Neighbourhood Watch – Eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Bürgern und der Polizei

Neighbourhood Watch in Tetbury (Gloucestershire). Eigenes Foto.

Neighbourhood Watch in Tetbury (Gloucestershire).
Eigenes Foto.

Wenn ich den Begriff „Neighbourhood Watch“ höre, muss ich unwillkürlich an ältere Damen denken, die in ihren rosenumrankten Cottages hinter Gardinen misstrauisch beäugen, was sich auf der Dorfstraße so alles abspielt und dem Village Constable ihre Beobachtungen mitteilen, der dann auf seinem Fahrrad herbeiradelt und die verdächtigen Dinge in Augenschein nimmt.

Ganz so „Miss Marplish“ spielt sich das heute natürlich nicht ab. Seit knapp 30 Jahren gibt es die Institution Neighbourhood Watch in Großbritannien, die nach amerikanischem Vorbild erstmals 1982 in Mollington (Cheshire) ausprobiert wurde.

Wenn man durch englische Dörfer oder Städte fährt, sieht man häufig Schilder mit der Aufschrift „This is a Neighbourhood Watch Area„, die potentielle Gesetzesbrecher darauf aufmerksam machen, dass man in dieser Gegend besonders genau hinschaut, wer sich hier aufhält und verdächtig macht.
Rund 10 Millionen Menschen sollen in Großbritannien an dieser Kampagne aktiv teilnehmen, die von der Polizei unterstützt aber nicht geleitet wird.

Ziele von Neighbourhood Watch sind
– Verbrechen bereits im Vorfeld zu unterbinden, durch aufmerksames Beobachten der näheren Umgebung und durch verstärkte Sensiblisierung der Bürger gegenüber kriminellen Handelns.

– Unterstützung der örtlichen Polizei durch rechtzeitige Information über verdächtige Bewegungen im Ort.

– Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, auch indem man sich um die Gefährdung speziell älterer Menschen kümmert und diese auf mögliche Gefahren hinweist.

Ansprechperson sowohl für die teilnehmenden Bürger als auch für die Polizei ist der Neighbourhood Watch Co-ordinator, der sich z.B. um die Weitergabe von Informationen in beide Richtungen kümmert. Koordinator und „Watcher“ arbeiten alle ohne Bezahlung.

Die Polizei ist heute nicht mehr in der Lage, mit allen Problemen fertig zu werden, die sich aus Verbrechen und unsozialem Verhalten ergeben, und sie ist auf die Mitarbeit der Gemeinschaft angewiesen. Neighbourhood Watch hat sich als eine gute und wirkungsvolle Möglichkeit erwiesen, verantwortungsbewusste Bürger in diese präventive Arbeit mit einzubeziehen.

Mollington in Cheshire, das erste Neighbouhood Watch-Dorf Englands.   © Copyright Dennis Turner and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Mollington in Cheshire, das erste Neighbourhood Watch-Dorf Englands.
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Im Londoner Stadtteil Ealing.
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Published in: on 24. Mai 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Isle of Sheppey in Kent – Standort dreier Gefängnisse

Die Gefängnisse auf der Isle of Sheppey von der Luft aus gesehen.   © Copyright Thomas Nugent and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die Isle of Sheppey im Norden der Grafschaft Kent erreicht man auf dem Landweg über zwei Brücken, die nebeneinander über The Swale führen, einen Meeresarm, der die Insel vom Festland trennt. Ich erinnere mich noch gern an die Fährverbindung, die vom niederländischen Vlissingen nach Sheerness auf der Isle of Sheppey führte und die von den beiden Jumbo-Fähren Olau Hollandia und Olau Britannia bedient wurde. Eine sehr angenehme Verbindung, die zweimal täglich pro Strecke befahren wurde. 1994 wurde der Betrieb eingestellt. Sheerness ist heute als Einfallstor für den Import von PKWs bekannt. Auf riesigen Parkplätzen stehen die Fahrzeuge, die darauf warten, abgeholt und im ganzen Land verteilt zu werden und das sind pro Jahr über 300 000. Allein der VW-Konzern importiert jedes Jahr ca 50 000 Autos über Sheerness.

Biegt man von der A249, die vom Festland kommt, kurz vor Queenborough nach rechts auf die A2500 ab, kommt man nach Eastchurch. Von dort führt die Church Road nach Süden in eine nicht sehr attraktive Gegend; hier stehen nämlich gleich drei Gefängnisse nebeneinander:
Her Majesty’s Prisons Swaleside, Elmley und Standford Hill, auch Sheppey Cluster genannt. In den letzten Jahren sorgten alle drei Gefängnisse für Schlagzeilen:

Kurz vor Weihnachten 2016 kam es in HMP Swaleside zu einem Gefangenenaufstand. 60 Insassen besetzten einen Teil des Gefängnisses, doch Spezialeinheiten bekamen die Situation schnell in den Griff. Der Grund für die Rebellion waren Spannungen zwischen dem Aufsichtspersonal und den Gefangenen, sicher mit ausgelöst durch den Personalabbau, der in nahezu allen Gefängnissen des Landes stattgefunden hat. In Swaleside sind durchschnittlich 1100 Insassen untergebracht, die zu mehr als vier Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden sind.

Im benachbarten HMP Elmley kam es im Jahr 2014 zu neun Todesfällen unter den Gefangenen, zurückzuführen laut Her Majesty’s Inspectorate of Prisons auf Überfüllung und (wiederum) Mangel an Aufsichtspersonal. Nach Meinung der Inspektoren sitzen einfach zu viele Männer in Gefängnissen, die dort eigentlich gar nicht hingehören. Sie haben keine besonders schweren Straftaten begangen und könnten durch eine sogenannte Community Sentence angemessener bestraft werden (Hausarrest, Fußfessel, Bewährung usw.). HMP Elmsley ist für 985 Gefangene ausgelegt.

Im Mai letzten Jahres kam HMP Standford Hill in die Schlagzeilen, als ein zu lebenslänglicher Haft verurteilter Mann aus dem Gefängnis ausbrach und erst Ende Juli wieder festgenommen werden konnte. Kritik wurde laut, dass ein so gefährlicher und gewaltbereiter Mann nicht in einem Hochsicherheitsgefängnis untergebracht war, sondern in einer Anstalt der Kategorie D, was dem Offenen Vollzug in Deutschland entspricht. Aus Standford Hill sind seit 2013 schon sieben Insassen entflohen.

Eine Besonderheit der drei Gefängnisse ist, dass sie alle von Frauen geleitet werden.

Die Zufahrt zur Isle of Sheppey über The Swale.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Importierte Autos in den Docks von Sheerness.   © Copyright Marathon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 4. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ungewöhnliche Museen in Hastings (East Sussex) Teil 1: The True Crime Museum

In diesem imposanten Gebäude ist das True Crime Museum untergebracht.   © Copyright Oast House Archive and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In diesem imposanten Gebäude ist das True Crime Museum untergebracht.
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An der Strandstraße in Hastings (East Sussex), die an dieser Stelle White Rock heißt (die A259), steht ein großes imposantes Gebäude namens Palace Court, dessen hinterer Teil in die Klippen hineingebaut ist. Hier finden wir seit dem Jahr 2014 ein außergewöhnliches Museum, das alle interessieren wird, die sich mir der britischen und internationalen Verbrechensgeschichte auseinandersetzen möchten: The True Crime Museum, „the largest collection of crime memorabilia in the UK“. Der Kurator Joel Griggs hat hier eine Fülle von Ausstellungsgegenständen zusammengetragen, deren Anblick manchem kalte Schauer den Rücken herunterlaufen lassen wird. Da sind beispielsweise die Original-Fässer, in denen der sogenannte Säurebadmörder John George Haigh (ich berichtete in meinem Blog über ihn) seine Opfer bis (fast) in Nichts auflöste. In einem anderen Raum steht eine Badewanne, in der der Auftragskiller John Childs in den 1970er Jahren in London seine Opfer zerstückelte. Dann gibt es eine Vorrichtung zu sehen, auf der zum Tode verurteilte Mörder ihre tödlichen Injektionen erhielten.

In einer anderen Ecke steht ein von Kugeln durchsiebter Jeep Cherokee, in Vitrinen findet man unzählige Erinnerungsstücke von Verbrechern wie von den berüchtigten Kray-Zwillingen, die in den 1960er Jahren London unsicher machten.

Das True Crime Museum ist ziemlich gruselig gestaltet und in Höhlengängen untergebracht. Hin und wieder werden hier auch Vorträge gehalten wie über den Yorkshire Ripper Peter Sutcliffe oder über Jack the Ripper. Im Museumsshop kann man aus einer Fülle von True Crime-Büchern und -DVDs das passende auswählen. Wer in den Gewölben eine Party veranstalten möchte, kann auch das haben, eine „Criminal Record“ Disco und eine Bar stehen zur Verfügung. Dieser Film gibt einen ersten Überblick über das True Crime Museum.

Der Eintrittspreis beträgt £7.50. Das Museum ist ganzjährig täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.

True Crime Museum
Palace Avenue Arcade
White Rock
Hastings, East Sussex, TN34 1JP

Published in: on 11. November 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Birstall in West Yorkshire – Einige Anmerkungen

Der Ort des Attentats auf Jo Cox, die Öffentliche Bibliothek von Birstall.   © Copyright Betty Longbottom and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Ort des Attentats auf Jo Cox, die Öffentliche Bibliothek von Birstall.
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Nachdem ich gestern in meinem Blog über den Wainhouse Tower in Halifax berichtet habe, bleibe ich heute noch einmal in West Yorkshire und zwar in Birstall. Bis zum 16. Juni diesen Jahres war die Kleinstadt kaum über die Grenzen Yorkshires bekannt, doch plötzlich tauchte der Name in den Medien der ganzen Welt auf. In Birstall wurde die Unterhausabgeordnete Helen Joanne „Jo“ Cox, sechs Tage vor ihrem 42. Geburtstag, Opfer eines Attentats. Als sie die Öffentliche Bibliothek in der Market Street verließ, stach der 52jährige ortsansässige Thomas Mair auf sie ein und schoss auf sie. Wenige Stunden später starb Jo Cox an ihren Verletzungen. Der Attentäter wurde festgenommen und scheint geistig verwirrt zu sein. Er wohnte am Lowood Lane im Norden von Birstall im “ Brontë-Viertel“, wo die Straßen Namen tragen, die an die Brontë-Schwestern erinnern wie Rochester Road, Heathcliffe Close, Branwell Avenue und Haworth Road. Lowood war der Name einer Schule in Charlotte Brontës Roman „Jane Eyre“.

Was gibt es über Birstall zu sagen? Die Stadt wäre sicher lieber durch erfreulichere Schlagzeilen in das Licht der Öffentlichkeit getreten. Hier leben etwas weniger als 20 000 Menschen und die Stadt dient vielen, die im Großraum Bradford, Leeds und Huddersfield arbeiten als Wohnort. Es geht in Birstall ruhiger zu als in den Großstädten, die schnell über die Autobahnen M62, M606 und M621 zu erreichen sind.

