The Village Fête – Das Dorffest

Dorffest in Longdon (Worcestershire) mit Mini-Kegelbahn und Hüpfburg.
Photo © Bob Embleton (cc-by-sa/2.0)

Aufmerksame Zuschauer der „Inspector Barnaby„-TV-Krimiserie haben sicher gemerkt, dass das Dorffest, The Village Fête, in mehreren Episoden eine wichtige Rolle gespielt hat, leider mit oft tragischen Folgen. Für viele Dörfer ist ihr jährlich stattfindendes Fest ein großes Ereignis für Jung und Alt. Oft wird es auf dem Dorfanger, dem Village Green, veranstaltet, und ein Komitee hat wochenlang darauf hingearbeitet, dass auch wirklich alles klappt. An den Ortseingängen werden Schilder aufgestellt bzw. Banner angebracht, die auf das Datum des Festes hinweisen.
Das Unterhaltungsangebot auf den jeweiligen Dorffesten unterscheidet sich meist nicht besonders. Die Hüpfburgen sind bei kleineren Kindern immer wieder beliebt, eine Tombola darf auf keinen Fall fehlen, Hundeshows finden immer wieder ihre Zuschauer, wobei die Vierbeiner in mehreren Kategorien beurteilt werden, und bei einem Spiel namens Coconut Shy, bei dem mittels Holzkugeln oder anderer Geschosse Kokosnüsse von einem Podest gestoßen werden müssen, finden sich überwiegend die männlichen Besucher des Festes ein.

Dann gibt es viele Buden und Stände, die selbstgemachte Konfitüren und Kuchen anbieten, und beim White Elephant Sale versucht man, nicht mehr benötigte Gegenstände an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.

Wie es bei dem Dorffest von Lightwater in Surrey zugeht, zeigt dieser Film. Auch Mr. Bean hat einmal eines dieser Feste besucht.

Coconut Shy in Gee Cross (Greater Manchester).
Photo © Gerald England (cc-by-sa/2.0)

Im Kuchenzelt des Dorffestes von Sedlescombe (East Sussex).
Photo © Patrick Roper (cc-by-sa/2.0)

Great Wymondley Village Fête in Hertfordshire.
Photo © Jeff Tomlinson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. August 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die National Piers Society – Hüterin einer britischen Tradition

Der Southsea South Parade Pier, der den Pier of the Year Award 2018 erhielt.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Zu einem richtigen englischen Seebad gehört auch ein Pier, also eine Seebrücke, möglichst mit einem Showtheater auf dem Brückenkopf, einer Fish & Chips-Bude und Vergnügungsständen.
Leider gibt es davon nicht mehr besonders viele. Einige sind abgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden, einige fielen Stürmen zum Opfer. Von einst etwa 100 Piers sind nur noch die Hälfte übrig geblieben, von denen einige eine unsichere Zukunft vor sich haben.

Die, die es aber noch gibt, werden aber sehr geliebt und gepflegt, z.B. von der National Piers Society, die 1979 von Sir John Betjeman gegründet wurde. Sie setzt sich für den Erhalt der Piers ein und macht Lobbyarbeit. Die Gesellschaft gibt den „Guide to British Piers“ heraus und veröffentlicht viermal im Jahr ein eigenes Magazin names „PIERS“.

Seit 1996 wird jährlich der „Pier of the Year“-Preis vergeben, den als erster der Eastbourne-Pier in East Sussex erhielt. Aktueller Preisträger für das Jahr 2018 ist der Southsea South Parade Pier in Hampshire.

Brightons Palace Pier gehört sicher zu den bekanntesten und schönsten Piers Englands. Der dabenliegende West Pier ist leider 2003 fast komplett abgebrannt; es stehen nur noch einige Reste im Meer. Es gibt aber immer wieder Bestrebungen, den West Pier zu seiner alten Größe erneut aufzubauen.

Hoffentlich gelingt es der NPS auch weiterhin, den Verfall dieser typisch britischen Einrichtung zu verhindern, denn ob man nun das Angebot auf den Piers mag oder nicht, schön sehen diese Seebrücken doch aus.

Hier ist ein Film mit Anthony Wills von der National Piers Society.

Das Buch zum Artikel:
Anthony Wills & Tom Phillips: British Seaside Piers. Historic England 2014. 304 Seiten. ISBN  978-1848022645.

Der erste Preisträger des Pier of the Year Awards: Der Eastbourne Pier. Hier ein aktuelles Bild nach dem großen Feuer von 2014, das Teile der Seebrücke zerstörte.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Der Brighton Palace Pier.
Photo © Richard Cooke (cc-by-sa/2.0)

Der West Pier in Brighton.
Eigenes Foto.

Published in: on 31. Juli 2018 at 02:00  Comments (2)  
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The Lincolnshire Poacher – Die inoffizielle Hymne von Lincolnshire

Plakette am Lincoln Castle.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Das alte Volkslied „The Lincolnshire Poacher„, also der Wilderer aus Lincolnshire, ist ein Ohrwurm, der, einmal gehört, immer im Gedächtnis bleibt. Die erste gedruckte Version des Liedes stammt aus dem Jahr 1775  und es wird als die inoffzielle „county anthem“ von Lincolnshire betrachtet. Der „Wilderer“ ist auch das Regimentslied des 2. Bataillons des Royal Anglian Regiments.

BBC Radio Lincolnshire benutzte viele Jahre lang einige Takte aus dem Lied als Jingle vor dem Beginn der Nachrichtensendungen. Es gibt einige Pubs, die sich des Namens bedienen und ein Magazin namens „The Lincolnshire Poacher„, das vierteljährlich in Lincoln erscheint. Ja, es gibt sogar eine Käsesorte mit dem Namen, der in Alford hergestellt wird.

Die Eisenbahnlinie von Grantham nach Skegness in Lincolnshire wird auch The Poacher Line genannt.

Hier ist eine Version des Liedes, das von Chris Sarjeant vorgetragen wird.

The Kinks haben der Grafschaft Lincolnshire (und ihrer hübschen Mädchen) mit „Lincoln County“ ebenfalls ein Denkmal gesetzt.

Pub in Metheringham (Lincolnshire)
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Muker Silver Band – Eine Blaskapelle aus North Yorkshire

Muker in North Yorkshire.
Photo © Dennis Turner (cc-by-sa/2.0)

Seit Beginn der Industriellen Revolution bildeten sich in den Bergwerksorten Yorkshires Blaskapellen, eine Freizeitbeschäftigung, die von der schweren Arbeit unter Tage ein Gegengewicht darstellte bzw. zur Unterhaltung der Bergleute und der Dorfbewohner diente. Eine der ersten war die Stalybridge Old Band, die im Jahr 1809 gegründet wurde und die es noch immer gibt; eine der bekanntesten war die Grimethorpe Colliery Band, deren Geschichte in dem Film „Brassed Off“ (1996) wiedergegeben wurde (s. hierzu meinen Blogeintrag).

Auch das kleine Dorf Muker im Swaledale in North Yorkshire, in dem vor langer Zeit Blei abgebaut wurde, unterhält noch eine eigene Blaskapelle, die Muker Silver Band, eine der letzten in dieser Region. Am 22. Juni 1897 trat die Muker Subscription Brass Band, wie sie damals hieß, erstmals auf; Anlass war Queen Victorias Diamond Jubilee. Die Kapelle, die überwiegend aus jungen Männern bestand, die sich das Spielen ihrer Instrumente selbst beigebracht hatten, trat hier und da bei Festen in der näheren Umgebung von Muker auf. Doch in den letzten 50 Jahren ist die Muker Silver Band deutlich ambitionierter geworden, ihre Mitglieder kommen nicht mehr nur aus dem Dorf, sondern aus einem weiteren Umkreis, über ein Drittel sind mittlerweile Frauen und das Repertoire hat sich auch verändert, hin zu anspruchsvollerer Musik.

Die Brass Band hat einige CDs aufgenommen und hat sogar Auftritte außerhalb Englands absolviert, u.a. auch entlang des Rheins in Deutschland. Der Dirigent Duncan Bythell, der seit 1985 dabei ist, hat ein Buch über die Muker Silver Band geschrieben, das den Titel „Banding In The Dales“ trägt und aus Anlass des hundertjährigen Bestehens der Blaskapelle 1997 veröffentlicht wurde.

In diesem Jahr sind mehrere Auftritte geplant, alle in Yorkshire, die meisten davon in Muker selbst. Hier ist die Silver Band in Muker zu hören und zu sehen.

Der Mittelpunkt von Muker: The Farmers Arms.
Photo © John Darch (cc-by-sa/2.0)

The Green Man – Eine mysteriöse Figur, der man überall in England begegnet

The Green Man Pub in Grantchester (Cambridgeshire).
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

„Als Grüner Mann werden bestimmte architektonische Zierelemente an sakralen und profanen Gebäuden des Mittelalters und der frühen Neuzeit bezeichnet. Dargestellt wird zumeist ein männlicher Kopf, dessen Haupt- und Barthaare die Gestalt von Blättern haben, die auch aus dessen Mund hervorwachsen“, so die Darstellungsweise der Wikipedia über die mystische Figur, der man in England sehr häufig begegnet. Aufmerksame Kirchenbesucher werden mit dem Green Man zum Beispiel in der Kathedrale von Exeter (Devon) mehr als 60mal konfrontiert, auch im York Minster und im Beverly Minster, beide in Yorkshire, findet man jede Menge grüne Männer.

The Green Man ist ein beliebter Pubname, dem man überall im Land begegnet, es gibt ein Buch von Kingsley Amis mit dem Titel „The Green Man“ (dt. „Der grüne Mann“), das ich mit Vergnügen gelesen habe und das in einem Pub mit diesem Namen in dem fiktiven Ort Fareham in  Hertfordshire spielt.
Episode 29 der „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“-TV-Serie heißt „The Green Man“ (dt. „Blut ist dicker…“); darin wird ein im Wald hausender Sonderling des Mordes an einem Teenager verdächtigt.

Die Rockgruppe Jethro Tull hat einen Song mit dem Titel „Jack in the Green“ aufgenommen, XTC nennt einen ihrer Songs „Greenman„.

