Peter Skellern (1947-2017) – Ein englischer Sänger, der vor allem durch einen Song in die Popmusikgeschichte einging

Am 17. Februar starb Peter Skellern, ein Sänger, der in den 1970er Jahren von sich reden machte und mit „You’re a Lady“ in Großbritannien einen großen Hit hatte, der bis auf Platz 3 der Charts aufstieg.
Geboren wurde er 1947 in der Stadt Bury (Greater Manchester), die vor allem durch den dort hergestellten Black Pudding bekannt ist. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Musik und spielte in seiner Heimatstadt in der St Michael’s Church die Orgel. Später besuchte Skellern die renommierte Londoner Guildhall School of Music and Drama, wo er sich dem Klavier widmete. Nach einigen nicht sehr erfolgreichen Versuchen, in der Welt der Popmusik Fuß zu fassen, gelang ihm der Durchbruch mit dem oben genannten Song „You’re a Lady“, der in Frankreich in einer Version mit Hugues Auffray und einer weiteren mit Laurent Vergez und Brigitte Bardot gecovert wurde. Gern setzte Skellern im Hintergrund Blaskapellen ein wie zum Beispiel in „Love Is the Sweetest Thing„, bei der ihn die berühmte Grimethorpe Colliery Band begleitete (ich berichtete über die Band in meinem Blog).
Nachdem weitere Erfolge ausblieben, gründete Peter Skellern 1984 zusammen mit dem Cellisten Julian Lloyd Webber und Mary Hopkin (sie hatte 1968 ihren größten Hit mit „Those Were the Days“) die Band Oasis, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Formation der Gallagher-Brüder. Aber die drei Musiker brachten lediglich ein Album auf den Markt, bevor sie ihre Band bald wieder auflösten.

Peter Skellern schrieb Musik für Musicals, arbeitete für die BBC und komponierte in seinen letzten Jahren Chormusik. Er widmete sich verstärkt der Kirche und wurde im vorigen Jahr zum Priester geweiht. Am 17. Februar starb er an einem Gehirntumor.

Published in: on 25. Februar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das John F. Kennedy Memorial an der Themse in Runnymede (Surrey) – Ein Geschenk der Briten an die Amerikaner

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Man hätte für das John F. Kennedy Memorial wohl keinen besseren Platz wählen können als hier in den Wiesen von Runnymede an der Themse, nur ein paar Schritte entfernt von einem anderen Denkmal, das an die Magna Carta erinnert. Zu finden sind beide am südlichen Ortsrand von Old Windsor.

50 Steinstufen, eine für jeden US-Bundesstaat, führen den Cooper’s Hill hoch, auf dem das Denkmal errichtet worden ist. Im Mai 1965 wurde es eingeweiht, von niemand Geringerem als der Queen selbst, in Anwesenheit von Kennedys Witwe Jacqueline und ihren Kindern. Dieser Film zeigt Bilder von der Einweihung.

Der Grund auf dem das Memorial steht, das vom National Trust betreut wird, wurde dem amerikanischem Volk vom britischen Volk geschenkt. Das Denkmal, entworfen von dem berühmten englischen Landschaftsarchitekten Sir Geoffrey Jellicoe, besteht aus einem einfachen Block aus Portland-Stein mit einer Inschrift, die aus der Antrittsrede Präsident Kennedys aus dem Jahr 1961 entnommen wurde:

„Let every Nation know, whether it wishes us well or ill, that we shall pay any price, bear any burden, meet any hardship, support any friend or oppose any foe, in order to assure the survival and success of liberty.“

Hier ist ein Film über das Denkmal mit dem Designer Sir Geoffrey Jellicoe.

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Wie die Hängebrücke über die Themse in Marlow (Buckinghamshire) im Jahr 2016 beinahe Schaden genommen hätte

Durch diese Poller der Marlow Bridge zwängte der LKW-Fahrer seinen 2.5 Meter breiten Lastzug.   © Copyright Peter Jemmett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Durch diese Poller der Marlow Bridge zwängte der LKW-Fahrer seinen 2.5 Meter breiten Lastzug.
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Über die hübsche attraktive Stadt Marlow habe ich in meinem Blog bereits mehrere Artikel geschrieben, auch über die Hängebrücke, die die Themse überquert und die Grafschaften Buckinghamshire und Berkshire miteinander verbindet. In dem Beitrag schrieb ich auch über die engen Zufahrten, die durch Poller begrenzt werden, damit keine schweren LKWs die Brücke passieren können, die ein Maximalgewicht von drei Tonnen verträgt. Am 24. September 2016 gegen 22.30 Uhr wäre es der von William Tierney Clark erbauten Straßenbrücke beinahe an den Kragen gegangen, denn ein 37 Tonnen schwerer Lastzug aus Litauen der Speditionsfirma Girteka Logistics versuchte sie zu überqueren. Vielleicht verließ sich der Fahrer auf sein Navigationsgerät und übersah im Dunklen die Warnschilder vor der Brücke („Weak Bridge“, >2.0m<, 3T mgw) auf jeden Fall schaffte er es irgendwie, die Poller zu überwinden, wobei ein Reifen in die Brüche ging, und dann blieb er schließlich mit seinem Gefährt auf der anderen Seite der Brücke hängen (hier sind einige Fotos). Wie er durch die ersten Poller kam, grenzt schon an ein Wunder, denn ich musste mit meinem PKW schon sehr vorsichtig sein, damit ich nicht seitlich daran anschrammte. Da hing er nun am späten Abend auf der Brücke fest, der litauische Fernfahrer und konnte sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen. Die Polizei von Marlow kümmerte sich um den Fall, als sie zu Hilfe gerufen wurde, und ließ den schweren Truck über die Brücke zurückschleppen, die die 37 Tonnen-Last tatsächlich aushielt.

Aber was waren denn nun für Schäden an dem Bauwerk entstanden? Spezialisten untersuchten die Marlow Bridge sehr intensiv und stellten fest, dass sie kaum beschädigt worden war und die Sicherheit in keiner Weise gefährdet ist. Man befürchtete anfangs, dass die Themsebrücke bis zu sechs Monaten geschlossen werden müsste, aber es dauerte dann doch nur zwei Monate, bis sie am 25. November wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte. Die Zeremonie ist hier im Film festgehalten. Die Kosten für die entstandenen Arbeiten trug übrigens die Versicherung der Speditionsfirma, deren Fahrer sicher in Zukunft einen weiten Bogen um Marlow machen wird.

Bis maximal drei Tonnen dürfen die Fahrzeuge wiegen, die die Brücke überqueren möchten.    © Copyright Chris Allen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bis maximal drei Tonnen dürfen die Fahrzeuge wiegen, die die Brücke überqueren möchten.
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Fulbrook in Oxfordshire – Hier befindet sich die weltweit größte Sammlung von Verkehrsleitkegeln

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David Morgan aus Fulbrook bei Burford in Oxfordshire steht im Guinness Buch der Rekorde und íst unbestritten weltweit der „König der Verkehrsleitkegel“ oder Verkehrshütchen oder wie immer man diese Plastikhütchen bezeichnen will, die zur Absperrung bzw. Verkehrslenkung verwendet werden.
David Morgan soll über 550 von diesen Teilen besitzen und sie aus der ganzen Welt zusammengetragen haben. Da David in der Firma Oxford Plastic Systems arbeitete, dem weltweit größten Hersteller von „traffic cones“, ist sein Interesse daran zu erklären.
Es gibt da die unterschiedlichsten Hütchen: Ganz große und ganz kleine, schwarze wie sie Bestattungsfirmen benutzen, blaue, die Wasserversorger verwenden, hölzerne und Hütchen aus recyceltem Material usw.usw.
In der Sammlung von David Morgan, die er bereits 1986 begann, gibt es u.a. ein Hütchen aus Malaysia, das an den Scilly Inseln angeschwemmt wurde und eines, das er am Flughafen von Korsika fand und auch gleich mitnahm.

Hier ist eine kleine filmische Dokumentation über den sehr sympathischen „Cone Man“ David Morgan.

Fulbrook bei Burford in Oxfordshire.    © Copyright Robin Webster and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Fulbrook bei Burford in Oxfordshire.
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Ein einsamer, trauriger "traffic cone" in Derbyshire.   © Copyright Alan Murray-Rust and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein einsamer, trauriger „traffic cone“ in Derbyshire.
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Ein ertrunkenes Verkehrshütchen in Kent.   © Copyright nick macneill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein ertrunkenes Verkehrshütchen in Kent.
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Der arme Sir Edward Elagr wurde in der High Street von Worcester mit einem "Hütchen" verunstaltet.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der arme Sir Edward Elgar wurde in der High Street von Worcester mit einem „Hütchen“ verunstaltet.
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Published in: on 13. Januar 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Der Combe Gibbet in Berkshire – Ein ehemaliger Galgen auf einem bei Drachenfliegern sehr beliebten Hügel

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Da wo die beiden Grafschaften Berkshire und Hampshire zusammenstoßen, in der Nähe des Dörfchens Combe, steht auf einem Hügel der Combe Gibbet, ein Galgen, der erstmals 1676 errichtet wurde. Natürlich handelt es sich bei dem heute hier stehenden nicht mehr um den Originalgalgen, denn der wäre mittlerweile wohl vollständig den Holzwürmern zum Opfer gefallen.

Diese „gibbets“ dienten nicht nur zum Erhängen von Menschen, sie sollten auch abschreckend wirken und so blieben die Erhängten dort auch über einen längeren Zeitraum den Naturgewalten ausgesetzt.

Der Combe Gibbet, heute ein beliebtes Ausflugsziel, wurde errichtet, um George Broomham aus Combe und Dorothy Newman aus dem benachbarten Inkpen zu Tode zu befördern. Die beiden hatten eine Affäre miteinander und wurden dabei von Georges Frau und Sohn erwischt; mit fatalen Folgen für Mutter und Sohn, denn George und Dorothy ermordeten beide. Das wurde wiederum von Mad Jack, dem Dorfidioten, beobachtet, der die Mörder den Behörden meldete.

Niemand wurde seitdem mehr hier aufgeknüpft und so steht der Galgen bzw. einer der Ersatzgalgen noch immer oben auf dem Hügel, der heute gern von Drachenfliegern als Startpunkt genutzt wird und von dem man eine wunderbare Rundumsicht hat. Nur wenige Kilometer entfernt, liegen das Highclere Castle und der Ort Linkenholt, über die ich in meinem Blog schon einmal berichtete.

Dieser Film zeigt einen Drachenflug über den Combe Gibbet.