Die bedeutendste und bekannteste Person, die hier geboren wurde, war Joseph Priestley (1733-1804), der im Norden der Stadt, im Ortsteil Fieldhead, das Licht der Welt erblickte. Sein Geburtshaus existiert nicht mehr, aber eine Plakette dort erinnert an ihn. Joseph Priestley (nicht zu verwechseln mit dem Schriftsteller John Boynton Priestley, der aus dem nahegelegenen Bradford stammt) war Theologe, Philosoph und Naturforscher. Weltweit berühmt wurde er als Entdecker des chemischen Elements Sauerstoff im Jahr 1774. Für diese Leistung errichtete man ihm 1912 ein Denkmal auf dem Market Place, das von der aus Harrogate stammenden Bildhauerin Frances Darlington angefertigt wurde. Es trägt die Inschrift:

Joseph Priestley
Discoverer of Oxygen
Born at Fieldhead Birstall 1733

Zu Füßen des Priestley-Denkmals wurden in den letzten Tagen viele Blumen zum Andenken an die ermordete Jo Cox niedergelegt, u.a. auch von Premierminister David Cameron. Der Ort des Attentats, das Library & Information Centre, liegt gleich um die Ecke.

Hier ist ein Film aus dem Jahr 1998, der Birstall ausführlich porträtiert.

Es gibt übrigens noch einen weiteren Ort in England mit dem Namen Birstall, der in Leicestershire liegt.

Hier am Lowood Lane wohnte der Attentäter.   © Copyright Betty Longbottom and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Lowood Lane wohnte der Attentäter.
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Joseph Priestleys Denkmal auf dem Markptlatz der Stadt.   © Copyright Stanley Walker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Joseph Priestleys Denkmal auf dem Markplatz der Stadt.
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Der Mordfall Helen Davidson aus dem Jahr 1966 – Bis heute ungelöst

Hodgemoor Wood, Schauplatz des Verbrechens.   © Copyright Peter and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hodgemoor Wood, Schauplatz des Verbrechens.
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Vielleicht hätten ja die Detectives Tom bzw. John Barnaby diesen Mordfall gelöst, der sich mitten in ihrem Jagdgebiet Midsomer County, sprich: Buckinghamshire, am 9. November 1966 abgespielt hat und bis heute ungelöst ist. An diesem Tag wurde die Ärztin für Allgemeinmedizin aus Amersham, Dr. Helen Davidson, im Hodgemoor Wood ermordet. Was war da genau passiert?

Dr. Davidson ging am Nachmittag des 9. November mit ihrem Terrier Fancy in dem Waldgebiet spazieren, das südlich von Amersham und westlich von Chalfont St. Giles liegt. Hodgemoor Wood trägt die Bezeichnung Site of Specific Scientific Interest, was bedeutet, dass das Gebiet von besonderem Interesse für den Naturschutz ist. Ihr Auto hatte sie auf einem Parkplatz an der A 355 abgestellt, der Verbindungsstraße von Amersham nach Beaconsfield. Dort fand man es in den frühen Morgenstunden des folgenden Tages, ihre Leiche wurde kurz darauf rund 500 Meter vom Parkplatz entfernt aufgespürt. Helen Davidson war mit einem Ast erschlagen und übel zugerichtet worden, ihr Hund saß neben ihr.

Das Motiv für den Mord an der Ärztin blieb im Dunkeln, es war kein Raub und es handelte sich nicht um ein Sexualdelikt. Vermutungen wurden laut, dass sie zufällig zwei Liebende in flagranti erwischte, die sie daraufhin umbrachten; aber untermauern konnte niemand diesen Verdacht. Auch die ausgesetzte Belohnung für die Aufklärung des Mordes der Zeitung News of the World in Höhe von £100,000 zeigte keine Wirkung. Chief Superintendent Jack Williams von New Scotland Yard, der auf den Fall angesetzt war, kam nicht weiter; es gab zwar Verdächtige, aber keine Beweise. So wurde der Mordfall Dr. Helen Davidson ein sogenannter „Cold Case“, ein ungeklärter Kriminalfall.

Die Ärztin wohnte in einem Haus namens Ashlyn, das sich in der North Road in Amersham befand, einer ruhigen, baumbestandenen Straße.

Wer sich für diesen Fall interessiert, sollte unbedingt zu dem Buch „Injured Parties: Solving the Murder of Dr Helen Davidson“ von Monica Weller greifen, das  gerade erst am 12. Mai im Verlag The History Press erschienen ist (ISBN 978-0750966955). Die Autorin bekam keinen Zugang zu den Polizeiakten und musste ihre Recherchen vom Punkt Null beginnen, keine einfache Aufgabe nach so vielen Jahren.

Mich hat der Fall besonders interessiert, da ich die Kleinstadt Amersham ganz gut kenne und in meinem Blog darüber berichtet habe.

Amersham Old Town, wo Dr. Davidson praktizierte. Eigenes Foto.

Amersham Old Town, wo Dr. Davidson praktizierte.
Eigenes Foto.

Published in: on 31. Mai 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Sir Travers Humphreys (1867-1956) – Einer der renommiertesten Anwälte und Richter Englands

The Old Bailey, die langjährige Wirkungsstätte von von Sir Travers Humphreys.   © Copyright Nigel Cox and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Old Bailey, die langjährige Wirkungsstätte von Sir Travers Humphreys.
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Wenn jemand das Wort „Christmas“ in seinem Namen führt wie Sir Richard Somers Travers Christmas Humphreys, dann muss es sich doch hierbei um einen netten, freundlichen, gütigen Menschen handeln, da man doch unmittelbar an Father Christmas denkt. Doch es gibt viele Menschen in der englischen Kriminalgeschichte, die diesen Gedanken weit von sich weisen würden, denn Sir Travers Humphreys war dafür verantwortlich, dass diese Menschen zum Tode bzw. zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Travers Humphreys erblickte am 4. August 1867 in der Londoner Doughty Street im Stadtteil Bloomsbury das Licht der Welt. Er studierte die Rechtswissenschaften in Cambridge und ging anschließend wieder nach London zurück, wo er in der Anwaltspraxis von Edward Besley arbeitete. Seinen ersten spektakulären Kriminalfall erlebte er im Jahr 1895, als er als Junioranwalt für die Anklage im Fall Oscar Wilde gegen den Marquess of Queensberry tätig war. Im Central Criminal Court, besser bekannt als Old Bailey, traf Humphreys im Jahr 1910 auf den Mörder Dr. Hawley Harvey Crippen, wieder auf der Seite der Anklagevertretung. Es folgte ein weiterer berühmter Fall, der „Brides in the Bath Murder Case“, in dem George Joseph Smith angeklagt wurde, drei Frauen in der Badewanne ermordet zu haben. Humphreys gelang es, zusammen mit seinen beiden Partnern, die Jury von der Schuld Smiths zu überzeugen, woraufhin dieser zum Tode verurteilt wurde.

1928 ernannte man ihn zum Richter und in dieser Eigenschaft war Humphreys mehrere Jahrzehnte bis zum Jahr 1951 tätig. In dieser Zeit verurteilte er zum Beispiel John George Haigh, den „Acid Bath Murderer“, zum Tode (ich berichtete in meinem Blog über ihn).
Ein Justizirrtum konnte der Richter allerdings nicht vermeiden, als der Mordfall Timothy Evans zur Berufung anstand. Evans wurde vorgeworfen, seine Frau und sein Baby in der Wohnung im Londoner Rillington Place ermordet zu haben. Er wurde zum Tode verurteilt; in der Berufungsverhandlung konnte er Humphreys und die beiden anderen Richter nicht von seiner Unschuld überzeugen und wurde am 9. März 1950 gehängt. Drei Jahre später stellte sich heraus, dass nicht Evans, sondern sein Nachbar John Christie der Mörder war. So eine Fehlentscheidung muss einen Richter doch sicher schwer belastet haben.

Nachdem er in den Ruhestand eingetreten war und 1953 seine Frau Zoë Marguerite verloren hatte, quartierte sich Sir Travers Humphreys in das Onslow Court Hotel im Londoner Stadtteil South Kensington ein, dem heutigen Kensington Hotel. Am 20. Februar 1956 starb Sir Travers.

Stanley Jackson schrieb 1952 eine Biografie über ihn: „The Life and Cases of Mr Justice Humphreys“ (Odhams Press). Der Autor war selbst Anwalt und kannte Humphreys persönlich.

Die Doughty Street im im Londoner Stadtteil Bloomsbury, in der Sir Travers geboren wurde.   © Copyright David P Howard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Doughty Street im Londoner Stadtteil Bloomsbury, in der Sir Travers geboren wurde.
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Foto meines Exemplares.

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Der Große Postzugraub und ein Wiedersehen der Beteiligten in Oakley (Buckinghamshire)

Oakley in Buckinghamshire.   © Copyright Bill Nicholls and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Oakley in Buckinghamshire.
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Der Große Postzugraub vom 8. August 1963 hat mich schon immer fasziniert. Großartig fand ich die Verfilmung im deutschen Fernsehen, die unter dem Titel „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ 1966 gezeigt wurde. Zweimal bin ich den Schauplätzen auf meinen Englandreisen nahegekommen, so stand ich einmal unter der Bridego Bridge (ich berichtete in meinem Blog darüber), nahe der B488 südlich von Leighton Buzzard (Buckinghamshire), wo das geraubte Geld von einem Waggon auf einen bereitstehenden Lastwagen umgeladen wurde. Von hier aus fuhren die Räuber rund 40 Kilometer zu ihrem Unterschlupf, der Leatherslade Farm bei Brill und Oakley, ebenfalls in Buckinghamshire. Über Brill berichtete ich in meinem Blog im Zuge meiner Fahrten auf den Spuren von Inspector Barnaby. Ja, der Postzugraub ereignete sich in Barnabys fiktivem Midsomer County.

40 Jahre nach dem spektakulären Verbrechen kamen einige der damals Beteiligten wieder zusammen, zu einem guten Zweck, denn das Dach der Village Hall von Oakley musste dringend ersetzt werden, und so kam jemand auf die Idee, ein „Reunion“ herbeizuführen mit einer angeschlossenen Ausstellung von Gegenständen, die mit dem Postzugraub zusammenhingen, und den Erlös der Veranstaltung in das Dach zu investieren. Die wichtigste Person des Treffens war zweifelsohne Bruce Reynolds, der Mastermind des Verbrechens (der 2013 in London verstarb). Er hielt hier in Oakley eine Rede und traf erstmals mit zwei Männern von der Gegenseite zusammen: John Woolley, der damalige Dorfpolizist von Brill, der am 13. August zusammen mit Sergeant Ron Blackman als erster die Leatherslade Farm aufsuchte und dort die leeren Postsäcke fand, und John Maris, ein Landarbeiter, der der Polizei den entscheidenden Hinweis auf die merkwürdigen Vorgänge auf der Farm gab.
Zu sehen waren bei dem Treffen in Oakley auch der Lastwagen mit dem die Postsäcke abtransportiert wurden, der Lotus Cortina (das Auto mit dem Kennzeichen BMK 723A wurde für rund £100 000 verkauft) mit dem Bruce Reynolds vor dem Überfall unterwegs war, um die Lage zu erkunden, originale Postsäcke und Besteck, das die Räuber auf der Leatherslade Farm benutzten.

Die späteren Eigentümer der Farm wollten mit der ganzen Sache nichts zu tun haben und scheuten jede Aufmerksamkeit; das Farmhaus wurde abgerissen und durch ein neues Gebäude ersetzt.

Siehe auch meinen Blogeintrag über die Neuverfilmung des Stoffes durch die BBC.

