King’s Lynn in Norfolk – Geburtsstätte der ersten CCTV-Kameras im öffentlichen Raum

Hinweisschild auf Überwachungskameras (allerdings nicht aus King’s Lynn).
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Wir bleiben heute noch einmal in der Region der gestern vorgestellten Knochenmühle und begeben uns nach King’s Lynn in Norfolk.

Bei den CCTV-Kameras ist es wie mit dem Brotaufstrich Marmite, entweder man hasst sie oder man liebt sie. Großbritannien gehört weltweit zu den Ländern, die die meisten Closed-circuit Television-Kameras aufgestellt haben. Ist das jetzt „Big Brother is watching you“ pur oder stellen diese Kameras für die Bevölkerung tatsächlich einen Schutz dar. Da gehen die Meinungen auseinander, aber ich habe den Eindruck, dass sich die meisten UK-Bürger mittlerweile an sie gewöhnt und auch akzeptiert haben. Etwa siebzigmal pro Tag wird jeder Brite von einer Überwachungskamera erfasst, und es gibt von ihnen weit mehr als vier Millionen, das bedeutet, dass auf vierzehn Bürger eine Kamera entfällt.

Nachdem schon seit längerem Versuche mit dieser Art der visuellen Überwachung in Großbritannien vorgenommen worden waren, wurde 1985 in Bournemouth an der Südküste das erste CCTV-System außerhalb geschlossener Räume installiert, und zwei Jahre später war die Stadt King’s Lynn in der Grafschaft Norfolk Vorreiter für die Überwachung öffentlicher Räume, indem die Stadtverwaltung, erstmalig im Land, CCTV-Kameras aufstellte, um die Sicherheit ihrer Bewohner zu erhöhen und die Kriminalität einzudämmen. In dem Gewerbegebiet North Lynn Industrial Estate war die Zahl der Einbrüche und Diebstähle dramatisch angestiegen und durch die Überwachungskameras, nachdem es sich in den einschlägigen Kreisen herumgesprochen hatte, ebenso dramatisch wieder zurückgegangen. Der Einsatz der CCTV-Kameras wurde in King’s Lynn auf die Parkplätze der Stadt ausgeweitet, mit beachtlichen Erfolgsergebnissen, denn die Quote der Kraftfahrzeug-Kriminalität ging um 97% zurück. Als andere Städte im Königreich von der „Wunderwaffe“ CCTV im Kampf gegen die steigende Kriminalität im Land erfuhren, übernahmen sie das Modell aus King’s Lynn.

Noch heute spielt der Einsatz von Überwachungskameras in der Stadt in Norfolk eine große Rolle in der Verbrechensbekämpfung und Verbrechensprävention. Rund um die Uhr sind die Kontrollräume mit erfahrenen Männern und Frauen besetzt, die in den vergangenen zwölf Monaten mit über 4500 von den Kameras erfassten Zwischenfällen konfrontiert waren.

North Lynn Industrial Estate.
Photo © Andy Peacock (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 24. Juni 2022 at 02:00  Comments (3)  

Mein Buchtipp – Colin Sutton: Manhunt – How I Brought Serial Killer Levi Bellfield to Justice

Foto meines Exemplares.

Levi Bellfield war ein Londoner, der jede Menge Verbrechen auf dem Kerbholz hatte: Einbrüche, Autodiebstähle, Vergewaltigungen, die Liste ließe sich noch lange fortsetzen; doch dann nahm seine Gewalttätigkeit Anfang der 2000er Jahre zu. Er ermordete die jungen Mädchen Milly Dowler, Marsha McDonnell und Amélie Delagrange. Die 18jährige Kate Sheedy überrollte er absichtlich mit seinem Auto, doch sie konnte die Attacke überleben.

Detective Chief Inspector Colin Sutton von der Metropolitan Police und sein Team wurden auf die Mordfälle angesetzt, bei denen es keine Augenzeugen gab und die sehr schwer zu lösen waren. Es gab aber verschwommene Filmaufnahmen von den in London allgegenwärtigen Überwachungskameras von verdächtigen Fahrzeugen, die in außerordentlich mühsamer Kleinarbeit identifiziert werden konnten. Mithilfe von Funkmasten konnte ein Bewegungsprofil von Levi Bellfield aufgestellt werden, dessen Mobiltelefon sich automatisch in die jeweiligen Funkbereiche einloggte. Diese Bewegungsprofile deckten sich mit den Tatorten, an denen die Mädchen ermordet wurden.

Erst nach mehren Jahren kam es zum Prozess, die Ermittlungen dauerten so lange, bei dem Bellfield zu lebenslangem Gefängnis verurteilt wurde (der Fall Milly Dowler wurde separat später verhandelt, weil er sich in der Grafschaft Surrey ereignet hatte).

Der leitende Detective Colin Sutton hat über die Ermittlungen ein Buch geschrieben: “ Manhunt – How I Brought Serial Killer Levi Bellfield to Justice„, in dem er sehr detailliert beschreibt wie er den Serienmörder zur Strecke gebracht hat. Bevor Sutton in den Ruhestand ging, löste er einen weiteren Aufsehen erregenden Londoner Kriminalfall, den des Serienvergewaltigers Delroy Grant, auch The Night Stalker genannt (Sutton schrieb darüber das Buch „Manhunt – The Night Stalker„)

Die Fälle Bellfield und Grant wurden für den Sender ITV verfilmt, mit Martin Clunes (den wir aus der TV-Serie „Doc Martin“ kennen) in der Rolle von DCI Sutton.
Hier ist eine Dokumentation über die Morde des Levi Bellfield, in dem auch Colin Sutton zu Wort kommt.

Milly Dowler wurde zuletzt gesehen als sie den Bahnhof von Walton-on-Thames in Surrey verließ, sechs Monate später wurde sie im Yateley Heath Wood zwischen Reading und Guildford tot aufgefunden.

Marsha McDonnell wurde nachts an einer Bushaltestelle in der Percy Road im Westen Londons, in Hampton, attackiert und brutal erschlagen.

Die 22jährige französische Studentin Amélie Delagrange fand man, ebenfalls erschlagen, auf dem Twickenham Green.

Colin Sutton: Manhunt – How I Brought Serial Killer Levi Bellfield to Justice. John Blake Publishing 2018. 322 Seite. ISBN 978-1-78606-571-1.

Der Bahnhof von Walton-on-Thames in Surrey.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)
Die Percy Road in Hampton.
Photo © David Howard (cc-by-sa/2.0)
Twickenham Green.
Photo © Stephen Williams (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 15. April 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – David Videcette: Finding Suzy

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Am 28. Juli 1986 verließ die junge Immobilienmaklerin Suzy Lamplugh ihr Büro im Londoner Stadtteil Fulham, um angeblich einem Klienten, einem Mr Kipper, eine Wohnung in der Shorrolds Road zu zeigen. Seitdem ist sie spurlos verschwunden. Der Metropolitan Police gelang es nicht, irgendeine Spur von Suzy zu finden, geschweige denn ihren Entführer/Mörder ausfindig zu machen. Der Fall wurde als ungelöst zu den Akten gelegt, einige Male wieder neu aufgerollt, und schließlich machte die Polizei einen bereits wegen Vergewaltigung und Mordes verurteilten Mann ausfindig, der ihrer Meinung nach auch für Suzys Verschwinden verantwortlich war.

Dem ehemaligen Scotland Yard-Detektiv und Autor von Kriminalromanen David Videcette ließ der Fall Suzy Lamplugh keine Ruhe. Er machte sich auf eigene Faust auf die Suche nach der Lösung des mysteriösen Falles und schrieb ein Buch darüber: „Finding Suzy: The Hunt for Missing Estate Agent Suzy Lamplugh and „Mr Kipper“„. Dreißig Jahre nach dem Verschwinden der Frau noch neue Anhaltspunkte zu finden, scheint kaum möglich, doch David Videcette gelingt es tatsächlich, neue Spuren in dem Fall ausfindig zu machen, die in eine ganz andere Richtung führen, als die der Polizei. Dabei steht ein Pub im Fokus der Ermittlungen des Detektivs, der Prince of Wales in der Upper Richmond Road im Stadtteil Putney. Hier scheinen sich die Spuren der Immobilienmaklerin zu verlieren.

David Videcette hat zigtausend Meilen mit dem Auto zurückgelegt, um Zeugen erneut zu befragen; er hatte sich in den Fall regelrecht verbissen. Im letzten Kapitel seines Buches rekonstruiert er wie es damals am 28. Juli 1986 zugegangen sein muss, nennt den mutmaßlichen Mörder zwar nicht beim Namen, aber es ist eindeutig, wen er meint. Und er ist auch sicher, wo die Leiche Suzys abgelegt worden ist, in den höhlenartigen, verschachtelten Kellerräumen des Pubs. David Videcette hat seine gesammelten Informationen der Polizei übergeben, doch die will diese Spuren nicht verfolgen.
Hier ist ein Film über den Fall, der auch in „Crimewatch“ rekonstruiert wurde.

Manchem mag das Buch vielleicht zu detailliert sein, ich fand es sehr spannend und hochinteressant!

David Videcette: Finding Suzy: The Hunt for Missing Estate Agent Suzy Lamplugh and „Mr Kipper“. Videcette Limited 2021. 347 Seiten. ISBN 978-0-9934263-8-4.

Die Shorrolds Road in Fulham.
Photo © Oast House Archive (cc-by-sa/2.0)
Der Prince of Wales Pub im Londoner Stadtteil Putney.
Photo © Robin Webster (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 29. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Robert Fabian (1901-1978) – Einer der fähigsten Detektive von Scotland Yard und eine TV-Fernsehserie

Das ehemalige Hauptquartier der Metropolitan Police (1890-1967), in dem Robert Fabian seiner Arbeit nachging.
Photo © Anthony O’Neil (cc-by-sa/2.0)

Er hatte in England einen legendären Ruf: Robert Fabian von Scotland Yard, der zahllose schwierige Fälle in seiner Laufbahn löste. Geboren wurde er 1901 im Südosten Londons, im Stadtteil Lewisham, 1921 trat er in die Londoner Polizei ein. Während er für Scotland Yard arbeitete, hatte er sich auf Mordfälle spezialisiert. Manchmal wurde er auch von Polizeibehörden in der Provinz zu Hilfe gerufen, wenn diese bei den Ermittlungen nicht weiterkamen. An einem sehr mysteriösen Mordfall biss auch er sich die Zähne aus, an dem sogenannten Witchcraft Murder in Lower Quinton in Warwickshire, den ich in meinem Blog vor einigen Jahren vorstellte.

Robert Fabian berichtete über sein ereignisreiches Leben in zwei Büchern: „Fabian of the Yard“ (1950) und „London After Dark“ (1954). Im Alter von 77 Jahren starb er 1978 in der Stadt der Pferderennen, in Epsom (Surrey).