Blick vom Combe Gibbet auf die umliegende Landschaft.   © Copyright Peter and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick vom Combe Gibbet auf die umliegende Landschaft.
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Aus Combe in Berkshire kam der gehängte   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Aus Combe in Berkshire kam der an dem Galgen aufgehängte George Broomham.
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...und hier aus Inkpen kam Georges Geliebte Dorothy   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und hier aus Inkpen (Berkshire) kam Georges Geliebte Dorothy Newman.
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Published in: on 10. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Das Howden Moor im Peak District – Teil 2: The Howden Moor Incident

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Über The Dark Peak im Peak District in Derbyshire habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. In dem als Bermuda-Dreieck Englands bezeichneten Gebiet kam es zu zahlreichen Flugzeugabstürzen und noch heute finden sich hier und da Wrackteile dieser Maschinen. Diese mysteriöse Region stand auch am 24. März 1997 im Brennpunkt, als sich über dem Howden Moor merkwürdige Dinge ereigneten. Dieser sogenannte Howden Moor Incident ist bis zum heutigen Tag nicht aufgeklärt worden bzw. die zuständigen Behörden halten die tatsächlichen Hintergründe unter Verschluss, wozu viele der Menschen tendieren, die damals die Vorfälle beobachteten.

Gegen 22.15 Uhr meldeten zwei Farmer, dass über dem Moor wohl ein Militärjet abgestürzt sein muss, denn sie sahen wie das Flugzeug aus ihrem Sichtfeld verschwand und es anschließend zu einer Explosion und zu einem grellen Lichtblitz kam. Die Polizeibehörden von Derbyshire und South Yorkshire stellten daraufhin Suchmannschaften zusammen, die sich in das unwegsame Gebiet des Howden Moors machten, Hubschrauber flogen das Gelände ab, doch es wurde nichts gefunden. Die Royal Air Force meldete keinen Flugzeugverlust. Schon vorher war es über dem Peak District zu Flugzeugbewegungen gekommen, die besonders auffielen, da in dieser Nacht der Komet Hale-Bopp am Himmel zu sehen sein war und viele sich dieses Spektakel nicht entgehen lassten wollten. In den nächsten Tagen meldeten sich immer mehr Augen- und Ohrenzeugen, die eigenartige Dinge gesehen und gehört haben wollten. Da war die Rede von einem riesigen dreieckigen Gebilde am Himmel, das von bläulichem Licht umgeben war und in Richtung des Howden Moors flog; mehrere Menschen berichteten von einem summenden Geräusch in der Luft. Die British Geological Survey zeichnete eine Explosion auf, deren Quelle nicht auf dem Boden, sondern in der Luft gewesen sein muss. UFO-Gläubige waren der Meinung, dass Militärflugzeuge ein unidentifiziertes Flugobjekt jagten, dieses dann abstürzte und das MoD (das Verteidigungministerium) die Trümmer schnell abtransportieren ließ. Es kam sogar zu einer Anfrage im Unterhaus, bei der ein Sprecher des MoD aussagte, es hätte zwar an dem Abend Übungsflüge über dem Moor gegeben, aber nicht nach 21.30 Uhr.

In jener Nacht war also allerhand über dem Peak District los und viele Menschen haben unabhängig voneinander Statements über ihre Beobachtungen abgegeben, aber was sich dort tatsächlich ereignet hat, bleibt möglicherweise in den Geheimarchiven des MoD verborgen.

Hier ist ein Vortrag aus dem Jahr 2011, in dem die Vorgänge des Howden Moor Incidents noch einmal genau analysiert werden.

Was mag sich hier am über dem Howden Moor abgespielt haben?   © Copyright Peter Barr and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was mag sich hier am 24. März 1997 über dem Howden Moor abgespielt haben?
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Published in: on 15. September 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Howden Moor im Peak District – Teil 1: Tip, der treue Schäferhund, der nicht von der Seite seines toten Herrchens wich

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Joseph Tagg wurde 1868 in Derbyshire geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens in dieser Grafschaft. „Old Joe“ war Schäfer und züchtete leidenschaftlich gern Schäferhunde. Noch bis ins hohe Alter hinein war er aktiv, so auch am 12. Dezember 1953 als der 85jährige an einem eiskalten Dezembertag mit seinem Schäferhund Tip zum Howden Moor im Upper Derwent Valley in Derbyshire ging, um dort nach den Schafen zu sehen. Als der Schäfer und sein Hund am nächsten Morgen noch nicht nach Hause gekommen waren, machten sich mehrere Suchtrupps auf den Weg, um sie aufzuspüren…ohne Erfolg. Das blieb auch in den nächsten Tagen so, die beiden waren wie vom Erdboden verchwunden. Das Howden Moor, das westlich von Sheffield in Deryshire und South Yorkshire liegt ist eine einsame öde Region, in der Menschen schon einmal verschwinden können.

Am 27. März 1954, also 105 Tage nach dem Verschwinden von Old Joe und Tip, fanden zwei Männer der Wasserbehörde zufällig die Leiche des alten Mannes und wer lag, mehr tot als lebendig neben ihm, sein treuer Hund, der die ganze Zeit nicht von der Leiche seines toten Herren gewichen war. In einem der kältesten Winter, die das Howden Moor je heimgesucht hatten, war es Tip gelungen, zu überleben.
Diese Geschichte rührte die Menschen in der Region. Der Hund wurde wurde wieder aufgepäppelt und mit der Bronzemedaille der Canine Defence League, einer Organisation, die sich um das Wohl von Hunden kümmert, und die heute Dogs Trust heißt, ausgezeichnet. Tip sollte nur noch ein knappes Jahr leben, der tapfere Hund starb am 16. Februar 1955.

Damit Tip nicht in Vergessenheit geriet, errichtete man ein Denkmal für ihn, das am Westufer des Upper Derwent Reservoirs zu finden ist.

Das Howdwn Moor im Winter.   © Copyright Neil Theasby and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Howden Moor im Winter.
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Published in: on 14. September 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Queuing oder die Kunst Schlange zu stehen

Schlange an einer Straßenbahnhaltestelle in Manchester.   © Copyright Gerald England and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Schlange an einer Straßenbahnhaltestelle in Manchester.
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Die Briten gelten als die Weltmeister des Schlangestehens. Schön in Reih und Glied wartet man an Bushaltestellen oder in Bäckereien oder in anderen Läden. Absolut verpönt ist es, wenn man sich nicht anstellt, sondern irgendwie versucht, sich an der Schlange vorbei einen Vorteil zu verschaffen. Der Schriftsteller George Mikes hat einmal gesagt „an Englishman, even if he is alone, forms an orderly queue of one„.

In Deutschland ist diese Kunst noch nicht zur Vollendung gebracht worden, da gibt es durchaus noch Luft nach oben (die Italiener sollen darin übrigens noch wesentlich schlechter als die Deutschen sein und viele Tricks kennen, sich an einer Schlange vorbeizumogeln).
In der Hauptpost meiner Stadt gab es früher sechs Schalter, an denen man sich nach freier Wahl anstellen konnte und fast immer stellte man sich dort an, wo es am längsten dauerte. Seitdem es dort nur noch eine Schlange gibt, die sich nach und nach auf die frei werdenden Schalter verteilt, läuft es deutlich besser.

In England gibt es einen Mann, der sich mit dem Thema Schlangestehen seit langem beschäftigt und dem es gelungen ist, durch „Queuing Management“ die Zeit in diesen Schlangen deutlich zu verkürzen. Terry Green aus Stratford-upon-Avon hat bereits 1981 mit seiner Firma Qmatic Methoden entwickelt, den Kundendurchfluss in Geschäften, Banken und Behörden deutlich zu beschleunigen. Statt vielen Schlangen gibt es nur noch eine und durch Aufrufe des jeweils nächsten freien Schalters bewegt sich die Schlange zügig vorwärts. Terry Greens aufgezeichnete Stimme ist auch landesweit zu hören, wenn es heißt „Cashier Number Three, Please„. Die Royal Mail gehörte zu den ersten, die Greens System mit Erfolg  einsetzte; es folgten große Unternehmen wie Boots, Marks & Spencer und die Lloyds Bank. Heute bietet die Firma Qmatic, für die Terry Green noch immer in beratender Funktion tätig ist, eine große Produktpalette, zu der neben den Kundenleitsystemen zum Beispiel auch Selbstbedienungsterminals gehören.
Mr Green hat seine Erfahrungen in zwei Büchern zusammengefasst: „You’re Next: How One Company Changed The Way We Shop“ (Marshall Cavendish 2010) und „Cashier Number Three Please!: Creating Fairer, Faster Service“ (Marshall Cavendish 2012). Hier ist der Mann, der sich bestens mit dem „queuing“ auskennt, in einem Film zu sehen.

Ein weiteres Buch, das sich mit dem Thema befasst, ist Joe Morans „Queuing For Beginners: The Story Of Daily Life From Breakfast To Bedtime“ (Profile Books 2008).

Bei manchen Gelegenheiten bricht aber selbst in England das geduldige Hintereinanderstehen komplett zusammen wie beispielsweise im Jahr 2005, als bei der Eröffnung einer neuen IKEA-Niederlassung so viele Menschen gleichzeitig in den Laden wollten (man spricht von 6000), dass es da sogar Verletzte gab. Wann immer ein neues Smartphone der Firma Apple auf den Markt kommt, bilden sich überall in der Welt lange Schlangen, die Hunderte von Metern lang sein können wie in diesem Film aus Birmingham zu sehen ist.

Eine dänische Studie hat herausgefunden, dass man die Problematik des Schlangestehens in den Griff bekommen könnte, wenn man die Leute, die am Ende stehen, zuerst bedienen würde…aber ob das wohl klappen würde?

Menschenschlange, die zu einer Ausstellung des Graffiti-Künstlers Banksy in Bristol ansteht.   © Copyright Nigel Mykura and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Menschenschlange, die zu einer Ausstellung des Graffiti-Künstlers Banksy in Bristol ansteht.
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Published in: on 4. September 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Ludlow in Shropshire und sein Food Festival

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Ludlow ist eine wirklich sehenswerte Kleinstadt. Ich erwähnte sie in meinem Blog schon einmal, als ich das Feathers Hotel vorstellte, eines der schönsten Gebäude dort.
Ludlow steht in dem Ruf, einer wichtigsten Orte für Feinschmecker im ganzen Land zu sein. Hier gibt es ausgezeichnete Restaurants, und das Essen und Trinken ist für die Bewohner sehr wichtig. So schloss sich Ludlow als erste englische Stadt der Cittaslow-Bewegung an (vielleicht sollte man Ludlow in Ludslow umtaufen), die genussvolles, bewusstes und regionales Essen propagiert.

In den letzten beiden Jahren gab es, was die Restaurantszene Ludlows betrifft, einige gravierende Veränderungen, leider zum Negativen.
Mr. Underhill’s Restaurant konnte sich schon seit vielen Jahren eines Michelin-Sterns rühmen und war über 30 Jahre in Ludlow ansässig. Jetzt ist das Restaurant schon seit geraumer Zeit geschlossen und seine Zukunft ist noch unklar.
La Bécasse war ebenfalls ein herausragendes Restaurant in der Stadt und stand auf der Liste der 100 besten in England, die die Sunday Times erstellt hatte, weit oben. 2013 musste der Inhaber Insolvenz anmelden, und auch den neuen Besitzern ging es so. Anfang 2015 war Schluss mit der Bécasse.