Die Leatherslade Farm bei Oakley (Buckinghamshire).   © Copyright David Hawgood and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Leatherslade Farm bei Oakley (Buckinghamshire).
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Dieser Weg führt zur Leatherslade Farm und wurde von den Postzugräubern benutzt.   © Copyright David Hawgood and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Dieser Weg führt zur Leatherslade Farm und wurde von den Postzugräubern benutzt.
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Published in: on 30. März 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

„The Bloody Miller“ – Eine blutrünstige Ballade aus Shropshire

Die Umgebung von Hogstow in Shropshire. Irgendwo hier muss der Mord stattgefunden haben.   © Copyright Richard Law and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Umgebung von Hogstow in Shropshire. Irgendwo hier muss der Mord stattgefunden haben.
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Als ich mir vor einigen Tagen den Song „Knoxville Girl“ des US-amerikanischen Country-Duos The Louvin Brothers anhörte, die damit 1956 einen Hit landeten, forschte ich einmal über den Ursprung des Songs nach und fand heraus, dass er auf einer englischen Ballade aus dem 17. Jahrhundert basiert, die damals unter dem Titel „The Bloody Miller“ bekannt war.

Worum geht es in der Ballade? Sie soll auf einem wahren Mordfall aus dem Jahr 1683 basieren, der sich in der Grafschaft Shropshire zugetragen hat. Ein Müller aus Hogstow namens Francis Cooper verliebt sich in ein junges Mädchen, Anne Nichols, aus dem benachbarten Ort Westbury. Francis drängt Anne, mit ihm ins Bett zu gehen, was sie denn auch bald tut und, es kommt wie es kommen muss, Anne wird schwanger. Der Vater der jungen Frau besteht darauf, dass ihr Lover sie auch heiraten muss und schickt seine Tochter zur Mühle, damit sie das Francis sagt. Der Vater in spe macht den Vorschlag, dass sie über das Thema erst noch einmal in Ruhe reden sollten und schlägt für das Gespräch einen abgelegenen Ort auf dem Land vor. Dort bringt er die werdende Mutter um und kehrt zur Mühle zurück. Schnell kommt man ihm auf die Spur und Francis Cooper wird für seine Tat am Galgen aufgeknüpft.

1744 erscheint die Ballade erneut in einer etwas veränderten Form unter dem Titel „The Berkshire Tragedy„, es folgen viele weitere Versionen, die irgendwann einmal den Weg über den großen Teich gefunden haben; eine davon wurde schließlich als „Knoxville Girl“ in den 1950er Jahren zu einem große Erfolg der Louvin Brothers.

Gibt es heute noch irgendwelche Spuren des weit zurückliegenden Verbrechens? Nur wenige. Der Ort Hogstow in Shropshire besteht immer noch aus wenigen verstreut liegenden Häusern, südwestlich von Shrewsbury, aber es gibt im benachbarten Ploxgreen an der A488 das Hogstow Mill  Bed and Breakfast, ein Haus aus dem 17. Jahrhundert, das früher einmal als Mühle gedient hat. Hat hier der mörderische Müller seine Bluttat ausgedacht? Es ist sehr wahrscheinlich.

Westbury liegt rund zehn Kilometer von Hogstow entfernt, an der B4386 und B4387. Mitten im Ort liegt die hübsche Dorfkirche St Mary’s, umgeben von uralten Grabsteinen. Hier soll irgendwo das Grab von Anne Nichols gewesen sein, doch die heute noch hier stehenden Steine reichen nicht mehr so weit zurück.

Paul Slade geht in seinem Buch „Unprepared To Die: America’s Greatest Murder Ballads And The True Crime Stories That Inspired Them“ (Soundcheck Books 2015) dem Fall „Knoxville Girl“ noch sehr viel detaillierter nach.

St Mary's in Westbury (Shropshire), wo Anne Nichols begraben wurde.   © Copyright Stephen McKay and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Westbury (Shropshire), wo Anne Nichols begraben wurde.
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Published in: on 5. März 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Witchcraft Murder – Ein mysteriöser, niemals aufgeklärter Mord in Lower Quinton (Warwickshire)

Der Meon Hill bei Lower Quinton. Hier geschah der Mord an Charles Walton.   © Copyright David P Howard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Meon Hill bei Lower Quinton. Hier geschah der Mord an Charles Walton.
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Lower Quinton ist ein kleines Dorf in den Cotswolds in der Grafschaft Warwickshire und war Schauplatz eines sehr mysteriösen Mordes, der nie aufgeklärt wurde.
Am Valentinstag des Jahres 1945 fand man den 74jährigen Landarbeiter Charles Walton am Fuße des Meon Hill tot auf, mit einer Mistgabel erstochen. Ein großes Kreuz war in seine Brust geritzt, also nahm man an, dass es sich hier möglicherweise um einen Ritualmord handeln konnte und dass Hexerei im Spiel war. Die Theorie wurde aufgestellt, dass Walton geopfert wurde, damit die kommende Ernte besser ausfiele als die im Vorjahr.
Während der Untersuchung des Mordes fand die Polizei ein Buch mit dem Titel „Folklore, Old Customs and Superstitions in Shakespeareland„, geschrieben im Jahr 1929 von James Harvey Bloom, in dem ein Mord an einer Ann Tennant unter den gleichen Umständen beschrieben wurde und in dem ein junger Mann namens Charles Walton, Anns Bruder, auftaucht. Gab es da Zusammenhänge? Alec Spooner, der mit der Aufklärung des Falles beauftragt war und der diesen Teil Warwickshires sehr gut kannte, konnte sich vorstellen, dass das Motiv des Mordes mit dem Aberglauben der ländlichen Bevölkerung zusammenhing.

Da die örtliche Polizei den Fall nicht lösen konnte, rief man Scotland Yard zur Hilfe, und man schickte einen der besten Leute, nämlich Detective Inspector Robert Fabian nach Lower Quinton, aber auch der scharfsinnige Fabian konnte den Fall nicht lösen, da er überall auf eine Mauer des Schweigens stieß. Wenn er in den Dorfpub, The College Arms, kam, verließen die Einheimischen den Gastraum. Er war sicher, dass sie den wahren Mörder kannten, und Fabian hatte einen sehr starken Verdacht, dass Arthur Potter, der Bauer, der Fabians Leiche fand, ihn auch ermordet hatte, aber er konnte nichts beweisen. Frustriert und enttäuscht, kehrte „Fabian of the Yard“, wie man ihn nannte, wieder nach London zurück. Der Mord blieb ungeklärt.

Noch immer kommen Leute nach Lower Quinton, die die Dorfbewohner auf den Fall ansprechen, aber erstens gibt es nur noch wenige, die das alles miterlebt haben, und zweitens mag man auch heute noch nicht darüber reden.

Charles Walton wurde auf dem Kirchhof von St Swithin’s im Ort begraben, genauso wie der Hauptverdächtige in dem Fall, Arthur Potter. Wie Simon Read in seinem Buch „The Case That Foiled Fabian: Murder and Witchcraft in Rural England“ schreibt, soll man die Grabsteine entfernt haben, damit sie nicht so viele Fremde anziehen, die aus Neugier nach Lower Quinton kommen.

Ich bin einmal in Lower Quinton gewesen und habe dort am Ortsrand kurz mein Auto angehalten und auf der Karte meinen weiteren Weg gesucht, als es an der Autoscheibe klopfte und ich gefragt wurde, ob man mir helfen könne. Sehr freundlich…oder wollte man wissen, was ein Autofahrer mit fremdem Kennzeichen da zu suchen hatte?? Lower Quinton ist auch eine Neighbourhood Watch Area!

Über den Mordfall wurde sogar ein Lied geschrieben (hier zu hören). Dieser Film erzählt den Mordfall nach und zeigt Bilder aus Lower Quinton.

 

In diesem Cottage, gegenüber der Kirche, wohnte Charles Walton.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In diesem Cottage, gegenüber der Kirche, wohnte Charles Walton.
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St Swithin's in Lower Quinton.   © Copyright MICHAEL ZAWADZKI and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Swithin’s in Lower Quinton.
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The College Arms.   © Copyright David P Howard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The College Arms.
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Published in: on 4. Dezember 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Was geschieht eigentlich mit Häusern, in denen Morde verübt worden sind?

Die Melrose Avenue in Willesden.   © Copyright Mike Quinn and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Melrose Avenue in Willesden.
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Ich habe mich schon oft gefragt, was eigentlich mit Wohnungen oder Häusern geschieht, in denen Mörder ihre Taten begangen haben? Finden die eigentlich neue Mieter oder Käufer? Stehen die auf ewige Zeiten leer?

Das „House of Horror“ in der Cromwell Road Nummer 25 in Gloucester, in dem Fred und Rosemary West zehn Mädchen und Frauen ermordeten, wurde 1996 abgerissen, da darin wohl niemand mehr wohnen mochte.
Anders sieht es bei den Häusern aus, in denen der Serienmörder Dennis Nilsen von 1978 bis 1983 ein Dutzend junger Männer zerstückelte und sie unter den Dielenbrettern oder im Garten versteckte. Nilsen wohnte in der Nummer 195 Melrose Avenue im Londoner Stadtteil Willesden, wo er die meisten Morde beging. Später hatte er eine Wohnung in 23D Cranley Gardens in Muswell Hill, daher wurde er auch als The Muswell Hill Murderer bezeichnet.

Beide Häuser waren/sind zurzeit auf dem Markt und die Makler tun sich natürlich schwer, diese Immobilien an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Verschweigen kann man die Geschichte der Häuser nicht, für die Werbung kommt sie selbstverständlich auch nicht in Betracht. Viele potentielle Interessenten schrecken sicher davor zurück, in Räumen zu wohnen, in denen derart schreckliche Dinge passiert sind. Also müssen die Makler mit dem Preis heruntergehen, um die Immobilien loszuwerden. Nilsens früheres Anwesen in Muswell Hill soll angeblich für £300,000 verkauft worden sein, was deutlich unter dem Durchschnittspreis in dieser Region liegt. Kaufinteressenten wies man diskret daraufhin, man möge sich doch vor dem Kauf mit der Geschichte des Hauses auseinandersetzen.

Nilsens Wohnung in der Melrose Avenue soll für rund £500,000 auf dem Markt sein, was ebenfalls unter den Preisen liegt, die üblicherweise in der Straße bezahlt werden. Aber ich bin sicher, dass auch diese Immobilie letztendlich gekauft wird, denn die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern in London ist schon sehr groß.

Die Melrose Avenue ist eine ruhige Wohngegend, nahe des Gladstone Parks im Norden Londons. Cranley Gardens geht von der Muswell Hill Road, der B550, ab und führt zur Park Road, der A1201.

Hier ist eine Dokumentation des Falles Dennis Nilsen, in der auch die o.a. Häuser zu sehen sind.

Das Buch zum Artikel:
Brian Masters: Killing for company: The case of Dennis Nilsen. Arrow Books 1995. 352 Seiten. ISBN 978-0099552611.

