The Kings Arms in York – Einer der feuchtesten Pubs Englands

Auch bei Regen werden die Picknicktische vor dem Kings Arms in York gern genutzt. Eigenes Foto.

Auch bei Regen werden die Picknicktische vor dem Kings Arms in York gern genutzt.
Eigenes Foto.

The Kings Arms in York hat eine sehr bevorzugte Lage. Der Pub liegt direkt an der Ouse Bridge und an warmen Sommertagen kann man sein Bier auf der Terrasse  am Fluss trinken. Wovon dann auch reichlich Gebrauch gemacht wird, denn oft habe ich den Pub bzw. die Terrasse rappelvoll erlebt. ABER: Leider hat die Ouse die unangenehme Eigenschaft, oft bei Hochwasser über die Ufer zu treten und dann geht hier gar nichts mehr. Das Wasser flutet den Pub und…Feierabend! Im Inneren des „Kings Arms“ gibt es an der Wand Hochwassermarken, die anzeigen wann die Fluten wie hoch gestanden haben. Der bisherige Rekord liegt bei einer Handbreite unter der Decke des Schankraums. Das Personal hat im Laufe der Jahre Übung darin bekommen, den Pub mit Sandsäcken zu verbarrikadieren, obwohl auch das meistens nichts gegen das Ouse-Hochwasser hilft.

The Kings Arms gehört der in Tadcaster (die A64 in Richtung Leeds entlang) ansässigen Samuel Smith Brauerei und ist, wie am Pubschild zu erkennen ist, König Richard III gewidmet. Ich habe an den Picknicktischen vor dem Pub auch zur kalten Jahreszeit Leute sitzen sehen, die hier draußen etwas getrunken oder gegessen haben, denn die Bewohner Yorks haben ein eigenartiges Verhältnis zu niedrigen Temperaturen: Sie ignorieren die einfach. Wie oft habe ich im Winter miniberockte Mädchen und junge Männer in kurzärmeligen Hemden auf den Straßen gesehen.

Genauso von den Wassermassen sind die benachbarten Lokale am Kings Staith betroffen, darunter auch das kleine indische Restaurant Taj Mahal, das ich empfehlen kann, wenn man die indische Küche mag.

The Kings Arms
Kings Staith
York YO1 9SN
Tel. 01904 659435

Hier mag jetzt niemand mehr an den Picknicktischen Platz nehmen (nicht einmal die Bewohner Yorks selbst!).    © Copyright Ian S and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier mag jetzt niemand mehr an den Picknicktischen Platz nehmen (nicht einmal die Bewohner Yorks selbst!).
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Heiligabend 2012. Eine schöne Bescherung für The Kings Arms!    © Copyright Trevor Littlewood and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Heiligabend 2012. Eine schöne Bescherung für The Kings Arms!
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Published in: on 31. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Government Communications Headquarter in Bude (Cornwall)

GCHQ Bude im Norden Cornwalls.    © Copyright Lewis Clarke and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

GCHQ Bude im Norden Cornwalls.
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Das Abhören amerikanischer (und britischer?) Geheimdienste deutscher und internationaler Spitzenpolitiker beherrscht zurzeit die Schlagzeilen unserer Medien. Dabei fällt auch hin und wieder der Name des britischen Nachrichtendienstes GCHQ (Government Communications Headquarters), dessen Hauptsitz in Cheltenham liegt und dessen wichtigste Abhörstation nördlich von Bude in Cornwall zu finden ist. Hier in unmittelbarer Nähe der Nordküste sind zum einen Satellitenschüsseln aufgestellt und zum anderen kommen hier, z.B. in der Widemouth Bay, mehrere Transatlantikkabel an Land. Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ soll der GCHQ in Bude das Glasfaserkabel TAT-14 ausgespäht haben, über das ein großer Teil der deutschen Übersee-Kommunikation abgewickelt wird. Der „Guardian“ meldete, dass der US-Geheimdienst NSA in Bude £15.5 Millionen investiert hat, um die Abhörstationen besser auszustatten.

Ich will mich hier in meinem Blog nicht über das Für und Wider dieser Abhörmaßnahmen äußern, das überlasse ich lieber den Medien, sondern nur über die Lage der Station informieren, die auf dem ehemaligen Gelände des Luftwaffenstützpunkts RAF Cleave untergebracht ist, der im Zweiten Weltkrieg verwendet wurde. GCHQ Bude liegt südlich des kleinen Dorfes Morwenstow (über das ich schon einmal berichtete). Der Küstenwanderweg South West Coast Path zieht sich dicht zwischen der Abhöranlage und dem Meer entlang. Die Anlage wird natürlich wie ein Hochsicherheitsgefängnis gehandhabt; sie ist von hohen Zäunen umgeben und wird von Kameras überwacht. Außerhalb der Zäune sind noch einige Überreste des RAF-Fluplatzes wie Betonbunker zu sehen. Was sich aber innerhalb der Zäune abspielt, bleibt ein Geheimnis des britischen Nachrichtendienstes (es sei denn Edward Snowden spielt dem „Guardian“ noch weitere Informationen zu).

Ob wohl die Aktivitäten der Rinder am Zaun auch von Kameras überwacht werden?    © Copyright David Hawgood and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ob wohl die Aktivitäten der Rinder am Zaun auch von Kameras überwacht werden?
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Published in: on 30. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Dormobile – Der Beginn der Wohnmobilzeit in England

Eine Dormobile auf der Basis des Bedford CA Vans. Author: Charles01. his file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported, 2.5 Generic, 2.0 Generic and 1.0 Generic license.

Ein Dormobile auf der Basis des Bedford CA Vans.
Author: Charles01.
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Besonders schön sahen sie meiner Meinung nach eigentlich nicht aus, die Dormobiles der Fa Martin Walter, die seit 1773 in Folkestone (Kent) ansässig war, aber sie läuteten eine neue Ära des Reisens ein. Mitte der 1950er Jahre baute man hier am Tile Kiln Lane auf der Basis des Bedford CA Vans das erste Wohnmobil. Die Sitze konnten zu Schlafgelegenheiten umgebaut werden, eine Kochstelle wurde installiert und etwas später gab es dann noch das Aufstelldach, so dass man sich nicht nur gebückt in dem Fahrzeug bewegen musste. Da das Dormobile von der Verkaufssteuer ausgenommen war, konnte man es relativ günstig erwerben, denn es kostete etwa das gleiche wie ein PKW.

Nicht nur die Bedford Vans fungierten als Basisfahrzeuge, man baute auch Autos der Marken VW, Ford, Fiat, Land Rover usw. um. Schätzungsweise 10 000 Dormobiles entstanden in den späten 1950er und 1960er Jahren. Doch dann traten die ersten Probleme der Firma „Dormobile Ltd“ (wie sie sich jetzt nannte) auf. Die Einführung der Mehrwertsteuer verteuerte die Fahrzeuge, Managementfehler und auch ein anderes Urlaubsverhalten der Engländer führten dazu, dass 1984 das letzte Dormobile Folkestone verließ. Man sattelte auf den Bau von Kleinbussen um, aber es half nichts, 1994 musste die Firma ihre Pforten schließen.

Heute existiert in Romney in Hampshire eine Firma, die den Namen Dormobile übernommen und sich auf den Umbau von Fahrzeugen, sowie auf den Teilehandel für alte Dormobiles spezialisiert hat.

Im Dormobile Owners‘ Club finden sich alle Freunde dieser Wohnmobile zusammen.

Hier sind einige Bilder eines Bedford CA Campers.

Das Buch zum Artikel:
Martin Watts: Classic Dormobile Camper Vans – A Guide to the Camper Vans of Martin Walter and Dormobile. The Crowood Press 2009. 160 Seiten. ISBN 978-1847970831.

Hier am Tile Kiln Lane in Folkestone (Kent) wurden die Dormobiles gebaut.    © Copyright Robin Webster and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 29. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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„Broadchurch“ – Die mehrfach ausgezeichnete TV-Krimiserie des Senders ITV

Hier am Fuße des East Cliffs in West Bay wird die Leiche von Danny Latimer gefunden.    © Copyright John Myers and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hier am Fuße des East Cliffs in West Bay wird die Leiche von Danny Latimer gefunden.
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Bei den Specsavers Crime Thriller Awards 2013, die vor wenigen Tagen im Londoner Grosvenor Hotel vergeben wurden, schnitt die TV-Krimiserie „Broadchurch“ des Senders ITV besonders gut ab. Sie erhielt den „TV Dagger“, Olivia Coleman wurde für ihre Rolle als Detective Sergeant Ellie Miller mit dem „Best Actress Dagger“ und David Tennant als Detective Inspector Alec Hardy mit dem „Best Actor Dagger“ ausgezeichnet. Darüber hinaus bekam auch noch Andrew Buchan für seine Darstellung des Mark Latimer den „Best Supporting Actor Dagger“. Doch damit nicht genug: Weiterhin war „Broadchurch“ der Gewinner des diesjährigen TV Choice Awards in der Kategorie „Best New Drama“ und David Tennant erhielt den Preis als „Best Actor“. Was für eine Erfolgsserie!

Mir hat es in dieser achtteiligen Krimireihe besonders die Kameraführung angetan, die die einzelnen Szenen außerordentlich gefühlvoll eingefangen hat. Wenn es dafür auch einen Preis geben würde, der Kameramann hätte ihn verdient.

Worum geht es? In dem Küstenort Broadchurch wird der elfjährige Danny Latimer ermordet am Strand unterhalb der Klippen aufgefunden. DS Ellie Miller, die den Jungen kennt, und DI Alec Hardy werden mit den Ermittlungen beauftragt. Beide kommen erst nicht gut miteinander aus und beide sind emotional sehr in den Fall involviert. An Verdächtigen mangelt es nicht: Selbst Dannys Vater Mark Latimer, Ellies Ehemann Joe Miller und der örtliche Reverend Paul Coates geraten ins Visier der Ermittler.

Kenner der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ feiern ein Wiedersehen mit David Bradley, der 2003 als „The Green Man“ in der gleichnamigen Episode 29 (dt. „Blut ist dicker…“) auftrat. Auch Harry Potter-Fans werden ihn als Argus Filch wiedererkennen. Bradley spielt hier die Rolle des Jack Marshall, der einen Zeitungskiosk betreibt.

Diese Krimiserie hebt sich von anderen vor allem durch ihre Vielschichtigkeit und ihre Charaktere ab, auch der Schauplatz, die Küste Dorsets, trägt zur Atmosphäre bei. Gedreht wurde vor allem in West Bay bei Bridport an der Jurassic Coast von Dorset. Der Erfolg von „Broadchurch“ zeigt sich bereits in dem kleinen Küstenort, denn immer mehr Menschen kommen hierher, um sich die Schauplätze des TV-Dramas einmal direkt vor Ort anzusehen.

Hier ist der Trailer zur TV-Serie.

Nachtrag: Mittlerweile sind zwei Staffeln mit insgesamt 16 Episoden gedreht und von ITV gesendet worden.

Vom 26. April 2015 ab laufen vier Folgen der Serie auch im ZDF jeweils am Sonntagabend.