Im Spirit of the Green Man Studio in Tintern (Monmouthshire) kann man unzählige „Devotionalien“ mit dem Grünen Mann kaufen.

Es gibt den Green Man Day in Barnstaple in Devon und das Green Man Festival in Clun in Shropshire.

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen, doch ich möchte jetzt lieber Bilder sprechen lassen.

In der All Saints‘ Church in Evesham (Worcestershire).
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Im York Minster in North Yorkshire.
Photo © Bob Embleton (cc-by-sa/2.0)

Ein Weg bei Kirstead Green in Norfolk.
Photo © Adrian Cable (cc-by-sa/2.0)

Auf dem Gelände des Muncaster Castles in Cumbria.
Photo © Peter Trimming (cc-by-sa/2.0)

Ein kunstvoll geschnittener Grüner Mann in Ashmansworth (Hampshire).
Photo © Chris Talbot (cc-by-sa/2.0)

Green Man Day in Barnstaple (Devon).
Photo © Roger A Smith (cc-by-sa/2.0)

Das Green Man Festival in Clun (Shropshire).
Photo © William Pugh (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Juni 2018 at 02:00  Comments (1)  
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Der Helston Flora Day – Eine der ältesten Traditionen in Cornwall

Am 8. Mai diesen Jahres war es wieder soweit: In der cornischen Kleinstadt Helston, an der A394 an der Zufahrt zur Lizard Peninsula gelegen, wurde zum x-ten Mal der Flora Day gefeiert, eine der ältesten Traditionen in Cornwall und in ganz England, die auf den Erzengel Michael zurückgeführt wird, der am 8. Mai 495 auf dem Monte Gargano in Süditalien vier Mal erschien.

An diesem Tag ist Tanzen angesagt in Helston, denn mehrere Male wird hier zum Furry Dance aufgerufen. Durch die geschmückten Straßen ziehen Tänzerinnen und Tänzer, musikalisch begleitet von der Blaskapelle The Helston Town Band, die immer wieder den Flora Dance intoniert.

Um 7 Uhr morgens begeben sich an die achtzig Paare zum Morning Dance auf die Straße, dem Anlass entsprechend chic gekleidet, und geben sich der Tanzeslust hin.

Direkt danach findet der Hal-an-Tow Pageant statt, ein Umzug bei dem die wild verkleideten Teilnehmer immer wieder die Geschichte vom Heiligen Georg und seinem Kampf gegen den Drachen und die vom Heiligen Michael und seinem Kampf gegen den Teufel aufführen.

Als nächstes sind die Kinder von Helston an der Reihe, alle in Weiß gekleidet, die Jungen tragen ihre Schulkrawatte, die Mädchen haben Blumen in den Haaren, deren Farbe von der jeweiligen Schulzugehörigkeit abhängt. An die 1000 Kinder nehmen an dem Children’s Dance teil.

Der Midday Dance ist der Höhepunkt des Helston Flora Day, dann starten eigens dafür eingeladene Damen und Herren an der Guildhall zu ihrer Tanzveranstaltung. Die Herren tragen Zylinder und Morning Coats, die Damen lange Kleider und Hüte.

Der Evening Dance schließlich beginnt um 17 Uhr, ebenfalls von der Guildhall aus, und da geht es lockerer zu: Die Damen haben ihre Sommerkleider ausgepackt und die Herren tragen Oberhemd mit Krawatte.

Und immer wieder spielt die Helston Town Band den Flora Dance, der den Zuschauern und den mitwirkenden Tänzern wohl tagelang nicht mehr aus dem Kopf gehen wird.

Der Hal-an-Tow Pageant.
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Die Guildhall von Helston.
Photo © Derek Voller (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Beating the Bounds – Ein alter Brauch, der noch heute ausgeübt wird

Beating the Bounds in Cambridge.
Photo © Tiger (cc-by-sa/2.0)

In einigen dörflichen aber auch städtischen Kirchengemeinden wird auch heute noch ein uralter Brauch ausgeübt, der sich „Beating the Bounds“ nennt und in etwa mit „Schlagen der Grenzsteine“ übersetzt werden kann. Da zieht ein Priester mit einer Gruppe von Gemeindemitgliedern und Kindern durch die Kirchengemeinde, alle mit Stöcken „bewaffnet“, die alle Grenzsteine bzw. Grenzmarkierungen aufsuchen, die dann mit den Stöcken „geschlagen“ werden.
Wozu soll das gut sein? Dieser Brauch sollte ursprünglich dazu dienen, dem kirchlichen Nachwuchs (es waren häufig Chorknaben) zu zeigen, wo sich genau die Grenzen der Gemeinde befinden, und damit die sich das auch gut einprägten, wurden sie an den Grenzsteinen manchmal auch mit den Stöcken geschlagen oder mit dem Kopf dagegen gestoßen. Diese brutale Form der Gedächtnisaufbesserung findet sich glücklicherweise heute nicht mehr.

Benedict le Vay beschreibt in seinem Buch „Eccentric Oxford“ wie Beating the Bounds in der Gemeinde St Michael in Oxford abläuft. Da zieht am Himmelfahrtstag der Vikar mit seiner Gemeinde drei Stunden lang durch die Gegend, um die 30 Grenzsteine aufzusuchen, die dann mit den Worten „Mark! Mark! Mark!“ geschlagen werden. Das kann dann zu so kuriosen Situationen führen, dass die Gruppe mitten durch die Damenunterwäscheabteilung von Marks & Spencer zieht und dort den Fußboden mit ihren Stöcken bearbeitet oder dass die Außenwand einer Filiale der Drogeriekette Boots the Chemist geschlagen wird.

Jede Kirchengemeinde, die Beating the Bounds heute noch praktiziert, hat seine Besonderheiten. Je nach Größe kann das Ganze sogar mehrere Tage dauern. In ländlichen Regionen wie z.B. dem Dartmoor wird bei dieser Prozession auch gleich geprüft, ob die Inschrift der Grenzsteine noch leserlich ist.
Mögen diese alten Traditionen noch möglichst lange beibehalten werden!

Dieser Film zeigt wie Beating the Bounds in der Kirchengemeinde von St Michael in Oxford abläuft.

Ein Boundary Stone bei Greystone in Lancashire.
Photo © Dr Neil Clifton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. April 2018 at 02:00  Comments (1)  
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The Biddenden Dole – Eine Ostertradition in Kent

Das Dorfschild von Biddenden (Kent) mit Eliza und Mary Chulkhurst.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Viele Besucher der Sissinghurst Gardens in Kent, die sich dem beliebten Touristenziel von Osten her nähern, sind schon einmal durch den hübschen Ort Biddenden an der A262 gefahren (über die Biddenden Vineyards habe ich vor einigen Jahren in meinem Blog schon geschrieben). Dort, wo die North Street auf die High Street trifft, ist das ungewöhnliche Dorfschild aufgestellt, das zwei siamesische Zwillinge zeigt, Eliza und Mary Chulkhurst, die Biddenden Maids. Die beiden im Jahr 1100 geborenen Mädchen waren an den Schultern und an den Hüften miteinander verbunden und lebten 34 Jahre; sie starben im Abstand von sechs Stunden. Ihre Besitztümer hinterließen die beiden der Kirchengemeinde, mit dem Auftrag, den Ertrag an die Armen des Ortes zu verteilen. Eliza und Mary sind so etwas wie ein Wahrzeichen von Biddenden geworden.

An jedem Ostermontag wird hier eine Tradition gepflegt, bei der die Zwillinge auch eine Rolle spielen. Ab 10 Uhr vormittags können sich die Armen und Bedürftigen des Dorfes die sogenannte Biddenden Dole im Old Workhouse abholen. In diesem an der Ecke Sissinghurst Road/Chulkhurst Road stehenden Haus öffnet sich ein Fenster, aus dem Tüten mit Brot und Käse ausgegeben werden. Wer möchte, kann  auch einen aus Mehl und Wasser hergestellten Biddenden Biscuit erwerben, das ist ein steinharter Keks, den man besser nicht versuchen sollte zu essen, und auf dem Eliza und Mary Chulkhurst abgebildet sind. Hier ist ein Film über die Biddenden Dole.

Die Geschichte der Zwillinge, am Pfosten des Dorfschildes angebracht.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 2. April 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Kuckuck, Kuckuck…

Wenn der Kuckuck wieder zu rufen beginnt, und er nach einer viele tausend Kilometer langen Reise erneut in Europa angekommen ist, dann ist das für viele ein Zeichen, dass der Winter vorbei und der Frühling da ist. So ist das auch in England und in einigen Dörfern mochte man den kleinen Vogel früher gar nicht mehr ziehen lassen, sondern wollte ihn einsperren, so dass der Frühling und der Sommer immer allgegenwärtig sind. Einige ganz schlaue Dörfler bauten um den Busch, in dem sich ein Kuckuck niedergelassen hatte, heimlich und leise einen Zaun, und als der fertig war, staunten sie nicht schlecht, dass der Vogel einfach weg flog, weil sie nicht daran gedacht hatten, das Mini-Gefängnis auch oben mit einem Deckel zu versehen. Diesen Schildbürgerstreich erzählt man sich in einigen Dörfern Englands, so zum Beispiel in Gotham in Nottinghamshire (ich berichtete in meinem Blog darüber) und in Marsden bei Huddersfield in West Yorkshire, wo es jedes Jahr an einem Samstag Ende April das Marsden Cuckoo Festival gibt (in diesem Jahr am 21. April), dessen Höhepunkt die Grand Cuckoo Procession ist. Hier ist ein Film darüber zu sehen.

Auch in Wareham in Dorset erzählt man sich die Geschichte von den Wise Men und ihrem Umgang mit dem Kuckuck, genauso wie in Madeley in Shropshire und in Borrowdale in Cumbria. In Towednack in Cornwall  wird jedes Jahr an einem Sonntag, der dem 28. April am nächsten ist, das Cuckoo Feast gefeiert, das auf einer alten Legende basiert: An einem kalten Tag im April legte ein Bauer einen Holzscheit in seinen Kamin und aus diesem Scheit flog ein Kuckuck, der sich darin eingenistet hatte. Der Bauer schnappte sich den Vogel, tat ihn in einen Käfig und zog mit ihm, begleitet von seinen Freunden und einigen Musikern, durch das Dorf.