Cranley Gardens in Muswell Hill.   © Copyright Chris Whippet and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Cranley Gardens in Muswell Hill.
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Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Published in: on 26. November 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Georgi Markov und sein Grab auf dem Kirchhof von St Candida and Holy Cross in Whitchurch Canonicorum (Dorset)

Whitchurch Canonicorum in Dorset, was für ein Ortsname in einer Grafschaft, in der man viele ähnlich ausgefallene Namen von Dörfern findet. Der im Westen Dorsets gelegene Ort rühmt sich einer Kirche, die ebenfalls einen ungewöhnlichen Namen führt: St Candida and Holy Cross. Die Gebeine der Heiligen Candida ruhen in einem Schrein in der Kirche. Wer das nun genau war, daran scheiden sich die Geister; irgendjemand, der vor weit über 1000 Jahren gelebt hat.

Au dem Kirchhof von St Candida and Holy Cross steht ein Grabstein, der an einen Mann erinnert, der durch seinen außergewöhnlichen Tod in die Annalen der englischen Kriminalgeschichte eingegangen ist: Georgi Markov, ein 1929 in Sofia in Bulgarien geborener Schriftsteller und Dissident, der offen die kommunistische Führung seines Landes kritisierte und dadurch in Ungnade gefallen war. Seine Romane wie „Das Portrait meines Doppelgängers“ und „Die Frauen von Warschau“ wurden auch ins Deutsche übersetzt. Markov zog nach London, wo er in den 1970er Jahren u.a. für den BBC World Service und die Deutsche Welle arbeitete.
Nachdem der bulgarische Geheimdienst, mit Unterstützung des russischen KGB, bereits zwei erfolglose Mordversuche gegen Markov unternommen hatte, ereilte Markov das Schicksal am 7. September 1978 auf der Londoner Waterloo Bridge. Er spürte plötzlich einen schmerzhaften Stich am Oberschenkel und als er sich umdrehte, sah er wie ein Mann mit einem Regenschirm in der Hand eilig die Straße überquerte, in ein Taxi stieg und davonfuhr. Erst am Abend jenes Tages bekam er starkes Fieber und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er am 11. September starb. Wie sich bei der angeordneten Obduktion herausstellte, wurde Markov vergiftet, mittels einer winzigen Kugel, die der mysteriöse Mann auf der Waterloo Bridge mit Hilfe seines präparierten Regenschirms in den Oberschenkel Markovs geschossen hatte.
Als Hauptverdächtiger des „Regenschirmmords“ gilt ein Däne italienischer Abstammung, Francesco Gullino, der für den bulgarischen Geheimdienst gearbeitet haben soll, aber nie für die Tat belangt werden konnte. Die Dokumentation „The Umbrella Assassin“ aus dem Jahr 2006, hier zu sehen, setzt sich detailliert mit dem Fall auseinander.

Markovs Grabstein auf dem idyllischen Friedhof von Whitchurch Canonicorum trägt die Aufschrift:

IN MEMORY OF
GEORGI IVANOV MARKOV
NOVELIST & PLAYWRIGHT
MOST DEARLY LOVED BY
HIS WIFE ANNABEL
AND DAUGHTER SASHA
HIS FAMILY & HIS FRIENDS
BORN SOFIA 1.3.1929
DIED LONDON 11.9.1978
IN THE CAUSE OF FREEDOM

St  in Whitchurch Canonicorum.    © Copyright Mike Searle and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Candida and Holy Cross in Whitchurch Canonicorum.
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Hier auf der Waterloo Bridge ereignete sich der mysteriöse Regenschirm-Anschlag.    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier auf der Waterloo Bridge in London ereignete sich der mysteriöse Regenschirm-Anschlag.
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Die Johnson Gang und ihre Einbrüche in Landhäuser

Das Waddesdon Manor der Familie Rothschild in Buckinghamshire. Eigenes Foto.

Das Waddesdon Manor der Familie Rothschild in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

In den Jahren 2003 bis 2006 ging die Angst um bei Country House-Besitzern im Süden Englands. Im großen Stil wurde in diesen Häusern eingebrochen und ihre wertvollen Einrichtungsgegenstände geraubt. Zwischen £30 und £80 Millionen schätzte man damals den Schaden, der durch die Raubzüge entstand. Verantwortlich dafür war eine Gruppe von Männern, die Johnson Gang, die aus Vater Ricky, seinen Söhnen Richard und Albi, seinem Neffen Daniel O’Loghlin und Michael Nicholls, dem Freund von Rickys Tochter bestand. Sie und ihre Familien lebten in Wohnwagen in den Cotswolds, von wo aus sie die Häuser ausspähten.

Niemals zuvor und auch nicht danach hat es in Großbritannien Raubzüge gegeben, bei denen so viele wertvolle Gegenstände gestohlen wurden. Die Polizeibehörden schafften es nach langwierigen Ermittlungsarbeiten, die Gang dingfest zu machen, deren Mitglieder beim Prozess im Reading Crown Court zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Der größte Teil der Beute ist bis heute verschwunden. Man vermutet, dass die wertvollen Stücke im Ausland abgesetzt worden sind.

Hier ist ein Überblick über die Häuser, die damals betroffen waren:

Am 10. Juni 2003 wurde in das Waddesdon Manor der Familie Rothschild in Buckinghamshire eingebrochen. Hier erbeutete die Johnson Gang juwelenbesetzte Schnupftabakdosen und andere Kostbarkeiten im Wert von etwa £8 Millionen.

Noch viel größer war die Beute am 1. Februar 2006 im Ramsbury Manor bei Marlborough in Wiltshire, das Haus des Bauunternehmers und  Multimillionärs Harry Hyams. Hier erbeutete die Johnson Gang Gegenstände im Wert von mindestens £23 Millionen. Dies war der größte Raubzug, der jemals in einem englischen Privathaus stattgefunden hat. Antiquitäten, Uhren, Porzellan und andere wertvolle Gegenstände fielen den Johnsons in die Hände; manche schätzen den entstandenen Schaden noch weit höher ein. Etwa ein Drittel der Beute wurde später in einem unterirdischen Bunker sichergestellt.

Am 24. Oktober 2005 war Warneford Place in Sevenhampton bei Swindon in Wiltshire dran. In diesem Haus wohnte einmal James Bond-Autor Ian Fleming. Zum Zeitpunkt des Einbruchs gehörte das Haus dem ehemaligen Formel Eins-Rennfahrer Paddy McNally, der mit einem geschätzten Vermögen von über einer halben Milliarde Pfund Sterling zu den reichsten Männern der Insel gehört. Der wahrscheinliche Schaden: £1 Million.

Am 16. November 2005 schlug die Johnson Gang in The Manor in Stanton Harcourt in Oxfordshire zu, wo sie eine vergleichsweise geringe Beute in Höhe von £50 000 machte. Der Besitzer des Hauses überraschte einen der Einbrecher, der aber durch einen Sprung aus einem Fenster flüchten konnte.

In dieser BBC-Dokumentation aus dem Jahr 2005 wird die Johnson-Familie vorgestellt.

Das Eingangstor des Ramsbury Manors in Wiltshire.    © Copyright Colin Bates and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor des Ramsbury Manors in Wiltshire.
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Published in: on 20. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Crimewatch – Das britische Gegenstück zu Deutschlands „Aktenzeichen XY…ungelöst“

Eduard Zimmermanns ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY…ungelöst“ stand Pate als am 7. Juni 1984 das britische Gegenstück mit dem Titel „Crimewatch UK“ bei BBC One vom Stapel lief. Nick Ross und Sue Cook waren die ersten Moderatoren. Ross blieb 23 Jahre dabei, Sue Cook brachte es auf 12 Jahre. Anfangs stand man der Sendung sehr kritisch gegenüber (wie das auch in Deutschland der Fall war); die Polizeibehörden wollten gar nichts damit zu tun haben und lehnten das Verbrecherfangen mit Hilfe der Fernsehzuschauer komplett ab. Schließlich gelang es der BBC doch, einige wenige Polizeichefs von der Idee zu überzeugen und so ging man dann 1984 auf Sendung. In der ersten Folge stand der Mord an der 16jährigen Friseuse Colette Aram aus Nottinghamshire im Mittelpunkt, der zwar nicht mit Hilfe der Zuschauer gelöst werden konnte, aber es gingen immerhin Hunderte von Anrufen ein und das Eis schien gebrochen. Die Polizeidienststellen sahen, dass „Crimwatch“ ihnen bei der Lösung komplizierter Fälle weiterhelfen konnte und so wurde die Sendung fortgesetzt und erreicht auch heute noch hohe Einschaltquoten. Allein 57 Mörder sollen seit Beginn dingfest gemacht worden sein.

Das Format von „Crimewatch“ ist ähnlich wie „Aktenzeichen XY…ungelöst“. Neben dem Hauptmoderator, zurzeit ist es eine Moderatorin namens Kirsty Young, gibt es noch, anders als bei der ZDF-Sendung, zwei Nebenmoderatoren. Martin Bayfield ist seit 2012 zuständig für die Abteilungen „CCTV“, in der Verbrechen gezeigt werden, die von den in Großbritannien allgegenwärtigen Überwachungskameras aufgenommen worden sind und „Wanted Faces“, während sein Kollege Matthew Amroliwala die Ergebnisse früherer Sendungen vorstellt und in „How they were caught“ einen Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit wirft.

Ein besonders tragischer Fall ereignete sich 1999, als die damalige Moderatorin der Sendung, Jill Dando, vor ihrer Haustür in London erschossen wurde. War das ein Racheakt von einem der in „Crimewatch“ gesuchten Verbrecher? Vielleicht wird man das nie herausfinden, denn der Fall wurde nicht gelöst. Auch eine Darstellung des Mordfalls in „Crimewatch“ führte zu keinem Ergebnis. Es wurde zwar ein Mann für den Mord verurteilt, aber einige Jahre später bei einer Revision des Falles freigesprochen.

„Crimewatch“ wird von der BBC etwa alle zwei Monate ausgestrahlt. Die nächste wird am 4. Dezember um 21 Uhr gesendet. Ich habe mir einige Folgen angesehen und ich finde „Crimewatch“ sehr gut gemacht.

Hier ist die Sendung vom Oktober 2014.

Published in: on 22. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„The Nude in the Nettles“ – Der ungeklärte Mordfall von Sutton Bank in North Yorkshire

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Die A170, die von Thirsk in North Yorkshire in Richtung Osten führt, wird bei Sutton Bank zu einer der steilsten Straßen, die England zu bieten hat. Vor maximal 25% Steigung warnen Verkehrsschilder mehrfach und die Autos werden hier ganz schön gefordert; andersherum werden die Bremsen auf eine harte Probe gestellt, wenn es bei 25% Gefälle nach unten geht. „Keep in low gear“ werden die Autofahrer immer wieder gewarnt. Wohnwagengespanne dürfen die Straße nicht befahren und LKWs haben häufig Probleme und bleiben liegen, was natürlich zu Staus auf der Strecke führt. Besonders „tricky“ ist eine Haarnadelkurve, die man mit einem besonders rutschfesten Straßenbelag ausgestattet hat. Ich habe die Sutton Bank einmal erklommen; wenn man oben angekommen ist, hat man eine grandiose Sicht auf die Yorkshire Dales.

