Meine Brighton-Trilogie Teil 1: Max „The Cheeky Chappie“ Miller (1894-1963) – Ein Comedian aus der guten alten Zeit

Max Millers Statue in den Pavilion Gardens.
Photo © Mike Pennington (cc-by-sa/2.0)

Max Miller, dessen richtiger Name Thomas Henry Sargent  lautet, wurde 1894 im südenglischen Brighton geboren, wo er auch 67 Jahre später starb. Er war ein fester Bestandteil der englischen Varieté- und Unterhaltungsszene von den 1920er bis in die 1950er Jahre. Er tourte viel durch die Lande, trat auch in Übersee auf, doch Brighton war sein zuhause, und sofern es seine Engagements zuließen, hielt er sich bevorzugt in seiner Geburtsstadt auf. Bekannt war er durch seine schrillen Anzüge und durch seine manchmal etwas gewagten, mehr oder weniger doppeldeutigen „saucy jokes„, die ihn hin und wieder mit der Zensurbehörde in Konflikt brachten. Sein Publikum liebte aber gerade diese Art von Unterhaltung wie zum Beispiel diesem Spruch:

„Have you heard about the girl of eighteen who swallowed a pin, but didn’t feel the prick until she was twenty-one?“

Nun, man muss diese Art von Humor mögen.

Die Stadt Brighton liebt ihren Comedian wie er Brighton liebte. Am 1. Mai 2005 errichtete man zu seinem Gedenken ein Denkmal in den Pavilion Gardens an der New Road.  An der Burlington Street Nummer 25, dem Haus, in dem Max Miller starb, ist eine blaue Plakette angebracht, ebenso an der Marine Parade Nummer 160, dort, wo er viele Jahre lang lebte. Am Walk of Fame an der Marina, wo man ähnlich wie in Hollywood, den Personen einen Gedenkstein ins Pflaster gesetzt hat, die in irgendeiner Form mit Brighton verbunden waren, ist auch einer, der dem Comedian gewidmet ist. Eine Straße trägt den Namen des Varietékünstlers, der Max Miller Walk am Strand von Brighton.

Einer der Linienbusse der Brighton and Hove Bus Company (ich berichtete in meinem Blog darüber) ist nach Max Miller benannt.

Die Max Miller Appreciation Society, die über 1000 Mitglieder zählt,  sorgt dafür, dass der Name des Comedians nicht in Vergessenheit gerät. Sie hat in Bardsley’s Fish and Chips Restaurant in der 22-23a Baker Street eine Dauerausstellung mit Erinnerungsstücken von Max Miller eingerichtet; dazu gehört auch einer seiner schrillen Anzüge.

Hier ist ein Film über den Cheeky Chappie.

Das Buch zum Artikel:
John M. East: Max Miller: The Cheeky Chappie. Robson Books 1998. 224 Seiten. ISBN 978-0860518556.

160 Marine Parade, wo Max Miller wohnte, mit blauer Plakette links neben der Haustür.
Photo © Simon Carey (cc-by-sa/2.0)

Der Max Miller Walk am Strand von Brighton.
Photo © Paul Gillett (cc-by-sa/2.0)

Suffolk Punch – Eine Pferderasse, die schon fast ausgestorben war

Um ein Haar war die Suffolk Punch genannte Pferderasse in den 1960er Jahren ausgestorben. Die schweren Arbeitspferde waren in der Landwirtschaft eingesetzt und je mehr Maschinen ihre Arbeit übernahmen, umso weniger wurden sie gebraucht. Bis zu einer Tonne schwer können diese Pferde werden, und sie besitzen eine enorme Zugkraft, daher waren sie bei Farmern sehr beliebt.

Heute kümmert sich der Suffolk Punch Trust in Hollesley bei Woodbridge um diese Tiere, die hier am Woodbridge Walk gezüchtet werden (die Straße führt zum Gefängnis Ihrer Majestät HMP Hollesley Bay). Der Trust unterhält ein Besucherzentrum, in dem ein kleines Museum untergebracht ist mit Ausstellungsstücken rund um die Pferderasse und mit landwirtschaftlichen Maschinen und anderen Gegenständen. Die Besucher können sich die Suffolk Punch Pferde ansehen, die Namen tragen wie Easton Bill („will accept a cuddle when nobody is looking“), Colony Calypso („one cheeky little girl“) und May („lovely little girl who has a big heart“). Für £15 kann man auch einige der Pferde adoptieren, das heißt, man wird dann regelmäßig über die Verfassung „seines“ Pferdes informiert, erhält ein Adoptionszertifikat und ein Foto des Tieres. Hier ist ein Film über den Trust.

Eine weitere Organisation, die sich mit der Zucht dieser besonderen Pferde befasst, ist die Suffolk Horse Society, die 1877 gegründet wurde und deren Büro in Rendlesham, nordöstlich von Woodbridge, zu finden ist. Sie definiert u.a. die Zuchtstandards und führt das Zuchtbuch für die Rasse.

Das Logo des Fußballvereins Ipswich Town F.C. in Suffolk, der in der English Football League Championship spielt, zeigt ein Suffolk Punch Pferd.

Dieser Film zeigt weitere Informationen über die Pferderasse.

Es gibt auch Pubs, die nach der Pferderasse benannt sind. Hier das Schild eines Pubs in Ipswich (Suffolk).
Photo © Keith Evans (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 15. April 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Thornbury Castle Hotel revisited 2019

Eigenes Foto.

Nach wie vor ist das Thornbury Castle in Thornbury (South Gloucestershire) mein absolutes Lieblingshotel in England. Mein allererster Blogeintrag vor mehr als neun Jahren galt diesem Hotel und im Laufe der Zeit habe ich mehrfach über diese wunderschöne, romantische Burg geschrieben. Für mich ist ein Englandurlaub eigentlich erst perfekt, wenn ich einige Tage in dem Hotel nördlich von Bristol verbracht habe.

Im März wohnte ich wieder einmal drei Tage und Nächte in dem alten Gemäuer, zum achten Mal, in dem schon Heinrich VIII und Anne Boleyn einige Zeit residierten. Die jungen Damen an der Rezeption empfingen uns sehr freundlich, und wir wurden in unsere „bedchamber“ geführt, dieses Mal war es „Henry VIII“ (die Zimmer haben hier keine Nummern, sondern Namen), in diesem waren wir noch nicht. Der Zugang erfolgte über eine sehr steile Treppe, für Menschen mit Gehschwierigkeiten wäre das nichts. Ein großes Himmelbett sorgte für die entsprechende Atmosphäre in dem Raum, in dem wir uns sofort wohlfühlten.

Nach dem Abendessen zeigte uns auf meinen Wunsch hin, die Dame an der Rezeption die Tower Suite ganz oben in der Burg, die über mehr als 70 Stufen zu erreichen ist. Hier steht also Englands größtes Hotelbett, mit einer Breite von drei Metern, in dem eine ganze Familie unterkommen kann (was auch hin und wieder wahrgenommen wird).

Um noch einmal auf das Abendessen zurückzukommen: Der Küchenchef, Andrew Chan, ist großartig und zaubert hervorragende Gerichte auf den Teller (seine Vorgänger hatten doch einige Schwächen). Er hatte schon früher im Castle gearbeitet, kam dann wieder als Head Chef zurück. Auch im Restaurant trafen wir auf freundliches, kompetentes Personal.

Während unseres Aufenthaltes nahmen wir erstmalig an einer Burgführung teil, die auf Wunsch von Valerie vorgenommen wird, die früher an der Rezeption gearbeitet hat und das Hotel in und auswendig kennt. In der Lounge erzählte sie von der Geschichte des Thornbury Castles und führte uns durch das Haus und durch die schönen Tudorgärten, die von Kate, der Chefgärtnerin gepflegt werden, die wir auch kennenlernten und die mit Begeisterung von ihrer Aufgabe sprach.

Wer in der Zeit von Mai bis September hier wohnt, kann am „Dining in the Dungeon“ teilnehmen, an einem Abendessen bei Kerzenlicht, dass in dem ehemaligen, aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kerker serviert wird, allerdings nur für Gruppen von sechs bis acht Personen (ein Mindestumsatz von £300 ist erforderlich). Dort ist auch der Weinkeller untergebracht, in dem, neben vielen anderen Flaschen, Wein aus eigenem Anbau lagert, dem Thornbury Castle Wein, den wir im Restaurant probieren konnten.

Nach drei Übernachtungen haben wir schweren Herzens unser Lieblingshotel wieder verlassen, das wir mit Sicherheit bald wieder aufsuchen werden (vielleicht dann in der Tower Suite).

Thornbury Castle
Castle Street
Thornbury, South Gloucestershire, BS35 1HH

Unsere Henry VIII Bedchamber.
Eigenes Foto.

Unser Lieblingsplatz in der Lounge.
Eigenes Foto.

Thornbury Castle vom angrenzenden Kirchhof aus gesehen.
Eigenes Foto.

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Published in: on 7. April 2019 at 02:00  Comments (2)  
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David Bradshaw – Ein ehemaliger Jurist, ein Schriftsteller…und ein sehr guter Freund

Philomena und David Bradshaw mit seinem letzten Buch bei mir zuhause.

Ich kenne David Bradshaw seit etwa drei Jahren, und meine Frau und ich statteten ihm und seiner Frau Philomena kürzlich einen mehrtägigen Besuch in seinem Wohnort Milton bei Cambridge ab. In diesem Blogeintrag möchte ich einmal ein Loblied auf zwei wunderbare Menschen singen!

David Bradshaw wurde auf der Karibikinsel Montserrat geboren und ging als Kind, zusammen mit seinem Bruder, nach Großbritannien, wo er nach Swindon in Wiltshire zu seinen bereits dort lebenden Eltern zog. Er ging dort zur Schule, absolvierte später die Kingston Law School in Surrey und studierte Rechtswissenschaften am Trinity Hall College in Cambridge. Er war Barrister-at-Law am Lincoln’s Inn in London, Professor an der Leeds University und Deputy Dean an der Rechtsfakultät der University of the West Indies in Barbados. Einige Jahre lang arbeitete David Bradshaw als Rechtsanwalt für den BBC World Service in London.

