The House That Moved – Ein Tudorhaus in Exeter, das umziehen musste

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In der West Street Nummer 24 in Exeter (Devon) steht ein uraltes Tudorhaus („The House That Moved„), das nach Schätzung von Experten im frühen 16. Jahrhundert gebaut worden ist, manche halten es noch für wesentlich älter. Den größten Teil seines Daseins verbrachte das Haus aber nicht an dieser Stelle, sondern etwa 70 Meter entfernt, an der Edmond Street, die es heute nicht mehr gibt. Wie kam es nun zu diesem Umzug?

Exeter wurde im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen bombardiert, wodurch viele historische Gebäude zerstört wurden. Nach dem Krieg zogen sich die Wiederaufbauarbeiten mehrere Jahre hin; ein neues Straßensystem entstand, darunter eine innere Ringstraße (der Western Way), dem weitere alte Häuser zum Opfer fielen. So sollte auch das Fachwerkhaus an der Edmond Street abgerissen werden, das den Bauarbeiten im Wege stand. Da der Zustand des Gebäudes sowieso ziemlich desolat war, dachten sich die Stadtplaner, weg damit, doch sie hatten nicht mit einer Gruppe von Archäologen gerechnet, denen es gelang, das Haus kurz vor dem geplanten Abriss unter Denkmalschutz zu stellen. Was nun? Die Straße musste gebaut, das Haus durfte aber nicht abgerissen werden? Man entschloss sich kurzerhand das alte Gebäude 70 Meter zu versetzen. Das war aber nicht so ohne weiteres zu bewerkstelligen, denn zu dem neuen Standort an der West Street ging es bergauf, bis zu 10% Steigung hatte die Straße. Doch eine Londoner Spezialfirma bekam das hin. Am 9. Dezember 1961 begann der Umzug des 20 Tonnen schweren Gebäudes, der sechs Tage dauern sollte. Hydraulische Hebevorrichtungen sorgten dafür, dass das auf Schienen gesetzte Haus immer genau in der Waagerechten blieb, eine Winde zog es im Schneckentempo den Hang hinauf. Schließlich erreichte das Fachwerkhaus den vorgesehenen neuen Standort und mit einem tiefen Seufzer (so stelle ich mir das jedenfalls vor) ließ es sich dort, hoffentlich für immer, nieder.

Heute finden wir in den historischen Räumen des Erdgeschosses ein Brautmodengeschäft namens Pirouette. Wer sich The House That Moved einmal ansehen möchte: Es liegt südwestlich der Kathedrale, direkt gegenüber der Kirche St Mary Steps am Ende der West Street und nur einen Steinwurf von der Straße entfernt, wegen der es seinen alten Standort verlassen musste, des Western Way (A 3015).

Hier ist ein alter Film, der den Umzug aus dem Jahr 1961 zeigt.

The House That Moved und die Kirche St Mary Steps.    © Copyright Derek Harper and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 10. Juli 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Kathedrale von Exeter (Devon), eine astronomische Uhr, ein Kinderlied, eine Katze und jede Menge Kirchenmäuse

Die astronomische Uhr in der Kathedrale von Exeter.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die astronomische Uhr in der Kathedrale von Exeter.
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Leider war ich nur einmal für wenige Stunden in Exeter, der Hauptstadt der Grafschaft Devon, und was sieht man sich da an? Natürlich die imposante Kathedrale im Stadtzentrum. Eine Besonderheit in der Kirche ist die astronomische Uhr, die im 15. Jahrhundert gebaut und in der Kathedrale installiert wurde. Da hatte sich aber jemand sehr viel Mühe gegeben und viel Gehirnschmalz verwendet, um eine so komplizierte Uhr zu konstruieren und es ist nicht ganz einfach, die Uhrzeit abzulesen.