Die BBC nahm sich Robert Fabian an, in dem sie von 1954 bis 1956 die TV-Serie „Fabian of the Yard“ produzierte, die 36 Episoden umfasste und die auf Fällen basierte, in die der Polizeibeamte involviert war. Das Besondere an der Serie war, dass Robert Fabian selbst am Schluss jeder Episode einige kurze Worte sprach. Die Rolle des Scotland Yard-Polizisten (der es bis zum Rang eines Detective Superintendent brachte) spielte Bruce Seton (1909-1969). Dank Youtube kann man sich noch heute einige dieser alten Folgen ansehen. Ich empfehle „Brides of the Fire„. Im deutschen Fernsehen wurden in den 1960er Jahren eine Handvoll Folgen in synchronisierter Fassung gezeigt.

Published in: on 22. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

Mein Buchtipp – Jon Clarke: My Search for Madeleine

Foto meines Exemplares.

Vor elf Jahren stellte ich in meinem Blog das Buch „Madeleine“ von Kate McCann vor, in dem sie über den Entführungsfall ihrer Tochter schrieb, die am 3. Mai 2007 aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz entführt wurde und bis heute verschwunden ist.

Einer der britischen Journalisten, der sich in diesen Fall regelrecht verbissen hat, ist Jon Clarke, der vom ersten Tag an auf eigene Faust Ermittlungen durchgeführt und darüber ein Buch geschrieben hat: „My Search for Madeleine: One Reporter’s 14-Year Hunt to Solve Europe’s Most Harrowing Crime„. Jon Clarke hat den Schauplatz des Verbrechens und große Teile der portugiesischen Algarve viele Male aufgesucht und mit vielen Menschen gesprochen, die sich dort angesiedelt haben, darunter zwielichtige Gestalten, die der Drogen- und Pädophilenszene zuzurechnen sind.

Clarke macht der portugiesischen Justiz schwere Vorwürfe und wirft ihr Inkompetenz bei der Bearbeitung des Falles Madeleine McCann vor. Nach mittlerweile fast 15 Jahren nach dem Verschwinden des kleinen Mädchens kommt Jon Clarke zum Schluss, dass der mutmaßliche Täter ein Deutscher ist, der lange Zeit in Portugal lebte und zum Zeitpunkt der Entführung in unmittelbarer Nähe des Apartments der McCanns war. Er ist schon mehrfach wegen Drogendelikten, Vergewaltigung und anderen Vergehen verurteilt worden, war tief in Kinderpornografie verstrickt und sitzt zur Zeit in Oldenburg im Gefängnis. Ein weiteres Verfahren wegen Vergewaltigung steht noch an.

Es ist erschreckend was Jon Clarke, speziell in Portugal, alles ausgegraben hat, diese Region Europas scheint ein Paradies für Kinderschänder zu sein, die Polizei schaut weg oder ist desinteressiert.

Ob es jemals zu einer Anklage wegen Mordes im Falle Madeleine McCann geben wird ist fraglich. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die in Deutschland federführend ist, geht von einem Mordfall, nicht mehr von einem Entführungsfall, aus ohne das aber belegen zu wollen.

Jon Clarke: My Search for Madeleine. OP Books 2021. 273 S. ‎ISBN 979-8538010547.

Praia da Luz an der portugiesischen Algarveküste.
Photo: Bengt Nyman.
Creative Commons 4.0
Published in: on 13. März 2022 at 02:00  Kommentar verfassen  

39 Hilldrop Crescent – Ein Haus in London, in dem Dr Crippen seine Frau ermordete

Am 4. März 2018 stellte ich in meinem Blog das Buch „Murder Houses of London“ von Jan Bondeson vor, in dem der Autor über Londoner Häuser, in denen Morde begangen wurden, schrieb. Eines davon stand im Stadtteil Holloway und hatte die Adresse 39 Hilldrop Crescent. Hier wohnte eine Zeit lang der amerikanische Arzt Dr Hawley Crippen (1862-1910), der in die britische Kriminalgeschichte einging, weil er in diesem Haus seine Ehefrau Cora Belle umbrachte und mit seiner Geliebten, Ethel le Neve, nach Kanada flüchtete, wo die beiden aber schon ein Londoner Detective erwartete und sie zurück nach England brachte. Dr Crippen wurde im Old Bailey vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Im November 1910 beförderte der Henker John Ellis im Pentonville Prison in London den Mann ins Jenseits. Nach Dr Crippens Tod kamen Zweifel auf, ob der Mord wirklich so abgelaufen ist, aber darum soll es in meinem Blog nicht gehen, sondern darum, was aus dem Mordhaus geworden ist.

39 Hilldrop Crescent wurde von dem schottischen Comedian Sandy McNab gekauft, der keine Berührungsängste hatte, sich aber freute, das Haus zu einem Spottpreis kaufen zu können, weil es schwer vermittelbar war. McNab plante, ein Museum darin einzurichten mit Crippen-Memorabilia, doch daraus wurde nichts. Stattdessen betrieb McNab eine Pension in dem Haus in Holloway. Bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg erlitt 39 Hilldrop Crescent so schwere Schäden, dass es abgerissen werden musste.

Heute steht auf dem Gelände des ehemaligen Mordhauses ein Wohnhaus, das den Namen Margaret Bondfield House trägt und nach Margaret Grace Bondfield (1873-1953) benannt worden ist, der ersten weiblichen Unterhausabgeordneten der Labour Party und ersten Ministerin Großbritanniens, in der Regierung von Premierminister Ramsay MacDonald; Bondfield fungierte als Arbeitsministerin. Das Haus steht heute in der Driffield Road.

Nach Aussagen einiger Bewohner des Hauses soll es dort spuken; eigenartige Geräusche sind vernommen und eine unheimliche Gestalt gesichtet worden. Geht Dr Crippen in dem Haus noch immer um?

Published in: on 5. Dezember 2021 at 02:00  Comments (1)  

Famous Graves – Montague John Druitts Grabmal auf dem Wimborne Cemetery in Dorset

Author: Stoutcob.
Creative Commons 2.0

Wie viele Verdächtige hat es wohl schon in dem berühmten Fall des Londone Serienmörders Jack the Ripper gegeben? Da wurde unter vielen anderen jemand genannt, der eng mit dem Königshaus verbunden war, ein Maler, Walter Sickert, den die US-amerikanische Schriftstellerin Patricia Cornwell definitiv als Jack the Ripper zu entlarven meinte und ein gewisser Montague John Druitt, den Assistant Chief Constable Sir Melville Macnaghten von der Londoner Metropolitan Police als Hauptverdächtigen einstufte.

Montague John Druitt lebte von 1857 bis 1888, studierte am New College in Oxford, war Rechtsanwalt und unterrichtete an der Londoner Blackheath School und war ein ausgezeichneter Cricketspieler. Seine Mutter und seine Großmutter waren geisteskrank, und Druitt machte sich auch selbst Sorgen über seine mentale Stabilität. Kurz nach dem Tod des letzten Ripperopfers kursierten Gerüchte, dass der Arztsohn etwas mit den Morden zu tun haben könnte, und als im Dezember 1888 seine Leiche in der Themse treibend gefunden wurde, er hatte sich das Leben genommen, und die Mordserie aufhörte, nahmen die Verdachtsmomente zu. Doch ob Druitt nun wirklich der Ripper war, konnte nie bewiesen werden, er nahm das Geheimnis mit in sein Grab (selbst seine Familie, so heißt es, soll ihn für den Serienmörder gehalten haben).

Dieses Grab ist auf dem Friedhof von Wimborne in der Grafschaft Dorset zu finden, in der Stadt, in der er auch geboren wurde. In Sektion 8 des Wimborne Cemetery erinnert ein weißes Marmorkreuz an den Mann. Die Inschrift nennt nur sein Todesdatum, den 4. Dezember 1888, und dass er 31 Jahre alt geworden war.

Hier ist ein Film über den Ripper-Verdächtigen.

Montague John Druitt.
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Published in: on 5. November 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Knife Angel – Eine beeindruckende Skulptur, die auf die steigende Messerkriminalität aufmerksam macht

The Knife Angel vor der Kathedrale von Chester.
Photo © John S Turner (cc-by-sa/2.0)

Immer wieder liest und hört man von Verbrechen in London, bei denen Messer im Einsatz waren. Die steigende Messer-Kriminalität macht den Bewohnern der Stadt zunehmend Sorge. Doch auch außerhalb der Hauptstadt werden immer häufiger Messer verwendet, mit der Folge, dass Menschen schwer verletzt oder getötet werden.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen entstand im Jahr 2018 das National Monument Against Violence & Aggression, kurz The Knife Angel genannt. Geschaffen wurde der „Messerengel“ von dem Londoner Künstler Alfie Bradley, in Zusammenarbeit mit dem British Ironworks Centre in Oswestry in Shropshire. Alfie Bradley hat sich einen Namen gemacht durch seine ungewöhnlichen Kunstwerke wie dem Spoon Gorilla, der aus 40 000 Löffeln besteht, und der für den Löffelverbieger Uri Geller hergestellt wurde.

Für seinen fast neun Meter hohen Knife Angel verwendete Alfie Bradley 100 000 Messer, die der Polizei bei einer Kampagne anonym übergeben werden konnten, beziehungsweise, die bei Verbrechen im Einsatz gewesen waren und die die Polizei beschlagnahmt hatte. Auf vielen dieser Messer waren sogar noch Blutspuren zu sehen. Angehörige von Opfern von Messerattacken bekamen die Gelegenheit, Botschaften auf die Schneiden gravieren zu lassen, wovon einige auch Gebrauch machten.

Die in Oswestry angelieferten Messer wurden auf einen Stahlrahmen und auf Stahlplatten geschweißt, mit dem Effekt, dass die Figur wie ein gefiederter Engel aussieht. Nach der Fertigstellung wurde der Knife Angel vor der Kathedrale von Derby feierlich aus der Taufe gehoben (hier im Film zu sehen) und begann bald darauf seine „Tournee“ durch das ganze Land. Liverpool und die Anglican Cathedral war die erste Station, es folgten Hull, Coventry und Birmingham. Ab heute steht die Skulptur bis zum 29. November in Blackburn in Lancashire.

Photo © John S Turner (cc-by-sa/2.0)
In Gateshead (Tyne and Wear).
Photo © Les Hull (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 4. November 2021 at 02:00  Comments (2)  

Mary Ann Cotton (1832-1873) – Englands erste weibliche Serienmörderin

Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.

Geboren wurde Mary Ann Cotton im Jahr 1832 in Low Moorsley (Tyne and Wear) bei Sunderland, einem Dörfchen, über das die Wikipedia als einziges zu berichten weiß, dass es der Geburtsort einer Serienmörderin ist. Mary Ann Cotton ging in die englische Kriminalgeschichte ein als erste weibliche Serienmörderin; hätte es damals schon das Guinness Buch der Rekorde gegeben, wäre ihr ein Eintrag sicher gewesen als die Frau, die die meisten Menschen ins Jenseits befördert hat; 21 sollen es gewesen sein, möglicherweise auch mehr, die meisten davon aus ihrem engsten familiären Umfeld.