Jedes Jahr findet in der Stadt in Shropshire das Ludlow Food Festival statt (in diesem Jahr vom 9. bis zum 11. September), bei dem über 150 lokale und regionale Nahrungsmittelproduzenten ihre Produkte vorstellen. Zu Füßen des Ludlow Castles und auch im Inneren der Burg, sind dann jede Menge Stände aufgebaut, an denen man alle Waren probieren kann.
Auch in diesem Jahr wird es wieder den Ludlow Sausage Trail geben, bei dem die örtlichen „family butcher“ aufgesucht werden können, die dann spezielle Wurstsorten anbieten.
Viele namhafte Köche aus dem ganzen Land finden sich regelmäßig zum Food Festival in Ludlow ein. In diesem Jahr ist u.a. Adam Johnson von Raymond Blancs „Le Manoir aux Quat‘ Saisons“ dabei.

Ludlow verfügt natürlich auch über eine eigene Brauerei, die Ludlow Brewing Company (hier ist ein Film über die Brauerei), die Biere mit den merkwürdigen Namen Black Knight, Boiling Well und Stairway herstellt.

Das wirklich beeindruckende Programm des Food Festivals 2016 ist hier einzusehen.

Ein Besuch in Ludlow, das von John Betjeman als „the perfect historic town“ bezeichnet wurde, lohnt sich immer und man sollte möglichst über Nacht hier bleiben, denn im Dunkeln entwickelt die Stadt eine ganz besondere Atmosphäre.

Hier ist ein ausführlicher Filmbericht über das Food Festival 2013.

Ludlow Marches Food and Drink Festival
Unit 12, The Business Quarter
Eco Park Road
Ludlow
Shropshire
SY8 1FD

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Auf dem Sausage Trail in Ludlow.   © Copyright Jeremy Bolwell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf dem Sausage Trail in Ludlow.
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Published in: on 31. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Peasmarsh in East Sussex – Sir Paul McCartney und „Granny“ Smith

Die Hauptstraße von Peasmarsh.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Hauptstraße von Peasmarsh.
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An der A268 liegt der kleine Ort Peasmarsh, nur wenige Fahrminuten mit dem Auto von Rye in East Sussex entfernt. Die Main Street zieht sich endlos durch das Dorf hindurch, an der neben den Wohnhäusern ein Superstore und der hübsche Cock Inn zu finden sind, dessen Wirtshausschild ein Pfau schmückt. Die Dorfkirche St Peter and Paul ist ziemlich weit weg von den nächsten Häusern, dafür liegt sie idyllisch ruhig, umgeben von vielen alten Gräbern, deren Grabsteine in unterschiedlichen Neigungswinkeln aus dem Boden ragen.

Sir Paul McCartney hat sich Peasmarsh als Wohnort ausgesucht, vielleicht war die Nähe zum Meer für die Wahl ausschlaggebend. Er lebt auf einer Farm, in der 1799 ein kleines Mädchen geboren wurde, das Maria Ann Sherwood hieß, Tochter eines Farmarbeiters. Getauft wurde sie am 5. Januar 1800 in St Peter and Paul. 1819 heiratete sie in der Dorfkirche von Ebony in Kent einen gewissen Thomas Smith und hieß nun Maria Ann Smith. Beide lebten in Beckley (Kent) und bekamen in den nächsten neunzehn Jahren acht Kinder. Wie so viele Familien in dieser Zeit wanderten die Smiths nach Australien aus und ließen sich in New South Wales nieder, wo sie in Obstplantagen arbeiteten. Thomas Smith erwarb später selbst einige Plantagen und dort soll seine Frau Maria (mittlerweile „Granny“ Smith genannt) an einem Bach ein paar junge Apfelbäume gefunden haben, die da eigentlich gar nicht hingehörten. Sie päppelte die Bäume auf und einige Zeit später pflanzte ein Nachbar von ihr diese Apfelbäume in großer Stückzahl an und konnte jedes Jahr eine gute Ernte einfahren. Wie wurden die Äpfel genannt? Genau Granny Smith, die noch heute in vielen Ländern der Welt angebaut werden.

Ein grasgrüner Granny Smith Apfel ziert das Etikett des Plattenlabels Apple Records, das von den Beatles 1968 gründet wurde, und da wären wir wieder bei Ex-Beatle Paul McCartney und seiner Farm in Peasmarsh, auf der Maria Ann geboren wurde.

St Peter and Paul, in der getauft wurde.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter and Paul, in der Maria Ann Sherwood getauft wurde.
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...und hier heirateten Mary Ann und Thomas, in St Mary the Virgin in Ebony (Kent).   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und hier heirateten Maria Ann und Thomas, in St Mary the Virgin in Ebony (Kent).
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Granny Smith Äpfe. This work has been released into the public domain by its author, Kristina Walter.

Granny Smith Äpfel.
This work has been released into the public domain by its author, Kristina Walter.

Published in: on 24. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mr Monkey oder wie ein Blogger mehrere Jahre lang den South Tyneside Council in Atem hielt

Die Town Hall von South Shields, in der der South Tyneside Council untergebracht ist.    © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Town Hall von South Shields, in der der South Tyneside Council untergebracht ist.
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Im Nordosten Englands findet man die Region South Tyneside, östlich von Newcastle upon Tyne, mit South Shields als Verwaltungssitz. Die Ratsmitglieder wurden in den Jahren 2008/2009 von einem Blogger in den Wahnsinn getrieben, der unter dem Namen Mr Monkey in seinem „South Tyneside’s Premier Blog“ die Politiker attackierte und ihnen schwere Vergehen vorwarf. Da war von Wahlfälschung die Rede, von Korruption  und Amtsanmaßung und alle Ratsherren/damen wurden beim Namen genannt. Die Bevölkerung amüsierte sich köstlich, so dass Mr. Monkey über 4000 Zugriffe täglich auf seinem Blog verzeichnen konnte. In der Rubrik „Twat of the Week„, was man etwa mit „Blödmann der Woche“ übersetzen kann, nahm er sich jede Woche einen der Ortspolitiker vor und stellte ihn/sie mit Foto an den Pranger.

In South Tyneside lag offenbar vieles im Argen, denn Mr Monkey hatte keine Probleme, seinen Blog mit Inhalt zu füllen.
Dann kam plötzlich am 21. Juli 2009 die Meldung „mr monkey calls it a day“, in der der anonyme Blogger ankündigte, am 30. Juli aufzuhören („this chimp has decided to give his victims an early birthday present“). Er meinte, sein Ziel erreicht zu haben und stellte noch einmal alle seine „Erfolge“ zusammen.
Hörte man damals ein Aufatmen in den Gängen der Town Hall von South Shields? Ja und Nein, denn es war dem Council nicht gelungen, den wahren Namen von Mr Monkey herauszubekommen, trotz intensivster Bemühungen, die sich mehrere Jahre hinzogen, auch nachdem der Blog geschlossen war. Eine amerikanische Anwaltskanzlei wurde eingeschaltet, um die Identität von Mr Monkey herauszufinden, da der Blog auf der in Kalifornien ansässigen Firma WordPress geschrieben worden war. Die Kosten für die ergebnislose  „Hexenjagd“ beliefen sich auf über £200 000, bezahlt aus Steuergeldern, auch das eigentlich ein Skandal.

Ein Ratsmitglied unternahm vor einem kalifornischen Gericht rechtliche Schritte gegen den Rat von South Tyneside, weil er den finanziellen Aufwand für die Suche nach Mr Monkey für völlig überzogen hielt und er das ganze Unternehmen stoppen wollte. Auch diese (erfolglose) Aktion verursachte hohe Kosten.

Die Identität des Bloggers aus South Tyneside konnte nie gelüftet werden; eine kleine Rache hatte Mr Monkey aber noch auf Lager: Nachdem sein Blog eigentlich abgeschlossen war, löschte er ihn nicht, sondern ließ ihn weiterhin bis zum heutigen Tag auf WordPress stehen. Wer möchte, kann ihn hier lesen.

Published in: on 19. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Barbara Cartland (1901-2000) und ihr Anwesen Camfield Place in Hertfordshire

Das Eingangstor zu Camfield Place.   © Copyright Robert Edwards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor zu Camfield Place.
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Woran erinnert man sich am ehesten, wenn man den Namen Barbara Cartland hört? Sicher an ihre ungeheure Produktivität, was die Zahl ihrer romantischen Liebesromane angeht; 723 sollen es gewesen sein. Niemand weiß genau wie viele ihrer Bücher verkauft worden sind, die Schätzungen schwanken zwischen 750 Millionen und 2 Milliarden. Dann erinnert man sich bestimmt noch an ihren extravaganten Kleidungsstil, der von der Farbe Rosa klar dominiert wurde wie dieser Film zeigt. Die Dame ließ sich in einem weißen Rolls Royce chauffieren und hatte einen Koch eingestellt, der sich um ihr leibliches Wohl kümmerte.

Seit dem Jahr 1950 wohnte Barbara Cartland in der Nähe von Essendon in Hertfordshire in ihrem Landsitz Camfield Place. Dieses Haus wurde 1867 von Beatrix Potters Großvater erbaut, in dem die Schriftstellerin ihr weltberühmtes Kinderbuch „The Tale of Peter Rabbit“ schrieb. Es steht ganz in der Nähe von Hatfield House, das einmal Heinrich VIII. gehörte und in dem seine Kinder Mary und Elizabeth aufwuchsen. Im Jahr 1550 schoss Elizabeth auf dem weitläufigen Gelände von Hatfield House ihren ersten Hirsch und an dieser Stelle ließ sie eine Eiche pflanzen, The Deer Oak, die später zu dem Anwesen Camfield Place gehörte.

Barbara Cartland liebte diesen 400 Jahre alten Baum und 1976 ließ sie eine Weihnachtskarte anfertigen, auf dem sie und ihr Pekinese Mai-Mai unter der Eiche zu sehen waren. Bevor sie am 21. Mai 2000 im Alter von 98 Jahren  in Camfield Place starb, äußerte sie den Wunsch, unter The Deer Oak begraben zu werden und zwar in einem Sarg aus Pappe, denn die Dame war sehr umweltbewusst und wollte nicht, dass das Holz eines Baumes dafür verwendet wurde. Die Beerdigungsfeier wurde von Reverend John Cotton geleitet, dem früheren Pfarrer von St Mary’s im benachbarten Essendon. Die Trauergemeinde sang Barbara Cartlands Lieblingslied „I Believe“, das durch den US-amerikanischen Sänger Perry Como bekannt gemacht worden war. Ihr Enkel William trug eines ihrer Gedichte vor und ihre Tochter Raine, Stiefmutter von Diana, Princess of Wales, las eine Passage aus der Bibel. Dieser Film zeigt die Ankunft der Trauergäste in Camfield Place.