In Downton bei Salisbury in Wiltshire wird jedes Jahr die Downton Cuckoo Fair gefeiert, in diesem Jahr am 5. Mai, aus Freude an der Ankunft der kleinen Sänger.

Einige Pubs sind nach dem Vogel benannt worden wie der Cuckoo Bush Inn in Gotham in Nottinghamshire, der Cuckoo Inn in Hamptworth bei Salisbury in Wiltshire, The Cuckoo in Alwalton bei Peterborough in Cambridgeshire und The Cuckoo Ale House in Toddington in Bedfordshire. Die Driftwood Spars Brewery in St Agnes in Cornwall braute früher einmal ein Cuckoo Ale, das allerdings nicht mehr im Programm ist.

Wer sich für Kuckucksuhren interessiert, der sollte sich unbedingt das Cuckooland Museum in Tabley in Cheshire ansehnen, über das ich in meinem Blog schon einmal berichtete.

Man sieht an diesem kleinen Streifzug, dass der Kuckuck in England eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.

Die Downton Cuckoo Fair.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Der Cuckoo Bush Inn in Gotham (Northamptonshire).
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Das Pubschild des Cuckoo Inn in Hamptworth (Wiltshire).
Photo © Maigheach-gheal (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 28. Februar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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A Festival of Nine Lessons and Carols – Ein Gottesdienst am Heiligen Abend in der King’s College Chapel in Cambridge

Das Innere der King’s College Chapel.
Photo © Richard Croft (cc-by-sa/2.0)

Für viele Engländer ist die Weihnachtsansprache der Königin ein fester Bestandteil des Weihnachtsfestes. Auch sehr populär ist das am Heiligen Abend von BBC Radio 4 ausgestrahlte Festival of Nine Lessons and Carols aus der King’s College Chapel in Cambridge.

Um 15 Uhr beginnt dieser spezielle Weihnachtsgottesdienst, der erstmals 1918 zelebriert wurde und schon seit 1928 wird er regelmäßig von der BBC ins ganze Land und auch in die ganze Welt übertragen. Allein in den USA kann man den Gottesdienst aus der Universitätsstadt in mehr als 300 Radiostationen hören.

Noch schöner ist es natürlich, das Festival of Nine Lessons and Carols selbst in der Kapelle zu hören, doch dort stehen nur 650 Plätze zur Verfügung. Am 24. Dezember um 7.30 Uhr morgens sind in diesem Jahr die Karten erhältlich und bis dahin hat sich immer schon eine lange Schlange gebildet. Einlass in die Chapel ist um 13.30 Uhr.

Pünktlich um 15 Uhr geht es dann los mit einer Mischung aus Weihnachtsliedern und Bibellesungen. Seit Beginn des Festivals steht das Lied „Once in Royal David’s Cityam Anfang, 1848 von Cecil Frances Alexander geschrieben. Die gesungenen Lieder variieren von Jahr zu Jahr und speziell für diesen Gottesdienst wird jede Weihnachten ein neues Lied komponiert. Die Bibellesungen werden von Repräsentanten des King’s College vorgenommen und sind in jedem Jahr dieselben.

Für die Besucher des Gottesdienstes gibt es ziemlich strikte Verhaltensregeln, so ist Husten unerwünscht und das Umblättern des Programmheftes mit den Liedtexten sollte leise vor sich gehen. Auch wird genau vorgegeben, wann sich die Gemeinde erheben und wieder setzen soll.

In diesem Jahr stehen u.a folgende Lieder auf dem Programm: “ A Spotless Rose„, John Taveners „The Lamb“ und „The Angel Gabriel„. Das letzte gemeinsam gesungene Weihnachtslied ist „Hark! The Herald Angels Sing„.

King’s College Chapel.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 24. Dezember 2017 at 02:00  Comments (6)  
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Offham in Kent und die einzige noch erhaltene Quintain in England

This work is released into the public domain.

Auf dem Village Green von Offham in Kent (zwischen der A20 und der A228 gelegen), das für einige Dorffestivitäten genutzt wird wie zum Beispiel die May Day Feiern, steht ein Gebilde, das einzigartig in England ist: Eine Quintain. Benutzt wurde diese Apparatur früher bei Reiterspielen als Trainingsobjekt für das Lanzenstechen. An dem galgenähnlichen Pfahl war auf der einen Seite ein Schild oder eine Holzplatte angebracht, die es mit einer Lanze zu treffen galt; auf der anderen Seite befand sich ein Sandsack, manchmal auch ein Eimer mit Wasser. Nun musste der Reiter mit möglichst hoher Geschwindigkeit auf die Quintain zureiten, das Schild treffen und sich ganz schnell wieder vom Acker machen, denn wenn Ross und Reiter zu langsam waren, schwenkte der Arm mit dem Sandsack herum und traf den Reitersmann voll im Gesicht (bzw. der Wassereimer ergoss seinen Inhalt über ihn), sicher sehr zum Vergnügen der Zuschauer.

Die Offham Quintain auf dem Village Green an der Teston Road steht unter Denkmalschutz, ist etwa drei Meter hoch und ruht auf einem Zementfuß. Während des Zweiten Weltkriegs hat man sie abgebaut, in Sicherheit gebracht und 1945, nach Kriegsende, wieder auf dem Green aufgestellt. Damit das historische Objekt nicht beschädigt wird, nutzt man bei Reiterspielen jetzt eine Replika. Vor der Quintain ist an einem Stein eine Plakette angebracht, die den historischen Hintergrund kurz erläutert. Das rare historische Objekt ist auch auf dem Village Sign von Offham zu sehen. In diesem Film kann man es sich näher betrachten.

Reiterspiele auf dem Village Green von Offham.
This work is released into the public domain.

Published in: on 18. Dezember 2017 at 02:00  Comments (1)  
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The Ceremony of Quit Rents – Eine uralte, skurrile Tradition, die alljährlich in London zum Tragen kommt

Die Londoner Royal Courts of Justice, wo alljährlich The Ceremony of Quit Rents stattfindet.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Jeden Herbst zwischen dem 11. Oktober und dem 11. November wird in London in den Royal Courts of Justice eine Tradition ausgeübt, The Ceremony of Quit Rents, die bis in das Jahr 1211 zurückreicht und die so skurril ist, dass sie wohl auch nur in England möglich ist. Die City of London bezahlt an diesem Herbsttag der Krone eine Pacht für zwei Grundstücke, von denen keiner genau weiß, wo die überhaupt genau liegen. Eines davon nennt sich „The Moors“ und soll sich irgendwo südlich von Bridgnorth in der Grafschaft Shropshire befinden. Ein gewisser Nicholas de Morrs hatte damals im 13. Jahrhundert das Land gepachtet, und er bezahlte die Pacht nicht mit Geld,  sondern mit zwei Messern, von denen das eine sehr scharf und das andere stumpf war. Im Laufe der Jahrhunderte ging die Pacht an die City of London über, die bis zum heutigen Tag mit gleicher Münze, sprich mit zwei Messern, bezahlt. In den Royal Courts of Justice nimmt der Queen’s Remembrancer ( „das älteste juristische Amt mit fortgesetzter Existenz“, so die Wikipedia) die beiden Gegenstände entgegen. Im Oktober 2014 ernannte die Queen Barbara Janet Fontaine zum Remembrancer, die erste Frau, die diesen Posten innehat. Ihre Aufgabe bei der Ceremony of Quit Rents ist es, die beiden Messer zu testen, indem sie an einem Haselzweig mit dem scharfen Messer einen Einschnitt vornimmt und mit dem stumpfen eine Markierung hineindrückt. Wenn das alles zur Zufriedenheit des Queen’s Remembrancer ausgefallen ist, sagt er bzw. jetzt sie „Good Service„.

Und dann gibt es ja noch ein zweites Grundstück, für das die City of London Pacht bezahlt. Dabei soll es sich um eine Londoner Schmiede gehandelt haben, die in der Tweezer’s Alley lag, einer kleinen Gasse in der Nähe der Straße Strand. Der Schmied, Walter Le Brun, zahlte damals im 13. Jahrhundert seine Pacht mit sechs Hufeisen und 61 Hufnägeln. Bei der Ceremony of Quit Rents nimmt der Queen’s Remembrancer heute die gleiche Zahl der Eisen und Nägel entgegen und überprüft die Vollzähligkeit. Wenn auch das alles in Ordnung ist, sagt er/sie „Good Number„, womit die Zermenonie beendet ist (Hufeisen und Hufnägel werden dann wieder an die City of London zurückgegeben, damit sie im nächsten Jahr wieder verwendet werden können).
Wenn das keine skurrile Tradition ist…

Die Tweezer’s Alley in London, zwischen Strand und Victoria Embankment, wo einmal die Schmiede gestanden haben soll.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 20. Oktober 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Phyllis, Ada und ihre anderen TBM-Schwestern

Crossrail-Baustelle in Marylebone.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Phyllis und Ada wurden in der kleinen baden-württembergischen Gemeinde Schwanau bei der Firma Herrenknecht AG konzipiert und in London zum Einsatz gebracht, wo sie schwer schuften mussten und das 24 Stunden pro Tag. Die Rede ist von zwei TBMs, das sind Tunnelbohrmaschinen oder tunnel-boring machines wie es in England heißt. Eingesetzt wurden sie beim Bau der Crossrail, jenem Großprojekt, das die Millionenstadt von Ost nach West unterirdisch durchqueren soll und das ab ihrer Fertigstellung den Namen Elizabeth Line annehmen wird.

Die beiden TBMs sind richtige Schwergewichte; Phyllis und Ada wiegen 1000 Tonnen, sind 150 Meter lang und haben einen Durchmesser von über sieben Metern. Eine Besatzung von zwanzig Arbeitern waren in und an den Maschinen in jeweils 12-Stunden-Schichten an sieben Tagen in der Woche beschäftigt, dabei schaffte jede TBM etwa 100 Meter in der Woche.

