Die Silvesterfeier in einem Londoner Dinosaurier im Jahr 1853

Zwei Iguanodons im Crystal Palace Park.   © Copyright Julian Osley and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Zwei Iguanodons im Crystal Palace Park.
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„Der Iguanodon („Leguanzahn“) ist eine zur Gruppe der Ornithopoda gehörende Gattung der Dinosaurier aus der frühen Kreidezeit und der größte und bekannteste Vertreter der Iguanodontidae“. So steht es in der Wikipedia zu lesen und in genau so einem Tier, d.h. natürlich nicht in einem lebenden, sondern in einem Modell, fand am 31. Dezember 1853 eine spektakuläre Silvesterfeier statt, an der 22 hochrangige Akademiker, Investoren und Zeitungsleute teilnahmen. Eingeladen zu der Feier hatte Benjamin Waterhouse Hawkins (1807-1894), ein Bildhauer und Naturwissenschaftler, der u.a. auch dadurch berühmt geworden war, dass er im Park des Crystal Palace in Sydenham, einem Stadtteil Londons, große Plastiken von Dinosauriern aufgestellt hatte. Zusammen mit dem Zoologen Richard Owen, der auch zu der Party eingeladen war, hatte Hawkins 33 dieser Urzeittiere gebaut und in dem Park zur Schau gestellt. Um dieses Ereignis zu feiern, kam man hier am Silvesterabend des Jahres 1853 in dem Inneren eines Iguanodon-Modells zu einem mehrgängigen Diner zusammen und ließ es sich gut gehen. Hawkins hielt eine kurze Rede und stellte darin sein Projekt mit den Saurierplastiken vor. Je später der Abend wurde, umso lauter und feucht-fröhlicher soll es da im Iguanodon zugegangen sein.

Werfen wir einen Blick auf die Speisenfolge, die ich hier in Auszügen wiedergeben möchte:

  • Als Suppe stand unter anderem Mock Turtle Soup auf der Karte
  • Beim Fischgang konnte man zwischen Steinbutt und Weißfisch wählen
  • Als Nächstes folgte eine Auswahl an Truthahn, Hühnchen, Taube und Schinken
  • Dann wurden die Hauptgänge serviert: Hammel, Rebhuhn, Seezunge, Fasan, Schnepfe
  • Zum Dessert gab es zum Beispiel Kalte Charlotte, Buisson de Meringue aux Confiteur, Nougat à la Chantilly sowie Obst aller Art wie Äpfel, Birnen, Pflaumen und Haselnüsse, Mandeln und Rosinen.
  • Als Getränke wurden Sherry, Madeira, Weißwein von der Mosel und Rotwein aus Bordeaux gereicht.

Die Herren müssen nach diesem gewaltigen Abendmahl wohl mehr oder weniger schwankend mit vollen Mägen aus dem Saurier gestiegen und nach Hause gewankt sein.

Diesen Iguanodon und seine vielen Geschwister kann man noch heute im Crystal Palace Park im Südosten von London bestaunen; dieser Film zeigt einige der beeindruckenden Skulpturen.

Das Buch zum Artikel:
Barbara Kerley: The Dinosaurs of Waterhouse Hawkins. Scholastic Press 2002. 48 Seiten. ISBN 978-0439114943.

 

Der Appleby Rose Garden in Bury St Edmunds (Suffolk)

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Während des Zweiten Weltkriegs waren unzählige US-amerikanische Soldaten in East Anglia stationiert; von den Flugplätzen aus wurden die Angriffe auf Ziele in Deutschland geflogen. Einer dieser Flugplätze war RAF Lavenham, etwa zehn Kilometer nördlich von Sudbury in der Grafschaft Suffolk.

John Tate Appleby (1907-1974) aus Arkansas verbrachte die letzten Kriegsmonate auf dieser Luftwaffenbasis der 8th United States Army Air Force. Vor dem Krieg arbeitete Appleby als Journalist für mehrere Zeitungen und im Sommer 1945, als der Krieg zu Ende war, erkundete er per Fahrrad die Region im Osten Englands. Er verliebte sich regelrecht in Suffolk und aus seinen Aufzeichnungen über die Fahrradtouren wurde schließlich ein Buch, das er 1948 unter dem Titel „Suffolk Summer“ veröffentlichte. Dieses Buch wurde zu einem Verkaufserfolg und es erlebte immer wieder Reprints und war viele Jahre lieferbar. Der Amerikaner schreibt darin u.a. über die Kirchen, die er aufsuchte und über sein Hobby, das Brass-Rubbing.  „Suffolk Summer“ ist ein Dokument des Landlebens in East Anglia Mitte des 20. Jahrhunderts.

John Tate Appleby ging wieder nach Arkansas zurück, wo er sich intensiv mit der englischen Geschichte beschäftigte und mehrere Biografien englischer Könige verfasste. Er sollte nie wieder in sein geliebtes Suffolk zurückkehren, aber er machte der Stadt Bury St Edmunds ein Geschenk in Form eines Rosengartens, wofür er die Einnahmen aus seinem Buch „Suffolk Summer“ verwendete. Auf sechzehn Rosenbeeten sind über 400 Rosenbüsche versammelt, die einen Teil des Abbey Gardens bilden, die wiederum zu den Ruinen der Bury St Edmunds Abbey gehören. Der großzügige Stifter des Rosengartens ist im Namen „Appleby Rose Garden“ verewigt worden.

An die in Suffolk stationierten und im Einsatz gefallenen US-Soldaten erinnert ein Gedenkstein im Rosengarten. Eine recht ungewöhnliche Sitzbank ist hier auch zu finden, die aus Teilen einer Tragfläche eines B17 Flying Fortress Bombers gefertigt wurde.

Die Abbey Gardens sind täglich geöffnet und liegen mitten im Zentrum von Bury St Edmunds am Angel Hill. Dieser Film zeigt einen Rundgang.

Das War Memorial im Appleby Rose Garden.   © Copyright David Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das  an die gefallenen US-Soldaten erinnernde War Memorial im Appleby Rose Garden.
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Rudyard Lake – Ein Erholungsgebiet in Staffordshire und Namensgeber eines berühmten Schriftstellers

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An einem schönen Sommertag zur Zeit Königin Victorias gingen John Lockwood Kipling und Alice Macdonald am Rudyard Lake in Staffordshire spazieren. Der junge Mann fiel dort auf die Knie und bat Alice, ihn zu heiraten. Die junge Frau sagte freudig ja. Als am 30. Dezember 1865 in Bombay ihr Sohn geboren wurde, nannte das junge Paar ihn Rudyard mit Vornamen, in Erinnerung an den schönen Tag am See. Rudyard Kipling wurde später zu einem der bekanntesten Schriftsteller Englands.

Der Rudyard Lake ist ein Stausee, der Ende des 18. Jahrhunderts von John Rennie angelegt wurde, in erster Linie, um den Caldon Canal, ein Teilstück des Trent & Mersey Canals, mit genügend Wasser zu versorgen, denn hier gab es häufig Probleme mit dem Wasserstand.

Der See liegt sehr ruhig, nicht weit von der A 523 entfernt, die die Orte Leek und Macclesfield miteinander verbindet, und es ist heute ein Naherholungsgebiet für den Großraum Manchester.
Der Rudyard Lake Trust kümmert sich um das Wohlergehen des Gebietes und die League of Friends versuchen durch Spendenaktionen Aktivitäten am See zu unterstützen. So haben sie beispielsweise ein kleines Ausflugsboot namens „Honey“ gekauft, mit dem Rundfahrten durchgeführt werden.

The hidden gem of the Staffordshire Moorlands“ bietet also alles, was man sich zur Erholung wünscht: Angeln, Kayakfahrten, Segelbootrips und Naturbeobachtungen. Informieren kann man sich darüber im eigens eingerichteten Visitor Centre am Südende des Sees.

Hier sind in einem Film einige stimmungsvolle Herbstimpressionen vom Rudyard Lake eingefangen.

Im Jahr 2006 spielte sich eine ungewöhnliche „Regatta“ auf dem Rudyard Lake ab, als Jeremy Clarkson, Richard Hammond und James May von der BBC-Sendung „Top Gear“ versuchten, mit umgebauten Autos über den See zu fahren. Hier ist der Film zu sehen.

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Published in: on 29. Dezember 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Grimsby (Lincolnshire) – Die Stadt der glücklichen Lottogewinner

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Zu den attraktivsten Städten Englands gehört Grimsby an der Küste von Lincolnshire sicher nicht. Die Band KLF zählte sie in ihrem Song „It’s Grim Up North“ mit auf und die Online-Platform „I Live Here UK“ bezeichnete Grimsby in diesem Jahr als „The Worst Place To Live„. Noch immer ist der Hafen der Stadt am River Humber der größte in Großbritannien, obwohl die Fischereiindustrie stark zurückgegangen ist. Zahlreiche Unternehmen der nahrungsmittelverarbeitenden Industrie haben sich hier jetzt niedergelassen, so dass man schon von „Europe’s Food Town“ spricht. Also: Wohnen möchte man hier nicht unbedingt…

ABER: Die Bewohner von Grimsby und Nordost-Lincolnshire haben eine 25x größere Chance in der National Lottery zu gewinnen als alle anderen Briten. Es gingen seit 1994 so viele hohe Gewinne in die Region, dass die Stadt vom Grimsby Evening Telegraph als Winsby bezeichnet wurde. Aber nicht nur Gewinne der Staatlichen Lottogesellschaft gingen in die Hafenstadt, es gibt auch zahlreiche andere Lotterien, deren Gewinner hier wohnen.
So hatte eine Ehepaar aus Grimsby einmal aus Kostengründen eine Woche nicht Lotto gespielt und prompt wurden ihre Zahlen gezogen; £8.5 Millionen gingen ihnen durch die Lappen. Doch unverzagt spielten sie weiter…und gewannen sechs Jahre später tatsächlich fast £5 Millionen. Die Chancen, dass die sechs Zahlen eines Lottopielers zweimal gezogen werden, liegen im Unendlichen.

Es sprach sich bald herum, dass in den Lottoannahmestellen in Grimsby die Tippscheine besonders erfolgreich zu sein scheinen, und so kamen die Leute auch aus den umliegenden Dörfern und Städten hierher, um ihr Glück zu versuchen und bei einigen klappte es tatsächlich. Nach Louth, einige Kilometer südlich von Grimsby an der A16 gelegen, gingen im Jahre 2005 gleich zwei hohe Gewinne: £14 Millionen und £3 Millionen.

Eine Zeit lang stand an der Zufahrt zu Grimsby von der Autobahn M180 aus ein Schild mit der Aufschrift „Welcome to Winsby“. Bis zum heutigen Tag hält das Lotterieglück hier tatsächlich an. Erst vor ein paar Wochen gingen drei Gewinne der People’s Postcode Lottery in die Stadt, jeweils £1,000, nicht allzuviel, aber immerhin.