Hier oben ereignete sich ein Mordfall, der die Polizei von Yorkshire lange in Atem hielt und der bis heute nicht geklärt werden konnte. Am 28. August 1981, morgens um 8 Uhr, erhielt die Polizeistation von Ripon einen mysteriösen Anruf, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass sich oben auf dem Sutton Bank Top, neben einer kleinen Straße, die nach Scawton führt, eine verweste Leiche befände. Der Anrufer konnte die Stelle exakt beschreiben, weigerte sich aber seinen Namen zu nennen: „I can’t identify myself for reasons of national security“. Erst hielt die Polizei das für einen schlechten Scherz, wurde aber eines besseren belehrt als sie die Leichenteile tatsächlich an der angegebenen Stelle fand. Ein Großaufgebot von Polizisten suchte die nähere Umgebung ab und fand einige Gegenstände, durch die man in etwa den Todeszeitpunkt ermitteln konnte. Auch die gerichtsmedizinische Untersuchung half weiter und so ergab sich, dass die weibliche Leiche vor ca 2 Jahren dort abgelegt worden war. Eine Task Force unter der Leitung von Detective Chief Superintendent Strickland Carter von der North Yorkshire CID hatte von nun an alle Hände voll zu tun, um die Tote von Sutton Bank zu identifizieren, aber: Die Identität der „Nude in the Nettles„, wie man die Unbekannte nannte, konnte bis zum heutigen Tag nicht festgestellt werden. Die Universität von Manchester fertigte auf Grund der vorliegenden Daten eine Wachsmaske vom Gesicht der Toten an, aber niemand erkannte die Frau. Sämtliche Ermittlungsstränge der Kriminalpolizei verliefen im Sand. Die Akten über die Tote von Sutton Bank sind aber nie geschlossen worden. Erst im Jahr 2012 exhumierte man die Überreste, um DNA-Proben zu nehmen. Die Polizei hofft nach über 33 Jahren noch immer, diesen seltsamen Fall lösen zu können. Ein pensionierter Polizeibeamter stellte kürzlich die These auf, die Frau könnte eines der Opfer des Yorkshire Rippers Peter Sutcliffe gewesen sein, der zwischen 1975 und 1980 mindestens 13 Frauen, darunter viele Prostitiuierte, ermordet haben soll.

Wird man das Rätsel der unbekannten Toten von Sutton Bank, die man auf dem Friedhof von Malton begraben hat, jemals lösen?

Hier ganz in der Nähe an einer Straße, die nach Scawton führt, fand man die Leiche der unbekannten Frau.    © Copyright Gordon Hatton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier ganz in der Nähe, an einer Straße, die nach Scawton führt, fand man die Leiche der unbekannten Frau.
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Published in: on 16. Oktober 2014 at 02:00  Comments (2)  
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Ein aufsehenerregender Mordfall, der den den New Forest erschüttert hat

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Gestern berichtete ich in meinem Beitrag über das Rhinefield House Hotel von der idyllischen Landschaft des New Forest, in der man auf Schritt und Tritt auf wildlebende Pferde und Esel trifft. Diese Idylle wurde am 2. September diesen Jahres jäh erschüttert, als ein Mordfall die Bewohner dieses südenglisches Landstrichs aus ihrer Ruhe riss.

In der Nähe des bei Touristen wohlbekannten Ortes Beaulieu mit seinem berühmten Motor Museum, auf dem Gelände der Leygreen Farm, wurde die 47jährige Penelope Davis mit mehreren Messerstichen ermordet. Die Mutter von fünf Kindern, die bei Sainsbury’s in Blackfield arbeitete, nur wenige Kilometer von Beaulieu entfernt, fuhr nach der Arbeit zu einer Koppel, auf der ihre beiden Pferde untergebracht waren. Dort wurde sie von dem bzw. den Tätern ermordet. Wir kamen vorige Woche an dem Tatort vorbei und sahen Plakate an Bäumen und Masten mit Mrs Davis‘ Foto, auf denen Zeugen gesucht werden, die am 2. September zwischen 14 Uhr und 17 Uhr in dieser Region unterwegs waren und vielleicht Hinweise zu dem Mordfall geben können.

Mittlerweile hat die Polizei von Hampshire einen 36-jährigen Mann festgenommen, der in dringendem Tatverdacht steht. Merkwürdigerweise nahm die Polizei noch zwei weitere Männer und eine Frau fest, die aber inzwischen auf Kaution freigelassen wurden. Eine Vermutung ist, dass Penelope Davis von ihrer Arbeitsstätte aus verfolgt worden ist. Die Hampshire Constabulary hat über 200 Hinweise aus der Bevölkerung bekommen und arbeitet mit mehr als 200 Beamten mit Hochdruck an dem mysteriösen Mordfall. Die Bewohner des New Forests werden wohl erst wieder in Ruhe schlafen können, wenn der Fall endgültig aufgeklärt worden ist. Die Organisation Crimestoppers hat eine Belohnung von 5000 Pfund für die Ergreifung des Täters ausgesetzt.

Links die Leygreen Farm, gegenüber auf der anderen Straßenseite ereignete sich der Mord.    © Copyright Stuart Logan and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Links die Leygreen Farm, gegenüber auf der anderen Straßenseite ereignete sich der Mord.
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Published in: on 2. Oktober 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Shutford in Oxfordshire und eine Schießerei, die vier Menschenleben kostete

Das Pear Tree Cottage in der West Street in Shutford- Eigenes Foto.

Das Pear Tree Cottage in der West Street in Shutford.
Eigenes Foto.

Das kleine Shutford liegt im äußersten Norden der Grafschaft Oxfordshire, sieben Kilometer westlich von Banbury. Hier wohnte ich einmal kurzzeitig im Pear Tree Cottage, einem hübschen, aus dem 17. Jahrhundert stammenden, reetgedeckten Haus, das über einen „inglenook fireplace“ verfügte. Shutford war früher einmal dafür bekannt, dass in dem Ort hochwertiger Plüsch hergestellt wurde, der in vielen Königshöfen Europas und Asiens Verwendung fand. Doch lang ist es her, dass dieses Gewerbe den Bach herunter gegangen ist; Shutford durchlebte eine schwierige Zeit, viele Häuser standen leer und verfielen. Aber das ist alles glücklicherweise Vergangenheit, denn in dem Dorf hat sich allerlei Kleingewerbe niedergelassen und viele Häuser zeugen davon, dass sich hier wieder ein gewisser Wohlstand breit gemacht hat.
Es gibt einen netten Pub, „The George and Dragon„, dahinter steht die Kirche St Martin’s, alles geht hier ruhig und friedlich zu, wie man sich das für ein Dorf am Rande der Cotswolds auch wünscht.

ABER: Es gab auch einen rabenschwarzen Tag in der Geschichte Shutfords, das war der 10. August 1935, an dem binnen weniger Stunden vier Menschen starben. In ihrem Buch „Oxfordshire Murders“ schreibt die True-Crime-Autorin Nicola Sly von dem Fall. Kurz vor Mitternacht hielt ein Linienbus vor der Dorfschmiede, um Hilda May Gibbs und ihre Schwester Ivy Cora Goode aussteigen zu lassen. Da fielen plötzlich Schüsse, die beide Schwestern trafen und auch die hinter ihnen sitzenden Brüder Joseph und William Messenger, die vom Dorffest nach Hause fahren wollten. Der Bus fuhr sofort mit hoher Geschwindigkeit weiter ins Krankenhaus von Banbury, wo im Laufe der Nacht sowohl die beiden Schwestern als auch Joseph Messenger verstarben.
Wer war nun der Todesschütze? Es war der Dorfschmied Wilfred Gibbs, der Ehemann von Hilda May Gibbs, die beide in Trennung lebten und ständig Streit wegen ihres gemeinsamen Kindes hatten, das der Ehemann für sich beanspruchte. Nach den tödlichen Schüssen, richtete Gibbs sein Gewehr auf sich selbst und erschoss sich. Es muss eine Kurschlusshandlung des Dorfschmieds gewesen sein, denn noch einige Stunden vorher, hatte er sich auf dem Dorffest vergnügt und dabei Preise im Tontaubenschießen gewonnen.
Es war ein tragischer Tag in der Geschichte eines kleinen Dorfes, der sich hoffentlich nie mehr wiederholt.

Weitere Details zu dem Mordfall findet man in dem oben erwähnten Buch:
Nicola Sly: Oxfordshire Murders. The History Press 2010. 154 Seiten. ISBN 978-0752453590.

The George and Dragon im Vordergrund, dahinter    © Copyright Roger Davies and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The George and Dragon im Vordergrund, dahinter St Martin’s Church.
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Published in: on 25. Dezember 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Mein Buchtipp – Quentin Falk: The Musical Milkman Murder

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

In Little Marlow, wo ich erst kürzlich an einem schönen warmen Tag vor dem Queen’s Head Pub ein Pint trank, ereignete sich 1921 ein Mord, der vom Milchmann George Arthur Bailey begangen wurde. Das Opfer war seine Ehefrau Kate, der er überdrüssig geworden war. Bailey, den man auch “The Musical Milkman” nannte, behauptete, eine neue Notenschrift erfunden zu haben und suchte per Inserat in der Buckinghamshire Free Press junge gut gebaute Damen ab 16 Jahren, die ihm “musikalisch zur Hand gehen sollten”, wobei Übernachtungen in seinem Cottage durchaus vorkommen könnten. Der Milchmann war seiner schwangeren Ehefrau offensichtlich überdrüssig geworden und versuchte sich jetzt, an die jungen Damen heranzumachen. Das Mordhaus, The Old Barn Cottage, steht noch immer in der Church Street, nur 2-3 Gehminuten von The Queen’s Head entfernt. Ich bin da schon einige Male vorbeigefahren, ohne damals von dem Mordfall gehört zu haben.

Quentin Falk, Autor mehrerer Sachbücher, darunter einer Biografie des Schauspielers Anthony Hopkins, wohnt in The Old Barn Cottage und hatte schon einmal davon gehört, dass in seinem Haus vor einigen Jahrzehnten ein Mord begangen worden war, aber Näheres wusste er auch nicht. Er begann sich nach und nach mit der Geschichte zu beschäftigen und schließlich kam ein True Crime-Buch dabei heraus, in dem er seine intensiven Recherchen über den Fall George Arthur Bailey zusammenfasste.

In „The Musical Milkman Murder“ widmet sich der Autor besonders dem Gerichtsverfahren, das in Aylesbury stattfand, und das er in aller Ausführlichkeit beschreibt. Erstmals saßen bei diesem Verfahren auch Frauen in der Jury, was es aber für Bailey auch nicht besser machte, denn er wurde nach nur dreißigminütiger Beratungszeit von dieser Jury schuldig gesprochen und vom Richter zum Tode verurteilt. Bailey wurde am 2. März 1921 um 8 Uhr morgens im Oxford Prison per Strang hingerichtet.

Dieser Mordfall hat mich besonders interessiert, weil sich Baileys und meine Wege (über 80 Jahre zeitversetzt) mehrfach gekreuzt haben. Er wurde in West Hampstead im Norden Londons geboren und ging dort in eine Schule, die sich an der Ecke Mill Lane/Broomsleigh Street befand. In der Mill Lane war ich mehrere Male bei meinem Schwager zu Besuch. Über meine Aufenthalte in Little Marlow in Buckinghamshire berichtete ich in meinem Blog, am Gerichtsgebäude in Aylesbury kam ich erst kürzlich vorbei und den Friedhof von Little Marlow, außerhalb des Ortes an der Fern Lane, wo Baileys Frau Kate beigesetzt wurde, besuchte ich auch vor wenigen Monaten, als ich das Grab von Edgar Wallace dort aufsuchte.

