Ralph Douglas Binney (1888-1944) und seine mutige Tat am 8. Dezember 1944 in Londons Birchin Lane

Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)

Die Birchin Lane in der Londoner City ist eine schmale Straße, die die Lombard Street mit Cornhill verbindet, heute Fußgängerzone. Dort, wo der Bengal Court, eine noch viel engere Gasse, abzweigt, findet man an einer Wand eine Plakette, an der wahrscheinlich die meisten Passanten achtlos vorbeigehen. Sie erinnert einen tödlichen Zwischenfall, der sich hier am Abend des 8. Dezember 1944 ereignete. Damals war in der Hausnummer 22 ein Juweliergeschäft untergebracht (heute ist hier ein Sandwichladen, Il Mulino), das an diesem Tag überfallen wurde. Nachdem sich die Räuber ihre Taschen mit Schmuck vollgestopft hatten, versuchten sie mit einem Fluchtauto die Birchin Lane wieder zu verlassen. Doch da stellte sich ihnen ein Mann entgegen, der mit ausgebreiteten Armen den Weg blockierte. Es handelte sich dabei um einen Marineoffizier namens Ralph Douglas Binney, Träger des Ordens Order of the British Empire. Es war eine mutige Tat des Captains, die er mit seinem Leben bezahlen sollte, denn die Räuber hielten nicht an, sondern überfuhren ihn. Binney geriet unter das Fahrzeug, wo sich seine Kleidung verhakte, und er auf diese Weise mehrere Straßenzüge entlang mitgeschleift wurde. Erst in der Tooley Street, auf der anderen Seite der Themse, löste sich der schwer verletzte Mann von dem Auto, wo er bewusstlos liegen blieb. Man schaffte ihn sofort in das nahe gelegene Guy’s Hospital, in dem kurz darauf verstarb.

Nach einer intensiven Fahndung der Londoner Polizei konnten schließlich die beiden Täter Ronald Hedley und Thomas James Jenkins dingfest gemacht werden. Beide stritten ab, mit der Tat etwas zu tun gehabt zu haben, wurden im Old Bailey aber verurteilt. Hedley, der Fahrer, erhielt die Todesstrafe, die kurz vor der Ausführung in lebenslänglich umgewandelt wurde, während Jenkins für acht Jahre ins Gefängnis musste.

Die Plakette in der Birchin Lane wurde am 4. Dezember 1986 enthüllt, vom gerade verstorbenen Duke of Edinburgh. Zur Erinnerung an die mutige Tat des Marineoffiziers wurden die Binney Memorial Awards ins Leben gerufen, „to award a medal for the bravest action performed in each calendar year in support of law and order in the areas controlled by the Metropolitan Police and the City of London Police by any person who is not a police officer or on duty as a member of the force“. Später wurde die Beschränkung auf London aufgehoben, so dass die Binney Memorial Medal auch an Menschen in ganz Großbritannien vergeben werden kann.

Übrigens: Die Binney Street im Stadtteil Mayfair wurde nicht nach Captain Binney benannt, sondern nach dem Geistlichen Thomas Binney (1798–1874).

Photo © Basher Eyre (cc-by-sa/2.0)
Die Tooley Street im Stadtteil Bermondsey.
Photo © Chris Gunns (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 20. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Chatteris in Cambridgeshire – Ein Song und ein Weltrekord

„Downtown“ Chatteris.
 Author: rob enwiki
Creative Commons 3.0

Heute begeben wir uns wieder einmal in die Grafschaft Cambridgeshire und zwar in die kleine Stadt Chatteris, nördlich von Cambridge und südöstlich von Peterborough gelegen. Es handelt es sich hier um eine eher unauffällige Marktstadt mit etwas mehr als 10 000 Einwohnern, in der viele Pendler wohnen, die in den umliegenden größeren Städten arbeiten.

Ich bin durch zwei Dinge auf Chatteris gestoßen. Da ist zuerst einmal der Song „For what is Chatteris?“ der Band Half Man Half Biscuit, der der Stadt gewidmet ist. Die  Indie-Rock-Band aus Birkenhead (Merseyside) habe ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit den Stiperstones in Shropshire erwähnt.
Im Text des Songs werden die positiven Seiten der Stadt hervorgehoben: Die Pünktlichkeit der Busse, die sauberen Straßen, die niedrige Kriminalitätsrate, die Blaskapellen und der Spielplatz im Park, einige empfehlenswerte Metzger und eine erstklassige Konditorei; kurzum Chatteris ist „the envy of the Fens“. ABER: was spielt das alles für eine Rolle, wenn Du nicht da bist (so im Song zu hören), „A market town that lacks quintessence That’s Chatteris without your presence“. Schade, müssen sich die Bewohner der Stadt in Cambridgeshire gedacht haben, da wird von Half Man Half Biscuit so eine hohe Erwartungshaltung aufgebaut und dann durch den Refrain „What’s Chatteris if you’re not there?“ wieder zunichte gemacht. Und dann setzt am Ende des Textes die Band noch eins drauf: „I may as well be in Ely or St Ives…“.
In diesem Film kann man sich ein Bild von der Stadt machen.

Im Oktober 2001 geschah etwas Außergewöhnliches nördlich von Chatteris, dort, wo heute das North London Skydiving Centre zu finden ist. Der damals 46 Jahre alte Ian Ashpole aus Ross-on-Wye in Herefordshire stellte einen Weltrekord auf, mit dem er im Guinness Book of Records landete. Ashpole ließ sich von 600 mit Helium gefüllten Luftballons in eine Höhe von 11 000 Fuß bringen, was 3 352 Metern entspricht. Damit hatte er seinen eigenen Rekord um 1000 Fuß überboten, den er fünf Jahre zuvor aufgestellt hatte. Geplant waren eigentlich 15 000 Fuß, aber das war an dem Tag einfach nicht drin. Ian Ashpole schnitt sich dort oben von den Luftballons los und kam mittels eines Fallschirms zur Erde zurück. Inspiriert für diese Aktionen wurde er schon als Kind, als er den Film „The Red Balloon“ sah, eine französische Produktion aus dem Jahr 1956 (Originaltitel: Le Ballon Rouge, deutsch: Der rote Ballon).

Chatteris Airfield mit dem North London Skydiving Centre
Photo © Paul Vivash (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die Pagoden von Orford Ness in Suffolk und die „schöne“ Blaue Donau

Photo © Peter Norman (cc-by-sa/2.0)

Die Gegend von Orford Ness in der Grafschaft Suffolk erinnert mich immer wieder an Dungeness in Kent, wahrscheinlich wegen der endlos langen Kieselstrände. Die in Orford Ness gehören zu den längsten in Europa. Bevor diese Region zu einem Naturschutzgebiet wurde und jetzt dem National Trust gehört, war sie militärisches Sperrgebiet, in dem geheimnisvolle Dinge vor sich gingen. Heute erinnern noch merkwürdige pagodenartige Gebäude an die Zeit, zu der das britische Militär hier Forschungsarbeiten durchführte, die bereits im Jahr 1913 begannen. Während und nach dem Ersten Weltkrieg wurden hier waffentechnische Versuche vorgenommen, alles natürlich streng geheim.

Einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg baute man die oben erwähnten Pagoden, die zu Tests mit der ersten britischen Atombombe dienten, der man den Namen Blue Danube, also Blaue Donau, gegeben hatte. Wie kam man wohl auf diese abstruse Idee, einer der schlimmsten Waffen der Menschheit so einen schönen Namen zu geben? Glücklicherweise wurden hier in Orford Ness keine Atombomben wirklich gezündet, aber ganz ungefährlich waren die Tests nicht. Es hieß damals, Nuklearmaterial würde bei den Tests nicht zum Einsatz kommen; die Bombe wurde aber nach allen Regeln der Kunst daraufhin untersucht wie sie vor der Detonation auf alle mögliche äußeren Einwirkungen reagieren würde wie Erschütterungen, extreme Temperaturen usw. Bei diesen Experimenten hätte durchaus etwas schief gehen können, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen.

Hier ist ein Film, der zeigt wie es heute in den verlassenen und verfallenen Anlagen aussieht.

Die Bewohner des Ortes Orford werden sicher aufgeatmet haben, als 1971 diese Arbeiten eingestellt wurden und 1993 der sehr viel friedlichere National Trust alles übernahm.
In meinem Blog schrieb ich schon einmal über einen ganz besonderen Dorfladen in Orford.

Das Buch zum Thema:
Paddy Heazell: Most Secret – The Hidden History of Orford Ness. The History Press 2013. 336 Seiten. ISBN 978-0752491592
.

Photo © Andy Parrett (cc-by-sa/2.0)
Author: amandabhslater
Creative Commons 2.0
Published in: on 4. April 2021 at 02:00  Comments (7)  

Witney in Oxfordshire Teil 2: The Witney Wool & Blanket Trail

Die High Street mit der Blanket Hall in der Mitte des Bildes
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)

Über Hunderte von Jahren verband man in England den Namen der Stadt Witney in Oxfordshire mit Wolle verarbeitender Industrie, speziell mit der Herstellung von Wolldecken. Dieser Industriezweig sorgte in der Stadt lange Jahre für einen gewissen Wohlstand; aber in den 1970er Jahren war Schluss damit. Die Fabriken schlossen ihre Tore, in anderen Teilen der Welt wurden Decken billiger hergestellt.

In der High Street gibt es in der Nummer 103 noch ein Spezialgeschäft für Decken, die Firma R.N. Peace, die Wolldecken „Made in the UK“ anbietet.