Es gibt zurzeit noch kein „richtiges“ Barbara Cartland Museum, aber ein virtuelles, das man sich hier ansehen kann.

In einem Cottage auf dem Gelände von Camfield Place erblickte am 14. November 1967 Letitia Dean das Licht der Welt, die später Schauspielerin wurde und allen, die die Endlos-TV-Serie „EastEnders“ kennen, ein Begriff ist; darin spielt sie die Rolle der Sharon Watts. Als Letitias Mutter kurz vor der Geburt ihrer Tochter stand, schickte Barbara Cartland eine alte Tür in das Cottage, mit dem Hinweis, sie unter das Bett zu legen, damit sie beim Geburtsvorgang einen festen Halt hätte. Ja, ein wenig exzentrisch war sie schon, die Lady in Pink.

Camfield Place liegt östlich von Hatfield in Hertfordshire an der B158, die von Essendon nach Brookman’s Park führt.

 

Das Schlosshotel Kronberg – Ein Stück England im Taunus

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Wer gern einmal die Atmosphäre eines englischen Schlosshotels schnuppern möchte, ohne gleich auf die Insel zu reisen, dem kann ich aus eigener Erfahrung das Schlosshotel Kronberg im Taunus sehr empfehlen. Ich verbrachte das letzte Wochenende in dem 5-Sterne Superior-Hotel, und ich bin der Meinung, dass es den Vergleich mit englischen Spitzenhotels nicht zu scheuen braucht.

Zwischen 1889 und 1894 wurde das Schloss Friedrichshof, wie es ursprünglich hieß, im neugotischen Tudorstil als Witwensitz für die deutsche „Kaiserin Friedrich“ erbaut. Wahrscheinlich wählte man diesen Baustil, damit sich Victoria Adelaide Mary Louisa, Prinzessin von Großbritannien und Irland, hier heimisch fühlte, denn sie war die erste Tochter von Queen Victoria und Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, 1840 im Buckingham Palace geboren. Sie war die Gattin des 99-Tage-Kaisers Friedrich III. Nach dem Tod ihres Mannes verbrachte Victoria die letzten zehn Jahre ihres Lebens auf diesem schönen Schloss, in dem sie am 5. August 1901 starb.

1954 wurde das Schloss Friedrichshof als Schlosshotel Kronberg einem neuen Verwendungszweck zugeführt, betrieben bis heute von der Hessischen Hausstiftung.

Schon wenn man durch das Eingangstor des in einem großen Park gelegenen Hotels fährt, kommen Erinnerungen an vergleichbare Hotels in England auf. Empfangen wird man gleich am Auto von freundlichen Herren in roter Livree, die sich um das Gepäck kümmern. In der Eingangshalle lag der angenehme Geruch von offenem Kaminfeuer; um den Kamin sind Sitzgruppen aufgestellt, die an diesem Nachmittag alle von Gästen belegt waren, die dort Kaffee oder Tee tranken. Gegenüber von der Rezeption findet man die Bibliothek, in der Afternoon Tea serviert wurde. Dort stehen hinter Glas Tausende von Büchern, die Victoria damals nicht nur gesammelt, sondern auch gelesen haben soll.

Das stilvolle, atmosphärische Restaurant erreicht man über einen Gang von der Eingangshalle aus, der von Gemälden und Antiquitäten gesäumt und besonders schön ist. Im heutigen Restaurant pflegte Victoria seinerzeit ihre Speisen zu sich zu nehmen; die musikalische Begleitung dazu erfolgte von einer Empore aus. Der Service und die Essensqualität waren hervorragend; leider waren auf der Weinkarte keine Weine aus Victorias Heimatland, das wäre dann noch das Tüpfelchen auf dem I gewesen.

Am Wochenende finden nachmittags Führungen durch das Schloss statt, bei der man die Gemächer der Kaiserin Friedrich zu sehen bekommt. In den weitläufigen Parkanlagen sieht man auch einen Rosengarten und typisch englisch in Form geschnittene Bäumchen („topiary garden“).

Zu empfehlen ist die Buchung eines Gourmet-Arrangements, das neben der Übernachtung ein 6-Gang-Menü im Schlossrestaurant, ein Champagner-Frühstück, eine Flasche Champagner und ein „Amuse-Bouche-Treatment“ bei Ankunft auf dem Zimmer beinhaltet.

Das Schlosshotel liegt am Rande der Kleinstadt Kronberg; von den Zimmern in den oberen Geschossen aus erblickt man die Skyline von Frankfurt am Main.

Meine Meinung: Das Schlosshotel Kronberg gehört zu den besten Hotels in ganz Deutschland. Ähnlichkeiten sind vorhanden mit dem Cliveden Hotel, Nutfield Priory und dem Eastwell Manor, die ich in meinem Blog schon einmal vorstellte.

Der Kamin in der Eingangshalle. Eigenes Foto.

Der Kamin in der Eingangshalle.
Eigenes Foto.

Der Weg von der Halle zum Restaurant. Eigenes Foto.

Der Weg von der Halle zum Restaurant.
Eigenes Foto.

Die Bibliothek. Eigenes Foto.

Die Bibliothek.
Eigenes Foto.

Eine Treppe im Schloss. Eigenes Foto.

Eine Treppe im Schloss.
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Published in: on 3. Februar 2016 at 02:00  Comments (3)  
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The National Civil War Centre in Newark (Nottinghamshire)

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Seit dem Mai 2015 gibt es in England ein neues Museum, das sich ganz dem Civil War, also dem Bürgerkrieg widmet, der zwischen 1642 und 1649 zahllose Opfer kostete. Die Cavaliers, die Anhänger von King Charles I. kämpften damals gegen die Roundheads, die Anhänger des britischen Parlaments. Bisher gab es ein derartiges „Bürgerkriegszentrum“ in Großbritannien noch nicht.
Das National Civil War Centre liegt in der Straße Appleton Gate  Nummer 14 in Newark in der Grafschaft Nottinghamshire. In dem ehemaligen Gebäude der Magnus School wurde dieses Museum untergebracht, das ganzjährig täglich geöffnet ist.

Warum hat man gerade Newark ausgewählt? Die Stadt, die eindeutig royalistisch geprägt war, wurde im Bürgerkrieg von den Roundheads so lange belagert, bis sie sich schließlich den parlamentarischen Truppen ergab. Hungersnöte und die Ausbreitung der Pest ließen Newark keine andere Wahl. Also ist der Standort für das Museum gut gewählt.

Rund 5000 Objekte sind hier zusammengetragen worden, die natürlich nicht alle in die Ausstellungsräume passen; aber etwa 500 Gegenstände kann man sich jederzeit ansehen. Die Baukosten betrugen £5,4 Millionen, man rechnet mit jährlich rund 60 000 Besuchern. Zur Eröffnung des National Civil War Centres wurde eine Schlacht zwischen Cavaliers und Roundheads nachgestellt, wofür 1000 „Soldaten“ in die Stadt einfielen.

Wer sich für den englischen Bürgerkrieg interessiert und nach Newark kommt, sollte auf jeden Fall sein Smartphone oder sein Tablet mitbringen, denn es ist eine kostenlose App entwickelt worden, die den Besucher über den National Civil War Trail durch die Stadt führt. Die App beinhaltet jede Menge Informationen und auch extra hergestellte Filme. Hier ist ein Film über den Trail zu sehen.

Der Eintrittspreis zum Museum beträgt £7.

National Civil War Museum
14 Appletongate
Newark NG24 1JY

 

Published in: on 22. Januar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Erdbeben von Colchester (Essex) im Jahr 1884 und seine verheerenden Folgen

In der Region von Abberton und Langenhoe lag das Epizentrum des schweren Erdbebens.   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In der Region von Abberton und Langenhoe lag das Epizentrum des schweren Erdbebens.
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Erdbeben bringt man eigentlich nicht unbedingt mit England, sondern eher mit dem pazifischen und asiatischen Raum in Verbindung. Doch sollen hier jährlich an die 300 Beben stattfinden, die allerdings so schwach sind, dass man sie kaum spürt. Ganz anders war es aber am 22. April 1884, einem Dienstag, als sich in der Region südlich von Colchester in Essex um 9.20 Uhr morgens das schwerste Erdbeben der letzten Jahrhunderte auf der britischen Insel ereignete. Auf der Richter-Skala soll das Beben eine Stärke von 4,6 bis 5,1 erreicht haben.

Das Epizentrum lag etwa bei den beiden Dörfern Abberton und Langenhoe, dort, wo heute das Abberton Reservoir zu finden ist. 20 Sekunden nur bebte die Erde, was aber ausreichte, dass in einem Radius von circa 200 Kilometern mehr als 1200 Gebäude beschädigt wurden. In dem kleinen Dorf Peldon in Essex blieb kein Haus verschont, die Kirche erlitt schwere Schäden, ebenso der Dorfpub The Rose and Crown. In Wivenhoe wurde ebenfalls die Kirche schwer in Mitleidenschaft gezogen. Noch schlimmer erwischte es die Kirche St Mary the Virgin in Langenhoe, die man zwei Jahre später wieder aufbaute und dabei das alte Baumaterial verwendete. 1962 riss man die Kirche aber komplett ab, denn es hatten sich statische Probleme ergeben, die möglicherweise noch auf das Erdbeben zurückzuführen waren. In Abberton erlitten die Schule und das Pfarrhaus schwere Schäden. Die schon vor dem Beben als unsicher eingestufte Kirche St Mary’s in Salcott-cum-Virley überlebte die Erschütterungen nicht und stürzte ein. Ihre Ruinen sind noch heute am Mill Lane zu sehen.

Hunderte von Menschen wurden durch das Beben obdachlos, Opfer soll es aber nach den zeitgenössischen Quellen keine gegeben haben, was schon an ein Wunder grenzt. Hätte sich das Beben abends oder nachts ereignet, also zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen in ihren Häusern gewesen wären, hätte es sicher ganz anders ausgesehen. Die arme Bevölkerung war besonders betroffen, denn deren oft dünnwandige Häuser konnten dem Erdbeben keinen Widerstand bieten.

Aus einem Hilfsfond, der im August 1884 etwa eine halbe Million Pfund beinhaltete (nach heutiger Kaufkraft), wurde der Wiederaufbau der Häuser, Schulen und Kirchen unterstützt.
Hier ist ein Interview mit einer Augenzeugin, die das Beben als junges Mädchen erlebte.

Die Ruinen der Kirche St Mary's in Salcott-cum-Virley (Essex).   © Copyright Glyn Baker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ruinen der Kirche St Mary’s in Salcott-cum-Virley (Essex).
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Published in: on 19. Januar 2016 at 02:00  Comments (1)  
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DVD- und Buchtipp – Robbie Coltrane: B-Road Britain

Foto meiner DVD.

Foto meiner DVD.