Im Mordhaus in Little Marlow bzw. in einem Anbau, kann man sich heute auch per Bed & Breakfast einmieten; hier sind die Details.

Quentin Falk: The Musical Milkman Murder. John Blake 2012. 256 Seiten. ISBN 978-1857828078.

Published in: on 18. Dezember 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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John „Babbacombe“ Lee – The Man They Couldn’t Hang

The Cary Arms Hotel in Babbacombe (Devon). Unterhalb des Hotels stand das "Mordhaus" The Glen.   © Copyright Chris Downer

The Cary Arms Hotel in Babbacombe (Devon). Unterhalb des Hotels stand das „Mordhaus“ The Glen.
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John Lee (hier ein Foto), auch als John „Babbacombe“ Lee, bekannt, ging in die englische Kriminalgeschichte als „The Man They Couldn’t Hang“ ein, denn dreimal versuchte der Henker am 23. Februar 1885 den Mann per Seil hinzurichten – ohne Erfolg; jedes Mal versagte die Klappe auf der Lee stand ihren Dienst.

Doch zuerst zur Vorgeschichte: Am 15. November 1884 wurde Emma Keyse in ihrem Haus The Glen an der Babbacombe Bay bei Torquay in Devon tot aufgefunden. Man hatte ihr die Kehle durchgeschnitten und den Kopf eingeschlagen. Emma Keyse war eine wohlhabende ältere Dame, die es sich leisten konnte, Dienstpersonal zu halten. Einer ihrer Diener, eben jener John Lee, der schon einmal wegen Diebstahls inhaftiert war, wurde als Mörder festgenommen, obwohl die Beweislage sehr dürftig war. Man vermutete, dass er wütend auf seine Arbeitgeberin war, weil sie ihm seinen ohnehin schon kargen Lohn noch mehr kürzen wollte.

Lee, der immer wieder seine Unschuld beteuerte,  wurde zum Tode durch den Strang im Gefängnis von Exeter verurteilt. Und dann geschah das Unglaubliche: James Berry, der Henker testete jedesmal die Funktionsfähigkeit der Klappe, bevor sich Lee mit dem Seil um den Hals daraufstellte, und jedesmal verlief alles einwandfrei. Aber immer, wenn die Todesstrafe vollstreckt werden sollte, klemmte die Klappe – John „Babbacombe“ Lee ließ sich einfach nicht aufhängen. Der mutmaßliche Mörder wurde wieder in seine Zelle zurückgebracht und das Todesurteil in eine Gefängnisstrafe umgewandelt.

Nach 22 Jahren wurde Lee entlassen. Er wanderte in die USA aus, wo er 1933 auf „natürliche Weise“ starb. Sein Grabstein ist auf dem Forest Home Cemetery in Milwaukee (Wisconsin) zu finden… Das ist aber nur eine Variante über Lees weiteres Leben nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Es gibt auch die Variante, dass er nach London zog und dort den „Blitz“, also die deutschen Luftangriffe, überlebte. War Lee wirklich ein Mörder, wo und wann starb er wirklich? Es ist wenig wahrscheinlich, dass man das jemals herausbekommen wird.

Wie nicht anders zu erwarten, nutzte man diese ungewöhnliche Geschichte, um daraus Filme, Bücher und Musik zu machen. Hier einige Beispiele:

– Die englische Folkrock-Gruppe Fairport Convention wandelte 1971 John Lees Schicksal in ein Konzeptalbum mit dem Titel „Babbacombe Lee“ um.

– Schon 1912 wurde ein Stummfilm namens “ The Life Story of John Lee, or the Man They Could Not Hang“ produziert.

– Ein Film mit dem gleichen Titel erschien 2009 in den USA mit Brandon Wilson und John Hallberg in den Hauptrollen. Hier ist der Trailer zum Film.

Mike Holgate schrieb 2005 das Buch „The Man They Could Not Hang: The True Story of John Lee“ (The History Press, 256 Seiten, ISBN 978-0750936521).

Das Haus The Glen, in dem sich der Mord ereignete, stand dort, wo sich heute ein Parkplatz und ein Toilettenhäuschen, ein paar Schritte vom Cary Arms Hotel entfernt, befindet. 1904 wurde das Gebäude abgerissen. Eine Barkellnerin des Hotels , die am Strand Reste eines alten Seils fand, war so clever (und betrügerisch), einzelne Fäden davon als Originalteile des Galgenstricks zu verkaufen, mit dem John Lee aufgehängt werden sollte.

Published in: on 6. April 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Mein Buchtipp – Joseph Wambaugh: The blooding: The true story of the Narborough village murders

Eigenes Foto.

Foto meines Exemplares.

Das Buch, das ich heute empfehlen möchte, erschien bereits 1989, hat aber plötzlich durch Ereignisse in der englischen Stadt Leicester wieder an Aktualität gewonnen. Mit Hilfe der DNA-Analyse konnte vor wenigen Tagen festgestellt werden, dass es sich bei dem unter einem Parkplatz in Leicester gefundenen Skelett tatsächlich um Richard III handelt. Diese Methode, die Mitte der 1980er Jahre genau hier an der Universität von Leicester entwickelt wurde, hat dazu geführt, dass sehr viele Verbrechen in der ganzen Welt aufgeklärt werden konnten, die sonst vielleicht immer noch als ungeklärt gelten würden.

Das erste Mal, dass mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks ein Mörder verurteilt werden konnte, war im Falle der sogenannten Narborough Village Murders, die sich 1983 und 1986 ereigneten und über die minutiös der kalifornische Schriftsteller Joseph Wambaugh in seinem Buch „The blooding: The true story of the Narborough village murders“ (dt. „Nur ein Tropfen Blut“) berichtet.

Was war geschehen? Am 21. November 1983 wurde die 15jährige Lynda Mann in der Nähe ihres Elternhauses in Narborough in Leicestershire vergewaltigt und ermordet. Die Polizei konnte den Täter nicht ermitteln. Am 31. Juli 1986 kam die ebenfalls 15 Jahre alte Dawn Ashworth im Nachbardorf Enderby auf die gleiche Weise ums Leben. Ein 17jähriger bekannte sich des letzten Mordes schuldig und die Polizei war sicher, dass dieser junge Mann auch den ersten Mord begangen hatte.

Zu der gleichen Zeit hatte Professor Alec Jeffries von der Universität von Leicester die Methode des genetischen Fingerabdrucks entwickelt. Die Kriminalbeamten, die an den beiden Mordfällen arbeiteten, baten den Professor um Hilfe, der schnell feststellen konnte, dass der inhaftierte Jugendliche nicht der Mörder sein konnte (die Polizei hatte bei den beiden Mordfällen Spermaspuren sicherstellen können). Es folgte eine groß angelegte Aktion, bei der 5000 Männer aus der Region aufgefordert wurden, freiwillig Blut- oder Speichelproben abzugeben. Ohne Erfolg. Später prahlte ein gewisser Ian Kelly damit, er hätte £200 dafür erhalten, dass er unter dem Namen seines Freundes  Colin Pitchfork, der in Littlethorpe wohnte, eine Blutprobe abgegeben habe. Die Polizei erfuhr davon, nahm Pitchfork fest, und die DNA-Analyse zeigte zweifelsfrei, dass er der Mörder der beiden Mädchen war.

Für die Recherchen zu seinem Buch hielt sich Joseph Wambaugh eine Zeit lang in der Region auf und besuchte die Dörfer Narborough, Enderby und Littlethorpe, in denen sich die dramatischen Ereignisse abgespielt hatten. Als ich das Buch damals las, war ich davon so fasziniert, dass ich selbst auch einmal dorthin gefahren bin und mir die Orte, die sich alle im Großraum Leicester befinden, angesehen habe.

Joseph Wambaugh, der viele Bücher über die Arbeit der Polizei von Los Angeles geschrieben hat, verfasste hier eine hochinteressante Dokumentation über zwei Mordfälle, die in die Annalen der englischen Polizeigeschichte eingegangen sind.

Hier ist ein Originalbeitrag von Crimewatch UK (das „Aktenzeichen XY“ des britischen Fernsehens), in dem der Fall Dawn Ashworth rekonstruiert wird.

Joseph Wambaugh: The blooding: The true story of the Narborough village murders. Bantam Press 1989. 288 Seiten. ISBN 978-0593017067. Das Buch ist vergriffen, kann aber problemlos antiquarisch beschafft werden.

Die deutsche Übersetzung „Nur ein Tropfen Blut. Der Tatsachen-Roman über den ersten Mordfall der Welt, der mit Hilfe des genetischen Fingerabdrucks gelöst wurde„, erschien 1990 im Hestia-Verlag, 1992 als Taschenbuch im Heyne-Verlag.

Blick auf Narborough.   © Copyright Mat Fascione

Blick auf Narborough.
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Published in: on 10. Februar 2013 at 02:00  Comments (3)  

Reale Morde in Inspektor Barnabys „Midsomer County“

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

In Midsomer Parva, Morton Fendle, Badgers Drift, den kleinen, idyllischen Dörfern im Midsomer County, für die Inspector Tom Barnaby (später John Barnaby) aus Causton zuständig ist, besteht eine größere Wahrscheinlichkeit, eines unnatürlichen Todes zu sterben, als in den Verbrechensmetropolen der USA. Die in dieser Grafschaft umgehenden Mörder suchen sich meist mehr als nur ein Opfer aus, aber dank des fähigen Detective Chief Inspectors und seiner Sergeants werden die Morde alle aufgeklärt.

Wie sieht es denn „mordmäßig“ in den Grafschaften Buckinghamshire und Oxfordshire, in denen die meisten Folgen der TV-Krimiserie gedreht wurden, nun wirklich aus? Die beiden Counties zählen zwar nicht zu den Mord-Hochburgen Englands, aber auch hier gab es einige spektakuläre Verbrechen:

Denham (Bucks). Hier wurden u.a. die Episoden 50 „Tote singen nicht“ und 61 „Ganz in Rot“ gedreht.
Am 22. Mai 1870 ereigneten sich hier Morde, die selbst Mr. Barnaby erschüttert hätten. Der Dorfschmied Emmanuel Marshall und sechs seiner Familienmitglieder wurden an diesem Tage in ihrem Haus in der Cheapside Lane abgeschlachtet. Der 38jährige John Owen war der Täter, der sich an Marshall rächen wollte, weil er seiner Meinung nach zu wenig Lohn von dem Schmied erhalten hatte. Mordmethode: Hammerschläge. Owen wurde von einem Barnaby-Vorgänger gefasst und am 8. August 1870 in Aylesbury aufgehängt.

Chesham (Bucks). Gedreht wurden hier die u.a. Folgen 68 „Morden ist auch eine Kunst“ und 35 „Nachts, wenn du Angst hast“.
Am 2. Januar 1971 tötete hier der 17jährige Robert Trimmer im Waitrose-Supermarkt die 16jährige Gillian Randall, die dort arbeitete, mit mehreren Schüssen. Grund: Das Mädchen wollte nicht Roberts Freundin werden, deshalb erschoss er sie. Der Täter wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt.