Published in: on 28. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Mein Buchtipp – Ben Aitken: Dear Bill Bryson* – Footnotes from a Small Island

Foto meines Exemplares.

Foto meines Exemplares.

In der rue de la Bûcherie im 5. Pariser Arrondissement liegt die berühmte Buchhandlung Shakespeare & Company, seit Jahrzehnten Treffpunkt unzähliger britischer und US-amerikanischer Schriftsteller. Ich kannte noch den Gründer George Whitman, der sich bei einem meiner Besuche ungeniert mitten zwischen den engstehenden Buchregalen sein Mittagessen in einer Pfanne zubereitete. Viele der Besucher dürfen auch in der Buchhandlung übernachten…wie zum Beispiel der junge Engländer Ben Aitken, der hier im Cinquième Arrondissement große Teile seines Buches „Dear Bill Bryson* Footnotes from a Small Island“ schrieb, das Ergebnis einer Reise kreuz und quer durch Großbritannien, auf den Spuren des Reiseschriftstellers Bill Bryson.

1995 veröffentlichte der in England lebende Amerikaner Bill Bryson sein Buch „Notes from a Small Island„, das in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Reif für die Insel: England für Anfänger und Fortgeschrittene“ erschien. Darin hielt er die Erlebnisse seiner UK-Rundreise fest. Im vorigen Jahr, also genau zwanzig Jahre nach seiner ersten Reise wiederholte Bill Bryson die Tour noch einmal, um zu sehen, was sich seitdem verändert hat. Der Titel dieses Buches „The Road to Little Dribbling: more Notes from a Small Island“ (dt. „It’s teatime, my dear! Wieder reif für die Insel„); ich berichtete in meinem Blog darüber.

Ben Aitken nahm sich also die „Notes from a Small Island“ vor und reiste exakt zu den gleichen Plätzen wie Bryson, versuchte, wenn möglich, in den gleichen Hotels zu übernachten und in den gleichen Restaurants zu essen. Aitken ist ein witziger Typ, seine Eindrücke von den Orten und Plätzen sind oft nicht deckungsgleich mit denen des Amerikaners. Gut, zwanzig Jahre sind vergangen und es hat sich einiges verändert, aber die Herangehensweise an die Reise ist doch eine andere. Aitken versucht, wenn immer es geht, kostenlose Übernachtungen in Hotels zu bekommen, mit dem Hinweis, dass er auf den Spuren Brysons reise und ein Buch darüber schreiben will. Oft gelingt das sogar.

Aitken ist kein bedingungsloser Fan Brysons, hin und wieder macht er sich lustig über dessen Übergewicht und Trinkgewohnheiten. The Manchester Review fasst den Reisebericht treffend so zusammen: „Dear Bill Bryson is a travelogue, homage, critique and sometimes-farce rolled into one„.
Ich habe das Buch mit viel Vergnügen gelesen und kann es sehr empfehlen.

Ben Aitken: Dear Bill Bryson* – Footnotes from a Small Island. Not Bad Books 2015. 350 Seiten. ISBN 978-0-9933643-0-3

Mit diesem Buch in der Hand reiste Ben Aitken durch Großbritannien. Foto meines Exemplares.

Mit diesem Buch in der Hand reiste Ben Aitken durch Großbritannien.
Foto meines Exemplares.

In dieser Pariser Buchhandlung schrieb Ben Aitken große Teile seines Buches. Author: Christine Zenino. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.

In dieser Pariser Buchhandlung schrieb Ben Aitken große Teile seines Buches.
Author: Christine Zenino.
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Published in: on 27. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – Episode 101 „The Dagger Club“ (dt. „Britisches Roulette“)

Das Long Crendon Courthouse. Eigenes Foto.

Das Courthouse in Long Crendon (Buckinghamshire).
Eigenes Foto.

Am 18. Dezember wurde in Großbritannien die erste Folge der 19. Staffel der „Inspector Barnaby“-Reihe (mit dem neuen Sergeant DS Jamie Winter, gespielt von Nick Hendrix), „The Village That Rose From the Dead“, ausgestrahlt; fünf weitere werden Anfang 2017 folgen.

Am 8. Januar nimmt das ZDF den Faden wieder auf und bringt die vier neue Folgen der 17. Staffel und die erste der 18. Es beginnt mit Episode 101 „The Dagger Club„, die auf Deutsch „Britisches Roulette“ heißt. Um es gleich vorweg zu sagen, meiner Auffassung nach eine ganz schwache Folge, die ich auch nach mehrmaligem Anschauen nicht ganz verstanden habe. Da spielen todbringende Rouletteräder  eine Rolle, das Luxton Deeping Crime Festival wird ausgetragen und das Manuskript eines Kriminalromans des angeblich verstorbenen Schriftstellers George Summersbee wird gestohlen. Mehr sei hier noch nicht verraten.
Wir treffen einige Schauspieler aus früheren Folgen wieder wie Adam Kotz als Nick Summersby, der den James Herrington in Folge 21  „The Worm in the Bud“ (dt. „Die Hexe von Setwale Wood“) spielte, und Simon Kunz als Miles Rattigan, vielleicht noch bekannt als Bruce Hartley in Episode 39 „Bantling Boy“ (dt. „Erben oder Sterben?“).

Da mich bei der ganzen „Midsomer Murders“-Serie aber sowieso die Drehorte mehr interessieren als die Handlung, hier noch einige Hinweise darauf. Long Crendon in Buckinghamshire (über das ich in meinem Blog mehrfach berichtete) wurde zum wiederholten Mal als Drehort ausgesucht; das große Dorf eignet sich eben sehr gut für Filmaufnahmen. Am Ende der High Street stehen das Courthouse, das dem National Trust gehört, und die St Mary’s Church. Das Courthouse wurde für „The Dagger Club“ als Buchhandlung umfunktioniert, in dem das Luxton Deeping Crime Festival stattfindet. Einge Szenen wurden auch auf dem Kirchhof von St Mary’s gedreht. Hier suchte ich einmal nach dem Grab meiner Lieblings-Schriftstellerin Margaret Yorke, die in Long Crendon wohnte, aber leider vergeblich. Auch ein Bediensteter der Kirche und die Bibliothekarin der Public Library, rund hundert Meter von der Kirche entfernt, konnten mir über die Grabstelle keine Auskunft geben, obwohl ein Foto von Margaret Yorke in der Bibliothek ausgestellt war.

Ein weiterer Drehort war das Britwell House in Britwell Salome in Oxfordshire, über das ich in meinem Blog schon einmal berichtete. Hier wohnen in der Folge „Britisches Roulette“ die Summersbees. Aufmerksame Verfolger der TV-Serie erkennen das Haus vielleicht wieder aus Folge 28 „Birds of Prey“ (dt. „Unglücksvögel“) und Folge 50 „Death in Chorus“ (dt. „Tote singen nicht“).

Die nächsten vom ZDF gesendeten Folgen:
Am 15. Januar „Murder by Magic“ -> „Mord mit Magie“
Am 22. Januar „The Ballad of Midsomer County“ -> „Ein mörderisch guter Song“
Am 29. Januar „A Vintage Murder“ -> „Ein letzter Tropfen“
Am 05. Februar „Habeas Corpus“ -> „Und wo sind die Leichen“

 

St Mary's direkt neben dem Courthouse in Long Crendon. Eigenes Foto.

St Mary’s direkt neben dem Courthouse in Long Crendon.
Eigenes Foto.

Britwell House in Britwell Salome (Oxfordshire).   © Copyright Andrew Smith and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 26. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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St Andrew’s in Covehithe (Suffolk) – Romantische Ruinen oder Die Kirche in der Kirche

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Covehithe ist ein winziges Dorf an der Küste von Suffolk mit knapp zwei Dutzend Einwohnern. Es werden sicher auch nie mehr werden, im Gegenteil, denn die Küste, die nur 200-300 Meter entfernt ist, gehört zu den am stärksten erodierenden der ganzen Insel. An einem Weg, der zum Strand führt, warnen Schilder „No access to beach by pedestrians. Unsafe footway“. So wird es eines Tages Covehithe nicht mehr geben, wenn das Meer sich weiter in Richtung Inland vorgearbeitet hat. Ebenso sind die Tage der Kirche St Andrew’s gezählt, die schon jetzt eine Ruine ist und aus zwei Teilen besteht. Von der mittelalterlichen Kirche aus dem 14./15. Jahrhundert sind noch Teile der Außenmauern und der Turm stehengeblieben, der früher eine Orientierung für die Schifffahrt vor der Küste war. Der Churches Conservation Trust kümmert sich um den Erhalt des ehemaligen Gotteshauses, das eigentlich viel zu groß für das kleine Dorf war. Was tun, fragten sich im 17. Jahrhundert die Gemeindemitglieder? Sie konnten sich den Unterhalt der Kirche nicht mehr leisten. Da kam jemand auf die Idee, das Dach einfach abzunehmen und im Innenraum eine kleinere Kirche zu bauen. Um die Kosten dafür zu senken, verwendete man Baumaterial der „großen Schwester“ und setzte die Westwand direkt an den noch gut erhaltenen Turm. Auch andere Teile der alten Kirche wie der Taufstein wurden in die neue übernommen.

Im 17. Jahrhundert erhielt St Andrew’s, wie unzählige andere Kirchen auch, ungebetenen Besuch: Der Bilderstürmer William „Basher“ Dowsing (ich berichtete in meinem Blog über ihn) kam an diesen abgelegenen Ort und zerdepperte 200 Bilder und Fenster.

Die romantischen Ruinen von St Andrew’s bilden den Hintergrund für die Mini-TV-Serie „Death in Holy Orders“ der BBC, nach dem gleichnamigen Roman von P.D. James, aus dem Jahr 2003; das Buch erschien zwei Jahre früher. Hier sind einige Szenen daraus zu sehen.

Dieser Film zeigt Aufnahmen von der Küste von Covehithe und von St Andrew’s.

   © Copyright Kim Fyson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die erodierende Küste bei Covehithe.   © Copyright Evelyn Simak and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 25. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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The Dunston Pillar in Lincolnshire – Sir Francis Dashwoods „Heide-Leuchtturm“

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Nur wenige Meter von der Kreuzung der A15 (Sleaford Road) mit der B1178 (Tower Road) entfernt, zehn Kilometer südlich von Lincoln in der Grafschaft Lincolnshire, steht ein merkwürdiger, schmuckloser Turm, dessen Zweck sich auf den ersten Blick nicht erschließt. Es handelt sich dabei um einen ehemaligen Leuchtturm aus dem 18. Jahrhundert, der nicht Schiffen ihren Weg weisen sollte (die Küste ist viele Kilometer entfernt), sondern Reisenden, die die nächtliche Heidelandschaft durchquerten. Gebaut wurde der Dunston Pillar genannte Turm 1751 auf Veranlassung von Sir Francis Dashwood, jenem exzentrischen Typen, der durch seinen Hellfire Club berühmt/berüchtigt war und über den ich in meinem Blog schon einmal in Zusammenhang mit der St Lawrence Church in West Wycombe (Buckinghamshire) und deren goldener Kugel schrieb. Sir Francis wohnte ganz in der Nähe in Nocton Hall, einem Anwesen, das eigentlich seiner Frau gehörte.