Auf dem Umschlag dieses 2008 erschienenen Buches steht der Zusatz „Off the beaten track and into the heart and soul of Britain“. Diese Reise in das Herz und die Seele Großbritanniens macht Robbie Coltrane in seinem roten Jaguar XK 150 S, ein legendärer Sportwagen, der 1958 in Serie ging.

Coltrane reist von London nach Glasgow ausschließlich auf B-Roads, also Landstraßen und kommt auf diese Weise mit vielen interessanten Leuten in Kontakt. Er trifft Wing Walker in Gloucestershire, das sind mutige Menschen, die auf den Tragflächen von fliegenden Doppeldeckern ihre Kunststücke vorführen, und Brieftauben-Fans in Sunderland, die ihre Lieblinge 800 – 900 km wegtransportieren, um sie dann nach Hause fliegen zu lassen.

Das Buch ist erstens sehr interessant und zweitens sehr humorvoll geschrieben. Wer Robbie Coltrane nicht kennt: Er ist ein sehr beliebter schottischer  Filmschauspieler, der in zahlreichen Kinofilmen und im Fernsehen seine Auftritte hatte, z.B. in „Ocean’s Twelve“ und „GoldenEye“. Im Fernsehen spielte er in einigen „Blackadder“-Folgen an der Seite von Rowan Atkinson und in Deutschland kennen wir ihn durch die Krimiserie „Für alle Fälle Fitz“, in der er einen Profiler in Manchester spielte. Besonders bekannt wurde er durch die Verkörperung des Rubeus Hagrid in den Harry Potter-Filmen.

Zu dem Buch gibt es auch die passende DVD, die die komplette ITV-Serie beinhaltet (hier ein Ausschnitt).

Robbie Coltrane: B-Road Britain – Off the beaten track and into the heart and soul of Britain. Bantam Press 2008. 288 Seiten. ISBN  978-0593059968.

Meine Lieblingsplätze in England Teil 2: The Great Hall im Cliveden Hotel bei Taplow (Berkshire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Die gestern in meinem Blog beschriebene Lounge im Thornbury Castle Hotel ist sehr viel kleiner und intimer als die Great Hall im palastartigen Cliveden Hotel bei Taplow (Berkshire), westlich von London. Wir übernachteten hier an einem verschneiten Wintertag und erlebten einen äußerst freundlichen Empfang, wahrscheinlich weil uns der General Manager des Thornbury Castle Hotels bei seiner Kollegin im Cliveden House angekündigt hatte. Jedenfalls begrüßte uns die Chefin des Hauses in der Great Hall persönlich und bei einem Glas Champagner genossen wir schon einmal die Atmosphäre dieses großen wunderschönen Raumes. Überall sind gemütliche Sitzecken mit bequemen Sofas aufgestellt, dezent beleuchtet durch Stehlampen. Die Wände sind eichenholzvertäfelt, ein riesiger Kamin aus dem 16. Jahrhundert beherrscht einen Teil des Raumes. Gobelins zeigen Szenen aus der Schlacht von Blenheim, bei der einer der früheren Bewohner von Cliveden, der erste Earl of Orkney (1666- 1737), teilgenommen hatte; passenderweise wohnten wir in der Orkney Suite.

Eine der letzten Bewohnerinnen von Cliveden, Lady Nancy Astor (1879-1964), begegnen wir in der Great Hall auf einem Gemälde, das der Maler John Singer Sargent von ihr im Jahr 1909 anfertigte, es hängt direkt neben dem Kamin. Ein besonderes Vergnügen ist es, in der Great Hall seinen Nachmittagstee zusichzunehmen, der allerdings seinen Preis hat (ca 80 Euro inklusive eines Glases Champagner).

Das Abendessen wurde im Terrace Dining Room zelebriert, von wo aus wir einen sehr schönen Blick auf die Lichter von Maidenhead hatten.

Sicher gibt es in England nur wenige Hotels, die Cliveden das Wasser reichen können. Das Schwesterhotel ist übrigens das nicht minder berühmte Chewton Glen in New Milton an der Küste von Hampshire.

Wer sich das Cliveden House einmal ansehen möchte, ohne gleich darin zu wohnen, kann das von April bis Oktober jeweils donnerstags zwischen 15 Uhr und 17 Uhr tun. Für  £2 kann man dann auf einer 30minütigen Tour auch die Great Hall sehen.

Hier ist ein Film über das Hotel.

Leider habe ich in der Great Hall nicht selber fotografiert, so dass ich hier auf Fotos anderer zurückgreifen muss.

Teilansicht unserer Orkney-Suite. Eigenes Foto.

Teilansicht unserer Orkney-Suite.
Eigenes Foto.

Published in: on 18. November 2015 at 02:00  Comments (1)  
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The Great Vine – Der größte Weinstock der Welt in Hampton Court (Surrey)

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Wenn man sich etwas näher mit englischen Parks und Gärten beschäftigt, stößt man allenthalben auf einen Namen: Lancelot „Capability“ Brown. Dieser viel beschäftigte Landschaftsarchitekt lebte von 1716 bis 1783 und hatte u.a. im Chatsworth House, Blenheim Palace, Harewood Hous und im Belvoir Castle gearbeitet und das ist nur eine ganz kleine Auswahl seiner Wirkungsstätten. Auch bei der Gestaltung der Gärten im Hampton Court Palace in Surrey hatte er seine Hände im Spiel und im nächsten Jahr wird es vom 6. bis zum 8. Juni anlässlich seines 300. Geburtstages hier eine Tagung geben mit dem Thema „Capability Brown Royal Gardener – The Man and His Business – Past, Present and Future“.

Vielleicht ist es vielen Besuchern von Hampton Court nicht bekannt, dass in einem der Glashäuser in den Gärten der größte und wohl auch älteste Weinstock der Welt, The Great Vine, wächst, den Mr. Brown im Jahre 1769 gepflanzt hat. Die kleine Pflanze stammte aus dem Valentines Mansion bei Ilford in Essex, das die Witwe des Erzbischofs von Canterbury, Lady Tillotson, 1696 erbauen ließ. Capability Brown hätte sich damals nicht träumen lassen, dass sein Weinstock auch nach 246 Jahren existiert und Jahr für Jahr eine reiche Ernte bringt. Rund 5 bis 6 Zentner Trauben werden durchschnittlich jedes Jahr geerntet, Trauben, die die Besucher im September in Hampton Court auch kaufen können (in fester, nicht in flüssiger Form!). Queen Victoria hatte die Traubenernte noch für sich in Beschlag genommen, ihr Nachfolger, Edward VII, mochte wohl Weintrauben nicht besonders, denn er gab die Order, die Früchte vor Ort an die Besucher zu verkaufen.

The Great Vine beansprucht ein Glashaus ganz für sich allein, das schon erweitert werden musste, da die Pflanze wucherte und wucherte. Manche Ranken sind über 30 Meter lang. Wer möchte, kann sich diese Seltenheit ansehen; es gibt eine spezielle „viewing area“ für Besucher. Hier ist ein Schwenk über The Great Vine.

Der Eintrittspreis für Hampton Court beträgt zurzeit £19.30.
Wie man zum Palast kommt, zeigt diese Animation.

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Valentines Mansion in Essex. Von hier stammt der Setzling des Great Vines.   © Copyright Ian Cranston and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Village Signs – Debach in Suffolk

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In den dünnbesiedelten Regionen East Anglias legte man in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges gern Luftwaffenstützpunkte an, von denen aus britische und amerikanische Bombenflugzeuge ihre Angriffe auf Deutschland starteten. Nach Beendigung des Krieges wurden einige der Flugplätze nicht mehr gebraucht und anderen Zwecken zugeführt. Andere, wie die Royal Air Force Station Lakenheath und  Royal Air Force Station Mildenhall in Suffolk, werden nach wie vor für militärische Zwecke genutzt, in diesen beiden Fällen von der US Air Force.

Die den Stützpunkten nahegelegenen Ortschaften wurden natürlich durch die militärischen Aktivitäten stark beeinflusst, was sich hin und wieder auf den Village Signs der Orte ablesen lässt. Beispiel: Debach bei Woodbridge in Suffolk, ein Dorf mit etwas über 100 Bewohnern. Hier befand sich die Militärbasis RAF Debach, von wo aus die 493rd Bombardment Group der US Air Force operierte. Nachdem der letzte Einsatz am 28. August 1945 von hier aus geflogen wurde, benötigte man den Flugplatz nicht mehr und so wurde er zum Teil in Farmgelände umgewandelt, zum Teil als  Basislager für ein Logistikunternehmen verwendet.
Das Dorfschild von Debach erinnert an die militärische Vergangenheit und zeigt einen amerikanischen B17 Flying Fortress Bomber im Startvorgang, wahrscheinlich auf einer Kampfmission in Richtung Deutschland. Darunter ist eine Plakette angebracht, die die Inschrift trägt: „The 493rd Bomb Group (H) honors those who served and those who died 1944 – 1945„.
In dem ehemaligen Kontrollturm auf dem Flugplatzgelände hat man jetzt ein Museum eingerichtet, das über die damalige Zeit als US-Luftwaffenstützpunkt informiert.
Neben der Flying Fortress findet sich auf dem Dorfschild aber auch noch ein friedlicheres Bild, das eines Schiffes. Debach liegt zwar nicht an der Küste und auch an keinem Fluss, möglicherweise gibt es aber irgendeine  Verbindung zum River Deben, der nicht allzu weit von hier in die Nordsee mündet.

Vielleicht hätte man auf dem Village Sign auch noch eines Mannes gedenken sollen, der hier einmal in einem alten Farmhaus wohnte und einen Roman schrieb, der das Leben in Debach und Umgebung widerspiegelte: „Akenfield: Portrait of an English Village“ (wurde nicht ins Deutsche übersetzt) hieß der 1969 erschienene Roman, der 1984 verfilmt wurde (hier ist ein Ausschnitt), und sein Autor war Ronald Blythe.

Der ehemalige Kontrollturm des Luftwaffenstützpunktes. alt="Creative Commons Licence [Some Rights Reserved]" src="http://creativecommons.org/images/public/somerights20.gif" />   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der ehemalige Kontrollturm des Luftwaffenstützpunktes.
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Die Wymondham Abbey in Norfolk – Die Kirche mit den Doppeltürmen

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Unter den zahllosen Kirchen in der Grafschaft Norfolk fällt die Kirche von St Mary and St Thomas of Canterbury in
Wymondham besonders auf. Der Grund: Die Doppeltürme des auch Wymondham Abbey genannten Gotteshauses. Da gibt es auf der einen Seite einen achteckigen Glockenturm und auf der anderen Seite einen viereckigen. Etwas unüblich; wie konnte es dazu kommen?

Die Kirche diente von Anfang an sowohl den dort ansässigen Benediktinermönchen als auch der Gemeinde von Wymondham als Andachtsstätte. Da war ein Streit schon vorprogrammiert, wer nun worüber zu bestimmen hatte. Die Mönche wollten über die gesamte Kirche das Sagen haben, womit die Gemeinde aber überhaupt nicht einverstanden war.