Man hat aber in Witney diese Zeit nicht vergessen und für Interessierte den Wool & Blanket Trail geschaffen, der quer durch die Stadt führt, an allen Gebäuden vorbei, die mit der Wollindustrie in Verbindung standen. Da steht im Mittelpunkt die Witney Blanket Hall in der High Street, die 1721 von der Company of Blanket Makers erbaut wurde, und wo so etwas wie eine Endkontrolle der in der Stadt hergestellten Wolldecken stattfand. Heute stehen die Türen des Gebäudes für Besucher offen; man kann sich über die Vergangenheit der Wollindustrie informieren und im Pie Shop essen und trinken.
Der Trail führt in erster Linie die High Street entlang und hat eine Gesamtlänge von etwas mehr als vier Kilometern, den man natürlich auch abkürzen kann, je nach dem wie groß das Interesse an dem Thema ist.
Der Weg führt beispielsweise an der St Mary’s Church vorbei, in der viele der Wolldeckenproduzenten des 18. und 19. Jahrhunderts beigesetzt worden sind. Ehemalige Fabrikgebäude sind entlang des Trails zu sehen wie die West End Woollen Factory, die Captain’s Mill, die Witney Mill und die Bridge Street Mill.

Wer sich den Trail lieber von einem fachkundigen Führer der Witney Blanket Experience erklären lassen möchte, der kann sich einer Tour anschließen, die etwa drei bis vier Stunden dauert und den Lunch in der Blanket Hall beinhaltet. Die Standardtour kostet £40, die Luxusvariante £120, da ist eine Wolldecke inbegriffen.

St Mary
Photo © Len Williams (cc-by-sa/2.0)

Die Witney Mill.
Photo © Nigel Mykura (cc-by-sa/2.0)
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)
Published in: on 1. April 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The White Horse Inn in Stourpaine (Dorset) – Pub, Postamt und Dorfladen in einem

Photo © Mike Faherty (cc-by-sa/2.0)

Prince Charles hatte seine helle Freude am White Horse Inn in Stourpaine in der Grafschaft Dorset, setzte man dort doch haargenau das um, was der Prinz mit seiner Aktion „The Pub is the Hub“ (ich berichtete darüber in meinem Blog) erreichen wollte: Die Integration von im Dorf verlorengegangenen Institutionen wie Postamt und Village Store in das örtliche Gasthaus.
Stourpaine hatte beides verloren; im Jahr 2010 waren sowohl das Postamt als auch der Dorfladen geschlossen worden. Gut, der nächste größere Ort, Blandford Forum, war nicht allzu weit entfernt, doch ist es doch bequemer, gerade für die älteren Bewohner, alles gleich in Stourpaine erledigen zu können. So nahm The White Horse Inn Postamt und Laden unter seine Fittiche, was von den Menschen vor Ort sehr positiv aufgenommen wurde.
Der Village Store hat jetzt sieben Tage in der Woche geöffnet, selbst am Sonntag kann man hier von 7.30 Uhr bis 12 Uhr einkaufen. Das Postamt hat zweimal pro Woche, jeweils dienstags und donnerstags am Vormittag geöffnet.

Weiterhin gibt es im Pub den Prescription Collection Service, ein Rezeptabholservice aus Arztpraxen in Blandford Forum und Child Okeford. Der Pub dient auch als Community Centre, das zum Beispiel eine Buchtauschbörse unterhält und einen Senior Citizen Lunch Club ins Leben gerufen hat. Ach ja, ein Defibrillator wurde vor einigen Jahren ebenfalls installiert.

The White Horse Inn bietet ein umfangreiches Unterhaltungsangebot mit Auftritten von Bands. Jedes Jahr kommt die Londoner Shooting Stars Theatre Company vorbei und führt ein Theaterstück auf; in diesem Jahr soll es Noel Cowards „Private Lives“ sein, am 4. und 5. August.

Der Prince of Wales und seine Gattin besuchten The White Horse Inn am 27. Mai 2011 und zeigten damit ihre Wertschätzung für die Aktivitäten in Stourpaine.

The White Horse Inn
Stourpaine
Blandford Forum
Dorset DT11 8TA

Published in: on 30. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Die älteste Apotheke Englands steht in Burford in Oxfordshire

Author: ekenitr
Creative Commons 2.0

Bis zum Jahr 1998 hieß die älteste Apotheke Englands Ye Oldest Chymist Shoppe, und sie stand in Knaresborough in North Yorkshire. Dann wurde sie geschlossen und in das alte Haus zog ein Souvenirgeschäft ein. Seitdem steht die älteste Apotheke jetzt in Burford (Oxfordshire) in den Cotswolds und sie heißt Reavley, an der Ecke High Street/Sheep Street.

1734 schon wurde diese Apotheke von Nicholas Willet gegründet und noch heute versorgt sie Burford und Umgebung mit Medikamenten. Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm sie im Jahr 1918 der Apotheker Robert Reavley, nachdem sie bis heute benannt ist. Mehrere Generationen Reavleys folgten als Eigentümer der Apotheke in dem alten Eckhaus; der letzte war Cedric Reavley, der gegen die Konkurrenz der englischen High Street Chemists ankämpfte und dabei von seiner treuen Kundschaft unterstützt wurde.
Als sich Cedric Reavley im Februar 2019 in de Ruhestand begab, übernahm die Tuffour-Familie die älteste Apotheke im Land. Ben und Ivy Tuffour stehen jetzt hinter dem Tresen und beraten die Bewohner von Burford.

Dort wo das Haus an der Ecke High Street/Sheep Street steht, war früher einmal ein Pub, The Crown Inn, der im Bürgerkrieg für General Eyres als Hauptquartier diente.

Burford ist eine kleine, lebhafte Stadt, die ich mehrfach besucht habe, wenn ich denn einen Parkplatz gefunden habe. Sie gilt als „posh“, denn in der Umgebung leben viele wohlhabende Menschen.

Ye Oldest Chymist Shoppe in Knaresborough (North Yorkshire)
Photo © Steve McShane (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Stan Kelly-Bootle (1929-2014) – Der Mann aus Liverpool mit den vielen Gesichtern

Liverpool, die Stadt am River Mersey.
Photo © David Dixon (cc-by-sa/2.0)

Gäbe es eine Liverpool Hall of Fame (ich meine nicht die des Liverpool Football Clubs), in der alle Liverpudlians versammelt wären, die in irgendeiner Form für die Stadt von Bedeutung waren, so dürfte Stan Kelly-Bootle (1929-2014) nicht fehlen. Er wurde in Liverpool geboren, besuchte die Liverpool Institute High School for Boys und studierte Computerwissenschaften in Cambridge. Er erwarb sich einen Ruf in der Branche und arbeitete sowohl in den USA als auch in England, unter anderem für IBM.

Die Karriere in der Computerbranche war aber nur eine Seite des Mannes mit den vielen Gesichtern. Eine andere Seite bestand aus seiner Vorliebe für Musik, Stan Kelly-Bootle betätigte sich auch als Singer-Songwriter. Sein sicher bekanntester Song aus seiner Feder war/ist „Liverpool Lullaby„, der 1964 erstmals aufgeführt wurde von dem heute in Vergessenheit geratenen Duo Jacqueline and Bridie (auf der EP „Hold Back the Dawn“) aus Liverpool. Ein Jahr später folgte eine Version der Three City Four, 1966 nahm Judy Collins den Song auf, aber richtig bekannt wurde er 1969 durch die Aufnahme von Cilla Black (1943-2015), die auch in Liverpool geboren wurde, produziert von George Martin, der den Beatles zum Erfolg verhalf. Hier ist ihre Version des Songs zu hören. In dem Song, den Stan Kelly-Bootle auf der Grundlage einer traditionellen Melodie komponierte, geht es um das traurige Leben einer Hausfrau in Liverpool, die einen Trinker zum Mann hat und die sich in dem Lied an ihren Sohn wendet

It’s quite a struggle every day
Livin‘ on yer father’s pay
The beggar drinks it all away
And leaves me without any

Ein weiterer Song aus der Feder Stan Kelly-Bootles, in dessen Mittelpunkt die Stadt am Mersey steht, heißt „I Wish I Were Back in Liverpool„, den die Dubliners 1968 aufnahmen.

Stan war selbstverständlich, wie es sich für einen echten Liverpudlian gehört, Fan des Fußballvereins Liverpool F.C. Er agierte eine Zeit lang sogar als Agent für einige Spieler des Vereins, darunter Kevin Keegan, den man in Deutschland noch von seiner Zeit beim HSV kennt.

Der vielseitige Computerspezialist/Singer-Songwriter/Fußballagent arbeitete auch an einigen Büchern mit, in denen es um Scouse, also die spezielle Sprache der Liverpudlians, geht wie „Learn Yourself Scouse“.

In diesem Film ist der sympathische Stan Kelly-Bootle zu sehen mit seiner eigenen Version von „Liverpool Lullaby“.

Stan starb am 16. April 2014, nicht in Liverpool, sondern in Oswestry in Shropshire, wo er bei seiner Tochter Michelle Coxon in der Albert Road wohnte. Kurz bevor er starb, trug er noch den Schal des Liverpool Football Clubs.

 
 
 
Published in: on 2. März 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

The Word – National Centre for the Written Word in South Shields (Tyne and Wear)

Nur wenige Schritte vom Tyne River entfernt, am Market Place, steht in South Shields (Tyne and Wear) ein Gebäude, das sofort ins Auge fällt, es ist The Word – The National Centre for the Written Word. Ein vielleicht etwa hochgestochener Name für ein Kulturzentrum mit Bibliothek, aber es ist schon etwas Besonderes, was hier in der Stadt im Nordosten Englands entstanden ist. Angesichts der immer problematischer werdenden Situation der Öffentlichen Bibliotheken in England wollte der South Tyneside Council ein Zeichen setzen, dass Bibliotheken im 21. Jahrhundert durchaus eine Rolle spielen und ließ im Jahr 2016 dieses Gebäude errichten. „My dream library“ nennt die Krimiautorin Ann Cleeves die Bibliothek in South Shields. Das Innenleben von The Word wurde so flexibel gestaltet, dass das Haus jederzeit in der Zukunft auf neue Entwicklungen reagieren kann. Es ist ein Begegnungszentrum für Jung und Alt entstanden, mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Schriftstellerlesungen usw. Die Bibliothek beinhaltet 70 000 Bücher, für Kinder gibt es die Storyworld, „a magical world of fun, fantasy and adventure“, das FabLab bietet angehenden jungen Designern alle Möglichkeiten, mit 3D-Druckern und anderen neuen technischen Geräten ihre Ideen umzusetzen, und im Café kann man an sieben Tagen in der Woche frühstücken oder ein Mittagessen zu sich nehmen.