Doch möchte ich in meinem Beitrag speziell auf die Namen der TBMs eingehen. Es ist weltweit im Tunnelbau üblich, die Bohrmaschinen mit weiblichen Namen zu versehen, bevor es richtig losgeht, denn das soll Glück bringen, und so war es auch in London.

Phyllis und Ada wurden nach Phyllis Pearsall und Ada Lovelace benannt. Über Phyllis habe ich in meinem Blog geschrieben als Gründerin des Stadtplans „London A-Z“, Ada Lovelace war die Tochter des berühmten Dichters Lord Byron, Mathematikerin und Pionierin der Computersprachen. Die zwei Bohrmaschinen waren für die Strecke Royal Oak – Farringdon verantwortlich.

Die beiden TBMs hatten sechs weitere Schwestern, die an ihrer Seite die schweren Tunnelbauarbeiten in London vornahmen, als da sind:

Victoria und Elizabeth bauten die Strecke Limmo Peninsula – Farringdon und wurden nach den beiden Königinnen benannt.

Sophia und Mary setzte man auf der Teilstrecke Plumstead Portal – North Woolwich ein. Hierbei handelt es sich um die Vornamen der Frauen der beiden berühmten Ingenieure Isambard Kingdom Brunel und Marc Isambard Brunel.

Jessica und Ellie wurden beide zweimal eingesetzt, auf den Streckenabschnitten Pudding Mill Lane – Stepney Green und Limmo Peninsula – Victoria Dock Portal. Namensgeber waren die beiden Sportlerinnen Jessica Ennis-Hill, Mehrkämpferin und Goldmedaillen-Gewinnerin bei den Olympischen Spielen 2012 in London, und Ellie Simmonds, die bei den London Paralympics 2012 zwei Goldmedaillen im Schwimmen gewann.

Dieser Film zeigt wie die TBMs eingesetzt werden.

Phyllis und Ada haben nach dem erfolgreichem Abschluss ihrer Arbeiten nie wieder das Tageslicht erblickt. Es war kostengünstiger, sie einfach unter den Straßen Londons zu belassen. So liegen die beiden Schwestern jetzt nebeneinander unter dem Charterhouse Square bei der Farringdon Station, im Stadtteil Clerkenwell.

Hier, unter dem Charterhouse Square, liegen Phyllis und Ada begraben.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 28. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Mock Mayor von Woodstock (Oxfordshire) – Eine Tradition aus dem Jahr 1786

Hier in der Town Hall residiert die richtige Bürgermeisterin von Woodstock, Jill Dunsmore.   © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der Town Hall residiert die richtige Bürgermeisterin von Woodstock, Patricia Redpath.
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Woodstock im US-Bundesstaat New Hampshire habe ich als eine der englischsten Kleinstädte im Nordosten der USA in Erinnerung. Ihr Namensvetter in Oxfordshire ist allen bekannt, die schon einmal den berühmten Blenheim Palace besucht haben, denn die Zufahrt zu diesem Stately Home führt über Woodstock, ein hübscher Ort, 13 km nördlich von Oxford.

Hier spielt sich alljährlich eine Zeremonie ab, die bis auf das Jahr 1786 zurückgeht und mit einigen Unterbrechungen bis heute durchgeführt wird: Die Wahl und „Inthronisierung“ des Mock Mayors. Dies ist ein „Scheinbürgermeister“, der neben dem richtigen Bürgermeister existiert.

Wie kam es dazu? Old Woodstock gehörte früher einmal zur Gemeinde Wooton, während der Nachbar New Woodstock eine eigene Gemeinde bildete, die schnell wuchs, ein schönes Rathaus baute und eine Bedeutung erlangte, die  Old Woodstock ein Dorn im Auge war. So versuchte man die Nachbargemeinde etwas zu verspotten, indem man einen Mock Mayor wählte.

Auch heute noch tritt Woodstocks Mock Mayor in einer Robe auf, mit einer Bürgermeisterkette, einem Stab und einem Zylinder. Nach und nach werden die alten Bekleidungsstücke früherer Mock Mayors durch neue ersetzt, weil diese mittlerweile zu empfindlich geworden und im County Museum besser aufgehoben sind.

Den Höhepunkt der Zeremonie bildet das Eintauchen in den River Glyme, der Old und New Woodstock voneinander trennt; nachdem man das Flüsschen durchquert hat, macht sich der Mock Mayor und seine ganze Entourage auf den Weg zum Pub The Black Prince in der Manor Road, wo dann so manches Pint zu sich genommen wird.

Mock Mayors gibt es auch noch in anderen englischen Städten, so z.B. in Penzance, Polperro und Helston in Cornwall.

Der River Glyme bei Old Woodstock.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

The Black Prince.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0).

Published in: on 25. Juni 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Bartholomew-the-Great – Londons älteste Kirche, Witwen und Hot Cross Buns

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Mitten in der City of London, in West Smithfield, steht die älteste Kirche der Stadt, die dem heiligen Bartholomäus gewidmet ist: St Bartholomew-the-Great, 1123 gegründet. Filmfans haben die Kirche sicher schon einmal gesehen, beispielsweise in „Four Weddings and a Funeral“, „Shakespeare in Love“ oder „The Other Boleyn Girl“. Der Kirchengründer, ein Priester namens Rahere, soll hier hin und wieder als Geist spuken, und ein nach ihm benannter Chor, die Rahere Singers, sind bei manchen Gottesdiensten zu hören.

Ich möchte an dieser Stelle aber näher auf einen Brauch eingehen, der an jedem Karfreitag auf dem Kirchhof von St. Bartholomew-the-Great wiederbelebt wird. Ursprünglich hieß diese alte Tradition „Widow’s Sixpence„, die 1887 von von Joshua Butterworth als „The Butterworth Charity“ wieder ins Leben gerufen wurde. An diesem Tag legte man 21 Sixpence-Münzen auf einen Grabstein und 21 arme Witwen durften sich jeweils eine Münze nehmen, anschließend bekamen sie noch ein Hot Cross Bun, das sind kleine süße Brötchen, die mit einem Kreuz verziert sind, in Erinnerung an die Kreuzigung Jesu. Der Brauch mit den Münzen und den armen Witwen hat sich von selbst erledigt, denn hier in der City of London bedürftige Witwen zu finden, ist wohl kaum mehr möglich. Trotzdem fragt der diensthabende Pfarrer immer noch traditionsgemäß seine Gemeinde, ob denn „poor widows“ anwesend seien und in der Regel heben sich da keine Hände (allerdings hat sich vor vier Jahren eine Dame gemeldet).

Also hat man wenigstens an den Hot Cross Buns festgehalten, die nach wie vor am Karfreitag verteilt und von der Cateringfirma Chester Boyd frisch angeliefert werden. Die Körbe mit den heißen Brötchen werden herumgereicht und alle Anwesenden dürfen sich bedienen. Hier sind einige Bilder aus dem Jahr 2014.

Wie man Hot Cross Buns herstellt, zeigt dieser Film.

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Auf dem Kirchhof von St Bartholomew-the-Great werden die Hot Cross Buns am Karfreitag verteilt.
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Hot Cross Buns.
Dieses Bild ist gemeinfrei.

 

The Rye Mayor Making und The Throwing of Hot Pennies

Rye Town Hall.
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Rye in East Sussex ist einer meiner Lieblingsorte in England (s. dazu meinen Blogeintrag) und The Mermaid in der Mermaid Street eines meiner Lieblingshotels. Diese hübsche beschauliche Kleinstadt ist jedes Jahr im Mai Schauplatz des sogenannten Mayor Making, das heißt, dann wird der jeweilige neue Bürgermeister „inthronisiert“ und das mit einem großen Spektakel. Die Tradition ist schon über 700 Jahre alt und man ist stolz darauf in Rye. Neben dem Bürgermeister werden auch der Clerk und der Sergeant in ihre Ämter eingeführt. Alle drei leisten ihren Treueschwur auf die Königin, auf die Stadt Rye und auf die Bewohner der Stadt. Natürlich tut man das nicht im Straßenanzug, sondern „in voller Montur“, also in historischen Kostümen, wobei auch die Zepter der Stadt zum Einsatz kommen.

In diesem Jahr fand die Zeremonie am 1. Mai statt, mit einem Gottesdienst in der St Mary’s Church und dem anschließenden Throwing of Hot Pennies, wobei der neue Bürgermeister von der Town Hall angewärmte Pennymünzen hinunterwirft, die dann von Kindern aufgesammelt werden. So ganz klar ist nicht, wo diese Tradition ihren Ursprung hat. Zwei mögliche Erklärungen: Früher war der Bürgermeister von Rye auch gleichzeitig Parlamentsmitglied, und so versuchte er durch die Münzen seine potentiellen Wähler zu bestechen/beeinflussen. Die andere Erklärung: Rye hatte einmal eine eigene Münzprägeanstalt, und als eines Tages die Pennies in der Stadt knapp wurden, lieferte sie man von dort so schnell, dass sie noch heiß waren.

Hier sind einige Bilder von der Mayor Making Ceremony aus dem Jahr 2014.

St Mary’s.
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Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein: The Mermaid Street mit dem Mermaid Hotel.
Eigenes Foto.

Published in: on 9. Mai 2017 at 02:00  Comments (3)  
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The Blessing of the Sea in Hastings (East Sussex)

Die Hastings Lifeboat Station.
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An The Stade in der Old Town von Hastings in East Sussex ist die Lifeboat Station untergebracht, die von der RNLI, der Royal National Lifeboat Institution, betrieben wird, der britischen Seenotrettungsorganisation, etwa vergleichbar mit der deutschen DLRG. Hier ist das Seenotrettungsboot Sealink Endeavour stationiert, das seit 1989 in Hastings seinen Dienst versieht und dessen Mannschaft schon einige Menschenleben gerettet hat.

Jedes Jahr im Mai oder Juni wird seit über hundert Jahren an der Lifeboat Station in Hastings eine alte Tradition fortgeführt, die The Blessing of the Sea heißt. Bei diesem speziellen Gottesdienst werden die Rettungsboote, die Fischfangflotte der Stadt und alle anderen hier stationierten Schiffe gesegnet sowie an die auf dem Meer ums Leben gekommenen Seeleute gedacht. Vom Heck des Seenotkreuzers Sealink Endeavour wird der Segen ausgesprochen, im vorigen Jahr durch den Vikar der St. Clement’s Church. Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes besorgt die Blasmusikkapelle Sussex Brass, die Kirchenlieder, auf die Seefahrt bezogene Lieder und natürlich „Sussex by the Sea“ spielt, die inoffizielle Hymne der Grafschaften East und West Sussex (siehe dazu meinen Blogeintrag).