Mary Ann Cotton wohnte in West Auckland im County Durham, einem Ort mit etwa 8500 Einwohnern, wo heute die A68 und die A688 zusammentreffen, zuerst in 20 Johnson Terrace (das Haus existiert nicht mehr, es wurde abgerissen), dann in der Front Street (dieses Haus gibt es noch).

Nachdem Mary Ann schon in jungen Jahren geheiratet und viele Kinder in die Welt gesetzt hatte, starben unerklärlicherweise elf ihrer dreizehn Kinder, dazu noch ihre Ehemänner und ihr Geliebter. Mary Ann kassierte dabei immer wieder Summen aus abgeschlossenen Lebensversicherungen. Es dauerte ziemlich lange bis schließlich einem gewissen Thomas Riley der Verdacht aufkam, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen konnte. Als Charles Edward Cotton, der letzte noch verbliebene der Cotton-Familie starb, ging Riley zur Polizei und äußerte seinen Verdacht. Der bereits beerdigte Charles wurde exhumiert, in seinem Magen fand man Arsen, daraufhin wurde Mary Ann in Durham vor Gericht gestellt, Die Geschworenen benötigten für ihre Beratungen nicht viel Zeit und fanden sie des Mordes schuldig; der Richter verurteilte sie zum Tode. Am 23. März 1873 starb die Serienmörderin im Gefängnis von Durham durch Erhängen.

Bei all den anderen Morden, die Mary Ann begangen hatte, soll immer Arsen eine Rolle gespielt haben.

Unter dem Titel „Dark Angel“ verfilmte ITV den Fall im Jahr 2015 (liegt auch auf DVD vor), die Rolle der Mary Ann Cotton spielte Joanne Froggatt, allen „Downton Abbey“-Fans als Lady Marys Zofe Anna bekannt. Gedreht wurde der Film in großen Teilen in North Yorkshire. Hier sind einige Ausschnitte zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Martin Connolly: Mary Ann Cotton – Dark Angel: Britain’s First Female Serial Killer. Pen&Sword Books 2016. 186 Seiten. ISBN 978-1473876200
.

Low Moorsley, Geburtsort der Mary Ann Cotton.
Photo © Robert Graham (cc-by-sa/2.0)
Die Front Street in West Auckland.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 25. September 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Jack the Stripper – Ein Londoner Serienmörder, der nie gefasst werden konnte

Hier, in der Nähe der Hammersmith Bridge, begann die Mordserie.
Author: Meg Moggington.
Creative Commons 2.0

1888 trieb Jack the Ripper sein Unwesen im Londoner Osten. Fünf Morde gingen auf sein Konto, dann hörte man nie wieder etwas von ihm und er konnte nicht gefasst werden.

Eine ähnliche Mordserie ereignete sich 1964/65, wieder in London. Mindestens sechs Prostituierte (Hannah Tailford, Irene Lockwood, Helen Barthelemy, Mary Flemming, Frances Brown, Bridget O’Hara) fielen einem Serienmörder zum Opfer, dem man den Namen Jack the Stripper gab, da er alle Frauen nach der Ermordung unbekleidet zurückließ. Diese sogenannten „Hammersmith Murders“ fielen in den Zuständigkeitsbereich von Scotland Yards Chief Superintendent John Du Rose, der mit sehr großem Aufwand versuchte, den Täter zur Strecke zu bringen. Über 7000 Interviews mit Verdächtigen wurden geführt, man hatte auch einige heiße Spuren, aber man konnte den Frauenmörder einfach nicht fassen. Die Morde hörten auf. Wieder ein Fall, der in den Annalen der Londoner Polizei als ungelöst geführt wird. Hier ist eine Filmdokumentation über Jack the Stripper.

Wie auch im Fall von Jack the Ripper gab es bei seinem Fast-Namensvetter viele Spekulationen, die sich auch in der Literatur niederschlugen. Das Buch „Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square“ aus dem Jahr 1969 von Arthur La Bern basiert auf den Mordfällen; Alfred Hitchcock verfilmte das Buch 1972 unter dem Titel „Frenzy„. Auch die Londoner Journalistin Cathi Unsworth nahm sich in ihrem Krimi „Bad Penny Blues“ den ungelösten Jack the Stripper-Morden an.
Chief Superintendent John Du Rose, den es sicher sehr geärgert hat, dass er den Fall nicht lösen konnte (er wurde „Four Day Johnny“ genannt, weil er seine Fälle so schnell löste), schrieb über die Hammersmith-Morde in seinen Memoiren „Murder Was My Business„, die 1973 erschienen. Auch „Found Naked and Dead“ (1974) von Brian McConnell versucht, etwas Licht in die mysteriösen Prostituiertenmorde zu bringen.

Das Buch zum Artikel:
Neil Milkins: Who Was Jack the Stripper? – The Hammersmith Nudes‘ Murders. Rose Heyworth Press 2011. 152 Seiten. ISBN 978-0956851208.

Published in: on 20. August 2021 at 02:01  Kommentar verfassen  
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Norman Pilcher – Ein Londoner Polizeibeamter, der es in den Swinging Sixties auf Rockstars abgesehen hatte

34 Montague Square in London.
Author: Spudgun67
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Vor wenigen Tagen erschien ein Buch mit dem Titel „Bent Coppers: The Story of the Man Who Arrested John Lennon, George Harrison and Brian Jones“ (Clink Street Publishing), geschrieben von Norman Pilcher (meines Wissens nicht verwandt oder verschwägert mit Rosemary Pilcher). Wer ist dieser Mann, der sich da mit korrupten Polizisten beschäftigt?

Norman Pilcher, 1935 geboren, war Beamter der Londoner Polizei, und sein Einsatzgebiet war die Drogenfahndung. In den Swinging Sixties waren Drogen sehr angesagt, und die Stars der Musikszene in der damaligen Zeit waren keine Drogenverächter. Einer der sich mit Wonne auf die Spur der prominenten Konsumenten machte, war jener Norman „Nobby“ Pilcher. Ihm muss es ein Vergnügen gewesen sein, jene Männer zu jagen, denen scharenweise kreischwütige junge Mädchen zu Füßen lagen: Die Beatles, die Rolling Stones und viele andere Rockstars. Die Mittel, die er dazu anwandte, schienen bedenklich gewesen zu sein. Immer wieder wurde Norman Pilcher unterstellt, dass er seinen Opfern Drogen unterschob, um sie verhaften zu können, wogegen er sich natürlich wehrte, aber was die Beschuldigten stets behaupteten.

Durch die Medien ging Norman Pilchers Auftritt im Oktober 1968 als er an der Haustür von Montague Square Nummer 34 klingelte, dort wo John Lennon und Yoko Ono (und vor ihnen Ringo Starr und Jimi Hendrix) wohnten. Der Polizist gab sich als Briefträger aus, und als die Tür von der nackten Yoko Ono geöffnet wurde, John Lennon hatte ebenfalls nichts an, stellte Pilcher die (dumme) Frage, ob sie Drogen in ihrem Besitz hätten, worauf er selbstverständlich als Antwort ein „Nein“ der beiden Unbekleideten erhielt. Pilcher zeigte ihnen seinen Durchsuchungsbefehl, und es dauerte nicht lange bis er Cannabis in der Wohnung entdeckte. Also musste Mr Lennon mit auf die Wache, wo er den Besitz von Drogen zugab. Er erhielt eine Geldstrafe und alle waren zufrieden.

Weitere Rockstars, die Norman Pilcher zur Strecke brachte, waren Mick Jagger, Keith Richards und Brian Jones von den Rolling Stones, Beatle George Harrison, Dusty Springfield und um ein Haar Eric Clapton, der sich nur durch die Flucht durch den Hintereingang des Nachtclubs The Pheasantry in der Londoner King’s Road retten konnte.

1973 wurde der Polizeibeamte wegen Meineids und Justizbehinderung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt; schon vorher hatte er seinen Dienst quittiert. Jetzt, im Alter von 84 Jahren, schildert Norman Pilcher in seinem Buch sein Leben und seine Karriere bei der Londoner Polizei aus eigener Sicht.

Die US-Band Primus nahm 2003 einen Song auf, in dem Norman Pilcher im Mittelpunkt steht und der „Pilcher’s Squad“ heißt. Im Text geht die Band auch auf den Lennon/Ono-Zwischenfall am Montague Square ein, und da heißt es „When Pilcher arrived and made his inspection The hashish magically appeared“.

The Pheasantry, 152 King’s Road, London. Hier entkam Eric Clapton den Fängen Norman Pilchers.
Author: Spudgun 67
Creative Commons 2.0

Published in: on 16. Oktober 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
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South Hill Park in Hampstead – Schauplatz von Mordfällen, die in die englische Kriminalgeschichte eingegangen sind

South Hill Park ist eine Straße im Londoner Stadtteil Hampstead, die sich am südlichen Rand der großen Parkanlage Hampstead Heath entlangzieht. Es handelt sich hier um eine ruhige Wohngegend mit einigen hübschen Häusern, und nichts deutet darauf hin, dass South Hill Park in den 1950er Jahren zweimal durch spektakuläre Mordfälle im Fokus stand, die in die die englische Kriminalgeschichte eingegangen sind.

Über den Mordfall Ruth Ellis, die am 10. April 1955 ihren Liebhaber David Blakeley vor dem Magdala Pub erschoss und als letzte Frau in England die Todesstrafe erhielt, habe ich in meinem Blog vor längerer Zeit geschrieben. The Magdala mit der Hausnummer 2a South Hill Park wurde 2016 geschlossen. Zum momentanen Zeitpunkt steht das Erdgeschoss der Nummer 2a leer und wird für Geschäftsräume zur Miete angeboten.

Nur ein paar Schritte weiter, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in der Nummer 11, ereignete sich ein Jahr vorher, am 29. Juli 1954, ein weiterer Mord. Die 54-jährige, aus dem griechischen Teil Zyperns stammende Styllou Christofi ermordete in dem Haus ihre Schwiegertochter Hella, eine gebürtige Deutsche. Beide kamen miteinander nicht klar, da Hella, nach Meinung von Styllou, bei der Erziehung ihrer Kinder nicht genügend Wert auf griechische Elemente legte, sondern sie wie Engländer aufzog. Die Zypriotin erschlug ihre Schwiegertochter, erwürgte sie und versuchte anschließend, die Leiche im Garten zu verbrennen, was nicht ganz funktionierte; dafür geriet der Brand außer Kontrolle, so dass die Feuerwehr und die Polizei gerufen werden mussten. Styllou versuchte sich zwar aus der Sache herauszureden, doch die Beweise waren überwältigend. Sie wurde des Mordes angeklagt, im Old Bailey vor Gericht gestellt und zum Tode durch den Strang verurteilt. Die Hinrichtung nahm der berühmte Henker Albert Pierrepoint im Holloway Gefängnis vor.

