Sandringham in Norfolk Teil 2 – The Wolferton Railway Station

Photo © Evelyn Simak (cc-by-sa/2.0)

Als 1862 der Landsitz Sandringham vom englischen Königshaus übernommen wurde und der Prince of Wales dort einzog, musste man sich Gedanken darüber machen, wie denn die Royals und ihre Gäste dort hinkamen. Im selben Jahr, am 3. Oktober nahm die King’s Lynn to Hunstanton-Eisenbahnlinie ihren Betrieb auf, und einer der Bahnhöfe bediente die Einwohner des Dorfes Wolferton. Da kam es den Betreibern der Linie sehr gut zu Pass, dass Sandringham ebenfalls dringend einen Bahnhof in der Nähe des knapp vier Kilometer entfernten Landsitzes benötigte. Es herrschte zeitweise ein reges Treiben auf der Royal Station Wolferton, denn es wurden auf Sandringham häufig Feste gefeiert, und die Gäste reisten aus London und anderen Teilen Englands an.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Bahnhof luxuriöser gestaltet, so enstanden holzvertäfelte Warteräume für die Royals und ihre distinguierten Gäste. Es verkehrten so viele Züge von Hunstanton nach Wolferton dass die Linie, die bisher nur einspurig befahrbar war, doppelspurig ausgebaut wurde.

Ein besonderes Ereignis spielte sich am 3. Juni 1886 ab, als zum 21. Geburtstag des Prinzen, des späteren Georg V., ein Zirkus nach Sandringham eingeladen wurde. Nach der Vorführung kam es auf dem Bahnhof von Wolferton zu einem Problem beim Verladen eines Elefanten. Die Zirkusleute banden den Dickhäuter an einen Laternenmasten, was der gar nicht mochte und den Pfahl einfach ausriss und weitere Schäden verursachte, bis es dann doch gelang, ihn auf einen Eisenbahnwaggon zu lotsen.

Bis 1966 tat der Bahnhof seine Dienste für die Royals, dann war Schluss. Autofahrten von London nach Sandringham erwiesen sich dann doch als schneller und bequemer. Royal Station Wolferton wurde verkauft und kam in Privatbesitz, im königlichen Warteraum entstand ein Museum mit Erinnerungsstücken aus der Vergangenheit.

Queen Elizabeth II. stattete Wolferton am 29. Januar 2013 einen Besuch ab, als das neue Dorfschild samt einer Bank eingeweiht wurde.

Der derzeitige Besitzer des Bahnhofs, Richard Brown, wurde mehrfach dafür ausgezeichnet, dass er die historischen Gebäude so sorgfältig erhalten und restauriert hat.

Hier ist ein Film übr die Royal Station for Sandringham.

Das Stellwerk.
Photo © Christine Matthews (cc-by-sa/2.0)
Ein gekrönter Laternenpfahl auf dem ehemaligen Bahnsteig.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)
Das von der Queen eingeweihte Dorfschild von Wolferton.
Photo © Adrian S Pye (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 31. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Sandringham in Norfolk Teil 1 – Ein königlicher Landsitz, der einmal seine eigene Zeit hatte

Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Den Namen Sandringham, ein royaler Landsitz in der Grafschaft Norfolk, hört man jedes Jahr um die Weihnachtszeit, wenn sich die königliche Familie dort trifft, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. König Georg V. hatte diese Tradition bereits 1932 ins Leben gerufen, und von Sandringham aus wurde die erste Weihnachtsansprache live im Radio übertragen. Georg V. liebte den Landsitz, in dem er auch starb, über alles und sagte einmal „dear old Sandringham, the place I love better than anywhere in the world“.

Queen Victoria hatte Sandringham für ihren ältesten Sohn, den Prince of Wales, gekauft, der dort mit seiner Frau Alexandra einzog. Bald wurde es ihnen dort zu eng, so dass sie das Haus abreißen und ein neues, größeres errichten ließen.

Der spätere König Edward VII. war leidenschaftlicher Jäger, und er nutzte jede frei Stunde, um seiner Leidenschaft in den Wäldern um Sandringham zu frönen. Er ging sogar so weit, alle Uhren im Haus eine halbe Stunde vorzustellen, um auf diese Weise noch ein wenig mehr Zeit für die Jagd herauszuschlagen, vor allem in der dunklen Jahreszeit. Im Zeitraum von 1901 bis 1936 war die Sandringham Time die offizielle Zeit auf dem Anwesen.

Nach dem Tod von Georg V. im Jahr 1936 machte dessen Sohn, Edward VIII., dem Spuk mit der Sandringham Time und den „bloody clocks“ ein für allemal ein Ende. Niemand der späteren Royals äußerte die Absicht, die Sandringham Time wieder einzuführen.

Eine der vielen „bloody clocks“ auf dem Anwesen von Sandringham, die seit 1936 wieder die richtige Zeit anzeigt.
Author: ell brown.
Creative Commons 2.0
Published in: on 30. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Brighton Naked Bike Ride – Mit nackten Körpern gegen die Autogesellschaft

Photo © David Lally (cc-by-sa/2.0)

Weltweit gibt es eine Aktion, die sich World Naked Bike Ride nennt, und in vielen Städten ausgetragen wird.
„We face automobile traffic with our naked bodies as the best way of defending our dignity and exposing the unique dangers faced by cyclists and pedestrians as well as the negative consequences we all face due to dependence on oil, and other forms of non-renewable energy“. So lautet der Wahlspruch der Aktivisten.

Seit 2006 wird dieses Nacktradeln auch in der Region Brighton ausgetragen mit dem Titel „Brighton Naked Bike Ride„. Nachdem im vergangenen Jahr Corona auch diese Veranstaltung abgewürgt hat, soll sie in diesem Jahr wieder stattfinden und zwar am 15. August. Drücken wir die Daumen, dass es trotz stark steigender Neuinfektionen klappt.
Nach Absprache mit der Polizei ist „full nudity“ erlaubt, was sicher dem Interesse der Zuschauer entgegenkommt.

Körperbemalung ist von den Veranstaltern ausdrücklich erwünscht und auch seinen fahrbaren, zweirädrigen Untersatz kann man gern dekorieren.
Der Start ist im Preston Park, und dann führt die drei Kilometer lange Route durch das Zentrum Brightons, am Pier und Royal Pavillion vorbei, und endet am Black Rock-FKK-Strand, wo man sich dann bei einem erfrischenden Bad im Meer von der Tour erholen kann.

Brighton & Hove gehörten zu Englands Cycling Demonstration Towns, das waren besonders fahrradfreundliche Städte. Diese Initiative wurde im Jahr 2011 wieder eingestellt.

Hier einige Impressionen von einem früheren Brighton Naked Bike Ride.

Published in: on 29. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Dirty Bottles in Alnwick (Northumberland)

Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Über die kleine Stadt Alnwick im hohen Norden Englands, in der Grafschaft Northumberland, habe ich bereits fünf Artikel zu verschiedenen Themen geschrieben; hier ist nun der sechste Beitrag.
Es geht um einen Pub in der Straße Narrowgate mit dem Namen The Dirty Bottles. Das klingt erst einmal nicht so ganz Vertrauen erweckend, aber der Namen täuscht, es handelt sich hier nicht um einen Gasthof der Kategorie „Zum schmutzigen Löffel“. Das Haus ist schon sehr alt, vermutlich wurde es im 17. Jahrhundert erbaut, und es existierte lange unter dem Namen Ye Old Cross Inn. Der jetzige Name wurde übernommen weil in einem Fenster des Pubs wirklich schmutzige Flaschen stehen, die man nicht berühren kann, weil sie zwischen zwei Fensterscheiben isoliert sind, und das ist auch besser so, denn es heißt, wer diese Flaschen anfasst, wird sterben. Warum? Ein früherer Gastwirt soll einmal versucht haben, die schmutzigen Flaschen zu entfernen und bei dem Vorgang tot umgefallen sein, woraufhin seine Witwe jeden davor warnte, die Flaschen anzufassen, weil demjenigen dann dasselbe Schicksal widerfahren würde. So stauben sie denn weiter dahin, die dirty bottles.