Wie gut The Word gleich zu Beginn bei den Bürgern von South Shields und Umgebung angenommen wurde, zeigt, dass bereits in der ersten Woche 24 494 Besucher gezählt wurden, in den ersten fünf Monaten waren es über 220 000. Die Gesamtfläche des Gebäudes beträgt übrigens 4 115 qm.

Der Entwurf von The Word wurde von dem Architektenbüro FaulknerBrowns aus Newcastle-upon-Tyne konzipiert, das eine Fülle von Auszeichnungen dafür erhielt wie den renommierten RIBA National Award, den Award for Excellence in Architectural Technology und Social Infrastructure Project of the Year, um nur einige zu nennen.

Dieser kurze Film verschafft einen kleinen Einblick in The Word.

The UK Pet Detectives – Auf der Suche nach verschwundenen und gestohlenen Hunden und Katzen

Corona bewirkt schon merkwürdige Dinge. So ist die Nachfrage nach Hunden, speziell Welpen, in den letzten Monaten so groß geworden, dass der „Markt“ so gut wie leergefegt ist. Offensichtlich fühlen sich viele Menschen mit den Ausgangsbeschränkungen beziehungsweise reduzierten Treffen mit anderen Menschen einsam und wollen das mit dem Kauf von Vierbeinern ausgleichen. Die Preise für Hunde sind daraufhin explosionsartig gestiegen, und wo mit irgendetwas Geld zu machen ist, sind kriminelle Elemente nicht weit. Bei Hundezüchtern ist schon mehrfach eingebrochen und Welpen gestohlen worden, selbst Hundebesitzer wurden schon beim Gassigang überfallen und ihrer Hunde beraubt. Für die Polizei stehen verschwundene oder gestohlene „pets“ nicht weit oben auf ihrer Prioritätenliste; was soll man also tun, um seine geliebten Hausgenossen wiederzufinden?

Da können die UK Pet Detectives helfen, die einzige private Detektei in Großbritannien, die sich auf die Suche nach vermissten und gestohlenen Haustieren spezialisiert hat. An ihrer Spitze steht ein ehemaliger Polizeibeamter, der bei der Surrey Police gearbeitet hatte. Detective Inspector Colin Butcher hatte sich bei der Polizeibehörde in Surrey einen Ruf als fähiger und erfolgreicher Ermittler erworben, so dass er seine Berufserfahrung sehr gut in die UK Pet Detectives einbringen konnte. Auf den Webseiten der Agentur kann man einige der aufgeklärten Fälle nachlesen. Jeder, der möchte, kann sich der Community anschließen und entweder selbst bei der Suche nach Hunden und Katzen mithelfen oder sich als Sponsor zur Verfügung stellen.

Colin Butcher und sein Team haben einmal eine Liste der Hunde aufgestellt, die am häufigsten gestohlen werden und da ist der Cocker Spaniel auf Platz 1, gefolgt vom Springer Spaniel, dem Labrador, dem Staffordshire Terrier, dem Chihuhua und der Französischen Bulldogge.

Zum Team der Pet Detectives gehört auch ein ganz außergewöhnlicher Hund: Molly the Tracker Dog, der einzige Hund auf der Welt, der darauf trainiert wurde, Katzen wiederzufinden und seine Erfolgsquote ist hoch. Ausgebildet wurde Molly von den Medical Detection Dogs in Great Horwood bei Milton Keynes in Buckinghamshire (siehe dazu meinen Blogeintrag). In diesem Film ist Molly bei der Arbeit zu sehen.

Das Buch zum Artikel:
Colin Butcher: Molly and Me – An extraordinary tale of second chances and how a dog and her owner became the ultimate pet-detective duo. Michael Joseph 2019. 384 Seiten. ISBN 978-0241371763.

Published in: on 18. Februar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Bath in Somerset Teil 2: Ballonfahrten über der Stadt

Bath und der River Avon von einem Ballon aus gesehen.
Photo © Roger Beale (cc-by-sa/2.0)

Eine Heißluftballonfahrt ist schon etwas Besonderes, wenn sie auch noch über eine Stadt mit vielen sehenswerten, historischen Gebäuden führt, umso mehr. In Bath bieten zwei Firmen dieses Erlebnis an, Bath Balloons und Bailey Balloons. Bis zu 15 Personen passen in die Gondeln, was natürlich in Coronazeiten nicht möglich ist. Aber bei schönem Wetter aus luftiger Höhe die schöne Stadt Bath zu betrachten, mit einem Glas Champagner in der Hand, das hat schon was.

Schon seit 1988 bietet Bath Balloons dieses Vergnügen an. Startpunkt ist der Royal Victoria Park, gleich am berühmten Royal Crescent. Bath Balloons ist Mitglied der British Association of Balloon Operators, und die Firma hat das Gütesiegel der Civil Aviation Authority, das heißt, man legt hier besonders großen Wert auf Sicherheit. Neben Bath als Ausgangspunkt der Fahrten, starten die Ballons auch noch von anderen Orten wie Bristol, Westonbirt, dort wo das Arboretum beheimatet ist, und vom Gloucestershire Airport in der Nähe der Stadt Gloucester.

Auch die Bailey Balloons starten vom Royal Victoria Park. Clive Bailey ist der Flight Director der Bristol International Balloon Fiesta, über die ich in meinem Blog vor einiger Zeit geschrieben habe. Zusammen mit seiner Frau Jo bietet er Ballonfahrten über Bath, Bristol, Somerset und den Süden von Wales an, die etwa drei bis vier Stunden dauern. Auch hier kann man an Champagner-Ballonfahrten teilnehmen, oder, als besonderes Erlebnis, eine Fahrt zu zweit buchen (£850 inklusive einer Flasche Champagner). Bei diesem romantischen Ballonaufstieg ist allerdings (leider) der Pilot mit an Bord. Der Standardausflug wochentags mit mehreren Personen kostet £250 p.P., auch inklusive Champagner. Das wäre doch ein wunderbares Geburtstagsgeschenk oder passend zum Hochzeitstag!

Dieser Film zeigt die Bath Balloons und dieser die Bailey Balloons.

Über den historischen Gebäuden von Bath.
Photo © Jonathan Billinger (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. Januar 2021 at 02:00  Kommentar verfassen  

Von der Schwierigkeit, manche englische Ortsnamen richtig auszusprechen (unter besonderer Berücksichtigung der Londoner U-Bahnstationen)

Die Besucher Englands werden hin und wieder mit Orts- und Personennamen konfrontiert, die anders ausgesprochen werden als man meint bzw. die unaussprechbar zu sein scheinen. In die letzte Kategorie gehört beispielsweise der Adelstitel Duke of Buccleuch (richtige Aussprache [bəˈkluː]. Einige Beispiele für komplizierte Ortsnamen:

Woolfardisworthy in Devon – korrekt: [wʊlzəri]

Godmanchester in Cambridgeshire – korrekt/traditionell: [ɡʌmstər]

Bicester in Oxfordshire – korrekt: [bɪstər]

Worcester in Worcestershire – korrekt: [wʊstər]

In der Londoner U-Bahn gibt es auch einige Stationsnamen, die von vielen (auch Engländern selbst) falsch ausgesprochen werden. Eine hilfreiche Anweisung über die richtige Aussprache fand ich in diesem Video:

Published in: on 9. Januar 2021 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

The Red Lion Hotel in Wendover (Buckinghamshire) und Dolly Saville (†) „the oldest barmaid in the world“

Die A413 führt direkt an der hübschen, kleinen Stadt Wendover in der Grafschaft Buckinghamshire vorbei. An der High Street steht unübersehbar ein besonders schönes Fachwerkgebäude, das das Red Lion Hotel beherbergt, ein historisches Haus aus dem 16. Jahrhundert, das viele Jahre lang als Kutschenstation diente. Oliver Cromwell soll hier einmal übernachtet und eine Ansprache an seine Truppen von einem der Fenster aus gehalten haben.

Das Red Lion Hotel geriet am 19. April 2014 in die nationalen Schlagzeilen, als Dolly Saville ihren 100. Geburtstag feierte und damit „the oldest barmaid in the world“ war. Dolly, die leider im Jahr darauf im Februar verstarb, war 76 Jahre lang im Hotel beschäftigt und muss in dieser Zeit wohl zehntausende von Pints gezapft haben. Am 19. April 1914 wurde sie geboren, und sie wirkte mit hundert Jahren immer noch geistig und körperlich agil wie der obige Film zeigt. Sie bewirtete schon einmal die Fußballlegende Sir Stanley Matthews, die Tänzerin Dame Margot Fonteyne, den ehemaligen Premierminister Sir Edward Heath und den Rennfahrer Sir Jackie Stewart, der drei Kilometer entfernt in Ellesborough wohnt, und der zu Dollys Geburtstagsfeier erschien und eine kurze Rede hielt. Es schien an dem Ehrentag Dollys die ganze Stadt Wendover auf den Beinen zu sein, eine Abordnung der benachbarten Royal Air Force-Station Halton kam vorbei und zollte ihr Tribut. Sie erhielt ein Schreiben vom Premierminister David Cameron, und die Queen gratulierte ihr ebenfalls zum 100.