Jack Marshalls Zeitungskiosk am Hafen von West Bay.    © Copyright Stacey Harris and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Jack Marshalls Zeitungskiosk am Hafen von West Bay.
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Published in: on 28. Oktober 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Punkie Night in Hinton St George (Somerset)

Hinton St George in Somerset.    © Copyright Eugene Birchall and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Hinton St George in Somerset.
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halloween-0427.gif von 123gif.de

Bald ist es wieder soweit: Am letzten Donnerstag im Oktober ist Punkie Night in Hinton St George, einem 400-Seelen-Dorf im Süden der Grafschaft Somerset. In diesem Jahr fällt die Punkie Night auf Halloween. Abends ziehen Kinder durchs Dorf und tragen ausgehöhlte Kürbisse mit eingeritzten und von innen beleuchteten Gesichtern vor sich her. Dazu singen sie den „Punkie Night Song“:

It’s Punkie Night tonight,
It’s Punkie Night tonight.
Give us a candle,
Give us a light.
It’s Punkie Night tonight

It’s Punkie Night tonight,
It’s Punkie Night tonight.
Adam and Eve,
Just wouldn’t believe
It’s punkie Night tonight.

Punkie ist der Name, den man in dieser Region Somersets den ausgehöhlten Kürbislaternen gibt. Bei diesem abendlichen Laternenumzug wird Geld für wohltätige Zwecke gesammelt, entspricht so in etwa dem „Trick or Treat“ zu Halloween, nur dass man bei letzterem „in die eigene Tasche wirtschaftet“.

Der Ursprung dieses Brauchs soll auf folgende Geschichte zurückgehen;
Im benachbarten Chiselborough wurde am letzten Donnerstag im Oktober immer ein Jahrmarkt abgehalten, den die Männer aus Hinton St George gern aufsuchten und sich dort so einige Pints zu Gemüte führten. Als es einmal sehr spät wurde, machten sich die Frauen des Dorfes auf den Weg, um ihre Männer zu suchen. Um den Weg im Dunkeln auch zu finden, hatten sie große Mangoldwurzeln ausgehöhlt und darin Kerzen befestigt. Als die betrunkenen Männer die ihnen entgegenkommenden unheimlichen Lichter sahen, hielten sie die für „goolies“, das sind die Geister von Kindern, die bereits vor der Taufe gestorben sind. Mutig waren die Männer von Hinton St George nicht, denn sie stoben voller Angst in alle Himmelsrichtungen davon.

So hat sich dieser Brauch bis in die heutige Zeit gerettet, nur dass man statt der Mangoldwurzeln jetzt Kürbisse verwendet.

Chiselborough in Somerset.    © Copyright Andy Pearce and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Chiselborough in Somerset.
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Published in: on 27. Oktober 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Verde’s – Ein Delikatessenladen in Londons Spitalfields, der einer berühmten Schriftstellerin gehört

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Fans der englischen Schriftstellerin Jeanette Winterson müssen bei einem Londonbesuch unbedingt ihren Delikatessenladen Verde’s in der Nummer 40 der Brushfield Street im Stadtteil Spitalfields aufsuchen. Dort an der Ecke zur Gun Street werden Waren feilgeboten, bei deren Anblick das Herz eines Slow Food-Anhängers höher schlägt. Wintersons Wahlsprüche „My philosophy is to eat modestly and buy the best you can afford“ und „Life is too short to eat badly“ hat sie auf ihren Laden übertragen. In den 1990er Jahren hat die Schriftstellerin das Haus in dem übelbeleumundeten Bezirk Spitalfields gekauft und sehr viel Geld in das ziemlich heruntergekommene Gebäude gesteckt. Heute hat sich hier vieles gewandelt und in der Brushfield Street stehen viele schön hergerichtete bzw. neue moderne Häuser.

In Verde’s bekommt man erlesene Lebensmittel zu kaufen, Obst und Gemüse, Olivenöle, Konfitüren und, als besondere Spezialität, Schokolade und Pralinen des Brüsseler Chocolatiers Pierre Marcolini. Einkaufen kann man hier bei Jeanette Winterson, die über dem Laden wohnt, die man allerdings hinter dem Ladentisch vergeblich sucht, montags bis freitags von 8 Uhr bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 11 Uhr bis 17 Uhr. Mittags bietet Verde’s zum Lunch auch einige Kleinigkeiten an wie Sandwiches (z.B. Roast Lamb and Mint Chili Sauce) und Salate (Smoked Chicken with Guacamole and Fresh Tomato and Leaves), und das alles für Londoner Verhältnisse zu vernünftigen Preisen.

Jeanette Wintersons Romane sind vielfach ausgezeichnet und auch ins Deutsche übersetzt worden wie „Sexing the Cherry“ (dt. „Das Geschlecht der Kirsche“) oder „Oranges Are Not the Only Fruit“ (dt. „Orangen sind nicht die einzige Frucht“).

Verde’s
40 Brushfield Street
Spitalfields Market
London E1 6AG
Tel. 020 7247 1924

Published in: on 26. Oktober 2013 at 02:00  Comments (3)  
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Großbritanniens strahlende Zukunft der Energieversorgung mit Hilfe von neuen Atomkraftwerken

Das architektonisch sehr ansprechende Atomkraftwerk von Kinley in Somerset...    © Copyright Lewis Clarke and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das architektonisch sehr ansprechende Atomkraftwerk von Hinkley Point in Somerset, das demnächst ein Brüderchen bekommen wird…..
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Ich wollte es erst gar nicht glauben, doch es ist wahr: Die Regierung David Camerons setzt, was die Energieversorgung des Landes betrifft, auch in Zukunft voll auf Atomkraft. Selbst die konservative deutsche Regierung hat nach Fukushima erkannt, mit welchen Risiken die Atomkraft behaftet ist und steigt in absehbarer Zeit komplett aus.

Nicht so David Cameron: Letzten Montag verkündete er stolz den Baubeginn von Hinkley C an der Küste Somersets. Für 16 Milliarden Pfund wird dort, erstmals nach zwanzig Jahren, wieder ein AKW gebaut, finanziert vom französischen Konzern EDF und den beiden chinesischen Staatskonzernen General Nuclear Power und China National Nuclear Group. Dabei soll es aber nicht bleiben, denn sieben weitere AKWs sind in Planung. Von den neun zurzeit arbeitenden Kraftwerken werden nach und nach acht abgeschaltet, aus Altersgründen.

25 000 neue Arbeitsplätze sollen entstehen, und da ja die geplanten neuen AKWs alle sicher und wirtschaftlich sind (man denke nur an Fukushima!), wer sollte etwas dagegen haben? Die Briten denken offenbar anders als die Deutschen, denn die meisten sind pro Atomkraft; aber es gibt glücklicherweise auch Widerstand. Die Initiative „Stop Hinkley“ setzt sich nicht nur gegen den Bau von Hinkley C ein, sondern will, dass alle AKWs im Südwesten des Landes verschwinden und durch Einführung von regenerativen Alternativen ersetzt werden. „Nuclear power ist neither cheap nor safe…it costs lives“ lautet das Motto der AKW-Gegner, die prominente Unterstützung bekommen, z.B. vom Ex-Monty Python Terry Jones, der Schauspielerin Julie Christie, dem Kinderbuchillustrator Raymond Briggs, dem Politiker Paddy Ashdown und mehreren Parlamentsabgeordneten.

Die hässlichen, landschaftsverschandelnden Gebäude von Hinkley Point liegen nördlich von Bridgwater am Ende des Wick Moor Droves, inmitten einer landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Die Standorte für die anderen geplanten AKWs sind Sizewell in Suffolk, wo der Reaktor Sizewell B noch bis 2035 laufen soll (Sizewell A ist bereits abgeschaltet), Oldbury in South Gloucestershire, nördlich von Bristol, wo schon zwei uralte abgeschaltete Reaktoren stehen, Wylfa auf der Insel Anglesey im Norden von Wales, und Moorside bei Sellafield (dort, wo es schon zu zahlreichen Störfällen gekommen ist).

Offensichtlich sind die gravierenden Probleme, die das als sicher proklamierte AKW in Fukushima bereitet hat und noch bereiten wird, gänzlich aus dem Blickwinkel der britischen Regierung verschwunden.

Hier ist ein Bericht der BBC über Hinkley Point.

Published in: on 25. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Harmondsworth (Greater London) und die Penguin Books

Die High Street von Harmondsworth.    © Copyright Oast House Archive and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die High Street von Harmondsworth.
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Über viele Jahrzehnte stand im Impressum der Bücher des Verlages Penguin Books der Vermerk „Penguin Books Ltd, Harmondsworth, Middlesex“. Wo liegt denn nun dieses Harmondsworth? Jeder, der schon einmal mit dem Flugzeug auf dem Londoner Flughafen Heathrow gelandet ist, hat diesen Ort sicher schon einmal (unbewusst) gesehen, denn er liegt in Sicht- und Hörweite des Großflughafens. Wer hier wohnt, der braucht schon schallgedämpfte Fenster.

1937 zog der Verlag Penguin Books hierher, in ein neues Bürohaus und ein Warenlager an der Bath Road, der A4, an der sich heute die Flughafenhotels aneinanderreihen. Vorher „residierte“ das Buchdepot in der Krypta der Holy Trinity Church in der Londoner Marylebone Road. Die Paperbacks des Verlages verkauften sich damals schon hervorragend (über drei Millionen Exemplare in einem Jahr), so dass man dringend mehr Platz für das Buchlager brauchte; Platz, den die Krypta nicht bieten konnte.
Auch nach dem Krieg florierte die Firma, geriet 1960 in die Schlagzeilen, als sie D. H. Lawrences „Lady Chatterley’s Lover“ veröffentlichte, ein Buch, das angeblich gegen den Obscene Publications Act verstoßen haben sollte. Penguin gewann aber vor Gericht und durfte das Buch verkaufen (mit gewaltigem Erfolg!).

Das Hauptquartier des Verlags zog in den 1990er Jahren wieder ins Zentrum Londons zurück und man findet es heute unter der Adresse 80 Strand. Das Warenlager zog ebenfalls um, von Harmondsworth in das verkehrsgünstige Rugby in Warwickshire, wo es zunächst gewaltige Probleme gab. Das nach dem neuesten Stand der Technik erbaute Lager funktionierte nicht, die Software versagte und die riesigen Büchermengen mussten von Hand sortiert werden. Personal, das man in Harmondsworth schon entlassen hatte, musste wieder eingestellt werden, Chaos herrschte überall. Aber natürlich bekam man das letztendlich in den Griff und heute läuft das alles hier im Central Park nördlich von Rugby wie geschmiert.

Noch einmal zurück zu Harmondsworth. Das Dorf hat natürlich mit der Nähe des Flughafens zu kämpfen. Das Hauptquartier der British Airways ist hier untergebracht und es gibt zwei Abschiebezentren für Immigranten, das Colnbrook Immigation Removal Centre und das Harmondsworth Immigration Removal Centre. So richtig kuschelig geht es hier in Harmondsworth also nicht zu.

Das einstige Buchlager von Penguin Books - Die Holy Trinity Church in Londons Marylebone Street (heute nicht mehr als Kirche in Betrieb).    © Copyright Robin Webster and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das einstige Buchlager von Penguin Books – Die Holy Trinity Church in Londons Marylebone Street (heute nicht mehr als Kirche in Betrieb).
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Das heutige Zentrallager im Central Park von Rugby.    © Copyright Ian Rob and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das heutige Zentrallager im Central Park von Rugby.
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Mein Buchtipp – Jonathan Oates: Buckinghamshire Murders

Foto meines Exemplars.

Foto meines Exemplars.