Der Dunston Pillar war 28 Meter hoch; oben hatte man die Laterne angebracht, die die Wegweiserfunktion hatte. Durch eine Innentreppe gelangte man an die Spitze des Turms, der bis zum Jahre 1788 seine Aufgabe täglich erfüllte. 1808 wurde er komplett außer Betrieb genommen, weil zwischenzeitlich Straßen in der Umgebung gebaut worden waren und dadurch eine gewisse Sicherheit gegeben war. Ein Jahr später riss ein schwerer Sturm die fünf Meter hohe Laterne aus ihrer Verankerung, so dass sie zu Boden stürzte.

Da der laternenlose Turm ziemlich kahl aussah, ließ 1810 der Earl of Buckinghamshire aus Anlass des goldenen Thronjubiläums eine Statue von König Georg III.  darauf setzen, die den Dunston Pillar bis zum Zweiten Weltkrieg schmückte. So lange konnte der König von seiner Höhe aus die platte Landschaft Lincolnshires betrachten. Dann musste er weichen, denn Turm und König standen genau in der Einflugschneise des Militärflugplatzes Royal Air Force Station Coleby Grange. Der um einige Meter niedriger gewordene Dunston Pillar blieb stehen, die Büste Georgs III. wanderte einige Kilometer nach Norden und verblieb im Lincoln Castle.

Die Büste König Georgs III. im LIncoln Castle, die einmal auf dem Dunston Pillar stand. Neddyseagoon at the English language Wikipedia. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported.

Die Büste König Georgs III. im Lincoln Castle, die einmal auf dem Dunston Pillar stand.
Attr.: Neddyseagoon at the English language Wikipedia.
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Published in: on 24. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Die Ashington Group – Hobbymaler aus dem Bergbau in Northumberland

Hier im Woodhorn Museum werden die Werke der Ashington Group ausgestellt.   © Copyright Anthony Foster and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Das Woodhorn Museum and Northumberland Archives ist im hohen Norden Englands, in Ashington in der Grafschaft Northumberland, zu finden, dort, wo früher ein Kohlebergwerk stand. Das Museum ist dem Leben der Bergleute gewidmet, die hier einst ihrem schweren Beruf nachgingen. Neben den Überresten der Kohlemine, die zu besichtigen sind, zeigt das Woodhorn-Museum u.a. eine Ausstellung von Bildern der Pitmen Painters, die auch unter dem Namen Ashington Group bekannt sind.

Ashington ist eine Stadt, die 24 Kilometer von Newcastle-upon-Tyne liegt, und hier trafen sich ab 1934 regelmäßig Bergarbeiter aus den umliegenden Minen, um in ihrer Freizeit künstlerisch tätig zu werden. Robert Lyon aus Newcastle hatte die Hobbymaler unter seine Fittiche genommen, und er führte die Männer behutsam und feinfühlig an die Kunst des Malens heran. Bald zeigte sich, dass in der Gruppe Talent vorhanden war. Die Bergarbeiter wählten als Motiv vorwiegend ihr Leben unter Tage und ihre Freizeitgestaltung. So malte Harry Wilson ein Bild von der Ashington Colliery, Arthur Winnom hielt einen Unfall im Bergwerk fest und J.F. Harrison zeigte ein Bergwerkspony unter Tage.

Schon zwei Jahre, nachdem sich die Ashington Group gebildet hatte, kam es zu einer ersten Bilderausstellung im Armstrong College in Newcastle. Auch während des Zweiten Weltkrieges und danach hatte die Gruppe Bestand und versuchte sich an neuen künstlerischen Techniken, doch nach wie vor arbeitete sie hauptsächlich nach den Vorgaben ihres Tutors Robert Lyon, nämlich das zu malen, was sie aus ihrem persönlichen Umfeld kennen.
in den 1970er Jahren erwachte das Interesse an den Pitmen Painters erneut und es kam zu Ausstellungen in London und in Durham, ja sogar international wurden die Werke der Ashington Group gezeigt, nämlich in Deutschland, den Niederlanden und in China. 1984 löste sich die Künstlergruppe auf und seit 1989 befinden sich ihre Bilder im Woodhorn Museum, das ganzjährig geöffnet ist (Mittwoch bis Sonntag). Der Eintritt ist frei.

1988 schrieb der Kunstkritiker William Feaver ein Buch über die Männer aus Ashington mit dem Titel „Pitmen Painters: The Ashington Group 1934-1984„, aus dem Lee Hall zwanzig Jahre später das Bühnenstück „The Pitmen Painters“ verfasste, das in Newcastle-upon-Tyne uraufgeführt wurde und dann ins Londoner Royal National Theatre kam. Es folgten später Aufführungen am Broadway in New York, in Vancouver, in Hamilton, Kanada, und in Buenos Aires.

Published in: on 23. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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The Oxford and Cambridge Boat Races – Einige Amerkungen

Die Londoner Putney Bridge, wo das Bootsrennen beginnt.   © Copyright Peter McDermott and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Am 2. April 2017 ist es wieder soweit, dann treffen sich die beiden Rudermannschaften der Universitäten von Oxford und Cambridge, um auf der Themse ihr jährliches Rennen auszutragen. Die zurückzulegende Strecke von 6,8 Kilometern beginnt an der Putney Bridge und endet an der Chiswick Bridge. Das erste Rennen fand am 10. Juni 1829 statt, als zwei befreundete Studenten aus den beiden Universitätsstädten ihre Kräfte auf der Themse messen wollten. Charles Merivale vom St John’s College in Cambridge trat mit seinem Team gegen Charles Wordsworth vom Christ Church College in Oxford und seinen Mannen an. Merivale wurde später Dekan in der Kathedrale von Ely (Cambridgeshire), Wordsworth Bischof von St Andrews, Dunkeld and Dunblane in Schottland. In den beiden Booten saßen noch weitere junge Männer, die ihre Karriere in der Kirche suchen sollten.

Die Rennstrecke auf der Themse führte damals vom Hambledon Lock nach Henley-on-Thames. Oxford gewann das erste Rennen, während Cambridge die nächsten vier Boat Races zwischen den Jahren 1836 und 1841  für sich verbuchen konnte. Der momentane Stand ist Cambridge: 82, Oxford: 79. Nur ein einziges Mal gab es ein Unentschieden, nämlich im Jahr 1877; es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen und der Zielrichter soll auf einem Auge blind gewesen sein. In anderen Quellen heißt es, er wäre eingeschlafen und hätte das Ende gar nicht richtig mitbekommen.

Bei einigen Rennen war das Wetter so schlecht und der Wind so stark, dass beide Boote ihr Ziel nicht erreichten und voll Wasser liefen, so geschehen am 31. März 1912. Cambridge hatte in den Jahren 1859 und 1978 gesunkene Boote zu beklagen, Oxford 1925 und 1951.

Das schnellste Rennen wurde am 28. März 1998 ausgetragen, als die Ruderer aus Cambridge lediglich 16 Minuten und 19 Sekunden zur Bewältigung der Strecke benötigten.

Der schwerste Ruderer, der jemals an dem Bootsrennen teilgenommen hat, war ein deutscher Student, der 2007 für Cambridge ruderte. Er wog fast 111 Kilogramm und hieß Thorsten Engelmann.

Was immer ein wenig in Vergessenheit gerät, ist, dass es auch ein Women’s Boat Race zwischen den beiden Universitäten gibt. 1927 wurde es ins Leben gerufen, findet aber erst seit 1964 jährlich statt. Hier ist der Stand zurzeit Cambridge 41 Siege, Oxford 30 Siege.

In der Regel eine Woche vor den Rennen auf der Londoner Themse treffen Boote der Universitäten von Cambridge und Oxford schon einmal in Henley-on-Thames aufeinander. Dort beträgt die Strecke nur zwei Kilometer.

Dieser Film zeigt das Bootsrennen aus dem Jahr 2016.

Hier an der Chiswick Bridge endet das Bootsrennen.   © Copyright N Chadwick and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 22. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Ärger in der Kathedrale oder Warum die Glocken des Münsters von York schweigen

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Die Glöckner vom York Minster sind alle gefeuert worden, die schweren Glocken der riesigen Kathedrale schweigen. Wie konnte es dazu kommen? Es begann damit, dass die Dekanin, The Very Reverend Vivienne Faull, ein Mitglied der York Minster Society of Change Ringers suspendierte. Auf Anfrage der anderen „bell-ringer“, warum dieser Schritt vollzogen wurde, setzte man auch sie auf die Straße. Der Erzbischof von York, John Sentamu, äußerte sich in einem Interview, dass „Health and safety issues“ der Grund für die Entlassung der Glöckner war; im Klartext: Es gab Vorwürfe gegen einen von ihnen, den Ringing Master of York Minster, wegen angeblichen Kindesmissbrauchs. Diese lagen schon einige Jahre zurück, wurden aber immer wieder ans Tageslicht geholt, obwohl der Mann in einem Prozess frei gesprochen worden war. Die Eltern der Kinder, um die es ging, angehende bell-ringer, hatten keine Anschuldigungen erhoben, sie waren bei den Proben meistens dabei.

Die Führung des Münsters zeigte sich unerbittlich und ließ nicht mit sich reden, das komplette dreißigköpfige Glöckner-Team blieb draußen. Inzwischen hat man eine Petition gestartet, die bell-ringer wieder einzustellen, die schon von vielen Tausenden unterschrieben worden ist, aber bisher ohne Erfolg. Die Verantwortlichen des Münsters planen, im nächsten Jahr ein neues Team zusammenstellen.

Weihnachten steht jetzt vor der Tür und sollen die Glocken des York Minsters tatsächlich in dieser Zeit stumm bleiben? Das wäre das erste Mal seit dem Jahr 1361. Schon wurden die Fühler zu der Nachbarstadt Leeds ausgestreckt, ob nicht ein Freiwilligen-Glöcknerteam dort bereit wäre, in York über Weihnachten einzuspringen, doch da bekamen die Kirchenoberen eine klare Absage; die bell-ringer in Leeds erklärten sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen in York solidarisch.

Wie sich das Glockenläuten im York Minster anhört, zeigt dieser Film.