Der Film oben zeigt ein Stück sympathisches „small town England“-Leben, und ich kann nur empfehlen, ihn sich in ganzer Länge anzusehen.

Hier ist noch ein Interview mit Dolly Saville zu sehen.

Ich bin vor einigen Jahre durch Wendover gefahren, bin auch am Red Lion Hotel vorbeigekommen, habe dort aber leider nicht Station gemacht, was ich jetzt im nachhinein bedauere.

Published in: on 26. November 2020 at 02:00  Comments (2)  

Who Killed Cock Robin? – Kinderreim, TV-Krimi, Walt-Disney-Film

Der englische Kinderreim „Who Killed Cock Robin?“ soll erstmals im 18. Jahrhundert aufgetaucht sein; möglicherweise ist er aber noch viel älter. Es geht dabei um ein Rotkehlchen, das von einem Pfeil getötet wird und auf die Frage „Wer hat Cock Robin getötet?“, antwortet der Spatz „Ich habe ihn getötet mit meinem Pfeil und Bogen“. Auf jede weitere Frage, antwortet jeweils ein anderes Tier.

Was für ein Sinn dahinter steckt, ist Gegenstand von Spekulationen. Möglicherweise ist es eine Anspielung auf den Tod von König William II, der im Jahr 1100 von einem Pfeil getötet wurde oder aber mit besagtem Cock Robin ist Robin Hood gemeint. Wie auch immer, es ist ein hübscher Reim.

Walt Disney hat das Thema 1935 in einem Zeichentrickfilm verarbeitet, der für den Oscar nominiert  und 1936 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet wurde. Hier ist der Film in voller Länge zu sehen.

Who Killed Cock Robin?“ (dt. „Leichen leben länger“)  ist auch der Titel der Episode 17 in der 4. Staffel der TV-Krimiserie „Midsomer Murders„, in der Inspector Barnaby den Mörder Robin Wooliscrofts finden muss, der nach einer Party tot in einem Brunnen aufgefunden wird.

Vertont wurde das Lied auch mehrfach. Ich habe hier einmal die Version von Bird Radio als Beispiel genommen. Bird Radio ist eine Ein-Mann-Band, die in der Person von Mikey Kirkpatrick  aus Herefordshire besteht.

Hier ist der vollständige Text des Gedichts:

„Who killed Cock Robin?“ „I,“ said the Sparrow,
„With my bow and arrow, I killed Cock Robin.“
„Who saw him die?“ „I,“ said the Fly,
„With my little eye, I saw him die.“
„Who caught his blood?“ „I,“ said the Fish,
„With my little dish, I caught his blood.“
„Who’ll make the shroud?“ „I,“ said the Beetle,
„With my thread and needle, I’ll make the shroud.“
„Who’ll dig his grave?“ „I,“ said the Owl,
„With my pick and shovel, I’ll dig his grave.“
„Who’ll be the parson?“ „I,“ said the Rook,
„With my little book, I’ll be the parson.“
„Who’ll be the clerk?“ „I,“ said the Lark,
„If it’s not in the dark, I’ll be the clerk.“ „Who’ll carry the link?“ „I,“ said the Linnet,
„I’ll fetch it in a minute, I’ll carry the link.“
„Who’ll be chief mourner?“ „I,“ said the Dove,
„I mourn for my love, I’ll be chief mourner.“
„Who’ll carry the coffin?“ „I,“ said the Kite,
„If it’s not through the night, I’ll carry the coffin.“
„Who’ll bear the pall? „We,“ said the Wren,
„Both the cock and the hen, we’ll bear the pall.“
„Who’ll sing a psalm?“ „I,“ said the Thrush,
„As she sat on a bush, I’ll sing a psalm.“
„Who’ll toll the bell?“ „I,“ said the bull,
„Because I can pull, I’ll toll the bell.“
All the birds of the air fell a-sighing and a-sobbing,
When they heard the bell toll for poor Cock Robin.

 

Published in: on 26. September 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  

Temple Works in Leeds (West Yorkshire) – Von der Leinenweberei zur Zweigstelle der British Library

In meinen 3550 Blogeinträgen habe ich bisher noch nie über die Stadt Leeds in West Yorkshire geschrieben (Sorry Leeds!!), was ich mit meinem heutigen Blogpost ändern möchte.

Leeds war im 19. Jahrhundert ein Zentrum der Textilindustrie, und so wurde im Jahr 1836 ein Fabrikgebäude von dem Unternehmer John Marshall in Auftrag gegeben, der hier Leinengewebe produzieren ließ. Die Fassade sollte etwas Besonderes werden, und John Marshall entschied sich für den Neuägyptischen Stil mit vielen Säulen, wobei er sich an den ägyptischen Tempelanlagen von Antaeopolis und Horus orientierte. Eine Besonderheit war das Dach des Gebäudes, auf dem eine Grasfläche installiert wurde, wo Schafe grasten und Rasenmäher spielten.

Temple Works beherbergte damals den größten überdachten Raum der Welt, so groß wie zwei Fußballfelder. Jahrelang schufteten Frauen und Männer in der Fabrik, manchmal bis zu 16 Stunden am Tag. Ab 1870 ließ die Nachfrage nach Leinen aus Leeds nach, die Firma hielt sich noch einige Jahre, musste dann aber 1886 verkauft werden. Nach mehreren Besitzerwechseln zog in den 1950er Jahren die Firma Kays in das Gebäude, die es als Lagerhalle für seinen national operierenden Versandhandel nutzte. 2004 schloss das Unternehmen in Leeds seine Pforten, und Temple Works verfiel nach und nach. Eine der Säulen brach ab, Mauerteile fielen herab, es musste also etwas getan werden. „Abreißen!“ riefen einige, „Nein, unbedingt erhalten und restaurieren!“ meinten andere. Eine Zeit lang überlegte die Firma Burberry, ob sie nicht einen Teil ihrer Produktion hier nach Leeds verlegen sollte, aber auch daraus wurde nichts. Schließlich übernahm die Investmentfirma CEG Temple Works für den symbolischen Preis von einem Pfund. Die Firma baut in diesem Teil von Leeds, unter Einbeziehung auch älterer Gebäude, einen neuen Distrikt namens Temple.

Die aktuellen Planungen sehen vor, dass das alte Fabrikgebäude als Zweigstelle der British Library genutzt werden soll, eine Depotbibliothek, die die British Library in Boston Spa, nordöstlich von Leeds, entlastet, denn die platzt aus allen Nähten bei einem derzeitigen Bestand von mehr als 100 Millionen Büchern, Medien und Dokumenten. Jahr für Jahr kommen auf Grund des Pflichtexemplargesetzes rund drei Millionen Medien dazu. Das wäre doch eine optimale Nutzung für dieses historischen Gebäude!

Hier ist ein Film über Temple Works.

Hier wird sich bald einiges ändern.
Photo © Alan Murray-Rust (cc-by-sa/2.0)

Das ehemalige Rolling Stones-Mitglied Brian Jones und seine Heimatstadt Cheltenham in Gloucestershire

Die Eldorado Road, in der Brian Jones seine ersten Lebensjahre verbrachte.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Ich bin nur ein einziges Mal in Cheltenham in der Grafschaft Gloucestershire gewesen und habe die Stadt als sehr angenehm in Erinnerung, ein freundlicher Kurort mit einer gewissen Ausstrahlung.

Hier erblickte am 28. Februar 1942 Brian Jones das Licht der Welt, der einige Jahre lang einen Ruhm als Gründungsmitglied der Rolling Stones haben sollte. Am 3. Juli 1969 kam er auf tragische Weise auf der Cotchford Farm bei Hartfield in East Sussex ums Leben, kurz nachdem sich die anderen Rolling Stones-Mitglieder von ihm wegen Unzuverlässigkeit getrennt hatten. Brian Jones ertrank im Swimming Pool der Cotchford Farm, die er 1968 gekauft hatte.

Geboren wurde Brian Jones im Park Nursing Home in Cheltenham. Von 1942 bis 1950 wohnte er in der Eldorado Road Nummer 17, in einem Haus namens Rosemead. Dort ist ein blaue Plakette der Cheltenham Civic Society angebracht, die auf den früheren Bewohner hinweist. 335 Hatherley Road war eine weitere Adresse in Cheltenham, wo Brian Jones wohnte. Zur Schule ging er in die Dean Close Junior School, die noch heute in der Shelburne Road existiert. Die nächste Station seiner schulischen Ausbildung war die Cheltenham Grammar School, die heute Pate’s Grammar School heißt und an der Oldbury Road zu finden ist.

Nachdem er seine Geburtsstadt Anfang der 1960er Jahre verlassen hatte, kehrte er nach seinem Tod wieder nach Cheltenham zurück. Am 10. Juli 1969 fanden die Begräbnisfeierlichkeiten in der St Mary’s Parish Church statt. Brian Jones‘ Grab liegt auf dem Cheltenham Cemetery im Ortsteil Prestbury am Bouncers Lane.

Am 15. November 2005 ehrte Cheltenham Brian Jones mit einer Büste, die im Beechwood Shopping Centre aufgestellt wurde. Geschaffen hat sie der Bildhauer Maurice Juggins (1934-2014).

Hier sind einige Bilder aus Brian Jones‘ Leben.

Die Hatherley Road.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Die Dean Close School.
Photo © Jaggery (cc-by-sa/2.0)

Embed from Getty Images

Brian Jones‘ Büste im Beechwood Shopping Centre.
Photo © Pauline E (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 17. Juli 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Die ehemalige Bata-Schuhfabrik in East Tilbury (Essex)

Die Statue des Firmengründers neben den ehemaligen Fabrikhallen.
Photo © Julian Osley (cc-by-sa/2.0)

Über 70 Jahre lang wurden in East Tilbury in der Grafschaft Essex Schuhe der berühmten tschechischen Firma Bata hergestellt. In der Fabrik arbeiteten viele Menschen, und Bata war ein bedeutender Arbeitgeber in diesem Ort am Mündungstrichter der Themse.

