kunden aus Welford an). Dieser Laden wurde Anfang diesen Jahres von mehreren vermummten Männern überfallen, was der mutige Ladeninhaber zu verhindern versuchte wie dieser Film zeigt.

Wie es in einem typischen englischen Dorfladen aussieht, zeigt dieser Film am Beispiel von Clapham in North Yorkshire.

Ich habe hier einmal einige Bilder von Village Stores zusammengestellt. Mögen sie zusammen mit ihren Geschwistern, den Dorfpubs, noch lange erhalten bleiben!

Der Dorfladen in Tilson (Cheshire).
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Village Store und Post Office in Shardlow in Derbyshire.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Der Dorfladen von Buckden in North Yorkshire.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Hier in Berkswell (West Midlands) bietet der Village Store auch einen Tea Room an, davor die Stocks.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 13. September 2018 at 02:00  Comments (3)  

The Village Fête – Das Dorffest

Dorffest in Longdon (Worcestershire) mit Mini-Kegelbahn und Hüpfburg.
Photo © Bob Embleton (cc-by-sa/2.0)

Aufmerksame Zuschauer der „Inspector Barnaby„-TV-Krimiserie haben sicher gemerkt, dass das Dorffest, The Village Fête, in mehreren Episoden eine wichtige Rolle gespielt hat, leider mit oft tragischen Folgen. Für viele Dörfer ist ihr jährlich stattfindendes Fest ein großes Ereignis für Jung und Alt. Oft wird es auf dem Dorfanger, dem Village Green, veranstaltet, und ein Komitee hat wochenlang darauf hingearbeitet, dass auch wirklich alles klappt. An den Ortseingängen werden Schilder aufgestellt bzw. Banner angebracht, die auf das Datum des Festes hinweisen.
Das Unterhaltungsangebot auf den jeweiligen Dorffesten unterscheidet sich meist nicht besonders. Die Hüpfburgen sind bei kleineren Kindern immer wieder beliebt, eine Tombola darf auf keinen Fall fehlen, Hundeshows finden immer wieder ihre Zuschauer, wobei die Vierbeiner in mehreren Kategorien beurteilt werden, und bei einem Spiel namens Coconut Shy, bei dem mittels Holzkugeln oder anderer Geschosse Kokosnüsse von einem Podest gestoßen werden müssen, finden sich überwiegend die männlichen Besucher des Festes ein.

Dann gibt es viele Buden und Stände, die selbstgemachte Konfitüren und Kuchen anbieten, und beim White Elephant Sale versucht man, nicht mehr benötigte Gegenstände an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.

Wie es bei dem Dorffest von Lightwater in Surrey zugeht, zeigt dieser Film. Auch Mr. Bean hat einmal eines dieser Feste besucht.

Coconut Shy in Gee Cross (Greater Manchester).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Im Kuchenzelt des Dorffestes von Sedlescombe (East Sussex).
Photo © Patrick Roper (cc-by-sa/2.0)

Great Wymondley Village Fête in Hertfordshire.
Photo © Jeff Tomlinson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. August 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die National Piers Society – Hüterin einer britischen Tradition

Der Southsea South Parade Pier, der den Pier of the Year Award 2018 erhielt.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Zu einem richtigen englischen Seebad gehört auch ein Pier, also eine Seebrücke, möglichst mit einem Showtheater auf dem Brückenkopf, einer Fish & Chips-Bude und Vergnügungsständen.
Leider gibt es davon nicht mehr besonders viele. Einige sind abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden, einige fielen Stürmen zum Opfer. Von einst etwa 100 Piers sind nur noch die Hälfte übrig geblieben, von denen einige eine unsichere Zukunft vor sich haben.

Die, die es aber noch gibt, werden aber sehr geliebt und gepflegt, z.B. von der National Piers Society, die 1979 von Sir John Betjeman gegründet wurde. Sie setzt sich für den Erhalt der Piers ein und macht Lobbyarbeit. Die Gesellschaft gibt den „Guide to British Piers“ heraus und veröffentlicht viermal im Jahr ein eigenes Magazin names „PIERS“.

Seit 1996 wird jährlich der „Pier of the Year“-Preis vergeben, den als erster der Eastbourne-Pier in East Sussex erhielt. Aktueller Preisträger für das Jahr 2018 ist der Southsea South Parade Pier in Hampshire.

Brightons Palace Pier gehört sicher zu den bekanntesten und schönsten Piers Englands. Der dabenliegende West Pier ist leider 2003 fast komplett abgebrannt; es stehen nur noch einige Reste im Meer. Es gibt aber immer wieder Bestrebungen, den West Pier zu seiner alten Größe erneut aufzubauen.