Jetzt lebt er im Ruhestand, ist aber noch sehr aktiv. Sein reich erfülltes Leben hat er in seiner bisher dreibändigen Autobiografie zu Papier gebracht und arbeitet derzeit am vierten Band. Seine Recherchen wickelt er in der Universitätsbibliothek von Cambridge ab.

Ich habe selten einen Menschen kennengelernt, der dermaßen lebensfroh, freundlich und offen auf andere Menschen zugehend ist wie David Bradshaw. Wir wurden von ihm und Philomena, die noch als Lehrerin arbeitet, außerordentlich freundlich in ihrem Haus willkommen geheißen, wo wir typisch englische Gerichte probieren konnten, wie u.a. Bangers and Mash und Kippers, die Phil zubereitete. David zeigte uns einen ganzen Tag lang Cambridge, wobei wir dank seines Universitätsausweises hinter die Kulissen von acht Colleges blicken konnten, darunter auch seine Alma Mater Trinity Hall (hier studierten u.a. der Wissenschaftler Stephen Hawking, der Journalist Andrew Marr und der Schriftsteller John Boynton Priestley). Einen Abend aßen wir alle vier zusammen in der Hall vom Churchill College.

Ich bin stolz, David und Philomena Bradshaw zu meinen Freunden zählen zu können und freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen!

David Bradshaw: Growing Up Barefoot Under Montserrat’s Sleeping Volcano – Memories From a Colonial Childhood in a British Caribbean Island 1952-1961. Upfront Publishing 2010. 174 Seiten. ISBN 978-1844268641.

David Bradshaw: Swimming Without Mangoes -Memories of a West Indian Lad’s Boyhood in the English Railway Town of Swindon During the 1960’s and Early 1970’s. The Hobnob Press 2013. 292 Seiten. ISBN 978-1906978297.

David Bradshaw: Fledgling and Learning to Fly – A Memoir of a Young Afro-Caribbean Man’s Kingston, Cambridge and Barrister Student Days, As Well As His Early Working and („Inter-Racial“) Married Life, at Leeds University and Elsewhere in 1970’s England. Kingston University Press 2017. 756 Seiten. ISBN 978-1899999712.

Eigenes Foto.

Montserrat in der Karibik: Hier wurde David Bradshaw geboren.
Author: Aah-Yeah.
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Die Kingston Law School in Surrey.
Photo © David Anstiss (cc-by-sa/2.0)

Trinity Hall College in Cambridge, wo David Bradshaw studierte.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Hier, in Milton bei Cambridge, wohnen David und Philomena Bradshaw.
Photo © N Chadwick (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 27. März 2019 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Das Bark and Read-Projekt des britischen Kennel Clubs

In vielen Ländern der Welt, auch in Deutschland,  Österreich und der Schweiz, hat man festgestellt, dass Kinder, die Leseprobleme haben, in Anwesenheit von Hunden, besser lesen bzw. vorlesen können. Im US-Bundesstaat Missouri gab es ein Projekt, bei dem Kinder in Tierheime gingen, um dort verängstigten und verstörten Hunden aus Büchern vorzulesen, und der Erfolg war beidseitig. Die Kinder wurden sicherer beim Lesen und die Hunde entspannten sich und fühlten sich ganz offensichtlich wohl. Hier ist ein Film.

Der britische Kennel Club hat ein ähnliches Projekt aus der Taufe gehoben, das den Titel „Bark and Read“ trägt. Manche Kinder fühlen sich verunsichert, wenn sie vor anderen Menschen vorlesen müssen, legen diese Scheu aber ab, wenn der Zuhörer ein Hund ist. Diese speziell ausgebildeten Hunde gehen in Schulen und Bibliotheken und helfen dort durch ihre Anwesenheit Kindern mit Leseschwäche. Die Hunde kritisieren nicht und machen sich nicht lustig (im Gegensatz zu menschlichen Zuhörern), wenn es mal nur etwas holperig mit dem Lesen voran geht und das gibt den Kindern wiederum mehr Sicherheit.

Die Hunde müssen bestimmte Vorgaben erfüllen, um sich als Vorlesehunde zu qualifizieren: Sie müssen mindestens ein Jahr alt sein, dürfen nicht bellen und Menschen anspringen, müssen auch bei einem erhöhten Lärmpegel ruhig bleiben und überhaupt sehr kinderlieb sein.

Dieser Bericht im Shropshire Star zeigt den Vorlesehund Hector.

Ein tolles Projekt!

Published in: on 19. November 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Lincolnshire Poacher – Die inoffizielle Hymne von Lincolnshire

Plakette am Lincoln Castle.
Photo © J.Hannan-Briggs (cc-by-sa/2.0)

Das alte Volkslied „The Lincolnshire Poacher„, also der Wilderer aus Lincolnshire, ist ein Ohrwurm, der, einmal gehört, immer im Gedächtnis bleibt. Die erste gedruckte Version des Liedes stammt aus dem Jahr 1775  und es wird als die inoffzielle „county anthem“ von Lincolnshire betrachtet. Der „Wilderer“ ist auch das Regimentslied des 2. Bataillons des Royal Anglian Regiments.

BBC Radio Lincolnshire benutzte viele Jahre lang einige Takte aus dem Lied als Jingle vor dem Beginn der Nachrichtensendungen. Es gibt einige Pubs, die sich des Namens bedienen und ein Magazin namens „The Lincolnshire Poacher„, das vierteljährlich in Lincoln erscheint. Ja, es gibt sogar eine Käsesorte mit dem Namen, der in Alford hergestellt wird.

Die Eisenbahnlinie von Grantham nach Skegness in Lincolnshire wird auch The Poacher Line genannt.

Hier ist eine Version des Liedes, das von Chris Sarjeant vorgetragen wird.

The Kinks haben der Grafschaft Lincolnshire (und ihrer hübschen Mädchen) mit „Lincoln County“ ebenfalls ein Denkmal gesetzt.

Pub in Metheringham (Lincolnshire)
Photo © JThomas (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 30. Juli 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Cornish National Liberation Army – Sie kämpft(e) für ein unabhängiges Cornwall

Im Fadenkreuz der Cornish National Liberation Army: Jamie Olivers Fifteen Restaurant bei Newquay…
Photo © Rod Allday (cc-by-sa/2.0)

Es gibt in der Grafschaft Cornwall durchaus Menschen, die mit dem fernen London absolut nichts am Hute haben und keine Probleme damit hätten, ein selbständiger Staat zu sein. Diese Einstellung äußerst sich in der Regel mit Worten, aber nicht mit Taten. Die Cornish National Liberation Army (CNLA) sah das anders und ging eine Zeit lang gegen alles Englische in ihrer Grafschaft vor. Man wollte die englischen Fahnen in Cornwall abhängen und die Zweitwohnsitze reicher Engländer und deren Autos abfackeln. Der Zorn der CNLA, die sich aus Mitgliedern der An Gof und der Cornish Liberation Army zusammensetzte, richtete sich merkwürdigerweise auch gegen zwei Köche und Restaurantbesitzer, nämlich Jamie Oliver („The Naked Chef“) und Rick Stein. Ins Fadenkreuz der CNLA gerieten Jamie Olivers Fifteen Restaurant in der Watergate Bay bei Newquay und Rick Steins The Seafood Restaurant in Padstow. Drohungen wurden gegen diese Restaurants ausgesprochen, man wollte sie anzünden und abbrennen (was nicht geschah).

Warum hatten sich die militanten Englandhasser gerade diese beiden Köche ausgesucht? Nach ihrer Meinung verkörperten diese beispielhaft die englischen Invasoren, die mit viel Geld in der Hand u.a. die Hauspreise in die Höhe trieben, was letztendlich mit dazu führte, dass sich die cornische Bevölkerung in ihrem eigenen Land immer mehr als Außenseiter fühlte. Durch die vielen aufgekauften und selten bewohnten Häuser entwickelten sich immer mehr Dörfer in Geisterdörfer.

Die Vorgängerorganisation der CNLA, die An Gof, hatte in den 1980er Jahren mehrere Anschläge in Cornwall verübt: In St Austell wurde eine Bombe im dortigen Gerichtsgebäude gezündet, in Penzance ein Friseursalon abgefackelt (wahrscheinlich ein Irrtum, man wollte eigentlich eine Bank treffen) und die Zodiac Bingo Hall in Redruth angezündet.

Mittlerweile hat sich die CNLA in The Cornish Republican Army umbenannt und macht weiter Hetzjagd auf ihre englischen Feinde. Erst am 12. Juni 2017 übernahm sie die Verantwortung für eine Brandstiftung an Rick Steins Restaurant in Porthleven an der kornischen Südküste. Die Bewohner des kleinen Fischerortes waren aufgebracht, dass der prominente Koch nun auch in ihrem Dorf ein Restaurant aufgemacht hat und sich weiter krakenartig in Cornwall verbreitet.

…und ebenso Rick Steins The Seafood Restaurant in Padstow.
Photo © Philip Halling (cc-by-sa/2.0)

Rick Steins Restaurant am Hafen von Porthleven, auf das 2017 ein Brandanschlag verübt wurde.
Photo © Chris Allen (cc-by-sa/2.0)

 

 

 

 

Published in: on 14. Mai 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Siebenschläfer von Tring in Buckinghamshire

Author: Zwiegel.
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Glis glis heißt der Siebenschläfer im Lateinischen und Edible dormouse im Englischen. Edible, also essbar? Ja, die Römer  verzehrten die kleinen Nager seinerzeit gern, dann verschwand diese „Delikatesse“ aber weitgehend wieder von den europäischen Speisekarten, bis auf einige Regionen im Süden und Südosten, wo man Glis glis noch isst. Vor einigen Jahren sorgte Starkoch Heston Blumenthal für Aufsehen, als er in seinem Weihnachtsmenü einen Siebenschläfer-Lollipop einbaute. Hier ist das Rezept: Man fange einige der Nagetiere, enthäute sie… ach, Quatsch, das ist mir zu unappetitlich, lassen wir den Meister selbst in diesem Film zu Wort kommen.