Tomáš Baťa
hatte die Firma 1894 im heutigen Tschechien gegründet; 1932 baute er die Fabrik in East Tilbury auf Grund der Nähe zu London und zu den Seehäfen. Noch im gleichen Jahr kam Baťa bei einem Flugzeugabsturz ums Leben und konnte so den Erfolg seiner englischen Dependance nicht mehr miterleben. Die tschechische Firma sorgte für das Wohl ihrer Arbeiterinnen und Arbeiter, indem sie dicht an den Fabrikhallen eine Siedlung mit Häusern errichtete, die bald „Bata-ville“ genannt wurde und alle Annehmlichkeiten enthielt, die zufriedene Schuhhersteller brauchten. Es gab Einkaufsmöglichkeiten, Freizeiteinrichtungen, Sportanlagen, ein Restaurant und ein eigenes Postamt. Das Fabrikdorf entstand nach Entwürfen von tschechischen Architekten.

Eigentlich hätte es in dieser Ecke von Essex immer so weitergehen können, aber leider veränderten sich die Zeiten. Etwa ab den 1960er Jahren verloren die Fabrikanlagen in East Tilbury an Bedeutung; die Firma Bata verlegte die Produktion ihrer Schuhe in andere Länder, und die Automatisierung der Herstellungsprozesse nahm von Jahr zu Jahr zu. 2005 war dann endgültig Schluss, und die Fabrik wurde geschlossen; ein herber Verlust für die kleine Stadt, die danach erst einmal in Elend versank.

Die Fabrikhallen wurden nicht abgerissen und stehen noch heute. Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren hier einiges getan: Der Thames Industrial Park entstand entlang der Princess Margaret Road, und eine ganze Reihe von Firmen haben sich hier niedergelassen. Auf der Rasenfläche neben dem ehemaligen Bata-Gebäude ist ein Statue zu Ehren des tschechischen Firmengründers errichtet worden. In der East Tilbury Library, direkt gegenüber, ist das Bata Heritage Centre entstanden, das sich um die Erinnerung an die Schuhfabrik und ihre Arbeiterinnen und Arbeiter kümmert. In diesem Film wird die Geschichte von Bata in East Tilbury noch einmal gezeigt.

Die verlassenen Fabrikanlagen in East Tilbury im Jahr 2015.
Photo © Stephen Richards (cc-by-sa/2.0)

Die Bata Avenue mit Häusern der damals gebauten Bata-Siedlung.
Photo © Nigel Cox (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 25. Juni 2020 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Die Harmondsworth Great Barn – The Cathedral of Middlesex

In unmittelbarer Nähe zum Londoner Flughafen Heathrow steht eine der schönsten Scheunen Englands, und diese Nähe wäre ihr beinahe zum Verhängnis geworden. Das kathedralenartige Innere der Harmondsworth Great Barn, auch Manor Farm Barn genannt, veranlasste Sir John Betjeman, sie als „The Cathedral of Middlesex“ zu bezeichnen, ein treffender Ausdruck.

Die 59 Meter lange und 11 Meter hohe Scheune wurde schon 1426 erbaut, um hier große Mengen an Getreide zu lagern. Man vermutet, dass beim Bau William Wyse involviert war, der viele Zimmermannsarbeiten im Windsor Castle ausgeführt und sich dadurch einen guten Ruf erworben hatte. Die Harmondsworth Great Barn, die nach dem Ort Harmondsworth benannt wurde, blieb bis in die 1970er Jahre im Besitz mehrerer ortsansässiger Familien, die sie auch für den ursprünglich vorgesehenen Zweck nutzten. Ein Feuer im Jahr 1972 fügte der Scheune einen gewissen Schaden zu, der aber wieder behoben werden konnte.

Von 1986 bis 2006 war die Manor Farm, und damit auch die Harmondsworth Great Barn, im Besitz einer Bauträgergesellschaft, die einige Reparaturarbeiten an der Scheune durchführte. Als diese Firma in Konkurs ging, bot der Konkursverwalter die Scheune für den symbolischen Preis für £1 English Heritage an, der aber dankend ablehnte. Dafür wurde sie von einer dubiosen Firma übernommen, die ihren Sitz in Gibraltar hatte, und sich Harmondsworth Barn Ltd nannte. Diese Firma hatte, wie zu vermuten war, nicht das Wohlergehen des historischen Gebäudes im Auge, sondern ihr eigenes, denn sie spekulierte darauf, dass bei einer Ausweitung des nahe gelegenen Flughafens sie eine fette Entschädigung für den dann nötig werdenden Abriss bekommen würde. Die Rechnung ging aber nicht auf, und da der Eigentümer sich nicht weiter um die Scheune kümmerte, verfiel sie allmählich. Jetzt schritt English Heritage doch noch ein und führte notwendig gewordene Arbeiten durch, ohne den Besitzer weiter zu fragen. Schließlich verkaufte Harmondsworth Barn Ltd ihre ungeliebte Scheune  an den English Heritage für £20,000 (das hätten die aber auch billiger haben können).

Nachdem die Harmondsworth Great Barn wieder in liebevolle Hände übergegangen und restauriert worden war, kann man sie an jedem zweiten und vierten Sonntag eines Monats zwischen April und Oktober besichtigen. Der Eintritt ist frei.

Dieser Film zeigt das beeindruckende Gebäude von innen und von außen.

The Great Barn
Manor Court
High Street
Harmondsworth
Greater London UB7 0AQ

Published in: on 21. Juni 2020 at 02:00  Comments (3)  

Der River Derwent in Workington (Cumbria), eine Flutwelle im Jahr 2009 und ein heldenhafter Polizist

Die alte Northside Bridge über den River Derwent, die im November 2009 zusammenstürzte.
Photo © H Stamper (cc-by-sa/2.0)

Im Allgemeinen ist der River Derwent in der Grafschaft Cumbria ein ruhiger Zeitgenosse; er entspringt im Borrowdale, fließt anschließend durch zwei Seen im Lake District, Derwent Water und Bassenthwaite Lake, und ergießt sich in der Stadt Workington ins Meer. Doch es gibt Zeiten, da hält es ihn nicht mehr in seinem Flussbett und dann wird er zu einer Bestie, die alles aus dem Weg räumt, was sich ihr entgegenstellt. So geschehen am 20. November 2009; da tobte der Derwent mit solcher Macht durch Workington, dass es den Menschen dort angst und bange wurde. Immer höher kletterten die Fluten an der Northside Bridge (die A597), die die beiden Stadtteile von Workington verbindet. Die Polizei sendete den Polizeibeamten PC Bill Barker zur Brücke, um die Autofahrer davon abzuhalten, sie zu überqueren, denn es gingen Hinweise aus der Bevölkerung ein, dass ein Auto möglicherweise in den reißenden Fluss gestürzt sei. Der Polizist begab sich auf die mittlerweile wackelige Brücke, um Hilfe zu leisten, und dann geschah es… die Northside Bridge konnte dem gewaltigen Druck des Flusses nicht mehr standhalten und stürzte zusammen. PC Barker hatte keine Chance; der River Derwent riss ihn mit sich, er ertrank, und seine Leiche wurde viele Stunden später weiter nördlich an der Küste von Allonby angeschwemmt. Am nächsten Tag wollte Bill Barker seinen 45. Geburtstag feiern. Übrigens: Die Hinweise auf das in Not geratene Auto auf der Brücke erwiesen sich als falsch.

Um anderen Menschen zu helfen, begab sich der Polizeibeamte selbst in Gefahr. Ich meine, dass man das als eine heldenhafte Tat bezeichnen kann. Mrs Barker wurde damals die Queen’s Commendation for Bravery für ihren Mann überreicht, und der Police Constable wurde im Juni 2012 durch einen Gedenkstein geehrt, den man im Curwen Park in Workington aufstellte.

Eine Behelfsbrücke über den River Derwent trug den Namen von PC Barker; Barker Crossing war eine Fußgängerbrücke, die gleich nach der Flut aufgestellt und im Februar 2011 wieder entfernt wurde. Die Northside Bridge entstand drei Jahre später als Stahlbrücke neu; eingeweiht hat sie ein Mitglied des Königshauses, Anne, Princess Royal.

Dieser Film zeigt die Überflutungen vom 20. November 2009 in Workington.

Die Behelfsbrücke Barker Crossing.
Photo © Rose and Trev Clough (cc-by-sa/2.0)

Die neue Northside Bridge.
Photo © Graham Robson (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 18. Juni 2020 at 02:00  Comments (1)  
Tags: ,

The British Social Attitudes Survey – Wie verändert sich das Verhalten der Briten im Laufe der Jahre?

Traurig: Eine Kirche, die nicht mehr benötigt wird: St Peter’s in Asterby (Lincolnshire).
Photo © Brian Westlake (cc-by-sa/2.0)

Das in London ansässige National Centre for Social Research ist Großbritanniens größtes Sozialforschungsinstitut, das seit 1983 regelmäßig die British Social Attitudes Survey (BSA) veröffentlicht. Dieser sehr interessante Bericht fokussiert sich auf das Verhalten der Bevölkerung hinsichtlich unterschiedlicher Themen wie Religion, Sexualität, Arbeitswelt, politische Einstellung usw.