The Blessing of the Sea war einmal weit verbreitet, auch außerhalb Großbritanniens, und wird heute noch zum Beispiel in Ramsgate (Kent) und Portloe (Cornwall) vorgenommen.

Die Sealink Endeavour.
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Published in: on 27. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Abbots Bromley Horn Dance – Eine uralte Tradition in Staffordshire

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Manche Traditionen halten sich in England über viele Jahrhunderte, so z.B. der Horn Dance, der erstmals im Jahr 1226 in Abbots Bromley in der Grafschaft Staffordshire aufgeführt wurde.

Jeweils im September am sogenannten „Wakes Monday“ (das ist der erste Montag, der dem der ersten Sonntag nach dem 4. September folgt) findet der Horn Dance statt, bei dem Männer mit Geweihen auf dem Kopf eine Strecke von etwa 16 Kilometer zurücklegen. Der nächste Horn Dance findet am 11. September 2017 statt, zu dem wieder Besucher aus der ganzen Welt in das Staffordshire-Städtchen kommen werden, um die Tänzer (6 Deer-men,  Fool, Hobby Horse, Bowman und Maid Marian) auf ihrem Weg zu begleiten.

Die Geweihe, die über 1000 Jahre alt sein sollen, werden morgens aus der St Nicholas Church geholt, und der Tanz beginnt auf dem Village Green von Abbots Bromley; dann geht es weiter bis zur Blithfield Hall, die auf der anderen Seite des Blithfield Reservoirs liegt, und wieder zurück in den „Heimathafen“, wo die Geweihe um 20.15 Uhr in die Kirche zurückgebracht werden. Ein anstrengender Tag, der wohl nur mit der freundlichen (flüssigen) Unterstützung einiger Pubs wie The Goat’s Head,  The Crown Inn oder The Coach and Horses einigermaßen zu überstehen ist, vor denen jeweils Station gemacht wird.

Dieser Film zeigt den Einmarsch der Tänzer in Blithfield Hall.

Hier in der St Nicholas Church werden die Geweihe das Jahr über aufbewahrt.   © Copyright Peter Turner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier in der St Nicholas Church werden die Geweihe das Jahr über aufbewahrt.
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Eine Tafel am The Goat's Head, die über den Horn Dance informiert.   © Copyright Michael Garlick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine Tafel am The Goat’s Head, die über den Horn Dance informiert.
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Die Auffahrt zur Blithfield Hall, dem Endpunkt des Abbots Bromley Horn Dance.    © Copyright John Salmon and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Auffahrt zur Blithfield Hall, dem Endpunkt des Abbots Bromley Horn Dance.
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Published in: on 2. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Britannia Coco-Nut Dancers aus Bacup in Lancashire

Bacup ist eine Kleinstadt in Lancashire im Rossendale Distrikt zwischen Rochdale und Burnley. Dort findet an jedem Ostersamstag ein traditioneller Tanz statt, der Boundary Dance, bei dem die Britannia Coco-Nut Dancers morgens um 9 Uhr vom ehemaligen Travellers Rest Pub an der A671 aus, begleitet von der Stacksteads Silver Band,  von einem Ende des Ortes bis zum anderen Ende tanzen. Hier ist ein Film aus dem Jahr 2015.

Die Männer sind in weiß-rote Röcke und schwarze Oberteile gekleidet und präsentieren auf dem Zug durch den Ort sieben sogenannte Garland- und Nut-Dances; dabei sind ihre Gesichter schwarz bemalt, was möglicherweise an die Bergwerkstradition in dieser Region erinnert. Es gibt auch eine andere Version; und zwar kamen Nordafrikaner, die sich im 17. Jahrhundert in Cornwall als Bergmänner verdingten, später nach Lancashire, um sich auch hier ihren Lebensunterhalt unter Tage zu verdienen…und diese Männer waren schwarz. Der Name der Tanzgruppe kommt von der ehemaligen Mine Britannia.

Die Britannia Coco-Nut Dancers, eine Unterabteilung der berühmt-berüchtigten Morris Dancers, sind schon überall in England aufgetreten, auch in der ehrwürdigen Royal Albert Hall. Weitere Auftrittsorte waren u.a. das Todmorden Folk Festival und die Saddleworth Rushcart, also überwiegend im Norden des Landes.

In den letzten Jahren bekamen die „Nutters“ einige Probleme, so wurde ihnen wegen ihrer schwarzen Gesichter ein gewisser Rassismus unterstellt, den sie aber empört zurückwiesen (ich weiß nicht wie lange die schwarze Schminke hält, wenn es zu Regenfällen kommt, die es ja in Bacup durchaus geben kann), außerdem stand das österliche Happening kurz vor dem Aus, weil die Behörden Sicherheitsbedenken hatten, da die Zuschauer auf den Straßen standen und es da hätte zu Unfällen kommen können. Aber man einigte sich und so werden die Britannia Coco-Nut Dancer auch im nächsten Jahr wieder ihre Marathontänze durch Bacup vollziehen können.

Der Startpunkt des Boundary Dance: The Old Travellers Rest, ein ehemaliger Pub.   © Copyright John Darch and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Startpunkt des Boundary Dance: The Old Travellers Rest, ein ehemaliger Pub.
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Published in: on 11. September 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Hunting the Earl of Rone – Ein mehrtägiges Spektakel in Combe Martin (Devon)

Der Earl of Rone. Author: Andy Kyte. Creative Commons 2.0.

Der Earl of Rone.
Author: Andy Kyte.
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Vor einigen Jahren habe ich in meinem Blog schon einmal den sehenswerten Pack o‘ Cards Inn in Combe Martin im Norden Devons vorgestellt, der wie ein Kartenspiel gestaltet worden ist. In diesem Küstenort  spielt sich jedes Jahr Ende Mai während des Bank Holiday-Wochenendes ein kurioses, merkwürdiges Spektakel ab, das Hunting the Earl of Rone heißt; in diesem Jahr vom 27. bis zum 31. Mai.

Bei dem Earl of Rone, der da gejagt wird, handelt es sich um Hugh O’Neill, Earl of Tyrone, der im Jahr 1607 aus seiner irischen Heimat geflohen sein soll und vor der Küste von Combe Martin an Land ging. Dort soll er sich außerhalb des Dorfes versteckt und sich nur von Schiffszwieback, Beeren und kleinen Tieren ernährt haben. Den Bewohnern von Combe Martin kam das verdächtig vor und so alarmierten sie die Behörden, die Soldaten abkommandierten, um den Mann einzufangen. Diese Geschichte (Legende?) wird also alljährlich in den Straßen des Küstenortes wiederbelebt. Hauptfiguren des Schauspiels sind besagter Earl of Rone, der in sackartiger Kleidung, maskiert und mit einer aus Schiffszwiebacken bestehenden Kette um den Hals auftritt, die Grenadiere in voller Uniform, die den Earl jagen, das in vielen englischen Traditionen auftretende Hobby Horse, das Steckenpferd, the Fool und viele Trommler. Nachdem er tagelang im Dorf gesucht wird, findet man den Earl schließlich am Montagabend. Er wird rückwärts auf einen Esel gesetzt, die Grenadiere schießen auf ihn, er fällt vom Esel, wird vom Hobby Horse reanimiert, wieder auf den Esel gesetzt und schließlich am Strand erschossen. Dann wirft man ihn ins Meer – fertig! Eine ziemlich blutrünstige Angelegenheit, aber die Dorfbewohner und die von weiter her angereisten Gäste freut’s. In diesem Film kann man sich den Spaß einmal genauer ansehen.

Tom Brown hat eine kleine Broschüre über diesen alten Brauch veröffentlicht: The Hunting of the Earl of Rone. Eine DVD mit dem gleichen Titel ist ebenfalls hier erhältlich.

Der Strand von Combe Martin, wo der Earl of Rone sein Ende findet.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Strand von Combe Martin, wo der Earl of Rone sein Ende findet.
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Published in: on 26. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Der Dorfladen und das Postamt – Zwei aussterbende Institutionen und die „Rural Oscars“

The Churchinford & District Community Shop.   © Copyright Martin Dawes and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Churchinford & District Community Shop.
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Man sollte sie hegen und pflegen, die englischen Village Stores und Post Offices, denn sie gehören zu einer aussterbenden Spezies, dank Tesco, Sainsbury’s, Aldi und Lidl. Die kleinen Dorfläden können natürlich preislich und angebotsmäßig nicht mit den Großen der Lebensmittelbranche mithalten, aber sie erfüllten lange Zeit auch eine soziale Aufgabe. So wie im Pub trafen sich die Dorfbewohner im Laden zu einem kleinen Schwätzchen und es wurden Neuigkeiten ausgetauscht. Häufig wurden die Postämter in die Village Stores verlegt, was ja eigentlich keine schlechte Sache war. 12 000 Dorfläden soll es heute noch geben, vor zehn Jahren waren es doppelt so viele.

Von den noch vorhandenen Läden werden jedes Jahr die besten mit den sogenannten „Rural Oscars“ ausgezeichnet;  die offizielle Bezeichnung lautet „Countryside Alliance Awards„. Neben dem Village Shop/Post Office Award werden noch Preise in den Kategorien Local Food, Butcher und Tourism Enterprise verliehen.

Werfen wir einen Blick auf die Shortlist für das Jahr 2015, die 13 Läden umfasst, von denen der beste am 27. April in London mit dem Rural Oscar ausgezeichnet wird. 12 davon sind in England, einer in Wales angesiedelt. Auf der Liste stehen zum Beispiel:

Churchinford & District Community Shop in den Blackdown Hills in Somerset. Mitten im Ort liegt dieser Dorfladen, der mit dem Postamt vereint ist. Hier gibt es auch noch einen schönen Dorfpub, The York Inn.