Rund 30 000 Siebenschläfer soll es nach der letzten „Volkszählung“ in England geben und die meisten davon leben in den Chiltern Hills um die Kleinstadt Tring in Buckinghamshire herum. Warum haben sich die putzigen Tierchen gerade diese Region zu ihrem Wohnsitz auserkoren? Schuld daran ist einer aus der Bankiersfamilie Rothschild und zwar Lionel Walter Rothschild (1868-1937), der seinen Wohnsitz im Tring Park hatte. Viel lieber als mit Geldzählen beschäftigte sich der etwas exzentrische Baron mit dem Sammeln von allerlei Getier aus der ganzen Welt, speziell mit Insekten, Schmetterlingen und Vögeln. Aber auch andere Tiere wie Kängurus und Zebras hielt er auf seinem Landsitz; letztere spannte er gern vor seine Kutsche und ließ sich damit durch die Gegend fahren. Im Natural History Museum at Tring kann man sich heute noch die gesammelten Schätze des Baron Rothschilds ansehen.

Kommen wir auf die Siebenschläfer zurück. Lionel Walter R. hatte 1902 sechs von dieser Spezies von seinen Reisen mitgebracht und einige von ihnen hatten nichts Besseres zu tun, als bald darauf auszubüchsen und sich in den Chilterns eine neue Heimat zu suchen. Sie vermehrten sich kräftig und gehören heute zu den Tieren, die die größte Gefahr für die Natur darstellen, denn eine ihrere Lieblingsbeschäftigungen ist, die Bäume von ihrer schützenden Rinde zu befreien, was sie natürlich tun ohne die Bäume vorher zu fragen. Auch in Obstplantagen werden die Nager nicht gern gesehen. Hausbesitzer in den Chilterns gehören nicht zu den größten Fans der Tiere, wenn die sich in deren Dachböden gemütlich gemacht haben, denn die kleinen Biester machen nachts dort oben einen ziemlich großen Lärm und wetzen ihre Zähne gern an Elektroleitungen…

Zum Abschluss noch ein kleiner Film von einer Verwandten des Siebenschläfers, der Hausmaus, die sich hier verzweifelt mit einem Keks herumschlägt…und gewinnt!

Tring Park. Wohnsitz von Lionel Walter Rothschild.
Photo © Gerald Massey (cc-by-sa/2.0)

Published in: on 29. März 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Charles Dickens und The Dog and Pot in Southwark (London)

Source and copyright: www.londonremembers.com

Der kleine Charles Dickens, der später einmal zu einem der bedeutendsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts werden sollte, hatte es nicht leicht. Sein Vater wurde in ein Gefängnis gesteckt, weil er seine Schulden nicht bezahlen konnte, und er selbst musste im Alter von zwölf Jahren in Warren’s Blacking Factory in London, die Schuhcreme herstellte, jeden Tag zehn Stunden arbeiten. Auf dem Weg dorthin kam er immer an Antony Walkers Eisenwarenladen vorbei, den eine ungewöhnliche Figur schmückte: Ein Hund, der einen Topf ausleckte. Manchmal sind es kleine Dinge, die ein ansonsten tristes Leben ein wenig aufhellen. Charles mochte den Hund. und ich könnte mir denken, dass er ihm auf dem Weg öfter einmal zugewinkt hat. Diese „Dog and Pot“ genannte Originalfigur existiert noch immer, allerdings nicht mehr hier an der Ecke Blackfriars Road und Union Street im Londoner Stadtteil Southwark, sondern im Cuming Museum in der Walworth Town Hall. Heute aber finden wir an dieser Stelle eine Replika , die oben an einem Pfahl angebracht ist und die an den Schriftsteller erinnern soll. Anlässlich seines 201. Geburtstages am 7. Februar 2013 wurde diese „Dog and Pot“-Replika eingeweiht und zwar von Charles Dickens‘ Ur-Urenkel Mark Dickens. Am Fuß des Pfahles befindet sich eine Plakette mit der Inschrift:

My usual way home was over Blackfriars Bridge and down that turning in the Blackfriars Road which has Rowland Hill’s chapel on one side, and the likeness of a golden dog licking a golden pot over a shop door on the other„, ein Auszug aus der Autobiografie des Schriftstellers. Daneben ist die Reproduktion eines eisernen viktorianischen „coal hole“ in den Boden eingelassen, auf dem ebenfalls der den Topf ausschleckende Hund abgebildet ist.

Mike Painter, ein Holzschnitzer und Bildhauer aus Warwickshire, hat die Figur angefertigt, nach dem Original im Cuming Museum.

Die Enthüllungszeremonie wurde von vielen Menschen begleitet, darunter auch von einigen in viktorianischen Kostümen. Schüler der Charles Dickens Primary School in Southwark sangen einige Lieder, darunter auch „How much is that doggie in the window?„.

 

Published in: on 29. Januar 2018 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Amy Winehouse Statue im Londoner Stables Market und die Lieblings-Pubs der Sängerin in Camden

Mitten im Londoner Stables Market im Stadtteil Camden, einem bunten Markt, der Einzelhändlern vorbehalten und für die allgegenwärtigen Kettenläden tabu ist, steht die lebensgroße Statue einer Sängerin, die im Alter von 27 Jahren am 23. Juli 2011 an einer Alkoholvergiftung starb: Amy Winehouse. Ich erinnere mich noch so genau an das Datum, weil ich damals nur wenige Kilometer entfernt war und von ihrem tragischen Tod aus dem Fernsehen erfuhr. Amy Winehouse lebte ganz in der Nähe, am Camden Square Nummer 30. Ein Baum gegenüber von ihrem Haus ist zu einer Kultstätte für ihre Fans geworden.

Der renommierte Londoner Künstler Scott Eaton wurde damit beauftragt, die Skulptur der Sängerin anzufertigen, die am 14. September 2014 eingeweiht wurde, dem Tag, an dem Amy 31 Jahre alt geworden wäre. Eaton, der auch durch seine Venus of Cupertino iPod Docking Station bekannt wurde, hat eine sehr lebensnahe Bronzestatue geschaffen, die ursprünglich am Roundhouse in Camden aufgestellt werden sollte, dort, wo sie kurz vor ihrem Tod zuletzt auftrat. Doch man entschied sich dann doch für den Stables Market. Die Schauspielerin und Winehouse-Freundin Barbara Windsor nahm die Enthüllungszeremonie vor, die dieser Film zeigt.

Amy Winehouse liebte ihren Stadtteil Camden und hier waren auch ihre Lieblings-Pubs wie zum Beispiel The Dublin Castle in 94 Parkway. In diesem Musik-Pub trat die Sängerin häufig auf. Diese Dokumentation zeigt den Pub, in dem zum Beispiel die britische Band Madness ihre ersten Auftritte hatte. Ein anderer von Amy Winehouse favorisierter Pub war The Hawley Arms in der Castlehaven Road, ein weiterer Musik-Pub, in dem sie durchaus auch mal hinter die Theke ging und Biere zapfte.

Hier ist noch einmal zur Erinnerung ihr großartiges „Back to Black“ zu hören.

 

 

Published in: on 14. November 2017 at 02:00  Comments (2)  
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Das HandsFree Hectare-Projekt der Harper Adams University in Shropshire

Das Harper Adams-Universitätsgebäude.
Photo © A Holmes (cc-by-sa/2.0)

Ich mag die kleinen Rasenmäherroboter, die leise schnurrend an Grashalmen knabbern und, so lange der Akku hält, kreuz und quer ihre Bahnen über Rasenflächen ziehen. Es macht Spaß ihnen bei der Arbeit zuzusehen.

Etwas Ähnliches, aber in weit größerem Stil, hat sich in diesem Jahr auf einem Experimentierfeld der Harper Adams University bei Newport in der Grafschaft Shropshire abgespielt. Dort wurde ein ganzes Getreidefeld gesät, überwacht und schließlich geerntet, ohne dass Menschen bei den einzelnen Prozessen Hand anlegten. Alle Arbeiten haben fahrerlose Maschinen übernommen,von Drohnen überwacht. Sieht so die Landwirtschaft der Zukunft aus?

Das sogenannte HandsFree Hectare-Projekt, gestartet mit einem £200 000 Zuschuss des Staates, wurde von der Harper Adams University durchgeführt. Die Universität wurde nach Thomas Harper Adams benannt, einem wohlhabenden Farmer des 19. Jahrhunderts, der nach seinem Tod seine Ländereien für Forschung und Lehre zur Verfügung stellte. 1901 wurde das Harper Adams College gegründet, das 2012 Universitätsstatus erlangte, und das sich auf Agrarwissenschaft spezialisiert hat. Kanzlerin ist Anne, Princess Royal. 2016 wurde Harper Adams bei einer Studentenumfrage zur Universität des Jahres gekürt.

Die Betreiber des Projekts sehen in der Automatisierung der Landwirtschaft die Zukunft. Sie setzen dabei auf kleinere smarte Erntemaschinen, da ihrer Meinung nach die riesigen Mähdrescher im Laufe der Zeit durch ihr Gewicht Schäden am Ackerboden anrichten. Kameras, Laser, GPS und ferngesteuerte Drohnen werden möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft zum selbstverständlichen Handwerkszeug eines Farmers gehören, der, während seine Maschinen für ihn arbeiten, sich anderen Tätigkeiten zuwenden kann.

Das HandsFree Hectare-Projekt ist bisher einmalig in der Welt, und dieser Film zeigt Bilder davon.

Der neue Agri-tech Innovation Hub auf dem Gelände der Universität.
Photo © Richard Law (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 12. November 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Einige Veränderungen im britischen Währungssystem im Jahr 2017

The Royal Mint in Llantrisant (Wales), wo die britischen Münzen geprägt werden.
Photo © M J Roscoe (cc-by-sa/2.0)

Seit Mitternacht ist sie nicht mehr gültig, die gute alte runde 1-Pfundmünze, und wird jetzt komplett durch die neue zwölfeckige ersetzt. Seit über dreißig Jahren war die alte Münze im Umlauf, seit dem 28. März 2017 kam die neue hinzu, die ab heute die allein gültige ist. Der Grund für den Wechsel: Die bisherige Münze war relativ leicht nachzumachen und man schätzt, dass über 3% gefälscht waren. Wer jetzt noch viele alte Pfundmünzen hat, kann die unproblematisch bei jeder Bank oder Postfiliale umtauschen.
The Royal Mint ist der Meinung, dass die zwölfeckige Münze die sicherste der Welt ist und nicht gefälscht werden kann. Auf der Vorderseite ist das Konterfei der Queen zu sehen, auf der Rückseite die schottische Distel, der walisische Lauch, das nordirische Kleeblatt und die englische Rose. Dieser Film stellt die neue Münze im Detail vor.