Im Mittelpunkt des 35. Berichts stand das Thema Brexit im Vordergrund. „The country seems divided in new ways and ill at ease with itself“ heißt es da, was sicher nicht überrascht; im aktuellen, dem 36. Report, steht das Thema „Wie halten es die Briten mit der Religion?“ im Fokus, und da setzt sich ein Trend fort, der schon vor vielen Jahren begonnen hat: Immer weniger Menschen interessieren sich für Religion und die Church of England. Als die erste Survey 1983 erschien, bezeichneten sich zwei Drittel aller Briten als Christen, heute sind es nur noch ein Drittel. Heute glauben 25% der Bevölkerung nicht mehr an Gott, gegenüber 10% noch im Jahr 1998. Für die allermeisten gilt, dass sie nur noch bei Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen Berührungspunkte zur Kirche haben, aber auch diese finden immer mehr außerhalb der Church of England statt.
In dem Maße wie das Vertrauen in die Institution Kirche sinkt, steigt das Vertrauen in die Wissenschaften. So glauben drei Viertel der Bevölkerung, dass Wissenschaft und Technologie das Leben lebenswerter macht.

Eine weitere Veränderung im Verhalten der britischen Bevölkerung ist ihre Einstellung zu moralischen, speziell sexuellen Themen, was sicher Hand in Hand mit der Abwendung von der Kirche geht. Zwei Drittel haben heute keine Probleme mehr mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen; das sah Mitte der 1980er Jahre ganz anders aus, da sprachen sich zeitweise nur 10% dafür aus.
Auch die Geschlechterrollen haben sich stark verändert: Waren in den 1980er Jahren fast 50% der Meinung, Frauen gehören an den Herd, Männer verdienen das Geld, so sind es heute nur noch unter 10%.

Zusammengefasst stellt die Studie fest: „Today we may be a more secular, liberal and scientifically-minded society than we were in 1983 when BSA began, but this is by no stretch of the imagination all that we are„.

Es dürfte sehr interessant sein, was die Studie für das Jahr 2020 ergeben wird. Inwieweit wird die Corona-Epidemie das Verhalten der britischen Bevölkerung beeinflussen?

Published in: on 10. Mai 2020 at 02:00  Comments (2)  
Tags:

Sellindge in Kent – Ein Dorf, das am 1. Juni 1938 nur knapp einer Katastrophe entging

Die A20, die Ashford Road, in Sellindge.
Photo © Peter Wood (cc-by-sa/2.0)

Als ich einmal meinen Englandaufenthalt beendete und auf der M20 in Richtung Eurotunnel fuhr, musste ich südlich von Ashford in Kent auf die A20 ausweichen, da die Autobahn gesperrt war. Diese Umleitung führte auch durch Sellindge an der Ashford Road, wie die A20 im Dorf heißt, und dort liegt an der rechten Seite die Methodist Church, wo am 1. Juni 1938 ein Flugzeug abstürzte. Doch der Reihe nach:

An diesem Tag muss wohl die British Guardian Angel Association (BGAA) ihre jährliche Mitarbeiterversammlung in Sellindge abgehalten haben, denn anders ist es nicht zu erklären, dass bei dem Absturz niemand zu Schaden kam. Eine Fokker der belgischen Fluglinie Sabena war in Brüssel gestartet, mit dem Ziel Lympne in Kent, wo sie auf dem dortigen Flugplatz landen sollte. Der Pilot bekam beim Landeanflug auf Grund eines Sturms Schwierigkeiten mit seinem Flugzeug und konnte es nicht mehr beherrschen. Er war schon sehr tief und streifte als erstes das Dach eines Hauses an der Ashford Road, stürzte dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf das Gelände der Methodist Church, streifte die Kirche und blieb als Totalschaden liegen. Wie durch ein Wunder (bzw. durch den Einsatz der Schutzengel) wurde weder ein Bewohner des Hauses, in dem heute die Katzenpension Purrs Mews untergebracht ist, noch die beiden Insassen des Flugzeugs verletzt. Die beiden Belgier stiegen mit weichen Knien aus den Trümmern ihrer Maschine aus…und schlossen sich einer etwa hundertköpfigen Gruppe von Damen an, die an der Methodist Chapel ihren Anniversary Tea zu sich nahmen und natürlich auch Tee angeboten bekamen, den sie gern akzeptierten (vielleicht hätten sie in diesem Falle lieber etwas Stärkeres getrunken als Tee). Coole Typen, diese beiden Belgier!

Thank you BGAA!!

Hier ist ein Film der British Pathé.  Die kleine Kapelle der Methodist Church steht noch heute an der Ashford Road, und das Dach des Hauses auf der anderen Straßenseite ist längst wieder neu gedeckt.

Eine Fokker VIIb/3m. Ein Flugzeug diesen Typs stürzte in Sellindge ab.
This work is in the public domain.

Hier auf dem Lympne Airfield sollte die Fokker eigentlich landen.
Photo © Peter Jeffery (cc-by-sa/2.0)

Einer der ältesten Künstler, der jemals einen Hit in den Charts hatte…und den fast jeder kennt

Author: sezzles.
This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

Die Charts dieser Welt werden in erster Linie von jüngeren Künstlerinnen und Künstlern beherrscht; natürlich gibt es da auch eine Reihe von Ausnahmen, wenn ich zum Beispiel an die Rolling Stones denke, deren Bandmitglieder alle schon die 70 überschritten haben. Der US-Sänger Tony Bennett, 1926 geboren, veröffentlichte 2018 im Alter von 92 Jahren noch ein Album, gemeinsam mit Diana Krall, „Love is here to stay„, das die Charts in vielen Ländern eroberte und in Großbritannien Platz 33 erreichte.

Ein berühmter englischer Schauspieler, dessen Namen, Christopher Lee, die meisten mit seinen Rollen in Horrorfilmen verbinden, gelang, ebenfalls mit über 90 Jahren, der Sprung in die britischen Charts. Lee wurde 1922 in London geboren und starb auch in der Stadt im Jahr 2015. Sein Filmdebüt gab er 1948 in „Corridor of Mirrors„, dann folgten über 200 Filme, in denen Lee mitwirkte. Der Londoner wäre übrigens gern Opernsänger geworden; ihm wurde bescheinigt, dass er es mit seiner Stimme durchaus hätte schaffen können, zu den ganz Großen der Opernwelt vorzustoßen.

Zu Weihnachten 2012 veröffentlichte Christopher Lee eine CD, auf der zwei Weihnachtslieder in Heavy Metal-Form zu finden waren („The Little Drummer Boy“ und „Silent Night“) und die den Titel „A Heavy Metal Christmas“ trug. Ein Jahr darauf folgte die Fortsetzung „A Heavy Metal Christmas Too“ mit den beiden Liedern „Jingle Hell“ und „My Way„. „Jingle Hell“ gelangte in den US-amerikanischen Charts unter die Top 20. Noch ein Jahr später, 2014, legte Christopher Lee zu seinem 92. Geburtstag noch einmal nach und veröffentlichte „Metal Knight„, weitere Cover-Versionen in Heavy Metal-Manier.

Christopher Lee war ein Phänomen; man täte ihm unrecht, wenn man ihn nur als „Film-Vampir“ abstempeln würde.

Das Buch zum Artikel:
Christopher Lee: Lord of Misrule – The Autobiography of Christopher Lee. Orion 2003 (Reprint). 354 Seiten. ISBN  978-0752857701.

 

Published in: on 1. Januar 2020 at 02:00  Comments (6)  
Tags:

Oxbridge – Auf der Suche nach den besten Colleges

Die Nummer 1 in Cambridge im Jahr 2019 nach The Tompkins Table: Christ’s College.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Nachdem ich im März eine ausgiebige Tour durch acht Colleges in Cambridge gemacht habe, dank meines Freundes, eines ehemaligen Juraprofessors, konnte ich mir ein besseres Bild davon machen, wie es hinter den Kulissen in den Universitätsgebäuden zugeht. Leider konnte ich etwas Vergleichbares in Oxford noch nicht tun.

Es wird immer wieder die Frage gestellt, ob nun Oxford oder Cambridge die bessere Adresse für eine Hochschulausbildung ist, eine Frage, die man pauschal sicher nicht beantworten kann. Es gibt aber Rankings, innerhalb der beiden Universitätsstädte, aber auch für beide zusammen, die einen Überblick geben, welche Colleges die besten der besten sind.

Für Cambridge gibt es The Tompkins Table, 1981 von Peter Tompkins, einem Studenten vom Trinity College, aufgestellt, ein Ranking, das bis heute jährlich veröffentlicht wird. Im Jahr 2019 liegt das Christ’s College zum zweiten Mal hintereinander auf Platz 1, das den Endlos-Spitzenreiter Trinity College vom seinem Podest gestoßen hat. Im Christ’s College haben 44% aller Studenten einen „first-class degree“ erhalten. Auf Platz 2 und 3 des Tompkins Tables liegen das Trinity College und das Pembroke College.

Was für Cambridge der Tompkins Table ist für Oxford der Norrington Table, benannt nach dem ehemaligen Präsidenten des Trinity College  Sir Arthur Lionel Pugh Norrington. Die besten Abschlüsse für dieses Jahr machten nach diesem Ranking die Studenten des Merton College (Platz 1), des New College (Platz 2) und des Magdalen College (Platz 3).

Es gibt aber auch noch weitere Rankings, die zu anderen Ergebnissen kommen, so zum Beispiel das des Daily Telegraphs, der beide Universitätsstädte zum Vergleich heranzog. Vor wenigen Tagen veröffentlicht, stellte der Telegraph St John’s (Oxford) auf Platz 1, Trinity (Cambridge) auf Platz 2 und Magdalen (Oxford) auf Platz 3.

Man sieht, dass es unterschiedliche Ergebnisse dieser Rankings gibt; das definitiv beste Oxbridge-College ist also nicht auszumachen.

