Village Signs – Mattishall in Norfolk

Das Dorfschild von Mattishall in Norfolk fällt durch seine Form aus dem Rahmen der sonst üblichen Schilder und zwar ist es tonnenförmig. Zuerst einmal möchte ich zeigen, wo Mattishall eigentlich liegt. Man nehme, von Norwich kommend, die A47 in westliche Richtung nach Swaffham. Kurz vor Honingham geht an einem Kreisverkehr die Norwich Road ab, die bald zur Mattishall Road wird, die direkt in den Ort führt. In der Dorfmitte steht die All Saints Church und auf der der Hauptstraße abgewandten Seite findet man in einer Maueraussparung das Village Sign, das 1984 von dem Architekten David Summers entworfen und von dem Künstler David Holgate angefertigt wurde.

Das Schild oder das tonnenförmige Gebilde besteht aus vier Panelen, über denen jeweils eine unterschiedliche Schreibweise des Dorfnamens steht.

Da ist einmal Mateshala, wie es im Domesday Book von 1086 genannt wird, und das Bild zeigt einen Münzfund aus dem Jahr 1986, als man bei Bauarbeiten etwa 1100 römische Münzen zu Tage förderte, die jetzt alle im Castle Museum in Norwich zu besichtigen sind.

Das zweite Panel unter dem Namen Mateshal zeigt das Wappen des Caius College in Cambridge, zu dem der Ort durch einen  einflussreichen Mann namens Edmund Gonville eine enge Beziehung pflegte. Das Wappen des Colleges und das der Familie Gonville wurde miteinander vereinigt. Weiterhin erinnert das Bild an den Wollhandel, der hier einmal eine große Bedeutung hatte.

Unter dem Namen Matsall sehen wir auf dem dritten Panel Matthew Parker, den ersten Erzbischof von Canterbury, den Königin Elizabeth I. ernannte. Der in Norwich geborene Geistliche war oft in Mattishall zu Besuch, denn seine Frau stammte aus dem Ort, und das Haus im Hintergrund soll ihrer Familie gehört haben.

Das vierte und letzte Bild schließlich, das unter dem jetzigen Dorfnamen Mattishall fungiert, erinnert an eine Handwerkerfamilie aus dem Ort, die Familie Dobbs, die dadurch in East Anglia bekannt wurde, dass sie landwirtschaftliche Geräte herstellte. Das Village Sign zeigt einen Karren aus der Produktion dieser Familie.

Dieser von einer Drohne aufgenommene Film zeigt Mattishall aus der Luft.

Published in: on 29. August 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Woolpit in Suffolk

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In meiner Serie über englische Dorfschilder möchte ich heute das des Dorfes Woolpit in der Grafschaft Suffolk vorstellen. Zur Orientierung: Woolpit liegt östlich von Bury St Edmunds an der A14.
Das Village Sign ist in der Mitte des Ortes zu finden, direkt neben der Kirche; es zeigt die Kirche von Woolpit, St Mary’s, links davon zwei grüne Kinder, die sich an der Hand halten und rechts einen Wolf. Damit erinnert das Schild an die Geschichte von den zwei grünen Kindern, die sich hier im 12. Jahrhundert ereignet haben soll. Während der Erntezeit trafen die Feldarbeiter auf zwei Kinder, die einem der Gräben entstiegen, die man angelegt hatte, um darin Wölfe zu fangen. Der Ortsname Woolpit leitet sich von diesen „wolfpits“ ab.

Das Merkwürdige an den beiden Kindern war, dass sie eine grüne Hautfarbe hatten und eine den Arbeitern unverständliche Sprache sprachen. Auch die Kleider des Jungen und des Mädchens sahen eigenartig aus, sie bestanden aus einem Material, das noch niemand im Dorf gesehen hatte. Man brachte die Kinder in das Haus des Landbesitzers Sir Richard de Calne, wo ihnen zu essen und zu trinken gegeben wurde, das die beiden aber nicht anrührten. Lediglich Bohnen nahmen sie zu sich und ernährten sich ausschließlich davon in der nächsten Zeit, bis sie sich allmählich mit der ihnen unvertrauten Nahrung, die ihnen angeboten wurde, anfreunden konnten. Der Junge war nicht in der Lage, sich an die neue Situation anzupassen und starb bald, während das Mädchen diese Probleme nicht hatte und langsam in das Dorfleben integriert wurde. Sie verlor ihre grüne Hautfarbe, lernte die englische Sprache und wuchs zu einer hübschen jungen Frau heran, die einen Mann aus King’s Lynn heiratete. Sie konnte sich später nur vage an ihre Herkunft erinnern und meinte, dass sie und ihr Bruder aus dem Land von St Martin gekommen wären, wo die Bewohner alle eine grüne Hautfarbe hätten; aber wo dieses mysteriöse Land liegt, konnte das Mädchen nicht sagen.

Was ist dran an der Geschichte der „Green Children“, die in mehreren alten Chroniken erwähnt wird? Da gibt es viele unterschiedliche Theorien, wenn sie denn wahr sein sollte, vielleicht ist es aber auch nur ein Märchen. Auf jeden Fall haben es die Kinder nach vielen Jahrhunderten auf das Dorfschild von Woolpit geschafft und bleiben dadurch in Erinnerung…wie dieser kleine Film zeigt.

Die Dorfmitte von Woolpit.   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Dorfmitte von Woolpit.
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Rag's Lane in Woolpit mit der Kirche St Mary's im Hintergrund.   © Copyright Bob Jones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Rag’s Lane in Woolpit mit der Kirche St Mary’s im Hintergrund.
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Published in: on 21. Januar 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Village Signs: Boxford in Suffolk

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An der Broad Street direkt am River Box in der kleinen Gemeinde Boxford (Suffolk) ist das Village Sign, das Dorfschild, zu finden. Es ist das Werk von Brian Gaze aus Ixworth (Suffolk), der sich schon durch andere Dorfschilder in Norfolk und Suffolk einen Namen gemacht hat. Am Sonntag, dem 14. März 1998 wurde das Schild in Anwesenheit vieler Bürger des Ortes und unter den Glockenklängen der nahegelegenen St Mary’s Church feierlich enthüllt.

Auf den ersten Blick sieht man die üblichen vertrauten Bilder auf dem Schild, wie sie auch auf Dutzenden anderer Village Signs zu finden sind: Da ist auf dem oberen Teil die Dorfkirche St Mary’s zu sehen, deren Ursprünge möglicherweise bis in das 11. Jahrhundert zurückgehen. Auf der linken Seite steht eine Windmühle, die 1788 erbaut wurde und 1901 abbrannte, und auf der rechten Seite eine Wassermühle, die 1934 ebenfalls durch ein Feuer zerstört wurde. Wenn man genau hinsieht, findet man auf dem Schild noch Schafe, Ähren und Äpfel, die jeweils darauf hinweisen, dass diese eine gewisse Bedeutung für Boxford hatten.

Das Besondere an dem Village Sign von Brian Gaze ist aber am unteren Ende das runde Bild, das einen Motorradfahrer zeigt, auf dessen Beiwagen ein Löwe liegt. Wer ist denn das, fragt sich der Betrachter. Es handelt sich hierbei um einen Exzentriker, der aus dem Dorf stammt, um George „Tornado“ Smith (1908-1971), dessen Eltern den White Hart betrieben. Dieser Mann wurde im ganzen Land dadurch berühmt, dass er als erster Engländer den „Wall of Death“ (dieser Film zeigt ein Beispiel) vorführte, das ist eine gefährlich Motorraddemonstration, die auch als Steilwandfahren bezeichnet wird. Doch das genügte Tornado Smith noch nicht; er erhöhte den Nervenkitzel für die Zuschauer dadurch, dass er eine junge Löwin namens Briton vor sich auf der Lenkstange sitzen hatte. Später, als die Löwin größer geworden war, saß sie in dem Beiwagen und vollführte mit Tornado zusammen die waghalsigen Manöver in der Todeswand. Wenn Smith nicht gerade durch das Land tourte, war er wieder zuhause in Boxford und unterhielt die Dorfbewohner mit seinen Kunststücken. Hin und wieder war er auch auf den Straßen zu sehen, wo er Briton an einer Leine spazierenführte. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Nahrung knapp wurde, konnte Tornado Smith seine Löwin nicht länger mit der erforderlichen Menge Fleisch versorgen und sah sich schweren Herzens gezwungen, sie zu erschießen. Begraben wurde sie dort, wo heute der Parkplatz des White Hart zu finden ist. In diesem Gasthof, in dem Smith aufwuchs, sind auch Erinnerungsstücke ausgestellt.