Eigentlich war man kurz davor, den Pub abzureißen, um Platz für ein Wohnhaus zu schaffen, doch glücklicherweise konnte das verhindert werden, und mit Hilfe eines namhaften Innenarchitektenbüros entstand aus einem hässlichen Entlein ein stolzer Schwan. In den Dirty Bottles kann man auch übernachten, ein idealer Standort, um Alnwick, die Burg und die Umgebung zu besuchen.

The Dirty Bottles
32 Narrowgate
Alnwick NE66 1JG

Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 28. Juli 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Miss Great Britain Party – Eine kurzlebige Partei, die durchaus ihre Reize hatte

Author: pageantcast.
Creative Commons 2.0

Make Westminster sexy not sleazy“ war der Wahlspruch der „Miss Great Britain Party„, die 2008 gegründet wurde, im Jahr darauf aber schon wieder von der Bildfläche verschwand. Kandidatinnen waren mehrheitlich Teilnehmerinnen der britischen Schönheitswettbewerbe. Gründer war der damalige Vorsitzende des Miss Great Britain Wettbewerbs, Robert de Keyser.

Unter dem Motto „Wandel durch Schönheit“ wollten die hübschen Damen Bewegung in die ihrer Meinung nach langweilige, von Männern in grauen Anzügen geprägte politische Szene bringen.

Einige ihrer Ziele waren:
– Mütter mit Kindern, die ihre Arbeit aufgeben, sollen finanziell besser gestellt werden.
– Ein nationaler Bank Holiday, an dem der Bevölkerung die Gelegenheit gegeben werden soll, gut auszusehen.
– Bessere Besoldung der britischen Soldaten.
– Höhere Steuern für Besserverdiener

Also alles vernünftige Ziele, die auch den etablierten Partei gut anstehen würden.

Leider bekamen die kurvenreichen Damen in der Politik nicht die Kurve, und der Erfolg der MGB-Party bei den Wahlen an denen sie teilgenommen hat, war sehr überschaubar: Sie hat die 1%-Marke nie überschritten.
Eigentlich schade…

Published in: on 27. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Richard Munslow, der letzte „sin-eater“ Englands

Das Sin-Eater Festival vor dem Pub The Bridges in Ratlinghope (Shropshire).
Photo © Bill Boaden (cc-by-sa/2.0)

Wenn nicht gerade Corona dem Treiben einen Strich durch die Rechnung macht, findet jedes Jahr in dem Örtchen Ratlinghope in der Grafschaft Shropshire am Pub The Bridges das Sin-Eater Festival statt. Was hat es nun mit den „Sündenfressern“ auf sich und warum gilt ihnen ein Festival in diesem Dorf?

Es handelt sich um einen Brauch, der früher einmal in Wales und den angrenzenden englischen Grafschaften üblich war. War jemand gestorben, der vor seinem Ableben keine Gelegenheit mehr gehabt hatte, seine Sünden zu beichten, dann griff man zu einem Trick, um dem Verblichenen doch noch von seinen Sünden zu befreien. Ein „sin-eater“ wurde engagiert, der über der Leiche ein Mahl zu sich nahm, damit durch diese Mahlzeit die Sünden absorbiert wurden. Nun trug dieser arme Mensch die Sünden des Verstorbenen mit sich herum, was er aber nur aus finanziellen Gründen tat, denn es gab für diese „Arbeit“ auch einen kleinen Obolus.

Damit wäre die erste Frage geklärt. Ratlinghope feiert sein Festival weil hier auf dem Kirchhof von St Margaret’s ein gewisser Richard Munslow beigesetzt worden ist, der als letzter sin-eater Englands gilt. Munslow war ein Farmer aus dem benachbarten Upper Darnford, der im Jahr 1906 starb. Er war der Vater von sieben Kindern, von denen vier schon in jungen Jahren starben. Der Farmer gehörte also nicht in die Gruppe von Menschen aus denen sin-eater normalerweise rekrutiert wurden, aber der Verlust seiner Kinder soll ihn dazu veranlasst haben, diesen schon fast vergessenen Brauch wieder aufleben zu lassen.

Das Dorf Ratlinghope und die Kirche St Margaret’s spielte schon einmal eine Rolle in meinem Blogpost vom 23. Januar 2019 über den Reverend Edmund Donald Carr.

St Margaret’s in Ratlinghope. Das Grab von Richard Munslow liegt linkerhand außerhalb des Fotos.
Photo © Row17 (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 26. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Hemlock Water Dropwort – Großbritanniens giftigste Pflanze

Author: Philip_Godard.
Creative Commons 2.0

Botaniker nennen sie Oenanthe crocata, die giftigste Pflanze in ganz Großbritannien, die allerdings eher unter dem Namen hemlock water dropwort bekannter ist. Im deutschsprachigen Bereich kennt man sie als Safranrebendolde. Bei dieser Pflanze ist so ziemlich alles giftig, vor allem die Bestandteile, die sich unter dem Erdboden befinden. Sie wächst vornehmlich an Bächen, Seen und anderen Feuchtgebieten und besonders gefährlich ist, dass sie anderen Pflanzen stark ähnelt, die nicht giftig sind wie zum Beispiel der Petersilie. Hemlock water dropwort hat einen angenehmen süßlichen Geruch, der dazu verführen kann, sie einmal zu probieren. „The root is said to taste pleasantly like parsnip before poisoning the consumer„, heißt es lapidar auf den Webseiten von wildfooduk.com.

Andere Namen für diese hochgiftige Pflanze sind da schon eher abschreckend wie Dead Mans Fingers und Dead Tongue. Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, dass der Begriff „sardonisches Grinsen“ auf hemlock water dropwort zurückzuführen ist, weil diese in der Zeit der Phönizier in Sardinien dazu verwendet wurde, um Kriminelle und andere unerwünschte Personen ins Jenseits zu schicken; bei diesem wenig humanen Vorgang verzog sich die Gesichtsmuskulatur der Betroffenen zu einem Grinsen, wozu diese natürlich keinen Anlass hatten.

Dieser Film klärt über die Gefahr von hemlock water dropwort auf.

Published in: on 25. Juli 2021 at 02:00  Comments (2)  

Farndon in Cheshire und ein Blumengeschäft

Paul Burrells Blumenladen in der High Street von Farndon in Cheshire.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Am 31. August wird es 24 Jahre her sein, dass Diana, Princess of Wales, bei einem Autounfall im Pariser Alma-Tunnel ums Leben kam. Einer der ersten Menschen, die sofort nach dem Unfall in das Pariser Krankenhaus kamen, in dem die tote Prinzessin lag, war ihr Butler, Paul Burrell, die sich beide sehr nahe standen. Lange Zeit hielt er ihre Hand und konnte nicht glauben, dass seine Dienstherrin nicht mehr am Leben war. „The Rock“, wie Lady Diana ihren Butler nannte, der Fels an ihrer Seite, schrieb später mehrere Bücher, von denen „A Royal Duty“ (dt. „Im Dienste meiner Königin“) ein Bestseller wurde, der sich weltweit millionenfach verkaufte.

Dann wurde es still um den Ex-Butler, bis ihm Diebstahl persönlichen Eigentums der Prinzessin vorgeworfen wurde, aber der Strafprozess gegen ihn wurde eingestellt.

Was machte Paul Burrell, nachdem er aus royalen Diensten ausgeschieden war? Er zog sich mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in das kleine Dorf Farndon, direkt an der Grenze zu Wales, in der Grafschaft Cheshire zurück, wo er im Jahr 2001 in der High Street ein Blumengeschäft eröffnete. Da der ehemalige Butler durch Lady Diana sehr viele Prominente kennengelernt hatte, lud er zur Eröffnung seines Geschäfts Danny LaRue, einen Travestiekünstler (der 2009 verstarb), und den Schauspieler Steven Pinder ein, der in England hauptsächlich durch die Seifenoper „Brookside“ bekannt war. Bis zum Jahr 2019 betrieb Paul Burrell seinen Blumenladen ehe er ihn 2019 verkaufte. Achtzehn Jahre lang hatte er die Bewohner von Farndon und Umgebung bei allen erdenklichen Anlässen mit Blumen versorgt. Schon zwei Jahre zuvor hatte ein neuer Lebensabschnitt für ihn begonnen: Er trennte sich nach 32 Ehejahren von seiner Frau Maria, einer ehemaligen Angestellten von Prinz Philip, und heiratete seinen langjährigen Partner Graham Cooper. Beide leben heute in einem „mock Tudor-Haus“ in Peckforton (Cheshire), etwa zehn Kilometer östlich von Farndon.