Ja, auch in meiner Lieblingsgrafschaft Buckinghamshire hat es so manchen spektakulären Mord gegeben. Aus der TV-Krimireihe „Midsomer Murders“ bzw. „Inspector Barnaby“ wissen wir, dass die Idylle der hübschen Dörfer oftmals täuscht und gerade dort schreckliche Morde verübt werden, zumindest im Fernsehen.
Als ich das hier vorgestellte Buch „Buckinghamshire Murders“ las, fühlte ich mich in DCI Barnabys Midsomer County zurückversetzt, denn viele der hier beschriebenen Mordfälle ereigneten sich in Dörfern, in denen die TV-Serie gedreht wurde.

In Little Marlow, wo ich erst kürzlich an einem schönen warmen Tag vor dem Queen’s Head Pub ein Pint trank, ereignete sich 1921 (nur wenige Schritte vom Pub entfernt, in der Church Street) ein Mord, der vom Milchmann George Arthur Bailey begangen wurde. Das Opfer war seine Ehefrau Kate, der er überdrüssig geworden war. Bailey, den man auch „The Musical Milkman“ nannte, behauptete, eine neue Notenschrift erfunden zu haben und suchte per Inserat in der Buckinghamshire Free Press junge gut gebaute Damen ab 16 Jahren, die ihm „musikalisch zur Hand gehen sollten“, wobei Übernachtungen in seinem Cottage durchaus vorkommen könnten…
Der Fall aus Little Marlow wird auch detailliert in dem Buch „The Musical Milkman Murder“ von Quentin Falk beschrieben, das ich demnächst an dieser Stelle vorstellen werde.

Schauplatz eines der blutigsten Mordfälle, die jemals in Buckinghamshire stattfanden, war Denham, jenes Dorf, in dem sich viele Schauspieler niedergelassen haben und in dessen Kirche St Mary the Virgin die Hochzeit von Cully Barnaby und ihrem Simon gedreht wurde. Auch hier war ich an einem schönen warmen Sommertag unterwegs (wer sagt eigentlich immer, dass es in England ständig regnet?) und traf auf viele freundlich grüßende Dorfbewohner. Am 22. Mai 1870 wurde hier in der Cheapside Lane eine ganze siebenköpfige Familie ausgelöscht, der Schmied Emanuel Marshall, seine Frau, seine Mutter, seine Schwester und seine drei Töchter. Der Täter, ein gewisser John Jones, auch er Schmied, wurde bald gefasst und hingerichtet.

Weitere Morde, die in Jonathan Oates‘ Buch beschrieben werden, fanden u.a. in Bledlow, Dorney, Slough und Aylesbury statt.
Wieder ein sehr interessantes Buch aus dem Verlag The History Press!

Jonathan Oates: Buckinghamshire Murders. The History Press 2012. 160 Seiten ISBN 978-0752470238.

he Queen's Head in Little Marlow; nur wenige Meter von hier entfernt, in der Church Street, wurde eine junge Frau ermordet. Eigenes Foto.

The Queen’s Head in Little Marlow; nur wenige Meter von hier entfernt, in der Church Street, wurde eine junge Frau ermordet.
Eigenes Foto.

Denham in Buckinghamshire. Eigenes Foto.

Denham in Buckinghamshire.
Eigenes Foto.

Published in: on 23. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Battersea Dogs & Cats Home in London – Englands berühmtestes Tierheim

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Als  Premier David Cameron im Jahr 2011 eine Katze brauchte, um der Mäuse in Downing Street 10 Herr zu werden, wandte  er sich an das Londoner Battersea Dogs & Cats Home, wo er sich für Larry entschied. Nun, Larry hätte es wesentlich schlechter treffen können. Er ist jetzt Inhaber des Titels Chief Mouser to the Cabinet Office und Larry trifft in der Amtswohnung David Camerons so manches Staatsoberhaupt aus aller Welt wie z.B. Barack Obama, dem er vorgestellt wurde und von dem er einige Streicheleinheiten bekam. Dort, wo Larry einst im Tierheim in Battersea wohnte, ist jetzt eine blaue Plakette angebracht, die an die jetzt berühmte Katze erinnert.

Das Battersea Dogs and Cats Home findet man im Schatten der Battersea Power Station, jenes Kohlekraftwerks, das 1983 seine Pforten schloss und das auch durch das Cover der LP „Animals“ der Band Pink Floyd Berühmtheit erlangte. 1860 gründete eine Mary Tealby im Norden Londons ein Tierheim, dem sie den Namen The Temporary Home for Lost and Starving Dogs gab. 1871 zog das Heim nach Battersea um, wo es bis heute geblieben ist, aber natürlich ganz andere Dimensionen angenommen hat. Sogar die Royals interessieren sich für das Hunde- und Katzenasyl. 1885 übernahm Queen Victoria die Schutzherrschaft, das gleiche gilt für Queen Elizabeth II. Präsident ist Prince Michael of Kent.

Über drei Millionen Hunde und Katzen sind seit Gründung des Tierheims aufgenommen und zum Teil weitervermittelt worden; eine enorme Leistung, die durch die Herausgabe einer Briefmarkenserie gewürdigt wurde. Sieben Hunde und drei Katzen sind darauf zu sehen.

Das Battersea Dogs and Cats Home ist stolz darauf, viele prominente Unterstützer zu haben, darunter z.B. die weltberühmte Kinderbuchautorin Jacqueline Wilson, die eine Katze namens Jacob mit zu sich nach Hause nahm. Die Schauspielerin und Fernsehmoderatorin Amanda Holden ist gerade erst zur Botschafterin des Tierheims geworden und besitzt einen Hund und eine Katze, die sie sich dort ausgesucht hat. Der beliebte Schauspieler und Comedian Paul O’Grady ist ein besonderer Fan des Heims. In seiner TV-Serie „For the Love of Dogs„, die in diesem Jahr schon mit dem National Television Award ausgezeichnet worden ist, hilft er den Battersea-Mitarbeitern, Hunden eine neue Heimat zu geben. Der Sänger Peter Andre, Tierfreund und Heim-Unterstützer, holte sich im vorigen Jahr den Hund Charly zu sich nach Hause; auch Sangeskollege Elton John ist Besitzer eines Battersea-Hundes.

Zahlreiche freiwillige Mitarbeiter sind in dem Londoner Tierheim beschäftigt, die mit den Hunden spazierengehen oder andere Aufgaben erfüllen. Die Chance für herrenlose Hunde und Katzen in der Millionenstadt stehen also gar nicht mal so schlecht, durch Vermittlung des Battersea Dogs and Cats Home in das Heim einer/eines Prominenten umzuziehen. Es muss ja nicht immer gleich die Downing Street 10 sein…

Hier ist ein Film über das Tierheim.

Battersea Dogs and Cats Home
4 Battersea Park Road
London
SW8 4AA

Downing Streets Larry the Cat. Author: HM Government. This file is licensed under the Open Government Licence v1.0

Downing Streets Larry the Cat.
Author: HM Government.
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Published in: on 22. Oktober 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Der Hans Place im Londoner Stadtteil Knightsbridge

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Wiki Leaks-Gründer Julian Assange „wohnt“ gleich um die Ecke in der Botschaft Ecuadors (ich berichtete darüber) und das Edel-Kaufhaus Harrod’s ist auch nur wenige Schritte entfernt: Die Rede ist vom Hans Place im Londoner Stadtteil Knightsbridge, ein Stück Paris mitten in der britischen Metropole, denn der Architekt des Platzes, Henry Holland (1745-1806), hatte sich den Place Vendôme zum Vorbild genommen. Abgesehen von der achteckigen Form erkenne ich da aber keine weiteren Ähnlichkeiten, denn der Platz in Paris (mit dem Hotel Ritz, das zurzeit geschlossen ist und komplett umgebaut wird) ist eine Steinwüste mit palastartigen Gebäuden, während der Hans Place aus einem kleinen Park besteht, umgeben von hübschen Häusern.

Benannt wurde der Hans Place, sowie die umliegenden Straßen Hans Street, Hans Road und Hans Crescent, nach dem Arzt Sir Hans Sloane (1660-1753), dessen umfangreiche Sammlung an naturwissenschaftlichen Gegenständen den Grundstock für das British Museum bildete. Die Bewohner des Platzes gehören nicht zu den ärmsten Londons, die Nachfrage nach Wohnungen ist groß, denn die Nähe zu Harrod’s und anderen Edel-Geschäften, die sich hier niedergelassen haben, ist natürlich sehr attraktiv.

Henry Holland, Schüler Capability Browns, wohnte selbst am Hans Place; das Haus existiert aber nicht mehr. In der Nummer 1 hielt sich im Jahr 1817 Percy B. Shelley auf und in der Nummer 23 hatte Jane Austens Bruder Henry eine Wohnung. Jane besuchte ihn 1814 und 1815 und schrieb Teile ihres Romans „Emma“ hier am Hans Place. Eine blaue Plakette am Haus mit der Nummer 23 erinnert an die Schriftstellerin.

In der Nummer 17 befindet sich die Hill House International Junior School, eine Schule, die 1949 in der Schweiz gegründet wurde und die 1951 hier an den Hans Place zog. Prince Charles besuchte die Schule ab 1956; auch die Sängerin Lily Allen war zeitweise eine Schülerin der Hill House School. Für viele war die Schule am Hans Place eine Art Sprungbrett für das Eton College. Das schöne Motto der Schule : „A child’s mind is not a vessel to be filled, but a fire to be kindled.“

Der britische Schauspieler Peter Arne, der am Hans Place wohnte, wurde am 1. August 1983 hier in seiner Wohnung ermordet. Arne spielte u.a. in den „Pink Panther“-Filmen und in „Chitty Chitty Bang Bang“ mit.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Platz erhebliche Schäden durch Bombenabwürfe, so dass einige schwerbeschädigte Gebäude abgerissen und durch neue ersetzt wurden.

Hier ist der Hans Place im Film zu sehen.

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North Leverton with Habblesthorpe in Nottinghamshire – Der Ort mit dem zweitlängsten Namen Europas

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Noch immer kann sich die walisische Gemeinde Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch damit brüsten, den längsten Ortsnamen Europas zu haben und viele Touristen fahren nur dorthin, um das Schild mit dem Namen am Bahnhof zu fotografieren. Nur wenige wissen hingegen wie der Ort mit dem zweitängsten Namen heißt: North Leverton with Habblesthorpe. Zugegeben, so spektakulär wie der walisische Rekordinhaber ist das nicht, aber immerhin besteht er auch aus dreißig Buchstaben.

Übrigens: Der Weltrekordhalter ist der eigentliche Name der Stadt Bangkok in Thailand: Krung-thep-maha-nakorn-boworn-ratana-kosin-mahintar-ayudhya-amaha-dilok-pop-nopa-ratana-rajthani-burirom-udom-rajniwes-mahasat-arn-amorn-pimarn-avatar-satit-sakattiya-visanukam.

Was gibt es nun über North Leverton with Habblesthorpe zu sagen? Das Dorf liegt in Nottinghamshire, westlich der A156, die von Gainsborough in Richtung Lincoln führt. An der Main Street liegt der Pub des Ortes The Royal Oak. Die Parish Church St Martin’s wurde im 12. Jahrhundert erbaut und ebenfalls an der Main Street liegt die Grundschule North Leverton Church of England Primary School.

Über eine Sehenswürdigkeit verfügt North Leverton with Habblesthorpe aber doch, über die North Leverton Windmill, die in diesem Jahr ihr zweihundertjähriges Bestehen gefeiert hat. Die Windmühle ist samstags geöffnet, und hier kann man Mehl kaufen, das in und mit der Mühle produziert worden ist.