St Mary’s Post Office an der Old Street in Haughley (Suffolk). Dieses Postamt ist eines der ältesten im Lande; es wurde 1848 eröffnet und stand kurz vor dem endgültigen Aus, als es durch die Spende eines sehr reichen Rechtsanwalts gerettet werden konnte.

Bardon Mill Village Store & Tea Room in Bardon Mill (Northumberland). Dieser Laden erhielt im Jahr 2013 schon einmal die Auszeichnung Village Shop of The Year for the North East of England.

Woods of Whitchurch im The Square in Herefordshire. Dieser Laden bietet großartige Öffnungszeiten, die es mit denen der Supermärkte aufnehmen können: Montags bis samstags von 7 Uhr bis 20 Uhr und sonntags von 8 Uhr bis 15 Uhr. Auch das Sortiment ist beachtlich, selbst ein Catering Service wird angeboten.

Mögen uns diese Läden, die oft mit viel Herzblut geführt werden, noch lange erhalten bleiben!

Siehe auch meinen Blogeintrag über den Orford General Store in Suffolk, den ich vor einigen Jahren schrieb.

St Mary's Post Office in Hauhley (Suffolk).   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s Post Office in Haughley (Suffolk).
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Bardon Mill Village Store & Tearoom in Northumberland.   © Copyright Mike Quinn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bardon Mill Village Store & Tea Room in Northumberland.
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Woods of Whitchurch in Herefordshire.   © Copyright Jaggery and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 25. April 2016 at 02:00  Comments (1)  

Old Man’s Day in Braughing (Hertfordshire)

St Mary the Virgin in Braughing.   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary the Virgin in Braughing.
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Es war einmal…an einem Oktobertag im Jahr 1571 in dem kleinen Ort Braughing in Hertfordshire, als ein junger Mann namens Matthew Wall plötzlich und unerwartet starb. Nach einigen Tagen trug man seinen Sarg mit seinen sterblichen Überresten zur Kirche St Mary the Virgin. Es war Herbst und auf dem Fleece Lane, der zur Kirche führt, hatte man das feuchte Laub noch nicht beseitigt. Es kam wie es kommen musste, einer der Sargträger rutschte aus und der Sarg knallte auf den Boden. Plötzlich hörte man aus dem Inneren ein verzweifeltes lautes Klopfen. Die Träger hoben den Deckel ab und fanden einen zum Leben erwachten Matthew Wall vor. Der war gar nicht tot, und um ein Haar wäre er lebendig begraben worden. Eine schreckliche Vorstellung! Nachdem er den Schock überwunden hatte, führte er wieder ein ganz normales Leben und heiratete bald darauf. Erst 24 Jahre später starb er „richtig“, aber nicht ohne vorher ein ganz besonderes Testament hinterlassen zu haben. Darin verfügte er, dass an jedem 2. Oktober des Jahres, der Tag, an dem er beinahe ein fürchterliches Ende gefunden hätte, die Glocken von St Mary the Virgin läuten sollten: Einmal mit dem Trauergeläut und einmal mit dem Hochzeitsgeläut, in Erinnerung an seine Hochzeit. Die Kosten dafür wurden aus den Einnahmen eines Stück Lands gedeckt, das Matthew Wall im Ort besaß. Des weiteren verfügte er, dass auf seinem Grab Dornengestrüpp gepflanzt werden sollte, damit keine Schafe darüber laufen konnten, und dass am 2. Oktober der Fleece Lane immer schon sauber gefegt wird.

Bis zum heutigen Tag wird an diesem sogenannten Old Man’s Day der letzte Wille von Matthew Wall in Braughing erfüllt: Die Glocken läuten in der gewünschten Form, Schulkinder fegen den Fleece Lane und an seinem Grab auf dem Friedhof von St Mary the Virgin singen die Kinder  ihm zu Ehren ein Lied.

Hier ist ein Film vom Old Man’s Day in diesem Jahr.

Wer sich das hübsche Dorf in Hertfordshire einmal ansehen möchte: Braughing liegt an der A10, westlich von Bishop’s Stortford.

Published in: on 29. November 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Denby Dale in West Yorkshire und die Monster-Pasteten

Steinerne Pastetenkeile machen auf die alte Radition in Denby Dale (hier an der Wakefield Road) aufmerksam.   © Copyright Humphrey Bolton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Steinerne Pastetenkeile machen auf die alte Tradition in Denby Dale (hier an der Wakefield Road) aufmerksam.
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Nicht nur Melton Mowbray in Leicestershire ist für seine Pasteten (pies) berühmt, auch das kleine Dorf Denby Dale am äußersten südlichen Rand von West Yorkshire macht immer mal wieder von sich reden, wenn hier am River Dearne Monster-Pasteten hergestellt werden, was allerdings nicht sehr oft geschieht.  Um es genau zu sagen: Seit 1788 wurden insgesamt nur 10 Pies hier gebacken, die letzte im Jahr 2000 zur Jahrtausendwende. Diese hatte es aber im wahrsten Sinne des Wortes in sich; die Millennium Pie war 13 Meter lang und wog 12 Tonnen, ausreichend um 22 000 Menschen zu verköstigen. Angeschnitten wurde sie von dem berühmten Cricket-Schiedsrichter Dickie Bird.

Die Tradition des Pastetenbackens in Denby Dale begann 1788 im White Hart Inn, als man damit die Genesung König Georgs III. feierte.
1815 ging es weiter; der Anlass: Wellingtons Sieg gegen Napoleon in der Schlacht von Waterloo.
1846 feierte man die Abschaffung der Getreidegesetze durch die Regierung Robert Peels, was niedrigere Brotpreise zur Folge hatte. Dabei kam es fast zu einer Katastrophe, als die Bühne die vielen erschienen Menschen nicht mehr tragen konnte und zusammenbrach.
1887 lief es gar nicht rund, denn ein großer Teil des Inhalts der Riesen-Pastete war verdorben. Viele wandten sich von der stinkenden Pie ab und die Überreste wurden einfach vergraben. Eigentlich wollte man an diesem Tage das Golden Jubilee Königin Victorias feiern. Gut, dass die Dame nicht anwesend war!
Eine Woche später im Jahr 1887 backte man eine neue Pastete (man hatte ja seinen Stolz). Die sogenannte „Resurrection Pie“ war dieses Mal ein voller Erfolg, dank der Damen aus Denby Dale, die dafür verantwortlich zeichneten.
1896 wurde mit der Pastete an den 50jährigen Jahrestag der Abschaffung der Getreidegesetze gedacht. 2000 Portionen teilte man aus.
Fünf Meter lang war die Denby Dale Pie im Jahr 1928, die als Huddersfield Infirmary Pie in die Geschichte des Yorkshire-Dorfes einging. Die Verkaufserlöse kamen dem Krankenhaus von Huddersfield zugute.
Erst 1964 ging es weiter, als man die Geburt von vier Neuankömmlingen im Königshaus feierte (Prince Edward, Lady Helen Windsor, Lady Sarah Armstrong Jones und James Ogilvy). Leider stand das Fest unter einem unglücklichen Stern, denn die vier wichtigsten Mitglieder des Organisationskomitees kamen in den frühen Morgenstunden bei einem Autounfall ums Leben. Sie waren in London gewesen, um dort beim Fernsehsender ITV über ihre Super-Pie zu berichten. Trotz der Tragödie entschied man sich dafür, weiterzumachen und so kamen 30 000 Menschen in den Genuss der Pastete.
Der Anlass für Pie Number 9 im Jahr 1988 war das 200jährige Jubiläum von Pie Number 1. Dieses Mal stellte man in Denby Dale die größte Pastete aller Zeiten her, die es sogar ins Guinness Buch der Rekorde schaffte. An zwei Tagen wurden sage und schreibe 90 000 Menschen abgefüttert.

Wer sich intensiver mit der Geschichte dieser Tradition auseinandersetzen möchte, kann dies in der Pie Hall in der Wakefield Road tun, wo Fotos und Erinnerungsstücke an die 10 Pasteten aufbewahrt werden. Zwei Bücher sind auch darüber geschrieben worden, z.B.
The Denby Dales Pies: „10 Giants“ 1788-2000“ von Chris Heath (Wharncliffe Books 2012, 256 Seiten, ISBN 978-1845631536).

In dieser großen Pflanzenschale wurde die Pastete des Jahres 1964 serviert.   © Copyright SMJ and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In dieser großen Pflanzenschale wurde die Pastete des Jahres 1964 serviert.
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The Pie Hall.   © Copyright Neil Theasby and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 12. November 2015 at 02:00  Comments (2)  
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Ottery St Mary – Eine Kleinstadt in Devon: Kobolde und Kirchenglocken

St Mary's in Ottery St Mary (Devon).   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Ottery St Mary (Devon).
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Es war einmal…vor vielen Jahrhunderten lebten in der Kleinstadt Ottery St Mary im Osten der heutigen Grafschaft Devon neben den Bewohnern auch Pixies, das sind kleine Kobolde, die von Natur aus den Menschen gern einen Schabernack spielen. Das ging eine Weile einigermaßen gut, bis den Zwergen zu Ohren kam, dass man in dem Ort eine Kirche bauen wollte, die bis dahin noch fehlte. Da es in einer Kirche normalerweise auch Glocken gibt, gingen die Pixies da auf die Barrikaden, denn wenn es etwas gab, was sie absolut nicht nicht vertragen konnten, war das Glockengebimmel. So setzte sich der Rat der Pixies zusammen und überlegte, was sie dagegen tun konnten. Man entschied sich dafür, die Mönche, die die Glocken abholen sollten, mit einem Bann zu belegen. Der Zwergenzauber schien auch zu wirken, denn wie in Hypnose zogen die Mönche an Ottery St Mary vorbei in Richtung Küste und kurz bevor sie wie die Lemminge die Klippen hinunterstürzten, trat einer der Männer versehentlich mit seinen nackten Füße auf eine stachelige Distel, was ihn zu dem Ausruf „God bless my Soul and St Mary“ veranlasste…und siehe da der Bann war gebrochen. Es gibt auch die Version, dass sich einer der Mönche seine Zehen an einem Stein stieß und dann diesen Ausruf tätigte. Egal, das Ergebnis war das gleiche.