Hier ist ein Promotion-Video aus dem Jahr 2010 über Paul Burrells Blumengeschäft.

Published in: on 24. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Invitation to View – Führungen durch historische Häuser

Hall, Bishops Tawton in Devon.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Viele der großen englischen Stately Homes sind für Besichtigungen geöffnet und in der Hauptsaison kann es da schon ganz schön voll werden; ich denke da zum Beispiel an Blenheim in Oxfordshire, Chatsworth in Derbyshire oder an Castle Howard in North Yorkshire. Die besondere Atmosphäre dieser Häuser kommt dann leider nicht zum Tragen, wenn sich Menschenmassen durch die Räume schieben.

Es gibt aber auch eine Fülle von Landhäusern in Privatbesitz, die in der Regel ihre Türen nicht für Besucher öffnen, in die man ebenfalls gern einen Blick werfen würde. Da kommt Invitation to View zum Tragen, ein Netzwerk historischer Häuser, die an ausgewählten Tagen des Jahres Führungen zulassen. Selbst wenn diese Häuser auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind, bietet Invitation to View spezielle Touren in die Bereiche an, die sonst nicht Teil der Führungen sind.

In den meisten Fällen werden die Führungen von den Besitzern der historischen Häuser selbst vorgenommen, und die Besucher erhalten etwas zum Trinken und zum Essen, es ist also alles sehr privat und exklusiv.

Voraussetzung, um an einer dieser Touren teilzunehmen, ist die Mitgliedschaft (£56 im Jahr) bei der Historic Houses Association, einem Verbund von 1650 Häusern, Schlössern und Gärten in Privatbesitz. Präsidentin ist zur Zeit Martha Lytton Cobbold, verheiratet mit Henry Cobbold aus der berühmten Familie, die in der 19. Generation im Knebworth House wohnt.

Im Anschluss sind einige der Häuser im Bild aufgeführt, die man mit Hilfe von Invitation to View in der nächsten Zeit ansehen kann.

Goldsborough Hall in North Yorkshire.
Photo © Andrew Abbott (cc-by-sa/2.0)
Combermere Abbey in Cheshire.
Photo © Espresso Addict (cc-by-sa/2.0)
Acton Scott Hall in Shropshire.
Photo © Peter Whatley (cc-by-sa/2.0)
Ingatestone Hall in Essex.
Photo © John S Turner (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 23. Juli 2021 at 02:00  Comments (2)  

Motorrad-Leichenwagen aus Measham in Leicestershire

Author: johngarghan.
Creative Commons 2.0

Eine Marktlücke der besonderen Art hatte Reverend Paul Sinclair aus Measham in Leicestershire ausgemacht. Wenn Motorradfahrer sterben, wollen sie dann in einem Auto zur letzten Ruhestätte gefahren werden? NEIN!!! “No one places an Everton fan in a Liverpool strip when they die so why should a motorcycle enthusiast be last seen in an automobile?”, so steht es auf den Webseiten der Firma zu lesen. Also kreierte Sinclair, ein Pfarrer der Pfingstgemeinde, Motorräder mit angebauten Leichenwagen.

Der Erfolg der 2002 gegründeten Firma Motorcycle Funerals war und ist so groß, dass mittlerweile Beerdigungen in ganz England und Schottland durchgeführt werden. Paul Sinclair ist vor zwei Jahren gestorben und natürlich wurde der begeisterte Biker auch in einem seiner speziellen Leichenwagen zu seiner Trauerfeier gefahren, begleitet von zahlreichen Motorradfahrern, die dem Reverend ihre letzte Ehre erweisen wollten.

Zur Auswahl stehen Triumphs, eine Suzuki und eine Harley-Davidson. Die Suzuki Hayabusa ist das Paradestück der Firma. Das Motorrad kann über 200 km/h fahren und hält den Weltrekord als schnellster Leichenwagen der Welt (hier ist ein Film darüber), aufgestellt auf dem Elvington Race Track in North Yorkshire. Wer es also besonders eilig hat, zu seiner eigenen Beerdigung zu gelangen, ist mit der Suzuki bestens bedient.

Auf der Facebook-Seite von Motorcycle Funerals kann man sich mehrere Videos anschauen, in denen die Leichenwagen der Firma zu sehen sind. Und hier ist ein Beispiel für eine Beerdigungsfeier mit einer „motorcycle hearse“.
In anderen Ländern wie Irland, Australien und den USA wird dieser letzte Service für Biker ebenfalls angeboten.

Published in: on 22. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Das Manor House – Der Gutsherrensitz in englischen Dörfern

Photo © Geographer (cc-by-sa/2.0)

In klassischen, alten englischen Dorfkrimis spielt häufig das Manor House eine Rolle, in dem eine hochrangige Persönlichkeit wohnt. Clive Aslet hat in seinem Buch „Villages of Britain“ eine sehr treffende Beschreibung für das Manor House abgegeben: „The words conjure up a picturesque dream of roaring fires in whitewashed halls, of oak panelling and carved stonework glimpsed through the shadows, the glint of pewter, mysterious tapestries…Often built near the church, the manor house is part of the immemorial fabric of the countryside„. Clive Aslet, der ehemalige Herausgeber des Country Life Magazins, hat diese Beschreibung in einem Artikel über das Manor House von Hammoon in Dorset festgemacht, ein besonders schönes Exemplar.

In meinem Blog möchte ich heute einige Beispiele für diese Gutsherrenhäuser im Bild geben.

The Manor House in Hammoon (Dorset).
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)
Direkt neben der Kirche liegt das Manor House von Little Missenden in Buckinghamshire (siehe dazu auch meinen Blogeintrag).
Eigenes Foto.
Stoke Poges Manor House in Buckinghamshire, einst Wohnsitz der Penn-Familie, nach der der US-Bundesstaat Pennsylvania benannt wurde.
Photo © Des Blenkinsopp (cc-by-sa/2.0)
Das Manor House von Amberley, Teil des Amberley Castle Hotels in West Sussex (siehe dazu meinen Blogeintrag).
Photo © Rob Farrow (cc-by-sa/2.0)
Tarporley Manor in Cheshire aus dem Jahr 1585.
Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)
Asthall Manor in Oxfordshire. Hier wohnte die berühmte Mitford-Familie von 1919 bis 1926.
Photo © Vieve Forward (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 21. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Walter Arnold – Der Raser von Paddock Wood (Kent)

Die High Street von Paddock Wood.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Paddock Wood ist eine Kleinstadt in der Nähe von Tunbridge Wells in Kent und das Zentrum des Hopfenanbaus der Grafschaft. Hier ereignete sich am 28. Januar 1896 ein Ereignis, das in die Annalen der Verkehrsgeschichte eingegangen ist und Paddock Wood unauslöschlich mit dem Begriff „Raserei“ in Verbindung gebracht hat.
Ein gewisser Walter Arnold fuhr an diesem Tag mit seinem Auto zur Mittagszeit durch die Kleinstadt – mit weit überhöhter Geschwindigkeit! Vorgeschrieben war eine Maximalgeschwindigkeit von 2 Meilen/Stunde. Mr. Arnold besaß doch die Kaltschnäuzigkeit, mit 8 Meilen pro Stunde durch den Ort zu rasen, also dem vierfachen der erlaubten Geschwindigkeit! Ein Ortspolizist saß gerade bei seinem Mittagessen und bemerkte diesen Verkehrsrowdy. Er schwang sich sofort auf sein Fahrrad, verfolgte das Auto von Walter Arnold, überholte ihn und stellte ihn zur Rede. Die Folge: Walter Arnold war der erste Mensch der Welt, der ein „speeding ticket“ wegen zu schnellen Fahrens verpasst bekam. Außerdem war er des Vergehens schuldig, dass niemand mit einer roten Fahne vor ihm herging und die Menschen auf die herannahende Gefahr aufmerksam machte, was damals vorgeschrieben war (Red Flag Act). Er musste später dafür eine Strafe in Höhe von £4 7 Shilling zahlen. Übrigens: Zum Zeitpunkt der „Straftat“ gab es in ganz Großbritannien 20 Autos!
Walter Arnold war nicht irgendjemand; er gehörte zu den britischen Pionieren der benzinbetriebenen Kraftfahrzeuge.