Styllou Christofi war die vorletzte Frau, die in einem englischen Gefängnis hingerichtet wurde. Ein merkwürdiger Zufall, dass die beiden letzten in England zum Tode verurteilten Frauen mit der ruhigen Straßen im Hampstead in Zusammenhang standen.

Der ehemalige Magdala Pub.
Photo © Kate Jewell (cc-by-sa/2.0)

South Hill Park.
Photo © Kate Jewell (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 19. Juni 2020 at 02:00  Comments (2)  
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St Matthew’s in Bethnal Green (London) – Die „Unterwelt-Kirche“

St Matthew’s im Londoner East End, im Stadtteil Bethnal Green, steht in einer kleinen Parkanlage an der Straße St Matthew’s Row. Die ursprüngliche Kirche wurde in den Jahren 1743-46 gebaut und von dem Architekten George Dance the Elder entworfen. Zweimal erlitt St Matthew’s schwere Schäden, einmal 1859 durch eine Feuersbrunst und dann im Zweiten Weltkrieg durch abgeworfene Brandbomben. 1961 war die Kirche wieder soweit hergestellt, dass Gottesdienste abgehalten werden konnten.

Bethnal Green ist ein Teil von London, in dem Gangsterbanden zuhause waren, und der Ruf des Stadtteils war nicht der beste. Einer der ersten Gangsterbosse von Bethnal Green war Joseph Merceron (1764-1839), eigentlich ein einflussreicher Geschäftsmann, der aber korrupt und betrügerisch war. Als er 1839 starb, fand seine von 30 000 Menschen besuchte Begräbnisfeier in St Matthew’s statt. Von da an sollten sich noch weitere Gangster diese Kirche für ihre Trauerfeiern aussuchen.

Die berühmtesten aller Gangster Londons waren die Kray-Zwillinge Ronnie (1933-1995) und Reggie (1933-2000), die ein strenges Regiment im East End führten. Ihre Gang, „The Firm“, mordete, raubte, legte Brände und erpresste Schutzgelder. Die beiden Zwillings-Gangsterbosse verkehrten in der besten Londoner Gesellschaft und waren auch mit Frank Sinatra und Judy Garland befreundet. Am 8. Mai 1968 wurden beide verhaftet und ein Jahr später zu lebenslänglicher Haft verurteilt.
Als erster starb Ronnie Kray im Jahr 1995 und seine Trauerfeier in St Matthew’s war eine grandiose Angelegenheit, die größte Trauerfeier seit Winston Churchill zu Grabe getragen worden war. Die Sargträger waren vier Unterweltgrößen, darunter auch Charlie Kray, ein Bruder der Zwillinge. Reggie durfte an der Feier teilnehmen, war aber mit Handschellen an eine Polizistin gekettet. Hier sind Bilder von der Trauerfeier.

Charlie Kray starb am 4. April 2000 und auch sein „funeral“ fand in St Matthew’s statt wie das seines Bruders Reggie, der ein halbes Jahr später starb und dessen Trauerzug von Tausenden von Menschen besucht wurde (hier ist ein Film darüber). Es ist schon erstaunlich, dass notorische Verbrecher in der Bevölkerung so viel Bewunderung erfahren konnten.

Es sollte noch eine weitere Gangster-Trauerfeier in St Matthew’s geben, die von Tony Lambrianou, einem engen Vertrauten der Kray Twins, der im März 2004 das Zeitliche segnete. Dieser Film zeigt den Trauerzug.

Im Inneren von St Matthew’s.
Photo © John Salmon (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Dezember 2019 at 02:00  Comments (2)  
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The Whitechapel Society 1888 – Eine Gesellschaft in London, die noch immer den Spuren von Jack the Ripper nachgeht

In diesem Pub in der Londoner City kommen die Mitglieder der Gesellschaft regelmäßig zusammen.
Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Es gibt wohl keinen Serienmörder, der bis heute so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat wie Jack the Ripper, der im Jahr 1888 im Londoner East End mindestens fünf Frauen auf bestialische Weise ermordet hat. Wahrscheinlich ist der Grund dafür, dass ihn Scotland Yard nie fassen konnte und dadurch Spekulationen über den wahren Täter immer wieder ins Kraut schossen.

Jede Menge Bücher sind über Jack the Ripper geschrieben worden, das Thema wurde mehrfach verfilmt (zum Beispiel mit Michael Caine in einem TV-Zweiteiler aus dem Jahr 1988, hier zu sehen), Theaterstücke und Musicals entstanden im Laufe der Zeit (hier ein Beispiel mit den Trimley Saints Players aus Suffolk) und Songs sind über den Mörder geschrieben worden (wie dieser von Screaming Lord Sutch). Der Cloak and Dagger Club entstand, in dem sich die sogenannten Ripperologen zusammenfanden und der 1995 in die Whitechapel Society 1888 überging, “ a historical society that promotes the study of the Whitechapel murders and the social impact that this event had on the East End of London at that time“.
Die Mitglieder dieser Gesellschaft treffen sich regelmäßig alle zwei Monate an dem jeweils ersten Samstag im Pub The Crutched Friar, in einer Straße, die ebenfalls Crutched Friars heißt und in der City of London liegt (Gäste sind willkommen).

Die Whitechapel Society 1888, die sich nach dem Londoner Stadtteil benannt hat, in dem Jack the Ripper seine Morde verübt hat, organisiert Vorträge, Rundgänge und gibt eine Zeitschrift heraus The Whitechapel Society Journal; darin erscheinen beispielsweise Artikel zu Themen wie „How did „Long Liz“ die?“ (gemeint ist eines der Ripper-Opfer Elizabeth Stride) oder „Sergeant William Thick“, der mit den Morden in Whitechapel befasst war.

Im Shop der Gesellschaft kann man Bücher kaufen, die von ihr herausgegeben worden sind wie „Jack the Ripper -The Suspects“ oder „The Little Book of Jack the Ripper„.

Zum Schluss ist hier noch ein interessanter Film zum Thema zu sehen.

Published in: on 27. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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The A6 Murder am 22. August 1961 bei Clophill (Bedfordshire)

Der Deadman’s Hill und die A6: Schauplatz des Verbrechens.
Photo © Rodney Burton (cc-by-sa/2.0)

In den Abendstunden des 22. Augusts 1961 trafen sich der verheiratete Michael Gregsten und seine Geliebte Valerie Storie wieder einmal zu einem Schäferstündchen in Gregstens Auto an einem Kornfeld bei Dorney Reach an der Grenze von Berkshire und Buckinghamshire. Plötzlich erschien ein bewaffneter Mann neben ihnen, der sie in ihrem eigenen Auto kidnappte. Am Deadman’s Hill an der A6, nahe des Ortes Clophill in Bedfordshire, musste Gregsten anhalten und wurde im Auto von dem Kidnapper mit zwei Kopfschüssen getötet. Valerie Storie wurde vergewaltigt und gezwungen auszusteigen, woraufhin der Killer fünf  Schüsse auf sie abfeuerte. Storie überlebte schwer verletzt und war für den Rest ihres Lebens von der Hüfte abwärts gelähmt.

Am 9. Oktober nahm die Polizei in Blackpool einen Kleinkriminellen namens James Hanratty fest,  den Valerie Storie als den Mörder ihres Freundes identifizierte. Während des ganzen Gerichtsverfahrens beteuerte Hanratty seine Unschuld, wurde von den Geschworenen aber für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Am 4. April 1962 hängte man James Hanratty im Bedford Prison auf; er war einer der letzten in England, an dem die Todesstrafe vollstreckt wurde.

Schon während der polizeilichen Untersuchung kamen Zweifel an der Schuld Hanrattys auf. Ein gewisser Peter L. Alphon sagte, dass er den Mord begangen habe, zog dann diese Äußerung wieder zurück und blieb auch weiterhin eine mysteriöse Figur in dem Fall.

Im Laufe der Jahre wurde der Fall Hanratty auf Drängen seiner Familie noch mehrmals neu aufgerollt, aber die Polizei kam zu keinen anderen Ergebnissen. 2001 wurde seine Leiche exhumiert, um eine DNA-Probe zu entnehmen. Aber auch die DNA erwies sich als übereinstimmend mit den Spuren, die am Tatort gefunden wurden. Einige Zweifler hielten es für möglich, dass die DNA kontaminiert worden ist und waren nach wie vor von Hanrattys Unschuld überzeugt. Einen Tag vor seiner Exekution schrieb James Hanratty einen Brief an seinen Bruder, in dem er noch einmal seine Unschuld beteuerte.

Mehrere Bücher wurden über den „A6 Murder“ geschrieben. War James Hanratty wirklich derjenige, der an dem verhängnisvollen Abend an der A6 in Bedfordshire die tödlichen Schüsse auf Michael Gregsten abgab oder wurde hier tatsächlich ein unschuldiger Mensch hingerichtet?

Hier sind Original-Filmaufnahmen aus den 1960er Jahren zu sehen.

Valerie Storie starb am 26. März 2016 in Slough (Berkshire).

Das Buch zum Thema:
Alan Razen: The Inconvenient Truth. CreateSpace Independent Publishing 2014. 110 Seiten. ISBN 978-1500353254. (Das letzte erschienene Buch über den Mordfall).

Das Bedford Prison: Hier wurde die Todesstrafe an James Hanratty vollzogen.
Photo © Dennis simpson (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 11. Juli 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Mozart, Beethoven & Co. im Einsatz gegen jugendliche Unruhestifter

Hier auf der District Line setzte Transport for London erstmals klassische Musik im Kampf gegen jugendliche Unruhestifter ein.
Photo © Marathon (cc-by-sa/2.0)

Es gibt bestimmte Plätze in einer Stadt, an denen sich gern jugendliche Unruhestifter versammeln und dazu gehören unter anderem U-Bahnhöfe, das ist auch in London so. In einer besonders betroffenen Station am Ende der District Line, Elm Park, wo sich häufig Gangmitglieder und Hoodies trafen, unternahm man im Jahr 2003 ein Experiment: Transport for London (TfL) spielte dort über Lautsprecher klassische Musik ein…und siehe da: Mozart, Beethoven & Co vertrieben die Jugendlichen, das „Anti-social behaviour“ wurde eingedämmt, Straftaten gingen zurück. Warum? Offensichtlich war diese Musik nichts für auf Gangsta Rap eingestellte Ohren, also zogen viele von dannen, um sich irgendwo anders zu treffen. Die U-Bahnpassagiere atmeten auf und fanden die Idee großartig. TfL weitete diese Maßnahme auf zahlreiche andere Stationen aus, mit dem gleichen Effekt. Die Idee wurde übernommen vom Tyne and Wear Metro System im Nordosten Englands, das schon 1997 damit experimentierte und gute Resultate erzielt hatte.