Published in: on 21. Dezember 2016 at 02:00  Comments (5)  
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Church of the English Martyrs in Goring-by-Sea (West Sussex) – Hier gibt es die Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle zu sehen

 

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Besondere Berühmtheit erlangte die Sixtinische Kapelle im Vatikan durch ihre Ausschmückung mit Fresken. Die Deckenmalereien malte Michelangelo Buonarroti zwischen 1508 und 1512 im Auftrag von Papst Julius II.
Wer nicht so weit fahren möchte, um sich diese Deckengemälde anzusehen, kann auch nach Goring-by-Sea in West Sussex fahren und dort die Kirche Church of the English Martyrs besuchen. Hier schuf der englische Künstler Gary Bevans in fünfjähriger Arbeit eine exakte Kopie der Deckenmalerei der Sixtinischen Kapelle. 1993 beendete er sein Werk, das nach wie vor weltweit die einzige Kopie in voller Größe ist.

Gary Bevans, der nie eine Kunstschule besucht hat, bekam die Inspiration für sein Werk, nachdem er 1987 eine Pilgerfahrt nach Rom unternommen und sich die Sixtinische Kapelle angesehen hatte. Er besorgte sich detaillierte Unterlagen über das Michelangelo-Gemälde und kopierte es in den Abendstunden und am Wochenende, denn er war ja berufstätig und konnte die Arbeiten in der Kirche nur in seiner Freizeit ausführen.

Als die Decke mit einer feierlichen Messe am Erntedankfest 1993 eingeweiht wurde, erhielt Gary Bevans eine spezielle Medaille ausgehändigt, die ihm der damalige Papst Johannes Paul II zukommen ließ, in Anerkennung für sein künstlerisches Schaffen für die Katholische Kirche.

Dieser Film zeigt Details des Kunstwerks.

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Published in: on 20. Dezember 2016 at 02:00  Comments (1)  
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Winter im Ashdown Park Hotel bei Forest Row in East Sussex

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Es gibt nur wenige Hotels in England, die ich schon einmal verschneit kennengelernt habe; das Ashdown Park Hotel im Ashdown Forest in East Sussex ist eines davon. Dieses beeindruckende Haus hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Es diente im 1. Weltkrieg als Krankenhaus für verwundete Soldaten, dann als Ausbildungsstätte für Nonnen und schließlich war es Teil einer internationalen Universität.

Das Hotel liegt in einem sehr schönen Park mit einem kleinen See, in dessen Mitte Springbrunnen vor sich hin plätschern. Bei meinem zweiten Aufenthalt hier war der Park verschneit und die Bäume abends angestrahlt, einmal sah ich auch Rehe durch den Park ziehen; es ist also alles sehr romantisch.

Der Chefkoch des gemütlichen Anderida Restaurants ist seit 2011 Andrew Wilson, der früher hier schon einmal gearbeitet hatte und der sich zwei AA Rosetten erkocht hat. Das Abendessen wird häufig von einem Pianisten begleitet, dazu der Blick auf den Park: Perfekt. Ich habe mich beide Male in dem Hotel sehr wohl gefühlt.
Dass in so einem eindrucksvollen Hause auch Hochzeiten stattfinden, liegt auf der Hand. Bei der Buchung sollte man auf jeden Fall nachfragen, sonst kann es ziemlich turbulent werden.

Zum Ashdown Park Hotel gehört auch ein 18-Loch-Golfplatz und ein Spa mit Hallenbad und Wellnessangeboten.
Das Haus ist eines der „Elite Hotels„, zu denen u.a auch Tylney Hall in Hampshire und Luton Hoo in Bedfordshire gehören, die ich meinem Blog schon einmal vorgestellt habe.

Ashdown Park Hotel
Wych Cross
Near Forest Row
East Sussex RH18 5JR

 

Über Nacht ist der Winter hereingebrochen. Eigenes Foto.

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Eigenes Foto des Hotelprospekts.

Foto meines Hotelprospekts.

Published in: on 19. Dezember 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Meine Lieblings-Pubs – The George & Dragon in Speldhurst (Kent)

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Speldhurst liegt im Dunstkreis von Tunbridge Wells, also ganz im Westen der Grafschaft Kent, und verfügt über einen ganz besonderen Pub, den George & Dragon. Er ist mir in Erinnerung geblieben durch seine prominente Lage mitten im Dorf, durch sein hübsches Äußeres und sein angenehmes Interieur.
Der George & Dragon gehört mit zu den ältesten Pubs Englands (er stammt aus dem 13. Jahrhundert) und ist für mich einer der schönsten im Lande.

Im Jahr 2004 wurde der Pub von einem Ehepaar übernommen, das es sich auf ihre Fahnen geschrieben hat, im Restaurant nur Produkte anzubieten, die aus einem 50-Kilometer Umkreis stammen: „Food from a Farm, Not a Factory“ ist ihr Wahlspruch und so findet man auf der Karte z.B. Slow Roast Sussex Pork Belly, Ashdown Forest Venison und Speldhurst Sausahe and Mash. Selbst das im Pub ausgeschenkte Bier kommt aus der unmittelbaren Umgebung, aus der Larkins Brewery, die in Chiddingstone bei Tonbridge liegt. Daß man sehr viel Wert auf die Lieferanten legt, kann man schon daran sehen, dass im Pub deren Bilder aufgehängt sind. Dieser Film gibt einen kleinen Eindruck von dem hübschen Pub.

Wer sich in der Region Tunbridge Wells aufhält, dem kann ich den George & Dragon sehr ans Herz legen, für Lunch, für Dinner oder einfach nur für ein Pint.

The George & Dragon
Speldhurst Hill
Speldhurst
Tunbridge Wells TN3 ONN

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Published in: on 18. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Musikvideos – T’Pau: China In Your Hand

Vor drei Jahren stellte ich in meinem Blog schon einmal das Musikvideo und den Song „Secret Garden“ der englischen Formation T’Pau vor. Zur Erinnerung: T’Pau 1986 gegründet, benannte sich nach einer Figur aus „Star Trek“ und bestand aus Carol Decker, Ronnie Rogers und einigen Begleitmusikern. Die Band hatte eine Handvoll internationaler Hits, löste sich aber 1992 wieder auf. Carol Decker tritt auch heute noch gelegentlich unter dem alten Bandnamen auf, aber an den Erfolg von damals konnte sie nicht mehr anknüpfen.

Bekannt wurde Carol Decker & Co vor allem durch den Hit „China In Your Hand“ aus dem Jahr 1987, der auf dem Album „Bridge of Spies“ enthalten war und auch als Single veröffentlicht wurde. Mit dem Land China hat der Song nichts zu tun, sondern mit „china“, dem englischen Wort für Porzellan. Carol Decker schrieb den Text und orientierte sich dabei an dem berühmten Schauerroman „Frankenstein“ von Mary Shelley. Sie sah einmal eine Dokumentation über die Romantiker Lord Byron, John Keats und Mary Shelley und war besonders von der jungen Schriftstellerin beeindruckt. Die Bezüge zu „Frankenstein“ sind vor allem auf der längeren Albumversion des Songs zu erkennen. Der Titel „China In Your Hand“ spielt auf die Zerbrechlichkeit von Wünschen und Träumen an.

Carol Decker wurde 1957 in Huyton, einem Ortsteil von Liverpool geboren, zog dann im Alter von sieben Jahren mit ihren Eltern nach Wellington in Shropshire in ein Reihenhaus in der Hordley Road. Heute lebt sie mit Ehemann und ihren beiden Kindern in Henley-on-Thames.

Hier ist das Video von „China In Your Hands“ zu sehen.

Published in: on 17. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Middleham Castle (North Yorkshire) – Die Burg Richards III. und ihre digitale Wiederauferstehung

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Über meine Besuche in der hübschen kleinen Stadt Middleham im Wensleydale in North Yorkshire berichtete ich in meinem Blog vor über sechs Jahren. Die Ruine des Middleham Castles, in dem Richard III. eine Zeit lang wohnte, steht mitten im Ort und überragt die umgebenen Häuser. Nachdem man seinen Eintritt bezahlt hat, kann man durch die zerfallene Burg gehen und sich vorstellen wie sie einmal ausgesehen haben mag, als sie noch bewohnt war.
Seit kurzem ist es möglich, sich das Middleham Castle dank einer digitalen Rekonstruktion plastisch anzusehen. Lost in Castles heißt eine Firma, die sich darauf spezialisiert hat, alte Burgen digital wiederaufzubereiten und diesen Vorgang in einem Film festzuhalten. Nach dem Conwy Castle in North Wales, dem Sandal Castle bei Wakefield (West Yorkshire) und dem Rhuddlan Castle in Denbighshire in Wales haben sich die Spezialisten von Lost in Castles nun dieser prominente Burgruine in Middleham angenommen, das heißt, sie arbeiten schon über zehn Jahre daran, denn die Rekonstruktion ist sehr zeitaufwendig. Man benötigt dafür historische Fachkenntnisse, die John L. Fox und Joseph A. Fox beisteuern. Letzterer ist auch für die digitale Umsetzung der erworbenen historischen Fakten zuständig. Die Firma Chat Noir Production kümmert sich um die Erstellung der jeweiligen Filme, die dann auf DVD angeboten werden. Abigail Fox schließlich ist für die Homepage von Lost in Castles verantwortlich und schreibt die Musik für die Filmproduktionen. Hier ist ihr Soundtrack zu „Middleham – A Castle Made For Kings“ zu hören.

Da bei Burgruinen nun einmal viele Teile fehlen, orientieren sich die Lost in Castles-Mitarbeiter an vergleichbaren Burgen aus der Zeit, um die Rekonstruktion so wirklichkeitsnah wie möglich zu gestalten.  Ich finde, es ist hochinteressant, sich diese digitale Umsetzung einmal anzusehen. Hier ist ein Ausschnitt aus der DVD „Middleham – A Castle Made For Kings“.

The Great Hall.   © Copyright Paul Harrop and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Die Ruinen der einstigen Kapelle.    © Copyright Paul Harrop and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 16. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Famous Graves – Emmeline Pankhurst auf dem Londoner Brompton Cemetery

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Suffragette: Taten statt Worte“ heißt der Spielfilm, der Anfang des Jahres in die deutschen Kinos kam (hier ist der Trailer dazu) und  der bereits am 7. Oktober 2015 beim Londoner Film Festival in Großbritannien seine Premiere feierte. Mit Meryl Streep, Carey Mulligan und Helena Bonham Carter ist er hochkarätig besetzt. Der Film schildert die wahren Ereignisse Anfang des 20. Jahrhunderts um die Feministin Emmeline Pankhurst (gespielt von Meryl Streep), die das Ziel verfolgte, das Wahlrecht für Frauen in Großbritannien zu erkämpfen.