„Mist“ sagten sich da die Pixies, „der Bann hat nicht funktioniert“ und verzogen sich aus der Stadt in eine kleine Höhle am River Otter, die seitdem Pixie’s Parlour heißt. Aber einmal im Jahr kamen sie dann doch aus ihrem Refugium am Fluss, zogen in die Stadt, machten vor der Kirche einen Höllenlärm und entführten die bell-ringer in ihre Höhle. Von dort musste der Pfarrer von Ottery St Mary seine Glockenläuter erst wieder befreien.

Was aus den Pixies im Laufe der Jahrhunderte geworden ist, weiß niemand mehr, aber seit 1954 geistern an einem Samstag im Juni, der der Sonnenwende am nächsten liegt, wieder kleine Kobolde durch die Stadt und entführen die bell-ringer aus der Kirche St Mary’s. An diesem Pixie Day genannten Tag verkleiden sich die kleinsten Pfadfinder der Stadt als Kobolde und tun, was Kinder besonders gut können: Kreischen. Umrahmt wird das Spektakel von einem Fest, das auf dem Gelände des Land of Canaan abgehalten wird. Dieser Film zeigt wie es in Ottery St Mary am Pixie Day zugeht.

Ich war erst im letzten Jahr in Ottery St Mary; Pixies sind mir da nicht über den Weg gelaufen.

Der River Otter. In eine Höhle an diesem Fluss zogen die frustrierten Pixies.   © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der River Otter. In eine Höhle an diesem Fluss zogen die frustrierten Pixies.
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Published in: on 10. November 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Drink Old England Dry“ – Ein Lied aus den Napoleonischen Kriegen

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Die Gastwirte in den englischen Pubs hätten sicher keine Probleme damit, dass Englands Alkoholvorräte ausgetrunken werden sollen, wie es das Lied „Drink Old England Dry“ suggeriert, würde es doch ihre Absätze beträchtlich steigern. Doch einen Haken gibt es dabei: Es sind die Franzosen, die das Königreich „leertrinken“ möchten, was natürlich nur bei einer Invasion möglich wäre. In der Zeit der Napoleonischen Kriege soll dieses Soldaten-Trinklied entstanden sein und was könnte einen Soldaten Seiner Majestät mehr motiviert haben, als die „Frogs“ davon abzuhalten, seine Biervorräte wegzutrinken (vielleicht wären die Franzosen ja doch eher an Wein interessiert gewesen)? Martialisch geht es in dem Lied zu: „With our swords and our cutlasses, we’ll fight until we die“ und „For the cannons they shall rattle and the bullets they shall fly„. Ja, die patriotischen Gesänge Albions sind nicht so ganz ohne. Man kann die Franzosen im Text des Liedes auch problemlos gegen Deutsche oder Russen austauschen, je nachdem, gegen wen man gerade zu Felde zieht.

„Drink Old England Dry“ steht auch in enger Verbindung zu einer alten Tradition, die jedes Jahr am 6. Januar in einem Dorf in Lincolnshire namens Haxey durchgeführt wird: The Haxey Hood. Dabei geht es im Prinzip darum, eine Art Lederröhre in einen von vier Pubs zu transportieren, nach bestimmten Regeln, versteht sich. Zu den Hauptmitwirkenden zählen die Boggins, elf in Rot gekleidete Männer, die dann nach Ende des Spiels im Pub Lieder singen, darunter eben auch „Drink Old England Dry“.

Hier ist eine Version des Liedes zu hören und hier sind Impressionen von der Haxey Hood des Jahres 2012 zu sehen.

Die CD zum Artikel:
New Scorpion Band: The Plains of Waterloo – Songs and Music of the Napoleonic Wars.

Published in: on 6. November 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Atherstone Ball Game – Ein „Ballspiel“ der besonders ruppigen Art in Warwickshire

Die Long Street in Atherstone.   © Copyright P L Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Long Street in Atherstone.
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An 364 Tagen geht es in der Kleinstadt Atherstone in Warwickshire recht friedlich zu, doch wenn der Fastnachtsdienstag, Shrove Tuesday im Englischen, kommt, dann ist hier die Hölle los. In der Long Street, der Hauptstraße des Ortes, wird der Verkehr umgeleitet, viele Ladenbesitzer verbarrikardieren ihre Geschäfte, denn um 15 Uhr geht es hier außerordentlich ruppig zu: The Atherstone Ball Game ist angesagt, ein traditionelles Spiel, das seit über 800 Jahren ausgetragen wird. Um es genau zu sagen, in diesem Jahr zum 816. Male. Früher spielten Teams aus Warwickshire gegen Teams aus Leicestershire, heute spielt jeder gegen jeden oder es bilden sich Pub-Teams und dergleichen.

Um Punkt 15 Uhr wird ein spezieller schwerer, mit Wasser gefüllter Lederball aus einem Fenster der Barclay’s Bank in der Long Street in die tobende Menge geworfen; im Allgemeinen gewinnt man für diesen „Anstoß“ eine Persönlichkeit aus dem Showbusiness oder dem Sport. Was dann mit dem Ball passiert, ist dem Außenstehenden nicht so ganz ersichtlich, denn es gibt beim Atherstone Ball Game keine Regeln, außer einer: Man sollte möglichst keinen anderen Mitspieler ins Jenseits befördern. Das ist gar nicht so einfach, dies nicht zu tun, wenn man sich den Ablauf des „Spiels “ anguckt. Der Sieger ist der, der den Ball um 17 Uhr, wenn ein Hornbläser das Spiel abpfeift,  im Arm oder wo auch immer hält und der darf ihn dann auch behalten. Wer eines der vier verschiedenfarbigen Bänder, die am Ball befestigt sind, am Ende des Spiels vorzeigen kann, erhält dafür jeweils £10.

Dass es bei einem so wüsten Kampf um einen Ball nicht ohne Blessuren zugeht, liegt auf der Hand. Wenn ich mir die Filme ansehe, die bei Youtube eingestellt sind, muss ich sagen, dass manche Kampfhandlungen schon wie ernsthafte Schlägereien aussehen. Auch der Polizei von Atherstone geht manches zu weit. Beim Betrachten der Bilder, die die in England allgegenwärtigen CCTV-Kameras in diesem Jahr aufgenommen haben, hat die Gewalttätigkeit in der Long Street einen neuen Höhepunkt erreicht, wie dieser Film zeigt. Sicher sind vor Beginn des Spiels etliche Pints durch die Kehlen der Spieler gelaufen und so, richtig vorgeglüht, hat man noch weniger Hemmungen, auf andere Spieler einzuschlagen.

So sah der Ball bei den Atherstone Ball Games im Jahr 2012 aus. Author: Adrian Roebuck. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

So sah der Ball bei den Atherstone Ball Games im Jahr 2012 aus.
Author: Adrian Roebuck.
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Published in: on 7. Oktober 2015 at 02:00  Comments (1)  
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Sam Larner – The Singing Fisherman aus Winterton-on-Sea von der Küste Norfolks

Winterton-on-Sea (Norfolk).   © Copyright Andy Jamieson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Vor einiger Zeit schrieb ich in meinem Blog über Alan Smethurst, den Singing Postman aus Norfolk, der mit einer seiner Platten sogar den Beatles in den Hitparaden Englands Konkurrenz machte. Dieses Phänomen gelang Sam Larner, ebenfalls aus Norfolk, zwar nicht, aber wer kann schon von sich behaupten, im Alter von 78 Jahren ins Musikbusiness eingestiegen zu sein?

Sam Larner wurde 1878 in Winterton-on-Sea an der Ostküste Norfolks geboren, einem Ort, dessen Männer zum größten Teil ihren Lebensunterhalt als Fischer verdienten. Viele andere Möglichkeiten gab es damals in dieser Region nicht. „For me and my brothers that was either sea oder gaol“, sagte Sam Larner später einmal. Im Alter von vierzehn Jahren fuhr Sam erstmals zur See und dem Beruf des Fischers sollte er mehrere Jahrzehnte lang nachgehen. Winterton-on-Sea war sein ganzes langes Leben lang sein Heimathafen.

Was machen Fischer, wenn sie von anstrengenden Tagen auf dem Meer nach Hause zurückkehren? Na klar, sie gehen in den Pub. Das waren zu Sams Zeiten The Three Mariners und The Fishermans Return in Winterton-on-Sea. Das erstgenannte Gasthaus gibt es schon lange nicht mehr, wogegen das zweite noch existiert. Ich weiß nicht, welche Biersorten damals angeboten wurden, heute kann man im Fishermans Return u.a. Adnams Regatta und Woodforde’s Wherry zu sich nehmen.
Je mehr Bier die heimgekehrten Fischer tranken, umso sangesfreudiger wurden sie auch, und da tat sich Sam Larner besonders hervor. Gern schmetterte er Lieder wie „Cruising Round Yarmouth„, „The Ghost Ship“ und „The Dogger Bank„, in denen es um das raue Leben auf hoher See ging.

1956 machte ein Produzent von BBC Birmingham, Philip Donnellan, eine Tour durch England, um Tonbandaufzeichnungen mit Arbeitern in unterschiedlichen Berufen aufzunehmen, und da traf er zufällig in Winterton-on-Sea auf Sam Larner. Als er von seinen Sangeskünsten erfuhr, nahm er im Jahr darauf 25 seiner Lieder auf und ließ ihn in zwei seiner Radioshows auftreten. Als der Folksänger und Plattenproduzent Ewan McColl von Sam hörte, machte er sich gemeinsam mit der Liedermacherin Peggy Seeger auf den Weg nach Winterton-on-Sea, wo er sich viele Stunden lang mit dem fast achtzigjährigen Fischer unterhielt, Interviews mitschnitt und natürlich jede Menge Lieder aufnahm. Aus diesem Material entstand schließlich die erste LP des Singing Fisherman, die den Titel „Now is the Time for Fishing“ trug; darauf waren 19 Songs zu hören, plus Geschichten, erzählt von Sam Larner. Noch heute ist eine CD mit diesen Aufnahmen im Handel erhältlich. Sam hatte noch mehrere Auftritte im Radio, bei denen er seine Fähigkeiten als Sänger unter Beweis stellte.
Am 11. September 1965 starb er in Winterton-on-Sea, dort, wo er sein ganzes Leben zugebracht hatte. An seinem Haus am Bulmer Lane brachte man 2008 eine blaue Plakette an. Kürzlich war sein 50. Todestag, und ich kann mir vorstellen, dass man Sam Larner in Winterton-on-Sea so schnell nicht vergisst.