Das Village Sign mit dem Bild von Tornado Smith und seiner Löwin stieß bei den Bewohnern Boxfords aber nicht nur auf Zustimmung; einige im Dorf fanden die Darstellung des Exzentrikers auf dem Schild als „inappropriate“ und meinten, es gehöre da nicht hin.

St Mary's in Boxford.   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Boxford.
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Published in: on 12. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Cawston in Norfolk

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Wenn man auf der B1145 (Aylsham-Reepham) durch Cawston in Norfolk fährt, muss man schon genau aufpassen, damit man das Dorfschild nicht übersieht, denn es steht einige Meter abseits der Hauptstraße, in der Booton Road, die zur Cawston Parish Church St Agnes führt.

Das Schild trägt als Zusatz die Jahreszahl 1937, die an die Krönung von Georg VI. am 12. Mai 1937 in der Westminster Abbey erinnern soll. Das Village Sign besteht aus fünf Teilen, ein großes Bild in der Mitte, vier kleine an jeder Ecke und wurde von Harry Carter gestaltet, jenem in Norfolk legendären Dorfschildermacher. Das Original befindet sich in der Kirche, es wurde 2001 durch ein Aluminiumschild ersetzt.

Das große Bild zeigt einen Weber an seinem Webstuhl und erinnert an die Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts, als in Cawston bis zu 40 Webstühle im Einsatz waren. Ende des Jahrhunderts war die Textilindustrie im Ort praktisch zum Erliegen gekommen.
Die anderen, kleineren Bilder auf dem Schild zeigen einen pflügenden Bauern, die heilige Agnes, nach der die Kirche benannt wurde, ein Symbol für den Lord of the Manor John of Gaunt und den sogenannten „Duel Stone„, der auf das letzte in Norfolk ausgetragene Duell am 20. August 1698 hinweist. Den Duel Stone (der dem National Trust gehört) findet man östlich von Cawston an der B1149. Die Duellanten waren damals Sir Henry Hobart, der auf Blickling Hall residierte, und Oliver Le Neve, ein Rechtsanwalt aus Great Witchingham. Beide waren erbitterte Feinde und beleidigten sich gegenseitig. Hobart forderte den Anwalt zum Duell auf, das an jenem Augusttag ausgefochten wurde. Eigentlich war Sir Henry der bessere Degenkämpfer, doch Le Neve brachte es irgendwie fertig, seinem Opponenten einen tödlichen Stich zu versetzen, an dem dieser tags darauf in Blickling Hall verstarb. Der Sieger des Duells flüchtete nach Holland, kam zwei Jahre später aber wieder nach Norfolk zurück und wurde dort von aller Schuld freigesprochen.

Harry Carter hat auch mit diesem Dorfschild wieder gezeigt, was für ein großartiger und ideenreicher Künstler er war. Ich habe ihn in meinem Blog schon einmal vorgestellt.

Der Duel Stone von Cawston.   © Copyright Helen Steed and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Duel Stone von Cawston.
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Published in: on 17. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Felthorpe in Norfolk

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Dort wo die Taverham Road auf die Hauptstraße von Felthorpe (Norfolk), die nur  einfach The Street heißt, stößt, findet man auf einer kleinen Rasenfläche das Village Sign des Ortes. Felthorpe liegt ein paar Kilometer nordwestlich von Norwich.

Das hübsche bunte Schild bietet so einiges zum Ansehen, was auf den ersten Blick nicht selbst erklärbar ist. St Margaret’s Church im Hintergrund ist nicht schwer zu erkennen, aber was hat es mit dem schwarzen Pferd auf sich, das zwei Damen auf einem kleinen Wagen zieht? Was bedeutet das Victoria Cross ganz oben und die Bäume und die Abbildung eines Mammuts im unteren Teil des Bildes?

Ein wenig Unterstützung bei der Erklärung dieses Dorfschildes habe ich mir bei John Timpson und dessen Buch „Timpson on the Verge“ geholt. Darin schreibt er, dass es 1998 errichtet wurde, als Ersatz für ein anderes Schild, das reparaturbedürftig war.

Dominiert wird das Village Sign von Felthorpe von dem erwähnten kleinen Gespann in der Mitte des Bildes. Bei den beiden Damen handelt es sich um die Schriftstellerinnen Anna Sewell (ich berichtete über sie in meinem Blog) und ihre Mutter Mary Wright Sewell. Anna Sewell ist die Autorin des weltbekannten Romans „Black Beauty: The Autobiography of a Horse “ (dt. „Black Beauty: Die Autobiografie eines Pferdes“), der 1877 erschien und in dem der schwarze Hengst mit dem titelgebenden Namen aus seinem Leben erzählt. Die Sewells wohnten eine Zeit lang nicht weit von hier. Bei dem stolzen Dorfschild-Pferd dürfte es sich wohl um Black Beauty handeln.

Der Orden auf dem Bild stellt das Victoria-Cross dar, das Claud Thomas Bourchier für seine Tapferkeit im Krimkrieg verliehen bekam, als er am 20. November 1854 in Sebastopol zusammen mit einem anderen Offizier eine Stellung hielt, obwohl sie unter starkem Beschuss von russischen Soldaten standen. In der Kirche St Margaret’s findet man ein Fenster, das an den mutigen Mann erinnert, der in der Nähe auf dem Kirchhof von St Andrew’s in Buxton beerdigt wurde.

Die Abbildung des Mammuts weist darauf hin, dass in der Nähe einmal die Stoßzähne und die Knochen eines solches Tieres in einer Kiesgrube gefunden wurden. Die Bäume auf dem Dorfschild symbolisieren den Felthorpe Forest, der sich entlang der Straßen The Street und Shortthorn Road zieht.

Es ist schade, wenn man an den Village Signs in englischen Dörfern immer nur vorbeifährt. Sie sind mit sehr viel Liebe gestaltet und sehr informativ.

Das Ostfenster von St Margaret's, dessen unterer Teil an Claud Thomas Bourchier erinnert.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Ostfenster von St Margaret’s, dessen unterer Teil an Claud Thomas Bourchier erinnert.
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Published in: on 1. Juni 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Horsford in Norfolk

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In meiner Reihe über englische Dorfschilder möchte ich heute eines vorstellen, das es mir besonders angetan hat und das an der B1149 in Horsford in Norfolk, nördlich von Norwich, steht. Geschaffen hat es niemand anderes als der in der Branche der Dorfschildmacher herausragende Harry Carter aus Swaffham (Norfolk), über den ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe.

Was bietet sich als Motiv für ein Dorf mit dem Namen Horsford an? Richtig, ein Pferd, das in einer Furt in einem Flusslauf steht. Genau das hat Harry Carter auch in seinem Bild dargestellt. Das weiße Pferd steht in dem flachen Wasser des River Hor an dem das Dorf liegt, und so gibt es auch die Meinung, dass Horsford nicht nach dem „Horse“ sondern nach dem „Hor“ benannt worden ist. Wie auch immer, das Village Sign ist gut gelungen und es wurde 1978 vom Horsford Afternoon Women’s Institute anlässlich seines 50jährigen Bestehens der Gemeinde übergeben. Lady Barrett-Lennard, deren Familie seit Jahrhunderten die Lords of the Manor hier stellte, hatte die Ehre das Schild zu enthüllen. Zu sehen ist es auf der linken Seite der B1149, wenn man die Straße in Richtung Norden befährt.