Emmeline Pankhurst wurde 1858 als Emmeline Goulden in Manchester geboren und starb 1928 im Londoner Stadtteil Hampstead. Ihr Lebenswerk beinhaltete den ständigen Kampf um die Verbesserung der Frauenrechte in Großbritannien. Drei Wochen nach ihrem Tod trat das allgemeine Wahlrecht für Frauen in Kraft.

In diesem Blogeintrag möchte ich aber nicht weiter auf Emmeline Pankhursts Lebenswerk eingehen, sondern in meiner Reihe „Famous Graves“ auf ihr Grab, das auf dem Londoner Brompton Cemetery zu finden ist. Dieser Friedhof gehört zu den sogenannten „Magnificent Seven“ Londons und liegt im Royal Borough of Kensington and Chelsea, direkt neben dem Stadion Stamford Bridge, in dem der Chelsea FC seine Heimspiele austrägt. 1839 wurde er eröffnet und umfasst heute rund 35 000 Gräber.

Die Inschrift auf Emmeline Pankhursts Grab überrascht etwas, denn dort steht „In Loving Memory of Emmeline Pankhurst, Wife of R.M.Pankhurst LLD, At Rest June 14 1928″; eine überaus engagierte Frauenrechtlerin, auf deren Grabstein nur „Frau von…“ eingemeisselt ist? Die Grabstelle, die man am nördlichen Ende des Friedhofs findet, besteht aus einem keltischen Kreuz aus rotem Sandstein, darauf zwei Engel und die ausgestreckte Hand Gottes; darunter sieht man eine Figur mit einem Heiligenschein. Julian Phelps Allan (1892-1996) hat den Grabstein entworfen, eine Künstlerin (!), die eigentlich Eva Dorothy Allan hieß, sich aber einen männlich klingenden Namen zulegte, um in der von Männern dominierten Welt der Bildhauer ernst genommen zu werden.

Dass Emmeline Pankhurst auch heute noch Verehrerinnen hat, zeigen die Blumen, die man immer wieder an ihrem Grab vorfindet.
Geehrt wird die Suffragette auch noch mit einem Denkmal in den Victoria Tower Gardens in Westminster und mit einer blauen Plakette an ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Londoner Clarendon Road Nummer 50. Hier ist ein Film über sie.

Die Waliser Band Manic Street Preachers widmete der Frauenrechtlerin den Song „Emily“ auf ihrem Album „Lifeblood“.

Emmeline Pankhursts Denkmal in Westminster.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Emmeline Pankhursts Denkmal in Westminster.
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Author: Edwardx Die Plakette am Haus 50 Clarendon Road. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International license.

Author: Edwardx
Die Plakette am Haus 50 Clarendon Road.
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Edith Smith, Großbritanniens erster Woman Police Constable aus Grantham in Lincolnshire

Das Grantham Museum, in dem Ausstellungsstücke von Edith Smith zu finden sind. Links neben dem Gebäude liegt der Edith Smith Way.   © Copyright Richard Croft and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Grantham Museum, in dem Ausstellungsstücke von Edith Smith zu finden sind. Links neben dem Gebäude liegt der Edith Smith Way.
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Ich bin nur einmal in Grantham in Lincolnshire gewesen, einem Ort, der immer wieder als langweiligste Stadt Englands bezeichnet wird, was ich nicht so richtig nachvollziehen kann. Grantham ist vor allem durch zwei Persönlichkeiten bekannt geworden, durch Sir Isaac Newton (1642-1727), der hier in der King’s School zur Schule ging und durch eine Bronzestatue geehrt wird, und durch The Baroness Margaret Thatcher (1925-2013), die in Grantham geboren wurde und hier ebenfalls zur Schule ging, aber durch kein Denkmal geehrt wird, nur durch eine Plakette an ihrem Geburtshaus in der Broad Street.

Margaret Thatcher war Großbritanniens erste weibliche Premierministerin. Eine weit weniger bekannte Frau ist Edith Smith (1879-1924), die auch in Grantham wirkte, und die die erste „richtige“ Polizistin des Königreiches war. Eigentlich hatte Mrs Smith eine Ausbildung als Hebamme und stammte auch nicht aus Lincolnshire. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war sie in London und arbeitete dort beim Women’s Police Service mit, der die männlichen Polizisten in bestimmten Arbeitsbereichen unterstützte, aber keine weitreichenden Befugnisse hatte.

Im Dezember 1915 ging Edith Smith nach Grantham, wo sie als erste Frau im Polizeidienst vom dortigen Chief Constable mit dem Recht ausgestattet wurde, Verhaftungen vorzunehmen. WPC Smith hatte gleich alle Hände voll zu tun, denn um die Stadt Grantham herum gab es mehrere Garnisonen mit Tausenden von Soldaten…und wo Soldaten sind, gibt es auch Prostituierte. Hier ergab sich für Edith Smith ein weites Betätigungsfeld, dem sie sich sieben Tage in der Woche, beinahe rund um die Uhr, widmete. Dabei ging sie sehr feinfühlig vor, bewahrte zahlreiche Frauen davor, vor Gericht gestellt zu werden und versuchte, wo immer sie konnte, die Prostitution einzudämmen, was nicht leicht war, denn sie war ganz allein auf sich gestellt. Von ihrem verbrieften Recht, Verhaftungen vorzunehmen, machte sie nur selten Gebrauch. Ob sich die Polizistin durch ihre Arbeit bei den Soldaten viele Freunde machte, ist wohl sehr fraglich.

1918 verließ Edith Smith die Polizeitruppe wieder, ging von Grantham nach Runcorn in Cheshire, wo sie sich einige Jahre später mit einer Überdosis Morphium das Leben nahm. Das Grantham Museum hat einige Ausstellungsstücke von ihr, wodurch sie sich in erlesener Gesellschaft befindet, denn auch an Isaac Newton und Margaret Thatcher wird in den Räumen erinnert.

Eine schmale Gasse zwischen dem Museum und dem Guildhall Arts Centre ist Edith Smith Way getauft worden und hier wurde am 19. Oktober 2014 von der Grantham Civic Society eine blaue Plakette angebracht mit der Inschrift „PC Edith Smith – 1880-1924 – Pioneer Policewoman Served In Grantham 1915-1918“. Die Zeremonie wurde übrigens von DCC Heather Roach vorgenommen, einer Polizistin in hohem Rang, die ihre Karriere in der Stadt in Lincolnshire begann.

Heute sind rund 28% aller Polizisten in England und Wales weiblich, gar nicht so wenige in leitender Position.

Published in: on 14. Dezember 2016 at 02:00  Comments (2)  
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The Kinema in the Woods – Ein legendäres Kino in Woodhall Spa (Lincolnshire)

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Woodhall Spa mit seinen 5000 Einwohnern liegt mitten auf dem platten Land in Lincolnshire, ziemlich weit entfernt von größeren Städten. Die Mineralquellen sind es, die den Ort in Großbritannien bekannt machten, aber noch etwas anderes gibt es hier zu bestaunen: Ein Kino, das am 11. September 1922  eröffnet wurde und noch heute mit der sogenannten Rückprojektionstechnik arbeitet und wo auch noch eine Kinoorgel im Einsatz ist, das Kinema in the Woods.

Als Eröffnungsfilm sollte „The Lion Eaters“ gezeigt werden, doch da die Filmrollen nicht rechtzeitig in Woodhall Spa eintrafen, zeigte man eben einen Charlie Chaplin-Film.
Major C. C. Allport war es zu verdanken, dass das Kino über Jahrzehnte in Betrieb war, denn bis zum Jahr 1973 leitete er es, bis es von dem heutigen Besitzer James Green übernommen wurde. 1987 wurde eine Compton Kinestra Orgel in das Kino eingebaut, die noch heute von Alan Underwood gespielt wird.

1994 wurde ein zweiter Kinosaal eröffnet (der andere hat 265 Sitzplätze), der über 92 Plätze verfügt; ein Zeichen, dass The Kinema in the Woods nicht über mangelnde Besucher klagen muss. Das Haus hat jeden Tag abendliche Filmvorführungen und am Wochenende gibt es zusätzlich noch Matineen.

Sehr schön finde ich wie man dort mit der Frage „Darf ich mein Baby mit in die Vorstellung nehmen?“ umgeht:
„We do allow babes-in-arms to be brought in to afternoon screenings free of charge on the condition that if they start to cry they must be taken out of the auditorium immediately so as not to cause a disturbance to other customers.“

Das Kinema in the Woods ist kein Nostalgiekino, das nur alte Filme zeigt. Hier kann man auch die akuellen Blockbuster sehen.
Einen kleinen Eindruck über das Kino bietet dieser BBC-Film.

The Kinema In The Woods
Coronation Road
Woodhall Spa
Lincs
LN10 6QD

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Village Signs: Boxford in Suffolk

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An der Broad Street direkt am River Box in der kleinen Gemeinde Boxford (Suffolk) ist das Village Sign, das Dorfschild, zu finden. Es ist das Werk von Brian Gaze aus Ixworth (Suffolk), der sich schon durch andere Dorfschilder in Norfolk und Suffolk einen Namen gemacht hat. Am Sonntag, dem 14. März 1998 wurde das Schild in Anwesenheit vieler Bürger des Ortes und unter den Glockenklängen der nahegelegenen St Mary’s Church feierlich enthüllt.

Auf den ersten Blick sieht man die üblichen vertrauten Bilder auf dem Schild, wie sie auch auf Dutzenden anderer Village Signs zu finden sind: Da ist auf dem oberen Teil die Dorfkirche St Mary’s zu sehen, deren Ursprünge möglicherweise bis in das 11. Jahrhundert zurückgehen. Auf der linken Seite steht eine Windmühle, die 1788 erbaut wurde und 1901 abbrannte, und auf der rechten Seite eine Wassermühle, die 1934 ebenfalls durch ein Feuer zerstört wurde. Wenn man genau hinsieht, findet man auf dem Schild noch Schafe, Ähren und Äpfel, die jeweils darauf hinweisen, dass diese eine gewisse Bedeutung für Boxford hatten.