Eine kleine Anekdote am Rande: Die nicht mehr vorhandene St Peter’s Church am östlichen Ortsrand, die zu der früheren Gemeinde Apethorpe gehörte, war die Kirche mit den meisten „runaway brides“ im ganzen Land, d.h. Bräute, die kurz vor der Trauung kalte Füße bekommen haben und die Hochzeit „geschmissen“ haben. Das erzählt die alte Dame auch in dem u.a. Film.

Einen kleinen Eindruck über das Dorf mit dem zweitlängsten Namen Europas vermittelt dieser Film.

Church of St Martin.    © Copyright Tim Heaton and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Church of St Martin.
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Die North Leverton Windmill. Im Hintergrund die West Burton Power Station.    © Copyright Chris Allen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die North Leverton Windmill. Im Hintergrund die West Burton Power Station.
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Abends und nachts im Windsor Castle…

Author: Mark S. Jobling. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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Wenn die Touristenhorden am späten Nachmittag das Windsor Castle in Berkshire verlassen haben, kehrt Ruhe in die alte Burg ein. Die dort noch arbeitenden Bediensteten haben das in der Zeit Wilhelms des Eroberers erbaute Castle wieder für sich allein, d.h. abgesehen von den Geistern, die des Nachts die Gänge und Räume heimsuchen. Hier geben sich die früheren Könige und Königinnen die Klinke in die Hand; als da anzutreffen sind:
Heinrich VIII, der sich schleppenden Schrittes und laut klagend durch die Flure schleppt
Elizabeth I, die sich in der Königlichen Bibliothek niedergelassen hat und von Mitgliedern der heutigen königlichen Familie mehrfach gesichtet wurde
George III, der aus dem Fenster eines Raumes schaut, in dem er häufig eingesperrt war
Charles I, der sich für seine nächtlichen Spuktouren das Canon’s House ausgesucht hat

Und das sind nur die royalen A-Geister! Darüber hinaus wimmelt es im Windsor Castle noch vielen weiteren B-Geistern.

Jetzt hat man die Möglichkeit, die Burg auch einmal bei Dunkelheit in einem kleinen elitären Kreis besichtigen zu können. Das kostet dafür auch £65; darin sind allerdings einige Zugaben eingeschlossen wie ein Glas Champagner, das offizielle Guidebook und ein Gutschein für „20% Rabatt auf alles“ im Burgladen.
Um 18 Uhr beginnt die exklusive Führung und dauert etwa 2,5 Stunden; nur 30 Personen können pro Tour teilnehmen, die u.a. in die State Apartments und in die Semi-State Rooms führt, die die Queen für offizielle Empfänge nutzt.

Diese speziellen Führungen werden nur an bestimmten Terminen im Dezember angeboten, nämlich am 10., 14., 20., 21. und 28. und die Eintrittskarten müssen vorher bestellt werden (z.B. online auf der Webseite des Windsor Castles).

Die St George's Hall im Windsor Castle. Author: Joshua Barnett. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Die St George’s Hall im Windsor Castle.
Author: Joshua Barnett.
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Published in: on 19. Oktober 2013 at 02:00  Comments (4)  
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William Windsor – Der königliche Bataillons-Ziegenbock

lance Corporal William Windsor (links). Author: Southbanksteve.  This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Lance Corporal William Windsor (links).
Author: Southbanksteve.
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William Windsor (oder Billy wie ihn seine Freunde nennen) war neun Jahre lang der wichtigste Ziegenbock der britischen Armee. Er hatte den Dienstgrad eines Lance Corporals (etwa Unteroffizier) und diente beim 1st Battalion, den Royal Welsh, bis er im Jahr 2009 in den wohlverdienten Ruhestand in den Whipsnade Zoo in Bedfordshire entlassen wurde.

William Windsor ist königlichen Blutes, denn er enstammt der Royal Goat Herd, einer Ziegenherde, die im 19. Jahrhundert Königin Victoria vom Schah von Persien geschenkt bekam. Queen Elizabeth II übergab Billy 2001 der Armee, der er auch (bis auf einen ärgerlichen Zwischenfall) treu und zuverlässig diente. Der Ziegenbock sollte nicht in Kampfeinsätze geschickt werden, dafür fehlte ihm die erforderliche Ausbildung, nein, seine vorrangige Aufgabe war, bei zeremoniellen Anlässen vor seinem Battalion zu marschieren, was er auch immer voller Stolz tat. Wenn da nicht diese peinliche Sache in Zypern passiert wäre…

Also: William Windsor hatte einen Auslandseinsatz auf Zypern zu absolvieren und sollte am 16. Juni 2006 bei einer Parade zum 80. Geburtstag der Königin wie üblich seiner von ihm geforderten Pflicht nachgehen, doch Billy hatte einen schwarzen Tag. Irgendwie hatte ihn der Teufel geritten, denn er blieb nicht in der ihm zugewiesenen Reihe, gehorchte nicht den Anweisungen seines Goat Majors und wollte zu allem Überfluss auch noch einen Angriff auf das Hinterteil eines Trommlers starten. Mit so einem ungebührlichen Verhalten kommt man in der britischen Armee natürlich nicht ungestraft davon! Billy musste vor seinen Kommandeur treten, der ihn…degradierte. Wie peinlich muss das wohl für einen königlichen Ziegenbock gewesen sein? Früher wäre er wahrscheinlich standrechtlich erschossen worden. Man gab Billy Zeit, über sein Fehlverhalten nachzudenken und siehe da, er besann sich wieder auf seine gelernten Fähigkeiten und versah seinen Dienst in untadeliger Weise, so dass er bald  seinen Dienstgrad als Lance Corporal zurückerhielt. Billy war wieder ein glücklicher Ziegenbock und genoss sein Privileg, von einfachen Gefreiten gegrüßt zu werden.

Am 20. Mai 2009 schied William Windsor aus Altersgründen aus der Armee aus, und er begab sich wieder an seinen Geburtsort, den Whipsnade Zoo, zurück. Dort soll er ein zurückgezogenes, aber glückliches Leben auf der Children’s Farm führen und es genießen, von Kindern gestreichelt zu werden. Vielleicht kommt ja aber doch manchmal seine militärische Ausbildung zum Vorschein und er staucht seine Artgenossen zusammen, wenn sie sich ungebührlich verhalten haben…

Hier ein kleiner Film über Billy wie er mustergültig seiner Pflicht nachkommt.

Published in: on 18. Oktober 2013 at 02:00  Comments (1)  

Dorsets schönste Dörfer des Jahres 2013

Best Large Village: Child Okeford.    © Copyright Clive Perrin and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Best Large Village: Child Okeford.
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In der Grafschaft Dorset gibt es zahllose hübsche Dörfer mit reetgedeckten Häusern und schönen Namen wie Melbury Abbas, Bishop’s Caundle oder Crooked Withies. Wenn man es dann noch schafft, aus diesen vielen „chocolate box villages“ herausgehoben zu werden und einen Preis für das schönste Dorf Dorsets zu bekommen, dann müssen die Dorfbewohner sich mächtig ins Zeug geworfen haben.

Am 19. September wurden in der Village Hall von Puddletown zum siebenundzwanzigsten Mal die Preise des Wettbewerbs „Dorset’s Best Village“ vergeben. Und die Sieger sind:

In der Kategorie „Best Large Village“ erhielt Child Okeford den ersten Preis. Der Ort liegt am River Stour im nördlichen Teil der Grafschaft und hat ein intaktes Dorfleben; hier gibt es noch Bellringer, einen Flower Arranging Club und einen Gardeners Club. Ein Postamt, ein Dorfladen und sogar eine Arztpraxis ist vorhanden. Einen prominenten Mitbürger kann das Dorf auch verzeichnen, den Komponisten Sir John Tavener, der sich vorrangig durch Kirchenmusik einen Namen gemacht hat.

In der Kategorie „Best Small Village“ ist der diesjährige Preisträger das Dorf Tincleton, östlich von Dorchester am River Frome gelegen. Tincleton ist so klein, dass es wenig darüber zu sagen gibt, außer, dass es eine hübsche, kleine Kirche am Ortseingang namens St John the Evangelist besitzt, die 1849 erbaut wurde.

Vergeben wurden auch noch Sonderpreise, z.B. „The People’s Project“ für Dörfer, deren Bewohner sich durch besonderes Engagement für ihren Wohnort ausgezeichnet haben. Da tat sich Broadwindsor (in der Nähe von Beaminster im Westen Dorsets) hervor mit dem Community Shop Project. Im August 2011 schloss der Dorfladen und statt sich in das Schicksal zu fügen, dass es in Broadwindsor nie wieder eigene Einkaufsmöglichkeiten geben würde, taten sich die Bewohner zusammen und organisierten einen neuen Dorfladen, der in der Old Telephone Exchange untergebracht wurde und seit dem 6. April diesen Jahres von freiwilligen Kräften geführt wird. Finanzielle Unterstützung gab es von mehreren Seiten, Spenden kamen herein und viele Bewohner kauften Anteile an ihrem Dorfladen. Einen  besonderen Service gibt es für alte und behinderte Menschen, die nicht selbst in den Laden kommen können. Man muss nur anrufen, seine Bestellung aufgeben und schon wird alles ins Haus gebracht. Toll!!

Best Small Village: Tincleton.    © Copyright Chris McAuley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Best Small Village: Tincleton.
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Broadwindsor.    © Copyright Rob Purvis and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Broadwindsor.
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Published in: on 17. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Joseph Williamson – Der Maulwurf von Liverpool

Der Eingang zu den Williamson Tunnel in Liverpool.   © Copyright chestertouristcom and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der Eingang zum Williamson Tunnel Heritage Centre in Liverpool.
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Was mag einen Menschen wohl dazu bewegen, 35 Jahre seines Lebens überwiegend mit dem Graben von Tunneln zu verbringen? Genau das tat der Liverpooler Geschäftsmann Joseph Williamson (1769-1840), der u.a. mit Tabakhandel zu einem erheblichen Wohlstand gekommen war. Williamson wohnte im Edge Hill-Bezirk von Liverpool und sorgte im großen Stil für die Bebauung des Gebietes. Sein exzentrisches Wesen kam schon dadurch zum Ausdruck, dass viele der Häuser, die er erbauen ließ, ohne Konstruktionspläne hochgezogen wurden und merkwürdige Dimensionen besaßen. Ein Heer von Arbeitskräften war damit beschäftigt, Baumaterial von hier nach dort und wieder zurück zu transportieren. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen?

Der Gipfel der Exzentrität Williamsons war aber seine Maulwurfstätigkeit, die darin bestand, kilometerlange Gänge unterhalb Liverpools graben zu lassen; große und kleine Gänge, manche zweigten von den Hauptgängen ab und endeten im Nirgendwo. Der 20 Meter lange und 6 Meter hohe Bankettsaal, in dem Williamson Gäste zum Abendessen empfing, ist der größte Raum des labyrinthischen Tunnelsystems. Daß man bei den Grabungsarbeiten auch hin und wieder auf unerwünschte Hindernisse stieß, lag auf der Hand, z.B. auf Entwässerungsrohre der darüber liegenden Häuser.