Da sowohl Mönche als auch die Gemeinde über eigene Glocken verfügten, kam es zu einer Auseinandersetzung, wessen Glocken denn nun aufgehängt werden sollten. Die Mönche bauten für ihre einen eigenen achteckigen Turm, woraufhin die Gemeindemitglieder von Wymondham trotzig am anderen Ende der Kirche ihren Turm errichteten und ihre Glocken darin aufhängten. Dieser viereckige Turm war höher und imposanter als der andere; doch bevor der Gemeindeturm den der Mönche zu sehr in den Schatten stellte, kam man zu einer Übereinkunft und die Gemeinde ließ es bei einer Höhe von ca 45 Metern bewenden. Der Erzbischof von Canterbury kam persönlich nach Wymondham, um den Streit beizulegen und bat die Gemeinde, ihre Glocken nur dann zu läuten, wenn es die Mönche nicht störte. Von da an schien man wieder gut miteinander auszukommen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten an der Kirche vorgenommen, denn der Zustand des Mauerwerks war in besorgniserregendem Zustand. Der achteckige Turm ist heute nur noch eine Ruine. Haben die Mönche damals schlechter gebaut als die Gemeindemitglieder, deren Turm noch in voller Pracht steht?

Zur Orientierung: Wymondham liegt südwestlich von Norwich.

Dieser Film zeigt die Wymondham Abbey von außen und von innen.

 

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Published in: on 9. Oktober 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Wer war eigentlich…Mr. Clinton von der Firma Clinton Cards?

Der erste Clinton Cards-Laden in der High Street von Epping (Essex).   © Copyright David Howard and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der erste Clinton Cards-Laden in der High Street von Epping (Essex).
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Geht man die High Street irgendeiner beliebigen englischen Stadt entlang, wird man (fast) überall mit dem gleichen Bild konfrontiert: Links ein Tesco Express, rechts eine Boots-Drogerie, links ein Iceland-Laden für Tiefkühlkost, rechts ein W.H. Smith, links ein Curry’s Shop für Elektroartikel usw. usw. Clinton Cards-Läden reihen sich da nahtlos in die High Street-Galerie ein. Seit einiger Zeit wurde aus Clinton Cards die Firmenbezeichnung „Clintons„. In diesen Kettenläden wird man fündig, wenn man Grußkarten, Geschenkartikel, Kuscheltiere usw. sucht, die hier in großer Zahl vorrätig sind.

Einen Firmengründer namens Clinton gab es übrigens nicht. Don Lewin, Sohn eines Schornsteinfegers, steckt hinter der Geschäftsidee, ein Londoner, der 1968 in der High Street von Epping in Essex seinen ersten Laden für Grußkarten eröffnete und ihn Clinton Cards nannte, nach dem Vornamen seines Sohnes. 20 Jahre später besaß er schon 87 Läden, ging an die Börse und kaufte in großem Stil andere Firmen auf, die ebenfalls Grußkarten verkauften. Im Jahre 2004 bestand die Kette Clinton Cards aus 800 Filialen, die in ganz Großbritannien und Irland verteilt und auf fast jeder High Street zu finden waren.

2012 geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und musste Insolvenz anmelden. Die Konkurrenz der Supermärkte und des Internets war zu übermächtig geworden. Fast die Hälfte aller Läden wurde geschlossen, die anderen übernahm eine amerikanische Firma, die aus Clinton Cards „Clintons“ machte, mit einem neuen Logo. Nach und nach werden die verbliebenen Läden modernisiert und mit einem zeitgemäßeren Angebot bestückt. Am 24. Juli 2012 wurde der erste Clintons-Laden mit dem New Look in der City  von London in der Straße Cheapside eröffnet.

Der 1933 geborene Firmengründer Don Lewin hat für seine Verdienste den Order of the British Empire erhalten und 2008 eine Autobiografie geschrieben, der er den Titel „Think of a Card“ gab.

Hier ist ein Film über die Probleme, denen sich Clinton Cards 2012 gegenübersah.

Clinton Cards, noch mit dem früheren Logo, in Andover (Hampshire).   © Copyright Chris Talbot and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Clinton Cards, noch mit dem früheren Logo, in Andover (Hampshire).
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...und ein Laden im New Look in der Commercial Street in Leeds. Author: Mtaylor848. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

…und ein Laden im New Look in der Commercial Street in Leeds.
Author: Mtaylor848.
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Defibs und K6s oder Wie aus ehemaligen Telefonzellen Lebensretter werden

Eine umgewandelte Telefonzelle in Terling (Essex).    © Copyright Robin Webster and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Eine umgewandelte Telefonzelle in Terling (Essex).
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Der sich rasant durchsetzende Mobilfunk läutete das Totenglöckchen für zahllose Telefonzellen in aller Welt, natürlich auch in England. Die von dem Architekten Sir Giles Gilbert Scott ursprünglich entworfenen K1 bis K8 genannten Zellen gehörten jahrzehntelang zum Stadtbild bzw. „Dorfbild“ jeden Ortes; jetzt sind viele abgebaut und entsorgt worden bzw. ganz anderen Zwecken zugeführt worden. Ich berichtete darüber schon in meinem Blog.
Die 1936 eingeführten roten K6-Telefonzellen waren am weitesten verbreitet und am beliebtesten. Da heute fast jeder ein Handy besitzt, werden die verbliebenen Zellen nur noch wenig genutzt; trotzdem tut man sich schwer damit, sie nun alle zu verschrotten.

Jemand kam auf eine geniale Idee: Die roten gusseisernen Telefonzellen werden einfach in Lebensrettungsstationen umgewandelt, indem in ihnen Defibrillatoren installiert werden. Ein Defibrillator kann durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern und Kammerflattern beenden (so die Wikipedia). Gerade in etwas abgelegeneren Dörfern wird es schon etwas dauern, bis ein Notarzt oder ein Krankenwagen eintrifft, und so kann sich ein Defib als lebensrettend erweisen. Jedermann weiß, wo die auffällige rote Telefonzelle steht, die mit dem Hinweis „Defibrillator“ versehen ist, das medizinische Gerät ist trocken und sicher untergebracht und es soll so einfach zu bedienen sein, dass jeder damit umgehen kann. Falls man den Defibrillator benötigt, wählt man die Notrufnummer 999 und erhält einen Code, um das Gerät aus der verschlossenen Box holen zu können. Nach Öffnung des Deckels erklärt eine Stimme was Schritt für Schritt getan werden muss.

Die Gemeinden können für die symbolische Summe von £1 von der British Telecom eine Zelle „adoptieren“, der Community Heartbeat Trust installiert das Gerät und obendrein spendiert die British Coatings Federation rote Anstrichfarbe im Wert von £75, damit die Telefonzelle wieder ansehnlich aussieht.

Die Aktion ist eine klare Win-Win-Situation für alle Beteiligte.

Dieser Film zeigt eine Defib-Station am Beispiel von Ashwell in Rutland.

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Published in: on 11. Mai 2015 at 02:00  Comments (2)  
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„Lord Leicester aus Manchester“ – Ein deutscher Schlager aus den 1960er Jahren und sein Wahrheitsgehalt

Holkham Hall, der Landsitz des richtigen Lord Leicesters.   © Copyright G Laird and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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1967 trällerte eine deutsche Sängerin namens Manuela einen Schlager, der es bis in die Hitparaden schaffte und der „Lord Leicester aus Manchester“ hieß. Es kursieren auch ziemlich abartige Schreibweisen von dem Mann aus Manchester  wie „Lord Lester“ oder sogar „Lord Läster“; da laufen einem schon einmal kalte Schauer den Rücken hinunter. Christian Bruhn und Georg Buschor waren für Melodie und Text verantwortlich. Klopfen wir doch einmal den Text auf den Realitätsgehalt ab. Aber hier ist erst einmal das Video zu dem Schlager.

Also, die Großstadt Manchester ist nicht gerade als Hotspot für Männer aus dem Adel Englands bekannt, und so liegt natürlich die Vermutung nahe, dass man des Reimes wegen auf die Stadt zurückgegriffen hat.
Im Text heißt es dann:
ich stand vor uns’rem Haus in meinem neuen Minikleid“ als der mysteriöse Lord vorbeifuhr (in seinem Rolls Royce oder Bentley? Auf die Automarke ging der Texter des Liedes leider nicht ein) und sie zu sich in den Fond seines Wagens einlud. Das ist schon wesentlich realistischer! Manuela war dafür bekannt, dass sie gern in kurzen Minikleidchen oder in Hotpants auftrat und da sie auch noch hübsch anzusehen war, kann ich mir gut vorstellen, dass der Lord seinen Chauffeur in die Bremse treten ließ, um die junge Dame an Bord zu nehmen (hätte der Lord eher auf junge Männer gestanden, wäre er sicher vorbeigefahren, ohne dem Mädchen oder dem Minrock auch nur einen Blick zuzuwerfen).

Nachdem nun die sexuellen Vorlieben des Lords geklärt sind, und er sich bei näherem Betrachten als „Playboy in den Jahren, dazu mit falschen Haaren“ herausgestellt hat (woraufhin Manuela sofort das Interesse an ihm verliert), fragen wir uns, ob es denn überhaupt jemals einen Lord Leicester (die anderen Schreibweisen haben wir schon längst in die Mültonne geworfen) gegeben hat.
Ja, gab es! Als der Schlager 1967 das Licht der Welt erblickte, gab es einen Edward Douglas Coke, 7th Earl of Leicester; dieser Lord Leicester wurde 1936 geboren, war also damals gerade 31 Jahre alt, was ebenfalls nicht zu dem alternden Schlager-Playboy passt. Das Komponisten-Texter-Gespann hatte damals also nicht richtig recherchiert (wenn überhaupt!).

Der besagte siebte Earl of Leicester ist übrigens vor wenigen Tagen im Alter von 78 Jahren gestorben. Er, wie auch seine Vorgänger, wohnten auf dem Familiensitz Holkham Hall in Norfolk, ein prachtvolles, im palladianischen Stil gebauter Landsitz, der im Sommerhalbjahr (bis zum 31. Oktober) jeweils sonntags, montags und donnerstags von 12 Uhr bis 16 Uhr zu besichtigen ist.

Lord Leicester war eine Zeit lang Präsident der Historic Houses Association und erhielt 2005 den Order of the British Empire für seine Verdienste um die Erhaltung britischer Kulturgüter.

Fazit: Unser Lord von Holkham Hall hat mit dem auf Minikleidchen stehenden Namensvetter aus Manchester absolut nichts zu tun.

Manuela, die eigentlich Doris Inge Wegener hieß, starb bereits im Alter von 57 Jahren am 13. Februar 2001.