Das Besondere an dem Village Sign von Brian Gaze ist aber am unteren Ende das runde Bild, das einen Motorradfahrer zeigt, auf dessen Beiwagen ein Löwe liegt. Wer ist denn das, fragt sich der Betrachter. Es handelt sich hierbei um einen Exzentriker, der aus dem Dorf stammt, um George „Tornado“ Smith (1908-1971), dessen Eltern den White Hart betrieben. Dieser Mann wurde im ganzen Land dadurch berühmt, dass er als erster Engländer den „Wall of Death“ (dieser Film zeigt ein Beispiel) vorführte, das ist eine gefährlich Motorraddemonstration, die auch als Steilwandfahren bezeichnet wird. Doch das genügte Tornado Smith noch nicht; er erhöhte den Nervenkitzel für die Zuschauer dadurch, dass er eine junge Löwin namens Briton vor sich auf der Lenkstange sitzen hatte. Später, als die Löwin größer geworden war, saß sie in dem Beiwagen und vollführte mit Tornado zusammen die waghalsigen Manöver in der Todeswand. Wenn Smith nicht gerade durch das Land tourte, war er wieder zuhause in Boxford und unterhielt die Dorfbewohner mit seinen Kunststücken. Hin und wieder war er auch auf den Straßen zu sehen, wo er Briton an einer Leine spazierenführte. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Nahrung knapp wurde, konnte Tornado Smith seine Löwin nicht länger mit der erforderlichen Menge Fleisch versorgen und sah sich schweren Herzens gezwungen, sie zu erschießen. Begraben wurde sie dort, wo heute der Parkplatz des White Hart zu finden ist. In diesem Gasthof, in dem Smith aufwuchs, sind auch Erinnerungsstücke ausgestellt.

Das Village Sign mit dem Bild von Tornado Smith und seiner Löwin stieß bei den Bewohnern Boxfords aber nicht nur auf Zustimmung; einige im Dorf fanden die Darstellung des Exzentrikers auf dem Schild als „inappropriate“ und meinten, es gehöre da nicht hin.

St Mary's in Boxford.   © Copyright Bikeboy and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

St Mary’s in Boxford.
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Published in: on 12. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Auf den Spuren von Inspector Barnaby – The Plough in Cadsden (Buckinghamshire)

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In meinem Blog schrieb ich schon vor längerer Zeit über The Nag’s Head in Great Missenden (Buckinghamshire), in dem man auf dem Weg zur Toilette durchaus einmal Angela Merkel oder einem anderen Staatsoberhaupt begegnen kann. Der Grund: Chequers, der Landsitz der britischen Premierminister ist nicht weit und hin und wieder werden seine Gäste in einen der nahegelegenen Pubs eingeladen, wo man in ungezwungener Atmosphäre ein paar Pints zusammen trinkt.

Neben dem Nag’s Head wird dafür auch The Plough in dem kleinen Dörfchen Cadsden, ebenfalls in Buckinghamshire, aufgesucht, denn dahin könnte man von Chequers auch zu Fuß hingehen. David Cameron kehrte hier gern ein, entweder mit seiner Familie oder mit Politikern aus anderen Ländern. Durch die Presse ging die Geschichte wie er einmal aus Versehen seine damals achtjährige Tochter im Plough zurückließ. Er hatte angenommen, seine Frau Samantha hätte die Tochter mitgenommen, während Samantha annahm, sie wäre in seinem Auto mitgefahren. Als die Eltern das Fehlen der Tochter bemerkten, fuhr David Cameron schnell wieder zurück, um sie im Plough abzuholen.

Ein hoher Gast Camerons war der chinesische Präsident Xi Jinping, den er in The Plough zu einem Fish and Chips-Essen und einem Pint mitnahm (wie dieser Film zeigt). Offensichtlich war Xi Jinping von dem Pubbesuch so beeindruckt, dass er sich später persönlich bei dem Gastwirt mit einer E-Mail bedankte. Durch die Berichterstattung der chinesischen Medien wurde der Pub in China so bekannt, dass immer mehr Touristen aus dem Land bei ihrem Englandbesuch dem Plough einen Besuch abstatteten. Jetzt hat eine chinesische Investmentfirma den Pub sogar gekauft. Ich hoffe nur, dass die Fish and Chips auf der Speisekarte nicht bald durch Chop Suey ersetzt wird.

In der TV-Krimiserie „Inspector Barnaby“ ist in der Episode 47 „Down Among the Dead Men“ (dt. „Die Spur führt ins Meer“) The Plough häufig zu sehen. Barnaby und Jones untersuchen den Mord an dem Erpresser Martin Barratt und dabei geraten der Gastwirt Jack Fothergill und seine Reinemachefrau Ruby Wilmott ins Visier der Ermittler. Viele Szenen in dieser Folge wurden sowohl außerhalb des Pubs als auch im Schankraum selbst gedreht.

The Plough war einmal eine Kutschenstation und seine Anfänge gehen bis in das 16. Jahrhundert zurück. Wer das prominente Gasthaus einmal aufsuchen möchte: Man erreicht es über den Kreisverkehr in dem Dorf Askett, das nördlich von Princes Risborough und  Monks Risborough liegt. Dort biegt man in die schmale Cadsden Road ein, die zum Longdown Hill wird. Hier geht rechts eine Sackgasse ab, die auf dem Parkplatz des Pubs endet.

Diesen Fußweg könnte man gehen, um von Chequers zum Plough zu gelangen.   © Copyright Chris Heaton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Diesen Fußweg könnte man gehen, um von Chequers zum Plough zu gelangen.
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Christmas in England 2016: Weihnachten im Thornbury Castle Hotel (South Gloucestershire)

Eigenes Foto.

Eigenes Foto.

Über das wirklich ungewöhnlich schöne Thornbury Castle Hotel in Thornbury (South Gloucestershire) habe ich in meinem Blog im Laufe der Jahre mehrfach berichtet. Ich habe dort zehnmal gewohnt und es ist mein Hotel Nummer 1 in England. Einmal hatte ich sogar das seltene Vergnügen, die Burg im Schnee zu erleben. Eine wunderbare Atmosphäre, wenn man abends aus dem Fenster seiner „Bedchamber“ auf das Schneetreiben hinausschaut, sich zum Abendessen erst in die kerzengeschmückte Lounge begibt, in der man sich vor das Kaminfeuer setzt, und dann in das Restaurant gebeten wird, das ebenfalls von Kerzen und Kaminfeuer beleuchtet ist. Ich gerate ins Schwärmen…

Das Thornbury Castle Hotel bietet auch in diesem Jahr wieder einen Weihnachtsaufenthalt an, der vom 24. bis zum 27. Dezember dauert und einige Highlights bietet:

Die Anreise beginnt nachmittags am Heiligen Abend. In der Lounge wird als erstes ein Cream Tea angeboten; es folgt am frühen Abend ein Champagner-Empfang (black tie!) der eingetroffenen Gäste, die dabei durch Weihnachtslieder in eine festliche Stimmung versetzt werden. Anschließend genießen alle ein fünfgängiges Gourmet-Menü, das der neue Küchenchef Stuart Shaw kreiert hat (Shaw hatte acht Jahre im Manor House in Castle Combe in Wiltshire gearbeitet). Wer möchte, kann danach die Mitternachtsmesse in der Kirche St Mary’s besuchen, die direkt hinter dem Burghotel steht (Beginn 23.30 Uhr), eine sehr schöne Kirche!!

Am ersten Weihnachtstag versammeln sich die Gäste mittags zu einem Glas Sherry in der Lounge, wo auch kleine Geschenke verteilt werden, und dann geht es wieder zu einem üppigen Festmahl ins Restaurant. Wer dann noch mag, kann anschließend an einer Schatzsuche in der Burg teilnehmen (oder sich in sein Himmelbett legen). Abends wird ein leiches Mahl gereicht und mehrere Portweine zum Probieren angeboten.

Am zweiten Weihnachtstag, dem Boxing Day, gibt es die Möglichkeit, auf der High Street von Thornbury dem traditionellen Auszug der Berkeley Hunt beizuwohnen, der ältesten dieser Art in Großbritannien. Dieser Film zeigt wie es dabei zugeht. Nach einem leichten Mittagessen gibt es auf dem Burggelände eine Vorführung, bei der Michael Davie seine Kunst als Falkner zeigt, die er seit mehr als dreißig Jahren ausübt. Und was machen die Gäste abends? Richtig, sie essen, und zwar zelebriert Stuart Shaw zum Abschied noch einmal ein Gala-Diner. Am nächsten Tag geht es dann wieder nach Hause.

Was kostet so ein Drei-Tage-Paket? Es kommt darauf an, was man für eine Zimmerkategorie gebucht hat. Das Standard-Doppelzimmer kostet zum Beispiel £1755 und das geht dann hoch bis zu £2655 für eine Superior-Suite.

Sehr zu empfehlen für einen Aufenthalt im Thornbury Castle Hotel (nach eigener Erfahrung) sind zum Beispiel die Plantagenet Deluxe Bedchamber und die Bedford Bedchamber.

Diesen kleinen Film habe ich einmal bei einem abendlichen Spaziergang im verschneiten Tudorgarten des Thornbury Castles aufgenommen.

Thornbury Castle vom Kirchhof von St Mary's aus gesehen. Eigenes Foto.

Thornbury Castle vom Kirchhof von St Mary’s aus gesehen.
Eigenes Foto.

Hier in der Lounge steht dann auch ein Weihnachstbaum. Eigenes Foto.

Hier in der Lounge steht dann auch ein Weihnachtsbaum.
Eigenes Foto.

Mein Auto steht zur Abfahrt bereit (leider!). Eigenes Foto.

Mein Auto steht zur Abfahrt bereit (leider!).
Eigenes Foto.

St Mary's hinter dem Thornbury Castle. Eigenes Foto.

St Mary’s hinter dem Thornbury Castle.
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Published in: on 10. Dezember 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Freilandskulpturen Teil 3: Der Tout Quarry auf der Isle of Portland (Dorset)

Blick vom Tout Quarry Sculpture Park auf die Isle of Portland.   © Copyright Adrian King and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Blick vom Tout Quarry Sculpture Park auf die Isle of Portland.
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Die Londoner St Paul’s Cathedral, der Buckingham Palace und das Banqueting House sind nur drei Beispiele für berühmte Gebäude, die aus Portland-Stein gebaut worden sind, jenem Naturstein, der aus den Steinbrüchen auf der Isle of Portland in der Grafschaft Dorset  herausgebrochen wird.

Einer dieser vielen Steinbrüche ist der Tout Quarry, der von 1750 bis 1982 das Baumaterial für unzählige Häuser lieferte. Nachdem er geschlossen worden war, gründete der Portland Sculpture and Quarry Trust hier einen Park, in dem Lehrgänge für Bildhauer und Steinmetze angeboten werden. Stein steht nach wie vor in jeder Menge zur Verfügung, und die Kunstwerke, die hier geschaffen worden sind, kann man besichtigen.
Die Zufahrt zum Tout Quarry erfolgt von Weymouth aus über die A354. Südlich von Fortuneswell biegt an einem Kreisverkehr die Wide Street ab, von der es wiederum zum Tradecroft Estate abgeht. Dort ist der Steinbruch zu finden.