Da der Zwischenfall damals nicht gefilmt wurde, zeigt dieser Film leider nur einen Blick auf die High Street von Paddock Wood.

Published in: on 20. Juli 2021 at 02:00  Comments (1)  

Die Superlative der Liverpool Cathedral

Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

In Liverpool stehen zwei Kathedralen nicht weit voneinander entfernt: Die katholische Liverpool Metropolitan Cathedral und die anglikanische Liverpool Cathedral mit deren Superlativen ich mich heute beschäftigen möchte.

Der gewaltige neugotische Bau trägt die Handschrift des Architekten Giles Gilbert Scott (1880-1960), der unter anderem durch den Entwurf der roten Telefonzellen berühmt wurde. 1904 erfolgte die Grundsteinlegung, 1924 wurde die Kathedrale geweiht, richtig fertiggestellt aber erst 1978.

Die Liverpool Cathedral ist das größte Gotteshaus in Großbritannien und befindet sich weltweit unter den Top Ten, was die Größe anbelangt. Von der Länge der Kirche her steht sie mit 189 Metern nur dem Petersdom in Rom nach, der 211 Meter lang ist.
Der Kirchturm ist ebenfalls bemerkenswert, denn mit einer Höhe von 101 Metern ist er der höchste der Welt, von denen die keine Spitze haben, gleichzeitig ist er der größte Glockenturm der Welt, der auch die schwersten Glocken der Welt beherbergt. Die dreizehn sogenannten Bartlett Bells haben ein Gewicht von etwas über sechzehn Tonnen und umrahmen die Hauptglocke, Great George genannt, die mit einem Gewicht von über vierzehn Tonnen zu den drei schwersten Großbritanniens gehört.

Ein weiteres Superlativ der Liverpool Cathedral ist die gewaltige Orgel, mit 10,268 Pfeifen die größte ihrer Art im ganzen Land.

One of the great buildings of the world“ ist die Meinung von Sir John Betjeman, die vielleicht faszinierendste Kirche Großbritanniens.

Die Kathedrale ist zur Zeit täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, sonntags von 12 Uhr bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, aber man wird auf eine Spende hingewiesen, die £5 betragen sollte.

Hier ist ein virtueller Rundgang durch die Kirche.

Der gewaltige Kirchturm.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)
Die Glocken der Kathedrale.
Photo © Chris Downer (cc-by-sa/2.0)
Die Orgel.
Author: Anosmia. Creative Commons 2.0

Published in: on 19. Juli 2021 at 02:00  Comments (2)  

The Petrifying Well in Knaresborough (North Yorkshire) – Englands älteste Touristenattraktion

Eigenes Foto.
Eigenes Foto.

Sir Charles Slingsby kaufte 1630 König Charles I einen Teil des Royal Forests ab, der neben der Stadt Knaresborough direkt am Fluss Nidd in North Yorkshire lag, und der eine damals schon bekannte Quelle, die Dropping Well, enthielt.
Viele Leute wollten diese Quelle sehen, und so erhob Sir Charles damals schon eine Eintrittsgebühr und erschuf damit Englands älteste Touristenattraktion.

Was war nun das Besondere an der Quelle, die man später The Petrifying Well nannte? Das Wasser hat einen extrem hohen Anteil an mineralischen Stoffen und alles, was sich diesem Wasser „in den Weg stellt“ wird versteinert. Kalzium, Magnesium und Natrium sind die Hauptbestandteile dieser einzigartigen Quelle. Das Wasser ergießt sich über einen Felsen und die Mineralien lagerten sich über Jahrhunderte daran ab, so dass es zweimal zu einem Felsabbruch kam.

Wenn man die Petrifying Well besucht, findet man am unteren Rand des Felsens einige Objekte die direkt im Wasser hängen und im Lauf der Zeit versteinert werden. Beliebt sind Teddybären, die in etwa drei bis fünf Monaten aus Plüsch- zu Steinbären werden. Andere Objekte brauchen auch schon einmal achtzehn Monate bis sie versteinert sind.
In einem kleinen angeschlossenen Museum kann man einige  „fertige“ Versteinerungen sehen, so zum Beispiel eine Handtasche von Agatha Christie, einen Hut von John Wayne oder einen Schuh von Queen Mary, die die Quelle 1923 besuchte.
Neben dem Petrifying Well gibt es noch die Höhle zu sehen, in der die berühmte Seherin des Mittelalters Mother Shipton geboren sein soll, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Der Eintrittspreis für Höhle, Brunnen und Park beträgt £10 für einen Erwachsenen. Geöffnet ist die ganze Anlage in diesem Jahr bis zum 31. Oktober.

Knaresborough, das nicht weit von Harrogate entfernt ist, lohnt auf jeden Fall einen Besuch.

Hier ist ein Film über Knaresboroughs Touristenattraktion.

Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)
Photo © David Ward (cc-by-sa/2.0)

The Little Prince in Margate (Kent) – Englands kleinster Pub?

In Englands streitet man sich seit Jahren, welches der älteste Pub im Land ist, ohne je zu einem definitiven Ergebnis gekommen zu sein. Welcher ist nun der kleinste Pub? Gibt es da eine klare Entscheidung? Jein, könnte man sagen. Im Guinness Book of Records ist immer noch The Nutshell in Bury St Edmunds (Suffolk) gelistet; The Signal Box Inn in Cleethorpes (Lincolnshire) bezeichnet sich selbst sogar als „The smallest pub of the planet“ (siehe dazu meinen Blogeintrag)
Und dann ist da noch The Little Prince in Margate in Kent, der auch den Anspruch erhebt, Großbritanniens kleinster zu sein. Erst vor fünf Jahren eröffnet, liegt dieser Mini-Pub etwas versteckt im Old Kent Market, einer Markthalle, die auf dem Areal eines ehemaligen Kinos untergebracht ist. In einer ehemaligen Sushi-Bar entstand der Pub, der nach der berühmten Erzählung von Antoine Saint-Exupéry benannt ist, was sich auch auf dem Pubschild manifestiert, auf dem Le Petit Prince zu sehen ist. Die Maße des Pubs betragen 3,35 Meter mal 2,01 Meter, gerade einmal Platz für maximal sechs Personen, was in Coronazeiten, in denen man Abstand halten soll, schon problematisch ist.

The Little Prince
8 Fort Hill
Margate
CT9 1HD

Photo © pam fray (cc-by-sa/2.0
Published in: on 17. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – George Miller: This Is The Way To Amarillo – A Musical Odyssey Across The USA

Foto meines Exemplares.

Es war wieder einmal eine Idee, die in einem Pub entstand: George Miller und ein Freund tranken in Newcastle ein paar Biere und unterhielten sich dabei über Songs, in deren Titel US-amerikanische Städte vorkommen, zum Beispiel Tony Christies berühmtes „Is this the way to Amarillo?“ aus dem Jahr 1971. Da müsste man doch einfach mal hinfahren und sich die genannten Orte ansehen, sagte sich George Miller. Gesagt, getan, er flog in die USA und machte sich auf eine 8400 Kilometer lange Reise durch elf Staaten, die 39 Tage dauerte, mit dem Ziel: Amarillo in Texas. Das Resultat der Reise ist das Buch „This Is The Way To Amarillo: A Musical Odyssey Across The USA„.

Ausgangspunkt der Reise war Las Vegas, verkörpert in Elvis Presleys Song „Viva Las Vegas„. Weiter ging es unter anderem nach Phoenix in Arizona (Glen Campbell veröffentlichte 1967 das wunderschöne „By the time I get to Phoenix„), nach El Paso in Texas, wo Marty Robbins‚ Country-Ballade „El Paso“ angesiedelt ist. Weitere Orte der Reise sind Galveston in Texas (hier treffen wir noch einmal auf Glen Campbell und seinen Song „Galveston„), Nutbush, ein winziges Dörfchen in Tennessee, in dem Tina Turner geboren wurde und dem sie mit „Nutbush City limits“ ein Denkmal gesetzt hat, Wichita in Kansas (hier spielt das von Jimmy Webb geschriebene und von Glen Campbell interpretierte wunderschöne Lied „Wichita lineman„) und schließlich Amarillo in Texas, das in Europa vor Tony Christies Song wohl nur die wenigsten vom Namen her kannten.