Als ich vorletzte Woche in England mit einer Fünf-Pfund-Banknote bezahlen wollte, wurde mir gesagt, dass diese nicht mehr gültig sei. Leider habe ich nicht bekommen, dass die alten Banknoten seit Mai 2017 ihre Gültigkeit verloren haben. Von meiner Englandreise 2016 hatte ich noch einige mit nach Hause genommen, um beim nächsten Mal gleich wieder ein kleines Startkapital zu haben. Am 13. September 2016 wurde die neue Fünf-Pfund-Note in Umlauf gebracht, weil sie erstens fälschungssicherer ist und zweitens statt aus „cotton paper“ aus Polymer besteht, was eine längere Lebensdauer verspricht und umweltfreundlicher ist, da sie später einmal für andere Plastikprodukte recycelt werden kann. Es gibt viel zu sehen auf der neuen Banknote; auf der einen Seite natürlich wieder die Queen mit dem Londoner Elizabeth Tower, auf der anderen Seite Sir Winston Churchill mit seinen berühmten Worten „I have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat“, und dem Parlament im Hintergrund. Dieser Film zeigt die neue Fünf-Pfund-Banknote. Natürlich konnte ich meine alten Fiver noch in einer Bank umtauschen.

Auch die neue Zehn-Pfund-Banknote besteht aus Polymer (die alte verliert ihre Gültigkeit im Frühjahr 2018). Anstelle von Charles Darwin ist Jane Austen auf dem neuen Schein zu sehen, deren Todestag sich in diesem Jahr zum zweihundersten Mal jährt. Ihr Porträt wird durch ein Zitat aus ihrem Roman „Pride and Prejudice“ (dt. „Stolz und Voruteil“) ergänzt: „I declare after all there is no enjoyment like reading“. Die neue Banknote ist seit dem 14. September 2017 im Umlauf.

Geplant ist, dass auch die Zwanzig-Pfund-Note ersetzt werden soll, allerdings erst im Jahr 2020.

Die De La Rue Factory in Loughton (Essex), die im Auftrag der Bank of England die Banknoten druckt.
Photo © Glyn Baker (cc-by-sa/2.0)

 

Published in: on 16. Oktober 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Mauersegler vom Oxford University Museum of Natural History

Das Oxford University Museum of Natural History mit seinem Mauersegler-Turm.
Photo © Alan Heardman (cc-by-sa/2.0)

Heute begeben wir uns wieder einmal nach Oxford und zwar in das Oxford University Museum of Natural History. Wir wollen aber nicht die Schätze des Museums im Inneren betrachten, sondern den Turm, der dafür bekannt ist, dass dort jeden Sommer Mauersegler ihre Kinder zur Welt bringen und sie geduldig aufpäppeln. Das Winterhalbjahr verbringen die Vögel in Afrika, meist in Zimbabwe, Tansania und Zaire, doch wenn es in Europa langsam wieder wärmer wird, hält es die Mauersegler nicht mehr länger auf dem schwarzen Kontinent und sie machen sich auf den langen Weg zurück; einige von ihnen zielgerichtet nach Oxford, wo sie den Turm des Museums erneut beziehen. Jedes Jahr sind circa 60 Vogelpärchen hier in luftiger Höhe anzutreffen, und sie bauen ihre Nester so,  dass sie für ihre natürlichen Feinde nicht erreichbar sind.

Die Mauersegler-Eltern haben in der Brutzeit jede Menge zu tun, um ihren Nachwuchs mit leckeren Insekten zu füttern; dabei legen sie manchmal Hunderte von Kilometern am Tag zurück. Rund fünf bis acht Wochen dauert es, bis die kleinen Mauersegler flügge geworden sind und dann machen sie sich auch schon auf den Weg nach Afrika, bald darauf gefolgt von ihren Eltern.

Bereits 1948 begann man sich hier in Oxford für die Mauersegler zu interessieren, als David Lack vom Edward Grey Institute des Department of Zoology das Oxford Swift Research Project ins Leben rief. In seinem Buch „Swifts in a Tower“ (1956) schrieb er über das Projekt. Sein Sohn Andrew Lack veröffentlichte zum Thema viele Jahre später eine kleine Broschüre mit dem Titel „The Museum Swifts: The Story of the Swifts in the Tower of the Oxford University Museum of Natural History“ (2002).

Während der Brutzeit hat man im Turm des Museums eine Webcam aufgestellt, die rund um die Uhr das Treiben in den Nestern in die ganze Welt überträgt. Wer möchte, kann hier einen Blick dort hineinwerfen. Dieser Film bringt zusätzliche Informationen über die Mauersegler der Universitätsstadt.

Ein Mauersegler (Apus apus).
Author: Paweł Kuźniar.
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Wold Newton im Osten von Yorkshire – Schauplatz eines Meteoritenabsturzes

Das Wold Newton Monument.
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Am 13. Dezember 1795 gegen 15 Uhr hatten die Bewohner des Dörfchens Wold Newton im East Riding of Yorkshire, zwischen Scarborough und Driffield gelegen, mächtiges Glück. Ein 25 kg schwerer Meteorit stürzte aus dem Himmel und verfehlte das Dorf nur um Haaresbreite. Der Farmarbeiter John Shipley stand so dicht an der Einschlagstelle, dass er von dem hochspritzenden Matsch durchnässt wurde.
Der Meteorit war so tief in den Boden eingedrungen, dass er mühsam ausgegraben werden musste. Der Eigentümer des Geländes, ein Mr. Edward Topham, leitete den größten Teil dieses ehemaligen Himmelskörpers an das Londoner Natural History Museum weiter, wo er noch heute zu besichtigen ist.

Im Jahr 1799 errichtete Mr. Topham an der Stelle, an der der Meteorit einschlug, ein Denkmal, das die Inschrift trägt:

Here on this spot, December 13, 1795 fell from the atmosphere an extraordinary stone. In breadth twenty-eight inches, in length thirty-six inches and whose weight was fifty-six pounds. This column in memory of it was erected by Edward Topham, 1799.

Der Wold Newton Meteorit brachte den amerikanischen Science Fiction-Autor Philip José Farmer auf die Idee, dieses Ereignis literarisch zu verwenden. So soll der Stein durch seine Radioaktivität genetische Veränderungen in Menschen hervorgerufen haben, die zufällig in einer Kutsche am Absturzort vorbeifuhren. Deren Nachkommen verfügten über außergewöhnliche Fähigkeiten und waren z.B. Sherlock Holmes, Tarzan, James Bond oder Philip Marlowe; sie wurden kurz die Wold Newton Family genannt.

Farmers Idee wurde später von Win Scott Eckert aufgegriffen und fortgeführt, indem er das „Wold Newton Universe“ erschuf.

Das Buch zum Artikel:
Win Scott Eckert: Myths for the Modern Age – Philip Jose Farmer’s Wold Newton Universe. Monkey Brain 2005. 400 Seiten. ISBN 978-1932265149.

Published in: on 12. April 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Peter Skellern (1947-2017) – Ein englischer Sänger, der vor allem durch einen Song in die Popmusikgeschichte einging

Am 17. Februar starb Peter Skellern, ein Sänger, der in den 1970er Jahren von sich reden machte und mit „You’re a Lady“ in Großbritannien einen großen Hit hatte, der bis auf Platz 3 der Charts aufstieg.
Geboren wurde er 1947 in der Stadt Bury (Greater Manchester), die vor allem durch den dort hergestellten Black Pudding bekannt ist. Schon früh entdeckte er seine Liebe zur Musik und spielte in seiner Heimatstadt in der St Michael’s Church die Orgel. Später besuchte Skellern die renommierte Londoner Guildhall School of Music and Drama, wo er sich dem Klavier widmete. Nach einigen nicht sehr erfolgreichen Versuchen, in der Welt der Popmusik Fuß zu fassen, gelang ihm der Durchbruch mit dem oben genannten Song „You’re a Lady“, der in Frankreich in einer Version mit Hugues Auffray und einer weiteren mit Laurent Vergez und Brigitte Bardot gecovert wurde. Gern setzte Skellern im Hintergrund Blaskapellen ein wie zum Beispiel in „Love Is the Sweetest Thing„, bei der ihn die berühmte Grimethorpe Colliery Band begleitete (ich berichtete über die Band in meinem Blog).
Nachdem weitere Erfolge ausblieben, gründete Peter Skellern 1984 zusammen mit dem Cellisten Julian Lloyd Webber und Mary Hopkin (sie hatte 1968 ihren größten Hit mit „Those Were the Days“) die Band Oasis, nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Formation der Gallagher-Brüder. Aber die drei Musiker brachten lediglich ein Album auf den Markt, bevor sie ihre Band bald wieder auflösten.

Peter Skellern schrieb Musik für Musicals, arbeitete für die BBC und komponierte in seinen letzten Jahren Chormusik. Er widmete sich verstärkt der Kirche und wurde im vorigen Jahr zum Priester geweiht. Am 17. Februar starb er an einem Gehirntumor.

Published in: on 25. Februar 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Das John F. Kennedy Memorial an der Themse in Runnymede (Surrey) – Ein Geschenk der Briten an die Amerikaner

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Man hätte für das John F. Kennedy Memorial wohl keinen besseren Platz wählen können als hier in den Wiesen von Runnymede an der Themse, nur ein paar Schritte entfernt von einem anderen Denkmal, das an die Magna Carta erinnert. Zu finden sind beide am südlichen Ortsrand von Old Windsor.

50 Steinstufen, eine für jeden US-Bundesstaat, führen den Cooper’s Hill hoch, auf dem das Denkmal errichtet worden ist. Im Mai 1965 wurde es eingeweiht, von niemand Geringerem als der Queen selbst, in Anwesenheit von Kennedys Witwe Jacqueline und ihren Kindern. Dieser Film zeigt Bilder von der Einweihung.

Der Grund auf dem das Memorial steht, das vom National Trust betreut wird, wurde dem amerikanischem Volk vom britischen Volk geschenkt. Das Denkmal, entworfen von dem berühmten englischen Landschaftsarchitekten Sir Geoffrey Jellicoe, besteht aus einem einfachen Block aus Portland-Stein mit einer Inschrift, die aus der Antrittsrede Präsident Kennedys aus dem Jahr 1961 entnommen wurde:

„Let every Nation know, whether it wishes us well or ill, that we shall pay any price, bear any burden, meet any hardship, support any friend or oppose any foe, in order to assure the survival and success of liberty.“

Hier ist ein Film über das Denkmal mit dem Designer Sir Geoffrey Jellicoe.