Zahlreiche Kunstwerke sind in dem Skulpturenpark zu sehen, temporäre als auch permanente. Eine kleine Auswahl möchte ich hier vorstellen:

  • Antony Gormley ist wohl der berühmteste und bekannteste Künstler, der im Tout Quarry gearbeitet hat. „Still Falling“ heißt seine Skulptur, die er in den Stein des Tout Quarry gemeißelt hat.
  • 1992 entstand „Window“ von Justin Nichol, das sich großer Beliebtheit bei den Besuchern erfreut.
  • Eine Gruppe niederländische Bildhauer, die sich Group 85 nannte, schuf den „Circle of Stones„, in dessen Mitte ein Tisch steht, der von steinernen Sitzen umgeben ist. Dieser Steinkreis ist von einem weiteren umgeben, der aus bankartigen Steinblöcken besteht.
  • Ein Schiffswrack gestaltete die Londoner Künstlerin Rosie Leventon, das sie „Wreck“ nannte und nach einem Boot namens Lerret geformt wurde, das in dieser Region von Fischern verwendet wurde.

Dieser Film zeigt einige besonders schöne Kunstwerke in dem Steinbruch auf der Isle of Portland.

"Still Falling" von Antony Gormley.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Still Falling“ von Antony Gormley.
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"Window" von Justin Nichol.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Window“ von Justin Nichol.
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"Circle of Stones" von Group 85.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Circle of Stones“ von Group 85.
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"Wreck" von Rosie leventon.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

„Wreck“ von Rosie Leventon.
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Published in: on 9. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Freilandskulpturen Teil 2: Silvas Capitalis im Kielder Forest (Northumberland)

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Der Kielder Forest ist ein großes Waldgebiet im Norden Englands in der Grafschaft Northumberland. Auch hier finden wir abseits aller vielbefahrenen Wege mitten im Wald ein Kunstwerk, das auf den ersten Blick etwas erschreckend wirkt: Silvas Capitalis heißt es, also „Der Waldkopf“. Durch den weitgeöffneten Mund wird der Wanderer ermutigt, in den Kopf zu steigen, wo er Unterschlupf findet und in dem er einige Stufen nach oben steigen und aus den Augen der Figur nach draußen schauen kann.
Inspiriert wurde die US-amerikanische Künstlergruppe SIMPARCH, die Silvas Capitalis konzipierte, von der keltischen Mythologie, in der die „Watcher“ darauf aufpassten, was im Wald und mit seinen Bewohnern vor sich ging. SIMPARCH (Simple Architecture) wurde 1996 in New Mexico gegründet; ihre Werke wurden u.a. schon in der Londoner Tate Modern und bei der Kasseler Documenta ausgestellt.

Silvas Capitalis wurde 2009 aus rund 3000 Einzelteilen in einem Atelier in Kielder Village von sechs erfahrenen Künstlern zusammengesetzt. Das Holz stammt von der Europäischen Lärche. Im Laufe der Jahre hat der Wald allmählich von der Skulptur Besitz ergriffen, indem sich eine Moosschicht über den Kopf gelegt hat, was sicher im Sinne der Erbauer liegt.

Um sich Silvas Capitalis anzusehen, muss man schon eine Strecke zurücklegen, denn das Kunstwerk liegt rund eine Wanderstunde vom Kielder Castle Visitor Centre entfernt und ist über den Lakeside Way zu erreichen. Die Skulptur ist eines von mehreren Kunstwerken auf dem Art & Architecture Trail, die entlang des Kielder Water aufgestellt sind; wir finden dort zum Beispiel noch das Minotaur Maze, die Janus Chairs und das Kielder Observatory wie dieser Film zeigt.
Die Campaign to Protect Rural England hat den Kielder Forest einmal als den stillsten Ort Englands bezeichnet.

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Die Augen der Skulptur von Innen aus gesehen.   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Augen der Skulptur von Innen aus gesehen.
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Published in: on 8. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Freilandskulpturen Teil 1: „Eat For England“ von Bob Budd

Leider ist der Löffel durch Graffiti schon verunstaltet worden.   © Copyright Christine Westerback and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Leider ist der Löffel durch Graffiti schon verunstaltet worden.
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Skulpturen von namhaften Künstlern finden sich meist in Museen oder an exponierten Stellen in Städten, an denen täglich viele Menschen vorbeigehen. Ganz anders sieht es mit einem Kunstwerk aus, das in der nördlichsten Grafschaft Englands, in Northumberland, aufgestellt ist und das auch noch an einem abgelegenen Feldweg. Man kann es besichtigen, wenn man vom östlichen Ortsrand von Cramlington in Richtung Seghill geht. Dort wird  man plötzlich mit einem rund fünf Meter hohen Löffel konfrontiert, der mit der Spitze im Erdreich steckt. Dieses Kunstwerk ist eines von fünfen, die in der Region um Cramlington installiert worden sind und zum Wildspace Network gehören (die anderen heißen zum Beispiel „Footsteps in the Snow“ und „No Entry Gates“). „Eat For England“ nennt sich die Skulptur, auf die ich in meinem heutigen Blogeintrag aufmerksam machen möchte, und der Künstler heißt Bob Budd.

Budd studierte Bildhauerei in Stuttgart und hat sein Atelier in Woodbury bei Exeter in Devon. Einige seiner Werke sind auch in Österreich und in Deutschland anzutreffen.
„Eating For England“ wurde im Jahr 2006 aufgestellt und ist Teil des oben erwähnten Wildspace Networks, das damals eine kräftige Finanzspritze vom Big Lottery Fund erhielt. Bob Budd hat auch eine Erklärung parat, warum sein großer Löffel ausgerechnet auf einem Feld außerhalb eines Ortes steht. Hier draußen auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche ist der Ursprung unserer Nahrung, meint er, und dieser Löffel soll das verdeutlichen.

Ganz in der Nähe von Cramlington ist noch ein Kunstwerk zu bestaunen, über das ich in meinem Blog schon einmal geschrieben habe: The Naked Lady of Cramlington“.

Christmas in England 2016: Weihnachten im Charles Dickens Museum in London

Das Museum in der Doughty Street.   © Copyright Stephen Craven and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das Museum in der Doughty Street.
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Denkt man an Weihnachten, denkt man oft auch an Charles Dickens‚ „A Christmas Carol“ (dt. „Eine Weihnachtsgeschichte“), eine der berühmtesten und beliebtesten Geschichten der Weihnachtszeit überhaupt. 1843 erschien sie erstmals und wurde seitdem immer wieder aufgelegt und verfilmt (zum Beispiel 1984 mit George C. Scott als Ebenezer Scrooge; gedreht in Shrewsbury in Shropshire. Hier ist der Film zu sehen).

Charles Dickens‘ Haus in London in der Doughty Street Nummer 48, in dem er u.a. seinen Roman „Oliver Twist“ schrieb, wurde 1925 in ein Museum umgewandelt und ist ein Mekka für die Freunde des Schriftstellers in aller Welt.

Jedes Jahr im Dezember werden die Räume des Hauses weihnachtlich geschmückt und es verbreitet sich eine ganz besondere Atmosphäre in den „heiligen Hallen“. Die Museumsbetreiber haben sich auch in diesem Jahr wieder einiges ausgedacht, womit sie die Besucher erfreuen können. Hier sind einige Beispiele:

Die „Costumed Christmas Walks“ führen in die alten Gassen und Straßen der City of London, in denen „Die Weihnachtsgeschichte“ spielt, und in der ultramodernen Stadt haben sich davon tatsächlich noch einige erhalten.

Eine weitere Tour auf den Spuren des großen Meisters nennt sich „Twists and Turns“ und führt zu den Schauplätzen des Romans „Oliver Twist“. Der 90minütige Spaziergang beginnt am Museum und wird am 10. Dezember um 11 Uhr durchgeführt.

Die „Christmas Housemaid’s Tour“ (11. und 18. Dezember) zeigt den Besuchern das Haus in der Doughty Street von oben bis unten und man erfährt dabei einiges über das Privatleben des Schriftstellers.

An mehreren Nachmittagen und Abenden im Dezember liest Professor Michael Slater aus dem Buch “ A Christmas Carol“. Er ist einer der führenden Dickens-Experten weltweit und war Präsident der International Dickens Fellowship. Am 12.,13. und 23. Dezember kann man Professor Slater jeweils um 15.30 Uhr und 18.30 Uhr zuhören.

Ein besonderes Highlight dürfte wieder die Aufführung von “ A Christmas Carol“ durch den Schauspieler Dominic Gerrard sein. Das ist eine One-Man-Show, von der ein winziger Appetithappen hier zu sehen ist.

Am 14. und 21. Dezember steht das Charles Dickens Museum unter dem Motto „Christmas by Candlight„; dann sind die Räume abends durch viele Kerzen erleuchtet, was ihnen eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.

Das Museum ist täglich von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, an einigen Tagen auch länger. Dieser Film zeigt das Innere des Museums und dieser einen weihnachtlich geschmückten Raum.

Die Doughty Street ist eine schöne baumbestandene Straße im Stadtteil Camden. Hier befinden sich auch in der Nummer 54, nur ein paar Meter vom Dickens-Museum entfernt, die Doughty Street Chambers, die größte Anwaltsgemeinschaft der Welt, die sich für Menschenrechte einsetzt und bei der u.a. auch George Clooneys Frau Amal arbeitet.

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Published in: on 6. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Die Container City in den Londoner Docklands

Container City 1. Author: Cmglee. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Container City 1.
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Was macht man eigentlich mit Schiffscontainern, die nicht mehr gebraucht werden oder deren „Verfallszeit“ abgelaufen ist? Die meisten werden sicher in der einen oder anderen Weise recycelt, doch man kann mit ihnen auch etwas sehr viel Nützlicheres anstellen, nämlich sie als Künstlerstudios umfunktionieren. Auf diese Idee kam man im Jahr 2001 in den Londoner Docklands, in dem man einfach mehrere sogenannte 40-Fuß-ISO-Container aufeinanderstapelte. In kurzer Zeit entstand so die Container City 1, die auf drei Stockwerken Platz für 12 Studios bereithielt. Zwei Jahre später wurde noch ein weiteres Stockwerk hinzugefügt.
Weil die Nachfrage nach diesen Arbeitseinheiten groß war, entstand direkt daneben im nächsten Jahr die Container City 2 mit 22 weiteren Studios auf fünf Stockwerken. Beide „Cities“ sind mit Übergängen verbunden.

Federführend für das ganze Projekt war die Organisation Urban Space Management, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, verfallenden Teilen Londons und anderen Städten Großbritanniens wieder Leben einzuhauchen und das auf umweltschonende und kostengünstige Art.