Fährt man aber in die Gegenrichtung, so sieht man ein ganz anderes Bild auf dem Schild. Es zeigt drei weißgewandete junge Frauen, die sich offensichtlich himmelwärts begeben, vor einem Hintergrund, der aus einer Pyramide, Bergen und einem See besteht. Es handelt sich hierbei um die Nachbildung eines Kirchenfensters in der Dorfkirche All Saints. 1890 wurde dieses Fenster (in München vom Institut für kirchliche Glasmalerei hergestellt) eingebaut, in Erinnerung an die Schwestern Edith, Dorothea und Nona Day, die alle Anfang der 1890er Jahre innerhalb von 18 Monaten an Tuberkulose starben. Eine fiel der Krankheit in Ägypten zum Opfer (daher die Pyramide), die beiden andern in der Schweiz, wo sie Heilung erhofften (daher die Berge und der See). Die Familie Day lebte seinerzeit auf Horsford Hall und war in der Gemeinde sehr beliebt, da sie dem Dorf sehr viel Gutes taten.

Ich liebe diese Village Signs, weil jedes eine Geschichte zu erzählen hat, die sich allerdings dem Betrachter nicht immer auf den ersten Blick erschließt.

Hier ist ein Film mit Bildern aus Horsford.

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Published in: on 12. April 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Gestingthorpe in Essex

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Gestingthorpe ist ein kleines Dorf im Norden der Grafschaft Essex, südwestlich von Sudbury gelegen. Angesichts der Größe der Ortschaft finden sich auf dem Village Sign doch erstaunlich viele Objekte, die auf die Vergangenheit des Ortes hinweisen. Das Dorfschild steht an der Church Road, gegenüber der Kirche St Mary the Virgin, die man in der linken oberen Ecke des Schildes erkennen kann. Neben einem Amboss, der auf die Dorfschmiede hinweist, einem Pflug und einem Pärchen auf der linken Seite, das wohl auf die römische Vergangenheit des Dorfes anspielt, ist die Besonderheit hier die Person in der oberen rechten Ecke, ein dick vermummter Mann, dem es offensichtlich nicht gut geht und der gebückt durch eine Schneelandschaft stapft. Im Hintergrund ist ein Zelt zu sehen. Es handelt sich hierbei um Captain Lawrence Oates, ein Polarforscher, der bei der Antarktis-Expedition unter Führung von Robert Falcon Scott 1912 ums Leben kam. Das britische Expeditionsteam musste feststellen, dass es bei der Erreichung des Südpols von dem Norweger Roald Amundsen geschlagen worden war. Niedergeschlagen machten sich die fünf Männer des Teams wieder auf den Rückweg und gerieten in große Schwierigkeiten, da ihre Nahrungsvorräte zur Neige gingen. Am 17. März 1912 verließ Oates, der an Erfrierungen litt das Zelt der Gruppe mit den in die Geschichte eingegangenen Worten „I am just going outside and may be some time.“ Es war sein Geburtstag, und er wollte dem Team dadurch helfen, dass die verbliebenen Vorräte vielleicht doch noch für die restlichen vier Männer reichten, d.h. er opferte sich für seine Kollegen auf. Leider hat diese heroische Geste nicht zu dem erwünschten Erfolg geführt, da auch die anderen Expeditionsteilnehmer den Tod fanden.

Der Grund dafür, dass wir das Bild von Captain Lawrence Oates auf dem Dorfschild von Gestingthorpe finden, liegt darin, dass der Familiensitz der Oates‘, Gestingthorpe Hall, gleich gegenüber von St Mary the Virgin lag. In der Kirche wurde eine Gedenkplakette für den heldenhaften Sohn des Dorfes angebracht, auf der die folgenden Worte stehen:

In memory of a very gallant Gentleman Lawrence Edward Grace Oates, Captain in the Inniskilling Dragoons. Born March 17 1880. Died March 17 1912. On the return journey from the South Pole of the Scott Antarctic Expedition – when all were beset by hardship, he, being gravely injured, went out into the blizzard to die, in the hope that by so doing he might enable his comrades to reach safety. This tablet is placed here in affectionate remembrance by his brother officers, A.D. 1913„.

Oates‘ Mutter soll bis zu ihrem Tod im Jahre 1937 einmal pro Woche in die Kirche gegangen sein, um die Messingplakette zu polieren. Bereits 1901 hatte sie, aus Dankbarkeit dafür, dass ihr Sohn lebend den Burenkrieg überstanden hatte, eine Glocke von St Mary the Virgin neu gießen lassen.

Dieses sehr schön gestaltete Dorfschild  hat mir besonders gut gefallen.

Published in: on 7. März 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Village Signs – Canewdon in Essex

Author: Terryjoyce. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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Das Dorfschild von Canewdon in Essex steht am westlichen Ortseingang an der Larkhill Road, dort, wo eine schmale Straße zur St Nicholas Church abbiegt. Canewdon selbst liegt ein paar hundert Meter südlich des River Crouch und der bildet eines der Elemente auf dem Village Sign. In dem Fluss steht ein Mann, der offensichtlich King Canute (Knut der Große) darstellen soll, der hier am River Crouch im Jahr 1016 ein Lager errichtete, während er in der Schlacht von Assandun kämpfte. Obwohl Canewdon und Canute sehr ähnlich klingen, leitet sich der Ortsname von „Hill of Cana’s People“ ab.

Weiterhin sehen wir auf der linken Seite des Ortsschilds einen großen Sendemasten, der im Zweiten Weltkrieg zur RAF Chain Home Radar Station gehörte, einer Kette von Radarstationen, die entlang der Küste installiert worden waren. Auf dem Hügel im Hintergrund steht die Dorfkirche von Canewdon, St Nicholas, die sich durch ihre exponierte Lage im Ersten Weltkrieg als Beobachtungs- und Signalposten anbot. Der imposante Kirchturm soll von Heinrich V in Dankbarkeit für seinen Sieg in der Schlacht von Agincourt errichtet worden sein. Von dort oben hat man einen weiten Blick auf die Mündung des River Crouch.

Eine Besonderheit auf dem Ortsschild, die man wohl nur sehr selten zu sehen bekommt, ist eine Hexe, die auf ihrem Besen über den Himmel fliegt, ein Hinweis darauf, dass Canewdon schon immer eine Rolle als Dorf der Hexen gespielt hat. Die Legende besagt, dass es in dem Dorf, solange der Kirchturm steht, immer sechs Hexen geben wird, drei von niederem Stand, drei von höherem Stand. Immer dann, wenn vom Turm ein Stein herunterfällt, wird eine der Hexen sterben und durch eine andere ersetzt werden. Eine besonders mysteriöse Gestalt war die männliche Hexe George Pickingill (1816-1909), der magische Kräfte besessen haben soll und zu dem Menschen von weit her kamen, um sich seinen Rat zu holen. Pickingill starb in Canewdon und wurde auf dem Kirchhof begraben. Noch kurz nach seinem Tod soll er seine übernatürlichen Fähigkeiten gezeigt haben, was sich dadurch manifestierte, dass eines der Pferde, die seinen Sarg zogen, durchging. Man sagte Hexen nach, dass sie Tiere, insbesondere Pferde, durch ihren Willen manipulieren könnten.

In der Kirche St Nicholas und auf dem Kirchhof will man schon mehrfach geisterhafte Gestalten gesehen haben, darunter eine Frau ohne Kopf und eine „Grey Lady“ ohne Gesicht, mit einer hutartigen Haube auf dem Kopf.
Hier ist ein Film über St Nicholas und die Hexen von Canewdon.