Aber nicht nur in U-Bahnen wurde die „Waffe“ Klassische Musik eingesetzt, auch bei McDonald’s, einem weiteren beliebten Hotspot für Vandalen und Krawallmacher, war das der Fall. In einem Burger Restaurant in Shepherd’s Bush ging es besonders schlimm zu. Dort wurden Drogengeschäfte abgewickelt, es kam zu Schlägereien und immer wieder wurde die Polizei gerufen, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.. Nachdem die Geschäftsführung von McDonald’s in dieser Filiale das kostenfreie W-LAN abgestellt und klassische Musik eingespielt hatte, gingen die Straftaten und das Rowdytum drastisch zurück, und die „Normalgäste“ konnten ihre Big Macs wieder in Ruhe essen (hier ist ein Film über diese Filiale). Die Restaurantkette weitete diese Maßnahme auf andere Filialen im Land aus, und so kamen Gäste in Cambridge, Liverpool und Huddersfield, um nur einige zu nennen, ab dem frühen Abend in den Genuss der Musik von Mozart, Bach und anderen Meistern der klassischen Musik.

Dieser Film zeigt ein Beispiel aus der Londoner U-Bahnstation Kilburn Park.

Published in: on 28. April 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Der Skateboard-Friedhof an der Londoner Hungerford Bridge und ein alptraumhafter Mord

Photo © Alan Hunt (cc-by-sa/2.0)

Die Londoner Hungerford Bridge ist eine Eisenbahnbrücke mit zwei parallel verlaufenden Fußgängerbrücken, den sogenannten Golden Jubilee Bridges. Sie mündet direkt in den Bahnhof Charing Cross.

Auf einer der in der Themse liegenden Plattformen, auf der die Stahlträger der Brücke verankert sind, finden sich seit Jahren zerbrochene Skateboards, die zwar immer wieder von der Stadtverwaltung weggeräumt werden, aber bald darauf wieder da sind. Es handelt sich hierbei um den Skateboard Cemetery, der von der lokalen Southbank Skater-Szene „betrieben“ wird, die sich unterhalb der Hungerford Bridge trifft und die auf der Plattform ihre ausgemusterten und defekten Boards entsorgt.

Als einen der Gründe für diesen kuriosen Friedhof wird genannt, dass es sich hierbei um eine Art Gedenkstätte für einen ermordeten Skater handelt. In den frühen Morgenstunden des 18. Juni 1999 überquerten zwei junge Männer die Brücke, Timothy Baxter, der sein Skateboard unter dem Arm trug, und sein Freund Gabriel Cornish. In der Mitte der Brücke wurden sie völlig grundlos von drei Teenagern attackiert, denen sich drei weitere Teenager anschlossen. Sie traten brutal auf die beiden Männer ein, bis sie das Bewusstsein verloren, dann packten sie sie und warfen sie über die Brücke in die Themse. Timothy Baxter erlangte das Bewusstsein nicht mehr und ertrank, Gabriel Cornish konnte, wie durch ein Wunder, gerettet und aus dem Fluss gezogen werden. Die sechs Jugendlichen, die, wie sollte es anders sein, alle aus zerrütteten Familienverhältnissen stammten, konnten bald festgenommen werden. Im Old Bailey fand die Gerichtsverhandlung gegen sie statt, wobei sie von der Richterin Judge Anne Goddard QC zu harten Strafen verurteilt wurden. Einige bekamen lebenslänglich, einige langjährige Haftstrafen.

Fast zwanzig Jahre ist die schreckliche Tat nun her; ob sich die Jugendlichen, die ihre Skateboards auf die Plattform in der Themse werfen, wohl noch bewusst sind, was hier oben in jener Nacht passierte?

In Memoriam Timothy Baxter (24)

Der Skateboard Cemetery.
Author: Mark Ahsmann
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Published in: on 16. März 2019 at 02:00  Comments (1)  
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Shirley Pitts (1934-1992) – Die Londoner Königin der Ladendiebstähle

Der Lambeth Walk in London, wo Shirley Pitts das Licht der Welt erblickte.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

An einem Märztag im Jahr 1992 fuhr eine Kolonne von 21 schwarzen Daimler-Limousinen durch London mit dem Ziel Lambeth Cemetery, einem der kleineren Friedhöfe der Stadt südlich der Themse. Nanu, mag sich mancher gefragt haben, ist da ein Staatsoberhaupt gestorben oder jemand von der High Society Londons? Nein, alles falsch.
Shirley Pitts wurde an diesem Tage beigesetzt. Shirley wer? Die 1934 auch im Stadtteil Lambeth geborene Shirley Pitts war eine Königin, die Königin der Ladendiebstähle, gefürchtet von den Londoner Edelkaufhäusern, in denen sie ihre Diebestouren mit Vorliebe beging, Harrods, Selfridges und wie sie alle heißen. Stilgemäß wurde die Dame in einem £5,000 teuren Kleid der Modedesignerin Zandra Jones begraben, das sie möglicherweise nicht auf regulärem Weg bezahlt hatte. Gespielt wurde bei der Feier auf ihren Wunsch hin Irving Berlins „Cheek to Cheek„, dessen Text mit der Zeile „Heaven, I’m in heaven“ beginnt. Bei der Beerdigungsfeier waren einige Größen der Londoner Unterwelt anwesend wie zum Beispiel der „Great Train Robber“ Buster Edwards.
Die Kray Zwillinge, Ronald und Reginald, die das organisierte Verbrechen Londons in den 1950er und 1960er Jahren beherrschten, hatten Shirley Pitts unter ihre Fittiche genommen, die aus sehr problematischen Verhältnissen stammte. Die Mutter war Alkoholikerin, der Vater saß im Gefängnis, wo er auch starb, einer ihrer Brüder war Bankräuber, ein anderer saß wegen Entführung im Gefängnis. So begann die kleine Shirley schon in jungen Jahren zu stehlen, eine Kunst, die sie später als „Queen of Shoplifting“ zur Vollendung brachte. Sie hatte sieben Kinder von drei Vätern.

Lorraine Gammon schrieb eine Biografie über sie mit dem Titel „Gone Shopping: The Story of Shirley Pitts – Queen of Thieves„, das 1995 in der legendären Londoner Krimibuchhandlung „Murder One“ in der Charing Cross Road seine Premiere feierte (leider wurde die Buchhandlung vor Jahren geschlossen, ich habe sie noch besuchen können). Kurz vor ihrem Tod hatte Shirley Pitts ihre Lebensgeschichte Lorraine Gammon erzählt. Teure Kleider, edler Champagner bildeten einen Eckpfeiler ihres Lebens, mehrere Gefängnisaufenthalte den anderen.
Hier ist ein Film über Shirley Pitts.

Harrod’s, wo Shirley Pitts gern auf ihre Weise einkaufte.
Photo © Richard Humphrey (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 22. Februar 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Das Thames Valley Police Museum in Sulhamstead (Berkshire)

Das Thames Valley Police Training Centre in Sulhamstead (Berkshire), in dem auch das Museum untergebracht ist.
Author: Cam5179.
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In meinem gestrigen Blogeintrag zum Thema „Inspector Morse“ erwähnte ich, dass der TV-Polizist für die Thames Valley Police (TVP) arbeitete. Das ist eine Polizeiorganisation, die für die Grafschaften Buckinghamshire, Oxfordshire und Berkshire zuständig ist und die ihren Hauptsitz in Kidlington (Oxfordshire) hat, vor den Toren Oxfords gelegen. Das Ausbildungszentrum der TVP liegt in Sulhamstead in Berkshire und darin befindet sich das kleine Thames Valley Police Museum. Momentan ist das Museum auf Grund von Renovierungsarbeiten im Sulhamsted House ausgelagert in das alte Polizeigebäude in Theale, wenige Kilometer nordöstlich; dort findet man es hinter der Öffentlichen Bibliothek an der Church Street. Das Museum ist nach vorheriger Anmeldung für Gruppen bis zu 10 Personen zugänglich, allerdings ist es auch mittwochs von 10 Uhr bis 12 Uhr für jedermann geöffnet.

Was gibt es hier zu sehen? Unter anderem werden drei besonders schwere Verbrechen dokumentiert, die einst für internationales Aufsehen sorgten und die im Zuständigkeitsbereich der TVP lagen.
Da ist einmal der Fall Amelia Dyer (1837-1896), „The Ogress of Reading“, eine der berüchtigsten Serienmörderinnen der englischen Geschichte, die über 20 Jahre lang bis zu 400 kleine Kinder ermordet haben soll und dafür 1896 im Londoner Newgate Prison erhängt worden ist.

Interessante Objekte, die mit dem großen Postzugraub vom 8. August 1963 bei Mentmore in Buckinghamshire zusammenhängen, werden ausgestellt (s. dazu meine Blogeinträge über die Bridego Bridge, den Schauplatz des Verbrechens, und die Reunion der damaligen Akteure in Oakley in Buckinghamshire).

Am 19. August 1987 ereignete sich in Hungerford (Berkshire) der Amoklauf des Michael Ryan, der hier 16 Menschen erschoss, viele verwundete und sich schließlich selbst mit seiner Waffe tötete (s. dazu meinen Blogeintrag). Auch dieser Fall wird im Thames Valley Police Museum dargestellt, dessen Exponate dieser Film zeigt.

Published in: on 22. Oktober 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Hanslope in Buckinghamshire und zwei Morde, die das Dorf erschütterten

Drei Schüsse waren am 21. Juli 1912 bei Hanslope in Buckinghamshire zu hören, wobei zwei auf Squire Edward Hanslope Watts, den Lord of the Manor, abgegeben wurden und ihn tödlich trafen. Mr Watts hatte zusammen mit seiner Frau den Gottesdienst in der Dorfkirche besucht und beide waren auf dem Weg zurück nach Hanslope Park, ihrem Wohnsitz. Der Todesschütze war der Wildhüter William Farrow, der sich mit dem dritten Schuss selbst das Leben nahm. Man rätselte über das Motiv Farrows, seinen Dienstherrn umzubringen und da gab es einige Theorien. Farrow sollte kürzlich wegen grober Pflichtverletzung sein Entlassungsschreiben erhalten haben, möglicherweise weil er den Hund des Squires während einer längeren Abwesenheit nicht wie beauftragt versorgt hatte und das Tier gestorben war. Was auch immer der Grund war, der Wildhüter wollte sich an dem Lord of the Manor rächen. Edward Hanslope Watts wurde in der Dorfkirche St James the Great beigesetzt, seine Asche befindet sich unter der Kirchenbank, auf der er immer bei Gottesdiensten gesessen hatte. Der Mörder wurde auf dem Kirchhof bestattet, allerdings in der abgelegensten Ecke des Gottesackers.
An der Stelle, wo die tödlichen Schüsse fielen, ist eine kleine Gedenktafel aufgestellt worden. In Hanslope heißt der verbliebene Dorfpub The Watts Arms und erinnert an die Familie, die im Hanslope Park wohnte.
In Hanslope Park ist heute eine Regierungsbehörde untergebracht, Her Majesty’s Government Communications Centre.