Entworfen wurden die beiden Container Cities von dem Architekturbüro Nicholas Lacey And Partners, das die „Schachtelstudios“ im Inneren komplett neu gestaltete, indem die Stahltüren durch Glastüren ersetzt und große, runde, bullaugenartige Fenster in die Seitenwände geschnitten wurden. Die Bauweise erwies sich auch als variabel, indem man zwei Container zu einer Einheit zusammenfassen konnte..
Beide Anlagen wurden dann noch mit kräftigen Farben versehen und fertig war ein interessantes und zukunftsweisendes Projekt in einer ständig unter Raumnot leidenden Stadt. Dieser Film zeigt die Containerstadt.

Die Container Cities liegen auf dem Gelände der Trinity Buoy Wharf, einem Teil der ehemaligen Hafenanlagen, die zunehmend verfielen, bis sie dann von Urban Space Management in ein kulturelles Zentrum umgewandelt wurden. Heute findet man hier u.a. Teile der Royal Drawing School, der English National Opera und der University of East London. Die Wharf liegt auf der Nordseite der Themse, direkt gegenüber der O2-Arena.

Die dreiköpfige Popband Living in a Box aus Sheffield hatte 1987 einen Hit, der ebenfalls „Living in a Box“ hieß. Vielleicht inspirierte dieser Song ja einen der Projektträger unbewusst…

Container City 2. Author: Cmglee. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Container City 2.
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Blick auf die Trinity Buoy Wharf.   © Copyright Christine Matthews and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 5. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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St Botolph without Bishopsgate – Eine Londoner Kirche im Schatten von Hochhäusern

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Nur ein paar Schritte von der Liverpool Street Station entfernt, mitten in London, steht eine Kirche, St Botolph without Bishopsgate, die von hohen Glaspalästen umgeben ist und kaum Luft zum Atmen zu haben scheint. Früher überragte das anglikanische Gotteshaus die umstehenden Häuser, heute ist es andersherum. Botolph war eine englischer Mönch im 7. Jahrhundert, der später heiliggesprochen wurde. Nach ihm wurden im Londoner Stadtgebiet mehrere Kirchen benannt. St Botolph liegt an der Straße Bishopsgate (der A10) in der City.

Die Kirche hat einige Besonderheiten, auf die ich hier kurz eingehen möchte. Sie überlebte den Großen Brand von 1666 und wurde auch im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert, dafür erwischte es sie am 24. April 1993, als die IRA ganz in der Nähe eine Bombe zündete. Das Dach wurde dabei zerstört und alle Türen und Fenster gingen zu Bruch. Die Kirche wurde als einsturzgefährdet deklariert; doch man machte sich gleich wieder an die umfangreichen Restaurierungsarbeiten, die drei Jahre und sechs Monate in Anspruch nahmen. Im Januar 1997 konnte der Bischof von London St Botolph without Bishopsgate in einem Dankgottesdienst wieder der Gemeinde übergeben.

Der Dichter John Keats (1795-1821) wurde 1795 in St Botolph’s getauft und das Original-Taufbecken ist noch immer vorhanden.

Auf dem Gelände der Kirche findet man, wohl einzigartig, einen Tennisplatz, der der Allgemeinheit zur Verfügung steht; der einzige öffentliche Tennisplatz in der City of London. Er ist ganzjährig bespielbar, im Winterhalbjahr allerdings nur für Netballspieler.

Am Rande des Kirchhofs von St Botolph’s steht ein exotisches Gebäude, dessen Zweck sich einem nicht auf den ersten Blick erschließt. Das war einmal der Eingang zu einem unterirdischen türkischen Bad, das 1895 von Henry and James Forde Neville eingerichtet wurde. Heute befindet sich darin ein Lokal, The Dollhouse.

Über die Kirche von St Botolph without Bishopsgate gibt es auch eine Geistergeschichte: 1982 befand sich ein Fotograf allein mit seiner Frau in der Kirche, in der er einige Aufnahmen machte. Als der Mann die Fotos später entwickelte sah er zu seiner großen Überraschung auf einem dieser Bilder eine Frau in altertümlicher Kleidung auf einer Empore neben dem Altar. Nach einer gründlichen Untersuchung des Fotos durch Experten wurde sichergestellt, dass es sich hierbei um keine Doppelbelichtung handelte, das Bild war echt. Noch mysteriöser wurde diese Sache als sich später ein Bauarbeiter meldete, der das Foto gesehen hatte. Er war einmal in der Krypta der Kirche mit Renovierungsarbeiten beschäftigt und hatte dabei zufällig den Deckel einer der Särge bewegt. Darin lag der noch recht gut erhaltene Körper einer Frau und deren Gesicht hatte eine frappierende Ähnlichkeit mit dem der Frau auf dem Foto.

Die Kirche im Schatten eines Glaspalastes.   © Copyright Steve Daniels and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Die Kirche im Schatten eines Glaspalastes.
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Ein Blick in den Ostflügel.    © Copyright John Salmon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Ein Blick in den Ostflügel.
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Das Taufbecken, in dem John Keats getauft wurde. Author: Nicholas Jackson. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.

Das Taufbecken, in dem John Keats getauft wurde.
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Das ehemalige türkische Bad.   © Copyright David Hallam-Jones and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

Das ehemalige türkische Bad.
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Published in: on 4. Dezember 2016 at 02:00  Comments (2)  
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Das einzige Staubsaugermuseum Großbritanniens in Heanor (Derbyshire)

Ein Staubsauger der Firma Dyson. This work is released into the public domain.

Ein Staubsauger der Firma Dyson.
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Wer in Heanor (Derbyshire) und Umgebung Probleme mit seinem Staubsauger hat, der kann sich vertrauensvoll an James „Mr. Vacuum Cleaner“ Brown wenden, denn es gibt sicher nicht viele Menschen in Derbyshire, die sich ähnlich gut mit diesem Haushaltsgerät auskennen. In der Market Street 23 in Heanor ist sein Laden zu finden, in dem er Staubsauger verkauft, repariert und seine riesige Sammlung ausstellt, die einzigartig in Großbritannien ist.

James Brown begann sich schon als Kind für Staubsauger zu interessieren und bekam seinen ersten im Alter von acht Jahren; ja, er ging sogar so weit, dass er sein Taschengeld dafür ausgab. Bis heute hat er zwischen £30 000 und £50 000 für den Kauf von „vacuum cleaners“ ausgegeben. Im Jahr 2010 eröffnete Mr Brown einen Laden und ein Museum in Eastwood, einem Nachbarort, bevor er in die Market Street von Heanor zog. Mit seiner Sammlung von über 300 Geräten hat er es sogar ins Guinness Book of Records geschafft. Sein ältester Staubsauger, ein Hoover 700, stammt aus dem Jahr 1926. Das Wort „to hoover“ für staubsaugen, nach dem amerikanischen Patentinhaber William Henry Hoover (1849-1932), hat sogar Einzug in den englischen Sprachgebrauch gefunden.

Es gibt nicht mehr allzuviele Staubsauger, die James Brown in seiner Sammlung fehlen. Man kann sie sich während der Ladenöffnungszeiten in seinem Museum in Heanor ansehen. Eintritt dafür verlangt er nicht, nur ein überdurchschnittliches Interesse sollte man schon mitbringen, sonst wird es schnell langweilig. Dieser Film stellt Mr Vacuum Cleaner vor.

Heanor liegt nordwestlich von Nottingham, dort wo die A608 und die A6007 zusammentreffen.

In den USA gibt es ebenfalls Vacuum Cleaner Museums wie eines an der Route 66 in St James, Missouri und eines in Portland, Oregon.

Mr Vacuum Cleaner
23 Market Street
Heanor
Derbyshire DE75 7NR

...und ein Modell der Firma Kirby. Author: Don Dearing. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

…und ein Modell der Firma Kirby.
Author: Don Dearing.
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Published in: on 3. Dezember 2016 at 02:00  Schreibe einen Kommentar  
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Haltwhistle in Northumberland – Der geografische Mittelpunkt Großbritanniens

   © Copyright Oliver Dixon and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Über Ortschaften, die von sich behaupten, das geografische Zentrum Englands zu sein bzw. im absoluten Mittelpunkt des Landes zu liegen, habe ich in meinem Blog schon mehrfach geschrieben. Da ist Meriden in den West Midlands und die Lindley Hall Farm bei Fanny Drayton in Leicestershire, Coton in the Elms in Derbyshire ist der Ort, der am weitesten von den die Insel umgebenden Meeren entfernt liegt. Dunsop Bridge in Lancashire soll der geografische Mittelpunkt ganz Großbritanniens sein, was die Bewohner von Haltwhistle in Northumberland aber entschieden bestreiten. Die rund 4000 Einwohner zählende Kleinstadt am River Tyne, unweit vom Hadrians Wall gelegen, ist felsenfest davon überzeugt, selbst direkt im Zentrum des Vereinigten Königreichs zu liegen. Um diesen Anspruch zu untermauern, wird man bereits am Ortseingang von einem Schild begrüßt, auf dem „Welcome to Haltwhistle – Centre of Britain“ zu lesen ist.

An der Main Street findet man das Centre of Britain Hotel, drei Häuser weiter die Centre of Britain Launderette und dann gab es direkt daneben auch einmal eine Centre of Britain Gallery. Die Erklärung, warum die Stadt am Tyne nun exakt im Mittelpunkt Großbritanniens liegt, klingt einleuchtend: Zieht man eine Linie vom nördlichsten bis zum südlichsten Punkt, dann liegt Haltwhistle genau auf der Hälfte der Strecke. Von hier aus sind die geografischen Mittelpunkte der vier einzelnen Teile Großbritanniens alle gleich weit entfernt, als da sind:
Meriden in England – der Forest of Atholl in Schottland – Carno in Wales – Pomeroy in Nord-Irland.

Ein Wegweiser in Haltwhistle bestätigt noch einmal die Entfernungen zum nördlichsten Punkt „North Orkney“ = 290 Meilen und „Portland Bill“ in Dorset = 290 Meilen -> Quod erat demonstrandum.

Was aber nun, wenn sich Schottland eines Tages doch vom Vereinigten Königreich trennen sollte? Würden dann in Haltwhistle das Hotel, die Reinigung und die Galerie alle umbenannt werden, denn dann stimmt das mit dem Mittelpunkt ja nicht mehr? Das Ortsschild müsste dann auch erneuert werden, ja, da zeichnen sich Probleme am Horizont ab.

Wer Haltwhistle einmal besuchen möchte: Der Ort liegt an der A69, die von Carlisle nach Newcastle-upon-Tyne führt.

In diesem Film stellt David Taylor sein Centre of Britain Hotel vor.

Das zentralst gelegene Hotel Großbritanniens.   © Copyright Graham Robson and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Diese Plakette ist auf dem Marktplatz eingelassen.   © Copyright Bob Embleton and licensed for reuse under this Creative Commons Licence.

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Published in: on 2. Dezember 2016 at 02:00  Comments (3)  
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