Thame (Oxon). Hier fanden zahlreiche Dreharbeiten statt, u.a. für Episode 63 „Leben und Morden in Midsomer“ und 46 „Der Krieg der Witwen“.
Am 4. September 2011 wurden in der kleinen Sackgasse Ireton Court die 28jährige Michaela Gol und ihre Mutter Julie Sahin erstochen aufgefunden. Die 20jährige Casey Wilson wurde bei der Tat schwer verletzt. Täter war der türkische Ehemann Michaela Gols, der kurz nach dem Doppelmord auf dem Marktplatz von Thame festgenommen wurde.
Außerhalb von Thame im The Oxfordshire Golf Resort, Hotel and Spa fanden Hotelangestellte im August 2010 den dort arbeitenden Manager Christopher Varian tot auf. Er war von dem albanischstämmigen Kellner Jonathan Limani mit einem Messer attackiert und enthauptet worden. Auch hier lautete das Urteil: Lebenslänglich.

Bledlow (Bucks). Hier wurden z.B. die „Midsomer Murders“-Episoden 6 „Der Schatten des Todes“ und 21 „Die Hexe von Setwale Wood“ gedreht.
1987 wurde Rachel Partridge in Bledlow Ridge ermordet, die nach einer Party per Anhalter nach Hause fahren wollte. Dabei geriet sie in die Hände von Ronald Cheshire, der die Frau erwürgte.

Ja, da kann man nur froh sein, wenn man nach einem Aufenthalt im Midsomer County bzw. Oxfordshire und Buckinghamshire wieder ungeschoren und lebend nach Hause kommt. Auf der Heckscheibe meines Autos prangt denn auch der Aufkleber“ I’ve been to Midsomer…and survived!

Thame (Oxfordshire).Eigenes Foto.

Thame (Oxfordshire).
Eigenes Foto.

Denham (Buckinghamshire).Eigenes Foto.

Denham (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Bledlow (Buckinghamshire).Eingenes Foto.

Bledlow (Buckinghamshire).
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Published in: on 7. Januar 2013 at 02:00  Comments (4)  

John George Haigh – Der Säurebadmörder

 

Dieses von der Regierung des Vereinigten Königreichs erstellte Werk ist in der public domain.

Am 10. August 1949 wurde im Wandsworth Prison ein Mann hingerichtet, der in die englische Kriminalgeschichte als der „Säurebadmörder“ einging. John George Haigh, in Stamford (Lincolnshire) geboren, gab sich in London gern als wohlhabender Geschäftsmann aus. Er wohnte im Onslow Court Hotel (jetzt das Kensington Hotel) an der Queen’s Gate und machte dort die Bekanntschaft einer reichen Witwe, Olive Durand-Deacon, die sich ebenfalls in diesem Hotel einquartiert hatte. Man kam ins Gespräch und erörterte die Produktion von künstlichen Fingernägeln (Nagelstudios waren damals noch nicht so verbreitet wie heute). Haigh hatte sich in Crawley (West Sussex), südlich von London, in der Leopold Road Nr. 2 einen leerstehenden Lagerraum gemietet und dorthin bat er Mrs. Durand-Deacon am 18. Februar 1949. Er schoss ihr in den Kopf, nahm ihr ihre Juwelen und den Pelzmantel ab und „entsorgte“ sie in eine bereitstehende Tonne, in der sich Schwefelsäure befand.
Haigh benahm sich danach nicht sehr geschickt; auf Drängen einer anderen Hotelbewohnerin meldete er das Verschwinden von Olive Durand-Deacon der Polizei, die schnell Verdacht schöpfte und den Lagerraum in Crawley entdeckte. Dort war von der Dame fast nichts als ihr künstliches Gebiss übriggeblieben. Der Pelzmantel und die Juwelen, die Haigh verkauft hatte, tauchten auch bald wieder auf, außerdem gab es einen Zeugen, der ihn mit dem Opfer zusammen in Crawley gesehen hatte. Haigh wurde verhaftet, verurteilt und gehängt.

Nach seiner Verhaftung gab er noch bei der Polizei zu Protokoll, dass Mrs. Durand-Deacon nicht die einzige war, die seinen Mordplänen zum Opfer fiel. Im Juli 1945 hatte Haigh eine Wohnung im Kellergeschoss der Gloucester Road 79 in Kensington gemietet und dort sowohl den jungen William Donald McSwan, als auch dessen Eltern getötet und alle drei in einem Säurebad komplett aufgelöst. Er riss sich den gesamten, nicht unbeträchtlichen Besitz der McSwans unter den Nagel; Geld, das er aber schnell wieder beim Glücksspiel verlor. Die nächsten Opfer waren Dr. Archibald Henderson und seine Ehefrau, mit denen er sich anfreundete (Haigh konnte sehr charmant sein). Auch diese beiden lud er in die Leopold Road nach Crawley ein, tötete sie und packte sie in die Tonne mit der Schwefelsäure.

Knapp 40 Jahre war John George Haigh alt, als ihn der berühmte Richter Sir Travers Humphreys zum Tod verurteilte und er von dem nicht minder berühmten Henker Albert Pierrepoint hingerichtet wurde.

Mehrere Bücher sind über Haigh geschrieben worden, darunter:
Stafford Somerfield: The authentic and revealing story of John George Haigh. Hood Pearson 1950. 127 Seiten. Antiquarisch problemlos zu bekommen. Der Journalist Somerfield verbrachte die letzten Tage mit Haigh.

Hier ist eine dreiteilige Dokumentation übder den Serienmörder:
Teil 1  Teil 2  Teil 3

 

 

Published in: on 24. Oktober 2012 at 02:00  Comments (4)  
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The Smiths: Suffer Little Children – Eine Hommage an die Kinder, die den Moormördern Ian Brady und Myra Hindley zum Opfer gefallen sind

Das Saddleworth Moor bei Manchester.
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Vom Juli 1963 bis zum Oktober 1965 hielt eine Mordserie die Gegend um Manchester in Atem. Fünf Kinder im Alter von 10 bis 17 Jahren, Pauline Reade, John Kilbride, Keith Bennett, Lesley Ann Downey und Edward Evans, wurden auf grausame Art getötet und einige von ihnen im Saddleworth Moor, das östlich der Stadt Manchester liegt, vergraben. Am 7. Oktober 1965 nahm die Polizei Ian Brady und Myra Hindley fest, die für die Morde verantwortlich waren. Beide wurden zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt.

Myra Hindley starb 2002 im Gefängnis, Ian Bradley befand sich im Ashworth Hospital, einem psychiatrischen Hochsicherheits-Krankenhaus. Hier starb er am 15. Mai 2017.

Die Mordserie ging in die britische Kriminalgeschichte als die Moors Murders ein. Es wurden zahlreiche Bücher darüber geschrieben und das britische Fernsehen zeigte 2006 zwei Verfilmungen See No Evil: The Moors Murders“ und „Longford„.

Die Indie-Rock-Band The Smiths aus Manchester, die von 1982 bis 1987 existierte, nahm sich des Themas in ihrem Song „Suffer Little Children“ an, der von Sänger Morrissey und Gitarrist Johnny Marr geschrieben wurde. Es gab damals nach Erscheinen des Albums „The Smiths“, auf der der Titel zu finden war, und der Single Probleme, da einige Angehörige der Opfer daran Anstoß nahmen und in einigen Ladenketten wurden Album und Single aus dem Verkauf genommen.

Hier ist „Suffer Little Children“ von The Smiths zu hören.

Das Buch zum Artikel:
Fred Harrison: Brady and Hindley – Genesis of the Moors Murders. Grafton 1987. 256 Seiten. ISBN 978-0586200025.

Published in: on 10. August 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Jack the Stripper – Ein Londoner Serienmörder, der nie gefasst wurde

Hier, in der Nähe der Hammersmith Bridge, am Themseufer, begann die Mordserie. Hannah Tailford war das erste (?) Opfer Jack the Strippers. - © Copyright Stefan Czapski and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

1888 trieb Jack the Ripper sein Unwesen im Londoner Osten. Fünf Morde gingen auf sein Konto, dann hörte man nie wieder etwas von ihm und er konnte nicht gefasst werden.

Eine ähnliche Mordserie ereignete sich 1964/65, wieder in London. Mindestens sechs Prostituierte (Hannah Tailford, Irene Lockwood, Helen Barthelemy, Mary Flemming, Frances Brown, Bridget O’Hara) fielen einem Serienmörder zum Opfer, dem man den Namen Jack the Stripper gab, da er alle Frauen nach der Ermordung unbekleidet zurückließ. Diese sogenannten „Hammersmith Murders“ fielen in den Zuständigkeitsbereichvon Scotland Yards Chief Superintendent John Du Rose, der mit sehr großem Aufwand versuchte, den Täter zur Strecke zu bringen. Über 7000 Interviews mit Verdächtigen wurden geführt, man hatte auch einige heiße Spuren, aber man konnte den Frauenmörder einfach nicht fassen. Die Morde hörten auf. Wieder ein Fall, der in den Annalen der Londoner Polizei als ungelöst geführt wird.

Wie auch im Fall von Jack the Ripper gab es bei seinem Fast-Namensvetter viele Spekulationen, die sich auch in der Literatur niederschlugen. Das Buch „Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square“ aus dem Jahr 1969 von Arthur La Bern basiert auf den Mordfällen; Alfred Hitchcock verfilmte das Buch 1972 unter dem Titel „Frenzy„. Auch die Londoner Journalistin Cathi Unsworth nahm sich in ihrem Krimi „Bad Penny Blues“ den ungelösten Jack the Stripper-Morden an.
Chief Superintendent John Du Rose, den es sicher sehr geärgert hat, dass er den Fall nicht lösen konnte (er wurde „Four Day Johnny“ genannt, weil er seine Fälle so schnell löste), schrieb über die Hammersmith-Morde in seinen Memoiren „Murder Was My Business„, die 1973 erschienen. Auch „Found Naked and Dead“ (1974) von Brian McConnell versucht, etwas Licht in die mysteriösen Prostituiertenmorde zu bringen.

Das Buch zum Artikel:
Neil Milkins: Who Was Jack the Stripper? – The Hammersmith Nudes‘ Murders. Rose Heyworth Press 2011. 152 Seiten. ISBN 978-0956851208. Milkins hat eine Theorie, wer der Mörder sein könnte. Hier ein kurzer Film darüber.

Published in: on 20. Februar 2012 at 02:00  Comments (2)  
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Mord im Pfarrhaus – Thornbury in South Gloucestershire trauert

St Mary's Church in Thornbury. - Eigenes Foto.

„Mord im Pfarrhaus“ lautet der Titel eines berühmten Kriminalromans von Agatha Christie; genau das hat sich in dieser Woche in der Kleinstadt Thornbury in South Gloucestershire ereignet. Reverend John Suddards wurde am Dienstagmorgen, dem 14. Februar, von Bauarbeitern in seinem Pfarrhaus tot aufgefunden; er wurde durch mehrere Messerstiche getötet.

Als ich davon erfuhr, war ich doch sehr bestürzt. Ich bin Dutzende Male an diesem Pfarrhaus in der Castle Street vorbeigefahren, auf dem Weg zu meinem Lieblingshotel, dem Thornbury Castle Hotel, das ich in meinem Blog ja schon mehrfach erwähnte. Das Pfarrhaus liegt direkt am Beginn der Einfahrt zum Hotel, knapp 100 Meter vom Castle entfernt. Exakt ein Monat vor dem Mord  war ich zuletzt für einige Tage hier.