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Wie die Hängebrücke über die Themse in Marlow (Buckinghamshire) im Jahr 2016 beinahe Schaden genommen hätte

Durch diese Poller der Marlow Bridge zwängte der LKW-Fahrer seinen 2.5 Meter breiten Lastzug.   © Copyright Peter Jemmett and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Durch diese Poller der Marlow Bridge zwängte der LKW-Fahrer seinen 2.5 Meter breiten Lastzug.
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Über die hübsche attraktive Stadt Marlow habe ich in meinem Blog bereits mehrere Artikel geschrieben, auch über die Hängebrücke, die die Themse überquert und die Grafschaften Buckinghamshire und Berkshire miteinander verbindet. In dem Beitrag schrieb ich auch über die engen Zufahrten, die durch Poller begrenzt werden, damit keine schweren LKWs die Brücke passieren können, die ein Maximalgewicht von drei Tonnen verträgt. Am 24. September 2016 gegen 22.30 Uhr wäre es der von William Tierney Clark erbauten Straßenbrücke beinahe an den Kragen gegangen, denn ein 37 Tonnen schwerer Lastzug aus Litauen der Speditionsfirma Girteka Logistics versuchte sie zu überqueren. Vielleicht verließ sich der Fahrer auf sein Navigationsgerät und übersah im Dunklen die Warnschilder vor der Brücke („Weak Bridge“, >2.0m<, 3T mgw) auf jeden Fall schaffte er es irgendwie, die Poller zu überwinden, wobei ein Reifen in die Brüche ging, und dann blieb er schließlich mit seinem Gefährt auf der anderen Seite der Brücke hängen (hier sind einige Fotos). Wie er durch die ersten Poller kam, grenzt schon an ein Wunder, denn ich musste mit meinem PKW schon sehr vorsichtig sein, damit ich nicht seitlich daran anschrammte. Da hing er nun am späten Abend auf der Brücke fest, der litauische Fernfahrer und konnte sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen. Die Polizei von Marlow kümmerte sich um den Fall, als sie zu Hilfe gerufen wurde, und ließ den schweren Truck über die Brücke zurückschleppen, die die 37 Tonnen-Last tatsächlich aushielt.

Aber was waren denn nun für Schäden an dem Bauwerk entstanden? Spezialisten untersuchten die Marlow Bridge sehr intensiv und stellten fest, dass sie kaum beschädigt worden war und die Sicherheit in keiner Weise gefährdet ist. Man befürchtete anfangs, dass die Themsebrücke bis zu sechs Monaten geschlossen werden müsste, aber es dauerte dann doch nur zwei Monate, bis sie am 25. November wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte. Die Zeremonie ist hier im Film festgehalten. Die Kosten für die entstandenen Arbeiten trug übrigens die Versicherung der Speditionsfirma, deren Fahrer sicher in Zukunft einen weiten Bogen um Marlow machen wird.

Bis maximal drei Tonnen dürfen die Fahrzeuge wiegen, die die Brücke überqueren möchten.    © Copyright Chris Allen and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Bis maximal drei Tonnen dürfen die Fahrzeuge wiegen, die die Brücke überqueren möchten.
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Fulbrook in Oxfordshire – Hier befindet sich die weltweit größte Sammlung von Verkehrsleitkegeln

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David Morgan aus Fulbrook bei Burford in Oxfordshire steht im Guinness Buch der Rekorde und íst unbestritten weltweit der „König der Verkehrsleitkegel“ oder Verkehrshütchen oder wie immer man diese Plastikhütchen bezeichnen will, die zur Absperrung bzw. Verkehrslenkung verwendet werden.
David Morgan soll über 550 von diesen Teilen besitzen und sie aus der ganzen Welt zusammengetragen haben. Da David in der Firma Oxford Plastic Systems arbeitete, dem weltweit größten Hersteller von „traffic cones“, ist sein Interesse daran zu erklären.
Es gibt da die unterschiedlichsten Hütchen: Ganz große und ganz kleine, schwarze wie sie Bestattungsfirmen benutzen, blaue, die Wasserversorger verwenden, hölzerne und Hütchen aus recyceltem Material usw.usw.
In der Sammlung von David Morgan, die er bereits 1986 begann, gibt es u.a. ein Hütchen aus Malaysia, das an den Scilly Inseln angeschwemmt wurde und eines, das er am Flughafen von Korsika fand und auch gleich mitnahm.

Hier ist eine kleine filmische Dokumentation über den sehr sympathischen „Cone Man“ David Morgan.

Fulbrook bei Burford in Oxfordshire.    © Copyright Robin Webster and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Fulbrook bei Burford in Oxfordshire.
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Ein einsamer, trauriger "traffic cone" in Derbyshire.   © Copyright Alan Murray-Rust and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein einsamer, trauriger „traffic cone“ in Derbyshire.
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Ein ertrunkenes Verkehrshütchen in Kent.   © Copyright nick macneill and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein ertrunkenes Verkehrshütchen in Kent.
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Der arme Sir Edward Elagr wurde in der High Street von Worcester mit einem "Hütchen" verunstaltet.   © Copyright Philip Halling and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Der arme Sir Edward Elgar wurde in der High Street von Worcester mit einem „Hütchen“ verunstaltet.
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Published in: on 13. Januar 2017 at 02:00  Comments (1)  
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Der Combe Gibbet in Berkshire – Ein ehemaliger Galgen auf einem bei Drachenfliegern sehr beliebten Hügel

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Da wo die beiden Grafschaften Berkshire und Hampshire zusammenstoßen, in der Nähe des Dörfchens Combe, steht auf einem Hügel der Combe Gibbet, ein Galgen, der erstmals 1676 errichtet wurde. Natürlich handelt es sich bei dem heute hier stehenden nicht mehr um den Originalgalgen, denn der wäre mittlerweile wohl vollständig den Holzwürmern zum Opfer gefallen.

Diese „gibbets“ dienten nicht nur zum Erhängen von Menschen, sie sollten auch abschreckend wirken und so blieben die Erhängten dort auch über einen längeren Zeitraum den Naturgewalten ausgesetzt.

Der Combe Gibbet, heute ein beliebtes Ausflugsziel, wurde errichtet, um George Broomham aus Combe und Dorothy Newman aus dem benachbarten Inkpen zu Tode zu befördern. Die beiden hatten eine Affäre miteinander und wurden dabei von Georges Frau und Sohn erwischt; mit fatalen Folgen für Mutter und Sohn, denn George und Dorothy ermordeten beide. Das wurde wiederum von Mad Jack, dem Dorfidioten, beobachtet, der die Mörder den Behörden meldete.

Niemand wurde seitdem mehr hier aufgeknüpft und so steht der Galgen bzw. einer der Ersatzgalgen noch immer oben auf dem Hügel, der heute gern von Drachenfliegern als Startpunkt genutzt wird und von dem man eine wunderbare Rundumsicht hat. Nur wenige Kilometer entfernt, liegen das Highclere Castle und der Ort Linkenholt, über die ich in meinem Blog schon einmal berichtete.

Dieser Film zeigt einen Drachenflug über den Combe Gibbet.

Blick vom Combe Gibbet auf die umliegende Landschaft.   © Copyright Peter and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick vom Combe Gibbet auf die umliegende Landschaft.
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Aus Combe in Berkshire kam der gehängte   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Aus Combe in Berkshire kam der an dem Galgen aufgehängte George Broomham.
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...und hier aus Inkpen kam Georges Geliebte Dorothy   © Copyright Colin Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und hier aus Inkpen (Berkshire) kam Georges Geliebte Dorothy Newman.
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Published in: on 10. Januar 2017 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  

Das Howden Moor im Peak District – Teil 2: The Howden Moor Incident

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Über The Dark Peak im Peak District in Derbyshire habe ich in meinem Blog schon einmal geschrieben. In dem als Bermuda-Dreieck Englands bezeichneten Gebiet kam es zu zahlreichen Flugzeugabstürzen und noch heute finden sich hier und da Wrackteile dieser Maschinen. Diese mysteriöse Region stand auch am 24. März 1997 im Brennpunkt, als sich über dem Howden Moor merkwürdige Dinge ereigneten. Dieser sogenannte Howden Moor Incident ist bis zum heutigen Tag nicht aufgeklärt worden bzw. die zuständigen Behörden halten die tatsächlichen Hintergründe unter Verschluss, wozu viele der Menschen tendieren, die damals die Vorfälle beobachteten.

Gegen 22.15 Uhr meldeten zwei Farmer, dass über dem Moor wohl ein Militärjet abgestürzt sein muss, denn sie sahen wie das Flugzeug aus ihrem Sichtfeld verschwand und es anschließend zu einer Explosion und zu einem grellen Lichtblitz kam. Die Polizeibehörden von Derbyshire und South Yorkshire stellten daraufhin Suchmannschaften zusammen, die sich in das unwegsame Gebiet des Howden Moors machten, Hubschrauber flogen das Gelände ab, doch es wurde nichts gefunden. Die Royal Air Force meldete keinen Flugzeugverlust. Schon vorher war es über dem Peak District zu Flugzeugbewegungen gekommen, die besonders auffielen, da in dieser Nacht der Komet Hale-Bopp am Himmel zu sehen sein war und viele sich dieses Spektakel nicht entgehen lassten wollten. In den nächsten Tagen meldeten sich immer mehr Augen- und Ohrenzeugen, die eigenartige Dinge gesehen und gehört haben wollten. Da war die Rede von einem riesigen dreieckigen Gebilde am Himmel, das von bläulichem Licht umgeben war und in Richtung des Howden Moors flog; mehrere Menschen berichteten von einem summenden Geräusch in der Luft. Die British Geological Survey zeichnete eine Explosion auf, deren Quelle nicht auf dem Boden, sondern in der Luft gewesen sein muss. UFO-Gläubige waren der Meinung, dass Militärflugzeuge ein unidentifiziertes Flugobjekt jagten, dieses dann abstürzte und das MoD (das Verteidigungministerium) die Trümmer schnell abtransportieren ließ. Es kam sogar zu einer Anfrage im Unterhaus, bei der ein Sprecher des MoD aussagte, es hätte zwar an dem Abend Übungsflüge über dem Moor gegeben, aber nicht nach 21.30 Uhr.