Als mit dem Tod Williamsons im Jahr 1840 die Tunnelarbeiten aufhörten, luden die Bewohner des Edge Hill-Bezirks ihren Müll in den Höhlen und sogar in dem Bankettsaal ab, so dass sich dort unten der Abfall meterhoch stapelte und viele der Gänge unpassierbar wurden. Erst nach langen Aufräumarbeiten im Jahr 2002 öffnete man Teile des Tunnelsystems für die Allgemeinheit und auf geführten Touren kann man sich ein Bild von den gewaltigen Bauarbeiten machen. Die Joseph Williamson Society und die Friends of Williamson’s Tunnels kümmern sich um dieses Williamson Tunnels Heritage Centrein dem auch Ausstellungen und Musikaufführungen stattfinden.

Warum die Tunnel überhaupt gebaut wurden, ist nie klar geworden. Es gibt verschiedene Spekulationen; eine ist, dass der philanthropische Joseph Williamson den Tausenden von Bauarbeitern eine Beschäftigung geben wollte; eine andere ist, dass Williamson und seine Frau einer religiösen Sekte angehörten, die von einem baldigen Weltuntergang überzeugt war, und die Sektenmitglieder sollten in den Tunneln Zuflucht finden.

Wie auch immer, ob das ganze Unternehmen nun eine gewaltige Geldverschwendung oder eine gute Sache für die arbeitende Bevölkerung der Stadt am Mersey war: Liverpool hat heute eine weitere Touristenattraktion.

Die Williamson Tunnels sind ganzjährig geöffnet (im Winterhalbjahr eingeschränkt) und der Eintritt kostet £4.50.

Hier ist ein Film über Joseph Williamson und seine Tunnel.

Williamson Tunnels Heritage Centre
The Old Stable Yard
Smithdown Lane
Liverpool
L7 3EE
Tel. 0151 709 6868

Das Buch zum Artikel:
David Clensy: The Mole of Edge Hill. Lulu.com 2006. 108 Seiten. ISBN 978-1411617926.

Published in: on 16. Oktober 2013 at 02:00  Comments (2)  
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Der Hack Green Secret Nuclear Bunker in Cheshire

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Hätte es in den Zeiten des Kalten Krieges in Großbritannien einen Atomschlag gegeben, so wäre den über das ganze Land verteilten geheimen Atombunkern eine besondere Bedeutung zugekommen. Diese tief unter der Erde liegenden und mit dicken Betonwänden geschützten Anlagen waren nicht als Schutzräume für die Bevölkerung vorgesehen, sondern sie sollten im Ernstfall den entsprechenden Behörden dazu dienen, von dort aus die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten (so weit so etwas überhaupt möglich gewesen wäre) und Teile der Bevölkerung zu evakuieren.

Einer dieser geheimen Bunker steht mitten in der ländlichen Idylle Cheshires, nicht allzuweit von Nantwich entfernt. Der Hack Green Secret Nuclear Bunker unterstand dem Innenministerium und verfügte über die damals neueste Technik und über die neuesten Kommunikationsmöglichkeiten. Als man der Meinung war, dass es wohl doch keine Atomangriffe auf das Vereinigte Königreich geben würde, gab man diese unterirdischen Anlagen auf und verkaufte sie an Interessenten, die es auch durchaus gab.

Der Hack Green Secret Nuclear Bunker ist heute alles andere als „secret“, denn Wegweiser zeigen die Zufahrt zu dem öffentlich zugänglichen Areal, das zu einem Themenpark für Fans von Atomwaffen und des Kalten Krieges geworden ist. Wer sich für Atomsprengköpfe und andere Nuklearwaffen interessiert und einmal einen Blick in die (potentielle) Arbeitsweise einer unterirdischen Leitstelle interessiert, der kommt hier voll auf seine Kosten. Bei einem Gang durch die einzelnen Räumlichkeiten wird der Besucher plastisch-drastisch mit dem Leben vor Ort während eines nuklearen Angriffs konfrontiert. Ständig jaulen irgendwo Sirenen, es kommen Lautsprecherdurchsagen, aus dem Operationssaal ertönt das Jammern der Patienten. Das Ballistic Missile Early Warning System, das früher in High Wycombe stationiert war, baute man ab und brachte es hierher nach Hack Green, wo es nun die Besucher bestaunen können.
Damit sich die kleinen Besucher des Atombunkers nicht langweilen (oder fürchten), ist für sie ein spezieller „soviet spy mouse trail“ eingerichtet worden, auf dem sie in den Räumen versteckte Mäuse finden müssen.

Ein schrecklicher, beängstigender Film wurde Mitte der 1960er Jahre gedreht, der einen Angriff mit Nuklearwaffen auf England und die Folgen für die Bevölkerung zeigt: „The War Game„, hier und in Hack Green zu sehen.

Wer sich ein detailliertes Bild von dem Atombunker in Cheshire machten möchte, kann das mit diesem Film tun.

Selbstverständlich gehen in den unheimlichen Korridoren tief unter der Erde Cheshires auch Geister um, die man auf nächtlichen Touren jagen kann. Und wo sich Geister aufhalten sollen, ist das TV-Team von „Most Haunted“ nicht weit, das hier bereits zwei Folgen drehte (hier ein Ausschnitt aus der 10. Staffel).

Hack Green Nuclear Bunker
P.O. Box 127
Nantwich
Cheshire CW5 8BL
Tel. 01270 629219

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Published in: on 15. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Canterburys Mercery Lane – Eine der ältesten Straßen der Stadt

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Canterbury in Kent hat gewisse Ähnlichkeiten mit York. Die Stadt wird von der Kathedrale beherrscht und drum herum wimmelt es von kleinen altertümlichen Gassen. Was für York die Shambles sind, ist für Canterbury die Mercery Lane, eine kleine schmale Straße die von der High Street zur Sun Street und zur Kathedrale führt. Der Name der Straße leitet sich von dem französischen Wort „mercerie“ ab, was soviel wie „Kramware“ bedeutet; hier haben sich seit Jahrhunderten kleine Läden niedergelassen, die alle möglichen Waren und Dienstleistungen feilhielten wie z.B. Schuhmacher in der Nummer 4, Friseure in der Nummer 12 und Metzger in der Nummer 14.

Die Häuser wurden seinerzeit so gebaut, dass die oberen Stockwerke über die unteren herausragen, so dass man fast den Eindruck gewinnt, wenn man die Straße hinabblickt, als ob sie sich berühren. Der von Geoffrey Chaucer in seinen „Canterbury Tales“ erwähnte Chequers Inn stand an der Ecke Mercery Lane/High Street und wurde 1865 von einem Feuer zerstört.

In der altertümlichen Gasse finden sich auch heute eine Vielzahl von Geschäften, deren Angebote gar nicht so anders sind als in vorigen Jahrhunderten. Der Friseur von einst in der Nummer 12 ist jetzt im Haus Nummer 15/16 zu finden und nennt sich Vatican Hairdressing („Let your hair be your religion“) und Schuhe, die früher in der Nummer 4 angefertigt wurden, kann man jetzt bei der Firma Peppermint in der Nummer 8 kaufen. Leider sind auch in dieser Straße die unvermeidlichen Kettenläden wie die Fast-Food-Firma Subway ansässig. Die etwas verdriesslich schauenden hölzernen „Gargoyles“ an den Hauswänden scheinen das auch nicht gut zu finden.

Das Ende der Straße bildet das großartige Christ Church Gate, das Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet wurde.

Die Mercery Lane, einmal menschenleer.    © Copyright Oast House Archive and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Mercery Lane, einmal menschenleer.
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Das Christ Church Gate und dahinter doe Kathedrale.    © Copyright Oast House Archive and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Christ Church Gate und dahinter die Kathedrale.
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Published in: on 14. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Valiant Soldier in Buckfastleigh (Devon) – The pub where time was never called

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In der Fore Street in Buckfastleigh, einer Kleinstadt am Rande des Dartmoors in Devon, die vor allem durch die Buckfast Abbey bekannt ist, steht ein Pub, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Ihn gibt es nicht mehr, man bekommt hier kein Bier und doch hat er geöffnet, schließt aber schon um 16.30 Uhr. Was hat es mit The Valiant Soldier auf sich?

Mindestens seit 1813 hat das Gasthaus hier schon gestanden. Mark und Alice Roberts waren die Landlords in den 1960er Jahren als die Brauerei, der der Pub gehörte, entschied, dass es in Buckfastleigh eindeutig zu viele Pubs gab und den beiden die Lizenz entzog. 1965 war Schluss und Mark und Alice mussten die Pforten des Valiant Soldier schließen. Das Kuriose: Sie ließen alles so wie es nach dem letzten Öffnungstag im Pub ausgesehen hatte. Die Flaschen hinter dem Bartresen blieben stehen und auch die Einrichtung blieb so wie sie damals in den 1960er Jahren ausgesehen hatte. Die Roberts‘, die immer schon über dem Pub gewohnt hatten, kauften der Brauerei das Haus ab und wohnten weiterhin darin. 1969 starb Mark Roberts, doch Alice mochte sich nicht von ihrem Heim trennen und wohnte dort bis zu ihrem Tod Mitte der 1990er Jahre.

Der Valiant Soldier wurde zum Verkauf angeboten und glücklicherweise vom Teignbridge Council übernommen, andernfalls wäre er wohl wie viele seiner Artgenossen zweckentfremdet bzw. abgerissen worden. Man kam auf die Idee, das Gasthaus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und so kann man die Räumlichkeiten dieses Hauses, in dem die Zeit seit 1965 stehen geblieben zu sein scheint, besichtigen. Alles wirkt, als würden die Besitzer des Pubs jeden Moment durch die Tür kommen und die Bar für durstige Gäste öffnen.

Wie in England nicht anders zu erwarten, soll der Valiant Soldier auch von Geistern heimgesucht werden. Dieser Videoclip zeigt Geisterjäger bei der Arbeit.

Irgendwie finde ich das traurig, ein Pub ohne Leben, ohne Bier. Gegenüber vom Valiant Soldier steht The Kings Arms, das zurzeit zum Verkauf angeboten wird. Wer in Buckfastleigh ein lebendiges Gasthaus aufsuchen und ein Pint trinken möchte, geht am besten die Fore Street in Richtung Plymouth Road hinunter. Dort stehen sich The White Hart und The Globe Inn gegenüber.

 

The Valiant Soldier
79/80 Fore Street
Buckfastleigh, Devon TQ11 oBS
Tel. 01364 644 522

Ein Raum im ersten Stock des Valiant Soldiers. Hier ist die Zeit wirklich stehen geblieben.   © Copyright Adrian Platt and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Raum im ersten Stock des Valiant Soldiers. Hier ist die Zeit wirklich stehen geblieben.
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Mein Buchtipp – Bill Grimsey: Sold Out

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

Es sieht nicht gut aus für die englische High Street! Immer mehr kleine Läden geben auf, die Leerstände nehmen zu, unattraktive Billigläden ziehen ein. Durchschnittlich 50 Geschäfte geben pro Woche auf und es gibt Städte, in denen bis zu 24% aller Shops geschlossen sind. Wer ist Schuld? Die großen Supermarktketten?

Dieser Frage geht Bill Grimsey in seinem äußerst interessanten Buch“ Sold Out: Retail veteran lifts the lid on who killed the High Street. And it’s not who you think“ nach. Grimsey arbeitete 45 Jahre lang im Top-Managementbereich großer Einzelhandelsketten wie Tesco und Iceland, kennt sich in der Branche also sehr gut aus. Ja, es sind natürlich auch die großen Ketten, die den kleinen Läden den Garaus gemacht haben, aber: Die Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert und die Technik hat sich extrem weiterentwickelt.