Hoffentlich gelingt es der NPS auch weiterhin, den Verfall dieser typisch britischen Einrichtung zu verhindern, denn ob man nun das Angebot auf den Piers mag oder nicht, schön sehen diese Seebrücken doch aus.

Hier ist ein Film mit Anthony Wills von der National Piers Society.

Das Buch zum Artikel:
Anthony Wills & Tom Phillips: British Seaside Piers. Historic England 2014. 304 Seiten. ISBN  978-1848022645.

Der erste Preisträger des Pier of the Year Awards: Der Eastbourne Pier. Hier ein aktuelles Bild nach dem großen Feuer von 2014, das Teile der Seebrücke zerstörte.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Der Brighton Palace Pier.
Photo © Richard Cooke (cc-by-sa/2.0)

Der West Pier in Brighton.
Eigenes Foto.

Published in: on 31. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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The Lincolnshire Poacher – Die inoffizielle Hymne von Lincolnshire

Plakette am Lincoln Castle.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Das alte Volkslied „The Lincolnshire Poacher„, also der Wilderer aus Lincolnshire, ist ein Ohrwurm, der, einmal gehört, immer im Gedächtnis bleibt. Die erste gedruckte Version des Liedes stammt aus dem Jahr 1775  und es wird als die inoffzielle „county anthem“ von Lincolnshire betrachtet. Der „Wilderer“ ist auch das Regimentslied des 2. Bataillons des Royal Anglian Regiments.

BBC Radio Lincolnshire benutzte viele Jahre lang einige Takte aus dem Lied als Jingle vor dem Beginn der Nachrichtensendungen. Es gibt einige Pubs, die sich des Namens bedienen und ein Magazin namens „The Lincolnshire Poacher„, das vierteljährlich in Lincoln erscheint. Ja, es gibt sogar eine Käsesorte mit dem Namen, der in Alford hergestellt wird.

Die Eisenbahnlinie von Grantham nach Skegness in Lincolnshire wird auch The Poacher Line genannt.

Hier ist eine Version des Liedes, das von Chris Sarjeant vorgetragen wird.

The Kinks haben der Grafschaft Lincolnshire (und ihrer hübschen Mädchen) mit „Lincoln County“ ebenfalls ein Denkmal gesetzt.

Pub in Metheringham (Lincolnshire)
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The Muker Silver Band – Eine Blaskapelle aus North Yorkshire

Muker in North Yorkshire.
Photo © Dennis Turner (cc-by-sa/2.0)

Seit Beginn der Industriellen Revolution bildeten sich in den Bergwerksorten Yorkshires Blaskapellen, eine Freizeitbeschäftigung, die von der schweren Arbeit unter Tage ein Gegengewicht darstellte bzw. zur Unterhaltung der Bergleute und der Dorfbewohner diente. Eine der ersten war die Stalybridge Old Band, die im Jahr 1809 gegründet wurde und die es noch immer gibt; eine der bekanntesten war die Grimethorpe Colliery Band, deren Geschichte in dem Film „Brassed Off“ (1996) wiedergegeben wurde (s. hierzu meinen Blogeintrag).

Auch das kleine Dorf Muker im Swaledale in North Yorkshire, in dem vor langer Zeit Blei abgebaut wurde, unterhält noch eine eigene Blaskapelle, die Muker Silver Band, eine der letzten in dieser Region. Am 22. Juni 1897 trat die Muker Subscription Brass Band, wie sie damals hieß, erstmals auf; Anlass war Queen Victorias Diamond Jubilee. Die Kapelle, die überwiegend aus jungen Männern bestand, die sich das Spielen ihrer Instrumente selbst beigebracht hatten, trat hier und da bei Festen in der näheren Umgebung von Muker auf. Doch in den letzten 50 Jahren ist die Muker Silver Band deutlich ambitionierter geworden, ihre Mitglieder kommen nicht mehr nur aus dem Dorf, sondern aus einem weiteren Umkreis, über ein Drittel sind mittlerweile Frauen und das Repertoire hat sich auch verändert, hin zu anspruchsvollerer Musik.

Die Brass Band hat einige CDs aufgenommen und hat sogar Auftritte außerhalb Englands absolviert, u.a. auch entlang des Rheins in Deutschland. Der Dirigent Duncan Bythell, der seit 1985 dabei ist, hat ein Buch über die Muker Silver Band geschrieben, das den Titel „Banding In The Dales“ trägt und aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Blaskapelle 1997 veröffentlicht wurde.

In diesem Jahr sind mehrere Auftritte geplant, alle in Yorkshire, die meisten davon in Muker selbst. Hier ist die Silver Band in Muker zu hören und zu sehen.

Der Mittelpunkt von Muker: The Farmers Arms.
Photo © John Darch (cc-by-sa/2.0)