Reverend John Suddards war für die Kirchen St Mary’s, die direkt an das Hotel angrenzt, St Paul’s, am Ortsrand, und St Arilda’s in Oldbury-on-Severn, das ich erst kürzlich in meinem Blog vorstellte, zuständig. Seit sechs Monaten war er erst in Thornbury tätig und in seiner Gemeinde sehr beliebt.

Übernommen wurde der Mordfall von der Avon & Somerset Police, unter der Leitung von Detective Chief Inspector Simon Crisp, der auch schon schnell einen Verdächtigen festnahm. Ob es sich bei ihm um den wirklichen Täter handelt und was für ein Motiv hinter der Tat steckt, ist bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

Die Kleinstadt Thornbury trauert um ihren Vikar und ist geschockt, denn Gewaltverbrechen sind hier selten; ein Mord ist seit Menschengedenken nicht verübt worden.

Hier ist ein Bericht der Daily Mail über den Mordfall in Thornbury und hier ein Beitrag von BBC Bristol mit einem kurzen Film.

Nachtrag vom 10.03.2012: Inzwischen ist der 47jährige Stephen Farrow von der Polizei festgenommen worden. Er steht auch unter dem Verdacht,  zu Beginn des Jahres die 77jährige Betty Yates in Bewdley in Worcestershire ermordet zu haben.

St Paul's in Thornbury. - © Copyright Jonathan Billinger and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Arilda's in Oldbury-on-Severn. - Eigenes Foto.

Published in: on 17. Februar 2012 at 08:10  Comments (1)  
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22. August 1961- Heute vor 50 Jahren ereignete sich der „A6-Mord“ bei Clophill (Bedfordshire)

Die A6 am Deadman's Hill. Hier ereignete sich der Mord am 22.08.1961.   © Copyright Rodney Burton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die A6 am Deadman’s Hill. Hier ereignete sich der Mord am 22.08.1961.
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In den Abendstunden des 22. Augusts 1961 trafen sich der verheiratete Michael Gregsten und seine Geliebte Valerie Storie wieder einmal zu einem Schäferstündchen in Gregstens Auto an einem Kornfeld bei Dorney in Buckinghamshire. Plötzlich erschien ein bewaffneter Mann neben ihnen, der sie in ihrem eigenen Auto kidnappte. Am Deadman’s Hill an der A6, nahe des Ortes Clophill in Bedfordshire, musste Gregsten anhalten und wurde im Auto von dem Kidnapper mit zwei Kopfschüssen getötet. Valerie Storie wurde vergewaltigt und gezwungen, auszusteigen, woraufhin der Killer fünf  Schüsse auf sie abfeuerte. Storie überlebte schwer verletzt und war für den Rest ihres Lebens von der Hüfte abwärts gelähmt.

Am 9. Oktober nahm die Polizei in Blackpool einen Kleinkriminellen namens James Hanratty fest,  den Valerie Storie als den Mörder ihres Freundes identifizierte. Während des ganzen Gerichtsverfahrens beteuerte Hanratty seine Unschuld, wurde von den Geschworenen aber für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Am 4. April 1962 hängte man James Hanratty im Bedford Prison auf; er war einer der letzten in England, an dem die Todesstrafe vollstreckt wurde.

Schon während der polizeilichen Untersuchung kamen Zweifel an der Schuld Hanrattys auf. Ein gewisser Peter L. Alphon sagte, dass er den Mord begangen habe, zog dann diese Äußerung wieder zurück und blieb auch weiterhin eine mysteriöse Figur in dem Fall.

Im Laufe der Jahre wurde der Fall Hanratty auf Drängen seiner Familie noch mehrmals neu aufgerollt, aber die Polizei kam zu keinen anderen Ergebnissen. 2001 wurde seine Leiche exhumiert, um eine DNA-Probe zu entnehmen. Aber auch die DNA erwies sich als übereinstimmend mit den Spuren, die am Tatort gefunden wurden. Einige Zweifler hielten es für möglich, dass die DNA kontaminiert worden ist und waren nach wie vor von Hanrattys Unschuld überzeugt.

Mehrere Bücher wurden über den „A6 Murder“ geschrieben. War James Hanratty wirklich derjenige, der an dem verhängnisvollen Abend an der A6 in Bedfordshire die tödlichen Schüsse auf Michael Gregsten abgab oder wurde hier tatsächlich ein unschuldiger Mensch hingerichtet?

Hier sind Original-Filmaufnahmen aus den 1960er Jahren zu sehen.

Nachtrag: Valerie Storie starb am 26. März 2016 in Slough (Berkshire).

Published in: on 22. August 2011 at 08:44  Comments (1)  
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„Madeleine“ – Ein neues Buch über das in Portugal verschwundene Mädchen Madeleine McCann

Am 12. Mai erscheint auf dem englischen Buchmarkt eine neue Veröffentlichung über Maddie, die seinerzeit vierjährige Madeleine McCann, die am 3. Mai 2007 aus der portugiesischen Ferienanlage Praia da Luz spurlos verschwand. Geschrieben hat das Buch, kurz „Madeleine“ (Bantam Press, ISBN 978-0593067918), Maddies Mutter Kate McCann, zum einen, um erneut die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diesen nach wie vor ungelösten Fall zu lenken, zum anderen, um mit dem Verkaufserlös des Buches die benötigten Geldmittel zu bekommen, um die Privatdetekteien zu bezahlen, die immer noch versuchen, eine Spur des Mädchen zu finden.

Der Erscheinungstermin des Buches fällt auf Madeleines 8. Geburtstag. Ihre Eltern geben nicht auf und kämpfen weiter, immer in der Hoffnung, dass ihre Tochter doch noch lebt. Das Leben der McCanns hat sich seit jenem Tag im Mai 2007 drastisch verändert. Der Herzspezialist Gerry McCann arbeitet wieder, aber Kate McCann, ebenfalls Ärztin, praktiziert nicht mehr. Sie kümmert sich um ihre anderen beiden Kinder und hat eben jenes Buch geschrieben. Geholfen hat dabei übrigens J.K. Rowling, die Autorin der Harry Potter-Bücher.

Die Publikation des Buches geht einher mit zahlreichen Fernsehinterviews in Großbritannien, den USA und Portugal, was Madeleines Mutter eigentlich gar nicht liegt, aber sie nimmt es in Kauf. Die Hoffnung, ihre Tochter eines Tages doch wieder in die Arme schließen zu können, wird genährt durch ähnliche Fälle, bei denen z.B. in Kalifornien die elfjährige Jaycee Dugard nach 18 Jahren in den Händen ihres Kidnappers wieder auftauchte oder Natalia Kampusch in Österreich, die acht Jahre in Gefangenschaft lebte.
Ich hoffe sehr, dass sich das Buch gut verkauft und genug Geld zusammenkommt, damit vielleicht doch eines Tages der Durchbruch im Fall Maddie gelingt.

Weitere Büchere zum Fall Maddie:

– Danny Collins: Vanished: The Truth About the Disappearance of Madeleine McCann (John Blake Publ. 2008)

– The Madeleine Investigation: Incompetence or Corruption?: Why are Madeleine’s Abductors Still at Large? We Ask Questions the Portuguese Police MUST Answer (AuthorHouse 2009)

Goncalo Amaral: Maddie – Die Wahrheit über die Lüge (Argo-Verlag 2009)

Daniela Prousa: Analyse des Vermisstenfalles Madeleine McCann (WiKu-Verlag 2010)

Nachtrag: Am 16. September 2011 ist die Übersetzung des Buches erschienen: „Madeleine: Das Verschwinden unserer Tochter und die lange Suche nach ihr“ (Bergisch Gladbach: Lübbe, ISBN 978-3785724439)

Published in: on 12. April 2011 at 04:00  Comments (1)  
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Crime Maps – Ein neuer Service der britischen Polizei

Author: Abu badali. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.5 Generic license.

Seit Anfang des Jahres bietet die britische Polizei für England und Wales einen neuen Online-Service, die sogenannten Crime Maps, also Übersichtskarten, wo Verbrechen stattgefunden haben. Unter der Adresse www.police.uk kann man in einem Eingabefeld eine Postleitzahl oder Ort und Strasse eintippen und erhält sofort die Angaben über die Verbrechen und Verbrechensarten, die im vergangenen Monat dort verübt worden sind. Außerdem werden noch die polizeilichen Ansprechpartner, teils mit Foto, genannt, die für die jeweilige Region zuständig sind.

Hier ein Beispiel. Wie man sieht, informiert hier die West Mercia Police via Twitter sehr aktuell, was sich in Bromyard, Herefordshire, verbrechensmäßig tut; die örtlichen Polizisten werden vorgestellt, Telefonnummern und E-Mailadressen genannt. Das ist alles sehr übersichtlich angeordnet.

Als die Crime Maps freigeschaltet wurden, brach am ersten Tag zeitweise der Server zusammen, weil die Anfragen extrem hoch waren. Mittlerweile hat sich das normalisiert.
In der Hitliste der Straßen mit der höchsten Kriminalitätsrate führt zurzeit die Straße Glovers Court in Preston, Lancashire,  in der allein im Monat Dezember 2010 mehr als 150 Verbrechen oder Fälle antisozialen Verhaltens gemeldet wurden. Die Anwohner von Glovers Court wehrten sich in einem Beitrag von Sky News gegen den schlechten Ruf ihrer Straße und meinten, dass der Zusammenhalt der Menschen dort sehr gut wäre und sie die hohe Kriminalitätsrate nicht nachvollziehen könnten.
Ein weiterer Einwand gegen die Crime Maps ist, dass die Grundstücke und  Häuser in Gegenden, wo die Verbrechensrate hoch sein soll, schnell an Wert verlieren würden.

Bisher gab es Crime Maps schon vereinzelt für große Städte; eine derart umfangreiche Übersicht aber noch nicht.

Published in: on 7. Februar 2011 at 04:00  Schreibe einen Kommentar  
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Hungerford (Berkshire) – Schauplatz des schlimmsten Amoklaufs in der englischen Geschichte

 

Hungerford Town Hall. – © Copyright Chris Talbot and licensed for reuse under this Creative Commons Licen

Immer wenn ich auf der A4 in Richtung Westengland fahre und durch die Stadt Hungerford fahre, muss ich an den entsetzlichen Amoklauf Michael Ryans denken, der hier am 19. August 1987 in einer Stunde 16 Menschen erschoss und weitere 15 verletzte.
Wahllos schoss er auf alles, was sich ihm in den Weg stellte: auf Kinder, auf Polizeibeamte, auf Sanitäter, und er erschoss sogar seine eigene Mutter.
Zuletzt verbarrikadierte sich Michael Ryan im John O’Gaunt Community Technology College und tötete sich selbst mit einem Kopfschuss.

Der Amokläufer war zu der Zeit arbeitlos.Ryan hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Waffen und er besaß 6 Exemplare, darunter auch eine chinesische Version der russischen Kalashnikov AK-47. Für alle Waffen hatte Ryan eine gültige Lizenz.
Michael Ryan traf der Tod seines Vaters schwer und man vermutete, dass er danach mental immer instabiler wurde. Ob das der Grund für seinen Amoklauf war?
Es gibt eine Dokumentation über das Hungerford Massacre. Hier ist der erste Teil:

Published in: on 20. April 2010 at 14:23  Schreibe einen Kommentar  
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