George Miller ist freiberuflicher Autor, zu dessen Freizeitvergnügen „the masochistic pastime of supporting Newcastle United“ zählt.

Mich hat das Buch begeistert, einige der aufgesuchten Orte habe ich schon selbst bereist, und einige der Songs gehören zu meinen Favoriten.

George Miller: This Is The Way To Amarillo: A Musical Odyssey Across The USA. Know the Score Books 2008. 290 Seiten. ISBN 978-1-905449-98-9.

The Big Texan Steak Ranch in Amarillo, ein Restaurant, das George Miller auch aufgesucht hat.
Author: Nicholas Eckhart.
Creative Commons 2.0

Published in: on 16. Juli 2021 at 02:00  Comments (1)  

The Bishop’s Castle Tandem Triathlon

Teilnehmer des Tandem Triathlons.
Photo © Jonathan Wilkins (cc-by-sa/2.0)

Triathlon gehört mit zu den härtesten Sportarten, und wer es schafft, in der Königsdisziplin, dem Ironman, hintereinander 3 862 Meter zu schwimmen, 180,246 Kilometer radzufahren und dann auch noch einen Marathonlauf über 42,195 Kilometer zu absolvieren, der/die gehört zu den ganz Großen im Sport. Siehe dazu meinen Blogeintrag über das Buch „Operation Ironman“ von George Mahood.

Es gibt aber auch Formen des Triathlons, die nicht ganz so fordernd sind wie der Ironman: Zum Beispiel der weltweit einzigartige Bishop’s Castle Tandem Triathlon, benannt nach dem Austragungsort, der Stadt Bishop’s Castle in der Grafschaft Shropshire. Natürlich gehören auch hier die Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen dazu, aber die Teilnehmer teilen sich die Last. Das sieht so aus: Es treten immer Zweierteams an, von denen einer das Schwimmen übernimmt (ein Kilometer), dann folgt das gemeinsame Radfahren auf einem Tandemrad (30 Kilometer) und schließlich übernimmt der Zweite das Laufen (10 Kilometer). Zum Schluss gibt es dann noch einmal eine gemeinsame Fahrt über fünf Kilometer per Tandem zurück zum Ausgangspunkt der Veranstaltung.

Start ist das Leisure Centre von Bishop’s Castle, wo der Schwimmwettbewerb ausgetragen wird, dann geht es per Tandem über die Straßen im Großraum Bishop’s Castle und Clun, und der Lauf führt durch den Colstey Wood.

Da wir in England sind, geht es bei dem Tandem Triathlon nicht immer bierernst zu. Einige der Teilnehmer treten kostümiert an (das Thema „fancy dress“ spielt in England immer eine große Rolle) und besuchen zwischendurch auch einmal einen Pub, um sich mit einem Pint zu erfrischen.

Es gibt Preise in mehreren Kategorien zu gewinnen, für rein männliche, rein weibliche und gemischte Teams, und ein Preis gewinnt auch das Team, das sich am fantasievollsten gekleidet hat.

Leider hat Covid in diesem Jahr auch diesen Wettbewerb zunichte gemacht, so dass die Organisatoren hoffnungsvoll auf das Jahr 2022 blicken.

Published in: on 15. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Pendle Hill in Lancashire – Der unheimliche Berg der Hexen

Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Der berühmt-berüchtigte Pendle Hill liegt im Nordosten der Grafschaft Lancashire, nicht weit von den Städten Burnley und Clitheroe entfernt.
Hier sollen Anfang des 17. Jahrhunderts zwölf Hexen gelebt haben, die zehn Menschen durch Zauberei getötet haben. Ihnen wurde in Lancaster der Prozess gemacht, der als die „Pendle Witch Trials“ in die Geschichte eingegangen sind. Hier ist ein Film über den Berg und die Hexen.

Auch heute noch gilt der Pendle Hill als ein Ort, wo merkwürdige Dinge passieren. Im Jahr 2004 war dort die Crew der Fernsehserie „Most Haunted“ und sie hatten hier die schlimmsten Erlebnisse überhaupt. Zu Halloween besuchten sie die Lower Well Head Farm, die Bull Hole Farm und die Tynedale Farm und was sie dort erlebten, war selbst für die hartgesottene Fernsehcrew zuviel.  In Derek Acorah, das Medium der Sendung, fuhr der Geist der Elizabeth Southworth, eine der Pendle Witches, und Stuart Torvelle, der Beleuchter, bekam Atemprobleme und musste aus dem Farmhaus geschafft werden. Die Sendung wurde live von LivingTV übertragen und von Millionen von britischen Fernsehzuschauern verfolgt.

Hier ein Ausschnitt aus „Most Haunted Live“.

Author: ARG_Flickr.
Creative Commons 2.0
Alice Nutter, eine der Pendle Witches. Ihre Statue in Roughlee, wo sie wohnte.
Author: waldopepper.
Creative Commons 2.0
Die Moorhouse’s Brewery in Burnley hat ein Bier nach den Hexen benannt.
Author: Nathan Chantrell.
Creative Commons 2.0
Published in: on 14. Juli 2021 at 02:00  Comments (4)  

Seaton Delaval Hall in Northumberland – Wilde Parties und ein tödlicher Tritt ins Gemächt

Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)

Seaton Delaval Hall in Northumberland, das seit 2009 dem National Trust gehört, ist ein weiteres Meisterwerk des Stararchitekten Sir John Vanbrugh (1664-1726), zu dessen berühmtesten Leistungen der Blenheim Palace in Oxfordshire und Castle Howard in North Yorkshire gehören.

Der Admiral George Delaval, dessen Familie schon seit ewigen Zeiten hier nördlich von Newcastle-upon-Tyne wohnte, erteilte dem Architekten im Jahr 1718 den Auftrag, an Stelle des bisherigen Landhauses ein neues zu bauen, das dann 1728 fertig gestellt wurde, leider erst zwei Jahre nach dem Tod des Admirals. Statt seiner setzte sich sein Neffe Captain Francis Blake Delaval in das gemachte Nest.

Die sogenannten Gay Delavals waren damals berühmt-berüchtigt für ihre wilden Parties, die sie in den Räumlichkeiten des Landhauses abhielten. Da fanden Kostümbälle statt und den Gästen wurden häufig Streiche gespielt, was die Gastgeber in vollen Zügen genossen (die Gäste vielleicht nicht in gleichem Maße). Da verschwanden plötzlich Trennwände in den Zimmern, Einrichtungsgegenstände standen nicht auf dem Boden, sondern waren an der Decke befestigt und Gäste fanden sich plötzlich in eiskaltem Wasser wieder. Ein wenig davon hat sich auch in das 21. Jahrhundert gerettet in Form der Carnival Capers („English eccentricity in stately surroundings…designed to reflect the 18th century Delaval family’s notorious reputation for parties and capers“).

Dass es in Seaton Delaval Hall nicht immer nur lustig zugehen konnte, musste der 19jährige Sohn von Sir John Delaval (1728-1808), der auch John hieß, 1775 am eigenen Leib erfahren. Er näherte sich einer Hausangestellten in unziemlicher Weise, die sich nicht anders zu helfen wusste, als ihm einen ordentlichen Tritt ins Gemächt zu versetzen. Der Tritt hatte verheerende Folgen, denn der junge Mann erholte sich nicht davon und starb einige Zeit später. Der Maler John Bell hatte ihn noch vor dem tödlichen Tritt porträtiert (hier ist das Bild zu sehen). Sir John ließ seinen Sohn in der St Peter’s Church in Doddington in Lincolnshire beisetzen (den Delavals gehörte auch das Doddington Estate). Dafür wurde die Kirche im Inneren pechschwarz gestrichen, was auch für mehrere Jahrzehnte so blieb.

Im Jahr 1822 ging ein großer Teil des Hauses in Flammen auf. Teile davon wurden später restauriert, und diese Arbeiten ziehen sich tatsächlich bis in die heutige Zeit hin. Über £7 Millionen kamen vor einiger Zeit in Form von Spenden und Unterstützung durch den National Lottery Heritage Fund zusammen, um das Gebäude für die Zukunft zu sichern.
Für £8.80 kann man sich Sir John Vanbrughs Meisterwerk heute ansehen.

Hier ist ein Film über Seaton Delaval Hall.

Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)
Die Great Hall.
Photo © Oliver Dixon (cc-by-sa/2.0)
St Peter’s Church in Doddington (Lincolnshire).
Photo © Andrew Curtis (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 13. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Chesney’s Antique Fireplace Warehouse in London – Ein Dorado für Kaminliebhaber

In einem englischen Haus spielt der Kamin im Dressing Room eine wichtige Rolle. Er verbreitet nicht nur (etwas) Wärme, er sorgt auch für Gemütlichkeit. Ein Glas Whisky in der Hand und die Beine wohlig vor dem Kaminfeuer positioniert, das ist für viele auf der Insel der Gipfel der Behaglichkeit.
Wer sich einen Kamin zulegen möchte, für den ist Chesney’s Antique Fireplace Warehouse in der Battersea Park Road in London der Ort mit der größten Auswahl in der Stadt. Hier kann man entweder englische und französische Originale aus dem 18. und 19. Jahrhundert kaufen, sich Reproduktionen aus der eigenen Werkstatt zulegen oder sich einen Kamin nach eigenen Vorstellungen bauen lassen.

Die Brüder Paul und Nick Chesney gründeten ihre Firma 1983 und neben dem Hauptgeschäft in der Battersea Park Road haben sie noch Showrooms in der Londoner Holloway Road und in der New Yorker 3rd Avenue.

Außer Kaminen und Holzöfen biete Chesney’s auch noch ein breites Spektrum an Zubehör an wie gusseiserne Gitter und Roste, sogenannte „Firedogs“, also Kaminböcke, und Körbe, in denen man die Holzscheite aufbewahren kann.
Ein Besuch in der Battersea Park Road ist also für alle an Kaminen Interessierte sehr zu empfehlen.

Published in: on 12. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Spanish City in Northumberlands Whitley Bay

Photo © Geoff Holland (cc-by-sa/2.0)

Das Wahrzeichen des Küstenortes Whitley Bay in Northumberland ist ein auffälliges Kuppelgebäude direkt am Strand, das zur Spanish City gehört. 1910 wurde das Gebäude errichtet; die Erbauer wollten wohl so etwas wie eine abgespeckte Version von Blackpools Pleasure Beach den Besuchern zur Verfügung stellen. Der Name Spanish City geht auf eine Einrichtung zurück. die zuvor an dieser Stelle stand, in der Konzerte veranstaltet wurden und die wie ein spanisches Dorf gestaltet war.

Links und rechts von der imposanten Kuppel stehen zwei Türmchen, auf denen jeweils eine weibliche Figur zu sehen ist, die sich beide musikalisch betätigen. Die eine hält ein Becken in den Händen, die andere spielt ein Tamburin. Die Spanish City besteht aus mehreren Restaurants, Bars und Veranstaltungssälen, in denen gern Tribute Nights stattfinden; geplant für die nächste Zeit sind Freddie Mercury, George Michael und Lady Gaga Tributes. Die Räumlichkeiten der Spanish City können für Hochzeitsfeiern oder Babyshower Parties gebucht werden.

Da das Gebäude mittlerweile schon sehr in die Jahre gekommen und vom Einsturz bedroht war, fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt, die vor drei Jahren abgeschlossen werden konnten. Im Juli 2018 erstrahlte die Spanish City wieder in neuem Glanz.

Mark Knopfler von der Band Dire Straits, der nicht weit entfernt, in Blyth, aufgewachsen war und Whitley Bay häufig besucht hatte, schrieb 1980 den Song „Tunnel of Love„, der zu einer Art Hymne der Spanish City geworden war und jeden Morgen bei der Öffnung gespielt wurde. In dem Song geht es um einen Besuch in einem Vergnügungspark, und die Spanish City wird darin explizit erwähnt.

Im November 1998 wurde der Song „Pray“ der Sängerin Tina Cousins veröffentlicht; das dazu gehörende Video entstand zum Teil in der Spanish City und der näheren Umgebung.

Hier ist ein Film über die Geschichte der Spanish City.

Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)
Photo © Geoff Holland (cc-by-sa/2.0)

HP Sauce – Die beliebteste Würzsauce im Königreich

Author: jonbro.
Creative Commons 2.0

Kaum ein Lokal, Pub oder Restaurant in Großbritannien, in dem man auf dem Tisch keine Flasche mit HP Sauce vorfindet. Mit einem Marktanteil von über 70% ist das die beliebteste „Brown Sauce“ im Königreich.
Laut Hersteller enthält HP Sauce folgende Zutaten: Malzessig aus Gerste, Tomaten, Melasse, Branntweinessig, Traubenzucker-Fruchtzucker-Sirup, Datteln, Zucker, Salz, Modifizierte Maisstärke, Roggenmehl, Tamarindenextrakt, Gewürze und Zwiebelextrakt. Und man schüttet sie über so ziemlich alles wie man es früher in Deutschland mit Maggi-Sauce tat.

Über die Herkunft des Namens gibt es unterschiedliche Interpretationen. Zum einen soll „HP“ für Houses of Parliament stehen, wo die Sauce erstmals in einem Restaurant verwendet worden sein soll. Eine Abbildung des Parlamentsgebäudes ziert bis heute jedes Etikett der Flasche. Zum anderen heißt es, „HP“ sind die Initialen von Harry Palmer, der das Rezept kreiert haben soll. Hier ist ein Werbespot für die Sauce.

Im Juni 2005 übernahm der Konzern Heinz die Firma HP Foods vom Konkurrenten Danone für 470 Millionen Pfund.

Bis zum Jahr 2006 wurde die Sauce in einer Fabrik in Aston, Birmingham, hergestellt. Dann schloss der Konzern die Fabrik, und die Produktion wanderte in die Niederlande, in die Stadt Elst. Und wieder gingen Arbeitsplätze verloren…

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Worcestershiresauce.

Die ehemalige Fabrik in Aston, Birmingham.
Author: tim ellis.
Creative Commons 2.0
Published in: on 10. Juli 2021 at 02:00  Comments (2)  

London Particular – Der Nebel und die Erbsensuppe

London Particular Pea Soup.
Author: Girl Interrupted Eating.
Creative Commons 2.0

Noch heute meinen viele Menschen, die nie in London waren,  dass hier ständig Nebel über der Stadt liegt und man zeitweise nicht die Hand vor den Augen sehen kann. Nun, das stimmte auch eine Zeit lang, aber seitdem 1956 der Clean Air Act in Kraft trat, wodurch Privathaushalte keine Kohle mehr in ihren Öfen verfeuern durften, ist dieser Spuk vorbei, und die Qualität der Londoner Luft ist deutlich besser geworden (obwohl einem die Autoabgase auch ganz schön zu schaffen machen).
Damals sagte man vom Londoner Nebel, er sei dick wie Erbsensuppe, ein richtiger „pea souper“ oder man sprach auch vom „London Particular„, ein Begriff, den schon Charles Dickens in seinem Roman „Bleak House“ verwendete.

Die Köche des historischen Restaurants Simpson’s in the Strand sollen die Erfinder der Erbsensuppe gewesen sein, die noch heute den Namen „London Particular“ trägt. Die Hauptzutaten für diese wärmende Suppe, die natürlich in der kalten Jahreszeit sehr beliebt ist,  sind gelbe oder grüne Erbsen, Sellerie, Karotten, Zwiebeln und Schinken. Wer das einmal nachkochen möchte, hier ist ein Rezept der berühmten Fernsehköchin Delia Smith.

Hier ist ein Film über den Londoner Nebel Anfang der 1950er Jahre.

Die Tower Bridge im Nebel.
Author: gwire.
Creative Commons 2.0
Das berühmte Londoner Restaurant Simpson’s in the Strand.
Author: James E. Petts.
Creative Commons 2.0
Published in: on 9. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Cogs & Wheels Ladies Morris Dancers aus Sticklepath in Devon

Die Finch Foundry des National Trusts in Sticklepath (Devon).
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

Mit den Morris Dancers ist es wie mit Marmite, etwa man liebt sie oder man hasst sie. Wie viele negative Bemerkungen habe ich in Büchern über England schon über sie gelesen? Auf den Webseiten von expatclaptrap.com ist von „Britain’s secret shame“ die Rede. „Morris dancers are men, women and sometimes children, who deck themselves out in frilly, puffy clothes and big hats, and prance around in circles, whacking sticks together while waving around little flags“, so wie hier zu sehen. Wo auch immer in England ein Dorffest veranstaltet wird, die Morris Dancers sind meist allgegenwärtig.