St Nicholas Church.   © Copyright Glyn Baker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Nicholas Church.
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Published in: on 19. Februar 2016 at 02:00  Comments (3)  
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Village Signs – Debach in Suffolk

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In den dünnbesiedelten Regionen East Anglias legte man in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges gern Luftwaffenstützpunkte an, von denen aus britische und amerikanische Bombenflugzeuge ihre Angriffe auf Deutschland starteten. Nach Beendigung des Krieges wurden einige der Flugplätze nicht mehr gebraucht und anderen Zwecken zugeführt. Andere, wie die Royal Air Force Station Lakenheath und  Royal Air Force Station Mildenhall in Suffolk, werden nach wie vor für militärische Zwecke genutzt, in diesen beiden Fällen von der US Air Force.

Die den Stützpunkten nahegelegenen Ortschaften wurden natürlich durch die militärischen Aktivitäten stark beeinflusst, was sich hin und wieder auf den Village Signs der Orte ablesen lässt. Beispiel: Debach bei Woodbridge in Suffolk, ein Dorf mit etwas über 100 Bewohnern. Hier befand sich die Militärbasis RAF Debach, von wo aus die 493rd Bombardment Group der US Air Force operierte. Nachdem der letzte Einsatz am 28. August 1945 von hier aus geflogen wurde, benötigte man den Flugplatz nicht mehr und so wurde er zum Teil in Farmgelände umgewandelt, zum Teil als  Basislager für ein Logistikunternehmen verwendet.
Das Dorfschild von Debach erinnert an die militärische Vergangenheit und zeigt einen amerikanischen B17 Flying Fortress Bomber im Startvorgang, wahrscheinlich auf einer Kampfmission in Richtung Deutschland. Darunter ist eine Plakette angebracht, die die Inschrift trägt: „The 493rd Bomb Group (H) honors those who served and those who died 1944 – 1945„.
In dem ehemaligen Kontrollturm auf dem Flugplatzgelände hat man jetzt ein Museum eingerichtet, das über die damalige Zeit als US-Luftwaffenstützpunkt informiert.
Neben der Flying Fortress findet sich auf dem Dorfschild aber auch noch ein friedlicheres Bild, das eines Schiffes. Debach liegt zwar nicht an der Küste und auch an keinem Fluss, möglicherweise gibt es aber irgendeine  Verbindung zum River Deben, der nicht allzu weit von hier in die Nordsee mündet.

Vielleicht hätte man auf dem Village Sign auch noch eines Mannes gedenken sollen, der hier einmal in einem alten Farmhaus wohnte und einen Roman schrieb, der das Leben in Debach und Umgebung widerspiegelte: „Akenfield: Portrait of an English Village“ (wurde nicht ins Deutsche übersetzt) hieß der 1969 erschienene Roman, der 1984 verfilmt wurde (hier ist ein Ausschnitt), und sein Autor war Ronald Blythe.

Der ehemalige Kontrollturm des Luftwaffenstützpunktes. alt="Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]" src="http://creativecommons.org/images/public/somerights20.gif" />   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der ehemalige Kontrollturm des Luftwaffenstützpunktes.
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Village Signs – Great Bentley (Essex)

 

Die Vorderseite des Village Signs. Author: Terryjoyce. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Die Vorderseite des Village Signs.
Author: Terryjoyce.
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Auf dem riesigen Village Green von Great Bentley in Essex steht das Village Sign, das mit einigen wenigen Darstellungen auf die Highlights des Dorfes hinweist. Im Mittelpunkt des Schildes sind zwei Bauern bei der Arbeit, einen Pferdewagen zu beladen. Links und rechts werden die beiden Landmänner von Sportlern eingerahmt: Links zwei Cricketspieler, rechts zwei Fußballspieler. Im Hintergrund wacht die normannische Kirche St Mary’s über das Geschehen vor ihr. Eine Windmühle ist über dem Schild angebracht, deren Original 1762 gebaut wurde und die früher einmal am Green stand. Auf der Rückseite des Village Signs sieht man eine Lokomotive, einen Schmied und einen Mann, der irgendetwas auf einer Sackkarre transportiert. Die Lokomotive weist auf die Bedeutung hin, die der Anschluss an das Schienennetz für Great Bentley hatte.

Die Fußballspieler gehören zum Great Bentley Football Club, der 1895 gegründet wurde, die beiden Cricketspieler zum Great Bentley Cricket Club, der seine Spiele auf dem Green austrägt.

Das Village Green erwähnte ich eben schon mehrere Male; es handelt sich hier um das größte ganz Englands mit einer Fläche von rund 170 000 m². Wenn alle Hundebesitzer Great Bentleys gleichzeitig ihre Vierbeiner auf dem Green ausführen würden, so kämen die  sich nicht im entferntesten in die Quere. Das Village Green von Warborough in Oxfordshire fand ich schon beachtlich in seinen Ausmaßen, aber dieses hier ist schon gewaltig. Es bietet sich geradezu für Dorffeste an, die denn auch auf dieser riesigen Grasfläche veranstaltet werden wie The Great Bentley Village Carnival and Fete, das demnächst wieder am 27. Juni stattfindet. Damit das Village Green so bleibt wie es ist und nicht in irgendeiner Form verunstaltet wird, darum kümmern sich die Friends of the Green.

Natürlich gehört zu einem Village Green ein Pub; diese Rolle nimmt The Plough Inn an der Plough Road ein. Ein paar Meter weiter steht das Restaurant 43, für all jene, die statt zu einem Pint lieber zu einer Flasche Wein greifen und in einer „stylishen“ Atmosphäre dinieren möchten.

Fazit: Great Bentley hat so einiges zu bieten und ist einen Abstecher von der A120 (Colchester-Harwich) wert, die einige Kilometer nördlich vom Ort vorbeiführt.

Hier ist ein Schwenk über das Green von Great Bentley.

...und die Rückseite. Author: terryjoyce. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

…und die Rückseite.
Author: Terryjoyce.
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The Plough Inn am Green.    © Copyright Robert Edwards and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Kriegerdenkmal auf dem Village Green.    © Copyright Robert Edwards and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Kriegerdenkmal auf dem Village Green.
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Village Signs – Melton Constable in Norfolk

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Das Dorfschild von Melton Constable in Norfolk zeigt eine etwas altmodische Lokomotive und erinnert an die Eisenbahnvergangenheit dieses kleinen Dorfes, die das Leben der Menschen hier lange Zeit prägte. Die Midland and Great Northern Joint Railway, kurz M&GN, war hier beheimatet mit Werkstätten und Reparaturhallen, die den Einwohnern ihr Einkommen verschaffte. Noch heute liegen die Reihenhäuser, in denen die Eisenbahner wohnten, an der Briston Road, nicht sehr typisch für diesen Teil East Anglias. „The Crewe of Norfolk“ nannte man den Ort auch gern und verglich ihn mit der wesentlich größeren Eisenbahnstadt in Cheshire. Aber auch in Melton Constable schlug Dr. Beechings unerbittliche Axt zu, der die Linie, die man spöttisch „Muddle & Go Nowhere“ nannte, in der ersten Hälfte der 1960er Jahre schloss. Man kann sich unschwer vorstellen, was das für eine Auswirkung auf das Dorf hatte, das hauptsächlich von der Eisenbahn lebte.
Etwas wehmütig begrüßt nun das „Lokomotiven-Dorfschild“ die Autofahrer an der B1354 gleich am Ortseingang, wenn man sich von Westen her dem Dorf nähert. Der Zusatz „Burgh Parva“ weist daraufhin, dass es einmal einen kleinen Weiler mit diesem Namen gab, der zu Melton Constable gehörte, von dem heute nur noch eine Kirchenruine übriggeblieben ist.