Hier ist er mit „The Lofty Tall Ship“ und hier mit „Merry Month of May“ zu hören.

Hier, im Fisherman's Return, schmetterte Sam Larner einst seine Lieder.   © Copyright Suse and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier, im Fisherman’s Return, schmetterte Sam Larner einst seine Lieder.
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Published in: on 2. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Saddleworth Whit Friday Brass Band Contests

Brass Bands in Delph.   © Copyright Paul Anderson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Brass Bands in Delph (Greater Manchester).
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Jedes Jahr am Freitag nach dem Pfingstfest (Whit Friday) quälen sich Dutzende von Reisebussen durch die Region Saddleworth östlich von Oldham (Greater Manchester), die ihre Passagiere, Männer und Frauen in Uniformen und mit Blasinstrumenten bewaffnet, in den Dörfern Delph, Denshaw, Diggle, Dobcross und wie sie alle heißen, absetzen. Sie alle haben nur ein Ziel: Die Teilnahme an den Saddleworth Whit Friday Brass Band Contests, dem wohl größten Wettbewerb seiner Art in England.

Brass Bands verbindet man mit dem Norden des Landes, mit Bergarbeiterstädten und seit 1996 mit dem großartigen Spielfilm „Brassed Off„, der in Deutschland unter dem Titel „Mit Pauken und Trompeten“ lief. Hier ist der Trailer zu sehen.
Seit 1884 treffen sich die Brass Bands aus dem ganzen Land hier am Saddleworth Moor (berühmt-berüchtigt durch die beiden Serienmörder Myra Hindley und Ian Brady, die ihre Opfer hier verscharrten und die in die Kriminalgeschichte als die Moors Murderers eingingen), einer rauen Moorlandschaft, nicht weit von der Großstadt Manchester entfernt.
In diesem Jahr nahmen 126 Bands teil, die von Dorf zu Dorf zogen und dort jeweils ihr Können zeigten. Die Juroren können die Brass Bands nicht sehen, sie müssen also blind, nur ihrem Gehör folgend, die Qualität jeder einzelnen Band beurteilen und fällen dann ihr Urteil. Den Gesamtpreis 2015 gewann in diesem Jahr die Fairey Band aus Stockport, die sich selbst „One of the world’s finest brass bands“ nennt; gefolgt von der 1855 gegründeten weltberühmten Black Dyke Band aus Queensbury (West Yorkshire). Platz 3 belegte die renommierte Brighouse and Rastrick Brass Band aus Brighouse (West Yorkshire).

Was sich da an diesem Whit Friday in den Dörfern am Rand der Pennines abspielt, kann man daran sehen, wieviele Bands jeweils auftraten: In Delph zum Beispiel waren 77 Brass Bands zu hören, in Lydgate 74 und in Dobcross 69. Ich möchte da kein Preisrichter gewesen sein, denn für ungeschulte Ohren klingen die Bands doch alle sehr ähnlich.

Dieser Film zeigt wie es bei den Saddleworth Whit Friday Brass Band Contests in Delph zugeht und dieser Film zeigt Szenen aus Denshaw.

Brass Bands in Dobcross (Greater Manchester).   © Copyright Paul Anderson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Brass Band in Dobcross (Greater Manchester).
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Published in: on 13. September 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Die Kleiderordnung in der Royal Enclosure beim Royal Ascot Pferderennen

Die Pferderennbahn von Ascot ist nicht weit vom Windsor Castle entfernt und so kommen Mitglieder der königlichen Familie wie die Queen oder Prince Charles gern mit einer Pferdekutsche zum Rennen. Das prestigeträchtige Royal Ascot findet in diesem Jahr vom 16. bis zum 20. Juni statt und da sind Preisgelder von über £5,5 Millionen zu gewinnen. Kein Wunder, dass in diesen Tagen wieder die besten Pferde aus aller Welt an den Start gehen.

Die Royals beobachten das Geschehen auf der Rennbahn natürlich von der Royal Enclosure aus, der Tribüne, die nur für ganz ausgewählte Personen zugänglich ist. Um dort hineinzugelangen, muss man beim Royal Enclosure Office einen Antrag stellen und von jemandem empfohlen werden, der mindestens schon viermal offizieller Gast in dieser exklusiven Hochsicherheitszone war. Sollte man diese Hürde, um in der Pferderennsprache zu bleiben, tatsächlich genommen haben, dann muss man als nächstes besonderes Augenmerk auf seine Kleidung legen, um nicht doch noch am Eingang zur Royal Enclosure abgewiesen zu werden.

Miniröcke, Kleider mit Spaghettiträgern oder gar nabelfreie Kleidungsstücke sind absolute Tabus für die Damenwelt; damit kommt man nicht auf die königliche Tribüne. Vorgeschrieben sind stattdessen Kleider und Röcke, die ein kleines Stückchen über dem Knie enden dürfen, aber gern auch länger sein können. Hosenanzüge sind okay, müssen aber farblich und vom Material her aufeinander abgestimmt sein. Hüte sind natürlich unerlässlich; allerdings sind sogenannte „headpieces“ mit einem Mindestdurchmesser von zehn Zentimetern auch akzeptabel.

Nachdem nun die Dame entsprechend ausstaffiert ist und Einlass in die Royal Enclosure findet, was wird jetzt von ihrem männlichen Begleiter erwartet? Auf jeden Fall ein „morning dress“; das ist natürlich kein Bademantel, sondern ein Cutaway, eine Art Gehrock, entweder in Schwarz oder in Grau, zu dem eine Weste, schwarze Schuhe und ein Zylinder getragen wird. Der Zylinder muss „normal“ sein, d.h. man darf ihn nicht mit irgendwelchen Bändchen oder anderen Verzierungen versehen. Absetzen darf man den „top hat“ nur in bestimmten Bereichen wie z.B. in den Restaurants oder in den Privatlogen.

Sollte man sogar seine Kinder mitbringen dürfen, dann gilt auch für den Nachwuchs eine Kleiderordnung. Empfohlen wird für Mädchen ein Sommerkleidchen. Hüte oder „headpieces“ können, müssen aber nicht sein. Die jungen Herren sollten sich nach der Kleidung ihrer Väter richten, haben dafür aber das Glück, keine Hüte tragen zu müssen.

So ausgestattet, kann man sich in das Pferderennvergnügen stürzen oder sich vielleicht lieber an Champagner und erlesenen Speisen ergötzen.

The Royal Enclosure in Ascot. Author: troxx. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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Published in: on 25. April 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Aristoteles, ein Wildschwein und ein Kirchenfenster in Horspath (Oxfordshire)

Das Copcot-Kirchenfenster in der KIrche von St Giles on Horspath (Oxfordshire). Author: Motacilla. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Das Copcot-Kirchenfenster in der KIrche von St Giles on Horspath (Oxfordshire).
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Wozu Bücher doch alles gut sein können, sagte sich im 15. Jahrhundert ein Student des Oxforder Queen’s College. John Copcot war zur Weihnachtszeit auf dem Weg durch den Wald von Shotover, östlich von Oxford, um die Kirche von St Giles in Horspath aufzusuchen. Um sich dabei die Zeit zu vertreiben, las er in einem Buch von Aristoteles. Doch die friedliche Atmospäre wurde plötzlich getrübt, als sich der hellenophile Student einem angriffslustigen Wildschwein gegenübersah. Das Tier hatte wohl noch ein Hühnchen mit Oxforder Studenten zu rupfen, denn es attackierte den jungen Mann. Dieser hatte als einzige Waffe das Buch des Philosophen bei sich, das glücklicherweise mit Metallecken versehen war, und er rammte dieses tief in den Rachen des wütenden Ebers… der daraufhin verschied. Ob das Buch anschließend noch verwendbar war, ist nicht überliefert, aber Copcot war es erst einmal wichtiger, mit heiler Haut davongekommen zu sein.

Was sollte man nun mit dem toten Wildschwein anfangen? Der Student schnitt dem Tier den Kopf ab (woher hatte er plötzlich einen scharfen Gegenstand, mit dem er sich hätte auch verteidigen können?), spießte ihn auf und trug ihn zur Kirche. Nach der Messe nahm Copcot seine Trophäe mit in sein College, wo der Kopf gebraten und am Weihnachtstag zum Abendessen serviert wurde.

Seit über 600 Jahren ist im Queen’s College die Tradition der Boar’s Head Ceremony erhalten geblieben, bei der am letzten Samstag vor Weihnachten im Speisesaal ein Wildschweinkopf aufgetragen wird, der mit Lorbeer, Rosmarin und Mistelzweigen, sowie Fähnchen und einer Krone hübsch dekoriert ist. Dazu singt man passenderweise „The Boar’s Head Carol„. Eingeladen werden zu dem traditionellen Abendessen ehemalige Studenten des Queen’s Colleges, die sich in einem bestimmten, jeweils wechselnden Jahr dort immatrikuliert haben.

Aber auch die Kirche von St Giles in Horspath vor den Toren der Universitätsstadt hält den mutigen Wildschweintöter in Erinnerung und zwar in Form eines Kirchenfensters, auf dem ein Mann in Apostelgewand zu sehen ist, der einen Spieß in der Hand hält auf dem ein Wildschweinkopf steckt.

Hier interpretiert die Folkrock-Gruppe Steeleye Span „The Boar’s Head Carol“.

 

St Giles in Horspath.    © Copyright Bikeboy and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Im Wald von Shotover. Etwa hier wurde der Student von der wütenden Bestie attackiert.    © Copyright Bill Boaden and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Im Wald von Shotover. Etwa hier wurde der Student von der wütenden Bestie attackiert.
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Das Queen's College in Oxford.    © Copyright DS Pugh and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Queen’s College in Oxford.
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