In jener Nacht war also allerhand über dem Peak District los und viele Menschen haben unabhängig voneinander Statements über ihre Beobachtungen abgegeben, aber was sich dort tatsächlich ereignet hat, bleibt möglicherweise in den Geheimarchiven des MoD verborgen.

Hier ist ein Vortrag aus dem Jahr 2011, in dem die Vorgänge des Howden Moor Incidents noch einmal genau analysiert werden.

Was mag sich hier am über dem Howden Moor abgespielt haben?   © Copyright Peter Barr and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Was mag sich hier am 24. März 1997 über dem Howden Moor abgespielt haben?
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Published in: on 15. September 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Howden Moor im Peak District – Teil 1: Tip, der treue Schäferhund, der nicht von der Seite seines toten Herrchens wich

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Joseph Tagg wurde 1868 in Derbyshire geboren und verbrachte den größten Teil seines Lebens in dieser Grafschaft. „Old Joe“ war Schäfer und züchtete leidenschaftlich gern Schäferhunde. Noch bis ins hohe Alter hinein war er aktiv, so auch am 12. Dezember 1953 als der 85jährige an einem eiskalten Dezembertag mit seinem Schäferhund Tip zum Howden Moor im Upper Derwent Valley in Derbyshire ging, um dort nach den Schafen zu sehen. Als der Schäfer und sein Hund am nächsten Morgen noch nicht nach Hause gekommen waren, machten sich mehrere Suchtrupps auf den Weg, um sie aufzuspüren…ohne Erfolg. Das blieb auch in den nächsten Tagen so, die beiden waren wie vom Erdboden verchwunden. Das Howden Moor, das westlich von Sheffield in Deryshire und South Yorkshire liegt ist eine einsame öde Region, in der Menschen schon einmal verschwinden können.

Am 27. März 1954, also 105 Tage nach dem Verschwinden von Old Joe und Tip, fanden zwei Männer der Wasserbehörde zufällig die Leiche des alten Mannes und wer lag, mehr tot als lebendig neben ihm, sein treuer Hund, der die ganze Zeit nicht von der Leiche seines toten Herren gewichen war. In einem der kältesten Winter, die das Howden Moor je heimgesucht hatten, war es Tip gelungen, zu überleben.
Diese Geschichte rührte die Menschen in der Region. Der Hund wurde wurde wieder aufgepäppelt und mit der Bronzemedaille der Canine Defence League, einer Organisation, die sich um das Wohl von Hunden kümmert, und die heute Dogs Trust heißt, ausgezeichnet. Tip sollte nur noch ein knappes Jahr leben, der tapfere Hund starb am 16. Februar 1955.

Damit Tip nicht in Vergessenheit geriet, errichtete man ein Denkmal für ihn, das am Westufer des Upper Derwent Reservoirs zu finden ist.

Das Howdwn Moor im Winter.   © Copyright Neil Theasby and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Howden Moor im Winter.
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Published in: on 14. September 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ludlow in Shropshire und sein Food Festival

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Ludlow ist eine wirklich sehenswerte Kleinstadt. Ich erwähnte sie in meinem Blog schon einmal, als ich das Feathers Hotel vorstellte, eines der schönsten Gebäude dort.
Ludlow steht in dem Ruf, einer wichtigsten Orte für Feinschmecker im ganzen Land zu sein. Hier gibt es ausgezeichnete Restaurants, und das Essen und Trinken ist für die Bewohner sehr wichtig. So schloss sich Ludlow als erste englische Stadt der Cittaslow-Bewegung an (vielleicht sollte man Ludlow in Ludslow umtaufen), die genussvolles, bewusstes und regionales Essen propagiert.

In den letzten beiden Jahren gab es, was die Restaurantszene Ludlows betrifft, einige gravierende Veränderungen, leider zum Negativen.
Mr. Underhill’s Restaurant konnte sich schon seit vielen Jahren eines Michelin-Sterns rühmen und war über 30 Jahre in Ludlow ansässig. Jetzt ist das Restaurant schon seit geraumer Zeit geschlossen und seine Zukunft ist noch unklar.
La Bécasse war ebenfalls ein herausragendes Restaurant in der Stadt und stand auf der Liste der 100 besten in England, die die Sunday Times erstellt hatte, weit oben. 2013 musste der Inhaber Insolvenz anmelden, und auch den neuen Besitzern ging es so. Anfang 2015 war Schluss mit der Bécasse.

Jedes Jahr findet in der Stadt in Shropshire das Ludlow Food Festival statt (in diesem Jahr vom 9. bis zum 11. September), bei dem über 150 lokale und regionale Nahrungsmittelproduzenten ihre Produkte vorstellen. Zu Füßen des Ludlow Castles und auch im Inneren der Burg, sind dann jede Menge Stände aufgebaut, an denen man alle Waren probieren kann.
Auch in diesem Jahr wird es wieder den Ludlow Sausage Trail geben, bei dem die örtlichen „family butcher“ aufgesucht werden können, die dann spezielle Wurstsorten anbieten.
Viele namhafte Köche aus dem ganzen Land finden sich regelmäßig zum Food Festival in Ludlow ein. In diesem Jahr ist u.a. Adam Johnson von Raymond Blancs „Le Manoir aux Quat‘ Saisons“ dabei.

Ludlow verfügt natürlich auch über eine eigene Brauerei, die Ludlow Brewing Company (hier ist ein Film über die Brauerei), die Biere mit den merkwürdigen Namen Black Knight, Boiling Well und Stairway herstellt.

Das wirklich beeindruckende Programm des Food Festivals 2016 ist hier einzusehen.

Ein Besuch in Ludlow, das von John Betjeman als „the perfect historic town“ bezeichnet wurde, lohnt sich immer und man sollte möglichst über Nacht hier bleiben, denn im Dunkeln entwickelt die Stadt eine ganz besondere Atmosphäre.

Hier ist ein ausführlicher Filmbericht über das Food Festival 2013.

Ludlow Marches Food and Drink Festival
Unit 12, The Business Quarter
Eco Park Road
Ludlow
Shropshire
SY8 1FD

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Auf dem Sausage Trail in Ludlow.   © Copyright Jeremy Bolwell and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Auf dem Sausage Trail in Ludlow.
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Published in: on 31. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Peasmarsh in East Sussex – Sir Paul McCartney und „Granny“ Smith

Die Hauptstraße von Peasmarsh.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Hauptstraße von Peasmarsh.
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An der A268 liegt der kleine Ort Peasmarsh, nur wenige Fahrminuten mit dem Auto von Rye in East Sussex entfernt. Die Main Street zieht sich endlos durch das Dorf hindurch, an der neben den Wohnhäusern ein Superstore und der hübsche Cock Inn zu finden sind, dessen Wirtshausschild ein Pfau schmückt. Die Dorfkirche St Peter and Paul ist ziemlich weit weg von den nächsten Häusern, dafür liegt sie idyllisch ruhig, umgeben von vielen alten Gräbern, deren Grabsteine in unterschiedlichen Neigungswinkeln aus dem Boden ragen.

Sir Paul McCartney hat sich Peasmarsh als Wohnort ausgesucht, vielleicht war die Nähe zum Meer für die Wahl ausschlaggebend. Er lebt auf einer Farm, in der 1799 ein kleines Mädchen geboren wurde, das Maria Ann Sherwood hieß, Tochter eines Farmarbeiters. Getauft wurde sie am 5. Januar 1800 in St Peter and Paul. 1819 heiratete sie in der Dorfkirche von Ebony in Kent einen gewissen Thomas Smith und hieß nun Maria Ann Smith. Beide lebten in Beckley (Kent) und bekamen in den nächsten neunzehn Jahren acht Kinder. Wie so viele Familien in dieser Zeit wanderten die Smiths nach Australien aus und ließen sich in New South Wales nieder, wo sie in Obstplantagen arbeiteten. Thomas Smith erwarb später selbst einige Plantagen und dort soll seine Frau Maria (mittlerweile „Granny“ Smith genannt) an einem Bach ein paar junge Apfelbäume gefunden haben, die da eigentlich gar nicht hingehörten. Sie päppelte die Bäume auf und einige Zeit später pflanzte ein Nachbar von ihr diese Apfelbäume in großer Stückzahl an und konnte jedes Jahr eine gute Ernte einfahren. Wie wurden die Äpfel genannt? Genau Granny Smith, die noch heute in vielen Ländern der Welt angebaut werden.

Ein grasgrüner Granny Smith Apfel ziert das Etikett des Plattenlabels Apple Records, das von den Beatles 1968 gründet wurde, und da wären wir wieder bei Ex-Beatle Paul McCartney und seiner Farm in Peasmarsh, auf der Maria Ann geboren wurde.

St Peter and Paul, in der getauft wurde.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Peter and Paul, in der Maria Ann Sherwood getauft wurde.
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...und hier heirateten Mary Ann und Thomas, in St Mary the Virgin in Ebony (Kent).   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

…und hier heirateten Maria Ann und Thomas, in St Mary the Virgin in Ebony (Kent).
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Granny Smith Äpfe. This work has been released into the public domain by its author, Kristina Walter.

Granny Smith Äpfel.
This work has been released into the public domain by its author, Kristina Walter.

Published in: on 24. August 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Mr Monkey oder wie ein Blogger mehrere Jahre lang den South Tyneside Council in Atem hielt

Die Town Hall von South Shields, in der der South Tyneside Council untergebracht ist.    © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Town Hall von South Shields, in der der South Tyneside Council untergebracht ist.
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Im Nordosten Englands findet man die Region South Tyneside, östlich von Newcastle upon Tyne, mit South Shields als Verwaltungssitz. Die Ratsmitglieder wurden in den Jahren 2008/2009 von einem Blogger in den Wahnsinn getrieben, der unter dem Namen Mr Monkey in seinem „South Tyneside’s Premier Blog“ die Politiker attackierte und ihnen schwere Vergehen vorwarf. Da war von Wahlfälschung die Rede, von Korruption  und Amtsanmaßung und alle Ratsherren/damen wurden beim Namen genannt. Die Bevölkerung amüsierte sich köstlich, so dass Mr. Monkey über 4000 Zugriffe täglich auf seinem Blog verzeichnen konnte. In der Rubrik „Twat of the Week„, was man etwa mit „Blödmann der Woche“ übersetzen kann, nahm er sich jede Woche einen der Ortspolitiker vor und stellte ihn/sie mit Foto an den Pranger.