Einige Beispiele:
– Immer mehr Frauen sind heute berufstätig, d.h. die Zeit, die einer Familie zum Einkaufen zur Verfügung steht, ist deutlich knapper geworden. Nach einem „9 to 5“-Arbeitstag + Heimfahrt haben die kleinen Händler in der High Street meist schon geschlossen, so ist es weniger stressig, gleich in die Shopping Mall zu fahren, die bis in den Abend geöffnet hat und es ist auch zeitsparender, als wenn man mehrere Läden abklappern muss.

– Das Problem des Parkens ist in englischen Städten immer schwieriger geworden. Oft muss man lange durch den Ort cruisen, um einen der meist kostenpflichtigen Parkplätze zu ergattern. Vor den großen Supermärkten auf der grünen Wiese gibt es Platz genug und das auch noch umsonst.

– Das Angebot ist bei Tesco, Asda etc. einfach größer als es die kleinen High Street-Laden je haben könnten.

Online-Shopping setzt sich immer mehr durch; zwar gilt das noch überwiegend für den Non-Food-Sektor, aber diese Form des bequemen Einkaufens von zuhause aus ist auf der Überholspur, nimmt rasant zu und ist nicht mehr aufzuhalten.

Bill Grimsey ist der Meinung, dass die meisten Menschen die High Street, wie wir sie kennen, nicht mehr brauchen und nicht mehr wollen und daher mit ihren Füßen abgestimmt haben, indem sie scharenweise zu den großen Supermarktketten übergelaufen sind. „The High Street, that we have grown to know and love, is as good as dead already„.

Jetzt kann man natürlich sagen, ja, der Mann war schließlich Manager großer Einzelhandelsketten, was soll der auch anderes sagen. Aber in Grimseys Buch steckt sehr viel Wahres, was man vielleicht auch gar nicht so gern hören mag. Er ist durchaus selbstkritisch, und er macht auch Vorschläge, was man aus den toten High Streets machen kann (Läden in Wohnungen umbauen, Cafés und Restaurants, Fußgängerzonen, Begegnungsstätten, Galerien, Bürgerberatungsbüros usw.).

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, denn auch ich finde es sehr schade, wenn immer mehr kleine familiengeführte Läden sterben. Toll, wenn es in Dörfern Initiaven gibt, die sich gegen die großen Ketten stellen und ihren Dorfladen mit allen Mitteln am Leben halten. Aber am Ende wird Bill Grimsey wohl Recht behalten, der gesellschaftliche Wandel geht eindeutig in eine andere Richtung und das Kaufverhalten der meisten Menschen wird sicher keine Kehrtwende mehr in Richtung High Street machen.

Bill Grimsey: Sold Out: Retail veteran lifts the lid on who killed the High Street. And it’s not who you think. Sold Out: Retail veteran lifts the lid on who killed the High Street. And it’s not who you think 2012. 225 Seiten. ISBN 978-1908691316.

Geschlossene Läden in der High Street von Andover (Hampshire).    © Copyright Chris Talbot and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Und noch ein Beispiel: Die High Street von Buxton in Deryshire.    © Copyright Peter Barr and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 12. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

The Triangular Lodge bei Rushton (Northamptonshire) – Mehr als nur ein Folly

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Auf den ersten Blick sieht die Triangular Lodge bei Rushton in der Grafschaft Northamptonshire wie ein Folly aus. Hier ist alles auf die Zahl „3“ bzw. das mehrfache davon zurückzuführen. Doch es steckt mehr dahinter wie wir gleich sehen werden.

Sir Thomas Tresham ließ die Lodge Ende des 16. Jahrhunderts erbauen. Sir Thomas, Vater von Francis Tresham, einem der Verschwörer des Gunpowder Plots, war ein glühender Anhänger des katholischen Glaubens, was in jener Zeit sehr problematisch war und so verbrachte er einen großen Teil seines Lebens in verschiedenen Gefängnissen. Im Ely Prison in Cambridgeshire kam er auf die Idee, die Lodge zu bauen und so zeichnete er hier schon einmal in groben Zügen die Symbole an die Wand, die er später beim Bau verwenden wollte.

Nordwestlich von Kettering auf dem Gelände der Rushton Hall begann Sir Thomas schließlich mit dem Bau der Triangular Lodge, einer Huldigung an die Heilige Dreifaltigkeit. Das Gebäude hat drei Seiten, von denen jede 33,33 Fuß lang ist, drei Stockwerke, drei Giebel auf jeder Seite, drei mal drei Wasserspeier und jeweils drei Dreipässe (das sind Ornamente, die aus drei nach außen weisenden Kreisbögen bestehen) pro Reihe und pro Außenwand. Bibelzitate zieren ein Fries an den Wänden, die jeweils aus 33 Buchstaben bestehen. Und über der Eingangstür zur Lodge stehen die Bibel-Worte „Tres Testimonium Dant“ („Denn drei sind, die da zeugen im Himmel“ 1. Johannes 5:7).

„Good Tres“ war dann auch der Name des in die Zahl Drei vernarrten Sir Thomas, mit dem ihn seine Frau ansprach.
Die Triangular Lodge war damals auch zeitweise bewohnt und zwar vom „head warrener“, das war der Mann, der für die Hege und Pflege der Kaninchen zuständig war.

Die Rushton Triangular Lodge gehört heute dem English Heritage und ist in diesem Jahr noch bis zum 3. November, jeweils mittwochs bis sonntags, zu besichtigen.  Das Gebäude liegt einsam an der Landstraße, die von Rushton nach Desborough führt. Viel Platz zum Parken ist dort nicht, lediglich ein kleiner Streifen gegenüber der Mauer lässt Platz für wenige PKWs zu.

Dieser Film gibt einen Eindruck von dem Dreiecksgebäude.

Triangular Lodge
Rushton, Kettering, Northamptonshire – NN14 1RP
Tel. 01536 710761

Die Giebel und die Dreipässe der Triangular Lodge.    © Copyright Chris Downer and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Giebel und die Dreipässe der Triangular Lodge.
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Published in: on 11. Oktober 2013 at 02:00  Comments (1)  
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Englische Country House Hotels und ihre Restaurants – Einige persönliche Anmerkungen

Im Restaurant des Ettington Park Hotels. Eigenes Foto.

Im Restaurant des Ettington Park Hotels.
Eigenes Foto.

Bei meinen Reisen durch England übernachte ich gern in Country House Hotels oder Schlosshotels. Da ich keine Lust mehr habe, abends noch einmal ins Auto zu steigen, um ein Restaurant aufzusuchen, esse ich immer im Hotel. Bei der Buchung ist es ratsam, gleich einen Tisch zu bestellen, vor allem für das Wochenende, denn von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag sind die Häuser meist gut besucht. Am ruhigsten ist es immer am Sonntagabend, da teilt man sich das Restaurant nur mit wenigen Gästen.

Anders als in Deutschland geht man zum Abendessen nicht sofort an seinen Tisch im Restaurant, sondern erst in die Bar oder die Lounge, wo man einen Aperitif bestellt und dort die Menukarte überreicht bekommt. Hier kann man in Ruhe sein Abendessen und den passenden Wein auswählen und die Bestellung aufgeben. Die Lounges sind fast immer besonders schöne Räumlichkeiten. Die schönste für mich ist die im Thornbury Castle, vor allem im Winter, wenn die Kamine angezündet sind, die Kerzen brennen und im Hintergrund leise klassische Musik erklingt. Wunderschön! Hier könnte ich stundenlang sitzen. Auch die riesige Hall im Cliveden Hotel, die auch als Lounge dient, ist sehr schön.
Nach einiger Zeit kommt dann jemand und sagt „Your table is ready“ und man wird ins Restaurant an seinen Tisch begleitet. Hier steht dann schon der Wein auf dem schön gedeckten Tisch bzw. im Kühler. Nachdem man Platz genommen hat, wird einem mit einem eleganten Schwung die Stoffserviette auf den Schoß gelegt.

Die Küche in den von mir besuchten Restaurants in Country House Hotels war nie besonders innovativ, sondern eher klassisch englisch, manchmal mit einem französischen Anflug. Einige der immer wieder auf der Karte auftauchenden Gerichte sind z.B. die Gressingham Duck (eine besondere Entenart aus East Anglia), Scallops (Jakosmuscheln) oder Pheasant (Fasan). In einigen Hotels gibt es nur ein festgelegtes Menu, man kann also nicht à la Carte bestellen, so z.B. im oben erwähnten Thornbury Castle, wo das abendliche Dreigang-Menu £50 kostet. Möchte man Wasser zum Essen haben, wird das nicht wie in den USA automatisch in einem Krug auf den Tisch gestellt, sondern es muss extra geordert werden. Mir fällt immer wieder auf in welch schönen Flaschen das Mineralwasser in England „verpackt“ wird. Neulich erhielt ich in einem Restaurant Blenheim Palace Natural Mineral Water; das schmeckte zwar auch nicht anders als andere Wasser, aber immerhin stammte es von einem der großen englischen Stately Homes.

Das Servicepersonal in den Hotels und Restaurants wird immer internationaler; häufig wurde ich von jungen Franzosen, Italienern und vor allem Osteuropäerinnen bedient. Im Restaurant des Cliveden Hotels war es eine Bulgarin, im Thornbury Castle waren es Sizilianer.

Nachdem man das Abendessen beendet hat, kommt die Frage „Coffee in the lounge?“, denn man nimmt in England seinen Kaffee gern in der Lounge ein; dort steht auch meist der Digestif-Wagen mit einer Auswahl an erlesenen Spirituosen. Auf der Digestif-Karte des Ashdown Park Hotels fand ich einmal einen Louis XIII-Cognac zum Preis für weit über £100 pro Glas.

Für mich ist das Abendessen in romantischen und gemütlichen Räumlichkeiten in historischen Gemäuern immer der krönende Abschluss eines mit vielen neuen Eindrücken gefüllten Tages in der English countryside.

Lounge und Digestif-Wagen im Thornbury Castle Hotel. Eigenes Foto.

Lounge und Digestif-Wagen im Thornbury Castle Hotel.
Eigenes Foto.

Und auch das war sehr schön: Al fresco Dining auf der Terrasse des Oakley Court Hotels bei Windsor. Eigenes Foto.

Und auch das war sehr schön: Al fresco Dining auf der Terrasse des Oakley Court Hotels bei Windsor. Im Hintergrund die Themse.
Eigenes Foto.

Published in: on 10. Oktober 2013 at 08:40  Comments (2)  

Songs About London – Heute: Die Londoner Fußballvereine

Das Stadion der Spurs an der White Hart Lane. release this work into the public domain.

Das Stadion der Spurs:  White Hart Lane.
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Die britische Hauptstadt ist Heimat mehrerer großer Fußballvereine, von denen einige zur europäischen Oberklasse gehören. Es versteht sich von selbst, dass jeder Club bzw. dessen Fangemeinde einen eigenen Song hat, der bei jedem Match zum Besten gegeben wird. Hier sind einige Beispiele:

Tottenham Hotspur gibt es schon seit 131 Jahren. Der Premier League-Club spielt im Norden Londons im Stadion White Hart Lane und wird zurzeit von dem Portugiesen André Villas-Boas trainiert. Der Verein geriet kürzlich in die Schlagzeilen, als er seinen Spielen Gareth Bale für die Rekordsumme von (wahrscheinlich) €100 Millionen an Real Madrid verkaufte. Das Vereinslied heißt“ Tottenham Tottenham, Come on u Spurs„.