Fast hundert Jahre später erschütterte ein weiterer Mord die kleine Gemeinde im äußersten Norden von Buckinghamshire. Am 28. Dezember 2010 wurde der 29jährige Jaime Ball im Pub The Globe Inn erstochen, von Bernardo Durantes, dessen Schwester, die den Pub betrieb, mit Ball liiert war. Durantes war ein ehemaliger Alkoholiker, der aber wieder rückfällig geworden war, und dieses Problem führte zu einem heftigen Streit, der tödlich endete. Durantes wurde in London im Old Bailey wegen Mordes zu einer langen Haftstrafe verurteilt.
The Globe Inn in der Hartwell Road von Hanslope ist zurzeit geschlossen und wird zum Verkauf angeboten.

Die Gedenktafel an der Stelle des Mordes, die an Squire Watts erinnert.
Photo © Nigel Stickells (cc-by-sa/2.0)

St James the Great in Hanslope, die Kirche mit dem höchsten Turm von Buckinghamshire.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

The Watts Arms in der Castlethorpe Road.
Photo © Mat Fascione (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 6. September 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Salisbury in Wiltshire – Schauplatz eines aufsehenerregenden Verbrechens mit Folgen für die Weltpolitik

The Maltings Shopping Centre vor dem Sergei Skripal und seine Tochter auf einer Bank gefunden wurden.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Am 5. März diesen Jahres hatte ich in meinem Blog über den Radiosender Spire FM in Salisbury in Wiltshire geschrieben, Ein Tag zuvor ereignete sich in der lebhaften Kleinstadt, in die die Touristen hauptsächlich wegen der Kathedrale und des höchsten Kirchturms Englands kommen, ein Anschlag auf den russischen Ex-Agenten Sergei Skripal und seine Tochter Yulia, durch den Salisbury plötzlich weltweit in den Schlagzeilen stand. Durch den Einsatz des Nervengiftes Nowitschok wurden Vater und Tochter so schwer verletzt, dass man um ihr Leben bangen musste.

Sehen wir uns die Schauplätze in Salisbury einmal an, die mit dem Verbrechen in Zusammenhang stehen:

Sergei Skripal wohnte in der Straße Christie Miller Road, das ist eine Sackgasse in einer ruhigen Wohngegend mit mehreren Seitenarmen. Das Haus von Mr. Skripal mit der Nummer 47 (in der Bildmitte) steht am äußersten Ende der Sackgasse, die nach der Christie-Miller Familie benannt ist, die viele Jahre lang im Clarendon Park vor den Toren Salisburys gewohnt hat. Da nach den bisherigen Ermittlungen das Nervengift wohl auf der Klinke der Eingangstür angebracht worden sein soll, ist es erstaunlich, dass es keine Augenzeugen in der dicht bebauten Straße gibt, zumal die Tür des Skripalschen Hauses gut einsehbar ist.

Gefunden wurden Sergei und Yulia Skripal auf einer Bank vor dem Einkaufszentrum The Maltings, das von einem Sainsbury’s beherrscht wird und mitten im Zentrum von Salisbury liegt. Vorher waren die beiden erst im The Mill Pub, der ebenfalls in The Maltings liegt und der Brauerei Greene King in Bury St Edmunds gehört. The Mill ist zur Zeit immer noch geschlossen. Anschließend gingen Vater und Tochter zum Mittagessen in Zizzi’s Restaurant in der Castle Street. Zizzi’s ist ein italienisches Restaurant, das zu einer Gruppe von Lokalen gehört, die im ganzen Land zu finden sind. Direkter Nachbar von Zizzi ist die Stadtbibliothek von Salisbury und die Young Gallery. Durch die Ermittlungsarbeit der Polizei ist diese Gegend der Stadt besonders stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Sergei und Yulia Skripal wurden in das Salibury District Hospital in Odstock an der südlichen Stadtgrenze gebracht, wo sie weiterhin behandelt werden.

Die Castle Street.
Photo © Jonathan Kington (cc-by-sa/2.0)

Salisbury District Hospital.
Author: Richard Avery
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Published in: on 5. April 2018 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Jan Bondeson: Murder Houses of London

Foto meines Exemplares.

Jan Bondeson ist ein schwedischer Arzt, der sich auf Rheumaerkrankungen spezialisiert hat und an der Universität von Cardiff lehrt. Nebenbei interessiert er sich auch für ein ganz anderes Thema: Londoner Häuser, in denen Morde begangen wurden. So schrieb er bisher die Bücher „Murder Houses of South London“ (2015),  „Murder Houses of Greater London“ (2015) und „Murder Houses of London“ (2014), das ich heute vorstellen möchte.
Bondeson nimmt sich Mordfälle aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert vor, beschreibt diese detailliert und geht der Frage nach, was aus den Häusern geworden ist, in denen sich die Taten ereignet haben. Viele der „murder houses“ stehen noch heute, einige wurden abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Manche der Morde waren so schrecklich und erregten so viel Aufmerksamkeit, dass niemand mehr darin wohnen wollte. So kam es sogar hin und wieder vor, dass die Straßen umbenannt und die Hausnummern ausgetauscht wurden, um die Standorte der Mordhäuser zu verschleiern.

Hier sind einige Beispielsfälle aus Jan Bondesons Buch:

Die Zwillinge Ronnie und Reggie Kray gehören zu den schillerndsten und berühmtesten Figuren der Londoner Kriminalgeschichte. In den 1960er Jahren verbreiteten sie Angst und Schrecken in der Stadt.  Der Pub The Blind Beggar in der Whitechapel Road war der Ort, wo Ronnie Kray einen anderen Kriminellen namens George Cornell vor den Augen anderer Pubbesucher erschoss. Keiner der Anwesenden konnte sich anschließend an Einzelheiten der Tat erinnern… Den Blind Beggar gibt es noch heute im Londoner East End.

In 25 Noel Road in Islington wohnten in den 1960er Jahren der Dramatiker Joe Orton und sein Lebensgefährte, der Schauspieler und Schriftsteller Kenneth Halliwell. Am 9. August 1967 kam es zu einem Streit zwischen den beiden Männern, wobei Halliwell seinen Freund mit neun Hammerschlägen tötete. Anschließend nahm er eine Überdosis Nembutal und starb. Eine blaue Plakette an der Hauswand erinnert an Joe Orton (nicht an Kenneth Halliwell). Siehe dazu meinen Blogeintrag.

10 Rillington Place gehörte zu den berüchtigsten Adressen in London, wo der Serienmörder John Christie in den 1940er und 1950er Jahren mehrere Frauen ermordete. Rillington Place wurde, nachdem die Polizei Christie geschnappt hatte, in Ruston Place umbenannt. Das Mordhaus in Notting Hill wurde 1970 abgerissen. Siehe dazu meinen Blogeintrag.

Jan Bondesons Buch ist mit vielen Fotos bzw. mit zeitgenössischen Zeichnungen, überwiegend aus den Illustrated Police News, versehen.

Jan Bondeson: Murder Houses of London. Amberley Publishing 2014. 474 Seiten. ISBN 978-1-4456-4706-7.

The Blind Beggar in der Whitechapel Road.
Photo © Stephen McKay (cc-by-sa/2.0)

25 Noel Road in Islington.
Photo © Christopher Hilton (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. März 2018 at 02:00  Comments (1)  

The Illustrated Police News (1864 – 1938) – Eine der ersten Boulevardzeitungen Englands

This UK artistic work, of which the author is unknown and cannot be ascertained by reasonable enquiry, is in the public domain.

Es ging immer ziemlich blutig zu, wenn die Illustrated Police News von Verbrechen in England berichtete, denn das Blatt legte vor allem viel Wert auf die optische Darstellung der begangenen Taten. 1864 wurde die Zeitung von George Purkiss gegründet, der sein Büro am Strand in London hatte. Purkiss starb 1892 (er wurde auf dem Highgate Cemetery beerdigt), doch sein Sensationsblatt konnte sich auch ohne ihn bis zum Jahr 1938 halten.

Ein Heer von Reportern und zeitweise bis zu hundert freiberuflichen Künstlern, die für die blutrünstigen Bilder sorgten, waren für die Illustrated Police News beschäftigt. Die Zeichnungen der erwürgten, erschlagenen, erstochenen Opfer wurden möglichst direkt am Tatort oder, wenn das nicht möglich war, später in der Leichenhalle angefertigt.

Die Zeitung wurde bevorzugt von der Arbeiterklasse gekauft und kostete einen Penny. Die Nachfrage nach der Zeitung stieg in den Jahren 1888 bis 1891 besonders stark an, als sie detailliert in Wort und Bild von den Jack the Ripper Morden berichtete und das 184mal auf den Titelseiten.

Nicht jeder war von der Art und Weise wie die Illustrated Police News von Kriminalfällen berichtete begeistert und so wurde das Blatt schon einmal als „The worst newspaper in England“ bezeichnet.

Einige Beispiele: Am 22. März 1873 findet man auf der Frontseite u.a. eine Zeichnung mit der Unterschrift „A dispute settled with a red hot poker“ und gleich daneben „Alarming boat accident at Preston“, beides sehr realistisch dargestellt.

Auf der Titelseite der Ausgabe vom 27. August 1887 ist das Bild eines untergehenden Schiffes zu sehen; die um ihr Leben kämpfenden Schiffbrüchigen werden von Haien aufgefressen. Die Titelzeile lautet „Shipwreck – Eleven persons devoured by sharks“.

„Six nuns buried alive“ heißt es in der Ausgabe vom 5. August 1899, und gleich darunter kann man in einer anderen Geschichte sehen wie junge Frauen in einer Schwimmhalle einen gut gekleideten Herren ins Wasser werfen. Die Unterschrift lautet: „A „Peeping Tom“ discovered in a ladies‘ swimming bath“.

Das Buch zum Artikel:
Linda Stratmann: Cruel Deeds and Dreadful Calamities – The Illustrated Police News 1864-1938. The British Library Publishing Division 2011. 160 Seiten. ISBN 978-0712358118.

 

Published in: on 22. Januar 2018 at 02:00  Kommentar verfassen  
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10 Rillington Place in Notting Hill (London) – Ein Mörderhaus in Film und Literatur

Foto meines Exemplares.

Vor zwei Jahren stellte ich mir in meinem Blog einmal die Frage, was denn eigentlich mit Häusern passiert, in denen Morde verübt worden sind. Können dieses Häuser weitervermietet bzw. weiterverkauft werden oder werden sie abgerissen? Manchmal wissen die Nachmieter nichts davon, was sich in ihren vier Wänden abgespielt hat, manchmal haben sie aber auch keine Berührungsängste.