Oxfords Nummer 1 nach der Norrington Table: Merton College.
Photo © Steve Daniels (cc-by-sa/2.0)

Für den Daily Telegraph Oxbridges Nummer 1: St John’s in Oxford.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 9. Oktober 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Die „Serpentine Drownings“ im Londoner Hyde Park

The Serpentine ist ein See im Londoner Hyde Park und dient den Städtern und Touristen als Naherholungsgebiet im Sommer wie im Winter. Der ruhig daliegende See, auf dem Schwäne ihre Kreise ziehen, ist allerdings schon für viele Menschen zur Todesfalle geworden, wobei Leichtsinn oft der Hauptgrund war.

Am 10. Dezember des Jahres 1816 nahm sich die schwangere Harriet Westbrook im See das Leben. Sie war die Frau des Dichters Percy Bysshe Shelley, der gleichzeitig eine Beziehung mit Mary Godwin hatte. Gerüchte machten die Runde, dass hier Mord und kein Selbstmord vorlag.

Am 25.12.1835, als der See zugefroren war, ereignete sich ein Unglück, bei dem purer Leichtsinn ausschlaggebend war. Tausende Schlittschuhfahrer waren an dem Weihnachtstag unterwegs und nachdem schon einige ins Eis eingebrochen waren, wurden Warnschilder an besonders gefährlichen Stellen aufgestellt. Trotzdem kümmerten sich einige nicht darum, mit der Folge das weitere zwei Männer einbrachen. Doch als Hilfe nahte, brachen auch die Helfer ein. Schließlich wurden 15 Menschen aus dem eiskalten Wasser gezogen, von denen sieben starben.

Noch viel tragischer ging es am 15. Januar 1867 auf dem See zu, der wieder zugefroren war und auf dem sich viele Schlittschuhläufer verlustierten. Wie bei dem Unglück zu Weihnachten 1835 wurde auch hier wieder vor zu dünnem Eis gewarnt. Wieder kümmerten sich die wenigsten darum. Die Folge: Mehr als 200 Menschen brachen in das Eis ein und trotz der Hilfe, die vom Ufer aus geleistet wurde, starben 40 Personen. Die Bergung der Leichen zog sich mehrere Tage hin, da bei den tiefen Temperaturen der See immer gleich wieder zufror und Schneisen in das Eis geschlagen werden mussten, um an die Ertrunkenen heranzukommen.

Doch auch im Sommer fordert The Serpentine immer wieder seine Opfer. Bei hohen Temperaturen springen Erfrischung suchende in das Wasser und erleiden einen Schock, manche sind betrunken, was die Gefahr noch erhöht. Ein 18-jähriger Student des Imperial College sprang im März 2011 nach einer ausgelassenen Party zum Examensende in den See und ertrank. Zwei Wochen später wurde seine Leiche entdeckt.

Drei Jahre später ertrank ein 26-jähriger Mann, ebenfalls betrunken, im See. Im gleichen Jahr, 2014, wiederholte sich das Unglück als ein gleichaltriger junger betrunkener Mann in der Mitte des Sees unterging und starb. Im März diesen Jahres entdeckte man die Leiche eines 24-jährigen Studenten aus Malaysia am Seeufer.

So schön der Serpentine Lake auch aussieht, er kann zur tödlichen Falle werden.

Published in: on 26. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  

Cerne Abbas in Dorset und der Riese mit der Dauererektion

Wann genau der Riese von Cerne Abbas in Dorset enstanden ist, weiß niemand. Die Schätzungen variieren stark: Manche schätzen sein Alter auf mehrere tausend Jahre, manche meinen er wäre im 17. Jahrhundert in die Kalkschicht des Hügels nahe des Dorfes Cerne Abbas gegraben worden.

Der Cerne Abbas Giant ist etwa 55m hoch, hält eine Keule in der rechten Hand und präsentiert stolz seinen erigierten Penis, der 7m lang ist. Kein Wunder, dass der Riese als Fruchtbarkeitssymbol dient und ihm Wunderdinge zugeschrieben werden. So heißt es z.B., dass eine Frau, die innerhalb der Umrisse des Riesen schläft, fruchtbar wird oder wenn sich ein Pärchen auf dem Penis liebt, von Unfruchtbarkeit geheilt wird.

1920 gelangte der Giant in den Besitz des National Trust, der auch dafür sorgt, dass alle 25 Jahre die Umrisse nachgezogen werden, damit er gut erkennbar bleibt. Im 2. Weltkrieg verdeckte man den Cerne Abbas Giant, damit feindliche Flugzeuge sich nicht an ihm orientieren konnten. Im Augenblick (September 2019) wird der Riese gerade wieder „renoviert“, mit Hilfe von 20 Tonnen Kalk.

Der Rude Man, wie er auch genannt wird, diente auch schon als Werbefigur für verschiedene Produkte wie Kondome, Jeans und Fahrräder.
Im Jahr 2007 wurde aus Anlass der Premiere des Filmes „Die Simpsons – Der Film“, eine riesige Figur von Homer Simpson mit einem Doughnut in der Hand (aber bekleidet!) direkt neben den Giant gesetzt. Homer bestand aber aus wasserlöslicher Farbe, so dass der Regen ihn allmählich wieder wegspülte. Dieser Werbegag kam nicht bei allen gut an.
Kurz darauf herrschte erneut Aufregung in der Region Cerne Abbas, denn das „Purple Phantom“ hatte zugeschlagen und über Nacht den Penis lila angemalt. Man schrieb das der Aktionsgruppe „Fathers 4 Justice“ zu, die sich speziell für ein gemeinsames Sorgerecht und bessere Vaterrechte einsetzt, sich aber von der spektakulären Aktion distanzierte.
Also: Es ist immer etwas los in Cerne Abbas.

Hier ist ein kurzer Film über den Riesen und über das Dorf Cerne Abbas.

Homer Simpson in Cerne Abbas.
Photo © Jim Champion (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 7. September 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags:

Darren Hayman und die Thankful Villages

Im Ersten Weltkrieg gab es kaum einen Ort, der keine Verluste an Soldaten zu beklagen hatte. Die wenigen Dörfer, die Rede ist von 53 in England und Wales, die tatsächlich niemanden verloren hatten, werden Thankful Villages genannt. Es gibt sogar einige Double Thankful Villages, das sind die Dörfer, deren Soldaten aus beiden Weltkriegen wieder zurückgekommen sind. Ich ging auf das Thema in einem meiner Blogeinträge näher ein.

Der 1970 geborene Sänger und Komponist Darren Hayman hat alle diese „dankbaren Dörfer“ besucht und auf drei CDs ein Mini-Porträt jedes einzelnen angefertigt. Diese Porträts können aus Songs, kleinen Geschichten, Interviews, Geräuschschnipseln usw. bestehen. Hayman ließ sich bei seinen Kompositionen von den Orten inspirieren, das Thema „Erster Weltkrieg“ steht nicht im Vordergrund, sondern das jeweilige Dorf selbst. Es entstand “ something akin to an arcane musical radio documentary“, „tiny, human vignettes plucked from Britain’s blanket of green“ (wie es auf Haymans Webseiten steht). Die drei CDs entstanden in den Jahren 2016, 2017 und, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, 2018.  SIE SIND GROßARTIG!!!

Hier sind einige Beispiele:

Photo © Karl and Ali (cc-by-sa/2.0)

Hunstanworth im County Durham. In diesem kleinen Porträt Darren Haymans steht die 1974 geschlossene Dorfschule im Mittelpunkt.

Woodend in Northamptonshire.
Photo © Ian Rob (cc-by-sa/2.0)

Und so sieht Darren Hayman Woodend in Northamptonshire.

Ousby Chapel in Cumbria.
Photo © Peter McDermott (cc-by-sa/2.0)

Das Thankful Village Ousby in der Grafschaft Cumbria wird von Darren Hayman so gesehen.

 

 

Haileybury – Ein renommiertes College in Hertfordshire und seine rebellischen Schüler im Jahr 1900

Haileybury College.
Photo © Chris Hunt (cc-by-sa/2.0)

Haileybury ist ein College in Hertfordshire, südöstlich der Grafschaftshauptstadt Hertford gelegen, das sich einen sehr guten Ruf erworben hat, der bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Zu den Alumnis der Schule gehören zum Beispiel Sir Alan Ayckbourn, Autor von Theaterkomödien, der Regisseur und Filmproduzent Christopher Nolan, die durch ihr Mandolinenspiel berühmt gewordene und schon früh verstorbene Alison Stephens und der Premierminister Clement Attlee (1945-1951).

Um letzeren geht es in meinem heutigen Blogeintrag. Der 17jährige Attlee sorgte im Jahr 1900 für Aufregung in der Haileybury School und legte sich mit dem Headmaster an, einem gewissen Edward Lyttleton, der von 1890 bis 1905 ein strenges Regiment in der Schule führte. Was war der Grund für die Mini-Rebellion? Im Jahr 1900 gab es während der Burenkriege den sogenannten Relief of Ladysmith, als die britischen Truppen den Belagerungsring der Buren in der Stadt Ladysmith in Südafrika durchbrachen und einen entscheidenden Sieg errungen.

In England wurde das Ereignis gefeiert und aus Freude über den Sieg gaben viele Schulen ihren Schülern einen halben Tag frei. Nicht so in Haileybury, wo Edward Lyttleton dies seinen Schülern verweigerte. Es wurde vermutet, dass der Schulleiter mit den Buren sympathisierte. Der 17jährige Clement Attlee wollte diesen unfreundlichen Akt des Headmasters nicht hinnehmen und organisierte einen „Walk out“, das heißt unter Attlees Führung genehmigten sich die Schüler ihren freien Tag einfach selbst. Von Haileybury aus zogen sie, unter dem Absingen patriotischer Lieder, erst nach Hertford, dann nach Ware und kehrten anschließend wieder in ihre Schule zurück.
Lyttleton war alles andere als „amused“, nahm sich die widerborstigen Schüler vor und verabreichte ihnen eine Tracht Prügel, was damals durchaus erlaubt war und nicht selten vorkam; auch der spätere Premierminister erhielt Schläge von seinem Headmaster.
Im Jahr darauf verließ Attlee Haileybury und ging in das University College von Oxford, wo er ein Geschichtsstudium aufnahm.