Published in: on 28. April 2015 at 02:00  Comments (2)  
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Mein 2000. Blogeintrag – Ein paar Worte in eigener Sache

Am 17. Oktober 2009 begann ich, meinen England-Blog zu schreiben und hätte mir damals nicht gedacht, dass er so lange bestehen würde. Heute ist ein Jubiläum, der 2000. Blogpost. Das ist übrigens kein Aprilscherz! Dazu einige Anmerkungen in eigener Sache:

– Am 5. August 2011 lag mein bisheriger Rekord in Bezug auf die Zugriffszahlen; da wurde mein Beitrag zum Thema „Die Mayor Weighing Zeremonie in High Wycombe“ 1502 mal an einem Tag aufgerufen. Den Grund fand ich schnell heraus: In der Comedysendung „Genial daneben“ auf Sat1 wurde eine Frage gestellt, die sich genau darauf bezog. Bei der Wiederholung der Sendung einige Tage später kam es erneut zu hohen Zugriffszahlen.

– Immer wenn Folgen der Inspector Barnaby-Serie vom ZDF bzw. von ZDFNeo ausgestrahlt werden, wird meine Kategorie „Midsomer Murders“ besonders häufig aufgerufen. Spitzenreiter in der Artikelserie ist der Eintrag über John Barnabys Hund Sykes.

– Natürlich wird mein Blog am häufigsten in Deutschland gelesen, aber schon an zweiter Stelle stehen die USA, gefolgt von der Schweiz, Österreich und Großbritannien. Es gibt kaum ein Land auf der Welt (Ausnahmen sind einige zentralafrikanische Länder und der Iran) von dem aus mein Blog noch nicht aufgerufen wurde; wobei sich da aller Wahrscheinlichkeit nach viele zufällig zu mir verirrt haben.

Mir macht die tägliche Beschäftigung mit meinem Lieblingsland sehr viel Spaß, es kostet allerdings auch Zeit. Ich freue mich immer wieder über Kommentare und natürlich auch über die „Gefällt mir“-Klicks. Herzlichen Dank an alle, wo auch immer in der Welt, die meinen Blog mehr oder weniger regelmäßig verfolgen!!!

 

 

Published in: on 1. April 2015 at 02:00  Comments (28)  

Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Sydenham (Oxfordshire) und „Das Biest muss sterben“

The Crown in Sydenham (Oxfordshire).   © Copyright Stefan Czapski and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Crown bzw. The Stag Inn in Sydenham (Oxfordshire).
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Der „alte“ Inspector Barnaby hatte in Sydenham in Oxfordshire nie gedreht, obwohl er ganz in der Nähe in Chinnor, Bledlow und Thame tätig war. Die Location Manager, die für die Episode 87 „The Night of the Stag“ unterwegs waren, die heute Abend vom ZDF erstmals unter dem Titel „Das Biest muss sterben“ ausgestrahlt wird, wurden hier in diesem Dorf fündig, das alles besitzt, was man nun einmal für eine englische Krimiserie braucht: Einen Pub, eine Dorfkirche und eine Village Hall.

Aus „The Crown“ wurde The Stag Inn, in dem der unsympathische Wirt Samuel Quested residiert. Das Gebäude ist irgendwann im 17. Jahrhundert gebaut worden. Der Gasthof fand bei dem Produktionsteam Anklang, so dass man noch einmal hierher kam, und so wurde The Crown für die Episode 102 „The Ballad of Midsomer“ (dt. „Ein mörderisch guter Song“) noch einmal umbenannt, in The Captain Farrell, wo im Pubgarten ein Volksfest stattfindet, bei dem natürlich wieder ein Mord passiert.

Gegenüber von The Crown steht die Dorfkirche von Midsomer Abbas, wie Sydenham in „The Night of the Stag“ heißt. Auch vor und in St Mary’s wurde ausgiebig gedreht. Direkt neben der Kirche liegt The Old School Room, der heute als Village Hall dient und in der TV-Episode als „Incident Room“ für Barnaby und Jones verwendet wird. In der erwähnten Folge „The Ballad of Midsomer“ wird man das kleine Gebäude ebenfalls zu Gesicht bekommen wie auch einige der hübschen reetgedeckten Cottages an der Hauptstraße.

Der zweite Pub in „The Night of the Stag“ liegt in Crowell, das nur ein paar Kilometer von Sydenham entfernt ist. Aus „The Shepherd’s Crook“ wurde The Apple Tree in Midsomer Herne, in dem Will Green zuhause ist.

In diesem Teil von Oxfordshire und Buckinghamshire wimmelt es nur so von Orten, die man aus der „Inspector Barnaby“-Serie kennt. Mein Tipp: Einfach die B4009 entlangfahren; auf dieser Straße kommt man durch viele Drehorte.

St Mary's in Sydenham.   © Copyright Stuart Logan and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Sydenham.
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In der Kirche St Mary's, wo Barnaby und Jones die Leiche von Reverend Walker finden.   © Copyright Basher Eyre and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In der Kirche St Mary’s, wo Barnaby und Jones die Leiche von Reverend Walker finden.
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The Sherpherd's Crook in   © Copyright al partington and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

The Shepherd’s Crook alias The Apple Tree in Crowell (Oxfordshire)
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Published in: on 4. Januar 2015 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Eine russische Prinzessin auf Hayling Island (Hampshire)

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Hayling Island ist eine Insel im äußersten Süden der Grafschaft Hampshire, die durch die Langstone Bridge mit dem Festland verbunden ist. Hier wohnte von 1932 bis 1959 Catherine Alexandrovna Yurievskaya (die Schreibweisen des Namens variieren), eine russische Prinzessin und uneheliche Tochter des Zaren Alexander II. Ihre Mutter, erst Mätresse des Zaren, später seine Frau, war Catherine Dolgorukova. Nachdem Alexander II 1881 einem Attentat zum Opfer gefallen war, zog die dreijährige Catherine mit Mutter und Geschwistern nach Frankreich. Dort heiratete sie 1901 den Prinzen Alexander Vladimirovich Baryatinsky, ein zweite Ehe ging sie 1916 mit dem russischen Prinzen Serge Obolensky ein. Aber auch diese Ehe lief nicht gut, der Prinz verließ sie 1922 und im Jahr darauf ließ sich Prinzessin Yurievskaja scheiden.

Sie verdiente von nun an ihren Lebensunterhalt als Sängerin und ließ sich 1932 auf Hayling Island nieder, wo sie zwei Häuser besaß, The Haven und Naini. Da sie an Asthma litt, hatte sich die russische Prinzessin die Insel ausgesucht, weil ihr die klimatischen Verhältnisse dort gut bekamen. Finanziell ging es ihr allmählich nicht mehr so wie sie es von früher gewohnt war und so war sie froh, dass der britische Königshof sie unterstützte. Als aber auch diese regelmäßigen Zahlungen 1953 aufhörten, musste sie so gut wie alles verkaufen, was sie noch besaß. Schließlich zog sie in ein Pflegeheim auf Hayling Island, in dem sie am 22. Dezember 1959 starb. Ihr Grab findet sich auf dem Kirchhof von St Peter’s in North Hayling und der Stein trägt die Aufschrift „Here Rests in God, H.S.H (Her Serene Highness) Princess Catherine Yourievsky, Born 2nd September 1880, Died 22nd December 1959“. Bei ihrer Beerdigung waren lediglich zwei Familienmitglieder anwesend, ihr zweiter Mann Prinz Obolensky und ihr Neffe Prinz Alexander Yurievsky.

St Peter's Church in North Hayling (Hampshire). Hier ruht die russische Prinzessin.    © Copyright John Firth and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter’s Church in North Hayling (Hampshire). Hier ruht die russische Prinzessin.
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Published in: on 3. September 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Katastrophe an der Rochester Bridge am 13. September 1816

An dieser Stelle ereignete sich die Katastrophe vom 13. 09. 1816.    © Copyright Paul Gillett and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

An dieser Stelle ereignete sich die Katastrophe vom 13. 09. 1816.
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Es war Freitag, der 13., ein wahrer Unglückstag damals im September des Jahres 1816, als an der Rochester Bridge in Kent 15 Menschen ertranken. Dabei begann der Tag so verheißungsvoll; der junge Thomas Gilbert hatte Familienmitglieder und einige Mädchen eingeladen, um mit ihnen seinen 21. Geburtstag zu feiern. Er hatte gerade seine Lehre abgeschlossen und plante, in dem elterlichen Textilgeschäft in Chatham  mitzuarbeiten. Die fröhliche Geburtstagsgesellschaft hatte mit einem Boot eine Ausflugsfahrt auf dem River Medway nach Halling unternommen und befand sich auf der Rückfahrt nach Rochester als das Schicksal seinen Lauf nahm. Am Morgen des Tages fanden Reparaturarbeiten an der Brücke über den Medway statt und man hatte einen Holzbalken unterhalb des mittleren Brückenbogens angebracht, den das Boot auf der Hinfahrt bei Flut problemlos überqueren konnte. Doch jetzt bei der Rückfahrt herrschte Niedrigwasser, das Boot, das von Thomas Lear gesteuert wurde, fuhr dagegen, kippte um und alle, die an Bord waren, stürzten in den reißenden Fluss. Der Hund des Bootsführers schaffte es ans rettende Ufer, die Menschen ertranken alle. Die Opfer waren, neben dem Geburtstagskind Thomas Gilbert, seine beiden Schwestern, sein Schwager und dessen Kleinkind, der Bootsführer und neun Mädchen im Alter von 6 bis 12 Jahren. Die Mädchen kamen alle aus dem Pensionat, das Thomas Gilberts Vater einige Jahre zuvor in Chatham gegründet hatte.

Die Rochester Bridge, eine Steinbrücke aus dem Jahr 1391, galt als gefährlich, weil durch die nahe beieinanderstehenden Bögen die Wassermassen des Flusses hindurchgepresst wurden und so für den Bootsverkehr nicht leicht zu befahren waren. Mehrere Unfälle hatten sich hier schon ereignet, aber keiner war so verhängnisvoll wie der vom 13. September 1816. Die Steinbrücke wurde schließlich 1856 durch eine Eisenbrücke ersetzt. Heute führen zwei Straßenbrücken (die A2) und eine Eisenbahnbrücke in der Charles Dickens-Stadt Rochester über den Medway. Ich bin viele Male über die Brücken gefahren, meistens morgens, und es herrschte immer ein sehr starker Verkehr.

Für die Opfer der Katastrophe wurde in der Baptist Church von Chatham ein Erinnerungsstein angebracht, der jetzt im Guildhall Museum von Rochester zu sehen ist, weil die Kirche 1999 abgerissen wurde. Das Museum in der High Street ist nur ein paar Schritte von den Brücken entfernt.

Hier ist ein Film über die Rochester Bridge.