Zu erwähnen ist noch, dass es im Ort ein eindrucksvolles Herrenhaus gibt, Melton Constable Hall,  mit einem von Capability Brown angelegten Park. Das im 17. Jahrhundert gebaute Haus durchlitt in den letzten Jahrzehnten schwierige Zeiten, es stand jahrelang leer, die Besitzer wechselten; aber der gegenwärtige Eigentümer ist dabei, die Hall wieder zum Leben zu erwecken. 1970 entdeckte ein Location Scout einer Filmproduktionsfirma das Haus, das für die Dreharbeiten des Films „The Go-Between“ (nach dem gleichnamigen Roman von Leslie Poles Hartley) verwendet wurde, in dem u.a. Julie Christie und Alan Bates mitspielten. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Der Mittler“ in den Kinos, der Übersetzungstitel des Romans lautete „Ein Sommer in Brandham Hall“ oder auch „The Go-Between“.
Hier ist der Trailer des Films.

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Village Signs – Finglesham in Kent, außerehelicher Sex und ein Schinkenbrot

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In der Nähe einer Kreidegrube im Osten der Grafschaft Kent fand man einen Friedhof aus angelsächsischer Zeit, der schätzungsweise zwischen 525 und 725 angelegt worden war. Neben den Knochen grub man auch noch einen bronzenen Anhänger und eine vergoldete Gürtelschnalle aus, die die nackte Figur des Gottes Odin zeigt. Dieser sogenannte „Finglesham Man Buckle“ ziert heute das Dorfschild des Ortes Finglesham, der nur 2-3 Kilometer von der Ostküste Kents entfernt liegt. 2002 AD steht darauf, das Datum der Einweihung dieses gelungenen und außergewöhnlichen Village Signs, das man kurz vor dem Dorfzentrum an der Straße namens The Street aufgestellt hat. Dieser Film zeigt die berühmte Gürtelschnalle.

Den Namen Finglesham kennt man in England vielleicht noch durch das Sprichwort „to be married in Finglesham Church„. Erstaunlicherweise verfügt das Dorf über keine Kirche, und so bedeutet das Sprichwort soviel wie, „nicht verheiratet sein, aber trotzdem sexuellen Vergnügungen nachgehen“, was Pärchen gern in der nahegelegenen Kreidegrube taten.

Finglesham kann noch mit einer anderen Kuriosiät aufwarten, einen Wegweiser am westlichen Ortsrand mit der Aufschrift und den Meilenangaben „Ham 1/2Sandwich 3„.

Wenn Finglesham schon keine eigene Kirche hat, so gibt es hier aber wenigstens einen Pub, The Crown Inn, der in einem hübschen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert untergebracht ist.

Das Village Sign heißt die Besucher des kirchenlosen Dorfes willkommen.    © Copyright Elliott Simpson and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Village Sign heißt die Besucher des kirchenlosen Dorfes willkommen.
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Der kuriose Wegweiser, der zum "Ham Sandwich" führt.    © Copyright Chris Downer and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der kuriose Wegweiser, der zum „Ham Sandwich“ führt.
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The Crown in Finglesham.    © Copyright Robin Webster and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Crown in Finglesham.
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Published in: on 28. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Ringmer (East Sussex)

With friendly permission of Louise and Colin.

With friendly permission of Louise and Colin.

Hübsche und aussagekräftige Village Signs gibt es natürlich nicht nur in East Anglia, sondern auch in anderen Regionen Englands. Ein gutes Beispiel ist das Dorfschild von Ringmer in East Sussex, an der B2192 nordöstlich von Lewes gelegen. Dominiert wird das Schild von einer Schildkröte mit der Inschrift „Gilbert White 1720-1793 His Tortoise“. Was hat es damit auf sich?
Gilbert White war ein Pfarrer und Naturforscher, der durch sein Buch „The Natural History and Antiquities of Selborne“ bekannt wurde, das 1789 erschien und noch heute lieferbar ist. Selborne ist der Ort in der Grafschaft Hampshire, in der White geboren wurde, lange lebte und dort auch starb. Gilbert Whites Tante Rebecca Snooke lebte in Ringmer am Village Green im Delves House, und sie wurde häufig von ihrem Neffen besucht. Mrs. Snooke besaß eine Schildkröte namens Timothy, von der White fasziniert war und über die er auch schrieb. Nach dem Tod seiner Tante nahm er Timothy mit nach Selborne. Ihr Panzer wurde nach ihrem Ableben in das British Museum nach London gebracht, wo er noch heute zu besichtigen ist.

Das Dorfschild führt aber noch weitere Namen, die für Ringmer von Bedeutung sind/waren. Der Theologe John Harvard (1607-1638), nach dem die berühmte Harvard Universität in Cambridge (Massachusetts) benannt wurde, suchte sich 1636 eine der Dorfschönen von Ringmer zur Frau aus: Ann Sadler, Tochter des Pfarrers und Schwester eines seiner Studienkollegen. Beide emigrierten 1637 nach Amerika, wo John Harvard schon ein Jahr später an Tuberkulose starb. Ann Sadler überlebte ihren Mann um 17 Jahre.

Auf der rechten Seite des Dorfschilds wird an William Penn (1644-1718) erinnert, der sich ebenfalls eine Dame aus Ringmer zur Ehefrau suchte. 1672 heiratete er Gulielma Springett und ging mit ihr nach Amerika, wo er die Kolonie Pennsylvania gründete. Gulielma starb 1694 nach langer Krankheit und wurde in Jordans in Buckinghamshire (ich berichtete in meinem Blog einmal über den Ort) beigesetzt.

In Ringmer sind einige Straßen nach den vier Personen benannt worden, die wir auf dem Village Sign finden; da gibt es eine Springett Avenue, eine Harvard Road, ein Sadlers Way und ein Penn Crescent.

Das Village Green in Ringmer.    © Copyright Simon Carey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Village Green in Ringmer.
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Die Springett Avenie in Ringmer.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Springett Avenue in Ringmer.
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Die Harvard Road in Ringmer.    © Copyright Simon Carey and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Harvard Road in Ringmer.
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Published in: on 24. November 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Harry Carter – Norfolks Vater der Village Signs

Harry Carters erste Arbeit: The Pedlar of Swaffham. © Cameron Self. http://www.literarynorfolk.co.uk/

Harry Carters erste Arbeit: The Pedlar of Swaffham.
© Cameron Self of Literary Norfolk.

Die Stadt Swaffham in Norfolk kennt der eine oder andere vielleicht als Schauplatz der ITV-Serie „Kingdom“ (2007-2009), in der Stephen Fry den Rechtsanwalt Peter Kingdom spielt. Der berühmte Archäologe und Ägyptologe Howard Carter, der 1922 das Grab Tutanchamuns entdeckte, verbrachte seine Kindheit in Swaffham, und er war ein Verwandter eines anderen Carters, nämlich Harry Carter, der in die Geschichte Norfolks als der Vater der Village Signs eingegangen ist.

Harry Carter wurde 1907 in London geboren und besuchte dort das Slade College of Art; später ging er nach Swaffham und arbeitete als Kunstlehrer an der Hamonds Grammar School. Seine besondere Vorliebe galt der Holzschnitzerei und so hatte er eines Tages die Idee, für  Swaffham ein Town Sign zu gestalten, das die im Ort berühmte Figur des Pedlars of Swaffham zeigte. Dieser fliegende Händler namens John Chapman hatte im 15. Jahrhundert mehrere Nächte hintereinander einen Traum, dass er nach London gehen würde und dort auf der London Bridge einen Fremden treffen würde. Chapman ging nach London und traf dort tatsächlich einen Fremden auf der Brücke, der ihm auch von einem Traum berichtete, dass im Garten eines Hauses in Swaffham in Norfolk ein Schatz vergraben läge. Chapman eilte in seine Heimatstadt zurück, buddelte in besagtem Garten…und fand den Schatz. Einen Teil des Schatzgeldes gab er der Kirche St. Peter and St. Paul’s, damit Renovierungsarbeiten durchgeführt werden konnten.