In South Tyneside lag offenbar vieles im Argen, denn Mr Monkey hatte keine Probleme, seinen Blog mit Inhalt zu füllen.
Dann kam plötzlich am 21. Juli 2009 die Meldung „mr monkey calls it a day“, in der der anonyme Blogger ankündigte, am 30. Juli aufzuhören („this chimp has decided to give his victims an early birthday present“). Er meinte, sein Ziel erreicht zu haben und stellte noch einmal alle seine „Erfolge“ zusammen.
Hörte man damals ein Aufatmen in den Gängen der Town Hall von South Shields? Ja und Nein, denn es war dem Council nicht gelungen, den wahren Namen von Mr Monkey herauszubekommen, trotz intensivster Bemühungen, die sich mehrere Jahre hinzogen, auch nachdem der Blog geschlossen war. Eine amerikanische Anwaltskanzlei wurde eingeschaltet, um die Identität von Mr Monkey herauszufinden, da der Blog auf der in Kalifornien ansässigen Firma WordPress geschrieben worden war. Die Kosten für die ergebnislose  „Hexenjagd“ beliefen sich auf über £200 000, bezahlt aus Steuergeldern, auch das eigentlich ein Skandal.

Ein Ratsmitglied unternahm vor einem kalifornischen Gericht rechtliche Schritte gegen den Rat von South Tyneside, weil er den finanziellen Aufwand für die Suche nach Mr Monkey für völlig überzogen hielt und er das ganze Unternehmen stoppen wollte. Auch diese (erfolglose) Aktion verursachte hohe Kosten.

Die Identität des Bloggers aus South Tyneside konnte nie gelüftet werden; eine kleine Rache hatte Mr Monkey aber noch auf Lager: Nachdem sein Blog eigentlich abgeschlossen war, löschte er ihn nicht, sondern ließ ihn weiterhin bis zum heutigen Tag auf WordPress stehen. Wer möchte, kann ihn hier lesen.

Published in: on 19. August 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Barbara Cartland (1901-2000) und ihr Anwesen Camfield Place in Hertfordshire

Das Eingangstor zu Camfield Place.   © Copyright Robert Edwards and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Eingangstor zu Camfield Place.
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Woran erinnert man sich am ehesten, wenn man den Namen Barbara Cartland hört? Sicher an ihre ungeheure Produktivität, was die Zahl ihrer romantischen Liebesromane angeht; 723 sollen es gewesen sein. Niemand weiß genau wie viele ihrer Bücher verkauft worden sind, die Schätzungen schwanken zwischen 750 Millionen und 2 Milliarden. Dann erinnert man sich bestimmt noch an ihren extravaganten Kleidungsstil, der von der Farbe Rosa klar dominiert wurde wie dieser Film zeigt. Die Dame ließ sich in einem weißen Rolls Royce chauffieren und hatte einen Koch eingestellt, der sich um ihr leibliches Wohl kümmerte.

Seit dem Jahr 1950 wohnte Barbara Cartland in der Nähe von Essendon in Hertfordshire in ihrem Landsitz Camfield Place. Dieses Haus wurde 1867 von Beatrix Potters Großvater erbaut, in dem die Schriftstellerin ihr weltberühmtes Kinderbuch „The Tale of Peter Rabbit“ schrieb. Es steht ganz in der Nähe von Hatfield House, das einmal Heinrich VIII. gehörte und in dem seine Kinder Mary und Elizabeth aufwuchsen. Im Jahr 1550 schoss Elizabeth auf dem weitläufigen Gelände von Hatfield House ihren ersten Hirsch und an dieser Stelle ließ sie eine Eiche pflanzen, The Deer Oak, die später zu dem Anwesen Camfield Place gehörte.

Barbara Cartland liebte diesen 400 Jahre alten Baum und 1976 ließ sie eine Weihnachtskarte anfertigen, auf dem sie und ihr Pekinese Mai-Mai unter der Eiche zu sehen waren. Bevor sie am 21. Mai 2000 im Alter von 98 Jahren  in Camfield Place starb, äußerte sie den Wunsch, unter The Deer Oak begraben zu werden und zwar in einem Sarg aus Pappe, denn die Dame war sehr umweltbewusst und wollte nicht, dass das Holz eines Baumes dafür verwendet wurde. Die Beerdigungsfeier wurde von Reverend John Cotton geleitet, dem früheren Pfarrer von St Mary’s im benachbarten Essendon. Die Trauergemeinde sang Barbara Cartlands Lieblingslied „I Believe“, das durch den US-amerikanischen Sänger Perry Como bekannt gemacht worden war. Ihr Enkel William trug eines ihrer Gedichte vor und ihre Tochter Raine, Stiefmutter von Diana, Princess of Wales, las eine Passage aus der Bibel. Dieser Film zeigt die Ankunft der Trauergäste in Camfield Place.

Es gibt zurzeit noch kein „richtiges“ Barbara Cartland Museum, aber ein virtuelles, das man sich hier ansehen kann.

In einem Cottage auf dem Gelände von Camfield Place erblickte am 14. November 1967 Letitia Dean das Licht der Welt, die später Schauspielerin wurde und allen, die die Endlos-TV-Serie „EastEnders“ kennen, ein Begriff ist; darin spielt sie die Rolle der Sharon Watts. Als Letitias Mutter kurz vor der Geburt ihrer Tochter stand, schickte Barbara Cartland eine alte Tür in das Cottage, mit dem Hinweis, sie unter das Bett zu legen, damit sie beim Geburtsvorgang einen festen Halt hätte. Ja, ein wenig exzentrisch war sie schon, die Lady in Pink.

Camfield Place liegt östlich von Hatfield in Hertfordshire an der B158, die von Essendon nach Brookman’s Park führt.

 

Das Schlosshotel Kronberg – Ein Stück England im Taunus

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Wer gern einmal die Atmosphäre eines englischen Schlosshotels schnuppern möchte, ohne gleich auf die Insel zu reisen, dem kann ich aus eigener Erfahrung das Schlosshotel Kronberg im Taunus sehr empfehlen. Ich verbrachte das letzte Wochenende in dem 5-Sterne Superior-Hotel, und ich bin der Meinung, dass es den Vergleich mit englischen Spitzenhotels nicht zu scheuen braucht.

Zwischen 1889 und 1894 wurde das Schloss Friedrichshof, wie es ursprünglich hieß, im neugotischen Tudorstil als Witwensitz für die deutsche „Kaiserin Friedrich“ erbaut. Wahrscheinlich wählte man diesen Baustil, damit sich Victoria Adelaide Mary Louisa, Prinzessin von Großbritannien und Irland, hier heimisch fühlte, denn sie war die erste Tochter von Queen Victoria und Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, 1840 im Buckingham Palace geboren. Sie war die Gattin des 99-Tage-Kaisers Friedrich III. Nach dem Tod ihres Mannes verbrachte Victoria die letzten zehn Jahre ihres Lebens auf diesem schönen Schloss, in dem sie am 5. August 1901 starb.

1954 wurde das Schloss Friedrichshof als Schlosshotel Kronberg einem neuen Verwendungszweck zugeführt, betrieben bis heute von der Hessischen Hausstiftung.

Schon wenn man durch das Eingangstor des in einem großen Park gelegenen Hotels fährt, kommen Erinnerungen an vergleichbare Hotels in England auf. Empfangen wird man gleich am Auto von freundlichen Herren in roter Livree, die sich um das Gepäck kümmern. In der Eingangshalle lag der angenehme Geruch von offenem Kaminfeuer; um den Kamin sind Sitzgruppen aufgestellt, die an diesem Nachmittag alle von Gästen belegt waren, die dort Kaffee oder Tee tranken. Gegenüber von der Rezeption findet man die Bibliothek, in der Afternoon Tea serviert wurde. Dort stehen hinter Glas Tausende von Büchern, die Victoria damals nicht nur gesammelt, sondern auch gelesen haben soll.

Das stilvolle, atmosphärische Restaurant erreicht man über einen Gang von der Eingangshalle aus, der von Gemälden und Antiquitäten gesäumt und besonders schön ist. Im heutigen Restaurant pflegte Victoria seinerzeit ihre Speisen zu sich zu nehmen; die musikalische Begleitung dazu erfolgte von einer Empore aus. Der Service und die Essensqualität waren hervorragend; leider waren auf der Weinkarte keine Weine aus Victorias Heimatland, das wäre dann noch das Tüpfelchen auf dem I gewesen.

Am Wochenende finden nachmittags Führungen durch das Schloss statt, bei der man die Gemächer der Kaiserin Friedrich zu sehen bekommt. In den weitläufigen Parkanlagen sieht man auch einen Rosengarten und typisch englisch in Form geschnittene Bäumchen („topiary garden“).

Zu empfehlen ist die Buchung eines Gourmet-Arrangements, das neben der Übernachtung ein 6-Gang-Menü im Schlossrestaurant, ein Champagner-Frühstück, eine Flasche Champagner und ein „Amuse-Bouche-Treatment“ bei Ankunft auf dem Zimmer beinhaltet.

Das Schlosshotel liegt am Rande der Kleinstadt Kronberg; von den Zimmern in den oberen Geschossen aus erblickt man die Skyline von Frankfurt am Main.

Meine Meinung: Das Schlosshotel Kronberg gehört zu den besten Hotels in ganz Deutschland. Ähnlichkeiten sind vorhanden mit dem Cliveden Hotel, Nutfield Priory und dem Eastwell Manor, die ich in meinem Blog schon einmal vorstellte.

Der Kamin in der Eingangshalle. Eigenes Foto.

Der Kamin in der Eingangshalle.
Eigenes Foto.

Der Weg von der Halle zum Restaurant. Eigenes Foto.

Der Weg von der Halle zum Restaurant.
Eigenes Foto.

Die Bibliothek. Eigenes Foto.

Die Bibliothek.
Eigenes Foto.

Eine Treppe im Schloss. Eigenes Foto.