Die vielleicht bekannteste und berüchtigste Adresse eines Londoner Mörderhauses lautet 10 Rillington Place im Stadtteil Notting Hill, in dem der Serienmörder John Christie (1899-1953) mehrere Frauen tötete. 1953  wurde er dafür im Gefängnis von Pentonville aufgehängt; sein Henker war Albert Pierrepoint ( s. dazu meinen Blogeintrag). Diese kurze filmische  Dokumentation fasst den Fall Christie kurz zusammen.

Was geschah nach dem Tode Christies mit dem Haus 10 Rillington Place? Es wurde von einem Mann aus der Karibik gekauft, der die Wohnungen an einige Landsleute vermietete. Das Haus stand noch siebzehn Jahre, bevor es zusammen mit den anderen Gebäuden am Rillington Place im Jahre 1970 abgerissen wurde (hier ist ein Film dazu). An dieser Stelle finden wir heute die Bartle Road und nicht wie vielfach geschrieben die Ruston Mews. Die Ruston Mews Association wehrt sich vehement gegen diese falschen Behauptungen. Die Bartle Road liegt direkt gegenüber und zieht sich parallel zum Westway, der A40.

1970 drehte der Regisseur Richard Fleischer einen Film mit dem Titel „10 Rillington Place„, der in Deutschland als „John Christie, der Frauenwürger von London“ gezeigt wurde. Die Hauptrolle spielte Richard Attenborough (1923-2014), Pat Heywood seine Frau Ethel. Viele Szenen wurden dabei tatsächlich in dem Originalhaus gedreht, in dem die Morde begangen wurden, kurz bevor es abgerissen wurde. Hier sind einige Ausschnitte.

Die BBC strahlte Ende 2016 einen Dreiteiler aus, der den Titel „Rillington Place“ (dt. „Rillington Place – Der Böse“) trug, mit Tim Roth als John Christie. Hier ist der deutsche Trailer.

Das ZDF nahm sich des Stoffes schon 1969 an in dem Fernsehspiel „Gnade für Timothy Evans„. Friedrich G. Beckhaus spielt darin die Rolle des John Christie.

Über den Serienmörder von Notting Hill wurden mehrere Bücher geschrieben, u.a. das wohl bekannteste „10 Rillington Place“ von Ludovic Kennedy (Victor Gollancz 1961).

2013 veröffentlichte Jonathan Oates die Biografie „John Christie of Rillington Place“ (Pen & Sword Books“), und zuletzt 2016 Jack Rosewood „John Christie: The True Story of the Rillington Place Strangler“ (CreateSpace Independent Publishing Platform).

Wer sich für das Thema Mörderhäuser in London interessiert, dem kann ich das Buch „Murder Houses of London“ von Jan Bondeson empfehlen, 2014 bei Amberley Publishing erschienen.

 

Published in: on 1. November 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Zwei Morde im Londoner 5* Savoy Hotel

Für Hotelbetreiber ist es immer eine Horrorvorstellung, wenn jemand in ihren Zimmern stirbt. Wie bringe ich die Leiche weg, ohne dass die anderen Hotelgäste etwas davon mitbekommen? Noch schlimmer ist es, wenn dort ein Mord passiert und die Polizei präsent ist.
Das Londoner 5*-Hotel Savoy am Strand hat zweimal diese Erfahrung machen müssen: 1923 und 1980.

Am 1. Juli 1923 stiegen der ägyptische Prinz Ali Kamel Fahmy Bey und seine französische Frau Marguerite Marie Alibert in dem Luxushotel ab, um einige Tage Urlaub in der britischen Hauptstadt zu machen. Madame war ein Luxusweibchen, das zahllose Affären mit reichen Männern gehabt hatte, u.a. auch mit Edward, Prince of Wales. Sie war es gewohnt, sehr viel Geld auszugeben, gern auch für Juwelen, und das wurde sogar ihrem steinreichen Mann zuviel, der ihr in London verbot, die dortigen Juweliere aufzusuchen. Es kam immer wieder zu Streitigkeiten zwischen dem Ägypter und seiner Frau. Schließlich, in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli, als über der Stadt ein schweres Gewitter niederging, eskalierten diese Querelen und die Prinzessin erschoss ihren Gatten in ihrer Suite 41 im vierten Stock des Hotels. Mit drei Schüssen streckte sie ihn nieder, Ali war lebensgefährlich verletzt, und er starb kurz darauf im Charing Cross Hospital, wohin man ihn schnell gebracht hatte.

Marguerite Marie Alibert wurde wenige Monate später in London vor Gericht gestellt und von zwei hochkarätigen Anwälten verteidigt. Dort stellte sich heraus, dass die Französin während ihrer kurzen Ehe Qualen durch ihren Ehemann erleiden musste. Er war gewalttätig und bestand auf Sexpraktiken, die seine Frau nicht wollte, die sie aber ertragen musste. Die Geschworenen sprachen die Frau in allen Anklagepunkten frei. Hier ist eine Dokumentation des Falles über den Andrew Rose ein Buch schrieb „The Prince, the Princess and the Perfect Murder„, in dem er auch untersucht, welche Rolle der Prince of Wales in der Angelegenheit spielte.

Zimmer 853 im achten Stock des Savoy Hotels war 57 Jahre später Schauplatz eines weiteren Mordes. Am 1. Oktober 1980 wurde hier die Prostituierte Catherine Russell mit zehn Messerstichen getötet. Ihr Mörder, der aus dem Hotel fliehen konnte, wurde gefasst; es handelte sich um einen gewissen Tony Marriott. Das Hotelmanagement bemühte sich auf sehr diskrete Weise darum, dass die anderen Gäste möglichst nichts von dem Mord mitbekommen sollten. Die Gäste neben dem Mordzimmer wurden in eine andere Etage des Hotels umquartiert.

Published in: on 1. Oktober 2017 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Neighbourhood Watch – Eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Bürgern und der Polizei

Neighbourhood Watch in Tetbury (Gloucestershire). Eigenes Foto.

Neighbourhood Watch in Tetbury (Gloucestershire).
Eigenes Foto.

Wenn ich den Begriff „Neighbourhood Watch“ höre, muss ich unwillkürlich an ältere Damen denken, die in ihren rosenumrankten Cottages hinter Gardinen misstrauisch beäugen, was sich auf der Dorfstraße so alles abspielt und dem Village Constable ihre Beobachtungen mitteilen, der dann auf seinem Fahrrad herbeiradelt und die verdächtigen Dinge in Augenschein nimmt.

Ganz so „Miss Marplish“ spielt sich das heute natürlich nicht ab. Seit knapp 30 Jahren gibt es die Institution Neighbourhood Watch in Großbritannien, die nach amerikanischem Vorbild erstmals 1982 in Mollington (Cheshire) ausprobiert wurde.

Wenn man durch englische Dörfer oder Städte fährt, sieht man häufig Schilder mit der Aufschrift „This is a Neighbourhood Watch Area„, die potentielle Gesetzesbrecher darauf aufmerksam machen, dass man in dieser Gegend besonders genau hinschaut, wer sich hier aufhält und verdächtig macht.
Rund 10 Millionen Menschen sollen in Großbritannien an dieser Kampagne aktiv teilnehmen, die von der Polizei unterstützt aber nicht geleitet wird.

Ziele von Neighbourhood Watch sind
– Verbrechen bereits im Vorfeld zu unterbinden, durch aufmerksames Beobachten der näheren Umgebung und durch verstärkte Sensiblisierung der Bürger gegenüber kriminellen Handelns.

– Unterstützung der örtlichen Polizei durch rechtzeitige Information über verdächtige Bewegungen im Ort.

– Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, auch indem man sich um die Gefährdung speziell älterer Menschen kümmert und diese auf mögliche Gefahren hinweist.

Ansprechperson sowohl für die teilnehmenden Bürger als auch für die Polizei ist der Neighbourhood Watch Co-ordinator, der sich z.B. um die Weitergabe von Informationen in beide Richtungen kümmert. Koordinator und „Watcher“ arbeiten alle ohne Bezahlung.

Die Polizei ist heute nicht mehr in der Lage, mit allen Problemen fertig zu werden, die sich aus Verbrechen und unsozialem Verhalten ergeben, und sie ist auf die Mitarbeit der Gemeinschaft angewiesen. Neighbourhood Watch hat sich als eine gute und wirkungsvolle Möglichkeit erwiesen, verantwortungsbewusste Bürger in diese präventive Arbeit mit einzubeziehen.

Mollington in Cheshire, das erste Neighbouhood Watch-Dorf Englands.   © Copyright Dennis Turner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mollington in Cheshire, das erste Neighbourhood Watch-Dorf Englands.
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Im Londoner Stadtteil Ealing.
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Published in: on 24. Mai 2017 at 02:00  Kommentar verfassen  
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Die Isle of Sheppey in Kent – Standort dreier Gefängnisse

Die Gefängnisse auf der Isle of Sheppey von der Luft aus gesehen.   © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Gefängnisse auf der Isle of Sheppey von der Luft aus gesehen.
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Die Isle of Sheppey im Norden der Grafschaft Kent erreicht man auf dem Landweg über zwei Brücken, die nebeneinander über The Swale führen, einen Meeresarm, der die Insel vom Festland trennt. Ich erinnere mich noch gern an die Fährverbindung, die vom niederländischen Vlissingen nach Sheerness auf der Isle of Sheppey führte und die von den beiden Jumbo-Fähren Olau Hollandia und Olau Britannia bedient wurde. Eine sehr angenehme Verbindung, die zweimal täglich pro Strecke befahren wurde. 1994 wurde der Betrieb eingestellt. Sheerness ist heute als Einfallstor für den Import von PKWs bekannt. Auf riesigen Parkplätzen stehen die Fahrzeuge, die darauf warten, abgeholt und im ganzen Land verteilt zu werden und das sind pro Jahr über 300 000. Allein der VW-Konzern importiert jedes Jahr ca 50 000 Autos über Sheerness.

Biegt man von der A249, die vom Festland kommt, kurz vor Queenborough nach rechts auf die A2500 ab, kommt man nach Eastchurch. Von dort führt die Church Road nach Süden in eine nicht sehr attraktive Gegend; hier stehen nämlich gleich drei Gefängnisse nebeneinander:
Her Majesty’s Prisons Swaleside, Elmley und Standford Hill, auch Sheppey Cluster genannt. In den letzten Jahren sorgten alle drei Gefängnisse für Schlagzeilen:

Kurz vor Weihnachten 2016 kam es in HMP Swaleside zu einem Gefangenenaufstand. 60 Insassen besetzten einen Teil des Gefängnisses, doch Spezialeinheiten bekamen die Situation schnell in den Griff. Der Grund für die Rebellion waren Spannungen zwischen dem Aufsichtspersonal und den Gefangenen, sicher mit ausgelöst durch den Personalabbau, der in nahezu allen Gefängnissen des Landes stattgefunden hat. In Swaleside sind durchschnittlich 1100 Insassen untergebracht, die zu mehr als vier Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden sind.