Arsenal Football Club. Der Erzrival von Tottenham Hotspur, zu dem kürzlich Mesut Özil wechselte und bei dem die Deutschen Lukas Podolski und Per Mertesacker unter dem Trainer Arsène Wenger spielen. Die Fans haben mehrere Gesänge für ihren geliebten Club drauf, darunter „Good Old Arsenal„, nach der Meldodie von „Rule Britannia“.

– Der FC Chelsea ist wohl der renommierteste Londoner Fußballverein, der jetzt wieder von José Mourinho trainiert wird. Die „Blues“ spielen im Westen Londons in ihrem Stadion Stamford Bridge. Von ihren Fangesängen gehört „Blue is the Colour“ zu den  beliebtesten.

-Den West Ham United Football Club gibt es auch schon seit 1895. Die „Irons“ oder auch „Hammers“ genannt spielen im Upton Park-Stadion im Londoner East End, zurzeit unter der Regie von Trainer Sam Allardyce. Die Hymne des Vereins heißt „I’m Forever Blowing Bubbles„.

– Der Fulham Football Club. Das Heimatstadion des Vereins heißt Craven Cottage, darum werden die Spieler auch gern „Cottagers“ genannt. Momentan ist der Niederländer Martin Jol der Trainer des Clubs, der immer ein wenig im Schatten der großen Londoner Rivalen Chelsea und Arsenal steht. Hier ist einer der vielen Fulham-Songs.

Es gibt noch viele weitere Londoner Fußballvereine wie Crystal Palce , Queens Park Rangers, Millwall usw. usw.

Das Stadion des Chelsea FC: Stamford Bridge. Author: Nick Mehlert. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Das Stadion des Chelsea FC: Stamford Bridge.
Author: Nick Mehlert.
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Published in: on 10. Oktober 2013 at 02:00  Comments (2)  

St George’s Distillery – Englands einzige Whisky-Brennerei in Roudham (Norfolk)

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Whisky verbindet man in erster Linie mit Schottland, Irland und den USA. Aber in vielen anderen Teilen der Welt wird auch Whisky hergestellt, u.a. in Deutschland, z.B. in der Slyrs Destillerie in Schliersee in Bayern oder in der Hammerschmiede („Glen Els“) in Zorge im Harz. Bei meinem letzten Aufenthalt im Evesham Hotel in Evesham (Worcestershire), wo es die wohl größte Auswahl an Spirituosen im ganzen Königreich gibt, brachte ich John Jenkinson, dem Hotelbesitzer, eine Flasche Glen Els aus dem Harz mit, die er noch nicht in seinem riesigen Angebot hatte, und bekam dafür eine Flasche neuseeländischen Whisky geschenkt, den ich bis dahin auch noch nicht kannte.

Eigentlich merkwürdig, dass es südlich der schottisch-englischen Grenze nur eine einzige Whisky-Destillerie gibt und zwar in Roudham in der Grafschaft Norfolk und auch das erst seit 2006. Die Whiskyproduktion der English Whisky Company wurde in diesem Jahr von James Nelstrop und seinem Sohn Andrew in einem nagelneuen Gebäude am River Thet aufgenommen. Hilfestellung leistete ein renommierter Fachmann, der lange Jahre bei der Firma Laphroaig auf der Isle of Islay gearbeitet hatte, die für ihre „peaty“,  also torfigen, Whiskies bekannt ist. 29 Barrels englischer Whisky wurden im ersten Jahr produziert, darunter auch torfige.

Dass man auch in England hervorragende Whiskies herstellen kann, wird dadurch deutlich, dass die St George’s Distillery mit ihren verschiedenen Produkten schon erstaunlich viele nationale und internationale Preise eingeheimst hat. Gerade eben erst wurde die English Whisky Company bei den Norfolk Food and Drink Awards als Best Drink Proucer 2013 ausgezeichnet. Die Meinung der Jury: „We congratulate a company that broke the mould by being the first English Whisky producer in more than 100 years, produces a quality product using local ingredients, is committed to environmental responsibility, markets itself successfully and champions Norfolk in the process.“

Die preiswertesten Whiskies, (Chapter 6 und Chapter 9) kosten £34.99, die teuersten (Founders Private Cellar) £149.95. Manchmal gibt es auch Limited Editions, die zu einem besonderen Anlass auf den Markt kommen wie zuletzt zum 60jährigen Krönungsjubiläum der Königin („Queen’s Coronation Bottling„) und zur Geburt des königlichen Babies („Royal Baby Bottling„, bereits ausverkauft).

In der St George’s Distillery werden täglich zwischen 10 Uhr und 16 Uhr Führungen angeboten, die £10 pro Person kosten; für Gruppen gibt es Abendführungen und World Whisky Tours, bei denen Whiskies aus aller Welt zum Probieren ausgeschenkt werden.

Hier ist ein Blick hinter die Kulissen der Destillerie.

English Whisky Co. Ltd
Harling Road
Roudham
Norfolk
NR16 2QW
Tel. 01953 717939

Das Innere der St George's Distillery.    © Copyright James Yardley and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Innere der St George’s Distillery.
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Published in: on 9. Oktober 2013 at 02:00  Comments (1)  

Die Seeschlachten im Peasholm Park in Scarborough an der Küste Yorkshires

The Battle of Peasholm Park.    © Copyright hayley green and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Battle of Peasholm Park.
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Jetzt sind sie alle für die Wintermonate eingemottet, die HMS Ajax, die HMS Achilles, die HMS Exeter und all die anderen Schiffe, die vom Juli bis Anfang September mit ihren Seeschlachten für die Unterhaltung der Besucher des Peasholm Parks in Scarborough sorgten.

Mitten in Scarborough liegt der Peasholm Park mit seinem kleinen See, auf dem seit 1927 an ausgewählten Tagen im Sommer 30-minütige Seeschlachten, die Naval Warfare, ausgetragen werden. Einige der bis zu sieben Meter langen Miniaturschiffe werden auch heute noch von Menschenhand direkt von Bord aus gesteuert (sie sind aber nicht zu sehen); es sind Angestellte des Scarborough Borough Council, denen diese martialische Aufgabe übertragen worden ist. Im Laufe der Jahrzehnte wechselte man die Schiffe mehrfach aus und zu den obengenannten Booten kamen dann noch die HMS Jervis Bay, SS British Pride und die HMS Ark Royal dazu. Um das Ganze noch aufregender und „naturgetreuer“ zu machen, band man in das Kampfgeschehen auch noch ferngesteuerte Flugzeuge ein, die ihre Bomben auf die Schiffe abwerfen. Also: „lots of fun and a jolly good battle“ wie es auf der Webseite der „discoveryorkshirecoast.com“ heißt.

Wenn auf dem See im Peasholm Park keine Schlachten ausgetragen werden und der Pulverdampf verzogen ist, kann man dort auf friedlichere Tätigkeiten umsteigen und sich ein Boot mieten, z.B. eines der Tretboote mit Drachenkopf.
Der Park wurde am 19. Juni 1912 eingeweiht und erfreut sich seitdem sowohl bei den Bewohnern der Stadt als auch bei Touristen großer Beliebtheit.

Wie es beim Battle of Peasholm Park zugeht, zeigt dieser Film.

Die freidliche Seite des Peasholm Lake.    © Copyright Nigel Chadwick and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die friedliche Seite des Sees im Peasholm Park.
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The Great Globe auf der Isle of Purbeck (Dorset) – Einer der größten Steingloben der Welt

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Er ist ca 40 Tonnen schwer, hat einen Durchmesser von drei Metern und steht auf einer Plattform 40 Meter über dem Meer: Die Rede ist vom Great Globe, der im Durlston Country Park im Osten der Isle of Purbeck, südlich von Swanage, in Dorset zu finden ist. In den Globus aus Portland Stein, der in der Region abgebaut wird, sind die Umrisse der Kontinente und Ozeane eingeritzt; der Great Globe zählt zu den größten seiner Art weltweit.

1888 wurde der steinerne Globus hier an der Jurassic Coast von Dorset platziert, nachdem er von Steinmetzen in Greenwich hergestellt worden war. Der Bauunternehmer John Mowlem und sein Geschäftspartner George Burt, die beide aus Swanage stammten, wollten ihrer Heimatstadt etwas Gutes tun und ließen in ihren Werkstätten diese Steinkugel anfertigen, die dann von Greenwich aus per Schiff nach Dorset transportiert wurde. Ein paar Jahre später fügte man noch einige Steinplaketten dazu, die um den Globus herum aufgestellt wurden, und die Zitate aus der Literatur und der Bibel enthalten.

Der auf der Halbinsel abgebaute Purbeck-Marmor und der Portland-Stein von der Isle of Portland, die an der Südspitze von Dorset liegt, waren begehrte Baustoffe, die in vielen englische Kathedralen (Ely, Norwich, Lincoln) und anderen berühmten Gebäuden Verwendung fanden wie beim Ashmolean Museum in Oxford und dem Tower in London.

Oberhalb des Great Globe erbaute jener George Burt 1887 ein Folly, das Durlston Castle, das ebenfalls aus dem hier abgebauten Stein angefertigt wurde. Es diente seinerzeit als Restaurant und in ihm ist heute das Besucherzentrum für den Durlston Country Park untergebracht, zusammen mit einem Café, einem Laden und einer Galerie mit wechselnden Kunstaustellungen. Die im Besitz des Dorset County Council stehende Burg wurde zwei Jahre lang (2010/11) mit großem Aufwand restauriert und sieht heute wieder wie neu aus. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf das Meer und die Jurassic Coast.

Hier ist der Great Globe im Film zu sehen.

Details des Great Globe.    © Copyright Ian Taylor and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Details des Great Globe.
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Dulston Castle nach der Renovierung. Author: HuliganO. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Durlston Castle nach der Renovierung.
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Published in: on 7. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Curfew Bell der Kirche St Peter’s in Chertsey (Surrey)

St Peter's in Chertsey (Surrey).    © Copyright Michael FORD and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter’s in Chertsey (Surrey).
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Erst einmal zur Orientierung: Chertsey ist eine Stadt mit rund 15 000 Einwohnern, südwestlich von London, zwischen der M25 und der M3 gelegen.
Dort im Kirchturm der St Mary’s Church hängt eine besondere Glocke, über die ich heute berichten möchte, die sogenannte Curfew Bell. Im Winterhalbjahr, zwischen dem 29. September und dem 25. März, jeweils von Montag bis Freitag findet um 20 Uhr  ein „Curfew Ringing“ statt, ein uralter Brauch, der bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht und der heute nur noch von ganz wenigen Kirchen in England aufrechterhalten wird. Curfew heißt übersetzt soviel wie „Abendglocke“ oder „Zapfenstreich“ und die Curfew Bell  wurde abends zu einer bestimmten Zeit geläutet, um die Bürger darauf hinzuweisen, dass ab sofort alle offenen Feuer gelöscht werden sollten, um die Brandgefahr zu minimieren. 1235 wurden Teile der Abtei von Chersey  durch ein Feuer zerstört und das wollte man nicht noch einmal erleben. Aus diesem Warnhinweis mittels einer Glocke wurde im Laufe der Zeit eine Tradition, und ich glaube eher nicht, dass die Bürger von Chertsey heute um 20 Uhr ihre Kaminfeuer ausmachen und ins Bett gehen.
Die im Jahr 1380 gegossene Curfew Bell wird heute allerdings nicht immer zum abendlichen Läuten benutzt, denn sie ist immerhin schon eine alte Dame und darf nicht überstrapaziert werden, so nimmt man stattdessen meistens eine wesentlich jüngere Glocke, eine aus dem Jahr 1756.