Die Brücken über den River Medway in Rochester.    © Copyright Chris Downer and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Brücken über den River Medway in Rochester (Kent).
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Published in: on 20. Juni 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Victoria Cross und die drei Männer, die die diesen hohen Orden gleich zweimal erhielten

Author: Richard Harvey. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

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„Das Victoria-Kreuz (engl. Victoria Cross) ist die höchste Kriegsauszeichnung der Streitkräfte des Vereinigten Königreichs und einiger Staaten des Commonwealth. Es wird für herausragende Tapferkeit im Angesicht des Feindes verliehen und steht innerhalb der Rangfolge der Orden und Ehrenzeichen des Vereinigten Königreichs an erster Stelle“. So steht es in der Wikipedia. Königin Victoria hatte die nach ihr benannte Auszeichnung 1856 ins Leben gerufen, die seitdem 1357 Mal verliehen wurde.

Drei Männer gab es nur, die diesen Orden gleich zweimal erhalten haben, zwei Engländer und ein Neuseeländer. Da war einmal Lieutenant-Colonel Dr. Arthur Martin-Leake aus Hertfordshire, ein Arzt, der im Burenkrieg in Südafrika  (1899-1902) eingesetzt wurde. Am 8. Februar 1902 kam es bei Vlakfontein zu Kampfhandlungen zwischen Buren und Engländern, wobei mehrere britische Soldaten schwer verwundet wurden. Dr Martin-Leake eilte ihnen zu Hilfe, obwohl er in den Kugelhagel der Buren geriet und dabei selbst mehrfach getroffen wurde. Durch diese heldenhafte Tat rettete er das Leben der Soldaten und bekam dafür das erste Victoria Cross. Später, im Ersten Weltkrieg, geriet der mutige Arzt in ähnliche Situationen bei der ersten Flandernschlacht 1914 in Belgien. Auch da rettete Dr. Martin-Leake unter Einsatz seines Lebens britische Soldaten, die zwischen den Fronten schwer verwundet worden waren. Sein heldenhafter Einsatz brachte ihm das zweite Victoria Cross ein. 1959 starb der Arzt in High Cross, im heimischen Hertfordshire und wurde auf dem Friedhof von St John’s beerdigt.

Captain Noel Godfrey Chavasse erhielt seine beiden Victoria-Kreuze im Ersten Weltkrieg. Auch der in Oxford geborene Chavasse war Arzt und auch sein Einsatz war mit dem von Martin-Leake vergleichbar. Bei der Schlacht von Guillemont an der Somme rettete er zwanzig Soldaten, die im Niemandsland zwischen den Fronten verwundet worden waren und ließ sich durch den Beschuss durch die Deutschen nicht von seinem Vorhaben abbringen. Das Victoria Cross erhielt er 1916 „For most conspicuous bravery and devotion to duty.“ Ein Jahr später, in der Zeit vom 31. Juli bis zum 2. August zeichnete sich der Arzt ein zweites Mal aus, als er bei Kämpfen in Belgien erneut Soldaten vor dem sicheren Tod rettete, dabei aber selbst so schwer verwundet wurde, dass er kurz darauf, am 4. August 1917 starb. Wenige Wochen nach seinem Tod erhielt er posthum das zweite Victoria Cross. Sein Grab liegt auf dem belgischen Brandhoek New Military Cemetery.

Der neuseeländische Captain Charles Hazlitt Upham war der einzige Soldat, der zwei Viktoria-Kreuze im Zweiten Weltkrieg erhielt. Das erste bekam er für seinen heldenhaften Einsatz im Mai 1941 auf Seiten der Alliierten auf der griechischen Insel Kreta, wobei er schwer verwundet wurde. „He showed superb coolness, great skill and dash and complete disregard of danger. His conduct and leadership inspired his whole platoon to fight magnificently throughout, and in fact was an inspiration to the Battalion“, so die Begründung für die Vergabe des Ordens. Bei der ersten Schlacht von El-Alamein in Ägypten, die im Juli 1942 stattfand, war Upham erneut zur Stelle und zeichnete sich durch sein extrem mutiges und entschlossenes Vorgehen gegen den Feind aus, was den englischen König dazu veranlasste, ihm ein zweites Mal den Orden zu verleihen. Upham starb am 22. November 1994 im neuseeländischen Canterbury.

Hier ist ein Film von Jeremy Clarkson über das Victoria Cross und einige seiner Empfänger.

Published in: on 8. Juni 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Nether Lypiatt Manor in Gloucestershire – Royals, Exzentriker und Geister

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Die Anfahrt zum Nether Lypiatt Manor in der Nähe von Thrupp in der Grafschaft Gloucestershire erfolgt über schmale Wege. Mitten in der Wildnis kommt man dann an dem schönen Haus vorbei, das in Privatbesitz ist und nicht besichtigt werden kann. Wir befinden uns hier in Royal Gloucestershire wie man so schön sagt, weil einige Royals in dieser Grafschaft ihre (Zweit-)häuser haben. Prince Charles wohnt in Highgrove bei Tetbury, Princess Anne auf Gatcombe Park bei Minchinhampton und der Vetter der Königin, Prince Michael of Kent, residierte mit seiner Frau bis 2005 in besagtem Nether Lypiatt Manor. 1981 kaufte es Prince Michael für einen relativ geringen Preis. Nur £300,000 blätterte er für das Haus hin, das eigentlich sehr viel mehr hätte einbringen müssen, aber potentielle Käufer schreckten vor dem Ruf Nether Lypiatt Manors zurück: Es hieß, dass darin mehrere Geister umgehen. Den Prinzen schreckte das nicht ab und so kam er zu einem günstigen Preis an ein tolles Haus.
Der Nachbesitzer, seit 2006, ist Lord Drayson, ein Geschäftsmann, Politiker und Rennfahrer, dem das Manor House £5.75 Millionen wert war.

Eine frühere Besitzerin war Violet Gordon-Woodhouse (1872-1948), eine Dame, die für ihre Cembalo-Künste berühmt (hier eine Kostprobe ihres Könnens) und für ihr exzentrisches Privatleben berüchtigt war. Verheiratet war sie mit einem Gordon Woodhouse, lebte aber zeitweise mit mehreren Männern gleichzeitig unter einem Dach. Als sie Nether Lypiatt Manor übernahm, hatte sie „nur“ eine Ménage à Trois, nämlich Ehemann Gordon und Liebhaber William Barrington. Offensichtlich lief dieses Dreiecksverhältnis aber gut. Violet entwickelte in ihren späteren Jahren eine Vorliebe für das „Gedankengut“ Adolf Hitlers, den sie sehr verehrte.

Gebaut wurde Nether Lypiatt Manor Anfang des 18. Jahrhunderts von einem Richter namens John Coxe, der dafür berüchtigt war, häufig Todesurteile auszusprechen. Durch den Strick starben aber nicht nur die von ihm Verurteilten, sondern auch sein Sohn, der sich in einem der Zimmer des Manor Houses erhängte. Sein Geist soll Nether Lypiatt bis zum heutigen Tag heimsuchen wie übrigens auch der eines Pferdes. Judge Coxe besaß einen Hengst namens Wag, ein intelligentes Tier, das er regelmäßig allein zum Einkaufen in das drei Kilometer entfernte Stroud schickte. In den aufgeschnallten Tragekörben befanden sich die Einkaufszettel, und so trabte Wag von Laden zu Laden, bis die Körbe gefüllt waren, dann trat er seinen Heimweg wieder an. Für seine Verdienste wurde ihm ein Obelisk errichtet auf dem die Worte eingraviert sind:
My name is Wag, that rolled the green
The oldest horse that ever was seen
My years they numbererd forty-two
I seved my master just and true

Ein weiterer Geist von Nether Lypiatt Manor ist der des Schmiedes, den Judge Coxe seinerzeit beauftragte, das Gittertor anzufertigen. Noch bevor der seine Arbeit erledigt hatte, wurde er wegen Schafdiebstahls vor Gericht gestellt und dabei natürlich mit dem gestrengen Judge Coxe konfrontiert. Der verschob aus nachvollziehbaren Gründen das Todesurteil und ließ ihn erst noch sein Gittertor fertigstellen.  Der Schmied baute aus Rache einige kleine Fehler darin ein, die man aber nicht auf den ersten Blick sehen konnte. Außerdem soll er noch einen Fluch über das Haus ausgesprochen haben: Nether Lypiatt sollte niemals vom Vater auf den Sohn vererbt werden. In der über 300jährigen Geschichte des Hauses ist das tatsächlich auch nie geschehen!

Published in: on 22. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Carol White (1943 – 1991) – The Battersea Bardot

Heute kennt sie kaum noch jemand, die Schauspielerin Carol White, die in den 1960er Jahren eine kurze vielversprechende Karriere begann, die dann aber bald im Sand versickerte. Gestern schrieb ich in meinem Blog über einen Song, in dem der Battersea Park im Mittelpunkt steht, heute über eine junge Frau, die als „Battersea Bardot“ bezeichnet wurde. Gewisse Ähnlichkeiten mit Brigitte Bardot waren durchaus vorhanden, aber Carol White hatte nie die großen Erfolge ihrer französischen Kollegin erlebt.

Die gebürtige Londonerin hatte ihre ersten Filmauftritte 1954 in „The Belles of St Trinian“ und 1959 in einer der „Carry On“-Komödien („Carry On Teacher). Richtig bekannt wurde sie dann in ihrem Heimatland durch den BBC-Film „Cathy Come Home„, der 1966 gezeigt wurde. Ich habe mir den Film gerade noch einmal angesehen; er ist beeindruckend und erschütternd. Es geht darin um ein junges Paar mit drei Kindern, die in die Obachlosigkeit abrutschen und keine Perspektive mehr in ihrem Leben sehen.

Auch in der BBC-Fernsehproduktion „Up the Junction„, die Verfilmung der gleichnamigen Kurzgeschichtensammlung von Nell Dunn, in der es um das Leben in den Slums der Londoner Stadtteile Battersea und Clapham Junction geht, machte Carol White eine gute Figur. Die Weichen für eine Karriere waren damals also durchaus gestellt, doch dann begab sich die 25-jährige nach Hollywood, was sich im nachhinein als Fehler erwies. Sie geriet in einen Strudel von Alkohol und Drogen, hatte Affären mit Hollywoodstars wie Richard Burton, Warren Beatty und Frank Sinatra und bekam ihre weitere Karriere nicht mehr in den Griff.

1981 schrieb Carol White ihre Autobiografie, die sie in Anlehnung an ihren Film „Cathy Come Home“ „Carol Comes Home“ nannte. Die Sunday Times schrieb über das Buch: „An impressively frank and articulate account…Thurlow had to fill in the gaps in her memory caused by her drug-taking“ (Mit Thurlow ist der Journalist und Ghostwriter Clifford Thurlow gemeint). Am 16. September starb die Schauspielerin in Florida; einige sagen an einer Überdosis Drogen, andere wiederum sprechen von einer Leberkrankheit. Ihr Grab liegt auf dem Mortlake Cemetery im Westen Londons, in Richmond-upon-Thames.

Die Punk-Band Cock Sparrer widmete Carol White einen Song, den sie passenderweise auch „Battersea Bardot“ nannte. Hier ist er zu hören.

Published in: on 11. Mai 2014 at 02:00  Schreibe einen Kommentar