Häufig sind es Männer, die sich da ein wenig zum Affen machen, doch gibt es auch weibliche Morris Dancers wie die Cogs & Wheels Ladies Morris Dancers aus dem Dartmoor-Dorf Sticklepath in Devon. 1995 wurde diese Formation in der der National Trust gehörenden Finch Foundry gegründet, das ist eine alte Schmiede, deren Werkzeuge und Maschinen durch Wasserkraft angetrieben wurden, daher ist auch der Name der Morris Dancers, „cogs and wheels“, auf die Schmiede zurückzuführen. Die 23 weiblichen Folklore-Tänzerinnen üben dort nicht mehr, sondern in der Victory Hall im benachbarten South Zeal. Von Mai bis September sind die Damen in der Regel unterwegs und geben ihre Vorstellungen im Dartmoor und in der Umgebung. Ihr letzter Auftritt war am 1. Juli im Pub The Tors Inn in Belstone, ein kleines Stückchen westlich von Sticklepath gelegen.

Ob man nun die Morris Dancers mag oder nicht, sie sammeln bei ihren Auftritten Geld ein, das wohltätigen Zwecken zugute kommt und das ist doch etwas Positives.

In diesem Film sind die Ladies beim Tanzen zu sehen.

Die Victory Hall in South Zeal (Devon).
Photo © Richard Dorrell (cc-by-sa/2.0)
The Tors Inn in Belstone (Devon).
Photo © Mike White (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 8. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Pipe Club of London – Ein Refugium für Pfeifenraucher

Einer der berühmtesten Pfeifenraucher: Sherlock Holmes.
Photo © Oxfordian Kissuth (cc-by-sa/2.0)


Raucher haben es schwer – nirgendwo in öffentlichen Räumen dürfen sie ihrem Laster frönen. Pfeifenraucher werden, meiner Ansicht nach,  noch eher akzeptiert als Zigaretten- oder Zigarrenraucher, verströmt doch der Pfeifentabak häufig einen angenehmen Geruch und außerdem gelten Pfeifenraucher als gemütliche, ruhige Menschen.

Der Pipe Club of London bietet seit 1970 seinen Mitgliedern ein Forum, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, und auch ein Refugium, wo man den Anfeindungen der tabakfeindlichen Welt nicht ausgesetzt ist.
Der Club hat zurzeit über 400 Mitglieder, die nicht alle aus London kommen, sondern aus 26 Ländern weltweit. Wer aber im Großraum London wohnt, kann an den monatlichen Treffen teilnehmen, die einmal in London selbst, bei James J. Fox („The Great British Cigar Merchant“) in der St James’s Street Nummer 19 und einmal vor den Toren der Stadt in The Overdraught bei St Albans (Hertfordshire) stattfinden.
An Aktivitäten bietet der Pipe Club of London Tabak Tastings, Besuche in tabakherstellenden Firmen und Wettbewerbe, bei denen das Pfeiferauchen im Mittelpunkt steht wie zum Beispiel einen Slow Smoking Competition.
Zweimal im Jahr erhalten die Mitglieder das „Pipe Club of London Journal„, das aus der Welt der Pfeifenraucher berichtet.

Dieser Film zeigt den Pipe Club in Wort und Bild.


Das Buch zum Artikel:
Richard Carleton Hacker: Pipesmoking – A 21st Century Guide. Autumngold Publications 2000. 165 Seiten. ISBN 978-0931253133.

Einer der Treffpunkte des Clubs: J.J. Fox in der Londoner St James’s Street.
Author: Philafrenzy.
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The Overdraught bei St Albans (Hertfordshire).
Photo © Jack Hill (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 7. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Bruton in Somerset und eine weltberühmte Kunstgalerie

Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

New York, Los Angeles, London, Hongkong…und Bruton in Somerset: Das sind einige der Standorte der Kunstgalerien von Hauser&Wirth, einer Firma, die sich weltweit einen Namen gemacht hat und die 1992 von Iwan und Manuela Wirth und Ursula Hauser in Zürich gegründet wurde. Neben den bereits erwähnten Metropolen (Bruton gehört natürlich nicht dazu) gibt es noch mehrere Außenstellen in mondänen Orten wie St Moritz, Gstaad und Monaco.

Hauser&Wirth baut gern historische Häuser um, damit in ihnen ein entsprechendes Umfeld für zeitgenössische Kunst geschaffen werden kann. So war es auch in Bruton in der Grafschaft Somerset, wo die Firma 2014 die Durslade Farm am Dropping Lane erwarb, weit weg von den nächsten größeren Orten. Die Farm stand jahrelang leer und verfiel immer mehr, bis sie von dem Pariser Architektenbüro Laplace komplett renoviert und umgebaut wurde. In dem ehemaligen Bauernhaus stehen mehrere Zimmer für Übernachtungen zur Verfügung, einige neue Gebäude wurden hinzugefügt, und der renommierte Landschaftsarchitekt Piet Oudolf schuf hinter der Galerie einen sehenswerten Garten.

Wer sich an den ausgestellten Kunstwerken satt gesehen hat, trotzdem aber noch Appetit hat, dem steht das Restaurant Roth Bar & Grill zur Verfügung, wo man unter anderem einen ganzen Dorset-Hummer für £48 verspeisen kann.

Zwei große Ausstellungen finden in der zweiten Jahreshälfte hier in Bruton statt. Da werden einmal Werke von Gustav Metzger (1926-2017) ausgestellt; das ist ein in Nürnberg geborener und in London gestorbener Aktionskünstler. Parallel dazu werden Skulpturen des spanischen Bildhauers  Eduardo Chillida (1924 – 2002) gezeigt, dessen Werke auch in mehreren deutschen Städten aufgestellt sind, zum Beispiel vor dem Bundeskanzleramt in Berlin.

Hier ist ein Film über ein Besuch in der Galerie.

Über den Ort Bruton schrieb ich schon einmal in meinem Blog in Zusammenhang mit dem US-amerikanischen Schriftsteller John Steinbeck.

Author: yellow book.
Creative Commons 2.0
Das ehemalige Farmhaus.
Photo © Sarah Smith (cc-by-sa/2.0)

„The Ringing World“- Das Fachblatt aller britischen Bellringer

Bellringer bei der Arbeit in St Mary and St Gabriel in South Harting (West Sussex).
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Glöckner ist eigentlich die Übersetzung des englischen „bell ringer„, aber irgendwie trifft es das nicht so richtig. Man denkt unwillkürlich an den Glöckner von Notre Dame. Bleiben wir bei „bell ringer“, die in den Kirchen Großbritanniens eine wichtige Rolle spielen. Sie üben eine Kunst aus, die seit Jahrhunderten gepflegt wird; und auch sie haben natürlich eine Fachzeitschrift, die in diesem Jahr ihr einhundertzehntes Bestehen feierte: „The Ringing World„.

Am 24. März 1911 erschien die erste Ausgabe und bisher sind über 5000 Hefte veröffentlicht worden.  Die Zeitschrift erscheint wöchentlich und die meisten „Glockenläuter“ des Landes dürften das Blatt abonniert haben, denn „The Ringing World“ ist das Fachorgan des „Central Council of Church Bell Ringers„.

Es ist schon erstaunlich, was es alles aus der Welt des Glockenläutens zu berichten gibt. Hier ein paar Beispiele aus den letzten Heften :
– Bats, Belfries, Bellringers and Coronaviruses
– The bells and ringers of St Mary’s Ely
– Tolling for the Duke of Edinburgh’s funeral at the Curfew Tower, Windsor Castle

In der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ gibt es eine großartige Folge mit dem Titel Ring out your dead“ (dt. „Glockenschlag zum Mord“) mit dem überragenden Adrian Scarborough, in der das Glockenläuten im Mittelpunkt der Handlung steht und in der es am Ende einige „bell ringer“ im Midsomer County weniger gibt.

Ich erinnere mich noch an einen wunderschönen Sonntagvormittag, als wir mit unserem Narrowboat von Bidford-on-Avon weiterfuhren und unsere Fahrt vom Klang der Glocken von St Laurence begleitet wurde; es war eine wunderschöne Stimmung!