Die Curfew Bell spielte noch einmal in der Geschichte von Chertsey eine Rolle (Legende? Wahrheit?), als eine gewisse Blanche Heriot ihrem Liebhaber Neville Audley das Leben rettete. Audley kämpfte in den Rosenkriegen auf Seiten der Lancastrians und schonte während einer Schlacht das Leben eines Adligen der Yorkists, der ihm daraufhin aus Dankbarkeit einen Ring schenkte. Auf der Flucht in Richtung Frankreich wird Neville Audley in Chertsey von Soldaten der Yorkists festgenommen und zum Tode verurteilt; ein Urteil, das am Tag darauf beim Erklingen der Curfew Bell vollstreckt werden soll. Blanche Heriot und ein gemeinsamer Freund versuchen das mit allen Mitteln zu verhindern, indem der Freund mit dem besagten Ring nach London zu König Edward IV reitet, um eine Begnadigung zu erwirken, die der König auch gewährt. Nun bleibt auf dem Rückweg der Reiter im Verkehrsstau hängen, sprich bei der Überquerung der Themse an der Laleham Ferry. Die Stunde des Läutens der Curfew Bell ist da, Blanche hängt sich an den Klöppel, um das Läuten zu verhindern und da trifft der Reiter mit der frohen Botschaft aus London in allerletzter Minute ein. Die in der Glocke hin und her geschleuderte Blanche kann wieder vom Kirchturm herabsteigen und ihren Geliebten in die Arme nehmen. Er wird auf freien Fuß gesetzt und Blanche Heriot geht als Heldin in die Geschichte der Stadt Chertsey ein.
In Erinnerung an die heldenhafte Tat hat man für Blanche in der Nähe der Brücke eine Bronzestatue errichtet.

Die Bronzestatue der Blanche Heriot.    © Copyright David Lally and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Bronzestatue der Blanche Heriot.
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Published in: on 6. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Robert Barnard (1936-2013), ein Krimiautor aus Leeds

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Vor einigen Tagen, am 19. September, starb der englische Krimiautor Robert Barnard, der in Deutschland nie besonders populär geworden ist. In den 1990er Jahren wurde eine Handvoll seiner Bücher übersetzt, die er unter dem Pseudonym Bernard Bastable geschrieben hat.

Geboren wurde Robert Barnard (hier ein Foto) am 23. November 1936 in Burnham-on-Crouch in Essex, ein Jahr das noch zwei weitere Krimiautoren hervorbrachte: Reginald Hill und Peter Lovesey. Nach dem Besuch des Balliol Colleges in Oxford ging Barnard nach Australien und von dort später nach Norwegen, wo er in Tromsö Englisch unterrichtete. Sein erster Roman „Death of an Old Goat“ wurde 1974 veröffentlicht, darauf folgten etwa im Jahresrhythmus je ein weiterer Kriminalroman, zuletzt 2012 „A Charitable Boy“ aus der Charlie Peace-Serie, in der ein Constable aus Yorkshire im Mittelpunkt steht. Unter dem Pseudonym Bernard Bastable schrieb er u.a. zwei Krimis mit Wolfgang Gottlieb Mozart als Protagonisten (Mozart kam als Kind nach England, doch statt nach Österreich zurückzukehren und dort früh zu sterben, blieb er auf der Insel und wurde in Mordfälle verwickelt).
Fünfmal stand Scotland Yard-Detektiv Perry Trethowan im Zentrum des Geschehens, so auch in „The Missing Brontë“ aus dem Jahr 1983. Superintendent Trethowan wird darin während eines Urlaubs in Yorkshire mit einem unveröffentlichten Brontë-Manuskript konfrontiert, was schwerwiegende Folgen haben soll…

In dem Roman „The Corpse at the Haworth Tandoori“ (1998) geht es noch einmal ins Brontë-Country, wo in Haworth auf dem Parkplatz vor einem indischen Restaurant eine Leiche gefunden wird: Ein Fall für Detective Constable Charlie Peace und Detective Superintendent Mike Oddie.
Wobei wir schon bei Robert Barnards zweiter Leidenschaft, neben dem Schreiben von Kriminalromanen sind, den Brontë-Schwestern. Zweimal war er Vorsitzender der Brontë Society und zusammen mit seiner Frau Louise stellte er 2007 die „Brontë Encyclopedia“ zusammen, ein knapp 400 Seiten umfassendes Werk mit rund 2000 Eintragungen. Für die Oxford University Press schrieb er darüber hinaus auch noch eine Biografie über Emily Brontë, die im Jahr 2000 erschien.

Robert Barnards Leben endete tragisch: In kurzer Zeit verfiel er in Demenz und verbrachte die letzte Zeit seines Lebens im Grove Court Nursing Home (hier ein Foto) in Leeds; dort starb er am 19. September im Alter von 76 Jahren.

Published in: on 5. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Sonntagsöffnungszeiten in GB

Auch sonntags geöffnet, eine Tesco-Filiale in Kingston-by-Sea (West Sussex).    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auch sonntags geöffnet, eine Tesco-Filiale in Kingston-by-Sea (West Sussex).
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Als wir neulich an einem Samstagabend im Ashdown Park Hotel in East Sussex ankamen, stellten wir beim Auspacken der Koffer fest, dass alle Schuhe meiner Frau zuhause geblieben waren. Was tun an einem Wochenende? Kein Problem in England. Wir fuhren am Sonntagvormittag nach Tunbridge Wells, wo fast alle Geschäfte geöffnet hatten, und kauften neue Schuhe ein.
Vorbei sind die Zeiten, an denen sonntags im Land gähnende Langeweile herrschte und alles geschlossen war.

“If England has not been invaded since 1066, it is because foreigners dread having to spend a Sunday there.” Dieser aus einem Roman der 1950er Jahre entnommene und immer wieder gern zititierte Satz bringt es auf den Punkt. Nach dem Kirchbesuch gab es den unvermeidlichen Sunday Roast und der Nachmittag wurde dann auch noch irgendwie „totgeschlagen“. Ganz anders sieht es heute in England aus. Viele Pubs haben von mittags bis abends durchgehend geöffnet, und der Sonntag hat sich für viele (berufstätige) Menschen zum Haupteinkaufstag entwickelt. In Tunbridge Wells waren die Läden an jenem Sonntag alle gut gefüllt.

Möglich geworden ist das alles durch den Sunday Trading Act, der am 26. August 1994 in Kraft trat und der allen Geschäften erlaubte, am Sonntag ihre Pforten zu öffnen. Läden mit einer Fläche von über 280 m2 dürfen in der Zeit von 10 Uhr bis 18 Uhr maximal sechs Stunden öffnen. Diese Einschränkungen gelten nicht für Läden mit einer kleineren Verkaufsfläche.

Bis zu diesem Zeitpunkt galt der Shops Act aus dem Jahr 1950, der die Öffnungszeiten der Geschäfte sehr rigoros regelte. Viele Läden schlossen in der Woche bereits um 17 Uhr, mittwochs war in den High Streets vieler Städte schon ab Mittag ein Einkaufen kaum noch möglich und der Sonntag war ein absolutes Tabu. Es gab 26 Initiativen diese strikte Regelung aufzuweichen, aber bis zum Jahr 1994 konnten die vereinten Kräfte der Kirchen und Gewerkschaften das verhindern. Selbst der „Eisernen Lady“, Margaret Thatcher, gelang es nicht, den Shops Act zu kippen.

Der Sunday Trading Act hat aber auch seine Schattenseiten, denn die großen Profiteure von der Sonntagsöffnung sind die großen Supermarktketten wie Tesco, Sainsbury’s oder Morrisons, kleinere Läden dagegen haben unter den Auswirkungen zu leiden. Sollten die noch bestehenden Restriktionen am Sonntag auch noch aufgegeben werden (wofür sich die großen Ketten einsetzen), so müssten  nach Schätzung der Association of Convenience Stores rund 30% der kleineren Einzelhändler das Handtuch werfen und 44% würden Personal entlassen.
Das sind die Schattenseiten der schönen neuen Sonntagseinkaufswelt.

Published in: on 4. Oktober 2013 at 02:00  Comments (3)  

Abinger Hammer (Surrey) und sein Wahrzeichen

The Abinger Hammer Clock. This work has been released into the public domain.

The Abinger Hammer Clock.
This work has been released into the public domain.

An der A25, die parallel zur Autobahn M25 verläuft, finden sich zahlreiche hübsche Orte. Ich denke da nur an Westerham, Oxted oder Godstone, aber auch an das weiter westlich, zwischen Dorking und Guildford gelegene Abinger Hammer. Immer wenn ich durch das Dorf fahre, sage ich mir, dieses Mal hältst du aber an und siehst dir das Wahrzeichen des Ortes einmal genauer an, aber wieder ist an der schmalen Ortsdurchfahrt kein Parkplatz zu finden und wieder kann ich nur einen kurzen Blick auf die Abinger Hammer Clock werfen.

Die Uhr ragt ziemlich weit in die Straße hinein und auch das Warnschild mit der Aufschrift „Building Overhang“ konnte nicht verhindern, dass immer mal wieder Lastwagen mit hohen Aufbauten daran entlanggeschrammt ist und sie beschädigt hat.
Jack the Blacksmith hat die gefährliche Aufgabe, stündlich die Glocke der Uhr zu schlagen, die hier seit 1909 den Dorfbewohnern und den durchfahrenden Reisenden die Zeit anzeigt. Der Schmied ist ca 1,20 Meter groß und wiegt einen Zentner; seine Figur soll an die Zeit erinnern, als hier in Abinger Hammer das Schmiedehandwerk eine bedeutende Rolle spielte. Die Uhr wurde seinerzeit zu Ehren von Lord Farrer von Abinger Hall aufgestellt, der sich um das Dorf verdient gemacht hat.

Wenn mal wieder ein Lastwagen das Wahrzeichen von Abinger Hammer beschädigt hat, wird die Glocke von der Firma Smith of Derby („Bespoke clock makers for over 150 years“) repariert; das kostet dann immer mehrere tausend Pfund, die durch Spenden aufgebracht werden, z.B. vom Surrey County Council und von Surrey Historic Buildings.
Es wäre auch jammerschade, wenn Jack the Blacksmith eines Tages nicht mehr dort oben über der A25 stehen und seine Glocke schlagen würde.

In Abinger Hammer lebte zwanzig Jahre lang ein bedeutender englischer Schriftsteller, nämlich Edward Morgan Forster, der durch seine Romane „Howards End“ (dt. „Wiedersehen in Howards End“) und „Room With a View“ (dt. „Zimmer mit Aussicht“), auch in Deutschland, bekannt geworden ist. Forster lebte von 1925 bis 1945 in der Hackhurst Lane, einer Straße, die von der Dorking Road (das ist die A25) nach Norden abzweigt.

Jack the Blacksmith.    © Copyright Colin Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Jack the Blacksmith, der hier seinen gefährlichen Job über der A25 ausübt.
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Auch das Village Sign von Abinger Hammer erinnert an das einst blühende Schmiedehandwerk im Ort.    © Copyright Colin Smith and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auch das Village Sign von Abinger Hammer erinnert an das einst blühende Schmiedehandwerk im Ort.
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Published in: on 3. Oktober 2013 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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