Im benachbarten HMP Elmley kam es im Jahr 2014 zu neun Todesfällen unter den Gefangenen, zurückzuführen laut Her Majesty’s Inspectorate of Prisons auf Überfüllung und (wiederum) Mangel an Aufsichtspersonal. Nach Meinung der Inspektoren sitzen einfach zu viele Männer in Gefängnissen, die dort eigentlich gar nicht hingehören. Sie haben keine besonders schweren Straftaten begangen und könnten durch eine sogenannte Community Sentence angemessener bestraft werden (Hausarrest, Fußfessel, Bewährung usw.). HMP Elmsley ist für 985 Gefangene ausgelegt.

Im Mai letzten Jahres kam HMP Standford Hill in die Schlagzeilen, als ein zu lebenslänglicher Haft verurteilter Mann aus dem Gefängnis ausbrach und erst Ende Juli wieder festgenommen werden konnte. Kritik wurde laut, dass ein so gefährlicher und gewaltbereiter Mann nicht in einem Hochsicherheitsgefängnis untergebracht war, sondern in einer Anstalt der Kategorie D, was dem Offenen Vollzug in Deutschland entspricht. Aus Standford Hill sind seit 2013 schon sieben Insassen entflohen.

Eine Besonderheit der drei Gefängnisse ist, dass sie alle von Frauen geleitet werden.

Die Zufahrt zur Isle of Sheppey über The Swale.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Importierte Autos in den Docks von Sheerness.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 4. Januar 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Ungewöhnliche Museen in Hastings (East Sussex) Teil 1: The True Crime Museum

In diesem imposanten Gebäude ist das True Crime Museum untergebracht.   © Copyright Oast House Archive and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In diesem imposanten Gebäude ist das True Crime Museum untergebracht.
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An der Strandstraße in Hastings (East Sussex), die an dieser Stelle White Rock heißt (die A259), steht ein großes imposantes Gebäude namens Palace Court, dessen hinterer Teil in die Klippen hineingebaut ist. Hier finden wir seit dem Jahr 2014 ein außergewöhnliches Museum, das alle interessieren wird, die sich mir der britischen und internationalen Verbrechensgeschichte auseinandersetzen möchten: The True Crime Museum, „the largest collection of crime memorabilia in the UK“. Der Kurator Joel Griggs hat hier eine Fülle von Ausstellungsgegenständen zusammengetragen, deren Anblick manchem kalte Schauer den Rücken herunterlaufen lassen wird. Da sind beispielsweise die Original-Fässer, in denen der sogenannte Säurebadmörder John George Haigh (ich berichtete in meinem Blog über ihn) seine Opfer bis (fast) in Nichts auflöste. In einem anderen Raum steht eine Badewanne, in der der Auftragskiller John Childs in den 1970er Jahren in London seine Opfer zerstückelte. Dann gibt es eine Vorrichtung zu sehen, auf der zum Tode verurteilte Mörder ihre tödlichen Injektionen erhielten.

In einer anderen Ecke steht ein von Kugeln durchsiebter Jeep Cherokee, in Vitrinen findet man unzählige Erinnerungsstücke von Verbrechern wie von den berüchtigten Kray-Zwillingen, die in den 1960er Jahren London unsicher machten.

Das True Crime Museum ist ziemlich gruselig gestaltet und in Höhlengängen untergebracht. Hin und wieder werden hier auch Vorträge gehalten wie über den Yorkshire Ripper Peter Sutcliffe oder über Jack the Ripper. Im Museumsshop kann man aus einer Fülle von True Crime-Büchern und -DVDs das passende auswählen. Wer in den Gewölben eine Party veranstalten möchte, kann auch das haben, eine „Criminal Record“ Disco und eine Bar stehen zur Verfügung. Dieser Film gibt einen ersten Überblick über das True Crime Museum.

Der Eintrittspreis beträgt £7.50. Das Museum ist ganzjährig täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

True Crime Museum
Palace Avenue Arcade
White Rock
Hastings, East Sussex, TN34 1JP

Published in: on 11. November 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Birstall in West Yorkshire – Einige Anmerkungen

Der Ort des Attentats auf Jo Cox, die Öffentliche Bibliothek von Birstall.   © Copyright Betty Longbottom and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Ort des Attentats auf Jo Cox, die Öffentliche Bibliothek von Birstall.
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Nachdem ich gestern in meinem Blog über den Wainhouse Tower in Halifax berichtet habe, bleibe ich heute noch einmal in West Yorkshire und zwar in Birstall. Bis zum 16. Juni diesen Jahres war die Kleinstadt kaum über die Grenzen Yorkshires bekannt, doch plötzlich tauchte der Name in den Medien der ganzen Welt auf. In Birstall wurde die Unterhausabgeordnete Helen Joanne „Jo“ Cox, sechs Tage vor ihrem 42. Geburtstag, Opfer eines Attentats. Als sie die Öffentliche Bibliothek in der Market Street verließ, stach der 52jährige ortsansässige Thomas Mair auf sie ein und schoss auf sie. Wenige Stunden später starb Jo Cox an ihren Verletzungen. Der Attentäter wurde festgenommen und scheint geistig verwirrt zu sein. Er wohnte am Lowood Lane im Norden von Birstall im “ Brontë-Viertel“, wo die Straßen Namen tragen, die an die Brontë-Schwestern erinnern wie Rochester Road, Heathcliffe Close, Branwell Avenue und Haworth Road. Lowood war der Name einer Schule in Charlotte Brontës Roman „Jane Eyre“.

Was gibt es über Birstall zu sagen? Die Stadt wäre sicher lieber durch erfreulichere Schlagzeilen in das Licht der Öffentlichkeit getreten. Hier leben etwas weniger als 20 000 Menschen und die Stadt dient vielen, die im Großraum Bradford, Leeds und Huddersfield arbeiten als Wohnort. Es geht in Birstall ruhiger zu als in den Großstädten, die schnell über die Autobahnen M62, M606 und M621 zu erreichen sind.

Die bedeutendste und bekannteste Person, die hier geboren wurde, war Joseph Priestley (1733-1804), der im Norden der Stadt, im Ortsteil Fieldhead, das Licht der Welt erblickte. Sein Geburtshaus existiert nicht mehr, aber eine Plakette dort erinnert an ihn. Joseph Priestley (nicht zu verwechseln mit dem Schriftsteller John Boynton Priestley, der aus dem nahegelegenen Bradford stammt) war Theologe, Philosoph und Naturforscher. Weltweit berühmt wurde er als Entdecker des chemischen Elements Sauerstoff im Jahr 1774. Für diese Leistung errichtete man ihm 1912 ein Denkmal auf dem Market Place, das von der aus Harrogate stammenden Bildhauerin Frances Darlington angefertigt wurde. Es trägt die Inschrift:

Joseph Priestley
Discoverer of Oxygen
Born at Fieldhead Birstall 1733

Zu Füßen des Priestley-Denkmals wurden in den letzten Tagen viele Blumen zum Andenken an die ermordete Jo Cox niedergelegt, u.a. auch von Premierminister David Cameron. Der Ort des Attentats, das Library & Information Centre, liegt gleich um die Ecke.

Hier ist ein Film aus dem Jahr 1998, der Birstall ausführlich porträtiert.

Es gibt übrigens noch einen weiteren Ort in England mit dem Namen Birstall, der in Leicestershire liegt.

Hier am Lowood Lane wohnte der Attentäter.   © Copyright Betty Longbottom and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Lowood Lane wohnte der Attentäter.
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Joseph Priestleys Denkmal auf dem Markptlatz der Stadt.   © Copyright Stanley Walker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Joseph Priestleys Denkmal auf dem Markplatz der Stadt.
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Der Mordfall Helen Davidson aus dem Jahr 1966 – Bis heute ungelöst

Hodgemoor Wood, Schauplatz des Verbrechens.   © Copyright Peter and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hodgemoor Wood, Schauplatz des Verbrechens.
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Vielleicht hätten ja die Detectives Tom bzw. John Barnaby diesen Mordfall gelöst, der sich mitten in ihrem Jagdgebiet Midsomer County, sprich: Buckinghamshire, am 9. November 1966 abgespielt hat und bis heute ungelöst ist. An diesem Tag wurde die Ärztin für Allgemeinmedizin aus Amersham, Dr. Helen Davidson, im Hodgemoor Wood ermordet. Was war da genau passiert?

Dr. Davidson ging am Nachmittag des 9. November mit ihrem Terrier Fancy in dem Waldgebiet spazieren, das südlich von Amersham und westlich von Chalfont St. Giles liegt. Hodgemoor Wood trägt die Bezeichnung Site of Specific Scientific Interest, was bedeutet, dass das Gebiet von besonderem Interesse für den Naturschutz ist. Ihr Auto hatte sie auf einem Parkplatz an der A 355 abgestellt, der Verbindungsstraße von Amersham nach Beaconsfield. Dort fand man es in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages, ihre Leiche wurde kurz darauf rund 500 Meter vom Parkplatz entfernt aufgespürt. Helen Davidson war mit einem Ast erschlagen und übel zugerichtet worden, ihr Hund saß neben ihr.

Das Motiv für den Mord an der Ärztin blieb im Dunkeln, es war kein Raub und es handelte sich nicht um ein Sexualdelikt. Vermutungen wurden laut, dass sie zufällig zwei Liebende in flagranti erwischte, die sie daraufhin umbrachten; aber untermauern konnte niemand diesen Verdacht. Auch die ausgesetzte Belohnung für die Aufklärung des Mordes der Zeitung News of the World in Höhe von £100,000 zeigte keine Wirkung. Chief Superintendent Jack Williams von New Scotland Yard, der auf den Fall angesetzt war, kam nicht weiter; es gab zwar Verdächtige, aber keine Beweise. So wurde der Mordfall Dr. Helen Davidson ein sogenannter „Cold Case“, ein ungeklärter Kriminalfall.

Die Ärztin wohnte in einem Haus namens Ashlyn, das sich in der North Road in Amersham befand, einer ruhigen, baumbestandenen Straße.

Wer sich für diesen Fall interessiert, sollte unbedingt zu dem Buch „Injured Parties: Solving the Murder of Dr Helen Davidson“ von Monica Weller greifen, das  gerade erst am 12. Mai im Verlag The History Press erschienen ist (ISBN 978-0750966955). Die Autorin bekam keinen Zugang zu den Polizeiakten und musste ihre Recherchen vom Punkt Null beginnen, keine einfache Aufgabe nach so vielen Jahren.

Mich hat der Fall besonders interessiert, da ich die Kleinstadt Amersham ganz gut kenne und in meinem Blog darüber berichtet habe.

Amersham Old Town, wo Dr. Davidson praktizierte. Eigenes Foto.

Amersham Old Town, wo Dr. Davidson praktizierte.
Eigenes Foto.

Published in: on 31. Mai 2016 at 02:00  Kommentar verfassen  
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