Bis zum Jahr 2012 stand Harry Carters Schild auf dem Marktplatz in Swaffham, dann wurde es höchste Zeit für eine gründliche Restaurierung, denn der Zahn der Zeit hatte an dem Holzschild sehr stark genagt. Der Restaurator war Colin Yorke, der, wie Carter, viele Jahre lang an der Hamonds School gearbeitet hat.

Harry Carter fand Gefallen an den Dorfschildern und gestaltete bis zu seinem Tod im Jahr 1983 über 150 weitere allein in Norfolk. In den angrenzenden Grafschaften sollen es über 70 gewesen sein. Carter arbeitete sehr sorgfältig, so dass die Fertigstellung eines Schildes manchmal mehrere Monate dauern konnte. Er bevorzugte für seine Arbeiten Holz, speziell Eiche, hin und wieder verwendete er auch Mahagoni und Walnussholz. Aber das Wetter Norfolks setzte den Dorfschildern im Laufe der Jahre sehr zu und deshalb sind heute viele Carter-Schilder verschwunden, ersetzt oder restauriert worden. Statt Holz benutzten die späteren Dorfschild-Gestalter auch gern Metall und Kunststoff; beides kann den Naturgewalten besser Widerstand leisten.

Ich finde es immer wieder schön, in englischen Dörfern und Kleinstädten diesen oftmals sehr fantasievoll gestalteten Schildern zu begegnen. Man sollte nicht achtlos daran vorbeifahren, sondern sich ein paar Minuten Zeit für sie nehmen, geben sie doch bildlich Aufschluss über die Geschichte ihres jeweiligen Ortes.

Das Dorfschild von Mundesley in Norfolk, made by Harrx Carter.    © Copyright Christine Matthews and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Mundesley in Norfolk, made by Harry Carter.
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Das Dorfschild von Trowse in Norfolk; ursprünglich von Harry Carter entworfen, aber inzwischen mehrfach umgestaltet.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Dorfschild von Trowse in Norfolk; ursprünglich von Harry Carter entworfen, aber inzwischen mehrfach umgestaltet.
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Published in: on 10. November 2014 at 02:00  Comments (4)  
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Wramplingham in Norfolk – Sein Village Sign und ein berühmter amerikanischer Schriftsteller

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Im Allgemeinen findet man Village Signs am Dorfanger oder am Dorfein- bzw. ausgang. In Wramplingham in der Grafschaft Norfolk ist das anders, da steht das Schild in einem Teich, der einmal zu einer Mühle gehörte, die aber 1945 abgerissen wurde. Das hübsche Dorfschild, das dort in dem Gewässer relativ sicher vor Chaoten und Zerstörern ist, wird von der alten Wassermühle mit ihrem großen Mühlrad geprägt, daneben ist ein stilisierter Baum zu sehen und das ganze Bild wird von einem kunstgeschmiedeten Rahmen umgeben. Im Gegensatz zu vielen anderen Village Signs sucht man hier die Dorfkirche St Peter & St Paul vergeblich. Der Teich mit seinem Dorfschild liegt an der Hauptstraße von Wramplingham, die man (recht fantasielos) The Street genannt hat.

Von The Street geht die Wymondham Road ab, an der St Peter & St Paul liegt, eine hübsche Kirche mit einem runden Turm. Daneben ist eine Zufahrt zur Old Rectory, ein von Bäumen und Büschen gesäumtes Haus, in dem einer der berühmtesten und meiner Ansicht nach besten Reiseschriftsteller wohnt, der Amerikaner Bill Bryson. Hier im ländlichen Norfolk hat er sich niedergelassen und sein altes Haus gab ihm die Inspiration, sein Buch „At Home: A Short History of Private Life“ (dt. „Eine kurze Geschichte der alltäglichen Dinge“) zu schreiben. Bei einem Ausflug auf den Boden seines Hauses findet er eine geheimnisvolle Tür, die auf das Dach führt, von wo aus er einen grandiosen Blick auf die flache Landschaft der Grafschaft hat. Bill Bryson kommt ins Grübeln und bei einem Rundgang durch das frühere Pfarrhaus entwickelt sich die Idee, sich einmal mit den ganz gewöhnlichen Dingen des täglichen Lebens auseinanderzusetzen. Was hat es mit dem Dachboden und dem Treppenhaus auf sich, dem Wohnzimmer und dem Schlafzimmer, der Speisekammer und dem Keller? Er geht den Dingen auf den Grund und es entstand ein 640 Seiten starkes Buch, das, wie bei ihm eine Selbstverständlichkeit, locker und humorvoll geschrieben ist und nie langweilig wird.

Bill Bryson ist zwar US-Amerikaner, aber er hat sich um seine Wahlheimat verdient gemacht, so erhielt er den Orden „Order of the British Empire„, wurde 2013 Fellow of the Royal Society, und die Bibliothek der Universität von Durham, deren Kanzler er von 2005 bis 2011 war, wurde in Bill Bryson Library umbenannt.
Es bleibt zu hoffen, dass der 62jährige Amerikaner in der Ruhe und Abgeschiedenheit der Old Rectory in Wramplingham (die nur hin und wieder von den Glocken der St Peter & St Paul-Kirche unterbrochen wird) noch viel Zeit und Muße finden wird, um noch viele weitere Bücher schreiben zu können. Ich habe sie fast alle mit großer Begeisterung gelesen!

Wramplingham liegt westlich von Norwich und ein paar Kilometer nördlich von Wymondham.

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St Peter and St Paul an der Wymondham Road.    © Copyright Adrian Cable and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter and St Paul an der Wymondham Road.
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An dieser Straße steht Bill Brysons Old Rectory.    © Copyright Adrian Cable and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

An dieser Straße steht Bill Brysons Old Rectory.
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Published in: on 28. September 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Village Signs – Yalding (Kent)

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Von den letzten schweren Überflutungen zur Jahreswende 2013/2014 war auch Yalding in Kent betroffen, dort wo die Flüsse Teise, Beult und Medway zusammenfließen. Über 200 Häuser wurden von den Wassermassen in Mitleidenschaft gezogen. Keine Problem mit den Fluten hatte das Village Sign des Dorfes, das erst im Juni 2012 eingeweiht worden war. Aus Anlass des „Queen’s Diamond Jubilee“ hatte man ein neues Dorfschild in Auftrag gegeben, das die Spezialfirma Black Forge Village Signs in Wittersham (Kent) gestaltete und herstellte. Die Kirchengemeinde hatte Informationen über den Ort geliefert, aus denen die Firma dann dieses hübsche Schild anfertigte, das Gefallen sowohl bei der Gemeinde als auch beim Women’s Institute fand. Es zeigt Szenen aus dem Leben Yaldings und Dinge, die für das Dorf wichtig sind. Da ist der Schmied, der offensichtlich gerade ein Hufeisen für das neben ihm stehende Pferd formt, da ist die mittelalterliche Twyford Bridge, auf die ein Boot zusteuert. Eine Mutter mit ihren zwei Kindern kommt wohl gerade vom Einkaufen nach Hause, im Hintergrund sieht man die Dorfkirche St Peter’s and St Paul’s und auf beiden Seiten sind Hopfenpflücker auf Stelzen bei der Arbeit. Gekrönt wird das Schild vom Weißen Pferd von Kent, dem Symbol der Grafschaft, und der Inschrift „Invicta“ (Unbesiegt).