Eine Treppe im Schloss.
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Published in: on 3. Februar 2016 at 02:00  Comments (3)  
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The National Civil War Centre in Newark (Nottinghamshire)

   © Copyright Richard Croft and   licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Seit dem Mai 2015 gibt es in England ein neues Museum, das sich ganz dem Civil War, also dem Bürgerkrieg widmet, der zwischen 1642 und 1649 zahllose Opfer kostete. Die Cavaliers, die Anhänger von King Charles I. kämpften damals gegen die Roundheads, die Anhänger des britischen Parlaments. Bisher gab es ein derartiges „Bürgerkriegszentrum“ in Großbritannien noch nicht.
Das National Civil War Centre liegt in der Straße Appleton Gate  Nummer 14 in Newark in der Grafschaft Nottinghamshire. In dem ehemaligen Gebäude der Magnus School wurde dieses Museum untergebracht, das ganzjährig täglich geöffnet ist.

Warum hat man gerade Newark ausgewählt? Die Stadt, die eindeutig royalistisch geprägt war, wurde im Bürgerkrieg von den Roundheads so lange belagert, bis sie sich schließlich den parlamentarischen Truppen ergab. Hungersnöte und die Ausbreitung der Pest ließen Newark keine andere Wahl. Also ist der Standort für das Museum gut gewählt.

Rund 5000 Objekte sind hier zusammengetragen worden, die natürlich nicht alle in die Ausstellungsräume passen; aber etwa 500 Gegenstände kann man sich jederzeit ansehen. Die Baukosten betrugen £5,4 Millionen, man rechnet mit jährlich rund 60 000 Besuchern. Zur Eröffnung des National Civil War Centres wurde eine Schlacht zwischen Cavaliers und Roundheads nachgestellt, wofür 1000 „Soldaten“ in die Stadt einfielen.

Wer sich für den englischen Bürgerkrieg interessiert und nach Newark kommt, sollte auf jeden Fall sein Smartphone oder sein Tablet mitbringen, denn es ist eine kostenlose App entwickelt worden, die den Besucher über den National Civil War Trail durch die Stadt führt. Die App beinhaltet jede Menge Informationen und auch extra hergestellte Filme. Hier ist ein Film über den Trail zu sehen.

Der Eintrittspreis zum Museum beträgt £7.

National Civil War Museum
14 Appletongate
Newark NG24 1JY

 

Published in: on 22. Januar 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Das Erdbeben von Colchester (Essex) im Jahr 1884 und seine verheerenden Folgen

In der Region von Abberton und Langenhoe lag das Epizentrum des schweren Erdbebens.   © Copyright Adrian Cable and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

In der Region von Abberton und Langenhoe lag das Epizentrum des schweren Erdbebens.
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Erdbeben bringt man eigentlich nicht unbedingt mit England, sondern eher mit dem pazifischen und asiatischen Raum in Verbindung. Doch sollen hier jährlich an die 300 Beben stattfinden, die allerdings so schwach sind, dass man sie kaum spürt. Ganz anders war es aber am 22. April 1884, einem Dienstag, als sich in der Region südlich von Colchester in Essex um 9.20 Uhr morgens das schwerste Erdbeben der letzten Jahrhunderte auf der britischen Insel ereignete. Auf der Richter-Skala soll das Beben eine Stärke von 4,6 bis 5,1 erreicht haben.

Das Epizentrum lag etwa bei den beiden Dörfern Abberton und Langenhoe, dort, wo heute das Abberton Reservoir zu finden ist. 20 Sekunden nur bebte die Erde, was aber ausreichte, dass in einem Radius von circa 200 Kilometern mehr als 1200 Gebäude beschädigt wurden. In dem kleinen Dorf Peldon in Essex blieb kein Haus verschont, die Kirche erlitt schwere Schäden, ebenso der Dorfpub The Rose and Crown. In Wivenhoe wurde ebenfalls die Kirche schwer in Mitleidenschaft gezogen. Noch schlimmer erwischte es die Kirche St Mary the Virgin in Langenhoe, die man zwei Jahre später wieder aufbaute und dabei das alte Baumaterial verwendete. 1962 riss man die Kirche aber komplett ab, denn es hatten sich statische Probleme ergeben, die möglicherweise noch auf das Erdbeben zurückzuführen waren. In Abberton erlitten die Schule und das Pfarrhaus schwere Schäden. Die schon vor dem Beben als unsicher eingestufte Kirche St Mary’s in Salcott-cum-Virley überlebte die Erschütterungen nicht und stürzte ein. Ihre Ruinen sind noch heute am Mill Lane zu sehen.

Hunderte von Menschen wurden durch das Beben obdachlos, Opfer soll es aber nach den zeitgenössischen Quellen keine gegeben haben, was schon an ein Wunder grenzt. Hätte sich das Beben abends oder nachts ereignet, also zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen in ihren Häusern gewesen wären, hätte es sicher ganz anders ausgesehen. Die arme Bevölkerung war besonders betroffen, denn deren oft dünnwandige Häuser konnten dem Erdbeben keinen Widerstand bieten.

Aus einem Hilfsfond, der im August 1884 etwa eine halbe Million Pfund beinhaltete (nach heutiger Kaufkraft), wurde der Wiederaufbau der Häuser, Schulen und Kirchen unterstützt.
Hier ist ein Interview mit einer Augenzeugin, die das Beben als junges Mädchen erlebte.

Die Ruinen der Kirche St Mary's in Salcott-cum-Virley (Essex).   © Copyright Glyn Baker and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Ruinen der Kirche St Mary’s in Salcott-cum-Virley (Essex).
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Published in: on 19. Januar 2016 at 02:00  Comments (1)  
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DVD- und Buchtipp – Robbie Coltrane: B-Road Britain

Foto meiner DVD.

Foto meiner DVD.

Auf dem Umschlag dieses 2008 erschienenen Buches steht der Zusatz „Off the beaten track and into the heart and soul of Britain“. Diese Reise in das Herz und die Seele Großbritanniens macht Robbie Coltrane in seinem roten Jaguar XK 150 S, ein legendärer Sportwagen, der 1958 in Serie ging.

Coltrane reist von London nach Glasgow ausschließlich auf B-Roads, also Landstraßen und kommt auf diese Weise mit vielen interessanten Leuten in Kontakt. Er trifft Wing Walker in Gloucestershire, das sind mutige Menschen, die auf den Tragflächen von fliegenden Doppeldeckern ihre Kunststücke vorführen, und Brieftauben-Fans in Sunderland, die ihre Lieblinge 800 – 900 km wegtransportieren, um sie dann nach Hause fliegen zu lassen.

Das Buch ist erstens sehr interessant und zweitens sehr humorvoll geschrieben. Wer Robbie Coltrane nicht kennt: Er ist ein sehr beliebter schottischer  Filmschauspieler, der in zahlreichen Kinofilmen und im Fernsehen seine Auftritte hatte, z.B. in „Ocean’s Twelve“ und „GoldenEye“. Im Fernsehen spielte er in einigen „Blackadder“-Folgen an der Seite von Rowan Atkinson und in Deutschland kennen wir ihn durch die Krimiserie „Für alle Fälle Fitz“, in der er einen Profiler in Manchester spielte. Besonders bekannt wurde er durch die Verkörperung des Rubeus Hagrid in den Harry Potter-Filmen.

Zu dem Buch gibt es auch die passende DVD, die die komplette ITV-Serie beinhaltet (hier ein Ausschnitt).

Robbie Coltrane: B-Road Britain – Off the beaten track and into the heart and soul of Britain. Bantam Press 2008. 288 Seiten. ISBN  978-0593059968.

Meine Lieblingsplätze in England Teil 2: The Great Hall im Cliveden Hotel bei Taplow (Berkshire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Die gestern in meinem Blog beschriebene Lounge im Thornbury Castle Hotel ist sehr viel kleiner und intimer als die Great Hall im palastartigen Cliveden Hotel bei Taplow (Berkshire), westlich von London. Wir übernachteten hier an einem verschneiten Wintertag und erlebten einen äußerst freundlichen Empfang, wahrscheinlich weil uns der General Manager des Thornbury Castle Hotels bei seiner Kollegin im Cliveden House angekündigt hatte. Jedenfalls begrüßte uns die Chefin des Hauses in der Great Hall persönlich und bei einem Glas Champagner genossen wir schon einmal die Atmosphäre dieses großen wunderschönen Raumes. Überall sind gemütliche Sitzecken mit bequemen Sofas aufgestellt, dezent beleuchtet durch Stehlampen. Die Wände sind eichenholzvertäfelt, ein riesiger Kamin aus dem 16. Jahrhundert beherrscht einen Teil des Raumes. Gobelins zeigen Szenen aus der Schlacht von Blenheim, bei der einer der früheren Bewohner von Cliveden, der erste Earl of Orkney (1666- 1737), teilgenommen hatte; passenderweise wohnten wir in der Orkney Suite.

Eine der letzten Bewohnerinnen von Cliveden, Lady Nancy Astor (1879-1964), begegnen wir in der Great Hall auf einem Gemälde, das der Maler John Singer Sargent von ihr im Jahr 1909 anfertigte, es hängt direkt neben dem Kamin. Ein besonderes Vergnügen ist es, in der Great Hall seinen Nachmittagstee zusichzunehmen, der allerdings seinen Preis hat (ca 80 Euro inklusive eines Glases Champagner).

Das Abendessen wurde im Terrace Dining Room zelebriert, von wo aus wir einen sehr schönen Blick auf die Lichter von Maidenhead hatten.

Sicher gibt es in England nur wenige Hotels, die Cliveden das Wasser reichen können. Das Schwesterhotel ist übrigens das nicht minder berühmte Chewton Glen in New Milton an der Küste von Hampshire.

Wer sich das Cliveden House einmal ansehen möchte, ohne gleich darin zu wohnen, kann das von April bis Oktober jeweils donnerstags zwischen 15 Uhr und 17 Uhr tun. Für  £2 kann man dann auf einer 30minütigen Tour auch die Great Hall sehen.

Hier ist ein Film über das Hotel.

Leider habe ich in der Great Hall nicht selber fotografiert, so dass ich hier auf Fotos anderer zurückgreifen muss.

Teilansicht unserer Orkney-Suite. Eigenes Foto.

Teilansicht unserer Orkney-Suite.
Eigenes Foto.

Published in: on 18. November 2015 at 02:00  Comments (3)  
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