Hier ist das College im Film zu sehen.

Published in: on 21. Juli 2019 at 02:00  Kommentar verfassen  
Tags: ,

Die Londoner Cremorne Gardens an der Themse in Chelsea

Im Londoner Stadtteil Chelsea liegt direkt an der Themse, eingerahmt von Wohnblocks, ein kleiner Park namens Cremorne Gardens. Ein sehr schönes schmiedeeisernes Tor führt in den Park, der auch über eine eigene Schiffsanlegestelle verfügt. Es handelt sich hier um ein winziges Überbleibsel eines einst riesigen Geländes, das auf eine bewegte Vergangenheit zurückschauen kann. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Sportstätte eingerichtet, in der geboxt, gefechtet und geschwommen wurde (und nach einem Viscount Cremorne benannt ist), entwickelte sich das Gelände weiter zu einem großen Vergnügungspark. Das Publikum wurde durch alle möglichen Amüsements unterhalten wie Feuerwerke, Tanzveranstaltungen, Theateraufführungen usw. usw.

Eine Madame Geneviève begeisterte 1861 die Parkbesucher durch eine waghalsige Überquerung der Themse auf einem Seil, ganz im Stil eines Charles Blondin. Sehr beliebt war das Zuschauen bei Ballonaufstiegen, die immer wieder in den Cremorne Gardens stattfanden. Der berühmte Ballonfahrer Charles Green sorgte einmal für Aufsehen, indem er, begleitet von einer Dame und einem Leoparden, vom Park aus abhob. 1864 startete ein weiterer berühmter Aeronautiker gleich zweimal von hier aus: Der Franzose Eugène Godard, der einmal in Greenwich und das zweite Mal in Walthamstow landete.

Einige Zeit später ging es mit den Cremorne Garden bergab. Eine ganz andere Klientel, die einen schlechten Ruf hatte, traf sich im Park („a nursery of every kind of vice“ wie es in einem Pamphlet hieß), und so wurde er 1877 geschlossen. Das Gelände bebaute man nach und nach, bis nur noch der kleine Park übrig blieb, der 1982 neu eröffnet wurde.

Das wunderschöne Eingangstor stand viele Jahre lang auf dem Gelände der Bowden’s Brewery in der Kings Road, wurde 1981 restauriert und 1997 wieder an alter Stelle aufgebaut.

Hier ist ein kleiner Spaziergang durch die Anlage im Film.

Das schöne Original-Eingangstor.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Die Schiffsanlegestelle.
Photo © David Martin (cc-by-sa/2.0)

Helm Wind – Der einzige Wind in England, der einen eigenen Namen führt

Der Helm Wind fällt über Milburn in Cumbria herein.
Photo © Simon Ledingham (cc-by-sa/2.0)

In Südfrankreich ist es der Mistral, auf dem Balkan der Bora und in den Alpen der Föhn, Namen für Fallwinde, die manchmal ganz schön nerven können (die Winde, nicht die Namen). In England gibt es einen einzigen Wind dieser Art, der auch einen eigenen Namen hat: The Helm Wind, zu finden bzw. zu spüren und zu hören ist er in der Grafschaft Cumbria und dort vor allem im Bereich der Cross Fell Range, die in den nördlichen Pennines liegt. Dieser föhnartige Wind kann ganz schön stark blasen und erinnert, wenn er in Hochform ist, an einen dahin donnernden Zug. Die Bewohner des Dörfchens Milburn können ein Lied davon singen, denn hier weht der Helm Wind besonders kräftig und häufig.

Wo der Wind seinen Namen her hat, ist nicht so ganz eindeutig festzustellen, am wahrscheinlichsten ist die Version, dass das Wort „Helm“ von „helmit“ kommt, also Helm oder Kappe, denn wenn der Wind so richtig stark bläst, bildet sich über den Hügeln eine Wolkenkappe, „helm bar“ genannt.

Als erster hatte sich der berühmte britische Klimaforscher Gordon Valentine Manley (1902-1980) in den 1930er Jahren mit dem Helm Wind beschäftigt und das Phänomen ausgiebig untersucht.

In diesem Zeitraffer-Film kann man optisch sehen wie sich der Helm Wind entwickelt und hier kann man ihn auch hören.

Die Helm Bar bei Milburn in Cumbria.
Photo © Andrew Smith (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 8. Juli 2019 at 02:00  Comments (1)  
Tags:

Hausärztemangel in England – Ein immer größer werdendes Problem

Eine geschlossene Arztpraxis in Witney (Oxfordshire).
Photo © P L Chadwick (cc-by-sa/2.0)

NHS crisis forces 500 000 patients to find new GP after mass surgery closures“ titelte der Mirror, „Surgeries facing disaster as family doctors quit„, hieß es beim Daily Express und „GP Surgeries in crisis: You can’t get an appointment„, meldeten die BBC News. Was ist da los in England?

GPs, also Hausärzte, verspüren in den letzten Jahren eine immer stärker werdende Belastung, viele haben ein Burn-out, darum geben sie ihre Praxen auf, das heißt die verbleibenden Hausärzte müssen die Patienten dieser Kollegen übernehmen, was wiederum zu einer weiteren Belastung der Ärzte führt. Die Patienten haben weitere Wege zu ihrem Hausarzt zurückzulegen, was vor allem älteren Menschen schwer fällt, die nicht motorisiert sind. Die Wartezeiten auf einen Termin werden ebenfalls länger, manchmal kann das schon bis zu drei Wochen dauern. Die Folge ist, dass mehr Menschen die Notfallaufnahmen in Krankenhäusern aufsuchen, die auch chronisch unterbesetzt sind.

Noch vor fünf Jahren kamen 65 Hausärzte auf 100 000 Menschen, jetzt sind es nur noch 60, mit fallender Tendenz, denn 42.1% aller GPs wollen in den nächsten fünf Jahren ihre Praxis schließen bzw. in den Ruhestand gehen. Wo soll das noch hin führen? 6000 Hausärzte werden eigentlich sofort gebraucht, doch wo sollen die her kommen? Es dauert rund zehn Jahre bis ein Mediziner inklusive Studium so weit ist, um voll in den Beruf einzusteigen. Eine Landarztpraxis zu eröffnen, wird immer weniger attraktiv, so wie es auch in Deutschland der Fall ist.

Die Worte „Krise“ und „Katastrophe“, die die Medien verwenden, scheinen also nicht übertrieben zu sein.

Eine ehemalige Landarztpraxis in West Auckland (County Durham) aus der ein Pflegeheim wurde.
Photo © Stanley Howe (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 4. Juli 2019 at 02:00  Comments (5)  
Tags:

Meine Brighton-Trilogie Teil 1: Max „The Cheeky Chappie“ Miller (1894-1963) – Ein Comedian aus der guten alten Zeit

Max Millers Statue in den Pavilion Gardens.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Max Miller, dessen richtiger Name Thomas Henry Sargent  lautet, wurde 1894 im südenglischen Brighton geboren, wo er auch 67 Jahre später starb. Er war ein fester Bestandteil der englischen Varieté- und Unterhaltungsszene von den 1920er bis in die 1950er Jahre. Er tourte viel durch die Lande, trat auch in Übersee auf, doch Brighton war sein zuhause, und sofern es seine Engagements zuließen, hielt er sich bevorzugt in seiner Geburtsstadt auf. Bekannt war er durch seine schrillen Anzüge und durch seine manchmal etwas gewagten, mehr oder weniger doppeldeutigen „saucy jokes„, die ihn hin und wieder mit der Zensurbehörde in Konflikt brachten. Sein Publikum liebte aber gerade diese Art von Unterhaltung wie zum Beispiel diesem Spruch:

„Have you heard about the girl of eighteen who swallowed a pin, but didn’t feel the prick until she was twenty-one?“

Nun, man muss diese Art von Humor mögen.

Die Stadt Brighton liebt ihren Comedian wie er Brighton liebte. Am 1. Mai 2005 errichtete man zu seinem Gedenken ein Denkmal in den Pavilion Gardens an der New Road.  An der Burlington Street Nummer 25, dem Haus, in dem Max Miller starb, ist eine blaue Plakette angebracht, ebenso an der Marine Parade Nummer 160, dort, wo er viele Jahre lang lebte. Am Walk of Fame an der Marina, wo man ähnlich wie in Hollywood, den Personen einen Gedenkstein ins Pflaster gesetzt hat, die in irgendeiner Form mit Brighton verbunden waren, ist auch einer, der dem Comedian gewidmet ist. Eine Straße trägt den Namen des Varietékünstlers, der Max Miller Walk am Strand von Brighton.

Einer der Linienbusse der Brighton and Hove Bus Company (ich berichtete in meinem Blog darüber) ist nach Max Miller benannt.

Die Max Miller Appreciation Society, die über 1000 Mitglieder zählt,  sorgt dafür, dass der Name des Comedians nicht in Vergessenheit gerät. Sie hat in Bardsley’s Fish and Chips Restaurant in der 22-23a Baker Street eine Dauerausstellung mit Erinnerungsstücken von Max Miller eingerichtet; dazu gehört auch einer seiner schrillen Anzüge.

Hier ist ein Film über den Cheeky Chappie.

Das Buch zum Artikel:
John M. East: Max Miller: The Cheeky Chappie. Robson Books 1998. 224 Seiten. ISBN 978-0860518556.

160 Marine Parade, wo Max Miller wohnte, mit blauer Plakette links neben der Haustür.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Der Max Miller Walk am Strand von Brighton.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)