Hier ist ein Film über die Kunst des bellringing.

The Ringing World Ltd
35A High St
Andover
SP10 1LJ

Das Buch zum Artikel:
John Camp: Bells and Bellringing. Shire Publications Ltd 2005. 64 Seiten. ISBN 978-0747803263.

Published in: on 5. Juli 2021 at 02:00  Comments (4)  

Die St Catherine’s Chapel bei Abbotsbury in Dorset – Ziel für partnersuchende Frauen

Photo © Edmund Shaw (cc-by-sa/2.0)

Unverheiratete Frauen in der Region Abbotsbury in der südenglischen Grafschaft Dorset, die einen Partner suchen, brauchen kein Datingportal wie Tinder, Parship oder EliteSingles. Statt sich vor den PC zu setzen und dort einen Partner zu suchen, machen sie sich lieber auf den Weg zur St Catherine’s Chapel hoch über dem Küstenort gelegen und versuchen dort ihr Glück. Nicht, dass sich dort etwa ebenfalls partnerinnensuchende Männer aufhalten, nein, das läuft dort oben anders ab. Saint Catherine war die Schutzpatronin unverheirateter Frauen und Jungfrauen und die Kapelle wurde ihr geweiht. Irgendwann im 14. Jahrhundert wurde sie als Rückzugsort von den Benediktinermönchen der Abbotsbury Abbey gebaut. In der Einsamkeit des Hügels hatte man die Möglichkeit, wieder zu sich selbst zu finden.

Frauen kommen zur Kapelle mit handgeschriebenen Briefchen, in denen sie die Schutzpatronin in Gebeten um Hilfe bitten, nun endlich den Richtigen finden. Sehr beliebt waren/sind folgende Zeilen:
A husband, St Catherine,
A handsome one, St Catherine,
A rich one, St Catherine,
A nice one, St Catherine,
And soon, St Catherine.

Ganz schön fordernd finde ich. Gut aussehend, reich, nett, und das auch noch so schnell wie möglich. Da muss sich die Heilige aber gewaltig ins Zeug legen, um diese Wünsche zu erfüllen. Leider kann ich nicht sagen, ob die hilfesuchenden Damen von der Heiligen per Email benachrichtigt werden, wenn sie fündig geworden ist.

Von der St Catherine’s Chapel aus hat man einen grandiosen Blick auf die Küste Dorsets, den Chesil Beach und die Isle of Portland.

Die Sängerin P. J. Harvey, die aus Abbotsbury stammt, beschäftigt sich in ihrem Song „The Wind“ mit der Heiligen und der Kapelle („Catherine liked high places…Here she built a chapel…“). Leider wurde das Video nicht hier gedreht, sondern in New York.

Photo © Gillian Thomas (cc-by-sa/2.0)


Published in: on 4. Juli 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Famous Graves – John Osborne und sein Grab auf dem Kirchhof von St George in Clun (Shropshire)

Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)

Nachdem wir uns gestern in der Grafschaft Shropshire aufgehalten haben, bleiben wir heute noch einmal hier. Westlich von Craven Arms fließt der River Clun, an dessen Ufer die Ortschaften Clun, Clunton und Clunbury liegen. In dem kleinen Dorf Clun finden wir auf dem Kirchhof von St George das Grab eines der berühmtesten Dramatiker des 20. Jahrhunderts, das von John Osborne (1929-1994). Der gebürtige Londoner verbrachte seine letzten Lebensjahre im Nachbarort Clunton, wo er am 24. Dezember 1994 verstarb. Direkt neben ihm steht der Grabstein seiner fünften Frau Helen, die ihn zehn Jahre überlebte. John Osbornes Grabstein trägt die Inschrift „Playwright, Actor and Friend“, auf dem seiner Frau steht zu lesen „Journalist, Wife and Friend“.

Die Begräbnisfeier für John Osborne fand am Neujahrstag 1995 statt, in Anwesenheit von Freunden aus der Umgebung und aus London. Ein Trompeter spielte The Last Post und bei Schneefall wurde der berühmte Mann in sein Grab gesenkt.

John Osborne, der weltweit bekannt wurde durch sein Theaterstück „Look Back in Anger“ (dt. „Blick zurück im Zorn“), das 1959 mit Richard Burton in der Hauptrolle verfilmt wurde (hier ist ein Ausschnitt zu sehen), wohnte in seinem Haus in Clunton, das den Namen The Hurst trägt. Dort hat sich seit einigen Jahren, nach einer gründlichen Renovierung, die 1968 gegründete Arvon Foundation („UK’s home of creative writing“) angesiedelt, die mehrtägige Kurse im kreativen Schreiben durchführt. Neben The Hurst hat die Arvon Foundation noch zwei weitere Standorte: In Lumb Bank bei Hebden Bridge in West Yorkshire, dem früheren Wohnhaus des Dichters Ted Hughes (siehe dazu auch diesen Blogeintrag), und in Totleigh Barton in Devon, einem Manor House aus dem 16. Jahrhundert.

St George in Clun.
Photo © Philip Pankhurst (cc-by-sa/2.0)
Clunton und der River Clun.
Photo © Jonathan Wilkins (cc-by-sa/2.0)

Flounder’s Folly bei Craven Arms in Shropshire

Photo © Jeff Buck (cc-by-sa/2.0)

Vielleicht hätte ich ihn sehen können, den Flounder’s Folly, als ich auf der A49 auf dem Weg zum Stokesay Castle in der Nähe von Craven Arms in Shropshire war. Doch zu der Zeit sagte mir der Turm noch nichts. Flounder’s Folly war ein Hirngespinst von Benjamin Flounders (1768-1846), einem Geschäftsmann, der sein Geld hauptsächlich im Eisenbahnwesen und im Schiffbau verdiente. Was macht ein reicher Mann, der sich selbst einen Wunsch erfüllen möchte: Er baut sich einen Turm, von dem aus man weit in die Landschaft blicken kann. Mr. Flounders suchte sich dafür ein Grundstück in einer Wald- und Felderlandschaft in Shropshire aus und zwar den Callow Hill. Er beauftrage mit dem Bau des Turmes örtliche Handwerker (es war eine Zeit mit hoher Arbeitslosigkeit und es herrschte die Meinung, dass Benjamin Flounders mit dem Bau den Männern ohne Einkommen helfen wollte; ob er aber wirklich so ein Philantrop war, ist ungewiss).
Als er erstmals seinen 1838 fertig gestellten Turm bestieg, war er von der Aussicht begeistert…bis er feststellte, dass ein Hügel den Blick auf sein Anwesen verhinderte. Voller Zorn wollte er den Turm sofort wieder abreißen lassen, bis ihn jemand darauf aufmerksam machte, dass man doch aber am Horizont das Wasser des River Mersey und die ein- und ausfahrenden Schiffe sehen könnte. Der Zorn des reichen Mannes verrauchte ob dieser Aussicht, und der Turm blieb stehen. Ob diese Geschichte stimmt, ist zweifelhaft, denn der Fluss ist fast 100 Kilometer entfernt…

Nachdem Benjamin Flounders im Jahr 1846 gestorben war, interessierte sich niemand mehr so richtig für Flounder’s Folly, und das Bauwerk verfiel mehr und mehr. Die Turmbesitzer wechselten, doch keiner investierte in die dringend nötige Restaurierung (die Schauspielerin Julie Christie, die in der Nähe wohnte, gehörte auch einmal zu den Eigentümern).
Erst im Jahr 2001 nahm der Flounders Folly Trust die Geschicke des Turms in seine Hand und restaurierte ihn in der Zeit von 2001 bis 2005 mit Geldern aus öffentlichen und privaten Mitteln. Am 31. Oktober 2005 wurde er in Anwesenheit der Princess Royal wieder eröffnet.

Heute kann man ihn besteigen, obwohl die Öffnungszeiten recht spärlich sind, in der Regel nur einmal im Monat für wenige Stunden. Wenn die St George’s Flag auf der Turmspitze zu sehen ist, bedeutet das: Heute geöffnet.

Dieser Film zeigt einen Flug mit einer Drohne über den Turm und hier kann man eine Besteigung miterleben.

Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)
Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)
Craven Arms, vom Turm aus gesehen.
Photo © Fabian Musto (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 2. Juli 2021 at 02:00  Comments (1)