Um diese astronomische Uhr rankt sich eine Geschichte, die sich Ende des 15. Jahrhunderts in der Kathedrale abgespielt haben soll. Zu dieser Zeit war Peter Courtenay (1432-1492) der Bischof von Exeter, der auf seine neue Errungenschaft sehr stolz war und sie anderen Würdenträgern gern zeigte. Bei einem Gottesdienst wurde die Andacht plötzlich gestört, als die Kirchenkatze der Kathedrale von Exeter ihren Aufgaben allzu geräuschvoll nachging und mit lautem Gekreisch eine Maus verfolgte, die sich in ihrer Not in den Mechanismus der astronomischen Uhr flüchtete, die mit einem ebenso lauten Geschepper auf den ungebetenen Gast reagierte. Ob die Maus lebend wieder aus der Uhr herauskam, ist nicht überliefert, aber das Kinderlied „Hickory, Dickory, Dock“ soll auf Grund dieser kleinen Geschichte entstanden sein:
Hickory, dickory, dock.
The mouse ran up the clock.
The clock struck one,
The mouse ran down,
Hickory, dickory, dock

Unterhalb der Uhr findet man eine Tür mit einem Loch, das als Katzenklappe fungierte und durch das die Kirchenkatzen ein und aus gingen. Sie hatten reiche Beute in dem großen Gebäude. Mäuse und auch Ratten hielten sich besonders gern in dem Gehäuse der Uhr auf, die immer wieder mit Tierfett geschmiert wurde und das fraßen die Nager für ihr Leben gern.

Wer sich für Kirchenkatzen interessiert, sollte unbedingt zu dem Buch „Cathedral Cats“ (Fount Publ., ISBN  978-0006276586) von Richard Surman greifen, der darin auch über die Exeter-Katzen schreibt, aber ebenso Kim von der Lichfield Cathedral und Olsen und Hansen von der Chester Cathedral nicht unerwähnt lässt.

In meinem Blog habe ich bereits über Tom von St Mary Redcliffe in Bristol und Tiddles von St Mary’s in Fairford (Gloucestershire) geschrieben.

Dieser Film zeigt die Orgel und die astronomische Uhr der Kathedrale von Exeter.

Die Tür unter der Uhr mit der Katzenklappe.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die Kathedrale von Exeter.   © Copyright Julian P Guffogg and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Kathedrale von Exeter.
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Published in: on 13. Juni 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Parliament Street in Exeter – Eine der schmalsten Straßen der Welt

   © Copyright Derek Harper

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Wenn man den Namen Parliament Street hört, denkt man unwillkürlich an einen breiten Prachtboulevard, der an einem riesigen Parlamentsgebäude entlangführt. Nicht so in Exeter, der Hauptstadt der Grafschaft Devon. Hier geht man mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Parliament Street vorbei, ohne diese überhaupt zu bemerken, denn sie ist an einem Ende nur 64 cm breit, am anderen Ende ihrer 50m langen Existenz kann sie dann immerhin üppige 122 cm vorweisen.

Also: Wenn man die Straße einmal in voller Länge entlangschreiten möchte (bitte unbedingt auf menschlichen Gegenverkehr achten!), gehe man zur High Street (nur für Fahrräder und Busse befahrbar) und achte auf die Hausnummern 194 und 195: Genau dazwischen verläuft die Parliament Street, die die High Street mit der Waterbeer Street verbindet.

Ursprünglich hatte die Gasse einen passenderen Namen, nämlich Small Street, aber 1832 benannte der Stadtrat die Straße um, wohl um sich über das Londoner Parlament lustig zu machen, das in diesem Jahr den Reform Act verabschiedete, ein Gesetz, mit dem die Wahlkreiseinteilung für die Wahl des britischen Parlaments geändert wurde. Gesichert ist dieser Grund für die Namensänderung allerdings nicht.

1836 wandten sich die Anwohner an die örtlichen Behörden und forderten eine Verbreiterung der Parliament Street und brachten dafür sogar schon £130 auf, aber die zuständigen Stellen hielten davon nicht viel, und das Ganze geriet in Vergessenheit.

In den 1970er Jahren wurde ein großer Teil der Mauern durch rote Ziegelsteine ersetzt, aber viel ansprechender ist die Gasse dadurch auch nicht geworden.

Kein Gegenverkehr möglich...Foto: Smalljim. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

Kein Gegenverkehr möglich…
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Published in: on 14. Dezember 2012 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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