Das alte, etwas kümmerlich wirkende Dorfschild von Yalding.    © Copyright David Anstiss and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das alte, etwas kümmerlich wirkende Dorfschild von Yalding.
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Published in: on 16. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – High Kelling in Norfolk

This work has been released into the public domain.

This work has been released into the public domain.

High Kelling liegt in Norfolk an der A148, die von Cromer an der Küste nach King’s Lynn führt. Lange gibt es diesen Ort noch nicht, denn er entwickelte sich erst, nachdem man hier ein Sanatorium für Tuberkulose-Kranke errichtet hatte, das Bramblewood Sanatorium. Die Luft in dieser Region schien besonders gut und heilsam zu sein (die Nordsee ist nicht weit entfernt), denn man eröffnete noch zwei weitere Krankenhäuser, die sich auf TB-Kranke spezialisierten. Für das Personal der Kliniken wurde Wohnraum gebraucht, daher baute man Häuser und so entstand allmählich das Dorf mit dem Namen High Kelling, das erst 1987 zu einer eigenständigen Gemeinde wurde.

Im Jahr 2000 bekam High Kelling, wie es sich für ein Dorf in Norfolk gehört, ein Village Sign und ich finde, ein sehr gelungenes. Den Hinweis auf die ländliche Lage liefern das Kaninchen, das Eichhörnchen und die vielen Bäume im Hintergrund. In der Mitte ist ein kirchliches Gebäude zu sehen; das war einmal die Kapelle des Bramblewood Sanatoriums, das nach Aufgabe des Krankenhauses im Jahr 1955 von der Kirchengemeinde für £500 übernommen wurde und jetzt die All Saints Church ist. Die kleine Kirche besitzt auch eine Glocke, die man übrigens bei Ebay ersteigerte, was wohl äußerst selten vorkommt. Auf dem Pfosten des Village Signs ist der Hermesstab mit zwei ineinander verschlungenen Schlangen zu sehen.

Das schönste Haus im ganzen Ort ist sicherlich Voewood House, das Anfang des 20. Jahrhunderts im Arts & Crafts-Stil erbaut wurde und heute dem Buchhändler Simon Finch (Simon Finch Rare Books) gehört.

Wer sich das Dorfschild einmal ansehen möchte, es befindet sich an der Einmündung der Selbrigg Road in die Cromer Road.

All Saints Church in High Kelling (Norfolk).    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

All Saints Church in High Kelling (Norfolk).
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Voewood House an der Cromer Road in High Kelling. Author: Gavin.collins. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Voewood House an der Cromer Road in High Kelling.
Author: Gavin.collins.
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Published in: on 9. August 2014 at 02:00  Comments (1)  
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Billy the Seal – Was macht ein Seehund im Dorfteich von Wereham (Norfolk)?

Hier im Dorfteich von Wereham wohnte Billy the Seal.    © Copyright Adrian S Pye and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier im Dorfteich von Wereham wohnte Billy the Seal.
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Aufmerksam wurde ich auf diese nette, aber auch traurige Geschichte durch das Village Sign des kleinen Dorfes Wereham in Norfolk. Dort ist in der linken unteren Ecke ein Seehund zu sehen. Nun könnte man sagen, Norfolk ist doch eine Grafschaft, die direkt am Meer liegt, also ist doch ein Seehund auf einem Dorfschild nichts Besonderes. Ja, Wereham liegt aber ziemlich weit von der Küste entfernt, südlich von King’s Lynn an der A134. Also recherchierte ich ein wenig und hier ist die Geschichte:

Es muss etwa im Jahr 1928 gewesen sein, als James Luddington aus Wereham mit einigen Fischern in den Wash, die große Meeresbucht bei King’s Lynn, hinausfuhr. Bei der Fahrt fand er einen kleinen herrenlosen Seehund, der ihm leid tat und so nahm er ihn einfach mit. Er packte ihn in eine Kiste und ließ ihn per Eisenbahn nach Downham Market bringen; dort wurde das Tier abgeholt und nach Wereham gebracht. Hier gibt es mitten im Dorf einen Teich, der nach Meinung von James Luddington ideal für Billy the Seal war, wie der kleine Kerl bald getauft wurde. Billy fühlte sich neben den Enten und anderen gefiederten Teichbewohnern schnell wohl, vor allem als man aus Brettern ein Badefloß zimmerte, das dann extra für ihn in der Mitte des Teiches installiert wurde. Hier pflegte Billy sich bei schönem Wetter zu sonnen und es sich gut gehen zu lassen. Für Verpflegung sorgte Mr. Luddington, der täglich eine Kiste Fisch für seinen Schützling kommen ließ.

Bald war Billy ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft geworden. Gern besuchte er auf seinen Ausflügen die örtliche Schule und freute sich, wenn die Kinder erschienen, die ihn alle in ihre Herzen geschlossen hatten. Ganz besonders liebte Billy aber den Pub The George & Dragon, der gleich gegenüber vom Teich stand und heute noch immer steht, denn dort holte er sich immer sein Pint Bier ab; Bier liebte Billy ganz besonders.

Wereham und der ungewöhnliche Teichbewohner waren eine Zeit lang Ziel für viele Ausflügler in der Region, bis… ja bis die Geschichte von Billy the Seal traurig endete. Eines Tages wurde die Church Road, die Straße, die zwischen Teich und Pub entlangführt, frisch geteert und Teer ist alles andere als bekömmlich für die empfindliche Haut eines Seehunds. Als Billy seine übliche Tour zum George & Dragon machte, um sich sein Pint einzuverleiben, überquerte er die Straße, wobei sich der Teer an seiner Haut festsetzte, was zu Geschwüren führte, an denen das Tier schließlich starb. Die Dorfbewohner waren sehr traurig und immer wenn sie an dem Billy-losen Teich vorbeigingen, mussten sie an den freundlichen Seehund denken. Aber noch heute ist das Tier durch seine Anwesenheit auf dem Village Sign den Menschen von Wereham präsent.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Liz Baddock aus Wereham, die mir weitergehende Informationen über Billy the Seal zur Verfügung stellte.

Die ehemalige Dorfschule. Hier wartete Billy immer auf die Schulkinder.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die ehemalige Dorfschule. Hier wartete Billy immer auf die Schulkinder.
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Das Village Sign von Wereham, auf dem Billy verewigt ist.    © Copyright Craig Tuck and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Village Sign von Wereham, auf dem Billy verewigt ist.
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Published in: on 21. Juni 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Pulham St Mary in Norfolk

With friendly permission of Charlie, Old Greyhead.

With friendly permission of Charlie, Old Greyhead.

Ich liebe die meistens sehr hübsch gestalteteten englischen Village Signs, die in wenigen Bildern einen kleinen Überblick über die Dorfgeschichte geben. Einer der ganz großen Dorfschild-Künstler in Norfolk war Harry Carter, dessen Schöpfungen allerdings zum Teil schon wieder durch neue Schilder ersetzt worden sind, da der Zahn der Zeit oder besser gesagt, Wind und Wetter, an ihnen genagt haben.

Was sollen wohl die beiden Luftschiffe auf je einer Seite des Village Signs von Pulham St Mary in Norfolk bedeuten, das an der Hauptstraße des Ortes, The Street, aufgestellt ist, dort, wo die Station Road dazustößt? Nun, das ist nicht schwer zu erraten. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg waren die riesigen Luftfahrzeuge in zwei ebenso riesigen Hangars bei Pulham St Mary stationiert. Die R34 war das erste Airship, das den Atlantik in Ost-West-Richtung überflog und dazu vom 2. Juli bis zum 6. Juli unterwegs war. Nach einigen Tagen Aufenthalt in den USA begab sich die R34 auf den Rückflug und dockte am 13. Juli wieder an dem 37 Meter hohen Landemasten in Pulham an. Von diesem Landemasten wurde das Schwesterschiff, die R33, an einem stürmischen Tag losgerissen und auf die Nordsee hinausgetrieben. Nur mit äußerster Mühe gelang es der Notbesatzung, die gerade an Bord war, das Luftschiff über der holländischen Küste wieder in den Griff zu bekommen und langsam wieder nach Pulham St Mary zurückzudirigieren. Weil die Fahrzeuge in Pulham stationiert waren, nannte man sie liebevoll „Pulham Pigs„.
Die eine Seite des Village Signs zeigt die R33 und den großen Landemasten, die andere Seite die R34, der einige Menschen zuwinken.

1928 war es mit dem Luftschiffstützpunkt hier in Norfolk vorbei. Einer der großen Hangars wurde 1930 abgebaut und in Cardington in Bedfordshire (ich berichtete in meinem Blog darüber) wieder neu errichtet, die zweite Luftschiffhalle riss man 1948 ab.
Obwohl sich das Thema Luftschiff für Pulham St Mary also schon vor Jahrzehnten erledigt hat, ist es doch in der Dorfgeschichte fest verankert, so dass man zwei der Monster auf dem Village Sign verewigt hat.
Der kleine Ort liegt knapp 30 Kilometer südlich von Norwich zwischen der A140 und der A143.

Published in: on 16. Juni 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Narborough (Norfolk) und sein Village Sign

   © Copyright Keith Evans and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Es gibt zwei Narboroughs in England. Eines davon liegt in Leicestershire, über das ich in Zusammenhang mit einem Mordfall schon einmal berichtete. Das andere liegt in Norfolk an der A47, die von King’s Lynn nach Norwich führt. An der Ecke Main Road/Pentney Road, gegenüber vom Ship Inn (in dem sich jetzt ein chinesisches Restaurant etabliert hat), steht das Village Sign von Narborough, das ich sehr interessant finde, spiegelt es doch bildlich die Historie dieses kleinen Ortes wider.

Ein ehemaliges Mühlrad bildet den Rahmen; es stammt aus einer örtlichen Knochenmühle, in der Knochen zu Dünger verarbeitet wurden. Die Knochen kamen aus Schlachthäusern aus King’s Lynn und, man höre und staune, von Hamburger Friedhöfen! Die Mühle wurde 1815 gebaut und schloss 1884 ihre Pforten. Sie war ein Stück weit vom Dorf entfernt, denn der Gestank war sicher nichts für Leute mit einem ausgeprägten Geruchssinn.
In den sechs von den Speichen gebildeten Segmenten des Rades finden sich weitere Hinweise auf Narboroughs Vergangenheit. In einem ist Narborough Hall zu sehen; dort wohnte früher die Familie Spelman. Einer davon war Sir John Spelman, der das Todesurteil gegen Anne Boleyn unterschrieb und der, zusammen mit anderen Familienmitgliedern, in All Saints beerdigt ist. Die Kirche ist ebenfalls in einem der Segmente des Mühlrads verewigt.
Ein weiterer Teil des Village Signs zeigt einen Zug, der eine Brücke überquert; die Bahnlinie wurde 1968 geschlossen. Dann sehen wir ein Flugzeug, das einen Hangar überfliegt: Hinweis auf RAF Narborough, ein Flugplatz, der im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle spielte und von dem so gut wie nichts mehr übriggeblieben ist.
Die anderen Segmente zeigen dann noch die Cornmill und Narborough Maltings, die Mälzerei des Ortes.

Ich finde die englischen Village Signs immer wieder sehenswert und es lohnt sich, nicht nur daran vorbeizufahren, sondern aus dem Auto auszusteigen und sie einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Es steckt meist sehr viel Liebe in der Gestaltung.

Published in: on 4. Mai 2014 at 02:00  Comments (3)  
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Ashby St Mary (Norfolk) und sein Village Sign

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Fährt man in ein englisches Dorf und wird gleich am Anfang oder auch mittendrin von einem hübsch gestalteten Village Sign begrüßt, so hat man doch gleich ein sehr positives Bild von dem Ort. Die Grafschaft Norfolk ist dafür bekannt, besonders viele und schöne dieser Schilder zu besitzen; ich habe darüber in meinem Blog schon einmal geschrieben.

Ein ansprechendes Village Sign hat Ashby St Mary, südöstlich von Norwich, zu bieten. Zum Jahrtausendwechsel hat man dort dieses Schild aufgestellt, das schlaglichtartig eine Episode aus der Historie des Ortes wiedergibt. Vor dem Hintergrund einer Windmühle (die Ashby St Mary Postmill wurde bis 1910 betrieben) sieht man eine Bäuerin, die inmitten ihrer Gänse steht und diese füttert. Dieses Bild hat man von einem Grabstein übernommen, der auf dem Kirchhof von St Mary the Virgin 1868 für Ann Basey aufgestellt wurde, die dort zusammen mit ihrem Mann George beigesetzt worden ist. Die beiden Farmer betrieben Geflügelzucht und nachdem sie ihre Gänse schön fett gemästet hatten, trieb Ann Basey sie zum Ende des Herbstes nach London, um sie dort auf den Märkten zu verkaufen. Ein langer Weg, von Norfolk bis zur Landeshauptstadt, die Gänseherde benötigte dafür 10 bis 14 Tage. Damit die Füße der Gänse auf der Strecke keinen Schaden nahmen, wurden die Sohlen mit einer Teerschicht überzogen, was sie deutlich widerstandsfähiger machten. Für die Logistik der Nahrungsaufnahme am Wegesrand sorgten die Gänse selbst.

Man findet das Schild, wenn man von der A146 (Norwich – Beccles), der Norwich Road, auf die Ashby Road einbiegt nach ein paar hundert Metern auf der linken Seite.

Die Grabsteine von Ann und George auf dem Friedhof von St Mary the Virgin.    © Copyright Evelyn Simak and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Grabsteine von Ann und George Basey auf dem Friedhof von St Mary the Virgin.
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Published in: on 25. März 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Village Signs – Dekorative Ortsschilder, die vor allem in East Anglia zu finden sind

Trowse, Norfolk. - © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Lic

Mehr als 3000 Village Signs, diese dekorativen Ortsschilder, soll es in England geben, von denen die meisten in Norfolk (ca 500) und Suffolk (ca 350) zu finden sind. Neben den standardmäßigen, am Ortseingang stehenden Schildern, bilden diese holzgeschnitzten, aus Eisen, Keramik, Fiberglas oder Stein hergestellten Village Signs jeweils ein individuelles Abbild eines Ortes, auf dem z.B. Ereignisse aus der lokalen Geschichte gezeigt werden.

Im frühen 20. Jahrhundert entstanden die ersten dieser Ortsschilder in Norfolk, nachdem König Edward VII diesen Vorschlag einigen der Dörfer gemacht hatte, die auf oder am Rande des königlichen Sandringham Estate lagen.

Die Village Sign Society, 1999 von Maureen Long und Shirley Addy gegründet, setzt sich für den Erhalt dieser Tradition ein und dokumentiert die Dorfschilder in einer National Village Sign Database und Photobase.

Es gibt (gab) eine Fülle von Büchern, die sich mit dem Thema beschäftigen, z.B. Ursula BournesEast Anglian Village and Town Signs“ (Shire Publ., ISBN 978-0747805571) oder Ken Savages Serie über Village and Town Signs in den einzelnen Counties (erhältlich bei: Ken Savage, 7 Duck End, Godmanchester, Cambridgeshire, PE29 2LW) oder eine ganze Reihe von Büchern, nach Counties gegliedert, von AL Publications (2 The Hazels, Wilpshire, Blackburn, Lancashire, BB1 9HZ).

Hier einige Beispiele:

Platt, Kent. - © Copyright David Anstiss and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Stambridge, Essex. - © Copyright terry joyce and licensed for reuse under this Creative Commons Licence

Published in: on 8. Juni 2011 at 04:00  Comments (1)  
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